Inhaltsübersicht
I. Gegenstand
des Anlagencontrolling
II. Notwendigkeit
und Funktionen des Anlagencontrolling
III. Instrumente
des Anlagencontrolling
I. Gegenstand des
Anlagencontrolling
Gegenstand des Anlagencontrolling als bereichsbezogenem
Controlling ist die Koordination
anlagenbezogener Führungsaufgaben. Anlagen sind ein dauerhafter, nicht beliebig
teilbarer Potenzialfaktor und stellen ein sukzessive nutzbares
Leistungspotenzial dar, das nur indirekt über ihre Abnutzung bzw. Entwertung in
die Leistungserstellung eingeht. Der Anlagenbegriff im engen
(produktionstheoretischen) Sinn ist auf materielle Gebrauchsgüter eingegrenzt
(vgl. zum Anlagenbegriff Männel, W.
1989, Sp. 42). Die Anlagenwirtschaft umfasst sämtliche technischen und
betriebswirtschaftlichen Problemstellungen, die mit dem Einsatz und der Nutzung
derartiger Sachanlagen verbunden sind. Nach dem Kriterium des
Produktionsfaktors kann sie von der Personal-, Material- und
Informationswirtschaft abgegrenzt werden. Das Investitionscontrolling
umfasst das Anlagencontrolling und deckt darüber hinaus auch Verbrauchsgüter
sowie Anlagen im weiteren (bilanztheoretischen) Sinn mit ab. Zu letzteren
gehören immaterielle Anlagen wie Informationen, Patente, Schutzrechte und
Geschäfts- oder Firmenwert sowie Finanzanlagen (Beteiligungen, Wertpapiere).
Die anlagenbezogenen Führungsaufgaben lassen sich den Führungsteilsystemen
Planung, Kontrolle, Information, Organisation und Personalführung zuordnen.
Diese Führungsteilsysteme sind für die Anlagenwirtschaft sowohl auf
strategischer als auch auf operativer Ebene durch das Anlagencontrolling zu
koordinieren.
II. Notwendigkeit und
Funktionen des Anlagencontrolling
Die Notwendigkeit zur Koordination von Führungsaufgaben
ergibt sich aus der Separierung interdependenter Entscheidungsfelder in der
Anlagenwirtschaft. Für die daraus resultierenden wechselseitigen Abhängigkeiten
ist eine Unterscheidung in zeitlich-vertikale und sachlich-horizontale
Interdependenzen zweckmäßig (vgl. dazu bereits Jacob, H.
1964, S. 502 ff.). Während sich erstere auf die
Entscheidungsverbundenheit von zeitlich vor- und nachgelagerten Entscheidungen
beziehen, betreffen letztere die Abhängigkeit gleichgeordneter
Entscheidungsprobleme. Wechselwirkungen müssen dabei nicht nur innerhalb der
Anlagenwirtschaft, sondern auch zu anderen Unternehmensbereichen berücksichtigt
werden (vgl. Männel, W.
1991, S. 196).
1. Zeitlich-vertikale
Interdependenzen
a) Phasen
im Anlagenlebenszyklus
Die im Rahmen der Anlagenwirtschaft zu treffenden
Entscheidungen lassen sich nach den Phasen des Anlagenlebenszyklus zeitlich
strukturieren (vgl. Abb. 1; zum Anlagenlebenszyklus vgl. Männel, W.
1991, S. 195; Steven,
M./Böning, M. 1999a, S. 76 ff.). In der Phase der Anlagenprojektierung werden technische
Merkmale, insbesondere Kapazität und Flexibilität des Nutzungspotenzials einer
Anlage (vgl. Steffen, R.
1993, Sp. 85 ff.) festgelegt. Die Aufgabe der Anlagenbereitstellung besteht darin, die für die
Leistungserstellung benötigten Anlagen zum richtigen Zeitpunkt, am richtigen
Ort und in der richtigen Beschaffenheit zur Verfügung zu stellen. In diese
Phase fällt insbesondere auch die Entscheidung über Eigenerstellung, Fremdbezug
oder Miete bzw. Leasing einer Anlage. Die Phase der Anlageninstallation umfasst sämtliche Aktivitäten und
Entscheidungen von der Fertigstellung bzw. Anlieferung der Anlage bis zu dem
Zeitpunkt, an dem sie für die Leistungserstellung genutzt werden kann. Hierzu
gehört die Planung der innerbetrieblichen Standorte bei standortgebundenen
Anlagen (Layoutplanung) und der Anlagenmontage. Bereitstellung und Installation
fallen in die Bauphase, die den
Zeitraum zwischen der Entscheidung für die Investition in eine bestimmte Anlage
und deren Inbetriebnahme markiert und den zeitaufwendigen Bau einer Anlage
explizit mit einbezieht (vgl. Friedl, G.
2001, S. 43 f.).
Abb. 1: Phasen und Aufgaben im Anlagenlebenszyklus
In der Nutzungsphase
wird die Anlage in der Leistungserstellung eingesetzt. Die Planung der
Leistungserstellung selbst fällt schwerpunktmäßig in den Bereich der
Produktionswirtschaft. Der Anlagenwirtschaft kommt in diesem Zusammenhang vor
allem die Aufgabe zu, die Nutzung und speziell die Kapazitätsauslastung der
Anlagen zu planen und zu kontrollieren. Für Entscheidungen werden vielfach
Informationen über die zu diesem Zeitpunkt noch beinflussbaren, d.h. noch nicht
versunkenen Anlagenkosten benötigt (vgl. Steven,
M./Böning, M. 1999a, S. 78). Parallel ist die Instandhaltung
der Anlagen zu planen und zu kontrollieren. Der Instandhaltung sind alle
Aktivitäten zuzurechnen, welche auf die Erhaltung und Wiederherstellung der
Leistungsfähigkeit von Anlagen gerichtet sind.
Ist das Ende der wirtschaftlichen Nutzungsdauer erreicht, so
werden Anlagen ausgemustert, d.h. aus dem betrieblichen
Leistungserstellungsprozess herausgenommen. Der optimale Zeitpunkt der Ausmusterung einer Anlage hängt insbesondere
auch davon ab, welche alternativen Entsorgungs- bzw. Verwertungsmöglichkeiten
offenstehen und ob die Anlage durch eine neue Anlage ersetzt werden soll (vgl. Schneider, E.
1942, S. 104 ff.). In diesem Fall liegt eine Kette interdependenter
Einzelinvestitionen vor. Dieser Zusammenhang muss bei der ursprünglichen
Investitionsentscheidung berücksichtigt werden.
Zwischen den einzelnen Phasen des Anlagenlebenszyklus besteht
eine Vielzahl von Interdependenzen. Bei den Entscheidungen über die technische
Ausgestaltung einer Anlage in der Projektierungsphase, z.B. hinsichtlich
Kapazität und Flexibilität, sowie über Eigenerstellung, Fremdbezug oder Leasing
in der Bereitstellungsphase sind bereits sämtliche erwarteten Zahlungen über
den gesamten Anlagenzyklus bzw. die gesamte Investitionskette zu
berücksichtigen. Diese Zahlungen hängen von der Nutzung, der Instandhaltung,
der Entsorgung und ggf. dem Ersatz der Anlage ab. Darüber hinaus wird auch der
optimale Investitionszeitpunkt von den Erwartungen über die zukünftige
Entwicklung bestimmt. Die Intensität der Nutzung einer Anlage hat Einfluss auf
die Instandhaltungsplanung. Für die Vorteilhaftigkeit der geplanten Nutzung
einer Anlage sind stets auch ihre alternativen Verwendungsmöglichkeiten
außerhalb der Leistungserstellung relevant. Veränderungen dieser Alternativen
können zu einer vorzeitigen oder einer hinausgeschobenen Ausmusterung der
Anlage führen. Nach der Auswahl einer bestimmten Anlage können in sämtlichen
Phasen Investitionsabbruch-, -unterbrechungs- oder -anpassungsentscheidungen
getroffen werden (vgl. Friedl, G.
2001, S. 45), die jeweils von den erwarteten, noch ausstehenden Zahlungen
des Anlagenzyklus bzw. der Investitionskette abhängen. Für die
Vorteilhaftigkeit derartiger (Um-)Entscheidungen ist u.a. die Entwicklung des
Informationsstands der Unternehmung über die relevanten Parameter maßgeblich.
b) Koordination
der kurz- und langfristigen Planungsebene
Während die oben dargestellten Entscheidungen längerfristigen
Charakter haben, ist in verschiedenen Phasen des Anlagenlebenszyklus eine Reihe
von kurzfristigen operativen Entscheidungen zu treffen. Dies gilt nicht nur für
die Nutzungsphase, sondern auch für die Bereitstellung und Installation der
Anlage (vgl. dazu Küpper, H.-U.
1992, S. 126). Operative Entscheidungen der Nutzungsphase betreffen
beispielsweise Anpassungen bei Unter- oder Überlastung der Anlage oder
Instandhaltungstätigkeiten. In der Bereitstellungs- und Installationsphase sind
aufgrund der Projektnatur dieser Phasen zahlreiche Einzelprozesse und
-aktivitäten zu planen, die häufig nur einmal auftreten. Einerseits müssen
diese operativen Einzelentscheidungen koordiniert und terminlich abgestimmt
werden. Hier können insbesondere Instrumente des Projektmanagements zur
Anwendung kommen. Andererseits besteht eine wichtige Aufgabe des
Anlagencontrolling in der Analyse der Auswirkungen kurzfristiger operativer
Entscheidungen auf das übergeordnete langfristige Ziel. So führt der Einsatz
einer Anlage in der Regel zu einer Abnutzung, die wiederum Auswirkungen auf
Instandhaltungsausgaben oder die Restlebensdauer der Anlage hat. Die
Instandhaltungsausgaben sind gleichzeitig den möglichen Vorteilen einer höheren
Verfügbarkeit und einer längeren Restlebensdauer gegenüberzustellen. Eine
fehlende terminliche Abstimmung von einzelnen Prozessen während der
Bereitstellungs- und Installationsphase kann zu einem späteren Nutzungsbeginn
der Anlage und damit verbundenen Nachteilen führen. Das Anlagencontrolling muss
diese Zusammenhänge aufdecken und geeignete Instrumente zu deren Handhabung
bereitstellen.
2. Sachlich-horizontale
Interdependenzen
a) Koordination
von Teilplanungen
Das Anlagencontrolling hat die Aufgabe, die Teilplanungen
innerhalb der Anlagenwirtschaft untereinander zu koordinieren sowie mit anderen
Teilplanungen jeweils in Hinblick auf die Ziele der Gesamtunternehmung
abzustimmen. Hierzu sind die Ziele der Anlagenwirtschaft durch das
Anlagencontrolling mit dem Zielsystem
der Unternehmung zu verknüpfen.
Innerhalb der Anlagenwirtschaft sind Investitions-,
Standort-, Produktions- und Instandhaltungsplanung zu koordinieren. Bereits mit
der Anlagenkonstruktion wird ein hoher Anteil der in späteren Phasen
anfallenden Produktions-, Instandhaltungs- und Entsorgungskosten sowie der
potenziellen Verwertungsmöglichkeiten determiniert (vgl. Männel, W.
1991, S. 196). Das Anlagencontrolling hat hier die Aufgabe, z.B. durch
den Einsatz von dynamischen Investitionsrechenverfahren
über den gesamten Anlagezyklus auf eine gesamtzieloptimale Konstruktion
hinzuwirken. Darüber hinaus sind Anlagen- und Produktentwicklung zeitlich und
inhaltlich abzustimmen. Durch Simultaneous
Engineering können hier Verbesserungen erzielt werden. Die
Standortplanung hat erheblichen Einfluss auf die späteren Logistikprozesse und
ist daher rechtzeitig mit der Logistikplanung zu verbinden. In der
Nutzungsphase sind Produktions- und Instandhaltungsplanung so zu koordinieren,
dass eine aus Sicht der Gesamtunternehmung optimale Anlagenverfügbarkeit
erreicht wird. Hierbei sind sowohl die Instandhaltungskosten als auch die
Ausfallfolgekosten zu berücksichtigen.
Bei der Anlagenprojektierung ist die Kapazität einer Anlage
so auszulegen, dass sie einerseits mit dem erwarteten Kapazitätsbedarf und
andererseits mit der Kapazität vor- und nachgelagerter Anlagen in Einklang
steht (vgl. Schwinn, R.
1979, Sp. 65 f.). Der Kapazitätsbedarf hängt seinerseits von der Absatzplanung
und der dahinter stehenden Wettbewerbsstrategie ab. Darüber hinaus ist die
Anlagenkapazität mit der Kapazität anderer Potenzialfaktoren abzustimmen (vgl. Männel, W.
1989, Sp. 43). Im Hinblick auf das Personal ist dies eine gemeinsame
Aufgabe von Anlagen- und Personalcontrolling. Diese Abstimmungen sind
entsprechend für die Flexibilität einer Anlage sicherzustellen. Bei der
Festlegung von Anlagenkapazität und -flexibilität sind die daraus
resultierenden Wirkungen auf das Verhalten von Wettbewerbern der Unternehmung
in die Entscheidung mit einzubeziehen (zur Analyse dieser Wirkungen vgl. Pedell, B.
2000, S. 94 ff.). Das Anlagencontrolling hat die Aufgabe, qualitative Strategien
und Erfolgspotenziale in messbare Kapazitäten (vgl. Küpper, H.-U.
2001, S. 454) und Flexibilitäten umzusetzen.
Investitionen in Anlagen sind stets zu einem gewissen Grad irreversibel.
Je spezifischer eine Anlage für die Unternehmung ist, desto höher ist diese
Irreversibilität (vgl. Pedell, B.
2000, S. 53 ff.). Darüber hinaus weisen Anlagen als Gebrauchsgüter zum
Teil sehr lange Nutzungsdauern auf. Je irreversibler und je langfristiger eine
Investition ist, desto größer sind ceteris paribus die mit ihr verbundenen
Risiken. Sie sind im Rahmen des Risikocontrolling
unternehmensübergreifend zu koordinieren.
b) Koordination
von Planung und Kontrolle in der Anlagenwirtschaft
Um ggf. rechtzeitig Anpassungsmaßnahmen einleiten zu können
bzw. allgemein Erkenntnisse für zukünftige Entscheidungen zu gewinnen, ist die
Planung mit der Kontrolle zu koordinieren. Dabei kann entweder die Entwicklung
von Prämissen anlagenbezogener Entscheidungen oder der Forschritt der Umsetzung
dieser Entscheidungen selbst kontrolliert werden. Werden
Investitionsentscheidungen in der Phase der Anlagennutzung kontrolliert, so
sind die anfänglichen Investitionsauszahlungen vergangen und damit nicht mehr
entscheidungsrelevant. Man sollte sich bei der Kontrolle daher auf diejenigen
Einflussgrößen des Investitionserfolgs konzentrieren, die zu diesem Zeitpunkt
noch beeinflussbar sind. Dazu gehören vor allem die Kapazitätsauslastung und
Nutzungsverluste durch Instandhaltung, Ausfall oder Umrüsten (vgl. hierzu und
zum folgenden Steven,
M./Böning, M. 1999b, S. 460). Zu diesem Zweck kann man
Kennzahlen erheben, welche die Leistungsfähigkeit und die Kosten von Anlagen
operationalisieren, Abweichungen z.B. zwischen Plan- und Istwerten ermitteln
und ggf. die dahinter liegenden Ursachen analysieren.
c) Koordination
des Informationssystems
Grundlegend für die Koordination zwischen Planung und
Kontrolle in der Anlagenwirtschaft sowie für die Abstimmung mit anderen
Teilplanungen ist die Bereitstellung der benötigten Informationen durch das
Informationssystem. Dem Anlagencontrolling kommt hier zunächst die Aufgabe zu,
eine einheitliche Datenbasis für sämtliche Teilplanungen sicherzustellen. Dies
kann mit dem Aufbau eines integrierten EDV-gestützten Informationssystems
erreicht werden. Das Anlagenberichtswesen stellt die für die verschiedenen
Teilplanungen relevanten Informationen in strukturierter und verdichteter Form
den Entscheidungsträgern zur Verfügung.
d) Einbeziehung
von Organisation und Personalführung
Daneben muss das Anlagencontrolling auch die Abstimmung mit
organisatorischen und mitarbeiterbezogenen Aspekten berücksichtigen. Dazu ist
zum einen die Frage zu beantworten, inwiefern geeignete Anreizsysteme die
Leistung bzw. den Output und den Zustand einer Anlage beeinflussen können. Zum
anderen ist zu untersuchen, ob bestimmte organisatorische Gestaltungsparameter
einen positiven Einfluss auf die Anlagennutzung haben können.
Die erste Frage ist vor allem für Anlagen mit einer hohen
Wartungsintensität wichtig. Wenn die Lebensdauer und die Wartungskosten einer
Anlage stark von deren Pflege abhängen, muss neben der Menge und der Qualität
des Outputs ein besonderes Augenmerk auf die richtige Pflege der Anlage
gerichtet werden. Aus agencytheoretischen Modellen mit multiplen Aufgaben
lassen sich qualitative Erkenntnisse für die Gestaltung geeigneter
Anreizsysteme für diesen Fall ableiten (vgl. hierzu insbesondere Holmström,
B./Milgrom, P. 1991). Die grundlegenden Überlegungen kann man
an einem einfachen Beispiel demonstrieren. Angenommen, ein Arbeiter ist sowohl
für die Pflege einer Anlage als auch für die Menge an Ausbringungsgütern, die
auf dieser Anlage erzeugt werden, verantwortlich. Eine Erhöhung der
Ausbringungsmenge und die Pflege der Anlage sind konkurrierende Ziele. Während
sich die Ausbringungsmenge unmittelbar beobachten lässt, kann der Pflegezustand
nicht ermittelt werden. Dies bedeutet, dass sich die Vergütung des Arbeiters
nur an der Ausbringungsmenge, nicht aber am Pflegezustand der Maschine
orientieren kann. Eine Vergütung, die von der Ausbringungsmenge abhängig ist
und sich mit dieser erhöht, kann damit sogar kontraproduktiv wirken. Denn diese
würde Anreize schaffen, die Pflege der Anlage zugunsten einer Erhöhung der
Ausbringungsmenge zu vernachlässigen. In diesem Fall ist es besser, auf eine
ausbringungsmengenabhängige Entlohnung zu verzichten und stattdessen eine fixe
Vergütung zu gewähren.
Eng damit verknüpft ist die Frage nach der organisatorischen
Einbindung der Anlagennutzung. So sind die oben beschriebenen Schwierigkeiten
bei der Gestaltung eines geeigneten Vergütungssystems für denjenigen, der die
Anlage bedient, vor allem in funktionalen Organisationsstrukturen relevant.
Denn hier lassen sich eigenständige Erfolgsbereiche nur schwer abgrenzen, die
es erlauben würden, den Erfolg als Maßstab für die Leistungsbeurteilung
heranzuziehen (vgl. Küpper, H.-U.
2001, S. 309). Damit können kaum Anreize für eine gesamtzieloptimale
Verhaltenssteuerung gesetzt werden. Besser gelingt dies in divisionalen
Organisationsstrukturen. Denn hier lassen sich die Handlungskonsequenzen den
Bereichen besser zurechnen. Da im Beispiel die beiden Handlungen sowohl
kurzfristige (Ausbringungsmenge) als auch langfristige (Anlagenpflege und damit
Anlagenwert) Konsequenzen haben, bietet es sich an, die Anlage mit den sie
bedienenden Mitarbeitern als Investment Center zu führen. Damit kommen die
Konsequenzen einer Pflege über die Wertsteigerung der Anlage direkt den
Verantwortlichen des Investment Centers zugute. Eine
ausbringungsmengenabhängige Vergütung kann dann zusätzliche Anreize schaffen,
ohne dass negative Folgen für die Anlagenpflege zu befürchten sind.
III. Instrumente des
Anlagencontrolling
1. Teilsysteme
der Anlagenrechnung
Die Teilsysteme der Anlagenrechnung lassen sich einerseits
nach ihrer zeitlichen Reichweite in kurz- und langfristig angelegte Rechnungen
unterteilen. Andererseits kann man gemäß Abb. 2 in Rechungen mit
wirtschaftlichen Größen und solche mit technischen Daten unterscheiden.
Ausgangspunkt für erstere ist oft die Anlagenbuchhaltung als
Dokumentationsrechnung. In dieser werden die Anlagenstammdaten verwaltet sowie
Bestände und Veränderungen der Anlagen und ihrer Werte für Handels- und
Steuerbilanz sowie für die interne Kosten- und Erlösrechnung erfasst (vgl. Steffen, R.
1993, Sp. 93).
Abb. 2: Systematisierung von Teilsystemen der Anlagenrechnung
Die Anlagenkostenrechnung dient der Kostenerfassung und
-verteilung. I.d.R. sind Abschreibungs- und Zinskosten die beiden bedeutendsten
Kostenarten im Rahmen der Anlagenkostenrechnung. Deren Höhe, die vor allem von
den anfänglichen Investitionsauszahlungen und dem gewählten
Abschreibungsverfahren abhängt, hat einen maßgeblichen Einfluss auf die
gesamten Anlagenkosten. Daher ist die Anlagenkostenrechnung für die Lösung
zahlreicher im Zusammenhang mit der Anlagenwirtschaft auftretender
Entscheidungsprobleme nur bedingt geeignet.
Einen größeren Entscheidungsbezug weisen die
Investitionsrechenverfahren auf, bei denen auch die langfristigen Wirkungen von
Entscheidungen abgebildet werden können. Über die Investitionstheoretische
Kostenrechnung (vgl. insb. Küpper, H.-U.
1985) kann eine Anknüpfung der Anlagenkostenrechnung an die
Investitionsrechnung erreicht und die Kosten aus dem langfristigen Ziel
Kapitalwert abgeleitet werden. Auch die Lebenszyklusrechnung (vgl. z.B. Troßmann, E.
1999) zielt auf eine derartige Verknüpfung ab, geht aber im Gegensatz zum
investitionstheoretischen Ansatz nicht vom langfristigen Ziel aus, sondern
versucht eine Zurechnung von vor- und nachlaufenden Kostengrößen auf die
entsprechenden Erlöse.
Neben den klassischen dynamischen Investitionsrechenverfahren
sind bei hohen Anlageinvestitionen und hoher Unsicherheit vor allem die
flexible Planung und/oder Realoptionsansätze bei Investitionsentscheidungen
einzusetzen (vgl. für derartige Rechnungen z.B. Friedl, G.
2001). Beide stellen den Wert von künftigen Handlungsmöglichkeiten in den
Vordergrund. Damit lässt sich beispielsweise die Frage beantworten, inwieweit
unter Umständen auch vorübergehend negative Deckungsbeiträge bei der
Anlagennutzung in Kauf genommen werden sollen, wenn Unsicherheit über die
weitere Entwicklung der Deckungsbeiträge besteht und eine Nutzungsunterbrechung
nicht kostenlos ist.
Sowohl die Anlagendatei als auch die Anlagenstatistik
enthalten demgegenüber eher technische Daten. Während die Anlagendatei
anlagespezifische Einzelangaben wie beispielsweise Art, Hersteller, Standort,
Leistungsmerkmale u.ä. beinhaltet, werden in Anlagenstatistiken Daten zu
Nutzungsarten, Nutzungszeiten, Nutzungsgraden, Betriebsstörungen,
Störungsursachen sowie Lebensdauerangaben für Verschleißteile festgehalten
(vgl. Steffen, R.
1993, Sp. 93).
2. Integrierte
Planungsmodelle
Für bedeutende betriebliche Entscheidungsprobleme der
Anlagenwirtschaft lassen sich integrierte Planungsmodelle einsetzen. Diese
bieten den Vorzug, dass über sie auch eine Abstimmung mit anderen betrieblichen
Teilbereichen möglich ist. In Frage kommen dabei sowohl simultane
Optimierungsmodelle, bei denen die zu planenden Tatbestände gleichzeitig
optimiert werden, als auch hierarchische Planungsmodelle. Letztere werden
beispielsweise eingesetzt, wenn in die Investitionsplanung für die Anlage
bereits eine grobe Instandhaltungsplanung miteinfließt. Die Detaillierung der
Instandhaltungsplanung erfolgt jedoch erst auf der nächsten Planungsebene.
3. Übergreifende
Instrumente des Anlagencontrolling
Vor allem bei der Eigenerstellung von Anlagen können
Instrumente des Projektcontrolling
wie die Netzplantechnik sowie Budgetierungsverfahren
zum Einsatz kommen. Darüber hinaus können z.B. auch für Instandhaltungskosten
Budgets aufgestellt werden. Damit nutzt man übergreifende
Controllinginstrumente zur Koordination und Steuerung im Anlagenbereich. Dem
dienen auch Kennzahlen, die sowohl zur Abbildung der Anlagenleistung als auch
der Anlagenkosten herangezogen werden können. Als Indikatoren für die
Anlagenleistung bietet sich die Verwendung von Mengen-, Zeit- und
Qualitätskennzahlen an (vgl. Steven,
M./Böning, M. 1999b, S. 461 ff.). Wichtige Kennzahlen im
Anlagencontrolling sind z.B. Kapazitätsauslastung, Ausfallhäufigkeit,
Ausschussanteil, Betriebsstoffverbrauch und Nutzungsgrad. Neben ihrer
Verwendung als Instrument zur Effizienzbeurteilung lassen sie sich zur
Zielvorgabe heranziehen. In diesem Fall ist eine Verknüpfung der Kennzahlen
untereinander sowie mit Gesamtunternehmenskennzahlen zu einem Kennzahlensystem
sinnvoll.
Literatur:
Friedl, Gunther :
Sequentielle Investitionsentscheidungen unter Unsicherheit, Berlin 2001
Holmström,
Bengt/Milgrom, Paul : Mulit-Task Principal Agent Analyses, in: Journal of Law
Economics and Organization, Jg. 7, 1991, S. 24 – 52
Jacob, Herbert : Neuere
Entwicklungen in der Investitionsrechnung, in: ZfB, Jg. 34, 1964, S. 487 – 507
Küpper, Hans-Ulrich :
Kapazität und Investition als Gegenstand des Investitions-Controlling, in:
Kapazitätsmessung, Kapazitätsgestaltung, Kapazitätsoptimierung – eine
betriebswirtschaftliche Kernfrage, hrsg. v. Corsten, Hans et al., Stuttgart
1992, S. 115 – 132
Küpper, Hans-Ulrich :
Investitionstheoretische Fundierung der Kostenrechnung, in: ZfbF, Jg. 37, 1985,
S. 26 – 46
Küpper, Hans-Ulrich :
Controlling. Konzeption, Aufgaben und Instrumente, Stuttgart, 3. A., 2001
Küpper, Willi : Anlagenrechnung,
in: Handwörterbuch des Rechnungswesens, hrsg. v. Chmielewicz, Klaus/Schweitzer,
Marcel, Stuttgart, 3. A., 1993b, Sp. 65 – 76
Lange, Christoph :
Anlagencontrolling, in: Handwörterbuch des Rechnungswesens, hrsg. v.
Chmielewicz, Klaus/Schweitzer, Marcel, Stuttgart, 3. A., 1993, Sp. 57 – 67
Männel, Wolfgang :
Anlagencontrolling, in: ZfB-Ergänzungsheft 3/91, 1991, S. 193 – 216
Männel, Wolfgang :
Anlagenplanung, in: Handwörterbuch der Planung, hrsg. v. Szyperski,
Norbert/Winand, Udo, Stuttgart 1989, Sp. 41 – 51
Pedell, Burkhard :
Commitment als Wettbewerbsstrategie, Berlin 2000
Schneider, Erich : Die
wirtschaftliche Lebensdauer industrieller Anlagen, in: Weltwirtschaftliches
Archiv, Jg. 55, 1942, S. 90 – 130
Schwinn, Rolf :
Anlagenwirtschaft, in: Handwörterbuch der Produktionswirtschaft, hrsg. v. Kern,
Werner, Stuttgart 1979, Sp. 62 – 70
Steffen, Reiner :
Anlagenwirtschaft, in: Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, Bd. 1, hrsg. v.
Wittmann, Waldemar et al., Stuttgart, 5. A., 1993, Sp. 84 – 96
Steven, Marion/Böning,
Markus : Entwicklung und Aufgaben eines lebenszyklusorientierten Controlling
von Produktionsanlagen, in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Jg. 28,
1999a, S. 76 – 80
Steven, Marion/Böning,
Markus : Integration von Investitionsplanung und -überwachung im Rahmen des
Anlagencontrolling, in: DBW, Jg. 59, 1999b, S. 458 – 467
Troßmann, Ernst :
Erfolgsperiodisierung in der Lebenszyklusrechnung, in: KRP-Sonderheft 3/99,
hrsg. v. Männel, Wolfgang/Küpper, Hans-Ulrich, 1999, S. 93 – 105
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