Inhaltsübersicht
I. Anliegen
der Investitionsplanung
II. Planung
einzelner Investitionsvorhaben
III. Investitionsprogrammplanung
I. Anliegen der
Investitionsplanung
Investitionsplanung
kann als zielgerichtete und systematische Auseinandersetzung mit den
(voraussichtlichen) Konsequenzen von Investitionen aufgefasst werden.
Vornehmlich ist hierbei an folgende Aspekte zu denken:
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Aus leistungswirtschaftlicher
Sicht legen Realinvestitionen
(insbes. Sachinvestitionen) quantitative und qualitative Kapazitäten fest,
fixieren auf diese Weise die Kosten- und Erlösstruktur einer Unternehmung.
Bleiben die Erlöse hinter den Erwartungen zurück und lässt sich die
Anschaffungsausgabe durch Liquidation des Investitionsobjektes nicht
vollständig wiedergewinnen ( „ irreversible
Investition “ ), entstehen sunk costs,
welche künftig die Entscheidungsflexiblität beschränken (Krahnen,
J.P. 1991).
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Finanzwirtschaftlich
interessieren Höhe und zeitlicher Anfall der mit Investitionen erzielbaren Gewinne bzw. Verluste sowie die hierbei gebundene Liquidität. Während erstere unter Zuhilfenahme von Investitionsrechenverfahren
festgestellt werden, dient die Finanzplanung
als Perioden- oder Projektplanung zur Steuerung der Liquidität.
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Aus personalwirtschaftlicher
Perspektive sind Motivation und Anreizwirkungen von Investitionen von
Bedeutung sowie gegebenenfalls gewisse kapazitative und organisatorische
Festlegungen (beispielsweise Art der Arbeitsteilung oder der kommunikativen
Vernetzung).
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Schließlich müssen die informationswirtschaftlichen Folgen einer bestimmten
Investitionspolitik bedacht werden. Abgesehen davon, dass z.B.
Bauinvestitionen per se sichtbare Zeichen für die unternehmungsinterne und
-externe Öffentlichkeit setzen, ist hier ihr Niederschlag in
Publikationsrechnungen anzuführen: Bilanzstrukturen und Kapitalflüsse dienen
in hohem Maße der Rechenschaftslegung und münden letztlich in eine Erfolgs-
und Liquiditätsanalyse als Resultat der Investitionstätigkeit.
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Als Charakteristikum für Investitionen lässt sich die für
eine gewisse Zeitdauer eingegangene Kapitalbindung herausstellen. Dies
beinhaltet, dass für die Beurteilung von Investitionen deren finanzielle Konsequenzen im Mittelpunkt
der Investitionsplanung stehen. Folgerichtig sind Investitionen als Entscheidung über Ausgaben zur Erlangung von
Wirtschaftsgütern definierbar, wobei erwerbswirtschaftliche Investitionen
zudem – und vor allem – der Einnahmenerzielung dienen, mithin dem Kriterium der
Vorteilhaftigkeit zu genügen haben, das sich als Gewinn- oder
Rentabilitätskennziffer quantifizieren lässt.
II. Planung einzelner
Investitionsvorhaben
1. Projektplanung
Dem Prinzip sukzessiver Planung folgend, beschränkt sich die
Projektplanung auf isolierte Investitionsvorhaben, ohne die Wechselwirkung zu
anderen oder nachfolgenden Maßnahmen zu berücksichtigen. Relevant für die
Projektbeurteilung sind dann genau diejenigen finanziellen Konsequenzen in Form
von Ausgaben (Auszahlungen) und Einnahmen (Einzahlungen), die durch die
Entscheidung für das Investitionsvorhaben ausgelöst werden. Neben dem
Investitionsobjekt i. eng. S., das bilanziell oft dem Anlagevermögen zuzuordnen
ist, sind auch einhergehende zahlungswirksame Folgen im Umlaufvermögen sowie
weitere Zahlungen beispielsweise für Personalausgaben eingeschlossen. Darüber
hinaus zwingt die Zeitverschiedenheit aller Geldzu- und -abflüsse zur
Berücksichtigung temporärer Wiederanlagen von Einnahmenüberschüssen und
Finanzierung von Ausgabenfehlbeträgen, die sich in entsprechenden Zinsfüßen
ausdrücken lassen und letztlich die Aggregation aller Einnahmen und Ausgaben zu
einer einheitlichen, die (Un-)Vorteilhaftigkeit eines Projektes zum Ausdruck
bringenden Maßgröße erlauben.
Als optimaler Zeitpunkt für die Realisierung eines
Investitionsprojektes lässt sich derjenige ansehen, welcher hinsichtlich des
gewählten Vorteilskriteriums (z.B. Kapitalwert, Rentabilität) am besten
abschneidet. Hierbei wird unterstellt, dass die Zahlungsfolge, welche die
Investition charakterisiert, mit dem Beginn der Projektperiode variiert. Dies
kann in steuerlichen Änderungen – wie dem Beginn bzw. Auslaufen bestimmter
steuerlicher Förderungen oder Belastungen – genauso begründet sein wie in
gewissen marktlichen Reaktionen auf ein Vorhaben, beispielsweise ein sich
veränderndes Nachfrageverhalten von Kunden oder Auswirkungen von Aktionen der
Konkurrenz. In Verbindung mit der Projektdurchführung(splanung) entstehen hier
oftmals zeitlich-abwicklungstechnische Probleme (z.B. bei Bauinvestitionen),
deren Bewältigung die Vorteilhaftigkeit nachhaltig zu beeinflussen vermag.
2. Optimale
Investitionsdauer
Bei Sachinvestitionen (z.B. Fahrzeuge, Maschinen, Gebäude)
wie auch bei Rechten oder Finanzinvestitionen (z.B. Wertpapiere) stellt sich
oftmals die Frage, wie lange diese zweckmäßigerweise genutzt resp. gehalten
werden sollen. Innerhalb technisch oder rechtlich bedingter Grenzen kann
nämlich die wirtschaftlich optimale Dauer
einer Investition sehr wohl variieren. Ausgehend vom Beginn des Projektes ist
eine Fortführung so lange angeraten, wie sich der Gewinn noch steigern lässt.
Derartige zeitliche Grenzgewinne
ΔGt zwischen
zwei Zeitpunkten (t – 1) und t lassen sich mit Hilfe folgender Formel bestimmen
und auf ihre Einflussfaktoren zurückführen:

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EÜt beziffert hierbei den
Ertragsüberschuss, der bei Weiterführung der Investition in der Periode
zwischen (t – 1) und t erwirtschaftet wird. Im Einzelnen setzt er sich
zusammen aus den anfallenden Projekteinnahmen Et, vermehrt um eventuelle Zinserträge
aus temporären Wiederanlagen gerade nicht benötigter Liquidität und
vermindert um die Projektausgaben At unter
Einschluss der Finanzierungskosten dieser Investition. Beispielsweise betrage
EÜ2 bei einer Investition I 180 Geldeinheiten,
die sich aus E2 = 205 vermindert um Zinsaufwendungen von 25
zusammensetzen.
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Die Veränderung des Liquidations- oder
Veräußerungserlöses von (t – 1) auf t sei mit ΔLt bezeichnet. Bei Sachinvestitionen ist
ΔLt in der Regel negativ, da bei längerer
Nutzung der Liquidationserlös sinkt, etwa bei dem Beispielprojekt I um 150
Geldeinheiten.
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Schließlich gehen bei Fortführung der Investition
diejenigen Zinserträge verloren, welche bei ihrem Abbruch in (t – 1) und
Reinvestition dieses Überschusses hätten erlöst werden können. Deren Höhe
hängt ab vom Zinssatz i, der mit dem bis zum Zeitpunkt (t – 1)
erwirtschafteten Investitionsgewinn (bzw. -verlust) Vt – 1 zuzüglich des Liquidations-/Veräußerungserlöses
Lt – 1 zu gewichten ist. Bei Projekt I betrage V1 = – 250 und L1 = 350, sodass bei einem Zinsfuß von 10% bei
Fortsetzung der Investition Zinserträge in Höhe von 10 verlorengehen.
Zusammengefasst mit dem Ertragsüberschuss von 180 und der Verminderung des
Liquidationserlöses um 150 resultiert ein zeitlicher Grenzgewinn ΔG2 = + 20,
die Weiterführung von Projekt I ist also vorteilhaft (s. auch Abb. 1 unten).
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Ein an zeitlichen Grenzgewinnen orientiertes Abbruchkriterium
ist dann anwendbar, wenn Gewinne und Verluste nicht im Wechsel auftreten.
Andernfalls muss für jeden Zeitpunkt t das Vorteilskriterium (z.B. der Kapital-
oder Vermögensendwert) ermittelt und hieraus der bestmögliche Wert ausgewählt
werden. Des Weiteren sind Ertragsteuern dann zu berücksichtigen, wenn sie die
optimale Investitionsdauer – beispielsweise wegen degressiver Abschreibung oder
Absetzbarkeit von Darlehnszinsen – beeinflussen.
3. Investitionsketten
Eine Folge von Investitionsprojekten wird als
Investitionskette bezeichnet. Durch die Aneinanderreihung von – abgeschlossenen
oder abgebrochenen – Einzelinvestitionen wird ggf. nicht nur der
Planungshorizont weiter in die Zukunft verschoben, sondern auch durch
geschickte Terminierung und Auswahl der Folgeprojekte eine optimale
Investitionsstrategie möglich. Eine solche zeitlich-simultane Planung kann
entweder das jeweils nachfolgende Projekt vom Eintritt bestimmter Ereignisse
abhängig machen oder a priori eine Projektreihenfolge fixieren ( „ starre
Planung “ ). Letzteres ist in Abb. 1 für einen Planungszeitraum von drei Perioden
exemplarisch dargelegt:
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Im Zeitpunkt t = 0 kann entweder Projekt I realisiert
werden oder nicht ( „ Null-Alternative “ ).
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In t = 1 bestehen die Möglichkeiten der Weiterführung
von Projekt I, die Aufnahme von Projekt II oder die Null-Alternative.
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Schließlich können in t = 2 zuvor angefangene Projekte
fortgesetzt, Projekt III begonnen oder die Null-Alternative verwirklicht
werden.
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Abb. 1: Endliche Investitionsketten
Soweit die zeitlichen Grenzgewinne bzw. -verluste bekannt
sind, kann hieraus der jeweilige Investitionsgewinn Vn, der
Vermögensendwert (Schirmeister,
R. 1990, S. 35 ff.), jeder Strategie für das Ende des
Planungszeitraumes über die Formel

errechnet werden. Im Beispiel der Abb. 1 sind für i = 10 %
die Investitionsgewinne in n = 3 angegeben: Optimal ist mit V3 = 170 (= 100 · 1,12 – 10 · 1,1 + 60)
offensichtlich die Strategie, zunächst Projekt I zu realisieren und es in t = 1
durch Projekt II zu ersetzen. Diese durch vollständige Enumeration gefundene
Lösung ist bei endlichen Investitionsketten stets ermittelbar, mit zunehmender
Anzahl an Perioden und Projekten allerdings rasch aufwendig. Heuristische
Lösungsverfahren, wie beispielsweise das Kriterium des jeweils höchsten zeitlichen Grenzgewinns
( „ bester Nachfolger “ ), garantieren hingegen nicht notwendigerweise die
vorteilhafteste Strategie; im Beispiel hieße das, Projekt I bis t = 2
zu belassen und anschließend zu Projekt III zu wechseln, wobei der Gesamtgewinn
V3 = 155 zwar beachtlich, aber eben nicht maximal
ist.
Ein Anwendungsfall endlicher Investitionsketten ist das
Ersatzproblem: Während bislang eine Planung im Zeitpunkt t = 0 angenommen
wurde, stellt sich die Frage nach der optimalen Nutzungsdauer und ggf. einem
Ersatz bei einem laufenden Investitionsvorhaben möglicherweise erneut, wenn
sich die Informationen gegenüber der originären Entscheidungsfindung geändert
haben. Gründe hierfür können im Datenrahmen (z.B. andere Preise) oder im
Entscheidungsfeld selbst liegen. Bei Letzterem ist an neue
Handlungsalternativen (wie technische Innovationen bei Sachgütern, neue
Finanzanlagen) genauso zu denken wie an Nachfrage- oder
Wettbewerbsverschiebungen, die zu neuen Planungsrechnungen auf der Basis
anderer Zahlungsströme zwingen.
Ein vielfach diskutiertes Problem ist das identischer Investitionsketten, also
Folgen von Investitionen, bei welchen die einzelnen Kettenglieder identische
Zahlungsreihen aufweisen oder zumindest in Bezug auf ein Vorteilskriterium
(i.d.R. auf den Kapitalwert) übereinstimmen. Im Falle einer endlichen Kette, deren Realitätsbezug
allerdings offen bleibt, verlängert sich die optimale Nutzungsdauer mit jedem
Folgeprojekt ( „ Ketteneffekt “ ). Bei unendlich
identischen Investitionsketten, die mangels Planbarkeit gerne bei einer
Unternehmung auf Dauer unterstellt werden, braucht die optimale Nutzungsdauer
nicht mit derjenigen übereinzustimmen, die bei isolierter Projektbetrachtung
als vorteilhaft bestimmt wird (als Überblick Götze,
U./Bloech, J. 2006, S. 235 ff.; Kruschwitz,
L. 2005, S. 207 ff.).
III. Investitionsprogrammplanung
Ein Investitions-Finanzierungs-Programm
( „ Kapitalbudget “ ) besteht aus voneinander unabhängigen Investitionsprojekten,
die, finanziert durch voneinander unabhängige Finanzierungsprojekte, ein
vorgegebenes Gewinnziel am besten erfüllen.
1. Ein-Perioden-Modell
Der einfachste Fall des Kapitalbudgets, das auf die
Zeitspanne zwischen t = 0 und t = 1 beschränkte Dean-Modell (Dean, J.
1969), geht von einem unvollkommenen Kapitalmarkt aus, auf welchem die
Kapitalaufnahme zu bestimmten Konditionen beschränkt ist. Einander
gegenübergestellt werden die nach ihrer absteigenden Rentabilität geordneten
Investitionsprojekte IPj, die Kapitalnachfragefunktion,
und die nach ihren aufsteigenden relativen Finanzierungskosten geordneten
Finanzierungsprojekte FPk, die Kapitalangebotsfunktion
(vgl. exemplarisch Abb. 2).

Abb. 2: Dean-Modell
Optimal im Sinne der Zielsetzung eines maximalen
Vermögensendwertes in t = 1 ist dann dasjenige Programm, welches alle
Investitionsprojekte mit einer Rentabilität größer/gleich derjenigen des
Schnittpunktes von Kapitalnachfrage- und -angebotsfunktion enthält. Diese
werden genau mit denjenigen Finanzierungsmöglichkeiten realisiert, deren
relative Finanzierungskosten (= interne Verzinsung) kleiner/gleich derjenigen
des Schnittpunktes sind. Dieser Schnittpunkt kann als modellendogener
Kalkulationszinsfuß interpretiert werden, da alle im optimalen Programm
enthaltenen Projekte einen Kapitalwert größer/gleich null aufweisen, alle nicht
im optimalen Programm enthaltenen Projekte einen negativen Kapitalwert. Als
endogener Parameter ist dieser Kalkulationszinsfuß allerdings ex ante nicht
bekannt, sodass auf die Aufstellung des Modells nicht verzichtet werden kann.
Bei aller Begrenztheit – nämlich auf eine Periode und die Unabhängigkeit der Finanzierungsalternativen
von der Realisierung bestimmter Investitionsprojekte – zeichnet sich das
Dean-Modell durch seinen hohen heuristischen Gehalt aus, der die Intention der
Programmplanung einprägsam widerspiegelt.
2. Mehr-Perioden-Modelle
Ein Kapitalbudget für mehrere Perioden hat zwei Anforderungen
zu erfüllen:
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In jedem Zeitpunkt t = 0, 1, ..., n muss die
Liquidität gesichert sein; d.h., der Saldo aller Einnahmen (aus
Investitionsrückflüssen, Kapitalaufnahmen, Zinserträgen) und Ausgaben (für
Investitionen, Kapitaldienste) darf nie negativ werden.
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Die Zusammensetzung des Kapitalbudgets bestimmt sich
nach der gewählten erfolgswirtschaftlichen Zielsetzung. Analog zum Ein-Perioden-Modell kann diese
beispielsweise in der Maximierung des Vermögensendwertes Vn am Ende des Planungszeitraumes bestehen.
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Das folgende Beispiel eines 2-Perioden-Modells möge die Idee
der Programmplanung verdeutlichen: Vorgesehen seien die beiden
Investitionsprojekte IPI mit A0 = 200, E1 = 170, E2 = 118 und IPII mit A0 = 100, E1 = 52, E2 = 69, die höchstens einmal (xI, xII ≤ 1) realisiert werden sollen. Zur
Finanzierung stehen ein Kredit FPI über E0 = 200 zu 5 % und ein weiterer Kredit FPIII über 100 zu 12 % zur Verfügung; beide Kredite
müssen nicht ausgeschöpft werden (d.h. yI, yIII ≤ 1), sind zu jedem Termin rückzahlbar und
bei laufender Zinszahlung endfällig zu tilgen. Soweit sich in t = 1
Einnahmenüberschüsse ergeben, werden sie während der ersten Periode in der
Kasse gehalten, während der zweiten als Finanzanlage zu einem Habenzinsfuß von
3 % angelegt. Der angestrebte maximale Vermögensendwert V2 wird nun über ein (lineares) Optimalmodell
ermittelt. In die Liquiditätsrestriktionen


gehen zunächst die Zahlungen der beiden Investitionsprojekte,
gewichtet mit ihren Wiederholungsfaktoren xI bzw. xII ein. Die Variablen xIII bzw. xIV bezeichnen die Möglichkeit zur Kassenhaltung
bzw. Finanzanlage in der ersten resp. zweiten Periode, während yI und yIII die Darlehensaufnahmen symbolisieren. Die
Kreditkündigung wird durch die Zerlegung in jeweils einperiodige
Kreditlaufzeiten erfasst, wozu die (Hilfs-)Variablen yII und yIV eingeführt werden; Zinsaufwendungen sind
explizit als Zahlungsgrößen ausgewiesen (z.B. bedeutet – 210y1 in t = 1, dass der Kredit FPI = 200
getilgt und zu 5 % verzinst wird, was insgesamt eine Ausgabe von 210 nach sich
zieht). In den Projektmengenrestriktionen

wird festgelegt, wie oft das einzelne Projekt realisiert
werden kann, wobei ggf. auch Teilbarkeits- (z.B. yI ∊ [0,1] oder Ganzzahligkeitsbedingungen
(z.B. xI = 0 oder 1) Verwendung finden können. Die
Zielsetzung des maximalen Vermögensendwertes V2 findet sich in der Zielfunktion

Analog zu den Liquiditätsrestriktionen sind alle
Investitions- und Finanzierungsprojekte sowie sämtliche Zinsen explizit
erfasst. Unter Beachtung der Nichtnegativitätsbedingungen

errechnet sich mittels eines geeigneten (Simplex-)Algorithmus
ein maximaler Vermögensendwert V2 = 82.
Dieser wird erreicht, indem beide Investitionen durchgeführt werden (xI = xII = 1),
Einnahmenüberschüsse nicht anfallen (xIII = xIV = 0),
beide Darlehen in der ersten Periode voll ausgeschöpft werden (yI = yIII = 1), in der zweiten Periode hingegen auf FPIII verzichtet (yIV = 0) und FPI lediglich noch zur Hälfte in Anspruch genommen
wird (yII = 0,5).
Allgemein stellt sich ein derartiges
„ Investions-Finanzierungs-Programm “ als ein (lineares) Optimalmodell dar,
bestehend aus Zielfunktion und Restriktionen. Neben dem Vermögensstreben,
operationalisiert etwa im Vermögensendwert Vn, können auch periodisch konstante
Entnahmen als Ziel verfolgt werden. Die Einbeziehung von (Ertrag-)Steuern, die
prinzipiell geboten ist, wird allerdings mit erhöhter, der informatorischen
Fundierung und der rechnerischen Bewältigung zuwiderlaufender Komplexität
erkauft. Neben den Liquiditäts- und Projektmengenrestriktionen, ergänzt um die
Nichtnegativitätsbedingungen, sind auch Ausweitungen auf andere
Unternehmungsbereiche – wie Produktions-, Absatz-, Personalrestriktionen –
genauso möglich wie die Einbindung von Wahrscheinlichkeitsverteilungen gewisser
Parameter (als Überblick Hax, H.
1985, S. 62 ff.; Kruschwitz,
L. 2005, S. 222 ff.).
Die Schwierigkeiten der Implementierung von
Optimierungsmodellen in der Unternehmungspraxis bestehen einmal in der
zeitnahen Bereitstellung der erforderlichen Plandaten. Mit einem ausgebauten,
auf Zahlungsgrößen basierenden Rechnungswesen wäre dies im Prinzip
realisierbar, wobei die nicht unerheblichen Kosten dem Nutzen gegenüberstehen.
Zum anderen ist der Ansatz, durch die steigende Anzahl und Genauigkeit der zu
erfassenden interdependenten Wirkungen, insbesondere wenn hierbei an
Marktstrukturen gedacht wird, konzeptionell begrenzt, weil dadurch Entscheidungen
letztlich überflüssig werden. Hinsichtlich der Modellausgestaltung bietet es
sich daher an, entweder eine Beschränkung auf Teilprobleme zu forcieren (wie
etwa die Liquiditätssteuerung in Verbindung mit der Disposition kurzfristiger
Finanzanlagen) oder sich auf wesentliche Grundstrukturen ( „ robuste Schritte “ )
zu konzentrieren.
3. Budgetplanung
Die Praxis der Investitionsprogrammplanung verzichtet
weitgehend auf Unterstützung durch Optimalmodelle, orientiert sich eher, wenn
auch nicht immer explizit genannt, an dem Dean-Modell. Die zumeist im
Jahresrhythmus durchgeführte zentrale Koordination der dezentral eruierten
Projektvorschläge an insbes. Sachinvestitionen trifft die zu realisierende
Auswahl anhand unternehmungsüblicher Vorteilskriterien (z.B. Rentabilität,
Kapital- oder Endwert, Amortisationsperiode), ergänzt um Risikogesichtspunkte
und qualitative Aspekte, welche die eingangs aufgeführten Konsequenzen von
Investitionen graduell unterschiedlich und unternehmungsspezifisch beachten
(beispielsweise strategisch-leistungswirtschaftliche Wirkungen, Bilanzwirkung).
Die Finanzierung erfolgt typischerweise organisatorisch und sachlich getrennt
von der Investitionsprogrammplanung und erscheint als verfügbares
Kapitalvolumen. Bei besonders attraktiven Investitionsvorhaben wird allerdings
die Finanzierung selbst hinterfragt und ggf. zusätzliches projektbezogenes
Kapital beschafft. Völlig getrennt hiervon erfolgt die Planung von
Finanzanlagen, die entweder unternehmungspolitisch motiviert die Auswahl trifft
(z.B. Beteiligungserwerb) oder anhand einer Rendite-Risiko-Mischung
( „ Portfolio-Selection “ ) vorgeht.
Literatur:
Dean, Joel : Capital
Budgeting, New York et al., 8. A., 1969
Götze, Uwe/Bloech,
Jürgen : Investitionsrechnung, Berlin et al., 5. A., 2006
Hax, Herbert :
Investitionstheorie, Würzburg et al., 5. A., 1985
Krahnen, Jan Pieter :
Sunk Costs und Unternehmensfinanzierung, Wiesbaden 1991
Kruschwitz, Lutz :
Investitionsrechnung, München et al., 10. A., 2005
Matschke, Manfred Jürgen
: Investitionsplanung und Investitionskontrolle, Herne et al., 1993
Schirmeister, Raimund :
Investitionsrechnung (Hörbuch), Bremen 2005
Schirmeister, Raimund :
Theorie finanzmathematischer Investitionsrechnungen bei unvolkkommenem
Kapitalmarkt, München 1990
Schneider, Dieter :
Investition, Finanzierung und Besteuerung, Wiesbaden, 7. A., 1992
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