Inhaltsübersicht
I. Wesen
und Bedeutung der Anlagenwirtschaft
II. Anlagenkapazität
und Anlagenarten
III. Leistungsziele
und Erfolgsziele der Anlagenwirtschaft
IV. Aufgabenbereiche
(Aktivitäts- und Entscheidungsfelder) der Anlagenwirtschaft
V. Organisation
der Anlagenwirtschaft
VI. Kooperation
mit Anlagenherstellern und Dienstleistern
I. Wesen und
Bedeutung der Anlagenwirtschaft
Die Aufbauorganisation der meisten Industrieunternehmen ist
traditionell vor allem durch die funktionale
Bündelung und Abgrenzung von Aufgabenfeldern geprägt. Mit fortschreitender
Markt- und Produktorientierung wird jedoch in letzter Zeit die organisatorische Zusammenfassung
geschäftsfeldbezogener Wertschöpfungsketten immer bedeutsamer. Neben diesen
beiden Organisationsprinzipien ist auch die
auf Produktionsfaktoren
und Ressourcen abstellende
Aufgabensynthese sehr wichtig. In diesem Sinne haben sich außer der
Personalwirtschaft zusätzlich die Materialwirtschaft,
die Energiewirtschaft und darüber hinaus auch die Finanzwirtschaft schon seit
längerer Zeit als produktionsfaktorbezogen integrierte Aufgabenfelder bewährt.
Zu den Aufgabenbereichen, die sich auf spezielle Produktionsfaktoren konzentrieren, zählt
auch die Anlagenwirtschaft. Sie fasst sämtliche Aktivitäts- und
Entscheidungsfelder zusammen, die darauf ausgerichtet sind, Anlagen als
technische Potenzialfaktoren für die Leistungserstellung verfügbar zu machen. Die Anlagenwirtschaft integriert jene
Aufgaben, die über die einzelnen Teilphasen des Anlagenlebenszyklus hinweg zu
bewältigen sind, um Anlagenkapazitäten erfolgreich nutzen zu können. Das
Zusammenfassen dieses Aufgabenkomplexes resultiert einerseits aus der
Erkenntnis, dass zwischen den Schwerpunktaufgaben der einzelnen Phasen des
Anlagenlebenszyklus technisch und wirtschaftlich sehr bedeutsame Wechselbeziehungen bestehen: Die
Anlagenplanung determiniert den Anlagenbau, dieser wiederum die Instandhaltung
und Letztere die Anlagennutzung, von der letztlich abhängt, wann Anlagen
ausgemustert bzw. ersetzt werden müssen. Integrierend wirkt andererseits zugleich,
dass bestimmte anlagenwirtschaftliche Aufgaben über den gesamten
Anlagenlebenszyklus hinweg beachtet und verfolgt werden müssen, wie etwa die
permanente Optimierung technischer Ressourcen. Die vor allem so begründete
organisatorische Bündelung der anlagenwirtschaftlichen Aktivitäts- und
Entscheidungsfelder führt zur Koordination
der Bereitstellung, Bereithaltung, Nutzung, Ausmusterung und Erneuerung von
Anlagen: Investition, Nutzung, Erhaltung und Desinvestition werden
aufeinander abgestimmt, um – als anlagenwirtschaftliches Optimum – eine
maximale Investitionsrentabilität zu erreichen.
Die große Bedeutung der Anlagenwirtschaft resultiert aus der
gestiegenen Anlagenintensität. Mit fortschreitender Mechanisierung,
Automatisierung und auch Roboterisierung ist das Personal immer mehr durch
technische Systeme ersetzt worden. Dadurch stieg der Anteil der Anlagenkosten
an den Gesamtkosten erheblich, während der Personalkostenanteil zurückging.
Gleichzeitig erhöhte sich die Kapitalintensität.
Auch die Fixkostenintensität hat
zugenommen. Demzufolge muss sich die Anlagenwirtschaft durchgängig um eine optimale Nutzung der Kapazität aller Anlagen
bemühen und in diesem Sinne vor allem Verfügbarkeits-, Auslastungs- und
Qualitätsverluste auf ein Mindestmaß reduzieren. Dadurch lässt sich eine auf Fixkostensenkung ausgerichtete Kapazitätsdimensionierung realisieren.
Zu den wichtigsten Führungsaufgaben
der Anlagenwirtschaft zählen insbesondere die Planung, Kontrolle und
Steuerung von Anlageninvestitionen, das Optimieren der wirtschaftlichen
Nutzungsdauer, das Projektieren von Sachinvestitionen unter Zeit- und
Kostenaspekten, das Koordinieren von Investitions- und Instandhaltungsbudgets,
das Abwägen von Anlageninstandhaltung und Anlagenverbesserung sowie das
Optimieren von Strategien, Intervallen, Terminen und Abläufen der
Instandhaltung, schließlich auch das vergleichende Beurteilen von Eigen- und
Fremdinstandhaltung. Immer bedeutsamer wird auch das Festlegen von Strategien
für die Entsorgung, Verwertung und Rückführung von Betriebsmitteln als
Anlagenrecycling. Auf diese Managementaufgaben sind die Konzepte, Methoden und
Instrumente des Anlagencontrolling auszurichten. Die einzelnen Maßnahmen zur
Optimierung der Anlagenwirtschaft sind vorrangig in den frühen Phasen des Anlagenlebenszyklus einzuleiten. In erster
Linie nur die Methoden und Abläufe störungsbedingter Instandsetzungen zu
verbessern, wäre nicht sehr wirkungsvoll. Stattdessen sind die Strategien der
planmäßigen Instandhaltung zu intensivieren. Noch effektiver ist es,
Instandhaltungsbedarfe durch konstruktive Verbesserungen schon in der Phase der
Anlagenplanung zu reduzieren.
II. Anlagenkapazität
und Anlagenarten
Zu den Objekten der
Anlagenwirtschaft zählen nicht alle Gegenstände des bilanziellen
Anlagevermögens, sondern nur Sachanlagen im Sinne des Potenzialfaktors »Betriebsmittel«. Demnach sind Anlagen materielle Potenzialfaktoren, die
einem Unternehmen über eine bestimmte Zeit hinweg zur produktiven Nutzung zur
Verfügung stehen. Fristablauf, Abnutzung und der technisch-wirtschaftliche
Fortschritt begrenzen die Totalkapazität
einzelner Anlagen. Wichtige Determinanten der Periodenkapazität sind der
Kapazitätsquerschnitt (Fassungs- bzw. Speichervermögen), die mögliche
Produktionsgeschwindigkeit und die mögliche Einsatzdauer als Betriebszeit.
Letztere ist selbst im Mehr-Schicht-Betrieb wegen der Sonn- und Feiertage und
wegen instandhaltungsbedingter, auch sortenwechselbedingter und wegen anderer
nicht ganz vermeidbarer Brachzeiten kürzer als die Kalenderzeit. Ein weiteres
bedeutsames Merkmal des Leistungspotenzials von Anlagen ist deren Elastizität im Sinne der
Anpassungsfähigkeit an wechselnde Produktionsaufgaben. Diesbezüglich sind vor
allem Flexible Fertigungssysteme (FFS) besonders nützlich, weil deren
produktive Nutzung nicht durch zeitintensive
Rüstvorgänge eingeschränkt wird. Zu den wirtschaftlich besonders relevanten
Merkmalen von Anlagen zählt schließlich auch noch die anlagenspezifische Produktionsfunktion (Verbrauchsfunktion). Sie
bestimmt die Abhängigkeit der Kostengüterverbräuche von der Anlagenleistung.
Je nach Art der Bereitstellung sind Anlagen entweder Fremdpotenziale (wie z.B. gepachtete
oder gemietete Grundstücke und Gebäude sowie durch Leasing bereitgestellte
Fahrzeuge, Bürogeräte und dergleichen) oder Eigenpotenziale,
an denen eine Unternehmung durch Kauf Eigentum erworben hat (wie beispielsweise
firmeneigene Grundstücke, Gebäude und Produktionsanlagen). Hinsichtlich der
speziellen Kapazität und Zweckbestimmung sind unterschiedliche Anlagenarten zu
unterscheiden. Zum Anlagenpark eines Unternehmens zählen einerseits
Grundstücke, Gebäude, Verkehrswege, Lagereinrichtungen und ähnliche Anlagen mit einer rein statischen Kapazität.
Demgegenüber haben Produktionsapparaturen, Fertigungsmaschinen, Transportsysteme,
Datenverarbeitungsanlagen und ähnliche Betriebsmittel eine dynamische Kapazität. Denn sie sind darauf ausgelegt, innerhalb
einer Periode ein bestimmtes Leistungsvolumen
zu realisieren (Ausbringungsmenge, Transportvolumen, Datenverarbeitungsvolumen
usw.).
Als verschiedenartige Objektbereiche der Anlagenwirtschaft
sind vor allem Gebäude mitsamt ihrer Haustechnik (Gebäudemanagement) von den
Produktionsmaschinen, Apparaturen und Werkzeugen abzugrenzen. Hinzu kommen der
Fahrzeugpark, technische Systeme der Logistik, Bürogeräte und EDV-Anlagen.
III. Leistungsziele
und Erfolgsziele der Anlagenwirtschaft
Die Leistungsziele
der Anlagenwirtschaft resultieren aus den obersten Sachzielen eines
Unternehmens, die ihrerseits durch die Unternehmensstrategien bestimmt sind.
Die marktorientierte, auf die strategisch bedeutsamen Wettbewerbsfaktoren
ausgerichtete Unternehmensführung verlangt vor allem eine hohe
Anlagenverfügbarkeit als Grundvoraussetzung für das Erreichen einer schlanken,
reaktionsschnellen Produktion und eines hohen Servicegrades der Logistik.
Auf größtmögliche Qualitätssicherheit (Null-Fehler-Produktion) bedachte
Unternehmen sind im Rahmen ihres umfassenden Qualitätsmanagements zudem auf eine hohe Anlagenzuverlässigkeit
angewiesen, damit Minderqualitäten und Nichtqualitäten (»Schlechtstücke«)
vermieden werden. Die Belange der Arbeitssicherheit und des Umweltschutzes
verstärken auch die Bedeutung der Anlagensicherheit.
So ist vor allem das technische Versagen von Kraftwerksanlagen, Chemieanlagen,
Transport- und Versorgungssystemen und ähnlichen Anlagen auszuschließen. Die Anlagenkapazität muss in ihrer
qualitativen und ihrer quantitativen Dimension über die gesamte
Anlagennutzungsdauer hinweg auf möglichst hohem Niveau über eine möglichst
lange Zeit hinweg erhalten bleiben. Doch baut sich die als »Abnutzungsvorrat«
interpretierbare Totalkapazität von Betriebsmitteln mit fortschreitender
Abnutzung immer weiter ab. Dies führt entweder zum plötzlichen Versagen
(Ausfall) von Anlagen beim Erreichen eines bestimmten Verschleißstadiums bzw.
einer bestimmten Standzeit, oder es bewirkt einen allmählichen Leistungsabfall,
mit dem vielfach ein sukzessives Ansteigen der Kostengüterverbräuche
einhergeht. Dem haben die Maßnahmen der Anlagenerhaltung
entgegenzuwirken. Ein möglichst langes Erhalten der Anlagenpotenziale zählt zu den besonders wichtigen Sachzielen der
Anlagenwirtschaft.
Das oberste Erfolgsziel
der Anlagenwirtschaft ist die Maximierung der Investitionsrentabilität, die
sich vor allem als interne Verzinsung oder als Kapitalwert definieren und
quantifizieren lässt. Nach frühzeitiger Amortisation des eingesetzten Kapitals
sollen Anlageninvestitionen für ihren gesamten Lebenszyklus letztlich möglichst
hohe Investitionsüberschüsse sicherstellen. Im Sinne dieser Zielsetzung sind
einerseits die einmalig für den Anlagenlebenszyklus anfallenden Anlagenbereitstellungskosten und die Kosten der Ausmusterung und Entsorgung alter
Anlagen weitestgehend zu senken. Andererseits ist über die gesamte Nutzungsdauer
von Anlagen hinweg eine Optimierung der
Kosten-Leistungs-Relation anzustreben. Letztlich muss es darauf ankommen,
bei möglichst niedrigen Fixkosten
möglichst hohe Deckungsbeiträge als
Leistungswerte zu realisieren.
Das Maximieren der Investitionsrentabilität setzt eine Minimierung verschiedener Kostenkategorien
voraus. Durch ein Abwägen von
Instandhaltungskosten und Ausfallkosten
ist die Instandhaltungsintensität zu optimieren. Da eine Senkung der
Anlagenausfallkosten durch verschiedene Strategien erreicht werden kann, sind
deren Kosten und Wirksamkeit vergleichend zu beurteilen. Besonders bedeutsame
Komponenten dieses Strategiebündels sind vor allem das Bereithalten von
Pufferlagern hinter störanfälligen Maschinen, das Vorhalten von passiver und aktiver
Redundanz durch Reserveanlagen, ferner Maßnahmen zur Beschleunigung von
Reparaturen (Fehlersuchpläne, Ersatzteillogistik usw.) sowie die planmäßig
vorbeugende Inspektion, Wartung und Instandhaltung, nicht zuletzt auch die auf
eine konsequente Reduzierung der Instandhaltungsbedarfe ausgerichtete
technische Optimierung (Anlagenverbesserung).
Während der zurückliegenden Jahre hat sich die Praxis vor
allem um eine Intensivierung der Instandhaltungsplanung und um eine
Verbesserung der Instandhaltungsabläufe bemüht. Das Perfektionieren der
Instandhaltungstätigkeit bewirkt jedoch nur eine einseitig auf das Senken der Anlagenkosten ausgerichtete
Suboptimierung, solange die Instandhaltungsbedarfe unkritisch hingenommen
werden. Die Optimierung technischer
Systeme geht darüber hinaus. Sie ist im Sinne eines kontinuierlichen
Verbesserungsprozesses als Daueraufgabe
der Anlagenwirtschaft zu organisieren. Vorrangig ist das Verhältnis von
Instandhaltungskosten und erreichbarer Verfügbarkeit schon in den frühen Phasen
des Anlagenlebenszyklus zu optimieren. Hierauf ist das Total Productive Maintenance (TPM) ausgerichtet, das umfassend eine
möglichst weitgehende Vermeidung von
Potenzialverlusten anstrebt. In Verfolgung der Ziele der Anlagenwirtschaft
soll TPM vor allem Verfügbarkeits- und Auslastungsverluste, Ressourcenverluste
durch Rüstzeiten und ablaufbedingte Stillstands- und Nebenzeiten, durch
Ausschussproduktion verursachte Verluste sowie die Vergeudung von
Anlagenkapazitäten durch übermäßig lange Instandhaltungs- und Reparaturzeiten
ausschalten. Insofern bemüht sich die Anlagenwirtschaft stets um eine permanente Steigerung der Erfolge einer
möglichst rentablen Anlagennutzung.
IV. Aufgabenbereiche
(Aktivitäts- und Entscheidungsfelder) der Anlagenwirtschaft
Die Gliederung der Aktivitäts- und Entscheidungsfelder der
Anlagenwirtschaft orientiert sich an den Phasen
des Anlagenlebenszyklus. Die Anlagenprojektierung
bewirkt die Festlegung des Technologiekonzeptes. Sie determiniert die
Funktionalität und Kapazität der Betriebsmittel, im Zusammenhang damit auch den
Mechanisierungs- und Automatisierungsgrad und die Flexibilität der technischen
Systeme, schließlich auch deren Dauerhaftigkeit (Standzeit) und
Instandhaltungsbedürftigkeit. Soll die Gesamtkapazität komplexer
Produktionssysteme optimiert werden, sind die Kapazitäten der einzelnen Anlagen
gut aufeinander abzustimmen.
Zu den Aufgaben der Anlagenbereitstellung zählt vor allem die
Wahl zwischen Kauf, Eigenbau, Miete,
Pacht oder Leasing. Zum Kauf
bieten Betriebe des Maschinenbaus sowohl Universalmaschinen als auch
Spezialmaschinen an. Die Großanlagen der Grundstoffindustrie, der Chemischen
und Pharmazeutischen Industrie sowie Kraftwerke und ähnlich komplexe Anlagen
müssen regelmäßig auf die spezifischen Bedürfnisse der Anlagennutzer ausgelegt
werden. Die Anlagenbetreiber müssen daher anlässlich der Anlagenbereitstellung
mit den Betrieben des Anlagenbaus sehr eng kooperieren. Der Eigenbau von Anlagen spielt vornehmlich
dann eine Rolle, wenn spezielle Produktanforderungen die Funktionalität der
Produktionsmittel und Produktionssysteme bestimmen. Das Leasing wird vor allem
wegen seiner finanzwirtschaftlichen und steuerlichen Vorteile immer mehr
genutzt. Einerseits reduziert es zwar den Kapitalbedarf für das Anlagevermögen,
andererseits führt es jedoch zum Anfall unmittelbar ausgabenwirksamer Fixkosten
und schränkt dadurch die finanzwirtschaftliche Flexibilität ein. Die Erfüllung
der Aufgaben der Anlagenbereitstellung ist durch ein geeignetes Projektcontrolling zu unterstützen. Die
Investitionsplanung sollte durch eine auf die gesamte Bereitstellungsphase
ausgerichtete Termin- und Kostensteuerung
ergänzt werden. Auf diese Weise ist die Einhaltung der Investitionsbudgets abzusichern.
Die Anlagenanordnung hat zum einen die Erfordernisse des
Umweltschutzes und der Arbeitssicherheit zu beachten und für eine bestmögliche
Raumausnutzung Sorge zu tragen, zum anderen muss dieser Aufgabenbereich der
Anlagenwirtschaft jedoch zugleich – und dies eher vorrangig – den produktionslogistischen Anforderungen
gerecht werden. Die Bewältigung dieser Aufgabe setzt eine besonders enge
Zusammenarbeit mit den für die Produktion verantwortlichen Organisatoren
voraus. Daher wird das Aufgabenfeld der Anlagenanordnung sehr stark von den Grundanliegen einer schlanken Produktion
(kurze Durchlaufzeiten, niedrige Bestände, hohe Reaktionsgeschwindigkeit,
Vermeidung aller Formen von Verschwendung) geprägt. In diesem Sinne muss die
Anlagenanordnung zur Beschleunigung des innerbetrieblichen Warenflusses dem
Fließprinzip gerecht werden. Andererseits sind Betriebsmittel zugleich räumlich
so zu konzentrieren, dass dadurch die für eine Gruppenarbeit in der Fertigung
bedeutsamen Kommunikationsprozesse vereinfacht und verbessert werden. Um eine
Umstellung auf neue Produkte zu erleichtern, sind technische Lösungen für eine flexible Anlagenanordnung zu entwickeln.
Solange Anlagen einsatzfähig bleiben, sind zeitlich parallel
zur Anlagennutzung die Aufgaben der Anlageninstandhaltung und der Anlagenverbesserung gut zu koordinieren.
Die Anlagennutzung selbst ist von der Produktionswirtschaft zu organisieren.
Dagegen ist die Anlageninstandhaltung eine bislang meist organisatorisch
separierte Servicefunktion, die der
Aufrechterhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit von
Betriebsmitteln dient. Instandhaltungsbedarfe entstehen unweigerlich deshalb,
weil sich der Abnutzungsvorrat der
Anlagen durch den Anlagenverschleiß
allmählich abbaut mit der Folge eines stetigen Leistungsabfalls oder aber eines
totalen, momentanen Versagens. Dem wirkt die Anlageninstandhaltung durch verschleißhemmende Maßnahmen entgegen
(schonende Maschinenführung, Reinigung und Pflege, Korrosionsschutz, Schmierung
und Wartung). Dennoch unvermeidbare Verschleißerscheinungen werden entweder
durch die Ausbesserung
(Instandsetzung) oder durch die Erneuerung
von Anlagenkomponenten beseitigt. Inspektionen beobachten lediglich den
Verschleißverlauf. Sie sollen Instandhaltungsbedarfe rechtzeitig (vor dem
Anlagenausfall) aufdecken.
Das bloße Reagieren auf Instandhaltungsbedarfe durch
Instandsetzungsmaßnahmen (Reparaturen) ist unwirtschaftlich. Wesentlich
effektiver erweisen sich präventiv
geplante Instandhaltungsmaßnahmen. Hierfür kommen unterschiedliche Instandhaltungsstrategien in Betracht:
das Festlegen zustandsabhängiger und leistungsbezogener Instandhaltungszyklen
oder aber die Definition streng periodischer Instandhaltungsintervalle. Es muss
ein zentrales Anliegen der Instandhaltungsprogrammplanung
sein, den Anteil der planmäßig vorbeugenden Inspektionen, Wartungsmaßnahmen und
Teilewechsel weitestgehend zu steigern und störungsbedingte Instandsetzungen
immer mehr zu reduzieren. Zu den Hauptaufgaben der Instandhaltungsablaufplanung zählt das Festlegen von Prioritäten für Instandhaltungsobjekte und
-maßnahmen, das Optimieren der Instandhaltungstechnologien
(Verfahrenswahl), das Minimieren der instandhaltungsbedingten Produktionsstillstände durch
Beschleunigung der Instandhaltungsabläufe (Reduzierung der Wegezeiten) und
schließlich auch die Optimierung des Verhältnisses von Eigen- und Fremdinstandhaltung. Zur Sicherung der
Wirtschaftlichkeit der gesamten Anlageninstandhaltung ist darüber hinaus die Ersatzteillogistik stetig
weiterzuentwickeln, um die Kapitalbindung durch Handmagazine und geschlossene
Ersatzteillager auf ein Mindestmaß zu begrenzen. Besonders große Bedeutung
kommt der optimalen Dimensionierung
personeller Instandhaltungsressourcen zu. Sie hat darauf zu achten, dass
zur Befriedigung der meist komplexen, schwankenden und teils nur schwer
voraussehbaren Instandhaltungsbedarfe nicht nur eigene Handwerker, sondern auch
Mitarbeiter aus den Fertigungsbereichen sowie externe Dienstleister und die
Serviceorganisationen der Anlagenhersteller herangezogen werden können.
Das für die Anlageninstandhaltung zuständige Personal sammelt
während der Anlagennutzungsdauer immer mehr Know-how. Daher kann es Störquellen, Störursachen und Störungsarten
immer besser lokalisieren, identifizieren, systematisieren und aufklären.
Dieses sich über die Anlagenlebenszyklen hinweg immer mehr anreichernde
Erfahrungswissen ist eine sehr gute Basis für Maßnahmen zur Analyse, Bekämpfung und Beseitigung von Schwachstellen.
Deshalb muss die Anlageninstandhaltung sehr eng mit der Anlagenverbesserung kooperieren. Wegen ihres präventiven Ansatzes
sollte dieser Aufgabenbereich der
permanenten technischen Optimierung prinzipiell Priorität haben. Das
kontinuierliche Verstärken dieser Strategie eröffnet den
Instandhaltungsfachkräften attraktive Qualifizierungschancen, die sich durch
geeignete Maßnahmen der Personalschulung noch ausbauen lassen. Mitarbeiter, die
den Beziehungszusammenhang zwischen technischen Schwachstellen, Störpotenzialen
und Instandhaltungsaufgaben kennen, können in einem engen Regelkreis mit den
für die Planung und Projektierung von Anlagen zuständigen Fachkräften
zusammenarbeiten. Dadurch wird ein frühzeitiges
Reduzieren von Instandhaltungsbedarfen angestoßen.
Der Lebenszyklus von Betriebsmitteln endet mit der Ausmusterung und Verwertung von Anlagen.
Innerhalb dieses Aufgabenkomplexes muss eine systematische Werterhaltung die bloße Entsorgung von Technologien immer weiter
zurückdrängen. Sofern Gebrauchtanlagenmärkte
existieren, können Altanlagen (gebrauchte Maschinen, Fahrzeuge, Geräte und
dergleichen) an andere Betriebe weiterveräußert werden. Daneben kommt mitunter
die Inzahlunggabe anlässlich des
Kaufs neuer Anlagen in Betracht. Gelegentlich eröffnet der Umbau alter Anlagen auch andersartige
Weiterverwendungsperspektiven. Wenn sich Betriebsmittel leicht demontieren
lassen, gelingt eine getrennte Verwertung
einzelner Anlagenkomponenten, die entweder noch als Ersatzteile genutzt
oder aber wiederaufgearbeitet werden können. Weitsichtige Anlagenhersteller
erkennen, dass den Anlagennutzern das Ausmustern und Verwerten gebrauchter
Betriebsmittel regelmäßig sehr schwer fällt. Sie bieten deshalb mehr und mehr
die Rücknahme von Altanlagen an und
binden dieses Angebot in ihr Marketingkonzept ein. Unterstützt durch die
Gesetzgebung auf dem Gebiet des Umweltschutzes entstehen in verschiedenen
Industriezweigen Demontagewerke und Recyclingbetriebe (Automobil-,
Elektronik-, Geräteindustrie und andere Branchen). Je stärker primär auf
Rückführung ausgerichtete Verwertungsstrategien forciert werden, desto mehr
achten die Anlagenhersteller schon im Rahmen der Anlagenprojektierung auf das
Erleichtern von Demontage- und Entsorgungsvorgängen. Dadurch lässt sich das
undifferenzierte Entsorgen komplexer Systeme durch Verschrotten, Verbrennen,
Einschmelzen und Deponieren immer weiter reduzieren.
Das optimale Bewältigen des gesamten Aufgabenkomplexes der
Anlagenwirtschaft setzt eine Koordination
und Integration der einzelnen Aufgabenfelder voraus. Diese sind deshalb
interdependent, weil die Aktivitäten der relativ frühen Phasen des Anlagenlebenszyklus
jeweils die Ausgangsbedingungen späterer Lebenszyklusphasen bestimmen und weil
von diesen wiederum Rückmeldungen an die frühen Lebenszyklusphasen ausgehen
müssen. Demzufolge sollten die verschiedenen Aufgabenbereiche der
Anlagenwirtschaft in einem engen
Regelkreis eingebunden werden. Besonders bedeutsam sind die
Wechselbeziehungen zwischen Anlagenprojektierung, Anlageninstandhaltung,
Anlagenverbesserung und Anlagenverwertung. Wird ein systematisches »Vordenken« späterer Phasen des
Anlagenlebenszyklus intensiviert, steigt zwangsläufig die Bedeutung
»früher« Aktivitäts- und Entscheidungsfelder der Anlagenwirtschaft für ein
erfolgreiches Ressourcenmanagement anlagenintensiver Fabriken.
V. Organisation der
Anlagenwirtschaft
Da die Aufbauorganisation der meisten Unternehmen immer noch
vorrangig vom Funktionalprinzip
geprägt wird, werden die einzelnen Teilaufgaben der Anlagenwirtschaft vielfach
von unterschiedlichen Organisationseinheiten wahrgenommen. Diese unterstehen
zwar regelmäßig allesamt der technischen
Geschäftsleitung, doch werden sie über getrennte Linien geführt und
administriert. Deshalb ist eine voll integrierte und gut koordinierte
Anlagenwirtschaft in der Praxis bislang nur selten anzutreffen. Die
Anlagenprojektierung ist in den Aufgabenkomplex der technischen Planung eingebunden, die gemeinsam mit dem Einkauf auch für die
Anlagenbereitstellung zuständig ist, Instandhaltungsbedarfe werden von der Produktion festgestellt und technisch
geklärt, die Instandhaltungswerkstätten zählen als indirekte Bereiche zu den zentralen technischen Diensten, die
Ersatzteillogistik wird häufig von der Materialwirtschaft
gesteuert, die Zusammenarbeit mit Instandhaltungsdienstleistern regelt nicht
selten das Beschaffungswesen. Die
Aufgaben der Anlagenverbesserung sind – wie die Strategien zur
Anlagenausmusterung und -verwertung – vielfach noch nicht hinreichend konkretisiert.
Eine solche organisatorische
Zersplitterung verhindert das Erreichen der Ziele der Anlagenwirtschaft.
Verfügbarkeitsverluste sind unvermeidlich, nur ein kleiner Teil der
Instandhaltungsmaßnahmen lässt sich planen, störungsbedingte Instandsetzungen
überwiegen, lange Stillstands-, Wege- und Wartezeiten sind nicht
außergewöhnlich, von einer permanenten technischen Optimierung sind viele
Unternehmen noch weit entfernt.
Die gebotene Integration der Aufgabenfelder der
Anlagenwirtschaft muss auf die Ablösung der bislang dominierenden
Funktionalorganisation durch modernere Organisationsformen ausgerichtet werden.
Sie muss berücksichtigen, dass die spezifischen Anforderungen einzelner
Geschäftsfelder bzw. Produktsparten eine organisatorische
Zusammenfassung von Wertschöpfungsketten verlangen, wenn eine
möglichst durchgängige Produktorientierung, eine Beschleunigung der
Innovationsprozesse und eine besonders reaktionsschnelle Fertigung erreicht
werden soll. Auf diese Weise entstehen für integrierte spartenspezifische
Geschäftsfelder schlanke Fabrikstrukturen
mit einem flachen Management. Anlässlich solcher Reorganisationsvorhaben
werden die Fertigungsbereiche nicht nur horizontal, sondern durch Reduzierung der Produktionstiefe auch
vertikal segmentiert. Die so realisierbare schlanke Produktion ermöglicht kurze
Durchlaufzeiten und niedrige Bestände, sie erweist sich als sehr flexibel.
Zusammen mit personellen Ressourcen
werden auch die Anlagen als technische
Ressourcen den organisatorisch zusammengefassten Wertschöpfungsketten
zugeordnet, da Kapazität und Funktionalität dieser Potenziale ebenfalls den
speziellen Produktanforderungen gerecht werden müssen.
Aus den genannten Gründen kann sich eine Zentralisation der Anlagenwirtschaft für die
Wertschöpfungskettenorganisation nicht als richtig erweisen. Wenn Komplexität
reduziert und Schnittstellen vereinfacht werden sollen, sind auch
Servicefunktionen so weit wie möglich in die Wertschöpfungsketten
einzubeziehen. Demzufolge bemüht sich die Praxis zumindest um eine Dezentralisierung der bislang meist
zentral organisierten Anlageninstandhaltung. Das Einrichten produktionsnaher Stützpunktwerkstätten ist hierfür ein
erster Schritt. Dadurch entstehen direkt produktionsintegrierte Servicezentren
für produktspezifische Fertigungsbereiche. Das Personal solcher
Instandhaltungsstützpunkte wird immer mehr funktionsübergreifend
ausgebildet. Noch weitergehend fassen viele Industrieunternehmen inzwischen
Produktionsarbeiter, Qualitätssicherungspersonal und Instandhalter in autonomen Arbeitsgruppen zusammen. Dies
erweitert die Kompetenz des Instandhaltungspersonals beträchtlich. Die
betreffenden Mitarbeiter müssen ausdrücklich objektorientiert qualifiziert
sein. So entstehen hochwertige Arbeitsplätze mit abwechslungsreicher Tätigkeit.
In Teamarbeit lassen sich nicht nur die Produkte und Prozesse, sondern auch die
technischen Ressourcen immer weiter verbessern.
Die produktionsintegrierte Instandhaltung ermöglicht ein
direkt anlagenbezogenes Speichern und Weiterentwickeln des Instandhalter-Wissens.
Sie schafft ein besseres Anlagenverständnis und realisiert eine höhere
Identifizierung des Fachpersonals mit den jeweils zu betreuenden
Betriebsmitteln. Den Mitarbeitern kann ein höheres Maß an Verantwortung
abverlangt werden, sie können sich immer gezielter auf das Vermeiden
technischer Mängel konzentrieren und die Instandhaltungsvorgänge leichter
planen und kontrollieren. Vor allem ist eine konsequent bedarfsorientierte Steuerung der Instandhaltung möglich.
Wird die Instandhaltungsverantwortung an das technische Produktionsmanagement
übertragen, entwickelt dieses selbst immer mehr Interesse an einer permanenten
Optimierung der Technologien und an einer Verlängerung der Anlagenlebenszyklen.
Das Reduzieren von Instandhaltungsbedarfen wird zu einer vorrangigen
Daueraufgabe. So wird die produktionsintegrierte Anlageninstandhaltung zur produktionsintegrierten Anlagenwirtschaft
ausgebaut. Dadurch lässt sich – im Sinne von KAIZEN – ein wertschöpfungsorientiertes Ressourcenmanagement
erreichen, das eine optimale Nutzung kapital- und fixkostenintensiver
Technologien sicherstellt. Bei produktionsintegrierter Anlagenwirtschaft
operieren vor allem Fertigung und Instandhaltung in einem besonders
produktiven, sehr wirkungsvollen Regelkreis mit dem Ziel der Durchführung
kontinuierlicher Verbesserungsprozesse (KVP-Prinzipien).
Immer weiter reduzierte Instandhaltungsbedarfe sind eine gute Basis für die
Steuerung der Instandhaltungsabläufe. Aufwendige Prozesse zur technischen
Klärung von Anlagenausfällen und Ausfallursachen werden vermieden,
Ansprechpartnerprobleme entfallen, zu Verzögerungen führende
Genehmigungsverfahren werden überflüssig. Das Reduzieren der Warte- und
Wegezeiten verbessert die Auslastung des
Produktions- und Instandhaltungspersonals. Die schlanke Fertigung wird
durch eine »Just-in-time-Instandhaltung«
komplettiert. Das Verbinden von Lean
Production und Lean Maintenance entspricht dem Grundkonzept des Lean Management. Die
produktionsintegrierte Anlagenwirtschaft trägt daher auch zum Abbau von Führungsebenen bei, darüber
hinaus führt sie zu reduzierten Kontrollspannen und zu einer effektiveren
Kommunikation.
Die auf die anlagenwirtschaftlichen Belange einzelner
Geschäftsfelder und deren Produktionsbereiche ausgerichteten Aktivitäten
bedürfen einer zentralen Koordination.
So sollten vor allem die Ziele und
Zielniveaus der Anlagenwirtschaft spartenübergreifend festgelegt und
fortentwickelt werden. Zu dem Aufgabenfeld zentraler Instanzen der
Anlagenwirtschaft zählt ferner die Weiterentwicklung
von Technologien und das Technologiemanagement. Abzustimmen sind auch
die Strategien der Anlagenverbesserung und der Anlageninstandhaltung,
desgleichen Instandhaltungsverfahren und die Ablauforganisation. Auch für die
Zusammenarbeit mit Instandhaltungsdienstleistern und Kundendienstnetzen der
Anlagenhersteller sind Strategien und
Kooperationsformen zu erarbeiten, die die Struktur des gesamten
Anlagenparks berücksichtigen. Das Implementieren
von Softwaresystemen zur Verwaltung, Planung und Steuerung der gesamten
Anlagenwirtschaft zählt ebenso zu den Zentralaufgaben wie das Konzipieren des Anlagencontrolling. Die
notwendige Vereinheitlichung der Informationsversorgung und des
anlagenwirtschaftlichen Berichtswesens ermöglicht ein innerbetriebliches
Benchmarking und erleichtert ein abgestimmtes Vorgeben von Investitions- und
Instandhaltungsbudgets. Aufgrund seiner essenziellen Grundfunktionen
(Koordination, Regelung, Steuerung und Informationsversorgung) kann ein
zielorientiertes Controlling sehr wesentlich zu einer
gesamtunternehmensbezogenen Integration der Anlagenwirtschaft beitragen.
Zentrale und produktionsintegrierte Instanzen der
Anlagenwirtschaft müssen zielorientiert zusammenwirken. Erstere legen nicht nur
Ziele, Strategien, Entwicklungslinien, einheitliche Standards und Methoden
fest, sondern initiieren auch den Erfahrungsaustausch
dezentraler Organe der Anlagenwirtschaft. Zu diesem Zweck sind Erfahrungsgruppen, Arbeitskreise und
Kommissionen zu bilden, die den Wissenstransfer beschleunigen. Dadurch wird
gewährleistet, dass alle Bereiche der Produktionstechnik an Innovationen
partizipieren.
VI. Kooperation mit
Anlagenherstellern und Dienstleistern
Zur Bewältigung des komplexen Aufgabenfeldes der
Anlagenwirtschaft können nicht nur unternehmensinterne Ressourcen, sondern auch
Anlagenhersteller und spezialisierte Dienstleistungsbetriebe herangezogen
werden. Für gepachtete, gemietete und durch Leasing bereitgestellte Anlagen
reduzieren sich die anlagenwirtschaftlichen Aufgaben der Anlagennutzer vielfach
beträchtlich, weil diese solche Fremdpotenziale nur zu pflegen, zu warten und
instandzuhalten haben. Nicht selten werden in solchen Fällen hierfür auf
längere Sicht umfassende Wartungsverträge
abgeschlossen. Leasinggeber, Vermieter und Verpächter stellen Fahrzeuge,
Maschinen, Geräte, aber auch Immobilien mitunter sogar im Full-Service zur Verfügung. In welchem Umfang die auf firmeneigene
Betriebsmittel ausgerichteten Aufgaben der Anlagenwirtschaft von eigenen
Mitarbeitern wahrzunehmen sind, hängt vor allem davon ab, wie stark die
speziellen Anforderungen der Produkte und Produktionsprozesse die
Funktionalität der Fertigungsmittel und Fertigungssysteme bestimmen. An der
Projektierung und Planung sehr spezieller Großanlagen der Prozessindustrie
müssen sich die Anlagenbetreiber engagiert beteiligen. Dasselbe gilt für
hochintegrierte Produktionslinien anderer Industriezweige (Lebensmittelindustrie,
Gerätebau, Elektronikindustrie u.a.). Unter solchen Bedingungen ist auch der Eigenbau von Anlagen von Bedeutung.
Verbreitet ist in der Praxis vornehmlich der Eigenbau von Werkzeugen,
Vorrichtungen, Modellen, Schablonen, Formen und dergleichen.
Werden spezielle Technologien von hoch spezialisierten
Anlagenherstellern bereitgestellt, sind diese auch für die technisch-wirtschaftliche Anlagenoptimierung verantwortlich zu
machen. Dennoch können auch die Anlagennutzer aufgrund ihrer Erfahrungen Anlagenverbesserungsstrategien
erarbeiten und dadurch die permanente Anlagenoptimierung durch die
Anlagenhersteller unterstützen. Weitsichtige Unternehmen des Anlagen- und
Maschinenbaus intensivieren die Rückmeldung von anlagenwirtschaftlich
relevantem Erfahrungswissen, teilweise organisieren sie zu diesem Zweck das Zusammenwirken von Anlagennutzern in
Arbeitskreisen.
Da die funktionale Komplexität von Hochleistungstechnologien
immer weiter zunimmt, sind die Hersteller solcher Systeme mehr und mehr
gezwungen, sich auch der Wartung,
Instandhaltung und Instandsetzung anzunehmen, da es für die
Anlagenbetreiber immer schwieriger wird, einschlägiges Know-how aufzubauen, zu
erhalten und weiterzuentwickeln. Demzufolge stellen strategisch denkende
Anlagenhersteller nicht nur Bedienungsanleitungen und Wartungspläne zur
Verfügung, sondern bauen auch kundennahe
Serviceorganisationen auf. Für verschiedene Anlagentypen sind mittlerweile
durchdachte und reaktionsschnelle Kundendienstorganisationen
verfügbar, so etwa für Druckmaschinen, Papiermaschinen, Krananlagen und für
viele andere Technologien. Das Investitionsgütermarketing
hat nicht nur die Attraktivität des Angebots und den Kundennutzen von
Instandhaltungsdiensten erkannt, sondern auch den hohen Wert direkter
Informationsrückflüsse.
Je speziellere und komplexere Anforderungen an die
technischen Eigenschaften der Produktionsmittel gestellt werden, desto
vorteilhafter sind die Serviceleistungen potenter Anlagenhersteller auch für
die Anlagennutzer (vor allem für mittelgroße und kleinere Industriebetriebe).
Für sie empfiehlt es sich, schon anlässlich des Anlagenkaufs eindeutig
definierte Systemwartungsverträge abzuschließen, weil sich zu diesem Zeitpunkt
am ehesten günstige Konditionen aushandeln lassen. Neben den Anlagenherstellern
offerieren auch die primär auf bestimmte Instandhaltungstätigkeiten
spezialisierten Instandhaltungsdienstleister ein immer breiteres
Leistungsspektrum. Diese Unternehmen begannen ursprünglich mit Reinigungs-, Pflege- und Wartungsdiensten,
viele von ihnen bieten inzwischen umfassende Leistungen auf den Gebieten Maschinenreinigung, Systemwartung,
planmäßige Instandhaltung, Großrevisionen und Anlagensanierung an.
Besonders weit verbreitet sind auch auf die Instandhaltung
von Gebäuden und haustechnischen Systemen spezialisierte Dienstleister.
Größere »Fremdinstandhalter« garantieren durch nahezu flächendeckende kundennahe Servicezentren sehr kurze
Reaktionszeiten, ständig präsente Bereitschaftsdienste sowie
Instandhaltungsdienste während der dritten Schicht, am Wochenende und während
der Betriebsferien bei relativ hoher Qualifikation ihrer Fachkräfte.
Für größere Industrieunternehmen war die Fremdinstandhaltung
früher hauptsächlich ein Weg zur Bewältigung
von Spitzenbedarfen. Später wurde die Fremdvergabe von
Instandhaltungsleistungen immer stärker durch Gemeinkostenwertanalysen im Bemühen um Kostensenkung angestoßen. Für das Schaffen schlanker
Unternehmensstrukturen ist der langfristige Übergang von der Eigen- zur
Fremdinstandhaltung ein besonders wichtiger Beitrag zur Dienstleistungstiefenreduzierung, die ihrerseits auf den Abbau von Komplexitätskosten und auf die
Reflexibilisierung von Fixkosten,
nicht zuletzt auch auf die Erhöhung der
Kostentransparenz abzielt. Demnach kommt es weniger darauf an, aufgrund
kurzfristiger Kostenvergleiche (Stundensatzvergleiche) wiederholt nur fallweise
Einzelentscheidungen über Eigen- und Fremdinstandhaltung zu treffen. Vielmehr
sind den Dienstleistungspartnern vorrangig Just-in-Time-Komplettlösungen
abzuverlangen, die Verwaltung und Fortschreibung von Instandhaltungsplänen
ebenso umfassen wie die Disposition und Steuerung von
Instandhaltungsroutinetätigkeiten. Solche Komplettvergaben von
Instandhaltungsmaßnahmen führen zu einer strafferen Instandhaltungsorganisation
und reduzieren Administrationskosten im Sinne von Lean Management. Die
Entlastung der eigenen Instandhaltungsressourcen von Routinetätigkeiten schafft
bessere Voraussetzungen für eine Konzentration
auf die Kernkompetenzen der Eigeninstandhaltung. Die freigesetzten
Kräfte lasen sich verstärkt zur Aufdeckung, Bekämpfung und Beseitigung
technischer Schwachstellen nutzen.
Aus den genannten Gründen ist der früher verbreitete Einsatz von Leihhandwerkern nicht mehr
relevant. Eine reine »Arbeitnehmerüberlassung« ist auch gesetzlich nicht mehr
zulässig. Ein langfristig erfolgreiches Zusammenarbeiten mit
Dienstleistungspartnern setzt zumindest den Abschluss
inhaltlich klar umrissener Werkverträge voraus, denen eindeutig definierte
Leistungsumfänge und detaillierte Leistungsverzeichnisse zugrunde liegen. Den
Fremdinstandhaltern sind Ziele vorzugeben, die mit den oberen Sach- und
Erfolgszielen der Anlagenwirtschaft korrespondieren. Langfristige Kooperationsverträge werden immer häufiger durch
preisliche Rahmenvereinbarungen und Preisanpassungsmechanismen ergänzt.
Neben der eigentlichen Fremdvergabe von
Instandhaltungsaufgaben erlangt auch die organisatorische,
mitunter sogar rechtliche Verselbstständigung eigener Instandhaltungsressourcen
eine immer größere praktische Bedeutung. Diesen Weg der formalen Ausgliederung präferieren vor allem größere, auf technisch
komplizierte Systeme angewiesene Dienstleistungsunternehmen, wie etwa
Verkehrsbetriebe, Postdienste, Kliniken und ähnliche Betriebe, die auf eine
objektspezialisierte, reaktionsschnelle Eigeninstandhaltung nicht verzichten
können. An sie stellt die Anlagenwirtschaft völlig andere Anforderungen als die
Dienstleistungsproduktion.
Deshalb bevorzugen sie – anders als Industrieunternehmen mit
Wertschöpfungskettenorganisation – eine zentralisierte Anlagenwirtschaft, die
sie regelmäßig als eigenständiges, integriertes Profit Center organisieren. Diese Leistungszentren müssen sich im
Wettbewerb mit unternehmensexternen Dienstleistern behaupten. Die Leistungen
selbst werden zu vereinbarten Verrechnungspreisen
abgerechnet. Insgesamt wird die Kooperation prinzipiell so geordnet wie beim Aufbau
einer echten Kunden-Lieferanten-Beziehung.
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Anlageninstandhaltung, Berlin 1989
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Stuttgart 1974, Sp. 138 – 147
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Männel, W. : Zum Problem der
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Männel, W. : Perspektiven,
Führungskonzepte und Instrumente der Anlagenwirtschaft, Köln 1989
Männel, W. : Anlagencontrolling,
in: ZfB, Sonderheft 3/1991, S. 193 – 216
Männel, W. : Neue Strategien mit
Weitblick, in: Instandhaltung 1992, Sonderheft Markt, Profile, Perspektiven,
1992, S. 22 – 28
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Anlagenwirtschaft, in: Industriebetriebslehre, hrsg. v. Schweitzer, M., München
1990
Wildemann, H. : Die moderne
Fabrik, 3. A., St. Gallen 1992
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