Inhaltsübersicht
I. Investition
und Risiko
II. Elastizität
bei weiteren Investitionen
III. Investition
als Grundaufgabe des Wirtschaftens
IV. Finanzierung
von Investitionen
V. Bewertung
von Investitionen
VI. Finanzinvestor
I. Investition und
Risiko
Während der Verbrauch (von Produktionsmitteln oder
Konsumgütern) innerhalb einer Periode
abläuft, ist die Investition eine Transformation von Ressourcen, die sich über mehrere Perioden erstreckt. Das Wesen
der Investitionen liegt also in ihrer längerfristigen
Wirkung: Anfangs werden vom Investor ein Investitionsobjekt, Ressourcen oder
Rechte erworben, was Auszahlungen oder einen dazu äquivalenten Einsatz
verlangt. In den folgenden Jahren begünstigen Investitionsobjekt, Ressourcen
oder Rechte den Investor, was sich in Zahlungen ausdrückt, die dem Investor
dann zufließen.
Durch Investitionen wird demnach ein Leistungspotenzial,
Vermögen oder Kapital aufgebaut. Im Verlauf der Zeit gibt das Kapital seine
positive Wirkung ab. Eventuell verliert es im Verlauf der Zeit durch
Fortschritt und den Wandel seine Kraft. Ressourcen, die diese periodenübergreifende
Wirkung haben, sind 1. Sachvermögen (Immobilien, Maschinen), 2. Wissen in
seinen vielen Ausgestaltungen (Organisation, Marktkenntnis, Markenamen,
Prozesswissen), 3. Rechte, die ebenso periodenübergreifende Zahlungswirkung
haben, wie z.B. Finanzkontrakte unter Einschluss von Wertpapieren. Während
früher bei Investitionen der Erwerb von Sachkapital und der Kauf von
Wertpapieren im Vordergrund standen, wird heute die Schaffung von Wissen auf
Ebene des Staates und in den Unternehmen als wesentliche Investition gesehen,
während für den einzelnen Menschen seit je her die Ausbildung eine wichtige
Investition ist. Zur Umsetzung von neuem Wissen in Unternehmen dienen oft
Investitionen in Sachkapital. So investieren Unternehmen in neues Wissen und
tätigen Investitionen, um das neue Wissen umzusetzen.
Aufgrund ihrer Wirkung über zukünftige Jahre hinweg sind
Investitionen, anders als sichere Geldanlagen über die Zeit hinweg, unsicher.
Der Investor nimmt verschiedene Risiken auf sich: 1. Zum Investitionszeitpunkt
sind oft nicht alle Informationen verfügbar (die wohl mit höherem Aufwand
erkundet werden können) und dennoch muss entschieden werden. Erst später werden
diese Informationen bekannt. 2. Der Wert der Investition, aufgefasst als Summe
der Barwerte aller erzeugbaren Rückflüsse, unterliegt den allgemeinen
Wertrisiken, deren Ursachen letztlich im Auf und Ab der Konjunktur liegen und
in den Preisschwankungen an den Finanzmärkten der Währungsparitäten. 3. Das
Vorhaben kann sich aus technischen oder rechtlichen Bedingungen als
undurchführbar erweisen (Flop-Risiko). 4. Es gibt Störungen beim Betrieb
(Operationelle Risiken, Schäden, Diebstahl, Naturkatastrophen). Die freie
Verwertbarkeit der Ergebnisse kann durch den Rahmen verändert werden (politisches
Risiko). Investoren müssen daher ein gutes Risikomanagement entwickeln. (Albrecht,
Peter/Maurer, Raimond 2005; Froot,
Kenneth A./Scharfstein, David S./Stein, Jeremy C. 1994)
II. Elastizität bei
weiteren Investitionen
Investitionen verlangen nicht nur eine einmalige Begründung,
sondern sind mit einer Managementaufgabe während ihrer Nutzungszeit verbunden:
Darunter ist primär der wirtschaftliche Einsatz der Investitionsobjekte
gemeint, also beispielsweise die Verwendung von Sachkapital zur Produktion von
Gütern: Personal muss gefunden werden, die Kundenbasis ist zu erweitern.
Oftmals bietet sich eine Spezialisierung und Arbeitsteilung zwischen dem
Investor (Erkundung von Investitionsmöglichkeiten, Bereitstellung der Geldbeträge,
Risikomanagement, Entscheidung) und dem Verwender (Management) an. Diese
Arbeitsteilung bringt besondere Probleme mit sich, die in der
Prinzipal-Agenten-Beziehung behandelt werden. Nicht alle diese Agency-Probleme
können durch den Marktmechanismus gelöst werden, sodass der Investor Schemata
zur Motivation und Kontrolle des Managers seiner Investition anwenden muss. Zur
Aufgabe des Managers gehört nicht nur der wirtschaftliche Einsatz der
getätigten Investition, sondern auch die Planung weiterer Investitionen, für
die sich die Planungsgrundlagen aus dem Einsatz der ersten Investition ergeben:
Der Manager kann durch dieses Tun sehr viel lernen. Er wird dann dem Investor
Vorschläge für weitere Investitionen machen (oder diese Ideen als Privateigentum
betrachten und selbst verwirklichen). So muss der Investor nicht nur sein
Investitionsgut direkt schützen, sondern außerdem die mit dessen Verwendung
entstehenden Informationen und Opportunitäten für sich sichern. Deren Wert
stellt einen Teil der Rückflüsse dar.
Zu den weiteren Investitionen, die sich nach der ersten
Investition ergeben, und über die primär der Manager lernt, gehören: 1.
Investitionen in die Organisation und in die Erschließung neuer Märkte. 2.
Vorschläge für eine Erweiterung der Kapazität. 3. Vorschläge für den Ersatz
bzw. die Instandhaltung des ersten Investitionsobjekts, eventuell um neue
Technologien zu verwirklichen oder Prozesse zu optimieren
(Rationalisierungsinvestitionen). Hierbei hat der Investor eine große
Elastizität, weil diese während der Laufzeit der ersten Investition und mit dem
Einsatz des Investitionsobjekts aufkommenden Ideen auf verschiedenste Weise
realisiert werden können. Die hohe Elastizität bei diesen
Anschlussinvestitionen führt in Entscheidung und Delegation auf komplexe
Fragen, die höchst unterschiedlich beantwortet werden können – im Unterschied
zu den weniger elastischen Tätigkeiten im Zuge vorgegebener Strukturen.
Die Elastizität verdeutlicht eine einfache Rechnung: Wenn ein
Unternehmer die Abschreibungsgegenwerte reinvestiert und eine mittlere
Abschreibungsdauer von 7 Jahren unterstellt wird, dann kann die Unternehmung
innerhalb von 7 Jahren völlig neu an einem neuen Ort mit einem neuen Inhalt
geschaffen werden. Dieses enorme Erneuerungspotenzial kann konservativ wie
innovativ, traditionell wie revolutionär verwendet werden.
Die hohe Elastizität begründet auch die Flexibilität, die der
Investor hat. Flexibilität ist wertvoll, um in einem volatilen Umfeld
Anpassungen vornehmen zu können. Selbst wenn das ursprüngliche
Investitionsobjekt nur eine starre Verwendung gestattet, ist Flexibilität durch
die Frage von Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen stets gegeben. Der Investor
muss neben den bisher genannten Qualitäten auch die Fähigkeit haben, mit der
enormen Elastizität von Folgeentscheidungen umgehen zu können, und er muss in
der Lage sein, das gemessen an der Volatilität der Umwelt wertvollste Maß an
Flexibilität zu schaffen und zu bewahren. (Dixit,
Avinash K./Pindyck, Robert S. 1994; Copeland,
Thomas E./Weston, J. Fred/Shastri, Kuldeep 2005, S. 305 ff.; Koller,
Tim/Goedhart, Marc/Wessels, David 2005, S. 559 ff.)
III. Investition als
Grundaufgabe des Wirtschaftens
Der Investitionsvorgang umfasst: 1. Die anfängliche
Investitionsentscheidung. 2. Dispositionen des wirtschaftlichen Einsatzes der
Ressourcen und Rechte (oder Delegation an einen Manager). 3. Umgang mit
Elastizität und Flexibilität hinsichtlich der Möglichkeiten für weitere
Investitionen, die durch den wirtschaftlichen Einsatz der ursprünglichen
Investition erzeugt werden.
Der Investitionsvorgang ist eine Grundaufgabe des
Wirtschaftens. Einzelpersonen investieren Zeit und Kraft in die eigene
Ausbildung, Familien kaufen ein Haus, erwerben Beteiligungen und Wertpapiere.
Unternehmen investieren in Forschung und Entwicklung, tätigen
Ersatzinvestitionen, Betriebserweiterungen (Greenfield-Approach) oder erwerben
bereits laufende andere Unternehmen (Brownfield-Approach). Der Staat investiert
in die Grundlagenforschung und in die Infrastruktur. Aufgrund der besonderen
Problematik, die mit dem wirtschaftlichen Einsatz der Investition und mit der
Ergreifung der durch ihn sich ergebenden Chancen für weitere Investitionen
verbunden sind, also mit der Managementaufgabe und der Formung elastischer
Ressourcen, werden im modernen Staat besonders Unternehmen als fähige
Investoren angesehen. Von daher ist in der volkswirtschaftlichen Arbeitsteilung
die Unternehmung nicht allein der Produzent von Gütern, sondern mit wenigstens
derselben Bedeutung der Investor und Gestalter von Investitionen. Einige
größere Unternehmen spezialisieren sich immer mehr auf die letztgenannte
Funktion: Sie managen Investitionen und formen die sich aus ihnen ergebenden
elastischen Ressourcen, managen die Risiken und die Flexibilität. Die (im
Vergleich dazu starre und einfacher auszuführende) Tätigkeit der Produktion
wird hingegen delegiert, beispielsweise an Zulieferer. In der
volkswirtschaftlichen Verteilung wird zudem eine deutlich höhere Wertschöpfung
bei den genannten Managementaufgaben gesehen (Umgang mit elastischen
Ressourcen, Management der Risiken und der Flexibilität) als bei der
ausführenden Verwendung vorgegebener, unelastischer Strukturen.
Diese Arbeitsteilung – Management elastischer Ressourcen im
Investitionsvorgang hier, Ausführung innerhalb starrer Strukturen dort – hat
sich in den letzten Jahren verstärkt in der Globalisierung gezeigt. Doch
während das Management elastischer Ressourcen wenig ortsgebunden ist, sind die
Menschen eines Landes in ihrer lokalen Verbundenheit und mit ihren gegebenen
Fähigkeiten eine vergleichsweise starre Ressource. Der Wanderbewegung der
Investoren und der Investitionen stehen die von Land zu Land unterschiedlichen
Bedingungen (Arbeitskräfte, Arbeitsmarkt, Einrichtungen) gegenüber. Sie führen
zu den heutigen Bewegungen von Arbeitsplätzen, von Lernchancen und Entwicklungspotenzialen,
die in den Ländern Osteuropas und Asiens begrüßt und in den alten
Industrienationen beklagt werden.
Dass es sich für den Menschen insgesamt lohnt, Investitionen
zu tätigen, bezeugt das enorme konkrete und abstrakte Denk- und Handlungsvermögen,
das die Menschheit aufgebaut hat, ebenso wie das an Finanzmärkten gehandelte
Kapital (Anleihen und Aktien). Offensichtlich strahlen Investitionen nicht nur
im kleinen Umfeld aus und begünstigen dort weitere Opportunitäten für den
Investor selbst. Investitionen strahlen positiv auf das weitere wirtschaftliche
und gesellschaftliche Leben insgesamt aus. Sie zeitigen positive externe
Effekte. Investitionen sind Träger des Wachstums und des Fortschritts.
So sind Investitionen allgemein erwünscht, zumal die
Gesellschaft die Investoren einschränken kann (Bauauflagen, Umweltschutz).
Allerdings wird von den gesellschaftlichen Gruppen immer wieder gefragt, ob sie
zusätzlich zu den externen Effekten nicht direkt am Vermögen des Investors
teilhaben könnten. Jede Gesellschaft hat verschiedene Instrumente, das
„ Investitionsklima “ auf eigenem Weg zu verändern. Stichworte sind die
Besteuerung, die Handhabung des Lohnkonflikts, die Flexibilität des
Arbeitsmarkts, die institutionalisierte Mitbestimmung und Einflussnahme auf die
Dispositionen zum wirtschaftlichen Einsatz von Vermögen, der Schutz geistigen
Eigentums sowie die Beurteilung des unternehmerischen Investors und des
Finanzinvestors in den Medien. Diese Fragen sind eng mit der rechtlichen und
praktischen Gestaltung unternehmerischer Tätigkeit verwoben.
Die Vorteilhaftigkeit einer Investition ist so zu sehen: 1.
Für den Investor sind die Anfangsauszahlungen für die Beschaffung des Objekts
maßgebend sowie die Barwerte der mit dem wirtschaftlichen Einsatz erwarteten Rückflüsse.
2. Für den Investor, sofern er dieses Potenzial für sich nutzen kann, sind alle
Chancen wertvoll, die sich im Verlauf der Zeit durch die Investition ergeben
(und nicht zum Eigentum des Managers oder eines Dritten werden). 3. Für die
Gesellschaft als Ganzes sind die weiteren positiven Wirkungen – Schaffung von
Arbeitsplätzen, Erwerb von Wissen, Stabilität und Prosperität – wertvoll.
Die erste Wertbegründung hängt vom konkreten
Investitionsobjekt und seiner produktiven Einsatzmöglichkeit ab. Diese steht in
Beziehung zur lokalen Verfügbarkeit geeigneter Arbeitskräfte und der
Absatzmöglichkeit der Leistungen. Andererseits wird die Vorteilhaftigkeit vom
rechtlichen und gesellschaftlich-politischen Umfeld beeinflusst. Die zweite
Wertbegründung hängt von der Möglichkeit ab, positive Investitionswirkungen in
der Unternehmung halten und sie dort ausnützen zu können. Unternehmen versuchen
daher, beim intellektuellen Kapital das Humankapital in Strukturkapital zu
transformieren, sodass es „ aus den Köpfen “ in dokumentierte Arbeitspläne
gelangt. Die dritte Wertschöpfung hängt davon ab, ob die Gesellschaft die
positiven Nebenwirkungen der unternehmerischen Tätigkeit aufgreift und
möglicherweise mit geeigneten Katalysatoren noch verstärkt. Bei allen drei
Wertbegründungen gibt es enorme Unterschiede zwischen den Wirtschaftsräumen.
Hierbei wirkt nicht nur der Unterschied zwischen der Beweglichkeit der
Investoren einerseits und der im Vergleich dazu merklichen Starre im
Arbeitsmarkt. Die dritte Kraft ist der Staat, der seine Ressourcen meistens zur
Milderung der im Veränderungsprozess Benachteiligten einsetzen muss und daher
weder Investitionen fördern noch die positiven externen Effekte von
Investitionen katalysatorisch verstärken kann. So kommt es zwischen den Ländern
immer mehr zur „ Investitionsteilung “ , genau wie Unterschiede in den
Faktorkosten eine „ Arbeitsteilung “ bewirken. (Spremann,
Klaus 1996, S. 363 ff.; Richter,
Frank 2005; Müller-Stewens,
Günter/Willeitner, Susanne/Schäfer, Michael 2001; Edvinsson,
Leif/Malone, Michael S. 1997; Stewart,
Thomas A. 1997)
IV. Finanzierung von
Investitionen
Nur wenige Investoren verfügen über hinreichend eigene
Mittel, um eine geplante Investition allein zu bezahlen. Sie werden dann einen
Kredit aufnehmen oder andere Personen für eine Beteiligung gewinnen. Auf diese
Weise erhält der Investor Geld, gibt aber Ansprüche und Rechte an die
Finanziers ab. Dies ist der Vorgang der Finanzierung. Die Finanzierung regelt
somit, wie die Ergebnisse der Investition verteilt werden, ob und wie die
Finanziers bei den Dispositionen während der Investitionsdauer mitwirken und
welche Informations- und Entscheidungsrechte sie haben.
Fragen der Finanzierung werden in enger Verbindung mit jenen
der Investition gesehen, weil die Finanziers erkennen, dass die gekauften
Ansprüche und Rechte letztlich aus den Ergebnissen der Investition bedient
werden müssen, wenn nicht eine weitergehende Haftung des Investors greift. Eine
kredit- oder beteiligungsfinanzierte Investition verlangt daher stets eine
rechtliche Konstruktion: 1. Sie zeigt das Gesamtvermögen, auf die sich die
Rechte der Finanziers beziehen. 2. Sie zeigt die Haftung des Investors. Früher
gab hier die Gesamtheit der Aktivitäten des Investors den Ausschlag, der alle
Investitionen und Finanzierungen in „ seiner “ Unternehmung gepoolt hat. Die Personenbezogenheit
ist heute einer investitionstechnisch-sachlichen Sicht gewichen, bei der
rechtliche Konstruktionen und Finanzierungen nach dem Ziel der wirtschaftlichen
Vorteilhaftigkeit gestaltet werden. So werden Investitionen immer mehr in eine
Single-Purpose-Company gebettet.
Die Fragen der rechtlichen Konstruktion, der Finanzierung und
des Managements sind miteinander verzahnt und was für den Investor
„ vorteilhaft “ ist, liegt bei Agency-Problemen nicht auf der Hand. Nun haben
sich die Märkte für Investitionsobjekte,
Kapitalanlagen, Unternehmen und Wertpapiere immer weiter entfaltet. Diese
Märkte führen zu konsistenten Bewertungen. Dort wo es keinen Markt gibt, können
Bewertungen durch modellartige
Überlegungen gefunden werden. In einem ideal funktionierenden Markt
zerfallen komplex miteinander verbundene Sachverhalte in einzelne Komponenten,
die losgelöst von den anderen bewertet werden können. So ist das auch bei den
rechtlichen Konstruktionen, den Finanzierungen und den
Investitionsentscheidungen. Aus der Sicht eines ideal funktionierenden Marktes
können die Entscheidungen separiert
werden und anhand ihres Wertes getroffen werden, ohne Blick auf den Rest nehmen
zu müssen.
In Ländern, in denen die Sicht besteht, der Investor solle
seine eigenen Interessen verfolgen dürfen, wird er die anderen Parteien für die
von ihnen eingebrachten Leistungen – Finanzkapital, Arbeit – nach marktüblichen
Preisen entlohnen und im Übrigen versuchen, den Marktwert des ihm verbleibenden
Residuums zu maximieren. Einschlägige Separationstheoreme gehen auf I. Fisher,
Irving/, F. Modigliani, Franco/ und M. Miller, Merton/ sowie J. Tobin, James
zurück. Weiterhin werden alle Entscheidungen – der Investition, der
Finanzierung, der rechtlichen und vertraglichen Gestaltung, der Dispositionen
während der Dauer der Investition – an der Frage ausgerichtet, ob sie wertsteigernd sind – ein Konzept, das in
den USA um 1980 als „ Shareholder-Value “ aufkam.
Dieser Denkansatz erfährt aber Einschränkungen aus mehrfacher
Hinsicht: 1. Es bestehen regelmäßig implizite
Kontrakte zu so genannten „ Stakeholdern “ , die erwarten, dass ihre Erwartungen
erfüllt werden, und für den Investor selbst ist es auf Dauer vorteilhaft, sie
zu berücksichtigen. 2. Die Dispositionen während der Investitionsdauer werden
vom Investor in der arbeitsteiligen Welt vielfach Managern übertragen, und die
Beziehung zu ihnen unterliegt als Prinzipal-Agenten-Beziehung eigenen
Besonderheiten, die den Investor einschränken. Zudem zeigt die Praxis, dass die
Manager immer mehr zu den eigentlichen Akteuren werden und Personen, die sich
als Investoren oder Unternehmer sehen, in die Rolle eines de facto machtlosen
Finanzinvestors abdrängen. 3. Wie hoch die Marktwerte sind, kann gut ermittelt
werden, wenn die Investitionen durch Zahlungsreihen gut beschreibbar sind. Doch
in vielen Fällen sind der Wert einer Entscheidung oder die durch sie ausgelöste
Wertänderung unklar, weil die Investition vorgelagert ist und nur mittelbar
oder erst in der weiteren Zukunft zu finanziellen Rückflüssen führt, die zu
Beginn vage sind. 4. Oft erlaubt die Gesellschaft nicht, dass Investoren (oder
Manager) die Entscheidungen primär nach ihren Zielen treffen und verlangt
stattdessen, dass die Wünsche der Arbeitskräfte deutlich berücksichtigt werden.
(Modigliani,
Franco/Miller, Merton H. 1958; Modigliani,
Franco/Miller, Merton H. 1963; Tobin, James
1958; Rappaport,
Alfred 1981; Rappaport,
Alfred 1986; Rappaport,
Alfred 1998; Bamberg,
Günter/Spremann, Klaus 1987)
V. Bewertung von
Investitionen
Ungeachtet dieser Nebenbedingungen gehört die Bewertung von
Investitionen zu jeder Vorbereitung von Entscheidungen. Dabei leiten die
Bewertungsgrundsätze, die im Markt für Wertpapiere (Anleihen und Aktien)
anzutreffen sind und von der Kapitalmarktforschung aufgezeigt wurden. Vom
Grundsatz her sind dies drei Bewertungsprinzipien: 1.
Zahlungsstrom-Orientierung: Orientierung an den zu leistenden Zahlungen und den
späteren Zahlungsüberschüssen, die das Investitionsprojekt abgibt. Dort wo die
Zahlungsreihe nicht vorliegt, muss versucht werden, sie zu schätzen (auch wenn
das schwierig ist). 2. Diskontierung: Eine Zahlung, die erst später anfällt,
hat einen geringeren Wert als eine, die früher zu leisten ist oder bezogen werden
kann. 3. Risikoprämie: Risiken, die nicht diversifizierbar sind, führen zu
geringeren Werten. Die Unternehmensbewertung zeigt, wie diese drei Grundsätze
umgesetzt werden.
Eine anerkannte Methode ist der Discounted-Cashflow (DCF).
Hierbei wird die Investition durch die freien Cashflows beschrieben, die
aufgrund der Planung in den kommenden Jahren erwartet werden können und
gleichsam als Zahlungsüberschüsse entnommen werden. Diese freien Cashflows
werden nach der traditionellen Form diskontiert, allerdings mit einem
Kapitalkostensatz, der höher als der Zinssatz ist und den (nicht
diversifizierbaren) Risiken entspricht. Der Diskontsatz wird durch einen
Vergleich im Kapitalmarkt bestimmt: Die bekannteste Methodik hierzu liefert das
Capital Asset Pricing Model (CAPM), das um 1960 von W. Sharpe, William F./ und
anderen aufgezeigt wurde. Die DCF-Methode wurde um 1980 vor allem von A.
Rappaport, Alfred als marktorientierte Alternative zu den Bewertungen
vorgeschlagen, die sich an das Rechnungswesen anlehnen. Eine Investition ist
dann vorteilhaft, wenn der DCF höher ist als die heutige Auszahlung, die für
ihren Beginn oder zum Erwerb von Beteilungsrechten nötig ist.
Die DCF-Methode wird in Varianten praktiziert, die dazu
dienen, die steuerlichen Wirkungen von Fremdkapital in der Wertformel zu
erfassen. Sie spielen in der Praxis eine große Rolle. Von wissenschaftlicher
Seite gibt es allerdings Kritik. 1. Die skizzierte Diskontierung – die
Risikoprämienmethode, weil der Kapitalkostensatz die Summe aus Zinssatz und Risikoprämie
ist – führt nicht zu den kapitalmarkttheoretisch korrekten Werten, wenn die
diskontierten Cashflows gering (oder negativ) sind. 2. Obwohl das CAPM der
Intuition entspricht – es besagt: höhere Renditeerwartung bei höherem
undiversifizierbaren Risiko – ist seine deskriptive Kraft in den wirklichen
Wertpapiermärkten gering, wie F. Fama und K. French belegen und aus anderen
empirischen Forschungen hervorgeht (Fama, Eugene
F./French, Kenneth R. 1992).
Stattdessen haben in der Praxis drei andere Punkte bei
Investitionen größere Bedeutung: 1. Wie können die Cashflows planerisch
aufgestellt werden? 2. Wie soll ein möglicher Totalausfall des
Investitionsprojekts in die Bewertung einfließen (Flop-Risko)? 3. Wird durch
die Annahme der Investition eine Option vernichtet, die der Investor ansonsten
hat? 4. Schafft die Annahme der Investition weitere Realoptionen, die der
Investor ansonsten nicht hätte?
Für den Praktiker ist zudem nicht allein der DCF oder der
Marktwert von Bedeutung, sondern auch, wie sich die Investition in der
Rechnungslegung auswirkt. Der Grund liegt darin: Vertragspartner, der Fiskus,
Gremien und andere Gruppen orientieren sich stark an der Rechnungslegung.
Beispielsweise werden „ Wertberichtigungen “ kritisch hinterfragt oder der
Investor muss gegenüber Banken die Einhaltung von Kennzahlenrelationen belegen,
die sich auf Zahlen aus der Rechnungslegung beziehen. So kann der Investor nie
ganz frei die Richtung höherer Marktwerte einschlagen, sondern muss die
bilanziellen Wirkungen der kommenden Jahre beachten. Dieser Punkt wird als Pfad-Abhängigkeit bezeichnet.
Die betriebswirtschaftliche Forschung hat seit je her darum
gerungen, wie die durch Investitionen geschaffenen Ressourcen und erworbenen
Rechte im Rechnungswesen zu behandeln sind. Die damit verbundenen Fragen gehen
in verschiedene Richtungen: 1. Soll nur das konkrete Sachvermögen angeführt
werden oder auch das abstrakte Vermögen (Wissen, Forschungen,
Produktentwicklungen, Firmenname, Markennamen)? 2. Wie werden gekaufte
Investitionsobjekte behandelt (Goodwill, Abschreibung), wie eigene investive
Anstrengungen? 3. Soll sich die Bewertung eher an Anschaffungskosten
orientieren oder an augenblicklichen Marktbewertungen? Wie ist abzuschreiben?
Ungeachtet der zahlreichen Gesichtspunkte, die diese Fragen aufwerfen, ist
festzuhalten, dass sie das Investitionsverhalten beeinflussen.
Die wichtigste Frage für den Investor bleibt, wie
Möglichkeiten und Objekte gefunden werden können und wie sie im Weiteren zu
gestalten sind. Hier sind heute arbeitsteilige Kooperationen die Praxis. So
haben einige Unternehmen einen Vorteil bei der Forschung und Entwicklung, und
sie konzentrieren sich dann auf diese Aktivitäten und die Entwicklung von
Humankapital. Andere Unternehmen haben „ sichere “ Vermögenspositionen und
„ gesunde “ Bilanzen und können leichter Finanziers anziehen. Sie investieren in
Anlagen. Wieder andere Unternehmen haben einen guten Namen bei den Abnehmern
und daher eine gute Platzierungskraft für neue Produkte. Diese Arbeitsteilung
entsteht durch klare Schnittstellen in der Investitionskette, an denen
Bewertungen möglich sind. Zudem werden neue vertragliche Regelungen
praktiziert, durch die Risiken der Investitionen über die Glieder einer solchen
Investitionskette hinweg fair aufgeteilt werden. Auch hier tritt das
Marktdenken bei der Investitionsbeurteilung in den Vordergrund. (Sharpe,
William F. 1964; Spremann,
Klaus 2002, S. 245 ff.; Damodaran,
Aswath 2001; Kruschwitz,
Lutz 2000; Koller, Tim/Goedhart,
Marc/Wessels, David 2005; Fama, Eugene
F./French, Kenneth R. 1992; Fama, Eugene
F./French, Kenneth R. 1995)
VI. Finanzinvestor
Der Finanzinvestor entscheidet aufgrund einer Portfoliosicht,
einer gedanklichen und rechnerischen, vereinheitlichenden Betrachtung aller
seiner Beteiligungen und Kontrakte. Bei Finanzkontrakten ist in der Regel eine
gute Teilbarkeit möglich, besonders wenn sie als Wertpapier verbrieft sind. So
bietet es sich an, durch eine breite Streuung der Kapitalanlagen Risiken
bestmöglich zu diversifizieren.
Die Moderne Portfoliotheorie (MPT), um 1960 geschaffen durch
H. Markowitz, Henry/, W. Sharpe, William/, J. Tobin, James und andere, bietet
eine (auch aus Sicht der neueren Forschungen) hinreichend gute Modellierung für
die Aufgabe, das Portfolio zusammenzustellen (die Asset-Allokation zu
bestimmen). Die MPT betrachtet die Renditen der möglichen Wertpapiere für eine
zukünftige Anlageperiode als zufällig. Jede Rendite ist (aufgrund historischer
Daten) vor allem durch ihre Erwartungswerte (Return) beschrieben und die
Standardabweichung, die das Risiko beschreibt. Weiter sind die
Korrelationskoeffizienten der Renditen untereinander verlangt, von welchen die
Möglichkeiten der Diversifikation stark abhängen. (Markowitz,
Harry 1952; Sharpe,
William F. 2000)
Die Grenzen zwischen einem Direktinvestor, der in konkrete
Ressourcen und in Wissen investiert, und einem Portfolioinvestor sind nicht
klar zu ziehen. Auch der Direktinvestor wird diversifizieren, doch steht bei
ihm das aktive Management im Vordergrund. Das verlangt Mehrheiten und letztlich
eine Konzentration auf ein Projekt oder auf wenige Investitionen. Der
Finanzinvestor wird das Portfolio vergleichsweise passiv halten und kann daher
sehr breit streuen. Zwischen dem Unternehmer und dem Börsianer gibt es indessen
einen großen Freiraum für Investoren, die sich teils als Finanzinvestor, teils
als aktiver Manager verhalten. Dazu gehören Hedge-Funds und andere
Einrichtungen, die machtvoll strategische Ziele mit der Finanzierungsfunktion
verbinden und eine neue Generation von Investoren darstellen.
Literatur:
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Investment- und Risikomanagement, 2. A., Stuttgart 2005
Bamberg, Günter/Spremann, Klaus :
Agency Theory, Information, and Incentives, Berlin 1987
Copeland, Thomas E./Weston, J.
Fred/Shastri, Kuldeep : Financial Theory and Corporate Policy, 4. A., Boston et
al. 2005
Damodaran, Aswath : The Dark Side of
Valuation, London et al. 2001
Dixit, Avinash K./Pindyck, Robert S.
: Investment under Uncertainty, Princeton, New Jersey 1994
Edvinsson, Leif/Malone, Michael S. :
Intellectual Capital. Realizing Your Company\'s True Value by Finding its Hidden
Brainpower, 1997. A., New York
Fama, Eugene F./French, Kenneth R. :
The Cross-Section of Expected Stock Returns, in: Journal of Finance, Bd. 53,
1992, S. 427 – 465
Fama, Eugene F./French, Kenneth R. :
Size and Book-to-Market Factors in Earnings and Returns, in: Journal of
Finance, Bd. 50, H. 1/1995, S. 131 – 155
Froot, Kenneth A./Scharfstein, David
S./Stein, Jeremy C. : A Framework for Risk Management, in: Harvard Business
Review, Bd. 72, H. 6/1994, S. 91 – 102
Koller, Tim/Goedhart, Marc/Wessels,
David : Valuation: Measuring and Managing the Value of Companies, 4. A., New
York et al. 2005
Kruschwitz, Lutz :
Investitionsrechnung, 8. A., München et al. 2000
Markowitz, Harry : Portfolio
Selection, in: Journal of Finance, Bd. 7, H. 1/1952, S. 77 – 91
Modigliani, Franco/Miller, Merton H.
: The Cost of Capital, Corporation Finance, and the Theory of Investment, in:
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Modigliani, Franco/Miller, Merton H.
: Corporate Income Taxes and the Cost of Capital. A Correction., in: American
Economic Review, Bd. 53, 1963, S. 433 – 443
Müller-Stewens, Günter/Willeitner,
Susanne/Schäfer, Michael : Stand und Entwicklungstendenzen von
Cross-Border-Akquisitionen, in: Handbuch Internationalisierung, hrsg. v.
Krystek, Ulrich/Zur, Eberhard, 2. A., Berlin et al. 2002, S. 141 – 170
Rappaport, Alfred : Creating
Shareholder Value. The New Standard for Business Performance, New York 1986
Rappaport, Alfred : Selecting
Strategies that Create Shareholder Value, in: Harvard Business Review, Bd. 59,
1981, S. 139 – 149
Rappaport, Alfred : Creating
Shareholder Value: A Guide for Managers and Investors, New York 1998
Richter, Frank : Mergers &
Acquisitions, München et al. 2005
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Prices. A Theory of Market Equilibrium under Conditions of Risk, in: Journal of
Finance, Bd. 19, 1964, S. 425 – 442
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Theory and Capital Markets, New York 2000
Spremann, Klaus : Wirtschaft,
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65 – 86
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