Inhaltsübersicht
I. Motiv,
Anreiz und Motivation
II. Theorien
der Arbeitsmotivation
III. Motivation
und Führung
I. Motiv, Anreiz und
Motivation
Motivation erklärt Richtung, Intensität und Ausdauer
menschlichen Verhaltens (Thomae, Hans
1965). „ Richtung “ bezeichnet die Entscheidung für ein bestimmtes
Verhalten, „ Intensität “ betrifft die Energetisierung des Verhaltens, „ Ausdauer “
die Hartnäckigkeit angesichts von Widerständen. Zur Erklärung dieser Merkmale
des Verhaltens müssen die Person und die Situation, in der Verhalten auftritt,
berücksichtigt werden.
Die Person kann durch Bedürfnisse (Hunger, Durst etc.) zu
Verhalten bewegt werden, aber auch durch die gedankliche Vorwegnahme von
Zielzuständen. Menschen verfügen über eine Vielzahl von Bedürfnissen und
Zielen, die sich nach thematischen Gemeinsamkeiten zusammenfassen lassen. So
werden z.B. alle Bedürfnisse und Ziele, die mit dem Thema „ Leistung “ verbunden
sind, zu einer Klasse zusammengefasst – dem Leistungsmotiv. Motive sind für
Individuen charakteristische Wertungsdispositionen (Heckhausen,
Heinz 1989), d.h. Menschen lassen sich danach unterscheiden,
wie sie zeitlich überdauernd auf bestimmte Merkmale von Situationen reagieren.
Damit es zu Verhalten kommt, müssen Motive durch Merkmale von
Situationen angeregt werden. Situationen bieten Gelegenheiten zur Realisierung
von Bedürfnissen und Zielen, sie können aber auch Bedrohliches signalisieren.
Diese Merkmale einer Situation werden Anreize genannt. Anreize regen ganz bestimmte
Motive an, angeregte Motive führen zu Verhalten. Die Wechselwirkung von Person
und Situation, von Motiv und Anreiz wird als Motivation bezeichnet (Schneider,
Klaus/Schmalt, Heinz-Dieter 2000).
II. Theorien der
Arbeitsmotivation
Theorien der Arbeitsmotivation lassen sich in zwei Klassen
einteilen – Inhalts- und Prozesstheorien (Campbell,
John P./Pritchard, Robert D. 1976). Inhaltstheorien versuchen
zu benennen, welche Motive und Anreize Arbeitsverhalten motivieren. Prozesstheorien
erklären dagegen die Dynamik menschlichen Handelns.
1. Inhaltstheorien
Ein besonders populäres Beispiel einer Inhaltstheorie ist die
Theorie von Maslow, die – im Gegensatz zur Theorie der Leistungsmotivation, die
nur eine Motivklasse untersucht (McClelland,
David C. 1961) – die Vielfalt der menschlichen Motive ordnet (Maslow,
Abraham 1981). Maslow unterscheidet fünf Klassen von Motiven:
Physiologische Bedürfnisse; Sicherheitsmotive; Soziale Bindungsmotive;
Selbstachtungsmotive und Selbstentfaltungsmotive. Diese Motivklassen sind
hierarchisch geordnet, d.h. das jeweils nächsthöhere Motiv wird nur dann
aktiviert, wenn das hierarchisch niedrigere befriedigt ist – das jeweils
hierarchisch niedrigste noch nicht befriedigte Motiv ist aktuell das stärkste.
Obwohl der Ansatz kaum empirische Bestätigung gefunden hat (Locke, Edwin
A./Henne, Douglas 1986), erfreut er sich in der Praxis nach
wie vor großer Beliebtheit. Das liegt u.a. daran, dass damit das komplexe
motivationale Geschehen auf eine überschaubare Anzahl von Motiven und einen
einfachen Wirkmechanismus reduziert wird. Der praktische Wert ist allerdings
äußerst gering, da die Motivklassen extrem breit und abstrakt gefasst sind und
sich daher kaum Hilfestellungen für konkrete Motivationsprobleme ableiten
lassen.
Sehr viel konkretere Hinweise gibt die Zwei-Faktoren-Theorie
(Herzberg, Frederick/Mausner,
Bernard/Snyderman, Barbara 1959), die an der Anreizseite
ansetzt. Die Theorie postuliert, dass Arbeitszufriedenheit und -unzufriedenheit
durch zwei Klassen von Faktoren bestimmt wird: Hygienefaktoren und Motivatoren.
Die Hygienefaktoren thematisieren Erlebnisse, die mit dem Arbeitsumfeld
verbunden sind. Dazu zählt u.a. das Gehalt, die Beziehung zu Untergebenen,
Kollegen und Vorgesetzten sowie Statuszuweisungen. Analog der medizinischen
Hygiene, die Gesundheitsrisiken aus der Umwelt des Menschen entfernt und damit
Krankheit verhindert, sollen diese Faktoren Unzufriedenheit verhindern. Wenn
Hygienefaktoren nicht erfüllt sind, führt das zu Unzufriedenheit. Ihre
Erfüllung führt aber nicht zu Zufriedenheit, sondern zu einem neutralen Erlebniszustand,
der als Nicht-Unzufriedenheit bezeichnet wird.
Zufriedenheit erzeugen dagegen Motivatoren, die überwiegend
mit der Tätigkeit unmittelbar verknüpfte Faktoren thematisieren
(Leistungserlebnisse, Arbeitsinhalte, Übertragung von Verantwortung, Aufstieg
und das Gefühl der Selbsterfüllung in der Arbeit). Diese Faktoren lösen
Annäherungsverhalten im Individuum aus. Motivation bedeutet aber allgemein
Annäherung, weshalb diese Faktoren als Motivatoren bezeichnet werden.
Auch dieser Ansatz wurde vielfältig kritisiert (Locke, Edwin
A./Henne, Douglas 1986), historisch betrachtet gebührt ihm
aber das Verdienst, dass er das in Unternehmen dominante Bild des allein durch
ökonomische Anreize zur Arbeit motivierten Mitarbeiters ins Wanken gebracht
hat. Stattdessen wurde die intrinsische Motivation als „ Königsweg der
Motivation “ entdeckt (Ambrose,
Maureen L./Kulik, Carol T. 1999).
2. Prozesstheorien
Ausgehend von der Frage, wie sich Menschen in einer konkreten
Situation für eine bestimmte Handlungsalternative entscheiden, versucht die
Prozessperspektive zu klären, mit welcher Intensität und Ausdauer man diese
Handlungsalternative verfolgt und wie die erzielten Ergebnisse bewertet werden.
Dabei sind motivationale von volitionalen, d.h. willensbezogenen Prozessen zu
unterscheiden (Kuhl, Julius
1983; Nerdinger,
Friedemann W. 2006). Motivationale Prozesse beschreiben die
Wahl zwischen alternativen Handlungsoptionen und Ergebnisbewertungen, Volitionen
dagegen die bewussten Steuerungsprozesse bei der Realisierung einer gewählten
Alternative (vgl. aber Kehr, Hugo M.
2004). Folgende Handlungsphasen lassen sich unterscheiden (vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Das Handlungsphasenmodell von Heckhausen (Heckhausen,
Heinz 1989; modifiziert nach Nerdinger,
Friedemann W. 1995)
a) Erwartungs-mal-Wert Theorien
Entscheidungen zwischen Handlungsalternativen werden durch
Erwartungs-mal-Wert-Theorien erklärt (Heckhausen,
Heinz 1989). Die Grundidee dieser Theorien entstammt dem
Modell der Nutzenmaximierung: Steht man vor der Wahl unterschiedlicher
Handlungsmöglichkeiten mit jeweils ungewissem Ausgang und verschiedenen
Konsequenzen, soll diejenige Alternative gewählt werden, bei der das Produkt
der Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Ergebnisses und seinem Nutzen am
höchsten ist. Ist die Wahrscheinlichkeit eine subjektive Einschätzung, dass
eine Handlung zu einem bestimmten Ergebnis führt, spricht man von einer
Erwartung. Der Nutzen dieses Ergebnisses wird als Wert oder Valenz bezeichnet.
Valenz und Erwartung werden zur Berechnung der Handlungsalternativen gewöhnlich
multiplikativ verknüpft, weshalb solche Ansätze als
Erwartungs-mal-Wert-Theorien bezeichnet werden.
Vroom hat darauf verwiesen, dass bei wichtigen Entscheidungen
das Abwägen von Valenz und Erwartung nicht ausreichend ist, da
Handlungsergebnisse Folgen nach sich ziehen, die wiederum bewertet werden (Vroom, Victor
1964). Die Beziehung zwischen Handlungsergebnissen und wahrgenommenen
Folgen nennt er Instrumentalität. Damit berücksichtigt das Modell drei Größen –
Valenz, Instrumentalität und Erwartung. Die Theorie wird nach den
Anfangsbuchstaben dieser Größen als VIE-Theorie bezeichnet. Die Valenz des
Handlungsergebnisses lässt sich als Summe der Produkte von Instrumentalität und
Handlungsfolgen berechnen, die Entscheidung über eine Handlung ergibt sich aus
dem Produkt von Erwartung und Valenz des Ergebnisses. Empirisch zeigt sich
allerdings, dass einfachere Modelle den von Vroom geforderten Verknüpfungen
überlegen sind (Eerde,
Wendelien van/Thierry, Henk 1996).
b) Theorie der Zielsetzung
Nach der Entscheidung für eine Alternative kommt es darauf
an, die gewählte Handlung auch zu realisieren. Das ist eine Frage des Willens (Heckhausen,
Heinz 1989). Die damit verbundenen Prozesse thematisiert die
Theorie der Zielsetzung (Locke, Edwin
A./Latham, Gary P. 1990). Den Kern dieser Theorie bilden zwei
Aussagen, die mittlerweile in mehreren hundert empirischen Studien bestätigt
wurden (Schmidt,
Klaus-Helmut/Kleinbeck, Uwe 2004):
-
Schwierige, herausfordernde Ziele führen zu besseren
Leistungen als mittlere oder leicht zu erreichende Ziele.
-
Herausfordernde und präzise, spezifische Ziele führen
zu besseren Leistungen als allgemeine, vage Ziele (im Sinne eines „ geben Sie Ihr
Bestes “ ).
Die Wirkung so formulierter Ziele auf die Leistung wird durch
Zielbindung, Selbstwirksamkeit, Rückmeldung und die Komplexität der Aufgabe
moderiert. Zielbindung umschreibt das Gefühl der Verpflichtung gegenüber einem
Ziel: Je stärker sich Mitarbeiter an ihre Ziele gebunden fühlen, desto enger
ist der Zusammenhang zwischen Zielen und Leistung (Donovan, John
J./Radosevich, David J. 1998). Selbstwirksamkeit ist in allen
Phasen des Motivationsprozesses wichtig: Es beeinflusst die Wahl in
Entscheidungssituationen, die Ansprüche an die eigene Leistung, den erlebten
Stress bei der Aufgabenerfüllung und die Anfälligkeit für Selbstanklagen als
Folge des Scheiterns in Leistungsaufgaben (Bandura,
Albert 1997). In der Phase der Zielsetzung ist v.a. bedeutsam,
dass Selbstwirksamkeit die Zielbindung und das Leistungshandeln positiv
beeinflusst (Stajkovic,
Alexander D./Luthans, Fred 1998).
Rückmeldung ohne Zielsetzung hat keine direkte Wirkung auf
die Leistung, aber die Wirkung schwieriger und spezifischer Ziele auf die
Leistung wird dadurch erheblich verstärkt. Wenn Rückmeldung Zielerreichung
signalisiert, wird gewöhnlich das Leistungsverhalten beibehalten. Weist
Rückmeldung dagegen auf ein Defizit in Bezug auf die Zielerreichung, erfolgt
eine Leistungssteigerung unter der Bedingung, dass der Empfänger unzufrieden
mit dem Erreichten ist, das Gefühl hoher Selbstwirksamkeit hat und sich
vornimmt, die bisherige Leistung zu steigern (Kluger,
Avraham N./DeNisi, Angelo 1996).
Schließlich hat auch die Komplexität der Arbeitsaufgabe
erheblichen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen herausfordernden,
spezifischen Zielen und der Leistung. Komplexe Aufgaben sind durch eine
Vielzahl von Handlungsschritten und informationshaltigen Hinweisen
gekennzeichnet, die untereinander zu koordinieren sind und sich im Zeitablauf
ändern können. Auch bei solchen Aufgaben führen herausfordernde Ziele zu
besseren Leistungen, allerdings ist der Zusammenhang nicht so eng wie bei
einfachen Aufgaben (Wood, Robert
E./Locke, Edwin A. 1990).
c) Theorie der Handlungskontrolle
Besteht Zielbindung, erhalten auch fremdgesetzte Arbeitsziele
einen intentionalen Charakter – sie wirken wie selbst gefasste
Handlungsabsichten. Die Umsetzung einer Intention und die Aufrechterhaltung des
Handelns bis zur Zielerreichung wird als Handlungskontrolle bezeichnet (Kuhl, Julius
1998). Die Theorie der Handlungskontrolle geht von der Frage aus, wie
Intentionen angesichts konkurrierender Intentionen, die ebenfalls zur
Realisierung drängen, in Handlungen umgesetzt werden und wie es möglich ist,
dass eine bestimmte Intention bis zur Realisierung beibehalten wird.
Kuhl unterscheidet zwei Modi der Handlungskontrolle, die
Handlungs- und die Lageorientierung. Der Zustand der Handlungsorientierung
drängt auf Umsetzung des Intendierten in Handlungen: Man ist sich seiner Ziele
bewusst und verfolgt sie selbstgesteuert mit flexiblen Mitteln (Kuhl, Julius
1995). Im Zustand der Lageorientierung hängen Menschen Gedanken nach, die
sich auf gegenwärtige, zurückliegende oder künftige Situationen beziehen, ohne
einen Handlungsplan zur Änderung der gegenwärtigen Situation zu beachten.
Handlungsorientierte können ihre Absichten besser in Taten umsetzen, weil sie
Misserfolge leichter wegstecken. Genau das bereitet Lageorientierten Probleme,
die selbst oft dann nicht von ihren Zielen loskommen, wenn sich diese als
unrealistisch erwiesen haben.
Aus der Fähigkeit der Handlungsorientierten zur besseren
Abschirmung ihrer Intentionen gegenüber konkurrierenden Absichten folgt, dass
sie in der Lage sind, mehrere Aufgaben parallel und zielgerichtet zu
bearbeiten, die Aufmerksamkeit zwischen den Aufgaben verteilen und doch jede
einzelne vorantreiben können, und bei all dem nur wenig Überwachung benötigen.
Dagegen haben Lageorientierte bei der Bewältigung multipler Aufgaben und
Belastungen Probleme. Sie benötigen engere Überwachung und Ausrichtung auf
Ziele und brauchen länger für die Vollendung einer Aufgabe, wobei jede in klar
umrissene Teilaufgaben zu portionieren ist (Farr, James
L./Hofman, David A./Ringenbach, Kathleen L. 1993).
d) Attributionstheorie
Nach der Handlung finden häufig handlungserklärende und
-bewertende Rückblicke statt. Dabei werden die Erwartungen, Handlungspläne,
vermuteten Ergebnisse und deren Folgen mit dem Verlauf der Handlung und dem
realen Ergebnis verglichen (Nerdinger,
Friedemann W. 2006). Eine solche Rückschau bildet eine
wichtige Erfahrungsquelle und beeinflusst künftige Handlungsplanungen sowie die
zentralen Parameter der Motivation, d.h. Valenz und Erwartung. Daher zählt
diese Phase wieder zur Motivation im engeren Sinne.
Neben der Bewertung der Gerechtigkeit von Belohnungen bzw.
von Verfahren zur Verteilung von Belohnungen (Adams, J.
Stacy 1965; Cohen-Charash,
Yochi/Spector, Paul E. 2001) hat die Ursachenerklärung von
Handlungsergebnissen besondere motivationale Bedeutung. Vor allem für
wichtigere Ereignisse suchen Menschen nach Erklärungen, sie schreiben
Sachverhalten bestimmte Ursachen zu, d.h. sie nehmen Kausalattributionen vor (Weiner,
Bernard 1995). Die Ergebnisse von Handlungen lassen sich prinzipiell
auf zwei Klassen von Ursachen zurückführen – Faktoren, die in der Person und
solche, die in der Umwelt liegen. Die Zuschreibung von Ursachen auf die Person
wird als internale Attribution, die Zuschreibung auf Faktoren der Umwelt als
externale Attribution bezeichnet. Weiter lassen sich die genannten Ursachen
danach unterscheiden, ob sie zeitlich stabil oder variabel sind.
Die Attribution eines Misserfolges auf den stabilen
internalen Faktor „ Begabung “ führt dazu, dass in der nächsten vergleichbaren
Situation die Erwartung eines Erfolges erheblich verringert wird (DeCarlo,
Thomas E./Teas, R. Kenneth/McElroy, James C. 1997). Damit
jedoch sinkt nach den Erwartungs-mal-Wert-Theorien die Motivation zum
Leistungshandeln. Umgekehrt kann die Attribution auf den Faktor „ mangelnde
Anstrengung “ dazu führen, dass in der nächsten vergleichbaren Situation der
persönliche Einsatz gesteigert wird. Werden die Ursachen des
Leistungsergebnisses dagegen auf instabile Faktoren attribuiert, ändern sich
die Erwartungen nur unwesentlich.
Der Einfluss auf die zweite zentrale Motivationsvariable, die
Valenz, erfolgt über attributionsabhängige Emotionen. Beim aktuellen Stand der
Forschung lässt sich generalisierend sagen, dass v.a. die in Verbindung mit
Erfolgen bzw. Misserfolgen erlebten Gefühle „ Stolz “ und „ Scham “ auf die
Valenzen wirken (Weiner,
Bernard 1995).
III. Motivation und
Führung
Versteht man unter Führung die bewusste und zielbezogene
Beeinflussung von Menschen (Neuberger,
Oswald 2002), so ist die Motivation von Mitarbeitern eine der
wichtigsten Führungsaufgaben: Mitarbeiter sollen so beeinflusst werden, dass
sie möglichst optimale Leistungen erbringen. Daneben sind aber auch Humanziele
der Motivation zu beachten, die gewöhnlich in der Steigerung der
Arbeitszufriedenheit gesehen werden (Nerdinger,
Friedemann W. 1995). Trotz einer kaum überschaubaren Fülle von
Untersuchungen ist der Zusammenhang zwischen Leistung und Arbeitszufriedenheit
theoretisch noch nicht hinlänglich erklärt. Meta-analytisch erreicht er mit
einer durchschnittlichen (korrigierten) Korrelation von .30 eine durchaus
beachtliche Höhe, wobei der Zusammenhang in Tätigkeiten mit hohem
Handlungsspielraum deutlich höher ausfällt (Judge,
Timothy A. et al. 2001).
Da Motive zeitlich relativ überdauernde Wertungsdispositionen
darstellen, muss sich Führung überwiegend auf die Anreizseite stützen.
Entsprechend der Zwei-Faktoren-Theorie (Herzberg,
Frederick/Mausner, Bernard/Snyderman, Barbara 1959) ist –
neben Anerkennung, Übertragung von Verantwortung und beruflichem Aufstieg – die
gezielte Gestaltung der Tätigkeit zur Erhöhung der intrinsischen Motivation das
wichtigste Motivationsinstrument. Das Job Characteristics Model von Hackman und
Oldham (Hackman, J.
Richard/Oldham, Greg R. 1980) identifiziert als Ansatzpunkte
der Arbeitsgestaltung zur Steigerung der intrinsischen Motivation
Anforderungsvielfalt, Ganzheitlichkeit und Bedeutsamkeit der Aufgabe, Autonomie
sowie Feedback aus der Aufgabe. Auch die Forschungen zum Flow-Erleben (Csiksentmihalyi,
Mihalt 1992; Emerson,
Heather 1998) bestätigen, dass die Passung zwischen Aufgabe
und persönlichen Neigungen und Fähigkeiten zu optimalen motivationalen
Zuständen führt.
Demgegenüber wird in der Praxis nach wie vor in finanziellen
Anreizen das wichtigste Motivationsinstrument gesehen. Zwar finden sich einige
empirische Hinweise, dass finanzielle Anreize die intrinsische Motivation
untergraben können (Frey, Bruno
2000), diese Befunde sind aber aufgrund methodischer Probleme nicht
generalisierbar (Thierry, Henk
2002). Meta-analytische Untersuchungen zeigen, dass finanzielle Anreize
mit der Quantität der Leistung zusammenhängen, nicht jedoch mit der Qualität (Jenkins, G.
Douglas Jr. et al. 1998).
Das wichtigste Führungsinstrument zur Beeinflussung der Anstrengung
ist die Vereinbarung von Zielen, verbunden mit regelmäßigem Feedback über die
Zielfortschritte (Locke, Edwin
A./Latham, Gary P. 1990). Das Mitarbeitergespräch (Nerdinger,
Friedemann W. 2001), in dem Stärken und Schwächen des
Mitarbeiters beurteilt und Ziele für die weitere Zusammenarbeit vereinbart
werden, führt i.V.m. dem täglichen Feedback gewöhnlich zu stabilen
Leistungssteigerungen. Im Rahmen dieser Gespräche können Vorgesetzte auch die
Attributionen von Erfolgen und Misserfolgen so beeinflussen, dass sie die
Motivation für künftige Aufgaben unterstützen. Allerdings zeigen neuere
Forschungen, dass fremdgesetzte Ziele, die nicht in Einklang mit der
individuellen Motivstruktur stehen, längerfristig negative Wirkungen auf das
subjektive Wohlbefinden haben (Brunstein,
Joachim C./Schultheiss, Oliver/Grässmann, Ruth 1998). Auch die
Führung durch Ziele erfordert daher vonseiten der Vorgesetzten eine
verantwortungsbewusste Diagnose der Motive von Mitarbeitern (Kehr, Hugo M.
2004).
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