Inhaltsübersicht
I. Begriff
II. Formen
III. Historische
Entwicklung und Bedeutung
IV. Ziele
und Motive
V. Partnersuche
und Partnerwahl
VI. Management
von Strategischen Allianzen
VII. Probleme
des Allianzmanagements
I. Begriff
Unter einer Strategischen
Allianz (SA) soll eine formalisierte, längerfristige Beziehung zu anderen
Unternehmungen verstanden werden, die mit dem Ziel aufgenommen wird, eigene
Schwächen durch Stärkepotenziale der Allianzpartner zu kompensieren, um auf
diese Weise die Wettbewerbsposition einer Unternehmung oder einer
Unternehmungsgruppe zu sichern und langfristig zu verbessern (Sydow, J.
1992). Eine strategische Allianz ist damit eine Kooperation
im engeren Sinne, da die zusammenarbeitenden Unternehmungen rechtlich
selbstständig bleiben und die wirtschaftliche Zusammenarbeit auf einigen
Teilgebieten durch vertragliche Vereinbarungen geregelt wird. Von der
klassischen Kooperation unterscheidet sich die Strategische Allianz in erster
Linie durch ihren langfristigen und strategischen Charakter (Devlin,
G./Bleackley, M. 1988).
Strategische Allianzen stellen eine Transaktionsform dar, die
zwischen Markt und Hierarchie angesiedelt ist (Abb. 1).
Abb. 1: Transaktionsformen Markt – Kooperation – Hierarchie
(Quelle: Weder, R.
1989, S. 272)
Kooperationsstrategien in Form von Strategischen Allianzen
haben gegenüber Wettbewerbsstrategien in jüngerer Zeit insbesondere in Branchen
mit schnellem technologischen Wandel und damit verbundenen hohen
F&E-Aufwendungen, die von einzelnen Unternehmungen nicht mehr getragen
werden können, und in sog. globalen Branchen eine erhebliche praktische
Relevanz erhalten.
II. Formen
Hinsichtlich der Formen
von Allianzen kann nach den Kriterien Richtung und Ressourceneinsatz
unterschieden werden.
Nach der Richtung
kann in horizontale, vertikale oder diagonale Allianzen differenziert werden (Bühner, R.
1993). Von horizontalen Strategischen
Allianzen wird dann gesprochen, wenn die Partnerunternehmungen auf derselben
Produktionsstufe tätig sind bzw. der Gegenstand der Strategischen Allianz für
beide Partner eine horizontale Dimension hat. In einer vertikalen Strategischen Allianz findet die Zusammenarbeit zwischen
Unternehmungen unterschiedlicher Stufen derselben Wertschöpfungskette statt.
Die Zusammenarbeit ist also für den einen Partner vor- und für den anderen
nachgelagert. Eine diagonale Allianz
führt Unternehmungen unterschiedlicher Branchen zusammen. Eine solche Kooperation
ist insbesondere für jene Unternehmungen von Bedeutung, deren Märkte durch Systemgeschäfte oder technologische
Entwicklungen zusammenwachsen (Backhaus,
K./Piltz, K. 1989).
Beim Ressourceneinsatz
steht die Frage im Vordergrund, in welchem Maße die Partner Ressourcen in die
Allianz einbringen (Input) und wie mit dem von der Allianz generierten Output
verfahren werden soll Auf diese Frage gibt Abb.
2 eine Antwort.
Abb. 2: Archetypen Strategischer Allianzen (Quelle: Lorange, P./Roos,
J. 1992, S. 11)
Wenn die Partner ein Minimum an komplementären Ressourcen,
häufig auf temporärer Basis, einbringen, die an die Partner wieder
zurücktransferiert werden, dann ist eine Ad
hoc pool-Allianz gegeben. Ein Beispiel wäre die Übereinkunft von
Schiffseigentümern, die ihre Schiffe in ein zeitlich befristetes
Charterverhältnis einbringen.
Im Falle der Konsortium-Allianz sind die Partner bereit,
langfristig mehr Ressourcen als im ersten Fall zur Verfügung zu stellen; die
von der Allianz erwirtschafteten Ergebnisse fließen aber an die Partner zurück.
Ein Beispiel wäre ein F&E-Konsortium, in das die Partner ihre neueste
Technologie und ihre qualifiziertesten Forscher einbringen. Die zu erzielenden
Forschungsergebnisse fließen vollständig an die Partnerunternehmungen zurück.
Ein dritter Archetyp ist das
projektbasierte Joint Venture. In diesem Fall bringen die Partner ein
Minimum an strategischen Ressourcen ein und bilden eine gemeinsame Organisation
zum Zwecke einer gemeinsamen projektbezogenen Wertschöpfung. Die
erwirtschafteten Ressourcen fließen – mit Ausnahme der finanziellen Ergebnisse
(z.B. Dividenden, Lizenzgebühren) – nicht an die Partner zurück, sondern
verbleiben in der Allianz. Beispiel könnte die Bildung einer strategischen
Allianz in einem Exportmarkt sein, um den Markteintritt und eine schnelle
Technologiediffusion zu ermöglichen.
In einem Joint Venture
stellen beide Partner ausreichend und langfristig Ressourcen zur Verfügung, die
in der Allianz verbleiben (außer Dividenden, Lizenzgebühren). Ein Beispiel wäre
die langfristige, nicht projektbezogene Kooperation zweier Partner mit dem
Ziel, ein neues Geschäft zu entwickeln. Dieser Typ ist durch eine eigenständige
Organisation mit einer eigenen strategischen Orientierung gekennzeichnet.
III. Historische
Entwicklung und Bedeutung
Die Bedeutung von Strategischen Allianzen hat in jüngster
Zeit drastisch zugenommen. Sowohl die Daten der INSEAD-Datenbank (Doz, Y. L.
1992) als auch die Transaktionsdaten der M&A Review Database (Müller-Stewens,
G./Hillig, A. 1992) bestätigen diese Aussage.
Abb. 3 zeigt einen
deutlich ansteigenden Trend, der sich seit 1984 stetig beschleunigt. Bestimmte
Branchen, insbesondere die Elektronik-, Automobil- sowie die Luft- und
Raumfahrtindustrie sind hierbei überproportional vertreten (Doz, Y. L.
1992; Müller-Stewens,
G./Hillig, A. 1992). Dies bestätigt die verbreitete These, dass
insbesondere auf den internationalen High-Tech-Märkten die Kooperation in der
Logik der gesamten weltwirtschaftlichen Entwicklung zu liegen scheint. Diese
Märkte werden immer globaler und dynamischer; die Produktlebenszyklen werden
stetig kürzer, und immer schnellere Neuproduktentwicklungen sind notwendig.
Nach den Analysen von Doz (Doz, Y. L.
1992) sind Allianzen deutlich ein Phänomen der Triade, d.h., sie sind auf die
Regionen EG, USA und Japan konzentriert.
Abb. 3: Wachstum neuer Strategischer Allianzen (Quelle: Doz, Y. L.
1992, S. 51)
Hinsichtlich der Trends in funktionalen Bereichen ist eine
Konzentration auf Forschung und Entwicklung sowie Produktion zu beobachten,
während marketingorientierte Allianzen seltener zu finden sind. Auch hier wird
die oben formulierte Beobachtung bestätigt, dass Allianzen insbesondere in
solchen Situationen präferiert werden, in denen hohe Kosten, Risiko und
Unsicherheit sowie die Kombination von knappem Know-how eine wesentliche Rolle
spielen (Doz, Y. L.
1992).
IV. Ziele und Motive
In Theorie und Praxis werden unterschiedliche Bestimmungsgründe für die Bildung von
Strategischen Allianzen diskutiert. Aus transaktionskostentheoretischer Sicht
ist unter bestimmten Bedingungen die Kooperation
eine effizientere Form der Koordination als die Koordination über die
Hierarchie oder über den Markt. Die Transaktionskosten der Allianz (z.B.
Vertrags- und Kontrollkosten) sind dann geringer als die Transaktionskosten der
reinen Eigenerstellung der Leistungen. Der Einbezug von
Transaktionskostenüberlegungen, die vielfältige Formen annehmen können, ist
eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für die Aufnahme
kooperativer Beziehungen (Shan, W.
1990). Da die Hypothesen der Transaktionskostentheorie bezüglich der Bildung
von Allianzen nur teilweise empirisch bestätigt werden (Backhaus,
K./Meyer, M. 1993), sollen im Folgenden mehr erfahrungsgeleitete
Motivstudien näher betrachtet werden (Backhaus,
K./Meyer, M. 1993; Bertodo, R.
G. 1990; Devlin,
G./Bleackley, M. 1988; Shan, W.
1990; Jagoda, F.
1990; De Young, H.
G. 1990; Müller-Stewens,
G./Hillig, A. 1992).
In Anlehnung an Müller-Stewens/Hillig
(Müller-Stewens,
G./Hillig, A. 1992) lassen sich fünf verschiedene Motivgruppen unterscheiden (vgl. Abb. 4): das Ressourcen-, das Zeit-, das
Kosten- und das Marktmotiv sowie schwer fassbare spekulative Motive.
Abb. 4: Gestaltungsoptionen und Motive Strategischer
Allianzen (Quelle: Müller-Stewens,
G./Hillig, A.
1992, S. 79)
Ressourcenorientierte
Motive stehen dann im Vordergrund, wenn knappe eigene finanzielle oder
personelle Ressourcen z.B. für Forschung und Entwicklung der Hauptgrund für die
Suche nach Kooperationspartnern sind. Das Ressourcenmotiv spielt insbesondere
in der EDV-Industrie eine große Rolle.
Das Zeitmotiv ist
vor allem für die Produktentwicklung von großer Bedeutung. Lange
Entwicklungszeiten führen u.U. dazu, dass mehrfach Anpassungen an
fortschreitende technische Entwicklungen und Kundenwünsche vorgenommen werden
müssen, dass vorhandenes Marktpotenzial nicht ausgeschöpft werden kann und dass
ein verspäteter Markteintritt zu wesentlich niedrigeren Preisen erfolgt. Die
Vorteile zeitmotivierter Allianzen liegen also in der schnellen und effizienten
Produktentwicklung sowie Verwertung der Leistungen im Markt (Backhaus,
K./Meyer, M. 1993). Die Kooperation ermöglicht unter bestimmten
Bedingungen die Verwirklichung erheblicher Kostenvorteile. Dies kann in der
Weise geschehen, dass freie Kapazitäten besser genutzt werden und dass durch
eine konzentrierte Produktion Lern- und Erfahrungskurveneffekte realisiert
werden. Nach den Untersuchungen von Müller-Stewens/Hillig
(Müller-Stewens,
G./Hillig, A. 1992) ist das Kostenmotiv insbesondere im Stahlbau das
dominante Motiv.
Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Globalisierung der
Geschäftstätigkeit einerseits und dem zunehmenden Aufbau nationaler Barrieren
andererseits bilden strategische Allianzen häufig die einzige Möglichkeit, den
Zugang zu internationalen Märkten zu sichern. Gesucht sind in diesem Fall
solche Partner, die über geeignete Vertriebssysteme verfügen. Das Marktmotiv
ist in fast allen Branchen das dominante Motiv zur Formierung von Allianzen (Müller-Stewens,
G./Hillig, A. 1992).
Spekulative Motive,
wie z.B. die Furcht vor einer drohenden Übernahme oder der »Fit«-Test vor einer
Fusion sollen hier nicht weiter vertieft werden, da sie schwer fassbar sind.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die genannten Motive
in der Realität kaum exakt voneinander getrennt werden können. Insgesamt dienen
sie dazu, die Reagibilität der Unternehmung gegenüber Markt- und
Technologieveränderungen zu steigern und die Amortisationszeit des investierten
Kapitals zu verkürzen (Backhaus,
K./Meyer, M. 1993).
V. Partnersuche und
Partnerwahl
Allianzen entstehen entweder zufällig (»Golfplatz-Allianz«)
oder durch die systematische Suche nach einem Partner
(»Einkaufslisten-Allianz«) (Hermann, R.
1989). Bei der erstgenannten Form sind Konflikte vorprogrammiert, da kaum ein
stabiles Gefüge von gemeinsamen Interessen und sich ergänzenden Stärken
erwartet werden kann. Die systematische
Partnersuche eröffnet daher bessere Chancen, eine dauerhafte und
erfolgreiche Partnerschaft einzugehen. Bereits die Position, aus der sich eine Unternehmung auf Partnersuche begibt,
hat einen Einfluss auf den späteren Erfolg der Allianz. Wird die Partnersuche
erst dann begonnen, wenn erhebliche strategische Schwächen offenkundig geworden
sind, ist es außerordentlich schwer, starke und attraktive Partner zu gewinnen.
Die Option zur Bildung von strategischen Allianzen sollte daher möglichst früh
in die strategische Konzeption des Unternehmens einbezogen werden (Welge, M. K.
1993).
In der Literatur werden normativ zahlreiche Anhaltspunkte
formuliert, die bei der Wahl des
Kooperationspartners bedacht werden sollten. Stellvertretend für viele
soll Bleicher (Bleicher, K.
1992) genannt werden, der folgende Aspekte für bedeutsam hält:
-
Transparenz und Stabilität der Strategien;
-
Vereinbarkeit der strategischen Absichten;
-
dynamisches Ungleichgewicht;
-
keine Umarmungs- oder Übernahmegefahr;
-
Beherrschbarkeit der Komplexität von Know-how und
Managementsystemen zur Werterzeugung;
-
Verständnis für den »Modus operandi«
-
harmonisierbare Entscheidungsprozesse;
-
tolerierbares Risikoniveau;
-
Führungsstil des Managements;
-
Verständnis für kulturelle Unterschiede;
-
Verhältnis von sachlicher Qualität der Vereinbarung
zur Qualität des Partners (Seriosität);
-
Vertrauen und persönliches Engagement.
Empirische Befunde zum Zusammenhang
zwischen Partnermerkmalen und dem Erfolg von Allianzen liefert eine Studie
von Harrigan (Harrigan, K.
R. 1988). Sie untersucht neben anderen Einflussfaktoren auch die
Variablen: Partnerasymmetrie, Nationalität der Partner, Erfahrung mit
Partnerschaften und relative Größe der Partner (Harrigan, K.
R. 1988).
Hinsichtlich der Partnerasymmetrie
wurde zwischen horizontalen und vertikalen Partnerbeziehungen unterschieden. Es
zeigte sich, das horizontale Partnerschaften häufiger geschlossen wurden als
vertikale. Horizontale Allianzen wurden von den beteiligten Partnern als
erfolgreicher eingeschätzt als vertikale Allianzen. Allerdings hatten vertikale
Partnerschaften eine längere Lebensdauer als horizontale Allianzen.
Was die Nationalität
der Partner angeht, zeigte sich, dass nicht so sehr die Symmetrie der
nationalen Herkunft der Partner erfolgsbeeinflussend ist, sondern die
unternehmenskulturelle Homogenität der Partnerfirmen (Bleicher, K.
1992a). Verfügen die Partner über unterschiedliche Erfahrungen mit Allianzen, dann korreliert dies negativ mit dem
Erfolg oder, anders ausgedrückt, eine Partnerschaft ist dann erfolgreich, wenn
die Partner über ein ähnliches Erfahrungspotenzial mit Allianzen verfügen.
Die Befunde zum Einfluss der relativen Größe zeigen, dass diese Variable einen nur
unwesentlichen Erklärungsbeitrag zum Erfolg der Allianz leistet.
Insgesamt kommt Harrigan
zu dem Ergebnis, dass die oben diskutierten Partnermerkmale weniger bedeutsam
für die Wahl einer bestimmten kooperativen Strategie sind. Wichtiger erscheinen
nach ihren Beobachtungen Branchenmerkmale. Daraus folgt, dass sich
Unternehmungen weniger Gedanken machen sollten über die Eigenschaften ihrer
potenziellen Partner, sondern dass sie mehr die wettbewerbsstrategische Bedeutung von Allianzen und den geeigneten Zeitpunkt der Bildung von Allianzen in
den Mittelpunkt ihres Interesses stellen sollten.
VI. Management von
Strategischen Allianzen
1. Überblick
Für ein effizientes Management von Allianzen ist zunächst
Voraussetzung, dass die Partnerunternehmen für sich allein festlegen, was sie
von der Allianz erwarten. Danach müssen gemeinsam klare und realistische Ziele
formuliert werden. Aus der Zielformulierung leitet sich die Konzeption, d.h. die formale Gestaltung
der Zusammenarbeit ab. Darin werden die von den Partnern bereitzustellenden
personellen und materiellen Ressourcen, die Aufteilung von Risiken und
Gewinnen, die Tätigkeitsbereiche und Verantwortlichkeiten geregelt. Regelungen
für mögliche Konfliktfälle werden in der Konzeption vorweggenommen, und das
Vorgehen bei der Auflösung der Allianz wird festgelegt.
Im Folgenden sollen Teilaspekte des Allianzmanagements,
nämlich Planung und Controlling. Organisation und Personal etwas näher
beleuchtet werden (Welge, M. K.
1993).
2. Planung und Controlling
Allianzen sind häufig dadurch gekennzeichnet, dass sie sich
generelle Ziele setzen, die eher den
Charakter von unverbindlichen Absichtserklärungen haben (Blümle, E. B.
1992). Vorteilhaft daran ist, dass die Partner ihre Interessen berücksichtigt
sehen und dadurch eine grundsätzliche Einigung schnell erreicht werden kann.
Werden diese globalen Partnerschaftsziele jedoch nicht systematisch
konkretisiert, ist das Risiko des Scheiterns der Allianz hoch. Daher kommt der
Erarbeitung und Konkretisierung der Allianzziele ein zentraler Stellenwert zu.
(Blümle, E. B.
1992).
Hier entsteht ein erstes Dilemma
des Allianzmanagements. Einerseits sind klar formulierte Ziele wichtig, um ein
»Commitment« für die Partner zu schaffen. Andererseits stößt der
Zielbildungsprozess in einer frühen Phase der Allianzbildung auf
Schwierigkeiten. Es existieren Kommunikationsprobleme zwischen Managern
unterschiedlicher Firmenkulturen und unterschiedlicher nationaler Kulturen. Es
ist eine Konvergenz der Ziele anzustreben trotz Informationsasymmetrien der
Partner und möglicherweise unterschiedlicher Bewertungen zukünftiger
Entwicklungen. Schließlich besteht die Gefahr, dass Informationen bewusst
zurückgehalten werden und die Partner geneigt sind, ein opportunistisches
Verhalten an den Tag zu legen (Doz, Y. L.
1988). Entscheidend ist daher, dass es möglichst frühzeitig gelingt, ein
kooperatives Klima zu entwickeln, in dem die partizipative Entwicklung von klar
formulierten Partnerschaftszielen gedeihen kann (Blümle, E. B.
1992).
Ist dies gelungen, stellt sich das weitere Problem, die
Kooperationsziele, d.h. die erwarteten Leistungen, zu operationalisieren. Hierzu ist es notwendig, Input- und
Outputgrößen zu spezifizieren.
Auf der Inputseite
spielt vor allem der Informations- und Know-how-Transfer eine bedeutende Rolle.
Innerhalb der Allianz muss jeder Partner darauf bedacht sein,
Schlüsseltechnologien und strategisches Know-how vor dem Zugriff des Partners
zu schützen, selber aber so viel wie möglich von ihm zu lernen (Pucik, V.
1988; Westney, D.
E. 1988; Hamel, G.
1991; Henzler, H.
A. 1992). Die Partner müssen sich einerseits genügend Kenntnisse
teilen, um das Ziel des Bündnisses, Wettbewerbsvorteile gegenüber Dritten zu
erringen, zu erreichen, andererseits müssen sie verhindern, dass der andere
Partner Zugang zu den Kernkompetenzen bekommt. Ungewollter Informationstransfer
muss daher möglichst unterbunden werden.
Noch größere Probleme als die Input-Planung bereitet die Output-Planung. Einerseits lassen sich
die Partnerschaftsziele nur in Ausnahmefällen operationalisieren, andererseits
lassen sich die Wert- und Zielvorstellungen der Partner nicht aggregieren (Blümle, E. B.
1992). Daher werden subjektive Vorstellungen und Zufriedenheitsmaße der Partner
eine erhebliche Rolle spielen. Wenn aber Partnerschaftsziele als klare Zielvorgaben
nur schwer zu operationalisieren sind, ist auch eine Zielerreichungskontrolle
für die Partner nur schwer möglich. Es bleibt daher oft nur eine subjektive
Wahrnehmung und Interpretation.
3. Organisation
Die formale Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen den
Partnern wird auch als Konzeption der
Allianz bezeichnet. Nach Gahl umfasst
dies Vereinbarungen bezüglich der
-
innerhalb der Allianz eingesetzten Produktionsfaktoren
(Input),
-
Abwicklung und Steuerung der zu koordinierenden
Aktivitäten (Leistungserstellungsprozess) sowie
-
Verteilung der Ergebnisse der Zusammenarbeit (Output)
(Gahl, A.
1990).
Werden Produktionsfaktoren
im Rahmen einer Allianz eingesetzt, müssen Vereinbarungen über die
Eigentumsverhältnisse getroffen werden. Dabei können die Ressourcen entweder
gemeinsames Eigentum der Allianz werden, oder sie bleiben Eigentum der einzelnen
Partnerunternehmen.
Des Weiteren müssen Regelungen über die Steuerung von in der
Allianz ablaufenden Leistungsprozessen formuliert werden. Dies betrifft in
erster Linie die Regelung von Kompetenzen und Verantwortlichkeiten im
Managementprozess. Da aber a priori nicht alle zukünftigen Situationen
antizipiert und geregelt werden können, müssen zwangsläufig Freiräume bestehen
bleiben, die später konkretisiert und durch neue Entscheidungen ausgefüllt
werden. Dadurch kann es zu einer Politisierung von Entscheidungen kommen (Sydow, J.
1992). Diese notwendigen Folgeentscheidungen können entweder zentral durch das
Allianzmanagement getroffen werden, das mit den notwendigen Kompetenzen
ausgestattet wird, oder dezentral durch Verhandlungen der Partnerunternehmen.
Verlangt die Implementierung von Entscheidungen eine Koordination unter den
Partnern, kann wiederum auf Selbstabstimmung der betroffenen Bereiche oder auf
zentrale Entscheidungen durch das Allianzmanagement zurückgegriffen werden.
Dezentrale und zentrale Regelungen stellen die Extreme eines Regelungsprofils
dar, zwischen denen zahlreiche Abstufungsmöglichkeiten bestehen. Schließlich
muss zwischen den Partnern geklärt werden, mit welcher Intensität und durch wen
eine Kontrolle durchgeführt werden
soll. In Anbetracht der Vielzahl von strategischen Entscheidungszentren,
insbesondere in Allianznetzwerken, dürfte neben den formalen
Koordinationsmechanismen insbesondere den indirekten, informalen
Koordinationsformen eine weitaus größere Bedeutung zukommen (Sydow, J.
1992).
Schließlich sind Vereinbarungen über die Ergebnisverteilung
zu treffen. Das Spektrum reicht von der gemeinsamen Nutzung von
Wettbewerbsvorteilen bis hin zur Nutzung der Ergebnisse durch die einzelnen
Mitglieder in getrennter Form.
4. Personal
Die oben erwähnte Bedeutung informaler Koordinationsformen
deutet auf die besondere Rolle der in den Allianzen involvierten Manager hin.
Mit der Auswahl der Organisationsmitglieder werden daher die Weichen für den
Allianzerfolg gestellt. Hoch qualifizierte Mitarbeiter mit entsprechenden
kommunikativen Fähigkeiten, bei internationalen Allianzen mit entsprechenden
Sprachkenntnissen, müssten die Mitarbeit in Allianzprojekten als
karrierefördernd und nicht als »Abstellgleis« empfinden (Devlin,
G./Bleackley, M. 1988).
Die zunehmende Bedeutung von Allianznetzwerken erfordert neue
Denkansätze in der Weise, dass die Organisationsperspektive über das eigene
Unternehmen hinausreichen muss, dass die Strukturen der Zukunft polyzentrisch
sein werden und dass Flexibilität und fließende Grenzen die Struktur der
Verknüpfungen kennzeichnen. Daraus folgt, dass das Grundmodell insbesondere
internationaler Organisationen nicht mehr der Stern, sondern das Netz
sein wird.
Das Management solcher Netze erfordert eine eigene
Führungslogik, die sich an folgenden Grundsätzen orientiert (Rall, W.
1993):
-
Zielvereinbarung statt Top-down-Vorgabe;
-
Förderung der Interdependenzen zwischen den
verschiedenen Zentren;
-
flache, hierarchiearme Strukturen, um einen schnellen
Informationsaustausch sicherzustellen;
-
unternehmerische Freiheitsgrade und klar definierte
Verantwortlichkeiten;
-
gemeinsame Kultur und gegenseitiges Vertrauen;
-
die Vernetzung von Personen ist wichtiger als die
formale Netzstruktur.
VII. Probleme des
Allianzmanagements
Angesichts des Fehlens systematischer empirischer
Untersuchungen über den Erfolg oder Misserfolg von Strategischen Allianzen
einerseits und von vereinzelten Berichten über hohe Scheiterungsraten von
Allianzen andererseits soll abschließend auf einige »Stolpersteine« hingewiesen werden, die eine wichtige Rolle für den
Erfolg oder Misserfolg einer Allianz spielen:
-
Unfähigkeit, Selbstständigkeit aufzugeben;
-
Verlust der Dynamik;
-
Unfähigkeit, eine Ausrichtung auf das externe Umfeld
beizubehalten;
-
zu viel Politik in Entscheidungsprozessen;
-
Unfähigkeit zum Wandel und zur Innovation;
-
mangelnde Lernbereitschaft der Allianzpartner;
-
Unfähigkeit, die »Black box« aufzugeben;
-
fehlender kultureller Fit;
-
mangelnde Kooperationsbereitschaft der Allianzpartner.
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