Inhaltsübersicht
I. Grundlegungen
II. Elemente
und Struktur der Dienstleistungsproduktion
III. Produktionstheoretische
Ansätze für Dienstleistungen
IV. Konsequenzen
für die allgemeine Produktionstheorie
I. Grundlegungen
Der Dienstleistungsbegriff wird in der
betriebswirtschaftlichen Literatur unterschiedlich abgegrenzt (vgl. Corsten, H.
1985; Engelhardt,
W. H./Kleinaltenkamp, M./Reckenfelderbäumer, M. 1993; Hilke, W.
1989). Ohne auf diese Definitionsvorschläge einzugehen, werden im Folgenden
Dienstleistungen als diejenigen Leistungen verstanden, die zu ihrer Erbringung
einen externen Faktor (Nachfrager
oder Objekt des Nachfragers) erfordern, d.h., dass ein Objekt aus dem
Verfügungsbereich des Nachfragers in den Produktionsprozess des Anbieters
eingebracht wird, um an diesem Faktor mit dem Ziel der Nutzenstiftung eine
Transformation durchzuführen. Dienstleistungen sind damit spezifische
Problemlösungen, die durch die Integration eines externen Faktors
gekennzeichnet sind.
Der Begriff der Dienstleistungsproduktion hat sich zum
heutigen Zeitpunkt noch nicht allgemein durchgesetzt. Geht man jedoch davon
aus, dass Dienstleistungen produziert werden, dann ist es erforderlich, von
einem rein technischen Produktionsverständnis abzurücken und einen erweiterten
Produktionsbegriff einzuführen (Kern, W.
1976). Unter Produktion wird dann die sich in betrieblichen Systemen
vollziehende Bildung von Faktorkombinationen
im Sinne einer Anwendung technischer oder konzeptioneller Verfahren zur
Transformation der dem Betrieb zur Verfügung stehenden originären und derivativen
Produktionsfaktoren
in absetzbare Leistungen oder in derivative Produktionsfaktoren, die dann in
weiteren Faktorkombinationsprozessen genutzt oder in absetzbare Leistungen
transformiert werden, zur Erfüllung des Sachziels unter Maßgabe der
Formalzielerfüllung verstanden.
II. Elemente und
Struktur der Dienstleistungsproduktion
Der Produktionsprozess lässt sich durch die Elemente Input,
Throughput und Output abbilden. Input
sind die Produktionsfaktoren. Hierunter sind Güter zu verstehen, die im
Produktionsprozess kombiniert werden, um andere Güter hervorzubringen. In der
betriebswirtschaftlichen Literatur existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Faktorsysteme, wobei zwischen
wirtschaftszweigabhängigen und wirtschaftszweigunabhängigen Systemen
unterschieden werden kann (Corsten, H.
1985). Ein Aspekt, der in diesem Zusammenhang diskutiert wird, ist der externe Faktor, der auch als Objekt- oder Fremdfaktor bezeichnet wird. Hierunter ist ein Faktor zu verstehen,
der vom Abnehmer einer Dienstleistung in den Produktionsprozess eingebracht
wird und der sich somit der autonomen Disponierbarkeit durch den Produzenten
entzieht (z.B. Patient, Kunde, Transportobjekt). Darüber hinaus ist darauf
einzugehen, ob der Faktor Geld ein
spezifischer Produktionsfaktor ist oder nicht. So lehnt Seng (Seng, P.
1989) die Behandlung monetärer Größen als Produktionsfaktor ab, weil er hierin
einen Widerspruch zu dem in der Betriebswirtschaftslehre üblichen Vorgehen
sieht, zwischen Nominalgüter- und Realgüterebene zu unterscheiden. Diese
Vorgehensweise verkennt, dass dem monetären Faktor in einzelnen
Dienstleistungszweigen (z.B. im Versicherungs- und Kreditwesen) eine andere
Bedeutung zukommt als in Industrieunternehmungen (Deppe, H.-D.
1969; Farny, D.
1989; Haak, W.
1982; Mühlhaupt, L.
1977). In Versicherungen und Banken wird der monetäre Faktor zum eigentlichen Gegenstand des Leistungsprozesses,
während er in industriellen Unternehmungen die Voraussetzung zur Beschaffung
von Produktionsfaktoren darstellt. Der entscheidende Unterschied ist folglich
darin zu sehen, dass der Faktor Geld in der industriellen Produktion nur
mittelbar, und zwar über die Produktionsfaktorbeschaffung relevant wird,
während er bei Versicherungen und Banken unmittelbar als Input in den
Produktionsprozess einfließt. Darüber hinaus erfüllt der monetäre Faktor alle
Merkmale eines Produktionsfaktors, d.h. er weist das Merkmal der
Gutseigenschaft auf, er erfüllt die Funktion der causa efficiens für das
Entstehen eines neuen Gutes, und sein Einsatz im Produktionsprozess ist mit
einem Güterverzehr verbunden, wobei dieser in dem Verlust an Opportunitäten zu
sehen ist (Corsten, H.
2001).
Der Throughput (Faktorkombination)
stellt die Verbindung zwischen Input und Output her. In diesem Prozess werden Produktionsfaktoren
auf der Grundlage eines entsprechenden Verfahrens mit dem Ziel kombiniert, die
Inputfaktoren in die angestrebten Outputgüter zu transformieren. Dabei ist es
in der Dienstleistungsliteratur üblich, die Faktorkombination in Vor- und
Endkombination aufzuspalten. Der Vorkombination
obliegt der Aufbau des Leistungspotenzials, d.h. sie befähigt die Unternehmung,
im Rahmen der Endkombination
entsprechend der unternehmerischen Sach- und Formalziele absetzbare Produkte
herzustellen. Ergebnis der Vorkombination ist die Leistungsbereitschaft, d.h. das sofort verfügbare
Leistungspotenzial. Aufgabe der Endkombination ist es dann, durch den Einsatz
der Leistungsbereitschaft und weiterer interner Produktionsfaktoren unter
Integration des externen Faktors absetzbare Leistungen zu erstellen, wobei die
Produktion der Marktleistung in funktionaler Abhängigkeit von dem mengenmäßigen
Einsatz des externen Faktors steht. Er ist damit eine grundlegende
Voraussetzung für die Endkombination, d.h. sie ist nicht ohne zusätzliche, in
der Unternehmung nicht vorhandene Produktionsfaktoren realisierbar.
Beim Output ist zwischen Vor- und Endkombination zu
unterscheiden: Während sich der Output der Vorkombination auf die Fähigkeit
bezieht, erwartete Nachfragen hinsichtlich bestimmter Cluster von
beabsichtigten Änderungen an erwarteten externen Produktionsfaktoren erfüllen
zu können, bilden die vorgenommenen Änderungen an den Eigenschaften des
externen Faktors den Bezugspunkt des Output der Endkombination. Letzterer soll
als Dienstleistungs-Output bezeichnet werden. Zusätzlich erlangt in der
Output-Analyse die Dienstleistungsqualität eine besondere Bedeutung, weil sie
sowohl durch anbieter- als auch nachfragerseitige Produktionsfaktoren
determiniert wird.
Es ergibt sich dann die in Abb. 1 dargestellte grundsätzliche
Struktur der Dienstleistungsproduktion (Altenburger,
O. A. 1980; Corsten, H.
2001; Corsten,
H./Gössinger, R. 2005).
Abb. 1: Grundmodell der Dienstleistungsproduktion
III. Produktionstheoretische
Ansätze für Dienstleistungen
In der Literatur existieren unterschiedliche Ansätze zur
produktionstheoretischen Modellierung von Dienstleistungen (vgl. Abb. 2). Im
Folgenden seien zunächst beispielhaft zwei spezielle Ansätze vorgestellt, bevor
dann ein Ansatz für eine allgemeine produktionstheoretische Modellierung
skizziert werden soll.
Abb. 2: Produktionstheoretische Ansätze für Dienstleistungen
im Überblick
1. Beispiele für spezielle Ansätze
a) Produktionsfunktion für
Versicherungsunternehmungen als institutionenbezogener Ansatz
Die produktionstheoretische Durchdringung von Versicherungen
ist eng mit den Arbeiten von Eisen (Eisen, R.
1971) und Farny (Farny, D.
1965; Farny, D.
1989) verknüpft. Dabei wird das Risiko- und Dienstleistungsgeschäft ins Zentrum
der Überlegungen gerückt, weil die Bereiche Kapitalanlage und sonstige
Geschäfte nicht versicherungsspezifisch sind. Ausgangspunkt ist die
Gesamtproduktionsfunktion
PFi = fij (Pj)
mit
PFi =
Produktionsfaktormengen (i = 1, ?,r);
(als
Kurzschreibweise)
Pj = Versicherungsprodukte
(j = 1, ?,s);
(als
Kurzschreibweise),
die dann in eine Produktionsfunktion für das Risiko- und eine
für das Dienstleistungsgeschäft zerlegt wird. Für das Risikogeschäft gilt:
RTk = fjk(Pj),
d.h. es besteht eine funktionale Beziehung zwischen den
Versicherungsprodukten (Pj) und den darin enthaltenen Risikotransfers (RTk), wobei die
Gesamtheit RTk das Kollektiv der versicherten Risiken
abbildet. Da für die Gewährung des Versicherungsschutzes der Einsatz von
Produktionsfaktoren notwendig ist, d.h.
PFi = fik(RTk)
ergibt sich für das Risikogeschäft die folgende
Produktionsfunktion:
PFi = fik[fkj(Pj)]
Das Dienstleistungsgeschäft ist ein äußerst komplexes System
von Input-Output-Beziehungen, wobei die in Tabelle 1 erfassten Elemente zu
unterscheiden sind:
Tab. 1: Elemente des Dienstleistungsgeschäfts
Da externe Leistungen teilweise durch originäre Produktionsfaktoren
erstellt werden (z.B. freie Sachverständige), gilt:
PFi = fil(eLl),
sodass sich die folgende Produktionsfunktion ergibt:
PFi = fil[flj(Pj)]
Auch bei den externen Leistungen mit vorgelagerten
produktbezogenen Leistungen ist der Einsatz von Produktionsfaktoren
erforderlich
PFi = fim(piLm),
sodass sich die folgende Funktion ergibt:
PFi = fim〈fml[flj(Pj)]〉
Für externe Leistungen mit vorgelagerten nicht
produktbezogenen innerbetrieblichen Leistungen gilt dann:
PFi = fin(npiLn)
und
PFi = fin〈fnl[flj(Pj)]〉
Sind für die externen Leistungen produktbezogene
innerbetriebliche Leistungen erforderlich, die nicht produktbezogene
innerbetriebliche Leistungen voraussetzen, dann gilt:
piLm = fml(eLl) und
npiLn = fnm(piLm)
Da auch die nicht produktbezogenen innerbetrieblichen
Leistungen den Einsatz von Produktionsfaktoren erfordern
PFi = fin(npiLn),
ergibt sich als Produktionsfunktion:
PFi = fin{fnm〈fml[flj(Pj)]〉}
Die Zusammenfassung dieser Teilfunktionen ergibt dann die
Produktionsfunktion für das gesamte Dienstleistungsgeschäft:
PFi = fil[flj(Pj)] + fim〈fml[flj(Pj)]〉 + fin〈fnl[flj(Pj)]〉 + fin{fnm〈fml[flj(Pj)]〉}
Diese Beziehung gibt den Faktorverbrauch für alle im Rahmen
des Dienstleistungsgeschäftes zum Einsatz gelangenden Produktionsfaktoren
wieder. Die Gesamtproduktionsfunktion ergibt sich dann durch die Aggregation
der Teilfunktionen für das Risiko- und Dienstleistungsgeschäft.
b) Technologie für Logistikleistungen als
funktionenbezogener Ansatz
Die Logistikleistung konkretisiert sich an dem logistischen
Objekt (z.B. Personen, Sachobjekte, Informationen) als Transformation, d.h. einer Veränderung der temporalen und/oder
lokalen Eigenschaften. Neben Transport
und Lagerung, die diese Veränderung
originär bewirken, sind für die logistische Leistungserstellung Leistungsarten
wie etwa Umschlag und Bündelung relevant, die eine Veränderung
von Zuordnungseigenschaften herbeiführen. Die bei der Erbringung dieser
Teilleistungen gleichzeitig angestrebte Aufrechterhaltung der Quantität und
substantiellen Beschaffenheit logistischer Objekte lässt sich jedoch mit einer
rein mengenorientierten Erfassung der Logistikleistung nicht adäquat abbilden.
Zur differenzierten Modellierung dieses Sachverhalts ist es erforderlich, den Zustand des logistischen Objekts mit
Hilfe von Eigenschaften zu erfassen (vgl. Isermann, H.
1999). Aus der Perspektive der logistischen Leistungserstellung wird der
Zustand eines Objekts zeitpunktbezogen durch Angaben
-
zum Ort (z.B. geographische Koordinaten),
-
zur qualitativen Beschaffenheit (z.B. Unversehrtheit,
Temperatur),
-
zur Zuordnung des Objekts zu Lagerplätzen und
Transportmitteln und
-
zur Zugehörigkeit zu übergeordneten logistischen
Objekten
beschrieben. Aufgrund dieser logistikspezifischen Auswahl von
Eigenschaften wird der erfasste Zustand als logistischer
Zustand zt bezeichnet, der einen Teil des allgemeinen
Objektzustands darstellt. Bei M
logistikrelevanten Eigenschaften zm.t (m =
1, ?, M) des Objekts lautet der Vektor des logistischen Zustands:
zt = (z1.t ? zM.t)T
Durch einen logistischen Leistungserstellungsprozess P, der zum Zeitpunkt t = a
beginnt und zum Zeitpunkt t = e endet, wird der Anfangszustand des
Objekts za in einen Endzustand ze transformiert:
P: za→ze
Ein logistischer Leistungserstellungsprozess besteht in der
Regel nicht aus einer einzelnen Aktivität, sondern ergibt sich aus einer Folge
von Teilprozessen unterschiedlicher Art:
-
Vorgelagerte
sekundäre Elementarkombinationen PkV stellen aus dem generellen
Leistungspotential des Logistiksystems durch Auswahl und Verfügbarmachung
interner Produktionsfaktoren eine Leistungsbereitschaft für konkret
vorliegende Leistungsobjekte her, die die Ausführung von primären
Elementarkombinationen ermöglicht.
-
Primäre
Elementarkombinationen PkH beziehen sich auf
logistische Objekte, d.h., ihre Ausführung geht unmittelbar mit
sachzielbezogenen Transformationen der Zustände logistischer Objekte einher.
-
Nachgelagerte
sekundäre Elementarkombinationen PkN heben nach der Ausführung der primären Elementarkombination
die dafür geschaffene Leistungsbereitschaft wieder auf, um die involvierten
internen Produktionsfaktoren für andere primäre Elementarkombinationen
nutzbar zu machen.
Ein k-stufiger
logistischer Leistungserstellungsprozess (k
= 1, ?, K) mit den Teilprozessen PkV, PkH und PkN ist durch eine Folge von Zuständen des
logistischen Objekts gekennzeichnet:
{za = za.1, ze.1, ?, za.K, ze.K = ze}
Die Zustandsänderung za→ze ist
genau dann ein vereinbarungskonformer Output des Leistungserstellungsprozesses,
wenn der Endzustand ze der mit dem Nachfrager getroffenen
Leistungsvereinbarung entspricht. Die Menge ZeV umfasst dabei alle alternativ möglichen,
vereinbarungskonformen Endzustände:
ze ∊ ZeV
Die neben dem logistischen Objekt für die Leistungserstellung
relevanten N Güterarten werden durch
Mengen xn.t.k (n
∊ N, N = {1, ?, N})
abgebildet. Der Netto-Güterfluss wn.kH der primären Elementarkombination k, die mit der Zustandsänderung za.k→ze.k am logistischen Objekt einhergeht, ergibt sich
aus der Gegenüberstellung des Güterbestands vor xn.a.kH und
nach xn.e.kH der Teilprozessausführung. Der Flussvektor der
primären Elementarkombination k
lautet:
wkH = (w1.kH ? wN.kH)T mit wn.kH = xn.a.kH – xn.e.kH
Der Netto-Güterfluss einer Stufe des logistischen
Leistungserstellungsprozesses ergibt sich dabei durch Addition der
entsprechenden Teilprozess-Netto-Güterflüsse:
wk = wkV + wkH + wkN
Eine mit dem Nachfrager getroffene Leistungsvereinbarung kann
durch R unterschiedliche logistische
Leistungserstellungsprozesse erfüllt werden. Jeder logistische
Leistungserstellungsprozess ist dabei durch eine spezifische Anzahl von
Wiederholungen der Teilprozesse (Prozessmengen) auf den einzelnen Stufen
gekennzeichnet, die durch Vektoren gr abgebildet werden. Der Netto-Güterfluss wr eines Leistungserstellungsprozesses ergibt
sich damit aus:
wr = (w1.r ? wN.r) mit wn.r = w n.1.r g1.r + ? + wn.K.r gK.r
2. Eigenschaftsorientierte Korrespondenzen als
Beispiel für einen allgemeinen Ansatz
Eine Durchsicht der in der Literatur vorgestellten
Modellierungen zur Dienstleistungsproduktion lässt die folgenden Aussagen zu:
-
Der formalen Spezifikation des Output kommt eine eher
untergeordnete Bedeutung zu.
-
Der externe Produktionsfaktor wird zwar in seiner
Bedeutung einheitlich hervorgehoben, jedoch zeigt seine formale Erfassung
eher rudimentäre Züge.
-
Die Interaktion zwischen Nachfrager und Anbieter
und/oder deren Wirkung im Rahmen der Endkombination wird nur selten in die
Modellierung aufgenommen.
Vor diesem Hintergrund gibt es aktuelle Entwicklungen, die
einen produktionstheoretischen Modellentwurf für Dienstleistungen vorstellen,
der zur Erfassung der Güter auf Eigenschaften (vgl. Corsten,
H./Gössinger, R. 2003; Corsten,
H./Gössinger, R. 2006) und zur Abbildung der Produktionsprozesse auf
die stochastische Netzplantechnik zurückgreift (vgl. Corsten,
H./Gössinger, R. 2004a; Corsten,
H./Gössinger, R. 2005; Gössinger, R.
2005). Wesentliche Elemente dieses Ansatzes sind dabei:
-
Dienstleistungen werden als Problemlösungen (vgl. Kern, W.
1979) aufgefasst, wobei diese in einem veränderten Ist-Zustand des
Betrachtungsobjektes und/oder einer veränderten Vorstellung des
Wirtschaftssubjektes über den Soll-Zustand zu sehen sind.
-
Um die gewünschten Eigenschaftsänderungen
am externen Produktionsfaktor (Output-Eigenschaftsänderungen) herbeizuführen,
müssen Eigenschaftsänderungen an internen Produktionsfaktoren
(Input-Eigenschaftsänderungen) hingenommen werden (z.B. zeitliche
Nichtverfügbarkeit zur Erbringung anderer Dienstleistungen). Dieser
Zusammenhang lässt sich durch Rückgriff auf das Konstrukt „ Aktionensystem “
herstellen, das die zur Erbringung einer Dienstleistung erforderlichen
Aktionen und deren Beziehungen zueinander erfasst:
-
Da bei Dienstleistungen häufig beidseitig mehrdeutige
Beziehungen zwischen den Input- und Output-Eigenschaftsänderungen auftreten,
wird zur Modellierung von Aktionen auf eigenschaftsbezogene
Korrespondenzen zurückgegriffen.
-
Aufgrund der Interaktionen im
Dienstleistungserstellungsprozess können die Beziehungen zwischen den
Aktionen mehrdeutig sein. Dies zeigt sich etwa darin, dass den
Entscheidungsträgern mehrere Möglichkeiten zur Fortsetzung des
Transformationsprozesses offenstehen. Zur Abbildung dieser Beziehungen eignet
sich die stochastische Netzplantechnik in der Form der Graphical Evaluation
and Review Technique (GERT).
IV. Konsequenzen für
die allgemeine Produktionstheorie
Die verallgemeinerte produktionstheoretische Betrachtung sprengt
jedoch den Rahmen der traditionellen produktionstheoretischen Modellierung, in
der Produktionsprozesse bezüglich ihrer technischen und/oder naturgesetzlich
determinierten Wirkungen auf Transformationsobjekte analysiert und auf der
Grundlage von Input- und Output-Gütermengenänderungen erfasst werden (vgl. Dyckhoff, H.
1994). Es ergibt sich damit die Notwendigkeit einer Erweiterung der traditionellen Produktionstheorie, da in dieser
Betrachtungsweise
-
die Produktion weitgehend unabhängig von ihren
Beziehungen zu ihrer Umwelt analysiert wird,
-
die Qualität der involvierten Güter lediglich implizit
über unterschiedliche Güterarten erfasst werden kann und
-
ein idealisiertes Entscheidungsverhalten unterstellt
wird.
Erste Erweiterungsvorschläge wurden vor dem Hintergrund des
Schutzes der ökologischen Umwelt in die produktionstheoretische Analyse eingebracht
(vgl. Dyckhoff, H.
2003). Neben der Erfassung umweltrelevanter Eigenschaften der Inputs und Outputs
(vgl. Houtman, J.
1998) ist die Berücksichtigung eines mehrdimensionalen und multipersonalen Präferenzkonstruktes
zu nennen (vgl. Behrens, S.
1999). Bei der Dienstleistungsproduktion ergibt sich das Erfordernis der
Erweiterung aus der Integrativität, da sich hieraus für den Nachfrager die
Möglichkeit ergibt, den Dienstleistungserstellungsprozess wahrzunehmen und zu
beurteilen und er als „ Koproduzent “ an der Erstellung beteiligt ist, wobei sich
die Wahrnehmungen und Beurteilungen in seinen Handlungen niederschlagen. Neben
den Produzenten sind damit weitere Subjekte, die den Produktionsprozess
beeinflussen, zu berücksichtigen. In der Abbildung 3 wird ein erweiterter
produktionstheoretischer Rahmen vorgestellt (vgl. Corsten,
H./Gössinger, R. 2004b).
Dabei wird die Grundaussage der Produktionstheorie, dass eine
Produktion durch Gütereinsatz und -ausbringung Änderungen von Güterknappheiten
in der Unternehmung bewirkt, in zwei Aspekten verallgemeinert:
-
Nicht nur Gütermengen-, sondern auch
Eigenschaftsänderungen können den Input und den Output bilden.
-
Die bewirkten Änderungen können in der Unternehmung
und darüber hinaus in einer allgemein definierten Umwelt ihren Niederschlag
finden.
Abb. 3: Entwurf eines erweiterten produktionstheoretischen
Rahmens
Ferner wird die Annahme der ausschließlichen Beeinflussung
der Produktion durch einen vollständig rational handelnden Produzenten
aufgelöst und unterstellt, dass mehrere beschränkt rational handelnde Subjekte
einen Einfluss auf die Produktion ausüben können, der direkter oder indirekter
Natur sein kann:
-
Die direkt produktionsbeeinflussenden Handlungen der
Subjekte sind dabei von ihrem Entscheidungsverhalten abhängig, dem aufgrund
der Subjektivität der Wahrnehmung der Produktion und der Präferenzen
unterschiedliche Beurteilungen der Produktion zugrunde liegen können.
-
Ein indirekter Einfluss auf die Produktion gründet auf
der Wahrnehmung und Beurteilung beteiligter Subjekte durch andere beteiligte
Subjekte und einer darauf aufbauenden Subjektbeeinflussung (z.B. durch
Interaktion), die eine Produktionsbeeinflussung zur Folge hat.
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Überlegungen zur Produktionstheorie – Zugleich Stellungnahme und Ergänzung zu
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