Inhaltsübersicht
I. Forschungsfeld,
Begriff und Abgrenzung
II. Zugangsweisen
internationaler Personalforschung
III. Stand
der Forschung
IV. Erkenntnisse
und Grenzen
V. Ausblick
I. Forschungsfeld,
Begriff und Abgrenzung
Die ersten Forschungsarbeiten, die sich mit Themen des
Internationalen Personalmanagements beschäftigen, entstanden bereits in den
60er-Jahren des 20. Jahrhunderts. 1990 folgte die erste Monographie zum
Internationalen Personalmanagement, die von dem Australier Dowling und dem
US-Amerikaner Schuler veröffentlicht wurde. Im Mittelpunkt dieses Werkes
standen personalwirtschaftliche Probleme, die in einer multinationalen
Unternehmung dadurch entstehen, dass sie sich mit Mitarbeitern verschiedener
Nationalitäten und mit Aktivitäten an verschiedenen geographischen Standorten
auseinandersetzen muss. Diese Standorte zeichnen sich nicht nur durch eine
geringere oder größere Distanz zum Stammhaus aus, sondern sie unterliegen auch
landesspezifischen Rahmenbedingungen, die sowohl kultureller Art als auch
institutioneller Art sein können.
Diese Problemsicht, Besonderheiten personalwirtschaftlicher
Aktivitäten in multinationalen Unternehmen in den Vordergrund der Betrachtung
zu stellen, prägt auch das Begriffsverständnis des Internationalen
Personalmanagements: Lange Zeit standen das Management von Auslandsentsendungen
in multinationalen Unternehmen sowie die Anpassungsfähigkeit an fremde Kulturen
im Vordergrund der Betrachtung (vgl. z.B. die Beiträge in der 2. Auflage des
HWP). Das Forschungsfeld des Internationalen Personalmanagements ist heute
insbesondere durch drei Forschungsschwerpunkte gekennzeichnet: Das
Personalmanagement in multinationalen Unternehmen, das international
vergleichende Personalmanagement und das interkulturelle Personalmanagement
(vgl. Weber,
/Dowling, /Festing, 1999). Ziel ist es, die Besonderheiten des
Personalmanagements im Kontext landesspezifischer institutioneller und
kultureller Rahmenbedingungen zu identifizieren, zu vergleichen und zu erklären
sowie Erklärungsansätze und Hinweise für das grenzüberschreitende
Personalmanagement in international tätigen Unternehmen zu liefern. Bevor ein
Überblick über die genannten Forschungsschwerpunkte gegeben wird, folgen einige
kurze Ausführungen über grundlegende Zugangsweisen internationaler Personalforschung.
II. Zugangsweisen
internationaler Personalforschung
Zwei wichtige Zugangsweisen prägen das internationale
Management und damit auch die internationale Personalforschung: Während einige
Forscher der Überzeugung folgen, Managementwissen sei universal und
Forschungsarbeiten entsprechend darauf ausrichten, hat sich ein anderer Teil
von Wissenschaftlern zum Ziel gesetzt, kontextspezifische
Personalmanagementaktivitäten zu identifizieren. Im Folgenden werden die grundlegenden Unterschiede beider
Zugangsweisen skizziert.
Forscher, die einem \'universalistischen Paradigma\' folgen,
gehen davon aus, dass Managementwissen nicht kulturgebunden und somit
universell übertragbar ist (vgl. Brewster, 1999).
Ein Beispiel ist die Orientierung nicht-amerikanischer Länder an
US-amerikanischen Forschungsergebnissen im Bereich der Verhaltensforschung.
Beispielhaft soll hier nur die Übertragung von in den USA generierten
Erkenntnissen über individuelles Verhalten, wie z.B. motivationspsychologische
Erkenntnisse auf andere kulturelle Kontexte, genannt werden. Nach Brewster (Brewster, 1999)
dominiert das universalistische Paradigma insbesondere die US-amerikanische
Forschung. Im Wesentlichen repräsentiert es einen nomothetischen
sozialwissenschaftlichen Ansatz, d.h. theoretisch fundierte
personalwirtschaftliche Aussagensysteme werden in der Regel in deduktiver Weise
auf ihre Verallgemeinerungsfähigkeit hin überprüft. Als Beispiel führt
Brewster, die Forschung zum strategischen Personalmanagement an, in der es
darum geht, das strategische Management der Humanressourcen so zu verbessern,
dass es zum Erreichen der strategischen Unternehmensziele und somit zu höherem
Unternehmenserfolg beiträgt. Implizite Annahme dieser Forschungsarbeiten ist,
dass die Erkenntnisse nicht auf Unternehmen bestimmter Regionen begrenzt sind.
Die Stärke der Forschungsergebnisse wird darin gesehen, dass sie i.d.R.
anerkannte Theorien verwenden, die zu rigoros testbaren Hypothesen und somit
idealerweise zu Ergebnissen führen, die Prognosen über Wirkungsweisen
unternehmerischen Verhaltens ermöglichen. Ziel ist die theoretische
Weiterentwicklung der Disziplin. „ [ ? ] a disadvantage of this paradigm, perhaps
of the US research tradition in particular, is that the pressure to publish and
the restricted nature of what is acceptable has led to much careful statistical
analysis, of small-scale, often narrow, questions whose relevance to wider
theoretical and practical debates is sometimes hard to see “ (Brewster, 1999,
S. 48).
Dem universalistischen Paradigma steht das \'kontextorientierte
Paradigma\' gegenüber. Es ist durch eine idiographische Vorgehensweise
gekennzeichnet, die die Einzigartigkeit von Phänomenen in ihrem jeweiligen
Kontext fokussiert und zu erklären versucht. In der Regel wird eine induktive
Forschungsstrategie gewählt. In Bezug auf das Personalmanagement geht es darum
zu identifizieren, wie sich personalwirtschaftliche Instrumente und Strategien
in verschiedenen Kontexten unterscheiden und welches die wesentlichen
Einflussvariablen sind. Es wird explizit angenommen, dass Interessenkonflikte
im Unternehmen bestehen, die eine einheitliche Zielsetzung aller Akteure
verhindern können. Im Gegensatz zum universalistischen Paradigma sind
Interessenkonflikte der verschiedenen Stakeholder und ihre Auswirkungen zentraler
Gegenstand der Forschung. Es wird angenommen, dass die Bedeutung der
verschiedenen Stakeholder des Unternehmens historisch geprägt und/oder durch
landesspezifische Gesetzgebung entstanden ist (vgl. Brewster, 1999).
Beide hier dargestellten Zugangsweisen zur internationalen Personalforschung
sind durch unterschiedliche theoretische und methodische Ansätze gekennzeichnet
und besitzen jeweils spezifische Stärken und Schwächen. Sie sind typisch für
Arbeiten im angelsächsischen und europäischen Kontext, wobei anzumerken ist,
dass diese beiden Zugangsweisen das Feld der internationalen Personalforschung
nicht vollständig beschreiben, sondern sich in spezifischen Regionen und
Theorietraditionen durchaus weitere Zugänge entwickelt haben.
III. Stand der
Forschung
1. Personalmanagement in multinationalen
Unternehmen
Das Personalmanagement in multinationalen (internationalen)
Unternehmen stellt den wichtigsten Forschungsschwerpunkt im internationalen
Personalmanagement dar. Im Vordergrund steht das Management von
Auslandsentsendungen mit den Themen internationale Personalauswahl,
Personalentwicklung,
Entgeltpolitik,
Internationale Arbeitsbeziehungen und internationales Strategic Human Resource
Management (vgl. Weber,
/Festing, /Dowling, et al. 2001; Dowling,
/Welch, /Schuler, 1999; Mendenhall,
/Oddou, 2000):
Im Zusammenhang mit der internationalen Personalauswahl
werden z.B. Auswahlkriterien bzw. Erfolgsfaktoren für internationale
Tätigkeiten und entsprechende Auswahlverfahren wie interkulturelle Assessment
Center diskutiert. Die international orientierte Personalentwicklung
beschäftigt sich mit interkultureller Vorbereitung, internationaler Potenzial-
und Leistungsbeurteilung und/oder internationalem Karrieremanagement. Im Rahmen
der internationalen Entgeltpolitik
geht es vor allem um die Erarbeitung und Analyse von Lösungsansätzen für die
Vergütung bei Auslandsentsendungen. Diese gestaltet sich aufgrund der Vielzahl
von landesspezifischen steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen
Regelungen besonders komplex. Zunehmend spielen jedoch auch Fragen der
Vergütungssystematik auf weltweiter Ebene eine Rolle. Das Themenfeld der
internationalen Arbeitsbeziehungen wird häufig aus einer vergleichenden
Perspektive betrachtet. Dennoch sind die Erkenntnisse über die Funktionsweise
der Systeme von Arbeitsbeziehungen zentral wichtig für die Steuerung eines
global tätigen Konzerns und damit für das Personalmanagement in multinationalen
Unternehmen. Hinzu kommen Herausforderungen wie die europäische
Arbeitnehmervertretung in europäischen Betriebsräten. Über alle
personalwirtschaftlichen Funktionen hinweg beschäftigt sich das strategische
internationale Personalmanagement mit der internationalen Ausrichtung der Personalpolitik
und -strategie. Hier stellen Auslandsentsendungen lediglich einen kleinen, wenn
auch wichtigen Teilbereich dar. Vor allem wird der Einfluss verschiedener
organisationsspezifischer Variablen wie der Unternehmensstrategie, der
strategischen Rolle der Tochtergesellschaften, dem
Internationalisierungsverlauf des Unternehmens auf die Ausrichtung des
Personalmanagements untersucht. Ergebnis sind häufig Aussagen über die strategische
Gestaltung der Beziehung zwischen dem Personalmanagement im Stammhaus und in
den jeweiligen Tochtergesellschaften sowie zwischen dem Personalmanagement und
den international tätigen Mitarbeitern.
Wie die genannten Lehrbücher zeigen, liegen für die oben
skizzierten Themenfelder mittlerweile eine Reihe von Erklärungs- und
Lösungsansätzen vor. Spätestens seit den neunziger Jahren ist jedoch eine
Verstärkung der grenzüberschreitenden Unternehmenstätigkeit zu beobachten, die
unter dem Stichwort Globalisierung subsumiert wird. Sie geht mit einem
zunehmenden Bedarf nach globaler Steuerung der unternehmerischen Aktivitäten
einher, die sich auch auf das Personalmanagement auswirkt. Im Vordergrund steht
die Frage, wie das Personalmanagement gesamtunternehmerische Prozesse und
Entscheidungen im Globalisierungsprozess unterstützen kann. Dies ist vor allem
dann möglich, wenn in Unternehmen international orientierte Entscheidungsträger
in ausreichender Quantität und Qualität an denjenigen Orten, wo sie benötigt
werden, zur Verfügung stehen.
Die Besonderheit in der Abgrenzung zu einem eher national
ausgerichteten Personalmanagement liegt darin, dass einem Aspekt des
angestrebten Mitarbeiterprofils besondere Aufmerksamkeit gewidmet wird, der
internationalen Orientierung. Diese Diskussion wird in der angelsächsischen
Literatur häufig in Veröffentlichungen zum Thema Global Leadership
zusammengefasst, in der es um die Definition, die Entwicklungs- und
Einsatzmöglichkeiten von Global Leaders geht (vgl. z.B. Mendenhall,
/Kühlmann, /Stahl, 2000). Gibt es auch keine allgemein
anerkannte Definition von Global Leadership, so kann dennoch festgestellt
werden, dass das Konzept sowohl unternehmensunspezifische wie -spezifische
Fähigkeiten und Kenntnisse betrifft. Erstere umfassen eher allgemeine
Führungsqualitäten wie z.B. Durchsetzungsfähigkeit, Integrität, den Umgang mit
Unsicherheit oder Ambiguitätstoleranz. Zur unternehmensspezifischen Dimension
werden Kenntnisse des Geschäftsbereichs bzw. der Gesamtorganisation gezählt
(vgl. Festing, 2000).
Vielfach zielen Unternehmen auf die Entwicklung umfassender Kompetenzsets für
obere Führungskräfte
ab. Diese Zielgruppe ist besonders wichtig, da sie an internationalen
Schnittstellen des Unternehmens einen besonderen Einfluss auf die Gestaltung
des unternehmerischen Globalisierungsprozesses besitzt. An diesen Kompetenzsets
orientieren sich dann weitere Bündel personalwirtschaftlicher Maßnahmen: So
bilden sie die Grundlage für die Entwicklung von Managementnachwuchskräften im
Rahmen der Karriereplanung, für die Leistungs- und Potenzialbeurteilungssysteme
und damit auch für die Entgeltfindung. Ein wesentliches Ziel multinationaler
Unternehmen ist es, durch die Gestaltung von an Kompetenzen orientierten
personalwirtschaftlichen Instrumenten den Globalisierungsprozess besser steuern
zu können (vgl. Evans,
/Pucik, /Barsoux, 2002).
Eine weitere Implikation der Globalisierung ist neben dem
Streben nach Internationalisierung des Top Managements auch die zunehmende
kulturelle Vielfalt aller anderen Mitarbeitergruppen in Unternehmen. Die
hieraus resultierenden Anforderungen an das Management von Diversität sind in
den USA vor allem aufgrund der dortigen rechtlichen Rahmenbedingungen bereits ein
etabliertes Thema in der Praxis und haben zu einer Reihe von wissenschaftlichen
Auseinandersetzungen geführt (vgl. z.B. Williams,
/O\'Reilly, 1998). Der Diversity-Management-Begriff umfasst
neben kultureller Vielfalt auch die Frage der Gleichstellung der Geschlechter
und den Schutz weiterer Minderheiten, die jedoch in diesem Beitrag nicht im
Vordergrund der Betrachtung stehen. Auch Unternehmen in der Europäischen Union
werden sich dem Thema Diversity Management bald stärker stellen müssen. Zwei
EU-Richtlinien verschieben die Beweislast für die Gleichbehandlung vom
Diskriminierten auf den beschuldigten Diskriminierenden. Die Implementierung
dieser Richtlinien in die jeweilige nationale Gesetzgebung ist für das Jahr
2003 vorgeschrieben. Zwar ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem
Thema Diversity Management in Europa noch nicht in dem gleichen Ausmaß erfolgt
wie in den USA, dennoch zeichnet sich ein zunehmendes Interesse ab: Waren in
einem Sonderheft der Zeitschrift Personalführung 1999 alle angegebenen Quellen
US-amerikanischen Ursprungs, so sind in den folgenden Jahren eine Reihe von
Projekten in der Forschung wie in der unternehmerischen Praxis entstanden bzw.
initiiert worden, die diese Lücke schließen sollen (vgl. z.B. Wagner,
/Sepheri, 2000). Ziel des Diversity Managements ist die
Verbesserung der Integration diverser Mitarbeitergruppen im Unternehmen. Zur
Zeit fehlen jedoch noch theoretisch fundierte Ansätze zur Erklärung der
Wirkungsweise von Diversity Management und – insbesondere in Deutschland –
umfassendes empirisches Datenmaterial zur Praxis des Diversity Managements.
Ein weiteres Thema, das im Zusammenhang mit Diversity
Management und internationalem Personalmanagement Beachtung findet, ist die Situation
von Frauen im internationalen Management. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der
Anteil weiblicher entsandter Arbeitnehmer
im Jahr 2002 in US-amerikanischen und europäischen Unternehmen bei 11%, in
asiatischen Ländern bei 7% lag (vgl. PriceWaterhouseCoopers,
2002). Diese Zahlen belegen im Vergleich zu Untersuchungen aus
den achtziger Jahren (vgl. z.B. Adler, 1984)
eine erhebliche Zunahme weiblicher entsandter Mitarbeiter, auch wenn hier im
Zusammenhang mit Diversity Management das Personalmanagement sicherlich noch
gefordert ist, weitere Unterstützungsmaßnahmen zu etablieren.
Die Globalisierung hat zu der Forderung geführt,
internationale Personalmanagementaktivitäten stärker aus einer
General-Management-Perspektive zu betrachten: „ Strategic management becomes a
process that involves all key leaders around the world, and local managers need
to have a global mind-set. The role of people in central staff positions,
including corporate HR, is not to solve their problems for them, for this would
be incompatible with needs for local autonomy. Instead, central staff must act
as network leaders, getting people together to face up to common problems “ (Evans,
/Pucik, /Barsoux, 2002, S. 84).
2. International komparatives
Personalmanagement
Die international vergleichende Personalforschung leistet
einen wichtigen Beitrag zur Identifikation und zum Verständnis
unterschiedlicher personalwirtschaftlicher Praktiken in verschiedenen Ländern.
In den meisten Publikationen, die diesem Forschungsschwerpunkt zugeordnet
werden, wird eine kontextorientierte Perspektive verfolgt. Es geht um die
Beschreibung von Personalmanagementpraktiken innerhalb von Ländern und
Kulturen, ihren Vergleich und die Erklärung möglicher Unterschiede zwischen
Ländern und Kulturen.
Neben einer Reihe von Arbeiten, die sich auf einzelne
Themenfelder des Personalmanagements oder auf einen Vergleich einer kleinen
Zahl von Ländern beziehen, sind vor allem zwei umfangreiche Projekte der international
vergleichenden Personalforschung
zu nennen, die durch grenzüberschreitende Forschungskooperationen den Vergleich
von Personalmanagementpraktiken in einer Vielzahl von Ländern und Regionen
ermöglichen. Dies sind das „ Cranfield Project on Strategic International Human
Resource Management “ (Cranet.org) und das „ Consortium on Best International
Human Resource Management Practices “ (Glinow, von, 2002).
Das Cranfield Project war zunächst europaweit angelegt,
mittlerweile ist ein Netzwerk aus Partnern in 34 Ländern der Welt entstanden.
Im Rahmen dieses Forschungsprojektes werden anhand eines bis auf
länderspezifische Elemente identischen Fragebogens grundsätzliche Trends in der
Struktur und Politik des Personalwesens, der Personalbeschaffung, der
Personalentwicklungsplanung, der Vergütung und in den Arbeitsbeziehungen
erhoben und vergleichend analysiert (vgl. Weber,
/Kabst, 2001). Dadurch, dass seit 1990 bereits fünf
Erhebungswellen in regelmäßigen Abständen erfolgt sind, ermöglichen die
Ergebnisse nicht nur länderspezifische Vergleiche, sondern auch die
Identifikation von Veränderungen und Trends im Zeitverlauf (vgl. z.B. Mayne,
/Tregaskis, /Brewster, 2000).
Das „ Best International Human Resource Management Practices
Project “ ist ebenfalls ein Zusammenschluss von Forschern, die eine
vergleichende Untersuchung personalwirtschaftlicher Aktivitäten in mittlerweile
40 Ländern per Fragebogen durchführen oder durchgeführt haben. Hierbei geht es
nicht nur darum, den Ist-Zustand zu identifizieren, sondern auch einen
Soll-Zustand zu erfragen. Das Ziel des Best-Practices-Projektes ist es zu
identifizieren, ob Personalpraktiken kontextfrei, kontextspezifisch oder
kontextabhängig sind (vgl. Geringer,
/Frayne, /Milliman, 2002, S. 8). So zeigt sich z.B. im Rahmen
der Kompensation, dass manche individualistisch geprägten Länder wie die USA
oder Kanada erstaunlich geringe Mittelwerte einer anreizorientierten Entgeltpolitik
aufweisen. Dagegen zeichnen sich universelle Trends ab für die Verwendung von
Benefits, die Berücksichtigung individueller Leistungen im Gegensatz zur
Gruppenleistung oder Gesamtleistung des Unternehmens und eine zurückgehende
Bedeutung von Seniorität (vgl. Glinow, von,
/Drost, /Teagarden, 2002). Ähnliche Ergebnisse liegen auch für
weitere personalwirtschaftliche Aufgabenbereiche vor (vgl. Glinow, von, 2002).
Zur theoretischen Fundierung international vergleichender Personalforschung
sind in der jüngsten Vergangenheit mehrfach institutionelle Theorien
herangezogen worden (vgl. z.B. Wächter,
/Müller-Camen, /Tempel, et al. 2002). Hierbei handelt es sich nicht
um ein in sich geschlossenes theoretisches Gedankengebäude, sondern um eine
Vielzahl von Ansätzen. Im Vordergrund der Analyse steht die Interpretation der
personalwirtschaftlichen Praktiken im Kontext regional- oder landesspezifischer
Institutionen. Vor dem Hintergrund dieses Ansatzes analysierte z.B. Whitley (Whitley, 1992)
europäische Managementsysteme.
3. Interkulturelles Personalmanagement
Interkulturelles Personalmanagement befasst sich mit der
Analyse menschlichen Verhaltens in Organisationen im internationalen und damit
interkulturellen Kontext. Grundsätzlich wird das Ziel verfolgt,
Organisationsverhalten und Personalmanagement in ihrem jeweiligen kulturellen
Kontext zu beschreiben, diesbezügliche Vergleiche zwischen Ländern anzustellen
und zu Erklärungen und Verbesserungen der Interaktion zwischen Arbeitnehmern,
Kunden, Zulieferern oder Kooperationspartnern aus unterschiedlichen Ländern und
Kulturen beizutragen. Interkulturelles Personalmanagement stellt in der
deutschsprachig veröffentlichten Forschung im Gegensatz zur US-amerikanischen
Forschung zahlenmäßig keinen Schwerpunkt internationaler Personalforschung dar.
Die ersten Beiträge, die diesem Forschungsansatz zuzurechnen
sind, entstanden in den frühen sechziger Jahren. Anlass für die Beschäftigung
mit interkulturellen Themen waren die zunehmende internationale Verflechtung
der Weltwirtschaft und die daraus resultierenden Probleme für das Management,
die sich sowohl im Umgang mit Mitarbeitern als auch in den Beziehungen zu
Kunden und Zulieferern in verschiedenen Gastländern ergaben. Die teilweise
unerwarteten Konflikte sowie die in manchen Fällen geringe Effizienz der
Auslandsaktivitäten ließen Zweifel an der These aufkommen, nationales
Managementwissen sei auf andere Länder und Kulturen übertragbar. Damit handelt
es sich auch bei dieser Forschungsrichtung um einen kontextorientierten Ansatz.
Das interkulturelle Personalmanagement greift auf
grundlegende Erkenntnisse der interkulturellen Vergleichsforschung zurück. Dies
gilt insbesondere für die Definition des Kulturbegriffs und die Ergebnisse von
kulturvergleichenden Managementstudien. Die Tatsache, dass Kluckhohn, / und
Strodtbeck, bereits in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts über 160
Kulturdefinitionen zusammentrugen, zeigt, wie vielfältig sich die
Konzeptionalisierung dieses Begriffes und des Konstruktes gestaltet. Auch bei
der Erfassung von Kultur können mehrere Zugänge identifiziert werden. Während
z.B. Hofstede (Hofstede, 2001)
typische Merkmale von Kulturen analytisch erfasst und in entsprechende
Instrumente für den Umgang mit diesen Phänomenen umformt, plädieren andere
Forscher für dichte Beschreibungen von Kultur (vgl. z.B. Hansen, 2000).
Wird Kultur analytisch erfasst, indem z.B. die in der Hofstede-Studie
statistisch ermittelten Kulturdimensionen Machtdistanz, Individualismus vs.
Kollektivismus, Maskulinität vs. Feminität und Unsicherheitsvermeidung bzw. die
konfuzianische Dimension zur Beschreibung und zum Vergleich von Kulturen
herangezogen werden (vgl. Hofstede, 2001),
so ist dies zwangsläufig mit einem Informationsverlust verbunden. Diesem
Vorwurf begegnen dichte Beschreibungen von Kultur; sie bergen jedoch den
Nachteil, dass sie weniger greifbar sind und Implikationen für das
Personalmanagement insbesondere bei Mehrländervergleichen weniger systematisch
abgeleitet werden können.
Aufbauend auf grundlegenden Erkenntnissen der interkulturellen
Vergleichsforschung sind zwei Forschungsschwerpunkte charakteristisch für das
interkulturelle Personalmanagement: Ein Schwerpunkt widmet sich den
Auswirkungen der Kultur auf das Verhalten, ein zweiter beschäftigt sich mit den
Implikationen kultureller Unterschiede auf personalwirtschaftliche
Handlungsfelder. Steht die Analyse des Verhaltens im Vordergrund, so werden
Aspekte interkulturellen Führungsverhaltens (Führungsmodelle;
Führungsstil
und Führungserfolg; Führungstheorien),
interkultureller Motivation, Kommunikation, Entscheidungsfindung,
Verhandlungstechnik oder Gruppenbildung diskutiert. Bei den
personalwirtschaftlichen Handlungsfeldern ist ein enger Bezug zu den oben
skizzierten Problemen und Erkenntnissen des Personalmanagements in
multinationalen Unternehmen zu erkennen. Hier geht es um Themen wie
internationale Personalauswahl,
internationales Karrieremanagement, Grundlagen und Training interkultureller
Kompetenz (Kompetenz und
Kompetenzmanagement; Trainingsmethoden), internationale Personalentwicklung,
Management interkultureller Teams, die gesamte Entsendungsproblematik von der
Vorbereitung für das Zielland bis zur Wiedereingliederung in das Heimatland,
bei denen jeweils die kulturellen Einflussfaktoren im Mittelpunkt der
Betrachtung stehen (vgl. Bergemann,
/Sourisseaux, 2003; Adler, 2001).
Das interkulturelle Personalmanagement fokussiert bisher
primär das Verhalten der Organisationsteilnehmer und damit die Mikroebene des
Unternehmens. Es leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis
organisationalen Handelns. Makroaspekte der Organisation werden jedoch häufig
vernachlässigt. So finden Unternehmensstrategie oder Organisationsstruktur nur
selten Berücksichtigung (vgl. z.B. Welge,
/Holtbrügge, 2003). Als problematisch werden bei manchen
Beiträgen dieser Forschungsrichtung eine mangelnde theoretische Fundierung des
interkulturellen Managements sowie die methodischen Schwächen bei der
Durchführung empirischer Untersuchungen erachtet. Diese beiden Aspekte waren
häufig Ursachen für widersprüchliche Forschungsergebnisse und führten zu
heftiger Kritik an diesem Forschungsfeld. Vor allem die Verwendung des
Konstrukts Kultur als Sammelbegriff oder Residualvariable, die zu Beginn einer
Untersuchung nicht oder nur unzureichend definiert bzw. operationalisiert wird,
bei der Auswertung jedoch als unabhängige Variable für die Erklärung der
Variation in den Managementpraktiken zwischen verschiedenen Ländern
herangezogen wird, stand im Mittelpunkt der Kritik (vgl. z.B. Neghandi, 1983).
IV. Erkenntnisse und
Grenzen
Aus einer theoretisch-inhaltlichen
Perspektive stellte Laurent (Laurent, 1986)
Mitte der achtziger Jahre fest, dass das Internationale Personalmanagement noch
in den Kinderschuhen steckte. Dies rechtfertigte explorative Studien und
deskriptive Arbeiten, die zunächst einmal der Beschreibung des
Untersuchungsfeldes dienten und somit einen wichtigen Entwicklungsschritt
darstellten. Die Ausführungen zum Stand der Forschung deuten jedoch an, dass
das Gebiet des Internationalen Personalmanagements allmählich aus den
Kinderschuhen herauswächst und sich verstärkt auch explikativen Fragestellungen
widmet. In vielen Arbeiten wurde erkannt, dass ohne die systematische
Berücksichtigung des jeweiligen landesspezifischen, kulturellen und
organisatorischen Kontextes keine Empfehlungen für die effiziente Lösung
personalwirtschaftlicher Probleme im internationalen Kontext gegeben werden
können. Solche Fragestellungen erfordern das Herausarbeiten von
Gesetzmäßigkeiten, die Variationen in den organisationalen Handlungen erklären
können. Dies gilt für beide Zugangsweisen internationaler Personalforschung,
den kontextorientierten und den universalistischen Ansatz gleichermaßen, auch
wenn sich die Vorgehensweise jeweils unterschiedlich gestaltet.
In methodischer
Hinsicht steht das Internationale Personalmanagement genau wie die
grenzüberschreitende Forschung in anderen betriebswirtschaftlichen Disziplinen
vor großen Herausforderungen. Im Wesentlichen geht es darum, die Äquivalenz von
Sachverhalten, Untersuchungseinheiten, Untersuchungssituationen, Methoden und
Aufbereitungen sicherzustellen (vgl. zusammenfassend Kutschker,
/Schmid, 2002). Unter Berücksichtigung der genannten
Äquivalenzaspekte sind mittlerweile eine Reihe von Untersuchungen entstanden,
die sich mit Hilfe von großzahligen quantitativen Untersuchungen per
Fragebogen, idiographischen oder nomothetischen Fallstudien der Erklärung
internationaler Personalmanagementpraktiken empirisch nähern. Die
Untersuchungen verfolgen deduktive, induktive oder Kombinationen beider
Perspektiven.
Wichtig ist die Abstimmung von theoretischer Zielsetzung und
methodischer Vorgehensweise unter Einhaltung der Anforderungen an die
Gütekriterien, die sich in der internationalen Managementforschung komplexer
gestalten als bei rein national angelegten Forschungsprojekten. Im Hinblick auf
die Güte grenzüberschreitender Forschungsarbeiten können hier lediglich einige
ausgewählte Aspekte skizziert werden. Diese beziehen sich auf die Phasen der
Konzeption, der Durchführung und der Auswertung empirischer Untersuchungen
(vgl. z.B. Geringer,
/Frayne, /Milliman, 2002; Brislin, 1983).
Während der Konzeptionsphase
ist z.B. die Arbeit in international zusammengesetzten Forscherteams ein Mittel
zur Steigerung der Inhaltsvalidität. Insbesondere die Konstruktvalidität ist in
der international angelegten Forschung gefährdet, wenn die Konstrukte lediglich
in einem Land entwickelt und getestet worden sind. Im Hinblick auf die Reliabilität
führen mehrstufige Übersetzungsprozesse dazu, dass die inhaltliche Bedeutung
der Fragen und Konstrukte bei mehrsprachigen Untersuchungen nicht gefährdet
wird. Zudem können zusätzlich zu Fragen, die grenzüberschreitende Bedeutung
besitzen, auch landesspezifische und regionale Praktiken berücksichtigt werden,
die in anderen Ländern keine Relevanz besitzen.
Bei der Durchführung einer empirischen Untersuchung ist auf
die Art der Stichprobenauswahl zu achten. Während z.B. in den USA oder
Deutschland die Zufallsstichprobe und per Post versandte Fragebögen dominieren,
zeigte sich in anderen Ländern, dass starke persönliche Beziehungen und
Schneeballsysteme zu einer beträchtlichen Erhöhung der Rücklaufquote beitragen
können. Dies impliziert, dass eine in manchen Ländern favorisierte
Zufallsauswahl in anderen Ländern nicht immer den gewünschten Erfolg bringt.
In der Auswertungsphase ist z.B. zu berücksichtigen, dass
Probanden unterschiedlicher Kulturen möglicherweise unterschiedliche
Bezugsrahmen zur Beantwortung einer Frage heranziehen. So können einfache
Mittelwertvergleiche in manchen Fällen problematisch sein.
Diese kurze Einschätzung der Erkenntnisse und Grenzen
internationaler Personalmanagementforschung zeigt, dass trotz erheblicher
Fortschritte in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Grenzen der Disziplin zur
Zeit insbesondere in der Theorieentwicklung wie auch in der Weiterentwicklung
methodischer Ansätze grenzüberschreitender Forschung liegen. Dies bietet
wiederum einen Ansatzpunkt für weitere Forschungsarbeiten.
V. Ausblick
Das Internationale Personalmanagement hat sich in den letzten
beiden Jahrzehnten zu einem umfassenden und differenzierten Forschungsfeld
entwickelt, das sicherlich – wie viele andere Bereiche des Personalmanagements
auch – der Weiterentwicklung in inhaltlicher, theoretischer und methodischer
Hinsicht bedarf.
Als ein wichtiger Einflussfaktor in der künftigen Entwicklung
des Faches muss die Zunahme der grenzüberschreitenden Herausforderungen des
Managements durch Globalisierung gesehen werden. Dies bedeutet, dass das
Personalmanagement stärker in einem gesamtorganisatorischen Kontext analysiert
und aus einer General-Management-Perspektive heraus gestaltet werden muss. In
dieser Phase geht es verstärkt darum zu analysieren, wie der Beitrag des
Personalmanagements zur Erlangung von globalen Wettbewerbsvorteilen aussehen
kann. Diese Forderung steht nicht allein im Zeichen einer universalistischen
oder einer kontextorientierten Zugangsweise zum internationalen
Personalmanagement. Vielmehr sind beide Perspektiven – wenngleich in der Regel
in verschiedenen Forschungsarbeiten – erforderlich. Eher kontextorientierte,
vergleichende Arbeiten tragen dazu bei, dass das erforderliche Wissen über die
Entstehung und Verbreitung von Personalmanagementpraktiken in verschiedenen
Ländern zur Verfügung steht. Interkulturelle Studien fördern das Verständnis
der kulturellen Rahmenbedingungen und lassen eine Einschätzung zu, in welchen
personalwirtschaftlichen Funktionsbereichen eine grenzüberschreitende
Vereinheitlichung von Instrumenten erfolgversprechend ist und wo lokale
Anpassungen erforderlich sind. Diese Kenntnisse können dann im
Personalmanagement multinationaler Unternehmen genutzt werden, wenn es darum
geht, eine unternehmensspezifische internationale Personalstrategie zu
gestalten, die unter Berücksichtigung verschiedenartiger lokaler
Rahmenbedingungen den Globalisierungsprozess eines Unternehmens und damit
einhergehende Entscheidungen möglichst optimal zu unterstützen.
Stand bisher die inhaltliche Ebene der Erklärung und
Gestaltung internationaler Personalmanagementinstrumente im Vordergrund, so
spiegelt dies den Stand der Forschung wie auch den Kenntnisstand in der Praxis
wider. Aussagen zur Vorgehensweise bei der Konzeption und Implementierung
internationaler personalwirtschaftlicher Konzepte fehlen dagegen noch
weitgehend. Dabei ist diese Perspektive gerade im internationalen Kontext
nahezu unverzichtbar, wenn sichergestellt werden soll, dass die Inhalte und
auch die Art der Einführung der personalwirtschaftlichen Instrumente in den
verschiedenen Tätigkeitsländern einer international tätigen Unternehmung
Akzeptanz finden sollen. Dies ist ein Beispiel für einen Bereich, in dem
künftig weiterführende Forschungsarbeiten angesiedelt sein können.
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