Inhaltsübersicht
I. Bedeutung
des Technologiemanagements für die strategische Unternehmensposition
II. Abgrenzung
des Begriffs „ Technologiemanagement “
III. Bausteine
des Technologiemanagements
I. Bedeutung des
Technologiemanagements für die strategische Unternehmensposition
Zahlreiche Beiträge unterstreichen die Bedeutung von
Technologien für den Erfolg von Unternehmen (Wolfrum,
Bernd 1994; Zahn, Erich
1995, S. 10; Preez, Gert
T. du/Pistorius, Carl W. I. 1999, S. 218). Sicherung und Erhalt der
technologischen Leistungsfähigkeit eines Unternehmens sind zentrale
Erfolgsfaktoren vieler Unternehmensentwicklungen. Dabei ergeben sich für das
Technologiemanagement besondere Herausforderungen: Das technologische Umfeld
ist sehr dynamisch. Z.B. nehmen die Entwicklungszeiten für technologische
Produktinnovationen zu, während gleichzeitig die durchschnittliche
Produktlebensdauer sinkt (Voigt,
Kai-Ingo 1998, S. 116 ff.). Zudem steigen die Kosten für Forschung
und Entwicklung (F&E) stetig an, und die Einführung neuer, insb. radikaler
Innovationen stößt z.T. auf Akzeptanzbarrieren (Hultink, Erik
Jan/Langerak, Fred 2000, S. 10 ff.). Technologiemanagement
beinhaltet also erhebliche Risiken. Andererseits sind Innovationen notwendig,
um den Erfolg eines Unternehmens sicherzustellen (Drucker,
Peter F. 1955, S. 35). Im Technologiemanagement bewegt sich ein
Unternehmen folglich zwischen extremen Risiken und extremen Chancen.
II. Abgrenzung des
Begriffs „ Technologiemanagement “
Trotz vieler Beiträge ist immer noch nicht abschließend
geklärt, was unter dem Begriff Technologie verstanden werden soll (Gerpott,
Torsten J. 2005, S. 54 ff.). Technologie wird hier als das Wissen
über naturwissenschaftlich-technische Ziel/Mittelbeziehungen definiert (Gerpott,
Torsten J. 2005, S. 17 f.; Specht,
Günter/Beckmann, Christoph/Amelingmeyer, Jenny 2002, S. 16 f.).
Dieses Wissen kann für die Gestaltung von Produkten (Produkttechnologien) oder
von Verfahren (Prozesstechnologien) eingesetzt werden (Mittag, Heiko
1985, S. 19 ff.; Spur, Günter
1998, S. 98). Die Gesamtheit aller Aktivitäten, die sich auf die Generierung
und Nutzung von Technologien beziehen, wird als Technologiemanagement
bezeichnet. Wir sprechen von marktorientiertem Technologiemanagement (Phillips,
Fred Y. 2001, S. 3 ff.), wenn das tendenziell dem
Resource-Based-View folgende klassische Technologiemanagement um Elemente des
Market-Based-Views erweitert wird. Damit kommt der Verwertungsperspektive eine
größere Bedeutung zu. Market-Pull-Orientierung bedeutet in diesem Zusammenhang,
dass die Bedürfnisse der Nachfrager erfasst werden (Trommsdorff,
Volker/Weber, Günter 1994, S. 56 ff.) und daraufhin der
Neuproduktentwicklungsprozess angestoßen wird (Brockhoff,
Klaus 1999, S. 131 ff.). Die neuen Technologien werden hier gezielt
zur Befriedigung expliziter Nachfragerbedürfnisse eingesetzt. Technology-Push
bedeutet dagegen, dass der Anstoß für die neue Technologie aus den
F&E-Aktivitäten erfolgt. Voraussetzung ist hier im Gegensatz zur
Market-Pull-Orientierung nicht, dass bereits konkrete Vorstellungen über
bestehende Bedürfnisse der Nachfrager vorliegen. Ggf. müssen latente
Bedürfnisse im Rahmen des Marketings geweckt werden. Ein marktorientiertes
Technologiemanagement beschränkt sich nicht ausschließlich auf die
Market-Pull-Orientierung, sondern versucht, auch bei der
Technology-Push-Orientierung durch ein aktives Controlling
schon in frühen Entwicklungsphasen den Chancen am Absatzmarkt Rechnung zu
tragen, indem Projekte mit geringen Aussichten auf Markterfolg eingestellt
werden (Hauschildt,
Jürgen 2004, S. 11).
III. Bausteine des
Technologiemanagements
Abb. 1 zeigt einen Rahmen, der die Zusammenhänge zwischen
Informations- und Handlungsentscheidungen deutlich macht (vgl. Zahn, Erich
1995, S. 16 f.).
Abb. 1: Bausteine des Technologiemanagements
Für die Technologieentscheidungen sind
Informationsentscheidungen, die auf die Darstellung der technologischen
Situation in einem Unternehmen gerichtet sind, von grundlegender Bedeutung.
Ziel ist eine Bestandsaufnahme der unternehmenseigenen Technologieposition vor
dem Hintergrund der technologischen Umwelt-, Konkurrenz- und
Unternehmensentwicklung. Entspricht der Technologiebestand nicht den
Soll-Vorstellungen, sind Technologiebeschaffungsmaßnahmen einzuleiten, die die
Lücke zum technologischen Soll-Bestand füllen müssen (Backhaus,
Klaus/Hillig, Thomas 2003, S. 125 f.). Die Technologiebeschaffung
kann durch eigene Entwicklung (intern) oder auch durch Fremdentwicklung
(extern) initiiert werden (Koruna,
Stefan M. 1998, S. 438 ff.).
Zugleich sind Entscheidungen über die Technologieverwertung
zu treffen. Als Handlungsalternativen stehen dem Technologiemanagement dabei
prinzipiell drei Alternativen offen: Aus Technologien können eigenständig
Produkte oder Prozesse entwickelt werden, die unter der Inkaufnahme des
Marktrisikos selbst vermarktet werden. Außerdem besteht die Handlungsoption,
die Rechte an der Technologieverwertung temporär zu vermarkten. Das erfolgt im
Rahmen von lizenzpolitischen Maßnahmen. Schließlich können die Rechte an der
Technologie auch verkauft werden.
1. Informationsentscheidungen
a) Technologieorientierte Umwelt- und
Konkurrenzanalyse
Im Rahmen der technologieorientierten Umweltanalyse geht es
darum, Technologieentwicklungen zu erfassen und zu bewerten. Dazu werden
Methoden der Technologiefrüherkennung und der Technologieprognose verwandt (Gerpott,
Torsten J. 2005, S. 101 ff.).
Die Technologiefrüherkennung ist als Bestandteil einer
unternehmensweiten strategischen Früherkennung zu begreifen. Im Mittelpunkt
steht die frühzeitige Bestimmung der Potenziale neuer Technologien, der Grenzen
bestehender technologischer Lösungen und der Substitutionsbeziehungen zwischen
Technologien (Specht,
Günter/Beckmann, Christoph/Amelingmeyer, Jenny 2002, S. 80 ff.).
Ziel der Technologieprognose ist es, künftige
technologiebedingte Chancen und Risiken zu bestimmen (Kern,
Werner/Schröder, Hans-Horst 1977, S. 132; Geschka,
Horst 1995, S. 628 f.). Die Technologieprognose versucht also, die
wesentlichen Ereignisse, die ein bestimmtes Technologiefeld betreffen, zu
erfassen und die Leistungsfähigkeit der verschiedenen Optionen mittels
Indikatoren greifbar zu machen. Die Akzeptanzforschung für neue Technologien
geht noch einen Schritt weiter, indem die Absatzpotenziale für die Technologie
bzw. für Produkte, die diese Technologie einsetzen, beziffert werden (Polster,
Regina 1994, S. 31 ff.).
Quantitative Verfahren
der Technologieprognose unterstellen eine begründete Vermutung über den
Zusammenhang zwischen den Bestimmungsgrößen der Technologieevolution und der
Trendform. Sie basieren auf der Annahme, dass sich die Zielgröße im Zeitverlauf
stabil verhält. Zu den quantitativen Verfahren zählen beispielsweise
Trendextrapolationen von Zeitreihendaten, Modellsimulationen oder
Kosten-Nutzen-Analysen (Gerpott,
Thorsten J. 2005, S. 110 f.; Gausemeier,
Jürgen/Ebbesmeyer, Peter/Kallmeyer, Ferdinand 2001).
Zu den qualitativen
Verfahren, die eine systematische Integration von subjektiven Informationen
(z.B. Expertenschätzungen) liefern sollen, zählen das Technologie-Roadmapping (Möhrle,
Martin G./Isenmann, Ralf 2005, S. 1 ff.), die Relevanzbaumanalyse (Badelt,
Christoph 1978, S. 126), die Szenariotechnik (Eversheim,
Walter/Breuer, Thomas/Grawatsch, Markus et al. 2003, S. 135 ff.) und
die Delphi-Methode (Cuhls,
Kerstin/Blind, Knut/Grupp, Hariolf 2002, S. 27 ff.).
Daneben existiert eine Reihe stark komplexitätsreduzierender
Modelle, die zumindest erste Anhaltspunkte über den Verlauf möglicher Trends
liefern sollen. Das S-Kurven-Konzept von McKinsey soll in erster Linie dazu
dienen, diskontinuierliche Technologiesprünge bzw. innovative
Substitutionstechnologien zu identifizieren. Dazu wird die Untersuchung
explizit auf mehrere Technologien ausgedehnt (Christensen,
Clayton M. 1992, S. 334 ff.). Eine weitere wichtige Gruppe stellen
auch die Technologielebenszyklus-Modelle dar (Dussauge,
Pierre/Hart, Stuart/Ramanantsoa, Bernard 1992, S. 78 ff.; Höft, Uwe
1992, S. 74 ff.).
Die technologieorientierte Konkurrenzanalyse (TKA) stellt die
aktuellen und potenziellen Wettbewerber in den Mittelpunkt der Betrachtungen
und deckt dabei den Teilbereich Technologie der gesamten Unternehmensumwelt ab.
Bei der TKA kann zwischen passiver, defensiver und offensiver Zielsetzung
unterschieden werden. Unter passiver
Zielsetzung wird die Beschaffung der Rahmendaten für unternehmerische
Entscheidungen verstanden, unter defensiver
die Vermeidung von negativen Überraschungen durch die Konkurrenten und unter offensiver das Aufspüren von Chancen,
aus denen sich Wettbewerbsvorteile generieren lassen (Lange,
Veronica 1994, S. 28).
b) Technologieorientierte Unternehmensanalyse
Die technologieorientierte Unternehmensanalyse bildet die
Technologieposition eines Unternehmens bzw. einzelner Geschäftsbereiche ab.
Dazu ist eine Beurteilung der internen technologischen Ressourcen und der
Zugangsmöglichkeiten zu externen technologischen Ressourcen notwendig. Die
Intensität der Analyse sollte von der Wettbewerbsrelevanz der jeweiligen
Technologie abhängen (Gerpott,
Thorsten J. 2005, S. 142 f.). Darüber hinaus muss die Bedeutung der
Technologie aus Gesamtunternehmensperspektive aufgrund des Synergiepotenzials
von Querschnittstechnologien, d.h. in verschiedenen Geschäftseinheiten
einsetzbare Technologien, berücksichtigt werden. Eine Technologieverflechtungsmatrix (auch Technologieeinflussanalyse)
dient der Bestandsaufnahme der eigenen Technologiebasis und erlaubt,
Querschnittstechnologien zu identifizieren. Es handelt sich dabei um eine
systematische Aufstellung und Zuordnung von Technologien zu einzelnen
Geschäftseinheiten (Bullinger,
Hans-Jörg 1994, S. 99).
Stärken-/Schwächen-Checklisten
sollen die Technologieposition des Unternehmens im Verhältnis zu den
wichtigsten Wettbewerbern offen legen. Bezieht sich die
Stärken-/Schwächen-Checkliste auf die gesamte Unternehmensposition, ist die
Technologie zumindest einer der abzubildenden Faktoren. Zu berücksichtigen sind
Technologiefaktoren wie Prozess- und Produkttechnologien mit Unterpunkten wie
internes und externes Know-how sowie der F&E-Aufwand im Verhältnis zur
Konkurrenz, der Patentbestand oder F&E-Kooperationsmöglichkeiten (Mauthe, Karl
D. 1984, S. 66 f.).
c) Zusammenführung von Umwelt- und
Unternehmensanalysen
Zur Ableitung von Technologiestrategien ist es notwendig, die
Ergebnisse der Umwelt-, Konkurrenz- und Unternehmensanalyse zusammenzuführen.
In der Regel werden dazu Umwelt- und Unternehmensanalyse in den Vordergrund
gestellt. Die Konkurrenzanalyse wird meist implizit berücksichtigt, indem die
relative Unternehmensposition, also die Technologieposition im Verhältnis zur
Konkurrenz, verwendet wird.
Die Zusammenführung kann über Stärken-Schwächen-Analysen und
Chancen-Risiken-Analysen, auch SWOT-Analyse genannt, erfolgen (Pleschak,
Franz/Sabisch, Helmut 1996, S. 62; Meffert,
Heribert 2000, S. 67 f.; Schneider,
Dieter J. G. 2002, S. 87 f.). Häufig geschieht die Zusammenführung
der Ergebnisse aber auch mit Hilfe von Technologieportfolios, die als stark
komplexitätsreduzierende Integration von technologischer Umwelt-, Konkurrenz-
und Unternehmensanalyse interpretiert werden können und Entscheidungshilfen
liefern sollen (Backhaus,
Klaus 2003, S. 242 ff.). Häufig dienen Technologieportfolios einer
frühzeitigen Steuerung der F&E-Aktivitäten bzw. der externen
Technologiebeschaffung, indem als Ergebnis strategische Stoßrichtungen
abgeleitet werden. Das Technologie-Portfolio von Pfeiffer beispielsweise leitet
Investitions-, Selektions- oder Desinvestitionsempfehlungen für Technologien ab
(Pfeiffer,
Werner/Dögl, Rudolf/Schneider, Walter 1989, S. 490; Pfeiffer,
Werner et al. 1991, S. 98 ff.).
Das integrierte Technologie-Markt-Portfolio von McKinsey
erlaubt es, Handlungsempfehlungen unter stärkerer Berücksichtung
absatzmarktwirksamer Einflussfaktoren zu ermitteln. Dazu werden aus einem
Marktportfolio über die beiden Dimensionen relative Marktposition und
Marktattraktivität der Faktor Marktpriorität und aus einem Technologieportfolio
über die Dimensionen relative Technologieposition und Technologieattraktivität
der Faktor Technologiepriorität abgeleitet. In dem resultierenden
Gesamtportfolio werden diese Faktoren gegenübergestellt und strategische
Handlungsempfehlungen gegeben. Bei Betrachtung von Abb. 2 wird deutlich, dass
aus reiner Marketingsicht eine bestimmte Technologie vorteilhaft erscheinen
mag, die bei Berücksichtigung der Technologiepriorität mit Vorsicht betrachtet
werden sollte (Krubasik,
Edward G. 1982, S. 30).
Abb. 2: Das Technologie-/Markt-Portfolio von McKinsey (Krubasik,
Edward G. 1982, S. 30)
2. Technologische Handlungsentscheidungen
a) Technologiebeschaffung
Prinzipiell ist es möglich, Technologien unternehmensintern
zu entwickeln oder extern zu beschaffen. Die Entscheidung für interne Lösungen
erfordert effektive und effiziente F&E-Entscheidungen bei der Ausgestaltung
des Entwicklungsprozesses und ggf. der Grundlagenforschung. Zunächst ist dabei
festzulegen, mit welcher Intensität welche F&E-Ergebnisse erzielt werden
sollen. Eng damit verbunden ist die Auswahl und Budgetierung von
F&E-Projekten. Darüber hinaus sollte ein F&E-Controlling bzw.
Innovationscontrolling aufgebaut werden und die F&E-Aktivitäten mit den
anderen Unternehmensaktivitäten koordiniert werden (Clausius,
Eike H. J. 1993, S. 73 ff.; Boutellier,
Rainer/Völker, Eugen Voit/Voigt, Eugen 1999, S. 7 ff.; Stippel,
Nicola 1999, S. 36 ff.). Problematisch ist, dass F&E-Ergebnisse
nur bedingt planbar sind und sowohl der finanzielle Mitteleinsatz als auch das
finanzielle Risiko sehr hoch sind. Aus diesem Grund müssen gerade Unternehmen
mit begrenzter finanzieller Ressourcenausstattung überlegen, inwieweit es
sinnvoll ist, alle geplanten Technologieentwicklungs-Aktivitäten selbst zu realisieren
(Beckurts,
Karl-Heinz 1983, S. 30 f.). Da für externe Technologiequellen häufig
weniger finanzielle Ressourcen benötigt werden und das Risiko je nach
Vertragsgestaltung nicht allein beim betrachteten Unternehmen verbleibt, können
Spezialisierungsvorteile genutzt werden. Inwieweit dies zutrifft, hängt jedoch
von der Art externer Technologiebeschaffung ab:
Bei der Auftragsforschung übernehmen öffentliche oder private
Institutionen bzw. Unternehmen F&E-Arbeiten für einen Auftraggeber und
stellen die Resultate anschließend dem Auftraggeber zur Verfügung. Prinzipiell
kann das Risiko beim Auftraggeber oder beim Auftragnehmer liegen, allerdings
werden in der Praxis in erster Linie Dienstverträge abgeschlossen, sodass das
Risiko beim Auftraggeber bleibt. Primäres Ziel ist es dann, das Spezialwissen
des Auftragnehmers zu nutzen (Rüdiger,
Mathias 2000, S. 15 ff.).
Eine Alternative bieten F&E-Kooperationen
(Gemünden,
Hans Georg/Ritter, Thomas 1999, S. 45 ff.; Unternehmenskooperation).
Die Bandbreite von F&E-Kooperationen
kann von einfachem Erfahrungsaustausch bis zur Ausgliederung aller
F&E-Aktivitäten in ein gemeinsames Forschungsunternehmen (Joint-Venture)
reichen (Kropeit,
Günter 1999, S. 21 ff.).
Im Rahmen der Lizenznahme
erwirbt der Käufer in der Regel ein zeitlich befristetes Nutzungsrecht an einer
Technologie. Man unterscheidet zwischen ausschließlichen Lizenzen
(Exklusivlizenzen) und einfachen Lizenzen. Bei Exklusivlizenzen darf die
Technologie nur durch einen Lizenznehmer genutzt werden, während sich der
Lizenznehmer bei der einfachen Lizenz das Nutzungsrecht gegebenenfalls mit dem
Lizenzgeber oder anderen Lizenznehmern teilen muss (Mittag, Heiko
1985, S. 225 f.). Im Gegensatz zur Lizenznahme erwirbt der Käufer beim Technologiekauf die alleinigen
Nutzungsrechte an der Technologie.
b) Technologieverwertung
Auch bei der Technologieverwertung existieren verschiedene
strategische Optionen, die hier von der alleinigen bzw. kooperativen
Eigenverwertung über Lizenzvergabe bis zum Technologieverkauf reichen (Backhaus, Klaus/Hillig,
Thomas 2003, S. 125).
Bei der Eigenverwertung
sind wiederum zwei Optionen zu unterscheiden und zwar die Umsetzung der
Technologie in marktfähige Produkte bzw. in Fertigungsverfahren. Bei neuartigen
Technologien ist die Akzeptanz der darauf basierenden innovativen
Leistungsangebote tendenziell ungewiss. Hieraus resultiert eine besondere
Herausforderung für die Marktforschung, die in der Ermittlung der
Präferenzen/Kaufbereitschaften der potenziellen Nachfrager besteht (Haseloff,
Otto Walter 1989, S. 23). Insb. bei F&E-Kooperationen neigen
Unternehmen dazu, Technologien gemeinschaftlich
zu verwerten. In der Regel wird schon im Vorfeld der Kooperation
vereinbart, wie die Technologie später zu vermarkten ist. Eine mögliche Form
der gemeinschaftlichen Technologienutzung sind Joint-Ventures. Eine weitere
Alternative stellen multilaterale Lizenzen dar, anhand derer die Zielmärkte
aufgeteilt werden können. Die Lizenzvergabe
führt auf der einen Seite zu Erlösen und zu einer Verringerung der
Marktöffnungskosten, hat aber auf der anderen Seite möglicherweise auch eine
Verschlechterung der eigenen Wettbewerbsposition zur Folge. Eine gezielte
Lizenzvergabe an Lieferanten kann einen positiven Einfluss auf die
technologische Leistungsfähigkeit des Endproduktes haben. Die Vergabe an
Abnehmer kann dazu dienen, die Erschließung des Marktes voranzutreiben (Mordhorst,
Claus F. 1994, S. 77 ff.). Im Gegensatz zur Lizenzvergabe stellt der
Technologieverkauf einen völligen
Verzicht der Nutzungsrechte dar.
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