Inhaltsübersicht
I. Begriffsverständnis
II. Aufgaben
des Projektcontrolling
III. Instrumente
des Projektcontrolling
IV. Organisation
des Projektcontrolling
I. Begriffsverständnis
Projekte haben das Ziel, mithilfe beschränkter Ressourcen
gegebene Zielsetzungen zu einem bestimmten Termin zu erreichen. Dies erfolgt in
einer eigenen organisatorischen Einheit, deren Existenz von vorneherein auf
einen Endtermin begrenzt ist (vgl. Deutsches
Institut für Normung (DIN), 1987, DIN 69901). Als unternehmerischer Einheit steht einem Projekt mit
dem Projektmanagement ein eigenes, projektbezogenes Führungssystem zur
Verfügung. Es umfasst neben Projektplanungs- und -kontrollmethoden
unterstützende Informationssysteme, Instrumente der Aufbau- und
Ablauforganisation sowie eine Reihe von Instrumenten zur Mitarbeiterführung.
Zur Erreichung der Projektziele ist ein abgestimmter Einsatz der genannten
Führungsfunktionen notwendig. Diese Koordinationsfunktion erfüllt das
Projektcontrolling (vgl. Mörsdorf, M.
1998, S. 5). Es bildet eine auf die Anforderungen des Projektmanagements
abgestimmte Form des Controlling.
II. Aufgaben des
Projektcontrolling
Projektcontrolling ist weder mit Projektkontrolle (vgl. etwa Michel, R.M.
1996, S. 19) noch mit Projektmanagement oder Projektkostenrechnung
gleichzusetzen. Das Projektcontrolling stellt vielmehr ein Teilsystem des
Projektmanagements mit einer eigenständigen Aufgabe dar, nämlich: der
projektzielorientierten Koordination im Führungssystem eines Projektes. Diese
umfasst:
-
die auf die Projektziele gerichtete Koordination
zwischen den einzelnen Führungsteilsystemen eines Projektes.
-
die Koordination innerhalb der einzelnen
Führungsteilsysteme eines Projektes.
Die Punkte 1 und 2 ergeben das Einzelprojektcontrolling bzw. das
Projektcontrolling i. eng. S. (vgl. Lachnit, L.
1994, S. 25).
-
die Koordination des Führungssystems eines Projektes
mit den Führungssystemen anderer Projekte sowie der Gesamtunternehmung (sog.
Multi-Projektcontrolling).
1. Koordination
zwischen den Führungsteilsystemen eines Projektes
Die Führungsfunktionen des Projektmanagements stehen in
interdependenter Beziehung zueinander. Bei der Ausgestaltung einzelner
Führungsfunktionen sind daher wechselseitige Abhängigkeiten zu den jeweils
anderen Führungsfunktionen zu berücksichtigen.
Besonders deutlich wird dies bei der Projektplanung, die über alle Phasen eines Projektes hinweg mit den
übrigen Führungsfunktionen abzustimmen ist. Beispielsweise ist für die
Machbarkeitsstudie zu Beginn eines Projektes eine enge Koordination zwischen
dem Planungs-, Organisations- und dem
Informationssystem notwendig. Nur wenn die Abstimmung zwischen diesen
Teilsystemen ergibt, dass das geplante Leistungsspektrum in der verfügbaren
Zeit und in Konformität mit den Unternehmenszielen durchgeführt werden kann,
ist eine Projektfreigabe möglich. Das Projektcontrolling stellt hierzu etwa bei
der Projektstrukturierung durch eine Zusammenführung von Projekt- und
Organisationsstrukturplänen sicher, dass die abgeleiteten Arbeitspakete
innerhalb der bestehenden Organisation und mit den verfügbaren Ressourcen
realisierbar sind (vgl. Madauss, B.J.
2000, S. 200 f.). Jeder geplanten Projektaktivität werden die qualitativ
wie quantitativ geeigneten sowie terminlich verfügbaren Ressourcen zugewiesen.
In Make-or-Buy-Entscheidungen wird dabei bestimmt, welche Projektleistungen
intern erbracht und welche Aufgaben an externe Partner vergeben werden (vgl.
allgemein Picot, A.
1991, S. 336 ff.). Die Abstimmung von Projekt- und
Organisationsstrukturplänen ergibt eine Basis, auf der Kostenschätzmethoden
Auskunft über die zu erwartenden Projektkosten geben können, um damit in einer
Wirtschaftlichkeitsanalyse die für eine Projektfreigabe notwendigen finanziellen
Schlüsselgrößen des Projektes (Break-Even-Time, Kapitalwert etc.) zu ermitteln.
Nach der Projektfreigabe kommt dem Personalführungssystem erhöhte Bedeutung zu. Das Projektcontrolling
gewährleistet durch die Einbeziehung von Personalführungsfragen in der Projektorganisation
eine motivationswirksame Verteilung der Projektaufgaben. Beispielsweise
unterstützt es die Projektleitung dabei, die an einzelne Mitarbeiter
übertragenen Aufgaben mit deren Kompetenzen und der ihnen zugewiesenen
Verantwortung abzustimmen. Dabei sind neben fachlichen auch soziale
Überlegungen einzubeziehen. Die Projektleitung tendiert i.d.R. dazu,
Projektmitarbeiter vorrangig nach fachlichen Aspekten auszuwählen. Werden
Fragen der Sozialkompetenz, des sozialen Ranges etc. in der Projektorganisation
vernachlässigt, kann dies Ursache für spätere Konflikte sein (vgl. Krüger, A.
2001, S. 71). Auch in der Projektplanung sind Personalführungsfragen
relevant. Um eine Umsetzung der Pläne zu gewährleisten, ist ihre Überführung in
individuelle Zielvereinbarungen mit den Projektgruppen sowie in an die
Aufgabenerfüllung gekoppelte Anreiz- und Prämiensysteme notwendig (vgl. Krüger,
A./Schmolke, G./Vaupel, R. 1999, S. 103 ff.). Speziell im interkulturellen
Bereich sind hierbei eine Vielzahl von Einflussgrößen zu berücksichtigen, deren
Missachtung eine Einschränkung der Motivationswirkung zur Folge hätte (vgl. Krüger, A.
2001, S. 94 ff.). Auch Kontrollen haben stets Auswirkungen auf die
Motivation der Mitarbeiter. Je nach ihrer Gestaltung können sie den
Projektverlauf entweder blockieren oder fördern. Auch hier sind demzufolge
Personalführungsaspekte zu beachten (vgl. Küpper, H.-U.
2001, S. 255 ff.).
Zur Aufgabe des Projektcontrolling gehört schließlich die
Abstimmung des projektbezogenen Informationssystems
auf den Informationsbedarf der übrigen Führungsfunktionen. Beispielsweise sind
zur Projektplanung und -organisation Informationen über die zu jedem Zeitpunkt
für das Projekt verfügbaren, quantitativen und qualitativen Kapazitäten sowie
über deren Kosten nötig. Hier stellt häufig der Mangel an unternehmensweiten
Ressourceninformationssystemen einen Engpass bei der Kapazitätsermittlung dar.
Zudem schränken rechtliche Rahmenbedingungen die Möglichkeiten von qualitativen
Informationen über vorhandene Humanressourcen ein.
Darüber hinaus ist das Projektcontrolling maßgeblich an der
Gestaltung des internen Projektberichtswesens beteiligt. Mit dessen Hilfe
werden steuerungsrelevante Informationen im Projekt generiert und kommuniziert
(Vgl. Krüger,
A./Schmolke, G./Vaupel, R. 1999, S. 119 ff.). Das
Projektcontrolling koordiniert neben der Ermittlung von
Abweichungsinformationen auch deren Analyse sowie die Planung von geeigneten
Gegenmaßnahmen in der Projektkontrolle. Es gewährleistet durch eine geeignete
Auswahl der Kontrollkriterien und -zeitpunkte, dass die erhaltenen
Informationen steuerungsrelevant sind. Beispielsweise müssen die verfügbaren
Kontrollinformationen in ihrem Aggregationsniveau mit den Plandaten
vergleichbar sein. So erfordert eine detaillierte Kostenplanung auf
Arbeitspaketebene auch die Erhebung entsprechend detaillierter
Kontrollinformationen.
2. Koordination
innerhalb einzelner Führungsteilsysteme eines Projektes
Jede Führungsfunktion des Projektmanagements kann eine Reihe,
auf bestimmte Teilprobleme spezialisierte, Methoden und Instrumente beinhalten.
In der Projektplanung sind dies etwa Struktur- und Netzpläne zur Termin- und
Ablaufplanung, die Ressourceneinsatzplanungsinstrumente zur Kapazitätsplanung sowie
Kostenplanungsmethoden. Das effiziente Erfüllen einer Führungsfunktion
erfordert den abgestimmten Einsatz der betreffenden Methoden und Instrumente.
Zudem kommen die Führungsfunktionen im Projektverlauf auf unterschiedlichen
Ebenen eines Projektes, vom Gesamtprojekt bis hin zur Ebene einzelner
Arbeitspakete, zum Einsatz. Dies macht eine Koordination zwischen den
Projektebenen erforderlich. Einige Beispiele sollen den genannten
Koordinationsbedarf verdeutlichen.
So lässt sich bei der Koordination innerhalb der Projektplanung die Koordination zwischen
verschiedenen Teilplanungen von der Koordination zwischen verschiedenen
Planungsebenen unterscheiden. Ein Projekt verfügt über ein mehrdimensionales
Zielsystem (vgl. Litke,
H.-D./Kunow, I. 2000, S. 18). Definierte Leistungs- und
Qualitätsziele sind zu einem festgelegten Termin unter Einhaltung eines gegebenen
Projektbudgets zu erbringen. Um diese in der Regel konfliktären Ziele zu
erreichen, ist ein System von interdependenten Teilplanungen notwendig. Deren
Koordination ist eine Aufgabe des Projektcontrolling. So setzt die
Terminplanung eine Planung der Abläufe im Projekt voraus, welche zur Erstellung
der geforderten Leistungsmerkmale benötigt werden. Die Termin- und
Ablaufplanung wiederum ist ebenso wie die Planung der Projektkosten nicht ohne
eine Planung der einzusetzenden Sach- und Humanressourcen möglich. Gleichzeitig
bilden Termin- und Budgetrestriktionen wichtige Nebenbedingungen für die
Ablauf- und Ressourcenplanung. Darüber hinaus sind weitere, unterstützende
Planungen notwendig. Besonders bedeutsam sind hier die mit der Ablaufplanung
abgestimmten Qualitäts- sowie Dokumentationsplanungen (vgl. Krüger,
A./Schmolke, G./Vaupel, R. 1999, S. 96 ff. sowie 99 ff.).
Alle genannten Teilplanungen werden im Projektverlauf
schrittweise von einer Gesamtprojektebene bis auf die Planung einzelner
Arbeitspakete konkretisiert. Die Sicherstellung der Konsistenz der
Detailplanungen mit den so genannten High-Level-Plänen ist daher wichtige
Aufgabe des Projektcontrolling.
Ähnlich verhält sich der Koordinationsbedarf innerhalb der
Projektkontrolle. Deren Ziel besteht unter anderem darin, durch Vergleiche der
Ausgangsplanung mit dem Projektfortschritt etwaige Planverfehlungen zu
antizipieren. Aufgrund der beschränkten Laufzeit müssen Störungen im
Projektverlauf möglichst frühzeitig erkannt werden, um noch geeignete
Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Nur ein koordinierter Einsatz von Kosten-,
Termin- und Qualitätskontrollen liefert hierbei die benötigten,
steuerungsrelevanten Informationen. Beispielsweise ist die Information über den
Grad einer Budgetabweichung nur aussagekräftig, wenn sie durch Informationen
hinsichtlich des bereits erreichten Leistungsfortschrittes ergänzt wird. Dies
ist Kern der so genannten Earned-Value-Analysen, mithilfe derer sich
beobachtete Abweichungen in Kosten- und Leistungsabweichungen unterscheiden
lassen (vgl. Coenenberg,
A.G./Raffel, A. 1988, S. 200; Turner, R.J.
1993, S. 204).
Auch in der Projektkontrolle ist zudem die Koordination über
Projektebenen bedeutsam. Um möglichst frühzeitig etwaige Fehlentwicklungen zu
entdecken, ist die Aggregation von Kontrollinformationen von verschiedenen
Projektebenen notwendig. Dies erfordert wiederum eine Vergleichbarkeit der
unterschiedlichen Kontrollinformationen, etwa hinsichtlich Kontrollzeitpunkt
und -größen.
Die Koordination innerhalb einzelner Führungssysteme eines
Projektes ist auch für die übrigen Teilsysteme relevant, sei es bei der
Integration unterschiedlicher Informationsinstrumente oder der Abstimmung der
Projektorganisation über verschiedene Projektebenen hinweg. Zur Bewältigung all
dieser Koordinationsaufgaben stehen dem Projektcontrolling diverse Instrumente
zur Verfügung, wie sie in Abschnitt III zusammengefasst sind.
3. Multi-Projektcontrolling
Jedes Projekt greift auf knappe Unternehmensressourcen
zurück, um die gesetzten Ziele zu erreichen. Es konkurriert daher im Sinne
einer Mittelinterdependenz sowohl mit
Linienaufgaben als auch mit anderen Projekten um die benötigten Finanz-, Sach-
und Humanressourcen. Zum anderen werden die verschiedenen Projekte eines
Unternehmens ins Leben gerufen, um mit diesem Portfolio von Projekten die
Unternehmensziele zu erreichen. Projekte (und Linienaufgaben!) stehen insofern
gleichzeitig in einer Zielinterdependenz
zueinander.
Die Koordination zwischen den interdependenten Projekten und
Linienaufgaben einer Unternehmung bildet den Aufgabenschwerpunkt des
Multi-Projektcontrolling (vgl. Lachnit, L.
1994, S. 50 f.). Es umfasst zum einen die Unterstützung des Managements
bei der Gestaltung eines Projektportfolios, mit dem die operativen wie
strategischen Unternehmensziele erreicht werden können. Zum anderen wirkt das
Multi-Projektcontrolling bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen mit, welche
zu einem effizienten Projektmanagement in der Unternehmung beitragen.
In der Unternehmenspraxis ist die Funktion des
Multi-Projektcontrolling noch wenig verbreitet. Eine Ausnahme bildet der
Forschungs- und Entwicklungs- (F&E-) Bereich, in dem das F&E-Controlling
weite Teile des Multi-Projektcontrolling abbildet.
a) Koordination
innerhalb des Projektportfolios einer Unternehmung
Das Multi-Projektcontrolling ist an der Zusammensetzung des
Projektportfolios beteiligt. Dazu wirkt es beispielsweise an der Entscheidung
mit, welche Projekte in einer bestimmten Zeitperiode realisiert werden und
welche nicht. Es kann Scoring-Methoden bereitstellen, die einen Vergleich der
zur Auswahl stehenden Projekte anhand verschiedener Kriterien erlauben (vgl. Vaupel,
R./Schmolke, G./Krüger, A. 2000, S. 31 ff.). Hierbei sind
neben operativen Aspekten wie der Projektrendite auch strategische Kriterien
einzubeziehen, etwa der Beitrag eines Projektes zu den
unternehmensstrategischen Zielsetzungen (vgl. Kaplan,
R.S./Norton, P.D. 1997, S. 230). Auf diese Weise werden den
Projekten Prioritäten zugewiesen, welche neben der prinzipiellen
Projektfreigabe im späteren Verlauf den Zugriff auf kritische Budgets, Sach-
und Humanressourcen bestimmen.
Aufgrund der Unsicherheit von Projekten sind Veränderungen in
der geplanten Ressourceninanspruchnahme an der Tagesordnung. Veränderungen im
zeitlichen, qualitativen oder quantitativen Ressourcenbedarf eines Projektes
haben stets Konsequenzen für andere, mittelinterdependente Projekte und
Linienaufgaben. Die Koordination zwischen den Planungssystemen der Projekte und
der Gesamtunternehmung bildet daher einen Kern des Multi-Projektcontrolling.
Moderne Projektmanagement-Software, welche die komplexen Ziel- und
Mittelinterdependenzen zwischen den Projekten abbilden kann, stellt eine
Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Erfüllung dieser Aufgabe dar.
b) Gestaltung
von Rahmenbedingungen für ein effizientes Projektmanagement
Neben der Koordination des aktuellen Projektportfolios ist
das Multi-Projektcontrolling auch an der langfristigen Sicherstellung
geeigneter Rahmenbedingungen für ein effizientes Projektmanagement beteiligt.
Im Sinne eines organisatorischen Lernprozesses (vgl. Vahs, D.
1997, S. 276 f.) gilt es, dabei die Prozesse und Methoden des
Projektmanagements kontinuierlich zu verbessern. Hierzu müssen
Verbesserungspotenziale identifiziert und geeignete Maßnahmen abgeleitet
werden. Ein Beispiel für diesbezügliche Controlling-Instrumente bilden Metriken
zur Projekt- und Prozessmessung, systematische Erfahrungsberichte der Projektbeteiligten
und Kunden nach dem Projektabschluss (die so genannten Postmortem-Berichte)
sowie das unternehmensinterne und -übergreifende Benchmarking.
III. Instrumente des
Projektcontrolling
Zur Bewältigung seiner Aufgaben stehen dem Projektcontrolling
eine Reihe von Koordinationsinstrumenten zur Verfügung. Ein Ausschnitt daraus
ist in Tab. 1 zusammengestellt.
Das Projektcontrolling kann für seine Koordinationsaufgaben
zum einen auf Instrumente einzelner Teilsysteme des Projektmanagements
zurückgreifen. Ein Beispiel für ein solches, isoliertes Koordinationsinstrument
ist die Netzplantechnik (vgl. Küpper,
H.-U./Lüder, K./Streidtferdt, L. 1975). Mit ihrer Hilfe lassen
sich die Ablauf- und Terminplanung eines Projektes zusammenführen. In einem
Teilprojekt eingetretene Abweichungen können hinsichtlich der Auswirkungen auf
das Gesamtprojekt beurteilt werden.
Ein weiteres, bekanntes Koordinationsinstrument bildet die
(Kosten-)Meilensteintrendanalyse (vgl. Michel, R.M.
1996, S. 187 ff.). In ihr werden die für die einzelnen Meilensteine
ursprünglich geplanten Termine (und Kosten) grafisch den im Projektverlauf
vorgenommenen Plananpassungen sowie den schließlich tatsächlich erreichten
Endterminen (und Kosten) gegenübergestellt. Die Kurvenverläufe lassen Aussagen
über den Leistungsfortschritt im Projekt, über die Qualität der Ausgangsplanung
sowie über zu erwartende, zukünftige Planverfehlungen zu (vgl. Krüger,
A./Schmolke, G./Vaupel, R. 1999, S. 161 ff.).
Neben den isolierten Koordinationsinstrumenten kann das
Projektcontrolling spezielle, übergreifende Instrumente zur Koordination
einsetzen. Ein Beispiel sind projektinterne Kennzahlen-
und Zielsysteme. Sie liefern nicht nur Aussagen über den
Projektfortschritt, sondern können bei geeigneter Ausgestaltung auch zur
Umsetzung der Projektpläne in motivationswirksame Vorgaben für die
Projektmitarbeiter genutzt werden.
Speziell zur Bewältigung der komplexen Koordinationsaufgaben
in projektorientierten Unternehmen ist das Projektcontrolling heute auf moderne
EDV-Systeme angewiesen.
Beispielsweise bieten integrierte Systeme der Projektplanung und -kontrolle die
Möglichkeit der koordinierten Ressourcen-, Termin- und Kostenplanung.
Webbasierte Applikationen ermöglichen die nutzerabhängige Sichtweise auf den
Fortschritt eines Projektes, unabhängig von Standort und Zeitzone des
Anwenders. Ein Gruppenleiter erhält so automatisch die für ihn relevanten
Detail-Informationen, während der Projektleiter auf eine aggregierte
Gesamtsicht zugreifen kann. Derartige Software-Lösungen bieten ein enormes
Potenzial für die abteilungs- und standortübergreifende Zusammenarbeit in
Projektgruppen. Dennoch verlieren die Koordinationsaufgaben des
Projektcontrolling hierdurch nicht an Bedeutung. Im Gegenteil wird die
Abstimmung des Informationsangebotes mit dem Informationsbedarf immer
wichtiger. Der Fokus der Koordinationsfunktion verschiebt sich allerdings von
der Informationsbeschaffung hin zur Filterung der tatsächlich planungs- und
steuerungsrelevanten Informationen.
Tab. 1: Instrumente des Projektcontrolling (Ausschnitt)
IV. Organisation des
Projektcontrolling
Die Führungsfunktion Projektcontrolling ist nicht mit der
Organisationsform eines Projektcontrollers gleichzusetzen. Es hat sich
allerdings bewährt, Teile der besprochenen Aufgaben an hierzu geschaffene
Projektcontrolling-Stellen zu vergeben. Als Service-Einheiten übernehmen sie
die Controlling-Funktion für die verschiedenen Projekte eines
Unternehmensbereiches. In dieser projektübergreifenden Position kann das
Projektcontrolling sowohl die Koordination innerhalb einzelner Projekte
wahrnehmen als auch die Schnittstelle zur Koordination zwischen den Projekten
und der Gesamtunternehmung bilden. Als Know-how-Pool bündelt diese Stelle zudem
die Erfahrungen, welche in den einzelnen Projekten gemacht werden. Sie kann
außerdem sicherstellen, dass sich innerhalb der Unternehmung eine gemeinsame
Projektmanagement- und Controlling-Methodik etabliert, etwa einheitliche
Prozessabläufe und Projektmanagement-Instrumente. Dies erleichtert zum einen
das organisatorische Lernen, indem verschiedene Projekte vergleichbar und
konsolidierbar gemacht werden. Zum anderen beseitigt eine solche Vereinheitlichung
eine wichtige Hürde für abteilungs- und standortübergreifende Projekte (vgl. Krüger, A.
2001, S. 72 f.).
Ein einzelner Projektcontroller ist je nach der Größe der
individuellen Projekte entweder gleichzeitig für mehrere Projekte tätig oder
vollständig in ein Projekt eingebunden. Da es sich bei den beschriebenen
Aufgaben stets um zentrale Führungsaufgaben handelt, empfiehlt sich in jedem
Falle die Aufnahme des Projektcontrollers in das Kernteam des Projektes. Mit
der Ausgestaltung der fachlichen und disziplinarischen Einbindung der einzelnen
Projektcontroller können schließlich Schwerpunkte im Hinblick auf deren
Koordinationstätigkeiten gesetzt werden. Die reine Unterstellung unter den
Projektleiter besitzt ebenso wie die vollständige Unterordnung unter den Leiter
der Projektcontrolling-Einheit deutliche Nachteile (vgl. Küpper, H.-U.
2001, S. 499). Denn nur eine matrixförmige Unterstellung unter beide
Vorgesetzte stellt sicher, dass sowohl die Koordination innerhalb des Projektes
als auch die Koordination zwischen den Projekten ausreichend Gewicht erhält.
Aufgrund der Bedeutung einer über die einzelnen Projekte hinweg einheitlichen
Projektmanagement- und Controlling-Methodik bietet sich nach dem
„ dotted-line-Prinzip “ insbesondere die fachliche Unterstellung unter den Leiter
Projektcontrolling bei gleichzeitiger disziplinarischer Unterstellung unter den
jeweiligen Projektleiter an.
Literatur:
Coenenberg, Adolf
Gerhard/Raffel, Andreas : Integrierte Kosten- und Leistungsanalyse für das
Controlling von Forschungs- und Entwicklungsprojekten, in: KRP, Jg. 32, 1988,
S. 199 – 207
Deutsches Institut für
Normung (DIN), : Projektwirtschaft – Projektmanagement, Berlin 1987
Kaplan, Robert
S./Norton, David P. : Balanced Scorecard – Strategien erfolgreich umsetzen,
Stuttgart 1997
Krüger, Andreas :
Steuerung in internationalen Entwicklungsprojekten, Stuttgart 2001
Krüger,
Andreas/Schmolke, Gernot/Vaupel, Ronald : Projektmanagement als
kundenorientierte Führungskonzeption – Management mit Projekten und Management
von Projekten, Stuttgart 1999
Küpper, Hans-Ulrich :
Controlling, Stuttgart, 3. A., 2001
Küpper, Willi/Lüder,
Klaus/Streidtferdt, Lothar : Netzplantechnik, Würzburg/Wien 1975
Lachnit, Laurenz : Controllingkonzeption
für Unternehmen mit Projektleistungstätigkeit – Modell zur systemgestützten
Unternehmensführung bei auftragsgebundener Einzelfertigung, Großanlagenbau und
Dienstleistungsgroßaufträgen, München 1994
Litke,
Hans-Dieter/Kunow, Ilonka : Projektmanagement, Planegg, 2. A., 2000
Madauss, Bernd J. :
Handbuch Projektmanagement – Mit Handlungsanleitungen für Industriebetriebe,
Unternehmensberater und Behörden, Stuttgart, 6. A., 2000
Michel, Reiner M. :
Projektcontrolling und Reporting, Heidelberg/Zürich, 2. A., 1996
Mörsdorf, Maximilian :
Konzeption und Aufgaben des Projektcontrolling, Wiesbaden 1998
Picot, Arnold : Ein
neuer Ansatz zur Gestaltung der Leistungstiefe, in: ZfbF, Jg. 43, H. 4/1991, S.
336 – 357
Turner, Rodney J. : The
Handbook of Project Based Management – Improving the Processes for Achieving
Strategic Objectives, London et al. 1993
Vahs, Dietmar :
Organisation – Einführung in die Organisationstheorie und -praxis, Stuttgart
1997
Vaupel, Ronald/Schmolke,
Gernot/Krüger, Andreas : Customer-Focused Management by Projects, London 2000
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