Inhaltsübersicht
I. Konzept
und Entwicklung
II. Vorgehensweise
III. Einordnung
des Konzeptes und Bezug zur Unternehmensrechnung und zum Controlling
I. Konzept und Entwicklung
„ Benchmarking ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem
Produkte, Dienstleistungen und insbesondere Prozesse und Methoden betrieblicher
Funktionen über mehrere Unternehmen hinweg verglichen werden. “ (Horváth,
P./Herter, R.N. 1992, S. 5). Dieser Prozess erfolgt mit dem
Ziel, Unterschiede und Verbesserungsmöglichkeiten aufzuzeigen sowie
wettbewerbsorientierte Zielvorgaben ableiten zu können. Mit Benchmark wird der
in diesem Prozess gewonnene Vergleichspunkt bezeichnet. Das Benchmarking ist
ein Verfahren, dessen Entwicklung der Unternehmenspraxis zugeschrieben wird,
wobei als Pionierunternehmen die Xerox Cooperation in den Vereinigten Staaten
genannt wird (vgl. z.B. Spendolini,
M.J. 1992, S. 3 ff.; Horváth,
P./Herter, R.N. 1992, S. 5). Ebenso kann das Buch von Camp (Camp, R.C.
1989), des maßgeblich am Benchmarking bei Xerox beteiligten Mitarbeiters,
als Pionierwerk bezeichnet werden, das die Grundlage für eine Vielzahl
folgender Publikationen bildet.
Beim Benchmarking handelt es sich ähnlich anderen Verfahren,
die im Zusammenhang mit der strategischen Unternehmensrechnung bzw. dem
Strategic Management Accounting stehen, wie beispielsweise das Target
Costing oder das Lebenszykluskosten- und -erlösmanagement, nicht um
ein neues Instrument per se. Vielmehr werden in erster Linie bekannte
Instrumente der Betriebswirtschaftslehre in einer neuartigen Form verknüpft, um
durch deren Zusammenwirken ein innovatives übergeordnetes Instrument zu
schaffen. Dementsprechend stehen im Mittelpunkt vieler Publikationen zum
Benchmarking Systematisierungsüberlegungen in Abhängigkeit eingesetzter
Instrumente oder organisatorische Überlegungen, wie z.B. der Ablauf der
Benchmarkingarbeit zu gestalten ist (vgl. z.B. Krech, J.
2001; Töpfer, A.
1997). Fasst man die Kernelemente der Benchmarking-Begriffsbestimmung
zusammen, so können folgende Charakteristika identifiziert werden (vgl. z.B. Spendolini,
M.J. 1992, S. 7 ff.; Schäfer,
S./Seibt, D. 1998, S. 366 ff.):
-
Vergleichsorientierung: Durch die Gegenüberstellung
zweier Vergleichsobjekte sollen insbesondere Unterschiede und deren Ursachen
sowie Auswirkungen auf die Entwicklung der Vergleichsobjekte identifiziert
werden. Insbesondere soll auch eine Beurteilung der eigenen Leistung relativ
zum Vergleichsunternehmen in Hinblick auf das Vergleichsobjekt erfolgen.
-
Eklektizismusorientierung: i.d.R. ist das
Vergleichsobjekt nicht identisch mit der Gesamtunternehmung, sondern es
werden aus strategischer Sicht bedeutsame „ Objekte “ wie z.B. strategische
Geschäftseinheiten, Aktivitäten und Prozesse für den Vergleich ausgewählt.
-
Verbesserungsorientierung: Die Ursachen für die
Unterschiede bieten die Möglichkeit, Ansatzpunkte für die Verbesserung der
eigenen Leistung zu erkennen. Die Verbesserung basiert dabei auf Imitation
und Innovation. Die Lösung des Vergleichsunternehmens wird adaptiert, um
unternehmensindividuelle Besonderheiten zu berücksichtigen und dient als
Ausgangspunkt für die Implementierung eigener, innovativer Lösungen.
-
Umsetzungsorientierung: Strategien zur Verbesserung
sowie deren konkrete Umsetzungsplanung in Form von Aktionsplänen sind ebenso
Teil des Benchmarkingprozesses wie die laufende Überwachung der
Zielerreichung.
-
Nachhaltigkeitsorientierung: Angestrebt wird in einem
ersten Schritt zwar eine „ sprunghafte “ Verbesserung, auf die allerdings im
weiteren Verlauf kontinuierliche Verbesserungen folgen. Dazu ist es
notwendig, die Benchmarkingprozesse als laufende Aktivitäten zu
institutionalisieren und nicht als einmaliges Projekt zu betrachten. Unter
diesem Gesichtspunkt ergibt sich eine Nähe des Benchmarking insbesondere zum
Qualitätsmanagement.
Eine Systematisierung des Benchmarking kann anhand
unterschiedlicher Kriterien erfolgen. Im Folgenden wird auf häufig in der
Literatur angeführte Systematisierungsansätze eingegangen (vgl. Horváth,
P./Herter, R.N. 1992, S. 7 f.; Pieske, R.
1995, S. 34 ff.; Krech, J.
2001, S. 53 f.):
-
Kriterium Vergleichsgegenstand bzw. „ Benchmarkingobjekt “ :
Vergleiche sind möglich für Gesamtunternehmen, Unternehmensteilbereiche,
Strategien, Produkte bis hin zu einzelnen Prozessen und Aktivitäten, die im
Unternehmen ausgeführt werden. Die Festlegung des Benchmarkingobjektes folgt
in erster Linie strategischen Überlegungen, indem kritische Erfolgsfaktoren
für das Unternehmen identifiziert werden, anhand derer die Auswahl der in
Hinblick auf die Gestaltung dieser Erfolgsfaktoren kritischen
Benchmarkingobjekte erfolgt (vgl. Camp, R.C.
1989, S. 42 ff.).
-
Kriterium Vergleichs- bzw. Benchmarkingpartner: Im
Rahmen des internen Benchmarking erfolgt ein Vergleich der
Benchmarkingobjekte innerhalb des Unternehmens oder der Unternehmensgruppe.
Eine Auswahl dieses Benchmarkingpartners bietet sich insbesondere innerhalb
international tätiger Konzerne zur Offenlegung von Schwachstellen innerhalb der
Unternehmensgruppe an, die eine Standardisierung der Vergleichsobjekte auf
dem höchsten innerhalb der Unternehmensgruppe verfügbaren Leistungsniveau
ermöglicht. Das interne Benchmarking hat i.d.R. den Vorteil einer höheren
Vergleichbarkeit der Benchmarkingobjekte verbunden mit besseren
Übertragungsmöglichkeiten der Lösungskonzepte. Nachteilig ist allerdings das
geringere Innovationspotenzial der Vergleichsinformation. Zur Identifizierung
von innovativen Lösungen ist das externe Benchmarking besser geeignet, in
dessen Rahmen als Benchmarkingpartner ein anderes Unternehmen gewählt wird.
Dabei unterscheidet die Literatur das wettbewerbsorientierte Benchmarking,
bei dem der Vergleich mit unmittelbaren Konkurrenten innerhalb der eigenen
Branche des Unternehmens erfolgt, vom funktionalen (generischen)
Benchmarking, bei dem der Vergleichspartner als „ Bester der Besten “ in
Hinblick auf das Benchmarkingobjekt branchenübergreifend ausgewählt wird.
Letztere Vorgehensweise wird als Idealform des Benchmarking bezeichnet (vgl. Spendolini,
M.J. 1992, S. 16 ff.).
-
Kriterium Messgröße, wobei Wertgrößen, wie z.B. Kosten
oder Erlöse, oder Mengengrößen (z.B. Verbrauchsmengen, Zeit) Verwendung
finden können.
Einen Zusammenhang zwischen diesen drei Kriterien zeigen
Horváth/Herter (Horváth,
P./Herter, R.N. 1992, S. 7), indem ausgehend von einem
unternehmensinternen Produktkostenvergleich als Endpunkt ein prozessbezogener
Mengenverbrauchsvergleich mit dem „ Besten der Besten “ und damit die Idealform
des Benchmarking erreicht wird.
II. Vorgehensweise
Die Arbeitsweise im Rahmen des Benchmarking Prozesses wird in
einer Vielzahl von Beiträgen in der Literatur, teilweise unter Bezugnahme auf
Beispiele der Unternehmenspraxis, dokumentiert. Dabei dient i.d.R. der
Benchmarkingklassiker Camp als Referenzpunkt, dessen detaillierter
Strukturierungsrahmen (vgl. Camp, R.C.
1989, S. 16 ff.) aggregiert und meist zu weniger Prozessschritten
verdichtet wird (vgl. z.B. Horváth,
P./Herter, R.N. 1992, S. 8; Pieske, R.
1995, S. 49 ff.; Töpfer, A.
1997, S. 202 ff.; Serfling,
K./Schultze, R. 1997, 194 ff.). Im Folgenden wird eine grobe
dreistufige Gliederung des Benchmarkingprozesses dargestellt.
1. Vorbereitungsphase
Ausgangspunkt ist die Vorbereitungsphase, im Rahmen derer
das/die Vergleichsobjekt(e) für den Benchmarkingprozess ausgewählt werden. Eine
Stärken/Schwächen-Analyse dient dazu, Leistungslücken im Unternehmen
aufzuspüren, mit dem Ziel der Erstellung einer Prioritätenliste von
Benchmarkingobjekten. Insbesondere wenn Schwächen in aus strategischer Sicht
bedeutsamen Bereichen identifiziert werden, handelt es sich dabei um vorrangige
Benchmarkingobjekte. Nach getroffener Auswahl wird eine detaillierte Ist-Analyse
des Benchmarkingobjektes vorgeschlagen, in dem insbesondere auch geeignete
Messkriterien zur Leistungsevaluierung, wie z.B. Input/Output-Relationen,
Zeit-, Qualitäts-, Kosten- und Erfolgskennzahlen, entwickelt werden. Zur
Durchführung dieser Arbeitsschritte wird vorgeschlagen, ein Team mit
Mitgliedern aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen zu bilden, um auf diese
Weise das erforderliche Expertenwissen für den Benchmarkingprozess
sicherzustellen. Der nächste Arbeitsschritt in der Vorbereitungsphase befasst
sich mit der Suche nach einem geeigneten Vergleichsunternehmen. Es werden
Anforderungen formuliert, Informationen eingeholt und eine endgültige Auswahl
getroffen, die mit einer Kontaktaufnahme mit dem Benchmarkingpartner
abgeschlossen wird. Dabei stehen als Benchmarkingpartner, wie oben ausgeführt,
zum einen eigene Unternehmensteilbereiche, zum anderen fremde Unternehmen zur
Verfügung. Der größtmögliche Leistungssprung wird über in der eigenen Branche
noch nicht übliche Lösungen, die im Rahmen des funktionalen Benchmarking
identifiziert werden sollen, erwartet. So ist es z.B. für ein Unternehmen mit
Schwächen im Prozess der Leistungsabrechung und Rechnungserstellung sinnvoll,
einen Vergleich der Durchführung dieses Prozesses in einem Kreditkartenunternehmen
durchzuführen (vgl. zu Beispielen Horváth,
P./Herter, R.N. 1992, S.8).
Zur Identifizierung des weltweit „ Besten der Besten “ sind
umfangreiche Recherchen notwendig. Als Ausgangspunkt dienen in der Regel
veröffentlichte Informationen von Unternehmen, Artikel in Fachzeitschriften,
die auf außergewöhnliche Performance bei einzelnen Problemlösungen hinweisen
oder Auszeichnungen und Preise, die Unternehmen für herausragende Leistungen
erhalten haben. Darüber hinaus existieren Benchmarking-Organisationen, die eine
Auswahl und Mittlerrolle für suchende Unternehmen übernehmen (vgl. zu einem Überblick
Mertins,
K./Siebert, G./Kempf, S. 1995, S. 155 ff.). Zur Beurteilung
der Effizienz von Vergleichsunternehmen wird insbesondere im Non-Profit-Bereich
die Data Envelopment Analysis angewendet, deren Ergebnisse insbesondere auch
zur Auswahl des Benchmarkingpartners bei internem oder branchenbezogenem
Benchmarking herangezogen werden können (vgl. zu einem Überblick Homburg, C.
2000).
2. Vergleichsphase
In der Vergleichsphase kommt es nun zu einer
Gegenüberstellung des Benchmarkingobjektes des eigenen Unternehmens mit jenem
des Benchmarkingpartners. Ziel ist es, Leistungslücken und deren Ursachen zu
bestimmen. Die Form des Vergleiches wird determiniert von der Art des
Kontaktes, der zum Vergleichsunternehmen hergestellt werden kann. Die Art des
Vergleiches kann von der Auswertung öffentlich verfügbarer Informationen, wie
sie bereits zur Auswahl des Benchmarkingpartners eingesetzt wurden, über
Interviews von Mitarbeitern des Vergleichsunternehmens, Firmenbesichtigungen
bis hin zur zeitlich beschränkten Einbindung von Mitarbeitern im
Vergleichsunternehmen erstrecken (vgl. z.B. Spendolini,
M.J. 1992, S. 151 ff.). Öffentlich verfügbare Informationen
dienen in erster Linie einem quantitativen Vergleich, in dem z.B. aus
Jahresabschlüssen des Benchmarkingpartners Kennzahlen abgeleitet und mit den
eigenen verglichen werden. Dadurch können in erster Linie Leistungslücken
identifiziert werden. Über die persönliche Kontaktaufnahme mit dem
Benchmarkingpartner wird es darüber hinaus möglich, eine qualitative Analyse
der Leistungslücke durchzuführen. Indem der realwirtschaftliche Ablauf
beobachtet und in seiner Struktur analysiert werden kann, ist es möglich, die
hinter den quantitativen Kennzahlen verborgenen Abläufe zu erfassen und in
Hinblick auf die Umsetzbarkeit im Unternehmen zu beurteilen, wobei insbesondere
die Wertkette
als geeigneter strategischer Bezugsrahmen zur Strukturierung dieser Analyse
genannt wird. Die Kenntnis der Abläufe ist Voraussetzung dafür, diese im
Unternehmen zu hinterfragen und Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Verbesserungen
zu identifizieren. Darauf aufbauend sind vom Benchmarkingteam geeignete
Maßnahmen zur Verbesserung des Benchmarkingobjektes im Unternehmen zu
erarbeiten und zu bewerten. In Anlehnung an das aus der strategischen
Unternehmensplanung bekannte Instrument der Gap-Analyse wird dabei die
Entwicklung der Leistungslücke ohne Änderung der Abläufe im Unternehmen sowie
bei Umsetzung geeigneter Verbesserungsmaßnahmen dargestellt (vgl. Camp, R.C.
1989, 151 ff.).
3. Umsetzungsphase
Die Maßnahmen, die im Rahmen der Vergleichsphase zur
Verbesserung erarbeitet wurden, gilt es nun in dieser Phase des
Benchmarkingprozesses einer erweiterten Evaluierung zuzuführen. Als
Benchmarkingobjekt dient i.d.R. nicht das Gesamtunternehmen. Daher sind die
erarbeiteten Maßnahmen in ihrer Wirkung nicht nur auf die Schließung der
Leistungslücke ausgedrückt über die Messkriterien, die dem Vergleich zugrunde
gelegt wurden, zu beurteilen, sondern auch in ihrer Wirkung auf die Erreichung
der Gesamtunternehmensziele zu bewerten. Damit soll verhindert werden, dass es
zu optimierten Insellösungen in einzelnen Bereichen oder für einzelne Prozesse
kommt, die allerdings zu Verschlechterungen in anderen Unternehmensbereichen
führen und aus Gesamtunternehmensicht suboptimal sind (vgl. Braun,
K./Lawrence, C. 1997). Nach dieser Überarbeitung der Ziele und
Strategien erfolgt die unternehmensweite Kommunikation der Ergebnisse des
Benchmarkingprozesses sowie die Ableitung von Plänen zur operativen Umsetzung.
Die Umsetzung erfordert i.d.R. ein Abgehen von gewohnten Abläufen. Aus diesem
Grund sind unterstützend Managementinstrumente einzusetzen, die den Willen zur
Veränderungsbereitschaft bei allen Mitarbeitern entsprechend motivieren, was
durch den Einsatz geeigneter Anreizsysteme unterstützt werden kann. Die
Umsetzung der Pläne und der Grad der Zielrealisation ist laufend zu überwachen.
Entsprechend dem langfristigen Charakter des Veränderungsprozesses wird die
Definition von Teilzielen vorgeschlagen, deren zeitliche und inhaltliche
Erreichung anhand von Meilensteinen überprüft werden kann. Der Anspruch des
Benchmarking, kontinuierliche Verbesserungen zu ermöglichen, erfordert neben
dieser Innensicht bei der Planerfüllungsüberwachung auch eine laufende
Beobachtung der Umwelt. Wird der „ Beste der Besten “ durch ein neues Unternehmen
abgelöst, kann die Wahl eines neuen Benchmarkingpartners erforderlich werden.
Dies ist verbunden mit der Notwendigkeit einer neuerlichen Durchführung des
oben dargestellten Benchmarkingprozesses. Dabei werden aber insbesondere
Kosten-Nutzen-Überlegungen in den Mittelpunkt der Beurteilung der
Vorteilhaftigkeit einer solchen Vorgehensweise zu stellen sein.
III. Einordnung des
Konzeptes und Bezug zur Unternehmensrechnung und zum Controlling
Das Benchmarking ist ein Instrument der strategischen
Unternehmensführung, das über den Vergleich mit anderen Unternehmen die
Wettbewerbsfähigkeit einer Unternehmung erhöhen soll (vgl. zu einer Darstellung
im Kontext des strategischen Management Welge,
M.K./Al-Laham, A. 2003, S. 279). Die Auswahl des
Vergleichsmaßstabes erfolgt aus einem heuristischen Nutzenoptimierungskalkül
heraus. Der größte zu erwartende Lernerfolg für das Unternehmen ergibt sich dann,
wenn der weltweit beste Ausführer einer bestimmten Aktivität als Benchmark
gewählt wird. Für diesen gilt die Vermutung eines aus strategischer Sicht
effizient gestalteten Ressourceneinsatzes bei der Ausführung dieser Aktivität.
Der Vergleich lässt das Entdecken von Ansatzpunkten für Innovationen bei den
Gestaltungen der Abläufe und der Aktivitätserbringungen im Unternehmen, das den
Vergleich sucht, erwarten. Dieser erwartete Nutzen steht den oft erheblichen
Kosten, die die Durchführung des Benchmarkingprozesses verursacht, gegenüber.
Der erwartete Erfolg des Benchmarking lässt sich i.d.R. allerdings nicht
gänzlich an Hand quantifizierbarer Kriterien beurteilen. Vielmehr wird, wie bei
strategischen Bewertungen durchaus üblich, oftmals nur eine qualitative
Bewertung (z.B. in der Dimension „ besser/schlechter “ ) möglich sein. Durch die
strategische Dimension des Vergleiches mit dem „ Besten der Besten “
unterscheidet sich das Benchmarking von verwandten Konzepten. Im Rahmen
traditioneller Betriebsvergleiche erfolgt i.d.R. eine Fokussierung auf Größen,
die der Unternehmensrechnung entnommen werden, wie z.B. Kosten und Erlöse oder
daraus abgeleitete Kennzahlen. Wird dieser Fokus erweitert, kann das
Benchmarking auch als allgemeine Form des Betriebsvergleiches bezeichnet werden
(vgl. Schweitzer,
M./Küpper, H.-U. 2003, S. 35). Konkurrenzanalysen, wie sie im
Rahmen der strategischen Unternehmensführung zum Einsatz kommen, schränken den
Vergleich auf die unmittelbaren Konkurrenten und damit auf die derzeit
innerhalb der Branche bekannten Problemlösungen ein. Damit bleiben aber
Lösungsansätze anderer Branchen als wichtige Impulsgeber für
Prozessinnovationen unberücksichtigt. Ähnlich verhält es sich beim Reverse
Product Engineering, das den Analyseschwerpunkt auf die Produktebene verlegt.
Durch die Zerlegung von Konkurrenzprodukten werden wichtige imitatorische Ansatzpunkte
für ein Produktredesign aufgezeigt. Allerdings ermöglicht es diese Analyse
bestenfalls, mit der Konkurrenz gleichzuziehen bzw. die eigene relative
Überlegenheit zu erkennen. Dementsprechend werden die Konkurrenzanalyse wie
auch das Reverse Product Engineering als mögliche Instrumente zur
Informationsgewinnung im Benchmarkingprozess genannt, die allerdings durch
branchenübergreifende Informationsinstrumente zu ergänzen sind.
Der Bezug des Benchmarking zu Instrumenten der
Unternehmensrechnung und des Controlling ergibt sich in mehrfacher Hinsicht.
Zum einen ist das Controlling wie auch die Unternehmensrechnung selbst
Gegenstand des Benchmarking und damit Benchmarkingobjekt. Durch einen Vergleich
können Verbesserungsmöglichkeiten erkannt und umgesetzt werden (vgl. z.B. Weber,
J./Weißenberger, B.E./Aust, R. 1998). Zum anderen wird das
Benchmarking als Instrument des Kostenmanagement bezeichnet, in dem es
Ansatzpunkte zur Reduzierung von Produktkosten liefert (vgl. Coenenberg,
A.G. 2003, S. 466 ff.), das insbesondere den transparenten
Einbezug von Mehrfachzielen, z.B. von Qualitäts- und Kostenzielen, in den
Produktgestaltungsprozess erlaubt (vgl. Schweitzer,
M./Küpper, H.-U. 2003, S. 329). Darüber hinaus wird durch eine
Verbindung mit dem Target
Costing ein langfristig orientiertes Steuern der
Produktentwicklungsarbeit bereits in der Produktentstehungsphase ermöglicht.
Auch wird vorgeschlagen, die im Benchmarking gewonnenen Vergleichsmaßstäbe im
Rahmen von Kostenabweichungsanalysen zu nutzen (vgl. Horngren,
C.T./Datar, S.M./Foster, G. 2006, S. 241 f.). Weiters stellen
Unternehmensrechnung und Controlling für das Benchmarking Instrumente zur
Verfügung, um die Ausprägungen der Messkriterien zu ermitteln, anhand derer
eine Beurteilung der Benchmarkingobjekte erfolgt (vgl. zu einem Überblick z.B. Atkinson,
A.A./Banker, R.D./Kaplan, R.S./Young, M. 2001, S. 386). So
ergibt sich insbesondere über die Prozesskostenrechnung
die Möglichkeit, beim Vergleich von (Haupt)prozessen eine entsprechende
kostenorientierte Bewertung durchzuführen (vgl. z.B. Freidank,
C.-C. 1994, S. 251). Damit wird zumindest in diesem Fall eine
grobe Ermittlung des Nutzens bei einer Veränderung dieser Prozesse ermöglicht,
indem die Prozesskostensätze vor Änderung und nach Durchführung von
Verbesserungsmaßnahmen verglichen werden können. Dem Controlling wird
insbesondere die Funktion der Koordination der Teamarbeit während des
Benchmarkingprozesses, der zur Verfügung Stellung des erforderlichen
betriebswirtschaftlichen Know-how und eine Begleitung der Umsetzungsaktivitäten
der Verbesserungsmaßnahmen übertragen (vgl. Serfling,
K./Schultze, R. 1997, S. 195).
Literatur:
Atkinson, Anthony
A./Banker, Rajiv D./Kaplan, Robert S./Young, Mark : Management Accounting,
Upper Saddle River, New Jersey, 3. A., 2001
Braun, Karlheinz/Lawrence,
Christian : Von der Vision über Ziele zum Benchmarking, in: Zeitschrift Führung
+ Organisation, Jg. 66, 1997, S. 16 – 20
Camp, Robert C. :
Benchmarking, Milwaukee 1989
Coenenberg, Adolf G. :
Kostenrechnung und Kostenanalyse, Landsberg am Lech, 5. A., 2003
Freidank, Carl-Christian
: Unterstützung des Target Costing durch die Prozesskostenrechnung, in: Neuere
Entwicklungen im Kostenmanagement, hrsg. v. Dellmann, Klaus/Franz, Klaus Peter,
Bern et al. 1994, S. 223 – 259
Homburg, Carsten : Benchmarking
durch Data Envelopment Analysis, in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Jg.
29, 2000, S. 583 – 587
Horngren, Charles
T./Datar, Srikant M./Foster, George : Cost Accounting, Upper Saddle River, New
Jersey, 12. A., 2006
Horváth, Péter/Herter, Ronald
N. : Benchmarking – Vergleich mit den Besten der Besten, in: Controlling, Jg.
4, 1992, S. 4 – 11
Krech, Jörg :
Benchmarking, in: Wisu, Jg. 30, H. 1/2001, S. 53 – 54
Mertins, Kai/Siebert,
Gunnar/Kempf, Stefan : Benchmarking, Berlin et al. 1995
Pieske, Reinhard :
Benchmarking in der Praxis, Landsberg am Lech 1995
Schäfer, Stefan/Seibt,
Dietrich : Benchmarking – Eine Methode zur Verbesserung von
Unternehmensprozessen, in: BFuP, Jg. 50, 1998, S. 365 – 380
Schweitzer,
Marcell/Küpper, Hans-Ulrich : Systeme der Kosten- und Erlösrechnung, München,
8. A., 2003
Serfling,
Klaus/Schultze, Ronald : Benchmarking als Tool der Unternehmensführung und des
Kostenmanagements, in: KRP, Jg. 41, 1997, S. 193 – 202
Spendolini, Michael J. :
The Benchmarking Book, New York et al. 1992
Töpfer, Armin :
Benchmarking, in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Jg. 26, 1997, S.
202 – 205
Weber,
Jürgen/Weißenberger, Barbara E./Aust, René : Benchmarking des
Controllerbereichs – Ein Erfahrungsbericht, in: BFuP, Jg. 50, 1998, S. 381 – 401
Welge, Martin
K./Al-Laham, Andreas : Strategisches Management, Wiesbaden, 4. A., 2003
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