Inhaltsübersicht
I. Einleitung
II. Ressourcenorientierte
Unternehmensstrategie
III. Merkmale
von Kernkompetenzen
IV. Wissensbasierte
Fähigkeiten, Kernkompetenzen und Produkte
V. Der
wissensbasierte Ansatz
I. Einleitung
Die Generierung und Verwertung unternehmensspezifischer
Kernkompetenzen ist Aufgabe des strategischen Managements. Ziel ist es, eine
Antwort auf die Frage zu finden, wie es trotz Wettbewerb möglich ist, einen
dauerhaften, überdurchschnittlichen Unternehmenserfolg zu erzielen und damit
langfristig die Rentabilität
und Liquidität des Unternehmens zu sichern. Kernkompetenzen werden im Rahmen
der ressourcenorientierten Unternehmensstrategie ( „ resource-based view of
strategy “ ) und des wissensbasierten Ansatzes ( „ knowledge-based theory of the
firm “ ) diskutiert.
II. Ressourcenorientierte
Unternehmensstrategie
Die ressourcenorientierte Unternehmensstrategie begründet die
Entwicklung nachhaltiger Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens mit der
Existenz einzigartiger oder unternehmensspezifischer Ressourcenbündel (etwa Amit, R./Schoemaker,
P.J.H. 1993; Barney, J.B.
1991; Dierickx,
I./Cool, K. 1989; Rühli, E.
1995). Heutzutage sind im Rahmen der Unternehmensführung Realkapital,
Humankapital und organisatorisches Kapital die wichtigsten Ressourcen. Die
Marktunvollkommenheit auf den Beschaffungsmärkten nimmt genau in der eben
genannten Reihenfolge zu. Je unvollkommener der Ressourcenmarkt ist, desto
größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die entsprechende Ressource einen
nachhaltigen Wettbewerbsvorteil begründet.
Die ressourcenorientierte Unternehmensstrategie ergänzt die
marktorientierte Unternehmensstrategie, deren bekanntesten Planungsinstrumente
die Branchenanalyse ( „ 5 Wettbewerbskräfte “ ), Wertkettenanalyse (Porter, M.E.
1980; Porter, M.E.
1985), das Marktanteils- und Marktwachstumsportfolio (Henderson,
B.D. 1979) sind, um Bedingungen, die einem nachhaltigen
Wettbewerbsvorteil zugrunde liegen. Damit beruhen Wettbewerbsvorteile nicht
mehr wie in der marktorientierten Unternehmensstrategie auf monopolistischen
Renten, sondern auf Effizienzrenten durch die Ausnutzung von
Ressourcenvorteilen. Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens sind damit nicht
mehr mit kollektiven Wohlfahrtseinbußen verbunden (Barney, J.B.
1991). Es wird davon ausgegangen, dass Unvollkommenheiten auf dem
Absatzmarkt keinen langfristigen Schutz vor Konkurrenten bieten. Langfristig
ist jede monopolartige Stellung angreifbar, wenn alle Unternehmen auf die
gleichen Ressourcen zurückgreifen können.
Grundlage der ressourcenorientierten Unternehmensstrategie
sind die Arbeiten von Selznick (Selznick, P.
1957) und Penrose (Penrose, E.T.
1959). Beide erkannten, dass einzigartige Fähigkeiten und Kompetenzen die
Grundlage des unternehmerischen Wettbewerbsvorteils darstellen. Der Terminus
„ resource- based theory of the firm “ wurde erstmals 1984 von Wernerfelt geprägt
(Wernerfelt,
B. 1984). Weitere Vorläuferarbeiten zur ressourcenorientierten
Strategielehre waren eine Reihe von empirischen Beobachtungen: Erstens kamen
Dierickx/Cool (Dierickx,
I./Cool, K. 1989) zu dem Ergebnis, dass kontinuierliche
Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen über längere Zeit zu besseren
Resultaten führen als der Versuch, mit „ crash “ -Programmen Versäumtes in
kürzester Zeit aufzuholen. Zweitens führten Hansen/Wernerfelt (Hansen, G.S./Wernerfelt,
B. 1989) eine Untersuchung über die Bedeutung
organisatorischer Variablen gegenüber ökonomischen Variablen auf die
„ inter-firm variances in profit rates “ durch. Sie erklärten einen Großteil der
Varianz des Unternehmenserfolges über interne, organisationale Erfolgsfaktoren.
Drittens fand Rumelt (Rumelt, R.P.
1991) heraus, dass sich die Gewinne von Unternehmen innerhalb einer Branche stärker unterscheiden als zwischen Branchen. Dies bedeutet, dass
nicht nur die Auswahl der geeigneten Branche ausschlaggebend ist, sondern auch
firmenspezifische Faktoren (Frost, J.
1998). Alle Untersuchungen zeigen, dass menschliche Leistungsfähigkeit in
Organisationen je nach kultureller Basis, firmenspezifischen Eigenheiten oder
kontinuierlicher Lernerfahrung unterschiedlich ausfällt. Es gibt
organisatorische Erbschaften oder Pfadabhängigkeiten, die nicht auf dem Markt
erworben werden können. Sie bestimmen die strategische Route eines Unternehmens
und werden zur Grundlage der Entwicklung von Kernkompetenzen.
III. Merkmale von
Kernkompetenzen
Unternehmensressourcen werden dann zur Grundlage eines
nachhaltigen, dauerhaften Wettbewerbsvorteils, wenn sie Eigenschaften
aufweisen, die den Kunden einen Nutzen
stiften und die Unvollkommenheiten auf dem Faktormarkt verstärken. In diesem
Fall nimmt die Heterogenität des
unternehmensspezifischen Ressourcenbündels zu. Solche Bündel werden dann zu Kernkompetenzen, wenn sie folgende
Anforderungen erfüllen (Barney, J.B.
1991; Dierickx,
I./Cool, K. 1989; Grant, R.M.
1991; Hall, R.
1992).
-
Generierung von Wert
bzw. Nutzenstiftung, d.h., die Kundinnen und Kunden müssen bereit sein,
für den durch diese Ressourcen begründeten Zusatznutzen zu bezahlen.
-
Knappheit bzw.
Unternehmensspezifität, d.h., die Ressourcenbündel müssen in der
Tiefenstruktur des Unternehmens verankert sein und dürfen nur sehr schwer auf
andere Unternehmen übertragen werden können. Dies ist vor allem bei
intangiblen Ressourcen der Fall.
-
Nicht-Substituierbarkeit,
d.h., es gibt keine anderen Ressourcenbündel, welche die Unternehmensleistung
auf gleichwertige Weise erbringen können.
-
Nicht-Imitierbarkeit,
d.h., die Ressourcenbündel sind nicht ohne weiteres durch ein anderes
Unternehmen kopierbar.
-
Transferierbarkeit,
d.h., die Ressourcenbündel müssen immer wieder auf innovative Produkte und
Märkte angewendet werden können.
Die Nicht-Imitierbarkeit nimmt dabei die wichtigste Rolle
ein. Nicht oder nur schwer imitierbar sind solche Ressourcen, die (Barney, J.B.
1991; Cohen,
W.L./Levinthal, D.A. 1990; Dierickx,
I./Cool, K. 1989; Dosi, G.
1982; Grant, R.M.
1991)
-
in der Geschichte des Unternehmens begründet sind,
d.h., es gibt dementsprechend organisatorische
Erbschaften oder Pfadabhängigkeiten,
-
durch diffuse
Kausalzusammenhänge gekennzeichnet sind, d.h., es kann nicht genau
ausformuliert werden, welcher Zusammenhang zwischen der Ressourcenausstattung
des Unternehmens und seinem Wettbewerbsvorteil besteht,
-
sich durch Komplexität
bzw. Verflechtung untereinander
auszeichnen,
-
auf Akkumulationseffizienzen beruhen, d.h., Ressourcen
können um so leichter erworben werden, wenn bereits ein gewisser Bestand
dieser Ressourcen im Unternehmen als Vorwissen ( „ absorptive Kapazität “ )
existiert.
Es handelt sich dabei um intangible Ressourcen, für die es
keine definierten Beschaffungs- und Absatzmärkte gibt. Sie müssen im eigenen
Unternehmen entwickelt werden. In jedem Unternehmen gibt es eine Vielzahl
unterschiedlicher Ressourcen. Sind sie nicht-handelbar und intangibel, so
bieten sie den höchsten Schutz vor Imitation und können zu Kernkompetenzen
ausgebaut werden, weil sie nur innerhalb spezifischer Unternehmensstrukturen
und -kulturen ihre Wirkung entfalten.
IV. Wissensbasierte
Fähigkeiten, Kernkompetenzen und Produkte
Die Antwort auf die Frage, warum einige Unternehmen
erfolgreicher sind als andere, verbirgt sich hinter dem Begriff der
Kernkompetenzen, denn Kernkompetenzen sind geeignet, immer wieder innovative
Produkte und Dienstleistungen hervorzubringen und neue Märkte zu erschließen.
Dadurch können zukünftige Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden befriedigt
werden, die diese heute noch gar nicht kennen. Dieses Verhältnis zwischen
Kernkompetenzen und marktfähigen Produkten bzw. Dienstleistungen
charakterisiert den Verwertungsaspekt.
Beantwortet wird damit jedoch noch nicht die Frage, welche Fähigkeiten ein
Unternehmen benötigt, um Kernkompetenzen überhaupt erst hervorbringen zu
können. Dieses Verhältnis zwischen Kernkompetenzen und den zugrunde liegenden
Fähigkeiten charakterisiert den Generierungsaspekt.
1. Der
Verwertungsaspekt von Kernkompetenzen
Die Begründer des Begriffs Kernkompetenzen, Prahalad/Hamel (Prahalad,
C.K./Hamel, G. 1991) verwenden die Metapher eines Baumes, um
das Verhältnis zwischen Kernkompetenzen und marktfähigen Produkten zu
verdeutlichen: Die Kernkompetenzen
bilden die Wurzeln des Baumes, aus denen die Kernprodukte als Stamm und dicke
Äste hervorgehen. Die dünneren Äste stellen die Geschäftseinheiten dar und die
Blätter bilden die Endprodukte. Kernprodukte sind für die Wertschöpfung des
Endproduktes wichtig und fungieren deshalb als Bindeglied zwischen diesem und
einer oder mehreren Kernkompetenzen. Dabei handelt es sich in der Regel um
wichtige Baugruppen oder wichtige Komponenten wie beispielsweise Motoren,
Bildschirme oder Halbleiter, die in verschiedene Endprodukte einfließen. Die
Endprodukte werden als die dünneren Äste und Blätter des Baumes dargestellt.
Hat ein Unternehmen eine dominante Position bei Kernprodukten, so kann es auch
die Entwicklung von Endmärkten markant beeinflussen. Daraus folgern die beiden
Autoren, dass ein Unternehmen die Fertigung von Kernprodukten forcieren sollte,
weil damit Lerneffekte für die jeweils verwendeten Kernkompetenzen verbunden
sind. Dem Marktanteil an dem tatsächlich gefertigten Endprodukt räumen
Prahalad/Hamel lediglich eine nachgeordnete Stellung ein.
Ihr Ansatz visualisiert den Kausalzusammenhang zwischen
Kernkompetenz, Kernprodukt, Endprodukten und nachhaltigem Wettbewerbsvorteil.
Jedoch können sie nicht die Frage beantworten, wie in einem Unternehmen überhaupt Kernkompetenzen zu entwickeln
sind und welche Fähigkeiten diesen zugrunde liegen. Dies ist Gegenstand des Generierungsaspektes.
2. Der
Generierungsaspekt von Kernkompetenzen
Das Anhäufen technologischen Know-hows reicht alleine noch
lange nicht aus, um Kernkompetenzen generieren zu können. Entscheidend ist
vielmehr die Fähigkeit, dieses Know-how mit dem Wissen und Können der
Organisationsmitglieder kombinieren zu können. Kernkompetenzen lassen sich
nicht im „ Hauruck-Verfahren “ aneignen. Ihr Fokus liegt nicht auf den
materiellen Aspekten, sondern auf der Eigenschaft der Transformation, welche die schwere Imitierbarkeit begründet. Dies
sind Faktoren, die nicht auf dem Markt gekauft werden können. Vielmehr müssen
sie in langwierigen Innovationsprozessen oder Prozessen des organisationalen
Lernens aufgebaut werden. Im Mittelpunkt stehen die grundlegenden organisationalen Fähigkeiten des Unternehmens,
spezifische und wertstiftende Kernkompetenzen zu generieren und hervorzubringen
(Chandler,
A.D.Jr. 1990; Teece,
D.J./Pisano, G.P./Shuen, A. 1997). Organisationale Fähigkeiten
sind firmenspezifische Prozesse, die sich im Laufe der Zeit durch komplexe
Interaktionen entwickeln und gewissermaßen die generelle
Problemlösungsfähigkeit eines Unternehmens darstellen. Das dafür notwendige
Koordinations- und Integrationswissen kann nicht von einem einzelnen
Organisationsmitglied erfasst und artikuliert werden. Vielmehr unterliegt es
der organisationsweiten, multipersonalen
Verankerung des aus der Zusammenarbeit erworbenen kollektiven Könnens sowie
der Aktivierung der intrinsischen und extrinsischen Motivation (Frey,
B.S./Osterloh, M. 2000; Osterloh,
M./Frey, B.S. 2000; Osterloh,
M./Frey, B.S./Frost, J. 1999). Damit erweist sich auch die Art
und Weise, wie ein Unternehmen organisiert ist, als eine eigenständige
Erfolgsdimension und eine wesentliche strategische Ressource des Unternehmens.
Je komplexer und verwobener die organisationalen Koordinationsprozesse
ausgestaltet sind, desto mehr nimmt ihre Kodifizierbarkeit ab. Das Unternehmen
verfügt mit diesem kollektiven Können nämlich über spezifisches Kontextwissen,
das nur innerhalb dieser Konfiguration von Beziehungen wirksam ist.
Kernkompetenzen sind hochgradig organisationsgebunden, weil sie eine „ Tacit “ -Dimension haben (Polanyi, M.
1985). Das bedeutet, sie sind nach außen hin lediglich über ihre
ökonomischen Wirkungen, nicht jedoch unmittelbar erkennbar. Sie können deshalb
nicht eindeutig in konkreten Ergebnissen oder Leistungssteigerungen festgemacht
werden. Sie sind implizit und somit nicht konkret bilanziell erfassbar.
Vielmehr tragen sie in einem komplexen Funktionszusammenhang zum
Unternehmenserfolg bei.
Die Untersuchung der für Kernkompetenzen charakteristischen
„ Tacit “ -Dimension ist Gegenstand der „ knowledge based theory of the firm “ oder
des wissensbasierten Ansatzes.
V. Der wissensbasierte
Ansatz
Die Generierung von Kernkompetenzen basiert vor allem auf
implizitem Wissen. Impliztes Wissen ist Voraussetzung für die
Unternehmensspezifität und Nicht-Imitierbarkeit von Kernkompetenzen (Grant, R.M.
1996; Nonaka, F.
1994; Spender,
J.-C. 1996).
1. Die
Unterscheidung von Wissen und Information
Obwohl Wissen und Information häufig synonym verwendet
werden, ist Wissen weit mehr als Information. Information ist die notwendige Voraussetzung zur Generierung von
Wissen (Machlup, F.
1983). Deshalb kann man Informationen wie andere Güter handeln, Wissen
hingegen nur sehr eingeschränkt. Information ist ein Fluss von Nachrichten und
bedeutet „ Know-what “ (Kogut,
B./Zander, U. 1992, S. 382). Wissen hingegen entsteht nicht durch eine Anhäufung von Informationen,
sondern erst durch die Verknüpfung der Informationen mit bereits vorhandenem
Vorwissen, d.h. Know-why. Dies
bedeutet, dass Informationen erst dann zu Wissen transformiert werden, wenn sie
auf dem Hintergrund von Vorwissen interpretiert und Bestandteil der persönlich
verfügbaren Handlungsschemata werden. Deshalb kann Wissen nicht in gleicher
Weise wie Informationen gekauft oder verkauft werden. Wissen muss auch jene
Fähigkeiten umfassen, die Kommunikation und Interaktion erst ermöglichen, ohne
dass sie jedoch explizit formuliert werden können (Polanyi, M.
1985). Es ist deshalb wichtig, eine weitere Unterscheidung zu treffen.
2. Die
Unterscheidung von expliziten und impliziten Wissen
Der Entwicklung organisationaler Fähigkeiten liegt ein Wissen
zugrunde, das nicht explizit ausformuliert ist, sondern als impliziter
Bestandteil auch in den Routinen des Unternehmens verwoben ist (Nelson,
R.R./Winter, S.G. 1982). Aus diesem Grund ist es für die
Konkurrenz schwer imitierbar und kann deshalb vom Unternehmen als Quelle eines
nachhaltigen Wettbewerbsvorteils verwendet werden.
-
Explizites Wissen ( „ explicit knowledge “ ) ist
formulierbares und reproduzierbares Wissen. Es kann ohne Schwierigkeiten durch
eine formale, systematische Sprache vermittelt werden, etwa durch Wörter und
Zahlen. Dies bedeutet, dass explizites Wissen den Individuen bewusst ist. Es
kann in seiner Anwendung logisch nachvollzogen und beschrieben werden und
stellt deshalb spezifisches oder methodisches Wissen dar.
-
Implizites Wissen ( „ tacit knowledge “ ) ist verborgenes,
unspezifisches Wissen und beschreibt inhärente Eigenschaften. Es ist stark in
verknüpften Handlungen, Verpflichtungen und Mitwirkungen innerhalb eines
spezifischen Kontextes begründet und bedeutet, „ dass wir mehr wissen, als wir zu sagen wissen “ (Polanyi, M.
1985, S. 14). Implizites Wissen steuert als verinnerlichtes, gleichsam
selbstverständliches Wissen sowohl kognitive Prozesse (kognitive Komponente)
als auch technisch-körperliche Ausführungen (technische Komponente).
3. Implizites
Wissen, Unternehmensspezifität und Nicht-Imitierbarkeit von Kernkompetenzen
Implizites Wissen stellt die Grundvoraussetzung der schweren
Imitierbarkeit, der begrenzten Verfügbarkeit und der Unternehmensspezifität von
Ressourcen dar, falls es gelingt, implizites Wissen organisatorisch zu
verankern. Dazu muss es in kooperierenden Gemeinschaften in teilweise
heuristischen, praktischen Erfahrungen erworben und verinnerlicht werden, d.h.,
es ist „ deeply rooted in action, commitment, and involvement in a specific
context “ (Nonaka, I.
1994, S. 16). Diese Eigenschaften machen implizites Wissen zu einer
„ klebrigen “ Wissensform (von Hippel,
E. 1994). Mit „ stickiness “ (Klebrigkeit) bezeichnet von Hippel
die Tatsache, dass an spezifische Kontexte gebundenes Wissen schwierig zu
übertragen und somit zu imitieren ist. Als Maß für die „ stickiness “ dienen die
Grenzkosten der Übertragung einer kontextspezifischen und
problemlösungskritischen Wissenseinheit in geeigneter Form an eine Empfängerin
in einem fremden Problemlösungskontext. Kernkompetenzen basieren u.a. auf
solchen impliziten Wissensbeständen. Die „ stickiness “ impliziten Wissens
erklärt deshalb die Knappheitseigenschaft und die Nicht-Imitierbarkeit von
Kernkompetenzen.
Zwei weitere wichtige Eigenschaften von Kernkompetenzen,
Nicht-Subsituierbarkeit und Akkumulationseffizienzen, können durch die so
genannte absorptive Kapazität erklärt werden.
4. Die
Bedeutung organisationalen Vorwissens für neues Wissen: Absorptive Kapazität
Die Fähigkeit eines Unternehmens, neues Wissen zu generieren,
hängt vom Vorwissen bzw. der absorptiven Kapazität ab (Cohen,
W.L./Levinthal, D.A. 1990). Die absorptive Kapazität eines
Unternehmens besteht aus einem Bündel eng verwandter Fähigkeiten. Dieses
ermöglicht, die Bedeutung unternehmensexternen Wissens verlässlich antizipativ
einzuschätzen, aufzunehmen und für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Eine hohe
absorptive Kapazität fördert erstens die Fähigkeit zur Aufnahme und Verwertung
neuen Wissens und fördert damit die organisationale Lernfähigkeit. Zweitens
erhöht sie die Fähigkeit, bei neuen Problemlösungssituationen und
Herausforderungen kreative Handlungsalternativen zu generieren. Absorptive
Kapazität ist deshalb die Meta-(Kern-)Kompetenz eines Unternehmens. Sie
ermöglicht nicht nur die beschleunigte Generierung von Kernkompetenzen und
deren Verwertung in marktfähige Kern- sowie Endprodukte. Unternehmen, die über
eine hohe absorptive Kapazität verfügen, sind besser für organisationale Lern-
und Entlernprozesse gerüstet und können dadurch der so genannten Kompetenzfalle
entkommen (von Wartburg,
F. 2000). Kompetenzfallen treten ein, wenn strategisch
unbedeutend gewordene Kernkompetenzen zu Kernhindernissen zu werden drohen (Leonard-Barton,
D. 1992).
Bei kontinuierlichem Gebrauch reichern sich Kernkompetenzen
sogar an. Sie weisen wachsende Grenzerträge der Nutzung ( „ increasing returns to
adoption “ ) auf. Diese Akkumulationseffizienzen erklären die Eigenschaft der
Nicht-Subsituierbarkeit von Kernkompetenzen, weil durch diese Selbstverstärkung
ein Ausschlusseffekt ( „ lockout “ ) für andere Fähigkeiten- und Ressourcenbündel
geschaffen wird, welche die Unternehmensleistung auf gleichwertige Weise erbringen
könnten.
Im Ergebnis betonen die ressourcenorientierte
Unternehmensstrategie und der wissensbasierte Ansatz, dass Kernkompetenzen, die
auf implizitem Wissen und hoher absorptiver Kapazität basieren, die fünf
charakteristischen Merkmale – Nicht-Imitierbarkeit, Nicht-Substituierbarkeit,
Knappheit bzw. Unternehmensspezifität, Wert- und Nutzenstiftung sowie
Transferierbarkeit – in höchstem Ausmaß aufweisen und erlauben eine Antwort auf
die eingangs gestellte Frage nach den Quellen dauerhaften, überdurchschnittlichen
Unternehmenserfolges bei nicht schlafender Konkurrenz.
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