Inhaltsübersicht
I. Begriffliche
Grundlagen
II. Strategietypen
III. Strategiegenese
und Strategiefolgen
IV. Ausblick
I. Begriffliche Grundlagen
„ Nobody really knows what strategy is. “ So schrieb der Economist im Jahre 1993 und das ist auch
der Tenor der Bestandsaufnahme, die Markides als Gastherausgeber eines unter
dem Titel „ In Search of Strategy “ erschienenen Jubiläumsheftes der Zeitschrift Sloan Management Review im Jahre 1999
publiziert hat (vgl. auch Porter, M.
1996). Dabei ist klar, dass wir es mit einem Schlüsselkonzept der
Unternehmensführung zu tun haben. „ Behind every successful company, there is
superior strategy. The company may have developed this strategy through formal
analysis, trial and error, intuition, or even pure luck. No matter how it was
developed, it is the strategy that underpins the success of the company. To
understand corporate success, we must therefore understand the logic of
successful strategies “ (Markides, C.
1999, S. 6).
Die Ursprünge des Strategiebegriffs sind etwas diffus.
Bracker führt nicht nur die Entwicklung des Strategiebegriffs auf das
griechische Wort strategos, das etwas mit Führung in einem militärischen Sinne
zu tun hat, zurück, sondern erwähnt auch, dass schon Sokrates, die Analogien
aufgefallen waren, die zwischen dem militärischen und dem „ Management “ - Kontext
bestehen (Bracker, J.
1980, S. 219): In beiden Fällen gehe es um die Planung des Gebrauchs von
Ressourcen zum Zwecke der Erreichung bestimmter Ziele. Mit dem Zerfall der
griechischen Stadtstaaten sei diese Vorstellung allerdings wieder in
Vergessenheit geraten; erst von Neumann und Morgenstern (von Neumann,
J./Morgenstern, O. 1947) hätten im Rahmen der Spieltheorie den
Strategiebegriff wieder explizit in die Wirtschaftstheorie aufgenommen. Modern
formuliert besteht eine Strategie demnach „ aus der Planung einer bestimmten
Folge von Spielzügen (von Handlungen), wobei in dem Plan für jeden
Entscheidungsknoten spezifiziert ist, welche Handlung je nach den
vorausgegangenen Zügen der Mitspieler und der eigenen Züge ausgeführt werden
soll. Die Strategie liefert also eine vollständige Beschreibung, welche
Handlungen der Spieler auszuführen plant, und zwar für jedes
Entscheidungsproblem, vor dem er im Verlauf des Spiels (vom Anfang bis zum
Ende) steht. Dabei ? [wird unterstellt], dass der Spieler für alle
Eventualitäten Pläne macht – d.h. auch für Situationen, von denen er gar nicht
erwartet, dass sie im Spielverlauf eintreten “ (Holler,
M./Illing, G. 1991, S. 34).
Die spieltheoretische Interpretation des Strategiebegriffs
hat gerade in jüngerer Zeit in den im engeren Sinne durch die ökonomische
Theorie geprägten Ansätzen des Strategischen Managements an Bedeutung gewonnen
(siehe verschiedene Beiträge in Rumelt,
R./Schendel, D./Teece, D. 1994). Sie widerspricht allerdings
der Einsicht, dass angesichts der Komplexität von System/Umwelt-Konstellationen
Strategien die Handlungen nicht in deterministischer Weise festlegen können,
sondern eher eine Art Heuristik darstellen, mit deren Hilfe in konkreten
Situationen Handlungsoptionen generiert werden können. Insofern ist nicht
verwunderlich, dass in der Beratungspraxis und in der akademischen Literatur
zunächst weniger rigide Interpretationen des Strategiebegriffs dominiert haben.
Chandler versteht unter „ Strategie “ beispielsweise einfach „ the determination
of the basic long-term goals and objectives of the enterprise and the adoption
of courses of action and the allocation of resources necessary for carrying out
these goals “ (Chandler, A.
1962, S. 13). Ähnlich lautet auch eine Definition, die Mitte der
Sechzigerjahre an der Harvard Business School entwickelt worden ist und auf dem
SWOT-Konzept aufbaut. Demnach ist eine Strategie ein Handlungsplan, der auf
einer Analyse der Stärken (Strengths) und Schwächen (Weaknesses)
des Unternehmens und der Gelegenheiten (Opportunities) und Gefahren (Threats)
der Umwelt aufbaut. Darüber hinaus gelte es, die Werte der Führungskräfte sowie
die Anforderungen aus dem gesellschaftlichen Umfeld zu berücksichtigen (vgl. Learned, E.
et al. 1965; Andrews, K.
1971). Dieses Konzept ist in der Folgezeit durch eine Erforschung der
„ Laws of the Market Place “ angereichert worden; bekannt geworden ist
insbesondere das sog. PIMS-Projekt.
Die Vielfalt der Forschungen hat zu einer Ausdifferenzierung
des Strategiebegriffs geführt. Zusammenfassend unterscheidet Mintzberg vier
Aspekte, die zu einer umfassenden Charakterisierung herangezogen werden können
(Mintzberg, H.
1994, S. 23 ff.). Erstens ist
eine Strategie ein Handlungsplan, der den Akteuren eine Orientierung vorgibt.
Dieser Handlungsplan kann schriftlich formuliert sein, aber auch nur als
kognitives Konstrukt existieren. Bei jungen, wachstumsorientierten Unternehmen
hat sich hier in jüngster Zeit der Begriff des Geschäftsplans etabliert; damit
verbunden sind Vorstellungen einer inhaltlichen Gliederung, die von der
Produktbeschreibung über die Wettbewerbsanalyse bis hin zur Ableitung von
Marketing-, Organisations- und Finanzierungskonzepten reicht und dabei natürlich
auch eine Beschreibung der grundlegenden Wachstumsziele bzw. der „ Vision “ des
Unternehmens umfasst. Zweitens kann
der Strategiebegriff ein Muster konsistenter Handlungen bezeichnen, das sich ex
post – z.B. durch das Management, einen Unternehmensberater oder einen
Wissenschaftler – rekonstruieren lässt. Es ist dieser Aspekt, der es
rechtfertigt, davon zu sprechen, „ [that] behind every successful company, there
is a superior strategy “ (siehe oben). Drittens
kann die Strategie eine Position im Wettbewerbsgefüge beschreiben – eine Idee,
die sich aus dem industrieökonomischen
„ Structure-Conduct-Performance “ -Paradigma ableiten lässt. Viertens schließlich kann die Strategie auch eine Perspektive
bezeichnen – die Art und Weise, wie ein Unternehmen ihr Geschäft begreift und
betreibt, die „ dominante Logik “ , die die „ mentalen Landkarten “ der
Geschäftsführung prägt (Prahalad,
C.K./Bettis, R. 1986).
II. Strategietypen
Über eine allgemeine Charakterisierung des Strategiebegriffs
hinaus ist es zweckmäßig, Strategietypen zu unterscheiden. Dabei können
allerdings recht unterschiedliche Gesichtspunkte zugrunde gelegt werden.
1. Unternehmens-
versus Geschäftsfeldstrategien
Eine gängige Unterscheidung ist die zwischen Unternehmens- und Geschäftsfeldstrategien. (Hofer und Schendel erwähnen darüber
hinaus auch noch die Funktionalstrategien (Hofer,
C./Schendel, D. 1978, S. 12 ff.) sowie die von Ansoff
vorgeschlagene Ebene der Enterprise Strategy, die sich auf die Frage der
politischen Legitimität des Unternehmens bezieht. Diese beiden Strategietypen
spielen in der Literatur aber eine eher untergeordnete Rolle.) In der frühen
Strategieliteratur stand das Interesse für die Unternehmensstrategie (Corporate
Strategy) im Vordergrund; im Vordergrund stand die Frage „ What set of
businesses should we compete in? “ (vgl. z.B. Ansoff, I.
1965). In den Achtzigerjahren sind dann aber die Geschäftsfeldstrategien
(Competitive Strategies) mit einem Primat versehen worden. In den Worten von M.
Porter: „ The basic unit of analysis in a theory of strategy must ultimately be
a strategically distinct business or industry. While firms can redeploy or
share resources, activities, and skills across different businesses, the
competitive value of such actions can only be measured in terms of some set of
rivals delivering a discrete product or service to some set of buyers.
Meaningful approaches to corporate-level strategy for diversified firms must
grow out of a deep understanding of how companies prosper in individual
businesses, and the role of the corporate office and other sister business
units in the process." (Porter, M.
1994, S. 431)
Im Mittelpunkt des Konzepts der Geschäftsfeldstrategie steht der Aufbau von Erfolgspotenzialen
oder, wie man in der amerikanischen Literatur lieber sagt, die Gewinnung und
Verteidigung von Wettbewerbsvorteilen (Competitive Advantages) und/oder der
Aufbau bzw. die Überwindung von Markteintrittsbarrieren. Von besonderem
Interesse ist in diesem Zusammenhang die Qualität der Ressourcen, über die das
Unternehmen verfügt. Im Einzelnen ist eine „ Unique Selling Proposition “ nur
dann aufrechtzuerhalten, wenn (1) die zugrunde liegenden Ressourcen einen Wert besitzen, das heißt: Effizienz und
Effektivität des Unternehmens verbessern; (2) die Ressourcen knapp, also nicht für jeden verfügbar
sind; (3) die Ressourcen nicht durch
äquivalente Ressourcen substituierbar
sind, (4) das Unternehmen gegenüber anderen Ressourceneignern (z.B. den
Chefingenieuren in einem Entwicklungslabor) genügend Verhandlungsmacht besitzt, um eine Abschöpfung der mit
der Ressourcennutzung verbundenen (Quasi-)Rente (z.B. in Form von hohen
Gehältern) zu verhindern; und (5) die Imitation
der Ressourcen durch die Konkurrenz verhindert
werden kann (vgl. zu
Knyphausen-Aufseß, D. 1995, S. 82 ff.). Letzteres kann zum
Beispiel durch den Besitz von Patenten oder anderen Schutzrechten erreicht werden;
darüber hinaus spielt aber das Argument der „ Asset Specifity “ eine große Rolle:
Das Unternehmen sollte Ressourcen so an sich binden können, dass eine
Kontinuität der Beziehung aus der Perspektive aller Beteiligten wünschenswert
ist. (So mag etwa der Zukauf von Hardware-Komponenten anderer
Computerhersteller zu Kompatibilitätsproblemen – „ Switching Costs “ – führen,
die es natürlich besser zu vermeiden gilt.) Solche spezialisierten Beziehungen
sind im Allgemeinen das Ergebnis von Investments, die auch den Konkurrenten
prinzipiell offen stehen. Für das etablierte Unternehmen haben diese
Investments allerdings den Charakter von „ Sunk Costs “ , und eben deshalb besteht
dann eine nicht so leicht zu behebende Asymmetrie zwischen den Wettbewerbern.
Anders ausgedrückt: (Wettbewerbs-)Strategie hat immer etwas mit Commitment (Ghemawat, P.
1991) zu tun, das allerdings nicht dazu führen darf, dass das Unternehmen
sich veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr anpassen kann – ein Dilemma, das
schwer aufzulösen ist und in der Praxis dazu führt, dass kaum ein Unternehmen
in seinen verschiedenen Geschäften kontinuierlich
erfolgreich sein kann. Insofern wird an dieser Stelle der Blick wieder auf
die Unternehmensstrategie gelenkt,
die sich ja, wie oben angedeutet, wesentlich auf die Frage bezieht, in welchen
Geschäften das Unternehmen tätig sein will. Diese Frage kann nun darauf bezogen
werden, inwieweit sich die Ressourcen oder Kernkompetenzen
des Unternehmens in verschiedenen Geschäften einsetzen und damit für eine
kontinuierliche, auf die Veränderungen der Umwelt angepasste Fortentwicklung
des Geschäftsfeldportfolios verwenden lassen. Die Ressourcen und Kernkompetenzen (und nicht die Geschäftsfelder) sind
der erste Bezugspunkt der Analyse; erst auf dieser Grundlage können
Überlegungen zu einer Diversifikationsstrategie ansetzen.
Die Unternehmensstrategien
sind in jüngster Zeit (siehe grundlegend Collis,
D./Montgomery, C. 1997) wieder verstärkt in den Mittelpunkt
des Interesses gerückt – immer wieder stellt sich in der Praxis die Frage, ob
es Sinn macht, viele Geschäfte unter dem Dach eines Unternehmens zu vereinigen,
oder ob es nicht besser wäre, das Unternehmen zu „ zerschlagen “ (das
amerikanische Telekommunikationsunternehmen AT&T
bietet hierfür ein gutes Beispiel). Zielpunkt solcher Überlegungen sind nicht
Wettbewerbsvorteile (Competitive Advantages), sondern „ Parenting Advantages “ ,
die sich an vier Punkten festmachen lassen (Goold,
M./Campbell, A./Alexander, M. 1994): Erstens muss die Unternehmenszentrale überhaupt einen Wert
schaffen, also dazu beitragen, dass die Geschäfte selbst effizienter und
effektiver abgewickelt werden können als im „ Stand-alone “ -Betrieb. Zweitens muss dieser Wert höher sein als
die Kosten, die für den Betrieb der Unternehmenszentrale anfallen. Drittens muss der aus diesen beiden
Aspekten resultierende Netto-Effekt höher sein als bei der Zuordnung eines
Geschäftes unter eine andere Unternehmenszentrale. Und viertens muss dieser Effekt dauerhaft, also nicht nur das Ergebnis
einer einmaligen Restrukturierungsmaßnahme sein.
Damit diese Zielpunkte erreicht werden, können im
Wesentlichen drei Ansatzpunkte gewählt werden. Erstens kann die Zentrale eines großen Unternehmens aufgrund ihrer
Nachfragemacht möglicherweise günstiger Finanzmittel bereitstellen, als dies
eine einzelne Geschäftseinheit über den Kapitalmarkt könnte. Zweitens können Synergieeffekte
realisiert werden, indem ein Lernprozess zwischen den Einheiten organisiert
wird (Benchmarking,
Wissensmanagement). Und drittens
können Serviceleistungen kostengünstiger angeboten werden als auf der
Stand-alone-Basis.
2. Generische
Strategien
Vor dem Hintergrund der grundlegenden Unterscheidung zwischen
Unternehmens- und Geschäftsfeldstrategien sind Versuche unternommen worden,
sog. generische Strategien zu identifizieren (vgl. zum Überblick Mintzberg, H.
1988). Zum einen geht es hier um sehr grundlegende Strategiealternativen.
Zum anderen wird damit häufig die These verbunden, dass die
Strategiealternativen sich ausschließen, im Interesse eines hohen Ertrages also
nur die eine oder die andere
Alternative gewählt werden sollte.
Die Beispiele für entsprechende Typologisierungsversuche sind
zahlreich. Bekannt geworden sind etwa die von Ansoff vorgeschlagene
Produkt-Markt-Matrix, die zwischen Marktpenetration, Produktentwicklung,
Marktentwicklung und Diversifikation unterscheidet (Ansoff, I.
1965, S. 109), sowie das Portfoliokonzept der Boston Consulting Group, in dem die Strategien „ Melken “ ,
„ Investieren “ , „ Liquidieren “ und „ Prüfen “ unterschieden werden. Beide Ansätze
sind zunächst auf der Ebene der Unternehmensstrategie angesiedelt, beziehen
sich dann aber letztlich doch auf die Stoßrichtung in den einzelnen Geschäften.
Eindeutig auf der Ebene der Geschäftsfeldstrategien angesiedelt ist
demgegenüber der viel diskutierte Systematisierungsversuch von M. Porter (Porter, M.E.
1980, S. 39). Hier wird auf der einen Seite danach gefragt, ob ein
Wettbewerbsvorteil durch eine einzigartige Positionierung beim Kunden oder
durch eine günstige Kostenposition im Vergleich zur Konkurrenz gesucht wird.
Auf der anderen Seite können Märkte eng (segmentspezifisch) oder breit
bearbeitet werden. Aus der Kreuztabellierung ergeben sich dann drei
Strategiealternativen – die Differenzierungsstrategie und die Strategie der
Kostenführerschaft (beides in Bezug auf eine breite Marktbearbeitung) und die
„ Fokus “ -Strategie (in Porter, M.E.
1985, S. 12, wird hier konsequenter zwischen einem Differenzierungs- und
einem Kostenfokus unterschieden).
Ob die von Porter (Porter, M.E.
1980) in die Diskussion gebrachte „ Stuck in the Middle “ -These tatsächlich
zutrifft, ist in der Literatur doch sehr umstritten (siehe zu
Knyphausen-Aufseß, D./Ringlstetter, M. 1991; Campbell-Hunt,
C. 2000).
3. Kompetitive
versus kooperative Strategien
Der Begriff der Wettbewerbsstrategie kann nicht nur (synonym
mit Geschäftsfeldstrategie) als
Gegenbegriff zu Unternehmensstategie,
sondern auch in Differenz zum Begriff der kooperativen Strategie verwendet
werden. Hier ist zunächst zu denken an implizite ( „ Kollusion “ ) oder explizite
Preis- und/oder Mengenabsprachen, mit denen Wettbewerber in oligopolistischen
Märkten ihre Gewinnsituation zu Lasten der Konsumenten verbessern wollen und
die darum natürlich kartellrechtlich problematisch sind. In neuerer Zeit kommen
in zunehmenden Maße Allianzbildungen hinzu, die durch informelle Absprachen,
formale Verträge, Kapitalbeteiligungen und gemeinsame Unternehmensgründungen
(Joint Ventures) abgesichert werden (und kartellrechtlich ebenfalls einer
Überprüfung bedürfen). Sie müssen sich nicht nur auf Wettbewerber in derselben
Branche beziehen, sondern können auch Lieferanten und Kunden oder andere
„ Spieler “ integrieren, zu denen bislang keine unmittelbaren Beziehungen
bestanden haben (z.B. im Rahmen von Regionalnetzwerken; zu
Knyphausen-Aufseß, D. 1999). Der Wettbewerbsaspekt bleibt in
diesen Konstellationen durchaus erhalten (alle Akteure streben primär nach
eigenem Gewinn), aber er wird überlagert durch den Kooperationsaspekt
( „ Coopetition “ ; Brandenburger,
A./Nalebuff, B. 1996). Das Ziel besteht darin, eine
„ Win/Win “ -Situation zu erreichen. Ob dieses Ziel erreicht wird, ist allerdings
fraglich – in der Unternehmenspraxis werden Allianzbeziehungen typischerweise
genauso häufig aufgelöst wie eingegangen.
4. Geschäftsmodelle
Ein Begriff, der in jüngster Zeit insbesondere im
Zusammenhang mit wachstumsorientierten Unternehmensgründungen diskutiert wird
und als Synonym für „ Strategie “ verstanden werden kann, ist der Begriff des Geschäftsmodells, verstanden als
„ totality of how a company selects its costumers, defines and differentiates
its offerings, defines the tasks it will perform itself and those it will
outsource, configures its resources, goes to market, creates utility for
customers, and captures profit. It is the entire system for delivering utility
to customers and earning profit from that activity. Companies may offer
products, they may offer technology, but that offering is embedded in a
comprehensive system of activities and relationships that represents the
company\'s business “ (Slywotzky, A.
1996, S. 4). Unter dem Aspekt der Konfiguration
der Wertschöpfungsaktivitäten – der Frage also, welche Wertschöpfungsstufen
wie bearbeitet werden sollen, können vier Modelle unterschieden werden (Heuskel, D.
1999), nämlich (1) das ( „ klassische “ ) Modell des vertikal integrierten Unternehmens, das alle wesentlichen
Wertschöpfungsaktivitäten selbst durchführt, (2) das Orchestrator-Modell
(Modell der virtuellen Organisation),
bei dem die Koordination von
Wertschöpfungsaktivitäten im Vordergrund steht, die in ihrer Substanz von
Partnerunternehmen bearbeitet werden, (3) das „ Layer-Player “ -Modell, bei dem eine Wertschöpfungsstufe in
verschiedenen Geschäften ausgefüllt wird (Beispiel: Contract Research
Organizations in der Pharmaindustrie), sowie (4) das „ Market-Maker “ -Modell, bei
dem das Unternehmen eine Plattform bietet, auf der andere Unternehmen und
Marktpartner zusammenkommen können (Beispiel: Internet-Portale). Unter dem
Aspekt der Ertragsmechanik geht es demgegenüber um die Frage, wie überhaupt
Einnahmen erzielt werden. Das traditionelle Modell basiert hier einfach auf dem
Verkauf von Produkten, für die ein Preis verlangt wird. In der „ New Economy “
sind aber inzwischen auch alternative Modelle entwickelt worden – zum Beispiel
solche, bei denen über das Internet Inhalte umsonst abgegeben werden, dadurch
aber auch Werbeeinnahmen erzielt werden. Ob diese alternativen
Ertragsmechaniken erfolgreich sind, ist aber noch nicht ausreichend bewiesen.
III. Strategiegenese und
Strategiefolgen
Haben Unternehmen tatsächlich Strategien? Bei jungen
Unternehmen kann man von der Existenz einer Entrepreneurial Strategy dann
sprechen, wenn der oder die Gründer eine Vision besitzen, die den Aktivitäten
des Unternehmens ihren Stempel aufdrückt (Mintzberg,
H./Waters, J. 1985, S. 260). Immer dann, wenn externe
Investoren (z.B. Venture-Capital-Geber) akquiriert werden müssen, wird es auch
eine Tendenz geben, die Strategie schriftlich zu formulieren, einen
Geschäftsplan zu schreiben (vgl. z.B. Kubr,
T./Ilar, D./Marchesi, H. 1997). Darüber hinaus wird es häufig
eine Präsentationsfassung geben, die die Kommunikation der Strategie
erleichtert.
Von reifen Unternehmen wird man aufgrund ihres höheren
Professionalisierungsgrades a priori erwarten können, dass sie über
ausformulierte Strategien verfügen. Darüber hinaus dürfte der Druck des
Kapitalmarktes zur Formulierung einer Strategie für das Gesamtunternehmen und
für die einzelnen Geschäftsfelder in den letzten Jahren gestiegen sein. Dennoch
findet sich in der Literatur auch einige Skepsis darüber, ob die Unternehmen
(1) tatsächlich Handlungsorientierungen aufweisen, die (2) einigermaßen
konsistent sind, (3) schriftlich formuliert und (4) mit einem hinreichenden
Commitment der zentralen Akteure verbunden sind (siehe z.B. Weick, K.
1987; Broich, A.
1994; Inkpen, A.
1995; Kirsch, W.
1997). Die oben (Abschnitt I) skizzierte Idee, Strategien als Muster zu
verstehen, die sich erst ex post aus
dem tatsächlich beobachtbaren Handlungsstrom identifizieren lassen, ist ein
Ausdruck dieser grundlegenden Skepsis. Mintzberg unterscheidet in diesem
Zusammenhang zwischen bewussten
(deliberate) und emergenten
Strategien (Mintzberg, H.
1994, S. 23 ff.). Die bewussten Strategien sind nur ein Teil dessen, was
am Ende als realisierte Strategie
sichtbar ist. Immerhin geht Mintzberg aber davon aus, dass es am Ende überhaupt
eine Strategie gibt. Auch dieses ist aber nicht selbstverständlich.
Wie kann ein Unternehmen die Genese von Strategien
unterstützen, wie kann es seine Strategiefähigkeit verbessern? Ein Weg besteht
darin, die unternehmensinternen Entscheidungsprozesse zu verbessern. In der
deskriptiven Entscheidungstheorie
gibt es viele Forschungsergebnisse, die belegen, dass Entscheidungsprozesse
häufig anders ablaufen, als es das Paradigma einer rationalen Entscheidung suggeriert (vgl. zum Überblick Schreyögg, G.
1984), und z.B. „ gemeinsame Zielvorstellungen “ häufig gar nicht
existieren bzw. offiziell verabschiedet werden. Diese Forschungsergebnisse sind
auch der Hintergrund für die skeptischen Strömungen in der Literatur. In
neuerer Zeit liegen aber auch Forschungen vor, die als Benchmark dafür genommen
werden können, wie erfolgreiche Unternehmen in dynamischen Umwelten ihre
strategiebezogenen Entscheidungsprozesse organisieren. Eisenhardt (Eisenhardt,
K. 1999) weist dabei auf vier Merkmale hin: Erfolgreiche
Managementteams treffen sich häufig und entwickeln während dieser Treffen eine
kollektive Intuition und eine Metrik, aufgrund derer sie Gefahren und
Gelegenheiten frühzeitig abschätzen können. Weniger erfolgreiche Managementteams
treffen sich seltener und verlassen sich auf Marktanalysen und -projektionen,
die den Besonderheiten der Entscheidungssituationen nicht gerecht werden. (2)
Erfolgreiche Managementteams stimulieren und kanalisieren konfliktäre
Sichtweisen und berücksichtigen dadurch mehr Entscheidungsalternativen als
weniger erfolgreiche Managementteams. (3) Erfolgreiche Managementteams
konzentrieren sich darauf, eine hohe Entscheidungsgeschwindigkeit
aufrechtzuerhalten und häufig Entscheidungen zu treffen, während die weniger
erfolgreichen Teams seltener entscheiden, dann aber versuchen, die
Entscheidungsgeschwindigkeit unangemessen zu erhöhen. (4) In erfolgreichen
Managementteams herrscht eine kooperative Grundstimmung; in weniger
erfolgreichen Teams wird dagegen mehr „ politisiert “ .
Im Zusammenhang mit der Frage nach der Genese von Strategien
stellt sich natürlich auch die Frage, welche Rolle eine institutionalisierte Strategische
Planung hierbei spielen kann. Grundsätzlich können zwei Funktionen
unterschieden werden (zu
Knyphausen-Aufseß, D. 1995, S. 365). Die konstitutive Funktion hängt damit zusammen, dass das Planungssystem
„ Anlässe “ schafft, sich mit Fragen der Strategieentwicklung systematisch
auseinander zu setzen. Eine Unterstützungsfunktion
wird erfüllt, wenn das Planungssystem Prozeduren und Methoden beinhaltet, wie
Analysen durchgeführt und Strategien formuliert werden können.
Welche Bedeutung diese Funktionen in der Realität besitzen,
ist unklar. Die zitierte Untersuchung von Eisenhardt führt zu einer eher
zurückhaltenden, eine von Al-Laham (Al-Laham, A.
1997) in Deutschland durchgeführte Untersuchung zu einer optimistischeren
Einschätzung. Wie so oft müssen wohl auch hier die Einflüsse des Branchen- und
Unternehmensumfeldes berücksichtigt werden (siehe hierzu auch Mintzberg, H.
1994, S. 323 ff.).
Die vorstehende Darstellung hat nicht nur Hinweise auf die
Strategiegenese, sondern auch auf „ Strategiefolgen “ enthalten – dann nämlich,
wenn von erfolgreichen bzw. weniger erfolgreichen Unternehmen die
Rede war. Dieser Bezug zu den Ergebniswirkungen ist für die Strategieliteratur
typisch. Allerdings ist das Ergebnis des Unternehmens oder einzelner organisatorischer
Einheiten nicht der einzige Bezugspunkt der Analyse. Zunächst einmal stellt
sich die Frage, ob sich die Handlungsorientierungen auch in beobachtbaren
Aktivitäten ( „ strategischen Manövern “ ) niederschlagen. In der frühen
Strategieliteratur (Learned, E.
et al. 1965; siehe oben) ist unterstellt worden, dass die
Strategieimplementierung der Strategieformulierung beinahe zwangsläufig folgt.
Nach vielen Fehlschlägen in der Praxis hat sich hier inzwischen eine
skeptischere Grundhaltung breit gemacht (vgl. Mintzberg, H.
1990). Viele Strategien „ versanden “ einfach. Auch an dieser Stelle muss
also betont werden, wie sehr es darauf ankommt, den Prozess der
Strategienformulierung und -implementierung
ständig am Laufen zu halten – so wie es die „ erfolgreichen “ Unternehmen aus der
Untersuchung von Eisenhardt (Eisenhardt,
K. 1999) vorgemacht haben.
IV. Ausblick
Über „ Strategien “ ist schon viel geschrieben worden, und es
wird wohl auch weiterhin viel darüber geschrieben werden. Immer wieder liegt
die Versuchung nahe, „ Erfolgsrezepte “ zu beschreiben, von denen auch andere
Unternehmen lernen können. Allgemein
zugängliche Rezepte können aber nie zum Aufbau einer Vorteilsposition führen.
Die Theorie kann deshalb immer nur einige Grundstrukturen aufzeigen. Wirklich
spannend ist dann, wie in der Unternehmenspraxis diese Grundstrukturen zu einem
einzigartigen, nicht mehr ohne weiteres reproduzierbaren Konzept ausgearbeitet
werden.
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