Inhaltsübersicht
I. Kommunikationstheorie
II. Kommunikationsmodelle
III. Formen
der Kommunikation
IV. Störungen
der Kommunikation
V. Die
ökonomische Sicht auf Kommunikation
VI. Kommunikationssysteme
I. Kommunikationstheorie
Die konstruktivistische Kommunikationstheorie interpretiert
Verhalten als permanenten Kommunikationsprozess und analysiert
zwischenmenschliche Beziehungen aus dieser Perspektive. Jede Übermittlung von
Informationen, die auf unterschiedliche Weise abgegeben (Sprache, Körperhaltung
etc.) und über unterschiedliche Sinnesorgane aufgenommen werden, ist
Kommunikation. Es ist also nicht möglich, nicht zu kommunizieren, da z.B. das
Ignorieren einer Nachricht oder das nicht bei Bewusstsein sein selbst
Information darstellt (vgl. Watzlawick,
P./Beavin, J.H./Jackson, D.D. 1990, S. 50 ff.). Innerhalb der
Kommunikationstheorie kann man drei Analyseebenen unterscheiden (vgl. Carnap, R.
1948): Auf der syntaktischen Ebene (Ebene des Satzbaus) werden Kommunikationsprozesse
auf ihre technische Tauglichkeit hin untersucht (akustische bzw. visuelle
Verständlichkeit, Übertragungskapazität, Redundanz). Das Kommunikationsmodell
von Shannon (Shannon, C.E.
1949) ist hier anzusiedeln. Es beschreibt, über welche Schnittstellen
eine Nachricht von einem Sender an einen Adressaten übermittelt wird: Ein
Sender wandelt eine Informationsquelle (Idee, Nachricht etc.) in ein Signal um,
das er über ein Kommunikationsmedium (Bytes, Schall, Licht etc.) einem
Adressaten zuspielt. Der Adressat entschlüsselt das Signal mit Hilfe eines
Empfängers (technische Vorrichtung, Ohr, Auge etc.) und erhält dadurch eine
Information. Allerdings ist bei der Kodierung, also bei der Verschlüsselung von
Ideen durch Zeichen, beim Transfer und bei der Dekodierung mit Verzerrungen zu
rechnen, sodass u.U. das empfangene nicht mehr dem gesendeten Signal
entspricht. Die semantische Ebene (Ebene der Wortbedeutung) setzt sich mit der
inhaltlichen Verständigung zwischen den Kommunikationspartnern auseinander und
die pragmatische Ebene (Ebene der Handlungskonsequenzen) thematisiert die
verhaltensmäßige Wirkung von Kommunikation. Weaver (Weaver, W.
1949) versucht, Shannons Modell auf die semantische und pragmatische
Ebene zu übertragen und schafft damit die Basis für verschiedene Modelle zur
Beschreibung von Kommunikationsverhalten.
II. Kommunikationsmodelle
Watzlawick, Beavin und Jackson (Watzlawick,
P./Beavin, J.H./Jackson, D.D. 1990, S. 72 ff.; erstmals Watzlawick,
P./Beavin, J.H./Jackson, D.D. 1968) beschreiben
Kommunikationsverhalten durch fünf Axiome. (1) Es ist unmöglich, nicht zu
kommunizieren. (2) In jeder Kommunikation findet sich ein Inhalts- und ein
Beziehungsaspekt. Die Kommunikationspartner übermitteln nicht nur eine
Nachricht, sondern geben durch die Art der Nachrichtenübermittlung gleichzeitig
eine persönliche Stellungnahme zu ihrem Gegenüber ab. (3) Die Natur einer Beziehung
ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner
bedingt. Die zugrunde gelegte Struktur eines Kommunikationsprozesses erlaubt
den Kommunikationspartnern eine individuelle Interpretation des Zusammenhangs
von Aktion und Reaktion. (4) Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler
(Dekodierung vereinbarter Zeichen wie einer Abfolge von Buchstaben) und
analoger (Wiedererkennen z.T. nur implizit bekannter Bilder wie Mimik oder
Gestik) Modalitäten, wobei Inhaltsaspekte vor allem digital und
Beziehungsaspekte eher analog transportiert werden. (5) Zwischenmenschliche
Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem
ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit
beruht.
Später entwickelte Kommunikationsmodelle greifen diese Axiome
auf. So verweist Schulz von Thun (Schulz von
Thun, F. 1981) auf die vier Seiten einer Nachricht, die
jeweils einen Sachaspekt, einen Beziehungsaspekt, einen
Selbstoffenbarungsaspekt und einen Appellaspekt beinhaltet. Neuberger (Neuberger, O.
1985) entwickelt daraus das TALK-Modell (Tatsachendarstellung, Ausdruck,
Lenkung, Kontakt).
III. Formen der
Kommunikation
Für die Betriebswirtschaftslehre spielen diese
Kommunikationsmodelle deswegen eine wichtige Rolle, weil Führungs- und
Koordinationsaufgaben ausgesprochen kommunikationsintensiv sind und
unterschiedlichen Formen der Kommunikation gerecht werden müssen. Ein
individuelles Face-to-Face-Gespräch im Rahmen der Personalentwicklung
unterliegt anderen Regeln als die schriftliche Versendung einer
unternehmensweiten Weisung z.B. zur Beachtung der Schließzeiten. Beide
Kommunikationsformen sind jedoch nur dann zielführend, wenn sie allen Aspekten
der zu übermittelnden Nachricht gerecht werden. Unterschiedliche Formen der
Kommunikation innerhalb einer Unternehmung existieren nicht nur in Bezug auf
Medium, Inhalt und Ansprechpartner, sondern auch in Bezug auf
Verhaltenskodizes. Denn neben den formalen, hierarchisch festgelegten,
existieren auch informale Kommunikationsbeziehungen, die sich gegenseitig
sowohl befördern als auch behindern können. Informale Kommunikationsbeziehungen
innerhalb der Unternehmung erleichtern den Informationsaustausch und wirken als
Commitment, auf dessen Basis sich Mitarbeiter auch in schwierigen Phasen mit
dem Unternehmen verbunden fühlen. Sie können die bestehenden Anreiz- und
Kontrollsysteme aber auch entwerten, wenn bei Leistungsbeurteilung und
Beförderung letztlich die persönlichen Beziehungen ausschlaggebend sind
(Nepotismus). Bei Reichwald (Reichwald, R.
1992; Reichwald, R.
1999) sowie Picot und Reichwald (Picot,
A./Reichwald, R. 1991) finden sich die unterschiedlichen
Kommunikationsformen ausführlich und übersichtlich systematisiert.
IV. Störungen der
Kommunikation
Die oben skizzierte Vielschichtigkeit von
Kommunikationsprozessen kann zahlreiche Störungen der Kommunikation bewirken,
die auf eine unterschiedliche Wahrnehmung der „ Wirklichkeit “ der
Kommunikationspartner zurückgeführt wird (vgl. Watzlawick,
P. 1999). Ein häufiges Problem ist die Fokussierung auf
jeweils unterschiedliche Aspekte einer Nachricht durch Sender und Adressat. So
könnte beispielsweise ein Adressat die Nachricht „ Für die Präsentation nächste
Woche ist noch viel zu tun “ als Information ohne Handlungskonsequenz verstehen,
während der Sender an dessen Einsatzbereitschaft appelliert hat. Für die
Struktur zukünftiger Kommunikationsprozesse haben solche Fehlinterpretationen
u.U. schwer wiegende Konsequenzen. Neben diesen Interpretationsschwierigkeiten
existiert auch eine Klasse von Störungen, die Watzlawick, Beavin und Jackson (Watzlawick,
P./Beavin, J.H./Jackson, D.D. 1990) als paradoxe Kommunikation
bezeichnen. Durch die (gezielt) unlogische Gestaltung von Information nimmt der
Sender dem Adressaten jede Möglichkeit, in erwünschter Weise auf die Nachricht
zu reagieren. Ein Standardbeispiel für ein solches Paradoxon ist die
Aufforderung „ Sei spontan! “ Auch kann der Sender einzelne Kommunikationsaspekte
gegeneinander ausspielen und den Adressaten über seine eigentliche Absicht im
unklaren lassen. Dadurch schafft er eine Doppelbindung,
weil der Adressat nicht weiß, welche der widersprüchlichen Aufforderungen er
erfüllen soll. Unabhängig davon, ob die oben beschriebenen Störungen
absichtlich (z.B. Mobbing) oder unabsichtlich erfolgen (z.B. unterschiedliche
soziale Kontexte), vermindern sie die Effizienz innerbetrieblicher
Kommunikation und verursachen zusätzliche Kosten. Aus diesem Grund investieren
Unternehmen in die professionelle Unterstützung zur Beseitigung dieser
Störungen.
V. Die ökonomische Sicht auf
Kommunikation
Auch aus einer ökonomischen Perspektive spielt die
Kommunikation für Unternehmen eine elementare Rolle (vgl. Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 2005, S. 1 ff.). Arbeitsteilung und
Spezialisierung erfordern hoch komplexe Tausch- und Abstimmungsprozesse, die
über das Medium Kommunikation organisiert werden. Den beteiligten Akteuren
werden dabei zum einen die Informationen übermittelt, die sie zur Erfüllung
ihrer Aufgaben brauchen (Überwindung des Koordinationsproblems), und zum
anderen Anreize gesetzt, die ihre Bereitschaft zur Erfüllung dieser Aufgaben
steigern (Überwindung des Motivationsproblems). Das oben beschriebene
Kommunikationsverhalten stellt eine Rahmenbedingung für die effiziente
Gestaltung von Tausch- und Abstimmungsprozessen dar. Störungen und Paradoxien
versuchen die Organisationsgestalter allerdings nicht dadurch zu beseitigen,
dass sie die Einsicht in die Störungsursachen wecken, sondern dass sie Anreize
zur Vermeidung der Störungen geben und Missbrauch und Fehlverhalten
sanktionieren. Insgesamt verdeutlichen die Probleme allerdings, dass
Kommunikation Kosten verursacht, die einerseits auf Reibungsverluste beim
Informationstransfer zwischen den Kommunikationspartnern und andererseits auf
die Zeit, die zur Überwindung von Schnittstellen erforderlich ist,
zurückzuführen sind. Kommunikationskosten sind damit ein Teil der Transaktions-
bzw. Agencykosten.
1. Kommunikation
und Organisationsstruktur
Über die Gestaltung ihrer Organisationsstruktur können
Unternehmen Kommunikationskosten nachhaltig reduzieren, da die Variablen der
Organisationsstruktur (Aufgabenverteilung, Verteilung der Weisungs- und
Entscheidungsrechte und Programmierung) den Rahmen für die unternehmensinternen
Kommunikationsprozesse weitgehend festlegen (vgl. Picot, A.
1999, S. 128). Dabei lassen sich einige Maßnahmen zur
Organisationsgestaltung als Versuch interpretieren, die Anzahl der
Schnittstellen, die eine Information auf dem Weg zu ihrem Adressaten überwinden
muss, zu verringern. So empfiehlt beispielsweise die Transaktionskostentheorie,
bei der Aufgabenverteilung die Interdependenzen zwischen den Teilaufgaben zu
minimieren (vgl. Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 2005, S. 63 ff. u. S. 230 ff.). Sind
zur Bewältigung einer Aufgabe kontinuierliche Interaktionen zwischen mehreren
Akteuren notwendig, bildet man Teams oder Abteilungen, die neben dem
notwendigen Fachwissen auch Kommunikationskodizes erlernen, mit deren Hilfe die
Kommunikationsprozesse innerhalb des Teams ohne größere Reibungsverluste
abgewickelt werden können. Auch bei der Zuteilung von Entscheidungsrechten wird
darauf geachtet, dass die Aufgabenträger das zur Aufgabenerfüllung notwendige
Know-how besitzen, um Reibungsverluste aufgrund zusätzlicher Informationstransfers
zu vermeiden. Die organisatorische Programmierung ersetzt fallweise Regelungen
für Arbeits- und Problemlösungsprozesse durch generelle organisatorische
Regelungen und reduziert dadurch den Kommunikationsaufwand innerhalb der
Unternehmung.
2. Kommunikation
innerhalb der Unternehmung
Die Organisationsstruktur kann die Schnittstellen im Rahmen
der innerbetrieblichen Kommunikationsprozesse zwar verringern, aber nicht
vollständig beseitigen, da aufgabenübergreifend relevante Informationen zu den
entsprechenden Aufgabenträgern transferiert werden müssen.
Mit jeder durch eine Schnittstelle hervorgerufenen Verzerrung
oder Uneindeutigkeit einer Nachricht eröffnen sich jedoch Interpretations- und
Verhaltensspielräume, die die Akteure zur Durchsetzung ihres Eigeninteresses
auch gegen das Unternehmensinteresse ausnutzen können. Unternehmen versuchen,
diese Probleme einerseits durch Interessenangleichung und andererseits durch
Überwindung von Informationsasymmetrien zu verringern. Im Rahmen der
Interessenangleichung versuchen Unternehmen, ihre Mitarbeiter mithilfe von
Metakommunikation, also der Kommunikation über die betriebliche Kommunikation,
von der Notwendigkeit reibungsloser Kommunikationsprozesse zu überzeugen. Diese
Versuche werden vor allem dann erfolgreich sein, wenn die Entlohnungsschemata
eine Beteiligung am Unternehmensgewinn vorsehen und dadurch die Einsicht in die
Bedeutung effizient verlaufender Kommunikationsprozesse für das
Gesamtunternehmen stärken (vgl. Milgrom,
P./Roberts, J. 1992, S. 9 ff.). Zur Verringerung von
Informationsasymmetrien betreiben Unternehmen Monitoring, also Maßnahmen zur
Kontrolle der Mitarbeiter, und generieren Informationen über deren Verhalten.
Allerdings ist die nachträgliche Feststellung der opportunistischen Ausnutzung
diskretionärer Verhaltensspielräume ein später und damit ein verhältnismäßig
ineffizienter Kontrollzeitpunkt. Das Monitoring mit Hilfe formaler
Kontrollsysteme wie dem Berichtswesen
und Kennzahlen
und Kennzahlensystemen (vgl. Küpper, H.-K.
1999) hat daher nicht mehr primär die Aufgabe, nachträglich die
Einhaltung von Vorgaben zu überwachen und über unternehmensinterne und -externe
Aktivitäten zu informieren, sondern ex ante die Eindeutigkeit der zu
übermittelnden Nachrichten sicherzustellen und Anreize zur effizienten
Aufgabenerfüllung zu geben (vgl. Ewert,
R./Wagenhofer, A. 2000, S. 449 ff.).
3. Kommunikation
in den Markt
Aufgrund der zunehmenden Bedeutung des Kapitalmarkts für die
Unternehmensfinanzierung wird auch die Kommunikation in den Markt hinein immer
wichtiger. Unternehmen suchen bewusst nach leicht und eindeutig vermittelbaren
Indikatoren, um die eigene Leistungsfähigkeit nach außen zu signalisieren. Aus
diesem Grund spielt bei der Wahl von Kapitalrentabilitätsgrößen,
Kennzahlensystemen und Entlohnungsschemata nicht nur deren internes
Kommunikationspotenzial, sondern auch deren Verständlichkeit und Einsichtigkeit
für Investoren, Analysten und Privatanleger eine wichtige Rolle (vgl. Ewert,
R./Wagenhofer, A. 2000, S. 42 ff.). Nach außen kommunizierte
Leistungsindikatoren stellen aus Sicht externer Adressaten dann valide Signale
dar, wenn ihr Gehalt auch bei Unterstellung eigennütziger Verhaltensweisen der
sie aussendenden Unternehmensleitung nur schwer verfälschbar ist. Auch hier
spielt also Metakommunikation eine wichtige Rolle.
VI. Kommunikationssysteme
Ein Kommunikationssystem hat die Aufgabe, Kommunikationswege
für den internen und externen Informationsaustausch bereitzustellen, den
Informationsaustausch von der Stufe der Informationsproduktion bis zur
Verwendung zu organisieren und die Reibungsverluste zwischen den Schnittstellen
so gering wie möglich zu halten (vgl. Picot,
A./Reichwald, R. 1991, S. 285 ff.). Obwohl die technischen
Aspekte von Kommunikationssystemen hier nicht weiter thematisiert werden
sollen, ist doch interessant, wie technische Informations- und
Kommunikationssysteme (z.B. Electronic Data Interchange) einen reibungsfreien
Datenaustausch sicherstellen. Sie tun das mit Hilfe von so genannten
Kompatibilitätsstandards. Das sind klar definierte Schnittstellen in einem
Netzwerk, die eine Zusammenarbeit der einzelnen Komponenten erlauben, ohne dass
dadurch zusätzliche Kosten entstehen (vgl. Pfeiffer,
G.H. 1989, S. 12). Technische Schnittstellen werden also durch
kompatible Produkt- und Systemgestaltungen überwunden, sodass
Übertragungsfehler auf der syntaktischen Ebene mit zunehmendem technischen
Fortschritt immer seltener werden. Dagegen bleibt die Überwindung „ virtueller “
Schnittstellen in sozialen Kommunikationssystemen mit eben den oben
diskutierten Störungen und Unsicherheiten verbunden, weil der gängige Standard
\'Sprache\' die notwendige Eindeutigkeit vermissen lässt.
Bei der Frage, ob ein betriebliches Kommunikationssystem zu
effizienten Kommunikationsprozessen führt, spielen die technischen
Eigenschaften des Systems folglich eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist,
ob die Schnittstellen auf der semantischen und der pragmatischen Ebene der
Kommunikation überwunden werden. Der Erfolg betrieblicher
Kommunikationsprozesse hängt also letztlich davon ab, ob die Organisationsgestalter
innerhalb der Unternehmung ein Repertoire von Begriffen und
Handlungsanweisungen etablieren können, das von allen Akteuren eindeutig
interpretiert und präzise genutzt wird. Wenn dieses Repertoire eine Struktur
zum reibungsfreien Informationsaustausch vorgibt, dann kann man es durchaus als
virtuelles Kommunikationssystem bezeichnen.
Für virtuelle Kommunikationssysteme gibt es zahlreiche
Beispiele. Wissenschaftler verschlüsseln ihre fachliche Kommunikation in
Kodizes, die in ihrer Verdichtung i.d.R. nur noch ihnen selbst zugänglich sind.
Innerhalb einer wissenschaftlichen Gemeinschaft ist die Etablierung solcher
Begriffsstandards jedoch effizient, weil hoch verdichtete Information mit
verhältnismäßig wenig Kommunikationsaufwand und geringem Reibungsverlust
ausgetauscht werden kann (vgl. Arrow, K.J.
1974, S. 39 f.). Ein anderes Beispiel sind japanische Fertigungsstätten,
wo erstmalig durchgeführte Arbeitsschritte mithilfe einer standardisierten
Terminologie auf einem so genannten Standard-Arbeitsblatt festgehalten werden
und allen nachfolgenden Bearbeitern eine standardisierte Arbeitsanleitung
bieten (vgl. Ohno, T.
1993, S. 43 ff.). Auch Total-Quality-Management-Systeme setzten an der
begrifflichen Vereinheitlichung der Methodik zur Problemlösung an, um
transparente und explizite Ergebnisse zu erhalten, die unternehmensweit genutzt
werden können (vgl. Wruck,
K.H./Jensen, M.C. 1997, S. 9). Ein einheitliches und allgemein
verständliches Begriffssystem bzw. eine Unternehmenssprache ist damit die
Grundlage für ein betriebliches Kommunikationssystem.
Die Etablierung eines Kommunikationssystems ist eine
hochgradig strategische Entscheidung, da Kommunikationssysteme zwangsläufig
Lock-in-Effekte generieren. Lock-ins sind irreversible Investitionen, die
zukünftige Entscheidungen, etwa über einen Systemwechsel, beeinflussen (vgl. Shapiro,
C./Varian, H.R. 1999, S. 103). So müssen in virtuellen und in
technischen Kommunikationssystemen spezifische Kodizes, aber auch
standardisierte Routinen ähnlich wie eine Fremdsprache erlernt werden, sodass
nachträgliche Änderungen hohe Kosten verursachen, auf Widerstand stoßen und nur
schwer durchzusetzen sind.
Die strategische Reichweite der Entscheidung über ein
betriebliches Kommunikationssystem geht i.d.R. über die Unternehmensgrenzen
hinaus. Denn genau wie der elektronische Datenaustausch reibungsfrei verlaufen
muss, ist die Kompatibilität von betrieblichen Indikatoren mit den
Kommunikationssystemen ihrer Adressaten notwendig. So verlangen beispielsweise
Fondsmanager einheitliche Kennzahlen, um die Vergleichbarkeit innerhalb ihrer
Portfolios sicherzustellen, und auch private Kapitalanleger können
standardisierte Unternehmensinformationen besser verarbeiten.
Die Etablierung eines effizienten betrieblichen
Kommunikationssystems steht folglich in dem Spannungsfeld, einerseits den
Informationsaustausch bei der Erstellung hoch spezifischer Leistungen
reibungslos zu organisieren und andererseits über die Entspezifizierung von
Information die Kompatibilität zum (Kapital-)Markt sicherzustellen.
Literatur:
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Limits of Organization, New York et al. 1974
Carnap, Rudolf :
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Ewert, Ralf/Wagenhofer,
Alfred : Interne Unternehmensrechnung, Berlin et al., 4. A., 2000
Küpper, Hans-Ulrich :
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Milgrom, Paul/Roberts,
John : Economics, Organization, and Management, Englewood Cliffs, NJ 1992
Neuberger, Oswald :
Miteinander arbeiten – miteinander reden, München, 6. A., 1985
Ohno, Taiichi : Das Toyota-Produktionssystem,
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Pfeiffer, Günter H. :
Kompatibilität und Markt: Ansätze zu einer ökonomischen Theorie der
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Picot, Arnold :
Organisation, in: Vahlens Kompendium der Betriebswirtschaftslehre, hrsg. v.
Bitz, Michael/Dellmann, Klaus/Domsch, Michel, München, 4. A., 1999, S. 107 – 180
Picot, Arnold/Dietl,
Helmut/Franck, Egon : Organisation: Eine ökonomische Perspektive, Stuttgart, 4.
überarb u. erw. A., 2005
Picot, Arnold/Reichwald,
Ralf : Informationswirtschaft, in: Industriebetriebslehre: Entscheidungen im
Industriebetrieb, hrsg. v. Heinen, Edmund, Wiesbaden, 9. A., 1991, S. 241 – 393
Reichwald, Ralf :
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hrsg. v. Bitz, Michael/Dellmann, Klaus/Domsch, Michel, München, 4. A., 1999, S.
221 – 288
Reichwald, Ralf :
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hrsg. v. Frese, Erich, Stuttgart, 3. A., 1992, Sp. 2174 – 2188
Schulz von Thun,
Friedemann : Miteinander Reden: Störungen und Klärungen, Hamburg 1981
Shannon, Claude E. : The
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Shapiro, Carl/Varian,
Hal R. : Information Rules: A Strategic Guide to the Network Economy, Boston,
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Watzlawick, Paul : Wie
wirklich ist die Wirklichkeit?, München et al., 25. A., 1999
Watzlawick, Paul/Beavin,
Janet H./Jackson, Don D. : Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen,
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