Inhaltsübersicht
I. Rahmenbedingungen
und Gegenstand des Internationalen Marketing
II. Grundlagen
der Marktwahl
III. Basisstrategische
Entscheidungen
IV. Instrumente
des internationalen Marketing-Mix
I. Rahmenbedingungen und
Gegenstand des Internationalen Marketing
1. Weltwirtschaftliche Dynamik und
Internationales Marketing
Die fundamentalen Änderungen unternehmensrelevanter
Rahmenbedingungen, so die Verwirklichung des EU-Binnenmarktes, die EU-Osterweiterung, die zunehmende
wirtschaftliche Bedeutung Südostasiens, Tendenzen der Homogenisierung des
Verbraucherverhaltens u.a.m. unterstreichen die Bedeutung der
Internationalisierung der Unternehmenstätigkeit und somit die Rolle des
Internationalen Marketing (Liebermann,
H.-P./Zentes, J. 2001, S. 93 ff.; Zentes,
J./Swoboda, B./Morschett, D. 2004, S. 94 ff.). Ein »going
international« kann dabei aktiv erfolgen, um neue Marktpotenziale zu
erschließen, oder eher reaktiv, so in Form einer »follow-the-customer«-Strategie. Eine reaktive Vorgehensweise liegt
auch dann vor, wenn ein Unternehmen der Konkurrenz ins Ausland folgt, um
etwaige Wettbewerbsnachteile auszugleichen.
Die Aufgabe, die dem Marketing vor diesem Hintergrund zukommt,
besteht in der Beantwortung der Frage, welche Märkte zu welchem Zeitpunkt mit
welchen Produkten bzw. Leistungsprogrammen bearbeitet werden sollen. Darüber
hinaus stellt sich die Frage, Welche Form des Markteintritts bzw. welche
Betätigungsform auf den ausländischen Märkten gewählt werden soll. Als eine
übergeordnete Frage ist die Wahl der Basisoption
des Internationalen Marketing einzustufen, da davon alle unternehmerischen
Wertschöpfungsprozesse berührt werden. Sie betrifft im Wesentlichen das Ausmaß
der Differenzierung oder der Standardisierung des Marktauftritts (Zentes,
J./Swoboda, B./Schramm-Klein, H. 2006).
2. Definitionen und Abgrenzungen
Charakteristisch für das Internationale Marketing sind
einerseits grenzüberschreitende absatzmarktorientierte Aktivitäten,
andererseits länderspezifisches und länderübergreifendes Denken und Handeln.
Das Internationale Marketing umfasst neben dem reinen Waren- und
Dienstleistungsexport die Erschließung und Bearbeitung ausländischer Märkte
durch Verlagerung von Produktions- und Managementaufgaben ins Ausland mit und
ohne Direktinvestitionen unter Beachtung von Rückkoppelungen zwischen den
Märkten (Zentes,
J./Swoboda, B. 2001, S. 238). Exportmarketing
ist eine Ausprägung des Internationalen Marketing: Auslandsmärkte werden
systematisch und aktiv im Zuge von Exportaktivitäten bearbeitet (Zentes,
J./Swoboda, B. 2001, S. 156).
Als Extemausprägungen des Marktauftritts – im Sinne von
Basisoptionen – lassen sich die globale Orientierung (auch als globales
Marketing bezeichnet) und die multinationale Orientierung (auch als
multinationales Marketing bezeichnet) unterscheiden (Zentes,
J./Swoboda, B./Schramm-Klein, H. 2006). Globales Marketing bedeutet
die Bearbeitung des Weltmarktes mit hoch standardisierten Produkten und
standardisiertem Marketinginstrumentarium ohne Berücksichtigung
länderspezifischer Bedürfnisse. Multinationales Marketing dagegen nimmt eine
länderspezifische Differenzierung der Leistungsprogramme, Marketinginstrumente
und -prozesse vor.
II. Grundlagen der
Marktwahl
1. Überblick
Eine der elementaren Voraussetzungen für ein erfolgreiches
Internationales Marketing ist die Auswahl relevanter Märkte. Dabei ist neben
der Marktsegmentierung
eine branchenbezogene Konkurrenzanalyse von Bedeutung, um relative
Wettbewerbsvorteile aufzudecken. Hieran schließt sich die Marktselektion an.
Zum Verhältnis zwischen Marktsegmentierung und Marktselektion
sei angemerkt, dass deren Trennung eher analytische Gründe hat. Beide sind
interdependent und verwenden teilweise die gleichen Bewertungskriterien (z.B.
politische Stabilität, Marktpotenzial).
Eine Unterscheidung der verschiedenen
Segmentierungsmöglichkeiten kann zunächst in länderspezifische und
abnehmerspezifische Segmentierung erfolgen. Die Ländersegmentierung lässt sich
weiterhin gliedern in die eher »klassische« Makro-Segmentierung
sowie neuere Ansätze, z.B. der diffusionsbasierten Segmentierung, die eher
einer Mikro-Segmentierung zuzurechnen
sind. Die abnehmerorientierte Segmentierung kann sowohl länderspezifisch als
auch länderübergreifend (Cross
Country-Segmentierung bzw. integrale
Segmentierung) durchgeführt werden.
2. Marktsegmentierung
a) Ländersegmentierung
Die Bildung von Marktsegmenten kann grundsätzlich nach einer
Vielzahl von Kriterien erfolgen, so nach:
-
geografischen Kriterien (Klima, Topografie),
-
sozio-ökonomischen Kriterien (Bruttosozialprodukt,
Einkommensstruktur u.Ä.),
-
politisch-rechtlichen Kriterien (z.B. Steuerrecht,
Enteignungsgefahren etc.),
-
dem technologischen Entwicklungsstand (z.B.
Informations- und Kommunikationstechnologien, Verkehrswesen,
Bildungseinrichtungen etc.).
Letztlich ist das Ziel, möglichst intrahomogene und
interheterogene Ländercluster zu bilden.
Die Segmentierungsdaten (i.d.R. Sekundärdaten) weisen
allerdings oftmals Probleme der Vergleichbarkeit auf. So sind die Erhebungsmethoden
von Land zu Land oft unterschiedlich. Darüber hinaus stellt sich die Frage der
zeitlichen Stabilität der gewonnenen Daten, insbesondere bei dynamischen
Volkswirtschaften (Althans, J.
1989). Somit lässt sich ein erhebliches Validitäts- und Reliabilitätsproblem
der so gewonnenen Ländergruppen konstatieren.
Aufbauend auf dieser Kritik versuchen Ansätze statt der
Verwendung von Makrovariablen eine Ländersegmentierung auf der Basis von
Diffusionsmustern neuer Produkte vorzunehmen. Die dahinter stehende Hypothese
ist, dass Länder mit ähnlichen Diffusionsverläufen in der Vergangenheit auch
für nachfolgende Produktinnovationen einen gleichartigen Diffusionsverlauf
annehmen werden und somit zu relativ homogenen Ländergruppen zugeordnet werden
können, die dann weit gehend standardisiert bearbeitbar sind. Empirische Daten
zeigen eine signifikante Inkongruenz zwischen Makro-Segmentierung und Diffusions-Segmentierung (Helsen,
K./Jedidi, J. K./DeSarbo, W. S. 1993).
b) Abnehmerorientierte Segmentierung
Die abnehmerorientierte Segmentierung im Internationalen
Marketing, die nach den gleichen Kriterien wie die nationale Marktsegmentierung
erfolgt, zieht insbesondere soziodemografische sowie psychografische Kriterien
heran. Letztere berücksichtigen auch interkulturelle Unterschiede und
Gemeinsamkeiten (z.B. Normen, Werte, Ausbildung etc.). Dabei muss versucht
werden, entweder länderspezifische oder länderübergreifende Zielgruppen zu
identifizieren. Entscheidendes Kriterium aus Sicht eines Unternehmens ist die
Identifikation produktspezifischer Segmente in den unterschiedlichen Ländern.
Diese sollten ausreichend lukrativ, zeitlich stabil und einer Marktbearbeitung
zugänglich sein (Kale, S.
H./Sudharsan, D. 1990).
Den Vorteilen der Abnehmersegmentierung stehen hohe Kosten
entgegen. So liegen sekundärstatistische Daten, insbesondere bezüglich
psychografischer Kriterien, meist nicht vor und müssen daher primärstatistisch
erhoben werden. Die dabei auftretenden Probleme reichen von Reaktanz der
Probanden gegenüber Interviews bis zu nicht vorhandenen oder qualitativ schwer
zu beurteilenden Marktforschungsinstituten.
3. Konkurrenzanalyse
Die Konkurrenzanalyse im internationalen Kontext ist im
Wesentlichen unter zwei Gesichtspunkten von Bedeutung. Zum einen sollte
analysiert werden, ob potenzielle Länder-/Abnehmersegmente von der
Konkurrenzstruktur her gesehen Einstiegsmöglichkeiten bieten. Hierbei spielt
auch die Identifikation von Nischenmärkten eine wichtige Rolle. Auf der anderen
Seite ist ein ständiges Monitoring des Konkurrenzverhaltens sowie des möglichen
Auftritts neuer Wettbewerber oder substitutiver Produkte sinnvoll, um –
möglichst mit einem time-lead – auf sich abzeichnende Veränderungen reagieren
zu können.
Methodisch gesehen können verschiedene Verfahren, die auch im
Rahmen der strategischen Planung verwendet werden, so
Stärken-/Schwächen-Analysen, Portfolio-Analysen etc., herangezogen werden. Von
Interesse kann auch eine Expansionsanalyse sein, die auf Basis einzelner
Produkte den länderbezogenen Expansionspfad, den ein Konkurrent bisher gewählt
hat, nachzeichnet. Dahinter steht die Hypothese, dass für einzelne Wettbewerber
typische Expansionswege existieren, die somit bedingt prognostizierbar sind. Da
innovative Produkte in der Regel zunächst auf dem angestammten Markt getestet
werden, bevor sie international vermarktet werden, gewinnt die Unternehmung
Zeit, sich strategisch auf die Internationalisierung eines Konkurrenzproduktes
vorzubereiten, so durch gezieltes Besetzen von Märkten, Strategische
Allianzen oder gezielte Störaktionen (Raffée,
H./Segler, K. 1989). Des Weiteren kann es sinnvoll sein, eine Konkurrenten-Wertkettenanalyse
durchzuführen (Porter, M. E.
2000), um einerseits ein ungefähres Bild über die relative Kostenposition eines
Wettbewerbers zu erhalten, aber auch um dessen Verknüpfungen zu Abnehmern und
Lieferanten aufzudecken.
4. Marktselektion
Für die Marktselektion im Internationalen Marketing kann zum
Zwecke der Komplexitätsreduktion ein Stufenkonzept verwendet werden. Der
Selektionsprozess kann in zwei, drei oder noch mehr Stufen erfolgen (Meffert,
H./Boltz, J. 1998; Köhler,
R./Hüttemann, H. 1989), wobei eine ständige Verfeinerung der
Selektionskriterien vorgenommen wird. So werden in einer Vorauswahl aufgrund
von Plausibilitätsüberlegungen »k.o.-Kriterien« formuliert, z.B. fundamentale
politische Inkompatibilitäten (Bürgerkriege, totalitäre Staaten) oder
klimatische Bedingungen, die eine unmittelbare Einengung der untersuchten
Länder ermöglichen. In einer zweiten Phase kann dann eine Zwischenauswahl auf
Basis der schon bei der Ländersegmentierung herangezogenen Kriterien
stattfinden. Dabei sind der Umfang und die Bedeutung einzelner Kriterien sowohl
von den verfolgten Marketingzielen als auch von der in Betracht gezogenen Markteintrittsform
abhängig (Kulhavy, E.
1999). Im Falle des Exports oder kooperativer Eintrittsstrategien sind andere
Überlegungen relevant als bei der Markterschließung mittels integrativer
Eintrittsformen (Gründung von Tochtergesellschaften, Akquisitionen etc.). Die
Interdependenz zwischen Markteintrittsstrategie und Marktselektion ist
ebenfalls bei der Feinselektion von Bedeutung, die auf Basis von
Wirtschaftlichkeitsstudien eine detaillierte Analyse der verbleibenden Märkte
sowie der abnehmerspezifischen Segmente vornimmt. Dabei sind gleichermaßen die
Ergebnisse der Konkurrenzanalyse einzubeziehen, die, analog zu den Wirtschaftlichkeitsanalysen,
um eine projektive Komponente ergänzt werden müssen.
Die Methoden der Marktselektion lassen sich in analytische
(z.B. Entscheidungsbaumverfahren, Portfolio-Technik) und heuristische Verfahren
(z.B. Scoring-Modelle, Checklist-Verfahren) unterscheiden. Eine
Entschidungshilfe auf Basis heuristischer Verfahren und dem Informationsangebot
externer Datenbanken bieten Modelle der datenbankgestützten Marktselektion, die
zumeist auf Basis von Punktbewertungsverfahren arbeiten (Schneider,
D.J. G./Müller, R. U. 1989).
III. Basisstrategische
Entscheidungen
1. Standardisierung vs. Differenzierung
Die grundlegenden marketingstrategischen Entscheidungen im
Rahmen der Internationalisierung betreffen einerseits die Art der
Marktbearbeitung (im Sinne von Basisoptionen des Internationalen Marketing (Zentes,
J./Swoboda, B./Schramm-Klein, H. 2006) sowie die Positionierung,
andererseits die Art des Markteintritts bzw. die Betätigungsformen.
Die Möglichkeiten der internationalen Marktbearbeitung reichen in ihren polaren Ausprägungen von der Standardisierung von Produkten bzw.
Leistungsprogrammen bis zur Differenzierung, d.h. der lokalen Anpassung an
jeden einzelnen Ländermarkt. Dabei hat sich seit den 1980er-Jahren eine Tendenz
zur global standardisierten Marktbearbeitung entwickelt. Grundlegend für diese
Entwicklung war, so die These Levitt\'s
(Levitt, T.
1983), dass die Bedürfnisse bestimmter Zielgruppen auf dem Weltmarkt aufgrund
zunehmender psychografischer und soziodemografischer Ähnlichkeiten immer
homogener wurden. Darüber hinaus fördern neue Kommunikationstechniken (z.B.
Satellitenfernsehen), eine bessere Ausbildung und intensiverer Reiseverkehr wie
auch internationale technische Standards bei Investitionsgütern diese Tendenz.
Als Folge davon ist, so Levitt, eine weltweite Homogenisierung der Nachfrage nach bestimmten Produkten zu
verzeichnen. Mit einer Homogenisierung der Nachfrage gehen eine
Standardisierung in der Produktion (»Produktion für den Weltmarkt«), im Bereich
des Marketinginstrumentariums (z.B. »Weltkampagnen in der Werbung«)
wie auch im Bereich des Marketing-Managements
(z.B. Vereinheitlichung der Marketingplanung oder der
Informationsprozesse) einher (Zentes, J.
1992a). Als klassische Beispiele für einen stark standardisierten Marktauftritt
seien die Firmen Nintendo (Video-Spiele), Honda (Motorräder, Pkw) und Walt
Disney (Themen-Parks, Disney-Stores etc.) genannt (Terpstra,
V./Sarathy, R. 2000).
Die global standardisierte Marketingstrategie zielt darauf
ab, weltweite Integrationsvorteile durch die Nutzung von Kostensenkungs- und
Synergiepotenzialen zu realisieren. Dazu gehören die Nutzung von economies of
scale und Erfahrungskurveneffekte, die Rationalisierung unternehmensinterner
Prozesse, die Ausschöpfung des globalen Unternehmenspotenzials
(»cross-fertilization«) und sonstige Einsparungen im Zusammenhang mit der
Realisierung eines harmonisierten Marketingauftritts (Kreutzer, R.
1989).
Nachteilig für ein standardisiertes Marketing
kann sich die Nichtansprache einzelner Segmente, die geringe Flexibilität
aufgrund von Entscheidungszentralisation und die erhöhte Störanfälligkeit
gegenüber externen Faktoren erweisen.
Den Gegenpol zur Globalisierung bildet die
Lokalisierungsstrategie, bei der den spezifischen Gegebenheiten der Gastländer
Rechnung getragen wird. Die Auslandsgesellschaften bleiben bei dieser Strategie
weit gehend autonom und verfolgen länger angepasste Strategien, wobei aber auch
hier, im Vergleich zu rein national operierenden Konkurrenten, die Möglichkeit
zum Pooling finanzieller Risiken, Streuung der Forschungs- und
Entwicklungskosten und Transfer von Know-how Vorteile bringen (Roxin, J.
1992).
Empirische Untersuchungen, die teilweise auf der Basis der
PIMS-Datenbank durchgeführt wurden, bestätigen die Vorteile der
Standardisierung jedoch nicht (Samiee,
S./Roth, K. 1992; Szymanski, D.
M./Sundar, G. B./Varadarajan, P. R. 1993). Obwohl der
Standardisierung wachsende Bedeutung beigemessen wird, ist sie nicht
notwendigerweise »der optimale Ansatz« für sämtliche Märkte, Produkte und
Marketinginstrumente. Insofern ist der firmenspezifische Grad der
Standardisierung auf dem Kontinuum zwischen den beiden Polen »totale
Standardisierung« und »totale Differenzierung« bezüglich der Marketingprogramme
und -prozesse herauszufinden.
2. Markteintrittsstrategien
Die Formen des Eintritts in ausländische Märkte bzw. die
Betätigungsformen in ausländischen Märkten lassen sich nach zwei Kriterien
unterscheiden, zum einen nach dem Ort des Wertschöpfungsschwerpunktes, so in
Wertschöpfungsstrategien im Inland und Wertschöpfungsstrategien im Ausland (mit
und ohne Kapitaltransfer), zum anderen nach der Transaktionsform (vgl. Abb. 1) (Zentes, J.
1993a).
Abb. 1: Markteintrittsstrategien im Internationalen Marketing
Die Art des Markteintritts bzw. die Betätigungsformen hängen
eng mit der Form der Marktbearbeitung zusammen (Zentes,
J./Swoboda, B./Schramm-Klein, H. 2006). So ist es bei Fusionen,
Akquisitionen, Beteiligungen und Joint
Ventures tendenziell schwieriger, Programm- und Prozessstandardisierungen
durchzuführen, da hier zunächst Potenzialharmonisierungen stattfinden müssen,
die einige Zeit in Anspruch nehmen können. Export, Lizenzierung, Franchising
und die Gründung von Tochtergesellschaften bieten dagegen höhere
Standardisierungspotenziale, da hierbei der Multiplikation der eigenen
Konzeption weniger interne Widerstände entgegentreten.
IV. Instrumente des
internationalen Marketing-Mix
1. Überblick
Die Marketing-Instrumente können nach unterschiedlichen
Kriterien differenziert werden. Eine Gliederungsmöglichkeit ist die klassische
Unterscheidung in Instrumente der
-
Produktpolitik,
-
Preis- und Konditionenpolitik,
-
Kommunikationspolitik,
-
Distributionspolitik.
Die Kombination dieser Instrumentalbereiche wird als Marketing-Mix
bezeichnet (Zentes, J.
1989). Im Folgenden werden lediglich die Besonderheiten des
marketingpolitischen Instrumentariums, die für das Internationale Marketing
relevant sind, behandelt.
2. Produktpolitik
Die internationale Produktpolitik
wird wesentlich durch die strategische Basisentscheidung der Standardisierung
oder Differenzierung der Marktbearbeitung bestimmt. Für die Produktpolitik
folgt daraus Homogenität oder Heterogenität der auf unterschiedlichen Märkten
angebotenen Güter (Kulhavy, E.
1993). Dies gilt zugleich für die Verpackung sowie die Markierung als dem
wichtigsten Mittel der Produktidentifikation. Die Schutzfunktion der Verpackung
kann beispielsweise eine länderspezifische Anpassung notwendig machen, je
nachdem, ob die Produkte in gemäßigten, feuchtheißen oder kalten Klimazonen
vermarktet werden. Dies gilt gleichermaßen für Um- und Transportverpackungen.
Die Kernfragestellung im Rahmen der internationalen
Markenpolitik besteht darin, inwieweit ein Markenname weltweit verwendet werden
kann. Da dieser ein Instrument der Markentechnik ist, der sich im Laufe der
Markenentwicklung nicht oder nur selten verändert, ist ihm besondere
Aufmerksamkeit zu widmen. So sollte der Markenname in allen Sprachen leicht
aussprechbar, gut wiedererkennbar, deutlich unterscheidbar sein und auf
sämtlichen Märkten möglichst gleiche Assoziationen hervorrufen. Diese
Forderungen bringen teilweise erhebliche Probleme mit sich, z.B. für Firmen wie
Blaupunkt, bei denen sich schon europaweit Probleme mit der Aussprache und den
fehlenden assoziativen Verknüpfungen ergeben. Auch für einzelne Produkte einer
ansonsten weltweit etablierten Dachmarke
können sich negative Assoziationen ergeben. Zu denken ist hierbei an den Ford
Probe, ein sportliches Coupé der oberen Mittelklasse, dessen Name im deutschen
Sprachraum nicht gerade Vertrauen in seine Fahreigenschaften weckte. Weiterhin
sei in diesem Zusammenhang auf die unterschiedlichen Möglichkeiten des
Markenschutzes in verschiedenen Ländern hingewiesen.
Bezüglich der Markierungspolitik können auch Länderimages
eine bedeutende Rolle spielen. So beeinflusst das Landesimage das Produktimage
und bestimmt damit die Produktakzeptanz. Zu erwähnen ist der akquisitorische
Effekt des »Made in Germany«. Dieser auch als »Country-of-Origin-Effekt«
bezeichnete Sachverhalt ist allerdings eher produktspezifisch zu sehen (Autos
aus Japan und Deutschland, Mode aus Italien etc.). Inwieweit
Country-of-Origin-Effekte das Konsumentenverhalten tatsächlich beeinflussen und
ob sie stärker sind als Markeneffekte, wird kontrovers diskutiert (Terpstra,
V./Sarathy, R. 2000).
Die internationale Qualitätspolitik ist zugleich vor dem
Hintergrund national sehr unterschiedlicher Systeme der Produkthaftpflicht zu
sehen. Darüber hinaus ist gerade bei international standardisierten Produkten
eine weltweit einheitliche (Mindest-)Qualität unverzichtbar, z.B. die
Wasserqualität bei Erfrischungsgetränken (Wiezorek, H.
1993) oder die Qualität der Komponenten länderspezifischer Anbieter im
internationalen Systemgeschäft).
Die Produktpolitik im internationalen Kontext weist
gleichermaßen Besonderheiten in den Bereichen Produktinnovation und
Produktelimination auf. So gilt es, bei der internationalen Produktentwicklung
Doppelarbeiten und »reinvent the wheel«-Situationen zu vermeiden. Der
internationale Produktlebenszyklus
ermöglicht ein sequenzielles Vorgehen. Insofern kommt dem Timing in der
Produktpolitik eine wesentliche Aufgabe zu. Das Timing bezieht sich dabei auf die Wahl des geeigneten Zeitpunktes
für eine Produkteinführung bzw. eine Produktelimination in den
unterschiedlichen Märkten und schließt damit die Zeitdauer, d.h.
unterschiedliche Lebenszyklen, ein. Als Strategie der Neuprodukteinführung
lässt sich einerseits die »Wasserfall-Strategie«,
die aus einem stufenweisen Hineintasten in den Weltmarkt bzw. aus sequenzieller
Abdeckung der relevanten Märkte besteht, nennen. Andererseits wird durch das
Konzept der »Sprinkler-Strategie« die
simultane Produkteinführung auf den für die Unternehmung zentralen Märkten
realisiert (Kreutzer, R.
1989).
3. Preis- und Konditionenpolitik
Die zentralen Fragestellungen der Preis- und
Konditionenpolitik im Internationalen Marketing befassen sich mit
-
Art und Intensität der Preisdifferenzierung,
-
Liefer- und Zahlungsbedingungen sowie
-
Fragen der Preissicherung.
Bedingt durch die unterschiedliche Kaufkraft, gesetzliche
Restriktionen, z.B. Möglichkeiten der Preisbindung und Preisempfehlung,
variierende Konkurrenzstrukturen sowie unterschiedliche Kostenstrukturen in
einzelnen Ländern, ist die Preispolitik nur mit Einschränkungen global
standardisierbar (Kulhavy, E.
1993).
Determinanten, die für eine länderspezifische Preispolitik
(Preisdifferenzierung) sprechen, sind
-
die Kaufkraft einzelner Länder-/Zielgruppen und deren
Abschöpfungsmöglichkeit,
-
die Wettbewerbssituation (Monopolstellung/atomistische
Strukturen),
-
die Lieferantenstruktur,
-
interne Kostenstrukturen (z.B. Lohnkosten,
Transportkosten) und
-
gesetzliche Restriktionen wie Steuern, Abgaben,
Hygienevorschriften etc.
Entwicklungen, die einer Preisdifferenzierung entgegenstehen,
sind insbesondere die zunehmende Markttransparenz und Mobilität, die Arbitrageprozesse
sowie »graue Märkte« fördern, wenn die Transaktionskosten unter den
Preisdifferenzen liegen. Weiterhin ist anzuführen, dass zu starke
Preisdifferenzierungen den kommunikativen Marktauftritt und somit die Positionierung
gefährden können. So versuchen insbesondere Automobilhersteller, international
unterschiedliche Steuerbelastungen bestimmter Produkte durch eine
Differenzierung der Abgabepreise abzufedern (Diller, H.
1989).
Daneben übt die zunehmende Bedeutung internationaler
Handelsunternehmen und Einkaufskontore, so in der Konsumgüterwirtschaft, einen
restriktiven Einfluss auf die internationale Preisdifferenzierung aus, indem
Konditionen (die jeweils günstigsten) zu vereinheitlichen versucht werden.
Gegenstand der Konditionenpolitik
im Internationalen Marketing sind weiterhin die Gestaltung der
Zahlungskonditionen, der unter dem Aspekt des Risikomanagements besondere Bedeutung zukommt, und die Gestaltung
der Lieferkonditionen. In diesem Kontext spielen die Incoterms (Bredow,
J./Seiffert, B. 2000) eine wichtige Rolle.
Als Instrumente der Preissicherung
kommen u.a. Kurssicherungsgeschäfte, Fakturierung in heimischer Währung, aber
auch Preisgleitklauseln zur Anwendung. Darüber hinaus können für den
konzerninternen Leistungsaustausch auch Transferpreise
eingesetzt werden, die eine preisschwankungsdämpfende Wirkung haben.
4. Kommunikationspolitik
In der internationalen Kommunikationspolitik
stellt sich das Problem der Standardisierung oder Differenzierung des
Instrumentaleinsatzes in besonderer Weise. So ist der Gedanke besonders
reizvoll, teure Kampagnen weitestgehend zu standardisieren, um Kosten zu senken
bzw. auf alle Ländergesellschaften zu verteilen. Empirische Untersuchungen zur
Globalisierung der Werbung
sowie Analysen von dokumentierten Maßnahmen sind durch widersprüchliche
Ergebnisse gekennzeichnet. Dies liegt zumeist darin begründet, dass der
Globalisierungsbegriff, Grade der Globalisierung sowie Bedingungen für eine
wirksame Globalisierung der Kommunikationspolitik ungenügend operationalisiert
werden (Kroeber-Riel,
W. 1992).
Neben der politischen Struktur, insbesondere der
Gesellschaftsform, sowie der Wirtschaftsverfassung, die die Möglichkeiten
unternehmerischer Tätigkeit und damit das Marketing schlechthin prägen, ist für
die Werbung der Rechtsrahmen von Bedeutung.
Eine weitere Problematik besteht in der Relevanz der im
Rahmen der Segmentierung gebildeten Zielgruppen. Die Frage ist, ob einzelne
Werbebotschaften bei den z.B. auf psychografischer Basis ermittelten
Zielgruppen/Verhaltensclustern richtig verstanden werden, d.h., ähnliche
Assoziationen auslösen. So weichen die mit Bild- und Sprachmotiven verbundenen
(emotionalen) Assoziationen international oft erheblich voneinander ab. »Zum
Beispiel kann die regnerische Landschaft in Italien attraktive Frische und in
Irland ein unangenehmes Frösteln hervorrufen« (Kroeber-Riel,
W. 1992, S. 266).
In diesem Zusammenhang ist auch auf die herausragende Rolle
der Sprache hinzuweisen. Die Sprache als Kulturfaktor gewinnt besondere
Bedeutung in der internationalen Werbung durch die Notwendigkeit, Werbeslogans
und/oder Produktnamen zu übersetzen. Werbeslogans enthalten oft idiomatische
Wendungen, die eine sinngemäße, nicht aber wörtliche Übersetzung erforderlich
machen. Übersetzungsfehler können auf der Nichtbeachtung von Mehrdeutigkeiten,
negativen Assoziationen und symbolhaften Bedeutungen beruhen. Der Produktname
sollte in allen infrage kommenden Sprachen leicht aussprechbar sein. Besonders
hier spielen die eventuell auftretenden ungewollten Assoziationen, die durch
Wortsilben entstehen können, eine große Rolle. Die linguistischen und
phonetischen Probleme in Verbindung mit orthografischen und grammatikalischen
Eigenschaften vieler Sprachen stellen die größte Herausforderung für die
Gestaltung der Werbebotschaften internationaler Unternehmen dar, die eine
Standardisierung anstreben (Zentes, J.
1989).
Unter technisch/organisatorischen Gesichtspunkten sind
Entscheidungen bezüglich einzusetzender Werbemittel und Werbeträger zu treffen.
Dabei stellt sich die Frage nach deren genereller Verfügbarkeit sowie der
Reichweite, Kontaktintensität, Kontaktqualität etc. Die besondere Problematik liegt
dabei in der Informationsbeschaffung der relevanten Daten, insbesondere in
Entwicklungs- und Schwellenländern. Hochwertige qualitative und quantitative
werberelevante Informationen gibt es schwerpunktmäßig nur in Nordamerika und
Westeuropa.
Diese Gegebenheiten und die aufgezeigten sozioökonomischen
Faktoren begrenzen oftmals die Möglichkeiten einer weit gehenden
Standardisierung. Als Mischform – zwischen international einheitlichen und
international differenzierten Kampagnen – haben sich internationale
Dachkampagnen (prototype campaign) herausgebildet (Berekoven, L.
1985). Die Werbekampagnen werden im Sinne von Rahmenkampagnen für die
Verwendung in mehreren Märkten entwickelt. Eine Anpassung an spezifische
Gegebenheiten in den unterschiedlichen Ländern ist dabei bis zu einem gewissen
Grad möglich.
5. Distributionspolitik
Distributionspolitik
und Markteintrittsentscheidungen bzw. Betätigungsformen stehen in einem
interdependenten Verhältnis und bedingen sich gegenseitig, so bei
Vertriebs-Joint-Ventures, die zum Zweck der Nutzung des spezifischen
Vertriebs-Know-hows eines ausländischen Partners eingegangen werden.
Neben der Wahl des Markteintritts ergeben sich Besonderheiten
in der internationalen Distributionspolitik vor allem im Bereich der
Absatzwegewahl. Dabei lassen sich neben der direkten (z.B. internationale
Direktversender) und indirekten Form die folgenden Strategien unterscheiden (Meffert,
H./Bolz, J. 1998):
-
Adaption, d.h. Anpassung an die im jeweiligen Land
bestehenden Absatzwege;
-
Modifikation, d.h. Umformung vorhandener Absatzwege;
-
Innovation, d.h. Schaffung neuer Absatzwege.
Dabei muss die jeweilige Handelsstruktur, die in einzelnen
Ländern fundamental voneinander abweichen kann, in das Entscheidungskalkül
miteinbezogen werden. So unterscheiden sich z.B. die Distributionssysteme in
Frankreich, Polen und Japan bezüglich der Einzelhandelsstruktur und -qualität
fundamental. Die stark fragmentierte Groß- und Einzelhandelsstruktur in Japan
bereitet große Schwierigkeiten, den gesamten Markt abzudecken. Allerdings sind
auch die Distributionssysteme durch die zunehmende Internationalisierung des
Handels, die fortschreitende Entwicklung in Osteuropa und die Aufweichung
protektionistischer Haltungen einer zunehmenden Dynamik unterworfen, die neue
Chancen eröffnet.
Fragen der Distributionspolitik umfassen gleichfalls den
Bereich der Marketing-Logistik.
Entscheidungen im logistischen System betreffen u.a. die Transportwege und
-mittel sowie Art, Anzahl und Standorte der Waren-Bestandsläger oder
Waren-Verteilzentren (Zentes,
J./Swoboda, B. 2001). Besonderheiten im internationalen Kontext
ergeben sich hierbei durch unterschiedliche Servicegrade, Kosten und
Verfügbarkeit in einzelnen Ländern. Die nationalen Unterschiede werden u.a.
durch Steuern, Gebühren, Subventionen, gesetzliche Vorschriften verursacht.
6. Marketing-Mix
Die absatzpolitischen Instrumente, über die ein Unternehmen
verfügt, um seine marktorientierten Ziele zu erreichen, werden – in
unterschiedlicher Form – stets kombiniert eingesetzt. Die Kombination der
einzelnen absatzpolitischen Instrumente bezeichnet man als Marketing-Mix, d.h. die zu einem bestimmten Zeitpunkt bzw. für
einen bestimmten Zeitraum getroffene Festlegung der Aktivitätenniveaus der
absatzpolitischen Maßnahmen.
Im Internationalen Marketing bezieht sich das Marketing-Mix
sowohl auf länderspezifische Kombinationen der absatzpolitischen Instrumente
als auch auf länderübergreifende Instrumentalkombinationen, so bei einem
standardisierten Marktbearbeitungskonzept.
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