Inhaltsübersicht
I. Bedeutung
und Merkmale der Planung
II. Planung
als Teil des Führungs- oder Managementsystems
III. Struktur
der Planung
IV. Instrumente
der Planung
V. Elemente
und Eigenschaften von Planungssystemen
VI. Bausteine
einer Planungstheorie
I. Bedeutung und
Merkmale der Planung
Die Wirkungen menschlichen Handelns sind häufig von vielen
Größen abhängig, über deren Eintreten keine Gewissheit besteht. Mit
wirtschaftlichen Entscheidungen will man bestimmte Ergebnisse erreichen.
Deshalb sollen diese nicht intuitiv, sondern bewusst und zielgerichtet
getroffen werden. Für ihren Erfolg ist darüber hinaus das Zusammenwirken der in
Unternehmungen tätigen Menschen maßgeblich. Ein Instrument, um die angestrebten
Ziele zu erreichen, das mit ihm verbundene Risiko zu bewältigen und die
Aktivitäten der verschiedenen Unternehmensmitglieder aufeinander abzustimmen,
ist die Planung.
Sie stellt einen bewussten geistigen Prozess dar, durch den
zukünftiges Geschehen gestaltet werden soll. Über die gedankliche Vorwegnahme
und das Durchdenken künftiger Handlungsmöglichkeiten, der sie begrenzenden
Rahmenbedingungen sowie ihrer Wirkungen auf die eigenen Ziele und andere Größen
will man die beste Handlungsalternative finden. Nach dem hier zugrunde gelegten
Verständnis umfasst Planung die Entscheidungsvorbereitung und den
Entscheidungsakt, der sich in den Plänen niederschlägt.
Charakteristische Merkmale der Planung liegen in ihrer
Zukunftsbezogenheit und Rationalität sowie ihrem Informations-, Gestaltungs-
und Prozesscharakter (Wild, Jürgen
1974, S. 13 f.; Mag, Wolfgang
1999, S. 5 f.). Wegen der unvermeidlichen Unsicherheit will man Risiken
erkennen und nach Möglichkeit reduzieren. Zudem sollen Handlungsspielräume
eröffnet und die Flexibilität erhöht werden. Wegen der Menge an denkbaren
Alternativen und Umweltsituationen muss sich die Planung mit einem komplexen Entscheidungsfeld
auseinander setzen. Im Planungsprozess werden die unsicheren Daten ermittelt,
die Erwartungen verdichtet und die Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten auf die
als relevant sowie zieloptimal erachteten eingegrenzt. Durch die Konstruktion von
Entscheidungsmodellen wird die Realität auf die als wichtig erachteten
Teilzusammenhänge reduziert und damit auch gestaltet (Bretzke,
Wolf-Rüdiger 1980, S. 103 ff.). Auf diesem Weg nimmt man eine
Reduktion der Problemkomplexität vor. Planung trägt zu einer Stabilisierung von
Verhaltenserwartungen bei. Erfolgssicherung, Risikohandhabung,
Flexibilitätserhöhung und Reduktion von Problemkomplexität können damit als
grundlegende Zwecke der Planung angesehen werden.
II. Planung als Teil des
Führungs- oder Managementsystems
Mithilfe von Planung kann das eigene und das Handeln
abhängiger Personen gestaltet werden. Damit wird sie zu einem Instrument der
Führung. Trotz gewisser Variationen werden zu dem Führungs- und
Managementsystem i.Allg. (vgl. Pfohl,
Hans-Christian/Stölzle, Wolfgang 1997, S. 7 ff.; Steinmann,
Horst/Schreyögg, Georg 2000, S. 6 ff.) neben der Planung die
Kontrolle sowie die Organisation, die Personalführung, die
Informationsversorgung und das Controlling gerechnet. In dem entsprechend Abb.
1 systematisierbaren Führungssystem (Küpper,
Hans-Ulrich 2001, S. 13 ff.) kommen der Planung die spezifischen
Funktionen der Aufdeckung, Analyse und Lösung von Entscheidungsproblemen zu.
Abb. 1: Gliederung des Führungs- oder Managementsystems der
Unternehmung
Aus der engen Verknüpfung dieser Führungsinstrumente ergeben
sich vielfältige Beziehungen der Planung zu den anderen Führungsteilsystemen.
So bestimmt die Organisation mit ihrer Verteilung von Aufgaben, Entscheidungs-
und Weisungsrechten sowie ihren ablauforganisatorischen Regeln in hohem Maße
die Art der Planungsprozesse und die Struktur eines Planungssystems. Eine
breite Verteilung von Aufgaben, Entscheidungs- und Weisungsrechten erfordert
eine Dezentralisierung der Planung und führt zu einer starken Verzweigung der
Informationen. Um die verschiedenen Entscheidungsträger auf ein gemeinsames
Zielsystem auszurichten und die Durchführung der Pläne sicherzustellen, ist ein
geeignetes Anreizsystem als Instrument der Personalführung einzusetzen.
Zugleich richtet sich die Kontrolle nach der Struktur der Planung und hängen
die Plandurchführung sowie die Verbesserung künftiger Planungsprozesse von der
Verfügbarkeit und dem Einsatz entsprechender Kontrollinstrumente ab. Für die
Verknüpfung dieser Führungsinstrumente lassen sich übergreifende
Controllingsysteme der innerbetrieblichen Steuerung nutzen, die von der
zentralistischen Planung, Steuerung und Kontrolle über Budgetierungs-,
Kennzahlen- und Ziel- bis hin zu Lenkungspreissystemen ein zunehmendes Maß an
Dezentralisierung aufweisen. Ein Primat kommt der Planung nur insoweit zu, als
in ihr die Unternehmensziele festgelegt werden.
III. Struktur der
Planung
1. Phasen der Planung
Planungsprozesse werden üblicherweise nach den zu lösenden
Teilaufgaben in die Phasen der Problemfeststellung und -analyse, Zielbildung,
Alternativensuche, Prognose, Bewertung und Entscheidung gegliedert (Wild, Jürgen
1974, S. 46 ff.). Dies bedeutet aber nicht, dass die Prozesse stets in dieser
Phasenfolge nacheinander durchgeführt werden (Witte,
Eberhard 1968).
Ausgelöst werden sie durch die Feststellung von Problemen,
deren rechtzeitiges Erkennen eine grundlegende Voraussetzung für erfolgreiches
Planen und Handeln ist. Ein Problem liegt vor, wenn ein Zustand als
unbefriedigend empfunden wird. Eine wichtige Quelle der Problemerkenntnis
bildet daher die Kontrolle, in der Abweichungen zu Zielvorstellungen aufgedeckt
werden. Durch die Problemanalyse sind die Ursachen für die Entstehung des
Problems und seine Konsequenzen herauszuarbeiten. Um Ursachen durch Änderungen
der Umwelt, der Realisation, der Erwartungen oder der Zielvorstellungen zu
erkennen, sind in einer Lageanalyse der gegenwärtige Zustand zu untersuchen und
in einer Lageprognose Aussagen über künftige Wirkungen zu machen. Die
Problemlücke als Differenz zwischen erwarteter Entwicklung und aus dem
Zielsystem abgeleitetem Sollzustand ist ein Maß für das Gewicht des Problems.
In der sich anschließenden Problemformulierung ist anzugeben, worin die Lösung
bestehen würde, ohne dass man schon einen Lösungsweg ausarbeitet (Pfohl,
Hans-Christian/Stölzle, Wolfgang 1997, S. 57). Wenn die Menge der
zulässigen Lösungen aufgrund von Zielen und Nebenbedingungen eindeutig
vorgegeben ist, handelt es sich um ein wohl-definiertes Problem. Ist der
Alternativenraum dagegen unbestimmt, nennt man es schlecht-definiert (Kirsch,
Werner 1998, S. 48 ff.). Diese Unterscheidung ist für die klare
Abgrenzung von Problemen und den einzuschlagenden Weg der Alternativensuche
sowie -bewertung zweckmäßig; Optimierungsverfahren lassen sich nämlich nur bei
wohl-definierten Problemen einsetzen.
Ausgehend von den meist global formulierten obersten
Zielvorstellungen sind in der Zielbildung die für das betrachtete
Planungsproblem maßgeblichen Ziele nach ihrem Inhalt, angestrebten Ausmaß und
zeitlichen Bezug festzulegen. Vielfach werden mehrere Ziele als erstrebenswert
angesehen. Dann ist über die Analyse ihrer Beziehungen und die Lösung von
Konflikten zwischen ihnen ein einheitliches Zielsystem zu schaffen.
In der Phase der Alternativensuche sind zuerst Lösungsideen
zu entwickeln und zu sammeln. Durch ihre Verdichtung und die Kombination der Handlungsvariablen
gelangt man zu Alternativen. Diese müssen im Hinblick auf ihre
Realisierbarkeit, Wirkungen und Bedingtheit analysiert werden. Hierdurch können
frühzeitig nicht realisierbare Alternativen ausgeschaltet und eine erste
Abschätzung der Wirkungen vorgenommen werden. Für eine rationale Wahl müssen
sich die Alternativen nach dem „ Exklusivitätsprinzip “ gegenseitig ausschließen.
In der Prognosephase sind die Konsequenzen der Alternativen auf das oder die
Ziele sowie die Handlungsbeschränkungen vorauszusagen. Prognosen können
argumentativ begründet oder aus einem Prognosemodell abgeleitet werden und auf
Annahmen, subjektiven Erwartungen oder erfahrungswissenschaftlichen Theorien
basieren. Den Abschluss der Planung bilden die Alternativenbewertung und die
Auswahl der besten, durchzuführenden Alternative im Entscheidungsakt. In der
Bewertung werden den Alternativen Wertgrößen zugeordnet, die sie in eine
Rangordnung bringen. Die Werte ergeben sich in der Regel aus den
Erreichungsgraden der verfolgten Ziele. Wichtigste Grundlage der Bewertung sind
daher die Prognosen über die Wirkungen der Alternativen auf die Ziele. Sofern
mehrere Ziele und/oder die Unsicherheit der Daten berücksichtigt werden, müssen
diese in eine umfassende Bewertungs- oder Nutzenfunktion überführt werden.
2. Ebenen der Planung
Unter den verschiedenen Gliederungen des Planungssystems hat
die Einteilung in die Ebenen der strategischen, taktischen und operativen
Planung die größte Bedeutung erlangt. Für diese Aufteilung werden entsprechend
Abb. 2 (Küpper,
Hans-Ulrich 2001, S. 68) insb. die Eigenschaften Fristigkeit
(zeitliche Differenzierung), Planungsumfang, Zielorientierung,
Planungsgegenstand und Detailliertheit herangezogen.
Abb. 2: Merkmale der strategischen, taktischen und operativen
Planung
In der strategischen Planung geht es um die Schaffung von
Erfolgspotenzialen als den Voraussetzungen und Bestimmungsgrößen konkreter
Erfolge in Form von Markt- oder Kapitalwerten und Periodengewinnen. Zu ihnen
gehören u.a. die Entwicklung von Produkten, der Aufbau von Marktpositionen, die
Schaffung eines qualifizierten Führungspersonals und Mitarbeiterstamms u.Ä. Ihr
Planungsgegenstand sind insb. Produkt- und Marktstrategien für die
verschiedenen Geschäftsfelder der Unternehmung. Da sich zumindest ein Teil der
für die strategische Planung maßgeblichen Größen wie die Qualität von F&E, Mitarbeitern,
Führungskräften oder Produkten, relative Wettbewerbsvorteile auf Märkten u.Ä.
nur ordinal oder nominal messen lässt, arbeitet man vielfach mit qualitativen
und wenig detaillierten Größen. Grundlegende Komponenten dieser Planungsebene
wie die rechtliche Struktur, die Produkt-, Standort-, Innovations-,
Ausschüttungs-, Image-, Wachstums-, Organisations- und Führungskonzeption
können auch in einer eigenständigen Grundsatzplanung zusammengefasst werden (Koch, Helmut
1977, S. 61 ff.). Ferner kann man die Festlegung der wichtigsten Erfolgs-,
Sicherheits-, Produkt- und Sozialziele als generelle Zielplanung verselbstständigen
(Hahn,
Dietger/Hungenberg, Harald 2001, S. 97 ff.).
Mit der taktischen Planung sind die strategischen
Alternativen in eine operationale Programm-, Kapazitäts- und Finanzplanung
umzusetzen. Damit ist sie stärker auf Bereiche gerichtet. Ihre Planungsziele
müssen mehrperiodig sein und können wie Markt- oder Kapitalwerte quantitativ
formuliert werden. Zu ihren wichtigsten Planungsgegenständen gehören das
artmäßig spezifizierte Produktionsprogramm, die Produktmengenbereiche, die
Investitionsprojekte und Finanzierungsstruktur sowie die Personalausstattung.
Auf dieser Ebene kann die Planung weitgehend quantitativ durchgeführt werden.
Durch den höheren Grad an Operationalisierung werden die Planungsmodelle
komplexer. Deshalb ist eine Aufspaltung in isolierte Modelle z.B. der
Investitions-, Produktions-, Personal- und Finanzplanung unumgänglich. Zugleich
müssen aber die Interdependenzen zwischen diesen Bereichen berücksichtigt
werden.
Die Planung der einzelnen Prozesse erfolgt auf der operativen
Ebene. Als Zielgrößen werden daher v.a. Periodengewinn, -deckungsbeitrag und
-kosten sowie die Einhaltung der Liquidität verfolgt. Für die detaillierte
Umsetzung insb. im Fertigungsbereich spielen darüber hinaus auftrags- und
arbeitsträgerbezogene Ziele (Küpper,
Hans-Ulrich/Helber, Stefan 1995, S. 49 ff.) wie die Durchlaufzeiten
und die Kapazitätsauslastung eine Rolle. Auf dieser Planungsebene werden die
artmäßige Zusammensetzung des Produktionsprogramms, die Entwicklung der Nachfrage
und die Kapazitäten weitgehend als gegeben unterstellt. Typische
Planungsgegenstände sind die Produktionsmengen sowie die
Entscheidungstatbestände der Prozessplanung. Da es um die konkrete Umsetzung
geht, sind ein hoher Detaillierungsgrad und eine tief gehende Aufspaltung in
isolierte Planungsmodelle notwendig. Dadurch gelangt man zu wohl-definierten
Problemen, die in hohem Maße mit EDV-gestützten quantitativen Methoden lösbar
sind.
IV. Instrumente der
Planung
1. Planungsmethoden der Informationsermittlung
Die schwer überschaubare Zahl an Methoden (vgl. Küpper,
Hans-Ulrich 1994, S. 903 ff.; Horváth,
Péter 1993, Sp. 673 ff.), mit denen sich planungsrelevante
Informationen gewinnen lassen, kann man entsprechend Abb. 3 nach ihrer
Verwendbarkeit in den Planungsphasen systematisieren. Zur Problemfeststellung
und -analyse lassen sich Methoden der SOFT- oder Stärken-Schwächen- und der
Ursachenanalyse nutzen. Die Analyse erstreckt sich dabei sowohl auf die
Unternehmung als auch ihr Umfeld. Intern kann man insb. die technologische,
ökonomische und soziale Dimension untersuchen, nach außen sind Markt-,
Technologie- und Umweltanalysen u.Ä. vorzunehmen. Für die Zielbildung sind
insb. Methoden zur Analyse von Zielbeziehungen sowie zur Lösung von
Zielkonflikten wichtig (vgl. Küpper,
Hans-Ulrich 2001, S. 74 ff.; Laux, Helmut
2003, S. 89 ff.; Schneeweiß,
Christoph 1991, S. 121 ff.). Voraussetzung für die Lösung von
Problemen ist eine intensive Alternativensuche, für die intuitive und
systematisch-analytische Methoden oder Kreativitätstechniken der Ideenfindung
einsetzbar sind (Pfohl,
Hans-Christian/Stölzle, Wolfgang 1997, S. 152 ff.).
Abb. 3: Systematik und Beispiele für Planungsmethoden
Während diese, in den ersten Planungsphasen verwendbaren
Methoden weitgehend qualitativen Charakter haben, stehen für die Prognose von
Handlungswirkungen und die Alternativenbewertung auch viele quantitative
Methoden zur Verfügung. Für Prognosen lassen sich insb. die Methoden der
univariaten statistischen Zeitreihenanalyse (z.B. gleitende Durchschnitte,
exponentielle Glättung, Regressionsanalyse, autoregressive Verfahren und
Wachstums- oder Sättigungsmodelle), Indikatorfunktionen und multivariate
kausale Methoden heranziehen. Letztere können auf betriebswirtschaftlichen
Theorien wie der Produktions- und Kostentheorie (z.B. bei der
programmgesteuerten Materialbedarfsprognose), Lebenszyklusmodellen oder
multiplen Regressionsansätzen beruhen. Auch die Modelle der
Warteschlangentheorie, der Simulation und der Netzplantechnik können als
Prognosemethoden verwendet werden, wenn mit ihnen z.B. das künftige Verhalten
von Fertigungssystemen oder die Dauer sowie die Pufferzeiten bei Großprojekten
bestimmt werden. Simulationsverfahren sind eine Art mathematischer Experimente,
mit denen z.B. die Wirkungen stochastischer Prozesse oder der Änderung
einzelner Größen in „ What-If-Analysen “ untersucht werden. Da Planung stets
zukunftgerichtet ist, kommt den Methoden zur Erfassung und Bewältigung der
Unsicherheit eine wesentliche Bedeutung zu. Sie können einmal wie die
(simulative) Risikoanalyse dazu dienen, den Grad an Unsicherheit und deren
Auswirkungen auf die Zielgröße herauszufinden. Zum anderen zeigen die in der
Entscheidungstheorie entwickelten Entscheidungskriterien bei Vorliegen von
Wahrscheinlichkeitsvorstellungen (z.B. Bernoulli-Nutzenfunktionen) oder
Ungewissheit Wege auf, wie man trotz unvollkommener Information eine
Alternative als optimal auswählen kann. Mit diesem Wissen reduziert man die
Unsicherheit, während sich durch Diversifikation, Ressourcenbildung, Fremd-
oder Selbstversicherung deren Wirkungen bekämpfen lassen.
Vor allem im Operations Research sind zahlreiche quantitative
Methoden zur Alternativenwahl entwickelt worden. Sie sind auf
Prioritätensetzung, Nutzenzuordnung oder Bewertungsstabilisierung gerichtet.
Für die Bewertung oder Nutzenzuordnung kann man exakte Optimierungs-,
heuristische und Simulationsmodelle heranziehen, neben welche die skizzierten
Methoden zur Entscheidungsfindung bei Unsicherheit treten. Exakte
Optimierungsmethoden wie die linearen und nichtlinearen sowie ganzzahligen und
dynamischen Programmierungsverfahren führen in endlich vielen Schritten zu
einer nachweisbar optimalen Lösung. Mit heuristischen Verfahren versucht man,
eine bestmögliche Lösung herauszufinden, ohne dass man deren Güte bestimmen
kann. Sie umfassen Eröffnungsverfahren (z.B. Prioritätsregeln), unvollständig
exakte Verfahren (z.B. abgebrochene Branch-and-Bound-Verfahren) und lokale
Such- bzw. Verbesserungsverfahren (z.B. Tabu Search). Letztere nutzen häufig
auch Verhaltensmuster der Natur (z.B. Simulated Annealing, Genetische
Algorithmen, Ameisen-System). Im Falle einer Alternativenwahl auf Basis einer
Simulation lässt sich die Optimalität wegen der experimentellen Abbildung der
Situationsbedingungen ebenfalls nicht beurteilen.
2. Verfahren zur Strukturierung von
Planungsprozessen
Eine Reihe von Planungsinstrumenten ist darauf gerichtet,
über die Gestaltung von Planungsprozessen die Wirksamkeit der Planung zu
verbessern bzw. zu sichern. Dies kann einmal durch Vorgaben für die Handhabung
von Planungsproblemen geschehen (Delfmann,
Werner/Reihlen, Markus 2002, Sp. 1440 ff.). So sollen durch ein
synoptisches Vorgehen Planungsprobleme systematisch durchdrungen und untersucht
werden, bei inkrementaler Planung handelt es sich um einen Prozess des Lernens
mit Versuch und Irrtum. Dagegen analysiert man bei der dialektischen
Vorgehensweise denselben Gegenstand aus verschiedenen, einander
widersprechenden Blickwinkeln.
Im Hinblick auf die personelle Beteiligung an der Willensbildung
und -durchsetzung lassen sich autoritäre, Konsens-, politisierte und
pluralistische Strukturen unterscheiden. Während im autoritären Modell der
Kreis der Planungsträger auf eher wenige autorisierte Personen beschränkt ist,
sollen beim Konsensmodell möglichst viele Unternehmensangehörige in den von
offiziellen Planungsträgern moderierten Planungsprozess einbezogen werden. Im
politisierten Modell wird die Planung von den politisch durchsetzungsfähigen
Personen bestimmt. Demgegenüber werden im pluralistischen Modell alle
Organisationsmitglieder als potenzielle Planungsträger betrachtet und
diejenigen mit dem besten Wissen maßgebend.
Strukturregeln der Ablauforganisation beziehen sich v.a. auf
die Koordination der Planungen sowie Pläne verschiedener Funktionsbereiche und
Ebenen in zeitlicher und sachlicher Hinsicht (Küpper,
Hans-Ulrich 2001, S. 301 ff.). Als grundlegende Alternativen bieten
sich die simultane und die sukzessive Abstimmung an. Erstere erfordert eine
Erfassung der Interdependenzen in integrierten Planungsmodellen oder -ansätzen,
während bei sukzessiver Planung isolierte Teilplanungen aufeinander aufbauen.
Je mehr die operative, taktische und strategische Planung nicht nur aneinander
gereiht, sondern überlappt oder verschachtelt werden, umso stärker werden sie
miteinander verknüpft. Dementsprechend folgen Planungszyklen in der seriellen
Anordnung nacheinander, während sie sich bei rollierender bzw. gleitender
Planung überlappen. Die Ableitungsrichtung oder Entwicklungsfolge von
Planungszyklen betrifft die Koordination von Plänen verschiedener
Hierarchieebenen. Im Fall einer Top-down-Planung geht man von der strategischen
Planung aus, die zum Rahmen für die nachfolgende taktische und diese wiederum
für die operative Planung wird. Die umgekehrte Folge liegt bei der
Bottom-up-Planung vor. Beide sind damit von einem sukzessiven Verfahren
bestimmt. Hingegen kommt man mit dem Gegenstromprinzip einer simultanen Planung
näher, indem man zwar vom Strategischen ausgeht, die aufeinander folgenden
Ebenen aber durch Rückkoppelungen miteinander abstimmt und den Prozess ggf.
mehrfach durchläuft.
V. Elemente und
Eigenschaften von Planungssystemen
Die Gesamtheit der Planungen einer Unternehmung bildet ihr
Planungssystem (Wild, Jürgen
1974, S. 153 ff.), das sich aus den Elementen Planungsträger, -gegenstände oder
-objekte sowie Planziele, organisatorische Regelungen, Planungsinformationen,
-handlungen und Pläne zusammensetzt (Mag, Wolfgang
1999, S. 31 ff.). Eigenschaften des Planungssystems sind die Variablen, welche
eine Unternehmung festlegen kann, um das für ihre Zwecke und Bedingungen
günstigste System zu schaffen. An ihrer Vielzahl werden nicht nur die
Komplexität von Planungssystemen, sondern zugleich die vielfältigen Auswahl-
und Gestaltungsmöglichkeiten für die Unternehmung deutlich (vgl. Überblick in
Abb. 4).
Abb. 4: Überblick über wichtige Eigenschaften von
Planungssystemen
VI. Bausteine einer
Planungstheorie
1. Bestimmungsgrößen der Planung
Den Ausgangspunkt einer Planungstheorie bilden die Größen,
von denen die Gestaltungsmöglichkeiten und die Wirkungen von Planung abhängen.
Allgemein liegen diese in der Komplexität der Planungsgegenstände und der
Transparenz sowie Veränderlichkeit ihrer Umwelt. Planbarkeit ist umso weniger
gegeben, je verflochtener die zu planenden Gegenstände sind, je weniger man
über die für sie relevanten Zusammenhänge weiß und je mehr diese variieren.
Deshalb wird die Planung einer Unternehmung v.a. von ihrer Aufgabe, ihren
Angehörigen, der Umwelt und ihrem Führungssystem bestimmt.
Die in einer Unternehmung einzusetzenden Technologien, die
erforderlichen Prozesse sowie die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse der
Mitarbeiter hängen maßgeblich davon ab, ob materielle (Maschinen, Pharmazeutika
usw.) oder immaterielle (Software, Ausbildung, Krankenversorgung u.a.) Güter
und Dienstleistungen erstellt werden. Aus diesem Grund bildet das Produktions-
oder Leistungsprogramm als die Aufgabe oder das Sachziel einer Unternehmung
eine grundlegende Bestimmungsgröße der Planung. Da sie von Menschen vollzogen
und durchgesetzt wird, kommt den Mitarbeitern, den Führungskräften und auch den
Anteilseignern ebenfalls eine zentrale Bedeutung zu. Die Umwelt der
Unternehmung betrifft ihre Märkte (Absatz, Beschaffung, Arbeit, Kapital), aber
auch ihr gesellschaftliches, politisches und geographisches Umfeld. Deren Komplexität
und Dynamik haben einen wesentlichen Einfluss auf die Möglichkeiten und
Wirkungen ihrer Planung. Schließlich wird die Planung von der Gestaltung des
Führungssystems einer Unternehmung beeinflusst, in das sie eingebettet ist.
Wegen der engen Beziehungen zwischen den Führungsteilsystemen haben die
Gestaltung des Planungssystems und der Planungsprozesse in enger Abstimmung mit
Organisationsstruktur, Kontrolle, Personalführungs-, Informations- und
Controllingsystem zu erfolgen. So hängt bspw. die Differenzierung der Planung
von der organisatorischen Verteilung der Entscheidungs- und Weisungsrechte und
der Struktur des innerbetrieblichen Koordinations- bzw. Controllingsystems ab.
2. Einzelhypothesen und theoretische Ansätze
der Planung
Wünschenswert wären Planungstheorien, mit denen sich die
Wirkungen von Planungssystemen und -prozessen auf Unternehmensziele wie den
Marktwert prognostizieren ließen. Bei der Komplexität der Zusammenhänge ist
dies schwerlich erreichbar. Deshalb muss man sich mit Einzelhypothesen über die
Wirkung einzelner Komponenten, Instrumente und Prozesse der Planung begnügen.
Weil hierbei ein Bezug zu dem übergeordneten Unternehmensziel meist nicht
herstellbar ist, formuliert man häufig Hypothesen über deren Effizienz (Pfohl,
Hans-Christian/Stölzle, Wolfgang 1997, S. 186 und 213). Ferner gibt
es vielfältige empirische Untersuchungen über Umfang, Art, Struktur und
Wirkungen der Planung (Pfohl,
Hans-Christian/Stölzle, Wolfgang 1997, S. 211 ff.; Küpper,
Hans-Ulrich/Winckler, Barbara/Zhang, Suixin 1990). Besonders
intensiv ist der Zusammenhang zwischen Planung und Organisation im Hinblick auf
die Frage erforscht worden, inwieweit die (Planungs-)Strategie der
(Organisations-)Struktur folgt oder umgekehrt (Schewe,
Gerhard 1998).
Für die Fundierung einzelner Hypothesen und Zusammenhänge
kann man auf unterschiedliche theoretische Ansätze zurückgreifen. Im Hinblick
auf die Rationalität der Entscheidungsfindung und die Ableitung optimaler
Alternativen bei vollkommener und unvollkommener Information sowie Individual-
und Gruppenentscheidungen vermittelt die normative Entscheidungstheorie
wertvolle Einsichten und Konzepte. Zur Analyse von Problemen sowie Mechanismen
der Entscheidungsdurchsetzung unter Berücksichtigung der unterschiedlichen
individuellen Ziele und asymmetrischen Informationsstände von Handlungsträgern
lassen sich Modelle der Principal-Agent-Theorie nutzen. Während diese Theorien
formal-analytisch vorgehen, legen verhaltenswissenschaftliche Ansätze kein
streng rationales Handeln zugrunde; ihre Hypothesen sind auf die Erklärung
menschlichen Verhaltens und eine Überprüfung an der Realität gerichtet (vgl.
hierzu Pfohl,
Hans-Christian/Stölzle, Wolfgang 1997, S. 234 ff.). Um zu Aussagen
über die Eignung unterschiedlicher Planungssysteme in Abhängigkeit von Aufgabe
und Umwelt der Unternehmung zu gelangen, bietet sich eine Nutzung von
Erkenntnissen der Transaktionskostentheorie an (Picot,
Arnold/Dietl, Helmut/Franck, Egon 2002, S. 67 und 300 ff.), mit der
sich qualitative Aussagen z.B. über den Einfluss der Unternehmensaufgabe auf
die Organisation und weitere Eigenschaften des Planungssystems begründen
lassen.
Obwohl sich eine Vielzahl von Hypothesen und Theorieansätzen
zur Erfassung der Planung heranziehen lässt, wird man kaum zu einer umfassenden
Planungstheorie gelangen. Wegen der Komplexität ihrer Merkmale bleibt die
Planung damit auch für die Unternehmenspraxis ein Führungsteilsystem, das in
seiner Anwendung (ex ante) unvollständig ist und in der Durchsetzung (ex post)
Überraschungen nicht ausschließen kann. Dennoch spricht vieles dafür, dass sie
in Unternehmungen zu einer besseren Zielerreichung als rein intuitives Handeln
führt.
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Problembezug von Entscheidungsmodellen, Tübingen 1980
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Kirsch, Werner : Die Handhabung von
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Koch, Helmut : Aufbau der
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Küpper, Hans-Ulrich : Controlling:
Konzeption, Aufgaben und Instrumente, 3. A., Stuttgart 2001
Küpper, Hans-Ulrich : Industrielles
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Küpper, Hans-Ulrich/Helber, Stefan :
Ablauforganisation in Produktion und Logistik, 2. A., Stuttgart 1995
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Picot, Arnold/Dietl, Helmut/Franck,
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Schewe, Gerhard : Strategie und
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