Inhaltsübersicht
I. Begriff
des Marketing-Mix
II. Ansätze
zur Strukturierung des Marketing-Mix
III. Interdependenzen
im Marketing-Mix
IV. Problematik
der Bestimmung des Marketing-Mix
I. Begriff des
Marketing-Mix
Der Erstgebrauch des Terminus »Marketing-Mix« wird i.A. Borden zugeschrieben (Becker, J.
1988). Die Wortschöpfung Bordens
bringt in prägnanter Weise zum Ausdruck, dass die Marketing-Maßnahmen einer
Unternehmung im Absatzmarkt synergistische Effekte erzeugen und deshalb als
interdependentes Maßnahmenpaket, als Ganzheit (und nicht etwa als Summe
unabhängiger Einzelaktivitäten) zu interpretieren und zu gestalten sind. Die
dem angelsächsischen Wort inhärente Anschaulichkeit hat sicherlich mit dazu
beigetragen, dass der Begriff im deutschsprachigen Raum von der Marketing-Praxis
relativ rasch aufgegriffen wurde und auch in die Fachsprache Eingang fand. Dort
wird das Marketing-Mix der Unternehmung zumeist umschrieben als »die von einem
Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt eingesetzte (nicht notwendigerweise
optimale) Kombination seiner absatzpolitischen Instrumente« (Topritzhofer,
E. 1974, Sp. 1247).
In den Darstellungen des Marketing-Mix dominieren
Instrumente, die sich (als Informationen, Produkte oder Dienstleistungen) in unmittelbarer Weise an die für die
Unternehmung wichtigen Marktteilnehmer (Produktverwender, Zwischenhandel,
Beeinflusser etc.) richten und diese in ihrem marktrelevanten Verhalten
beeinflussen sollen (Hill,
W./Rieser, I. 1990; Kotler,
P./Bliemel, F. W. 1992). Zur Abgrenzung von diesen
»außengerichteten« Instrumenten werden die im Innenbereich des Marketing
zur Sicherung einer optimalen Planung und Realisierung des Marketing-Mix
eingesetzten Hilfsmittel der Marketing-Führung und der Marketing-Information
zuweilen als Instrumente der Marketing-Infrastruktur
bezeichnet (Kühn, R.
1984; Weinhold-Stünzi,
H. 1988).
II. Ansätze zur
Strukturierung des Marketing-Mix
1. Der Gegenstand
Die zielorientierte Gestaltung des Marketing-Mix setzt die
Kenntnis der verfügbaren Instrumente, ihrer Einsatzbedingungen und
Wirkungsweisen voraus. Die Marketing-Literatur bietet deshalb eine Reihe von
Instrumentenkatalogen, die mithilfe verschiedener Ordnungskriterien strukturiert
werden. Grundsätzlich lassen sich zwei Gruppen von Strukturierungsvorschlägen
unterscheiden: am Typ des instrumentalen Handlungsparameters orientierte
Ansätze und Klassifikationen mithilfe zusätzlicher, meist wirkungsbezogener
Kriterien.
2. Handlungsparameterorientierte
Strukturierungsansätze
Die in der Literatur dominierenden Strukturierungen des
Marketing-Mix fassen Einzelinstrumente zu Gruppen zusammen, die schwergewichtig
die Gestaltung des gleichen Handlungsparameters (etwa der Angebotsleistung, der
Kommunikation, des Vertriebs, des Entgeltes) zum Gegenstand haben. Diese
»klassischen« Strukturierungsansätze führen im Allgemeinen zu drei bis fünf
Instrumentengruppen, die häufig auch als Submixe
bezeichnet werden (Meffert, H.
1986; Becker, J.
1988); Abb. 1 zeigt eines der
gebräuchlichsten Gliederungsschemata dieser Art.
Abb. 1: Eine Möglichkeit zur Strukturierung des Marketing-Mix
(Quelle: Topritzhofer,
E. 1974, Sp. 1247 – 1248)
3. Strukturierung mithilfe zusätzlicher
Kriterien
Die üblichen, am Typ des Handlungsparameters orientierten
Klassifikationen bieten zwar begriffslogisch befriedigende Einteilungen der
Instrumente des Marketing-Mix, enthalten jedoch keine weiteren Anhaltspunkte
zur Bewältigung der Gestaltungsproblematik. Diesem Mangel versuchen
verschiedene Autoren dadurch zu begegnen, dass sie – vorwiegend ergänzend zu
den »klassischen« Submix-Gliederungen – zusätzliche, primär wirkungsbezogene
Kriterien zur Strukturierung der im Marketing-Mix zusammengefassten Maßnahmen
vorschlagen. So lassen sich Marketing-Instrumente gemäß van Waterschoot und van den
Bulte nach ihrem zeitlichen
Wirkungshorizont gruppieren, indem ausgehend von den »four P\'s« zwischen
lang- und kurzfristig wirkenden Instrumenten unterschieden wird (van
Waterschoot, W. van/van den Bulte, C. van den 1992).
Eine weitere Möglichkeit besteht in der Klassifikation nach
dem strategischen Wirkungsspektrum,
wobei neben vier Submixes zusätzlich zwischen strategischen und taktischen
Komponenten der einzelnen Marketing-Instrumente differenziert wird (Meffert, H.
1986). Noch konkreter an Wirkungsdifferenzen orientiert sich Tietz, der unter Berücksichtigung der
Auswirkungen auf das Markenimage Imagestrukturvariablen
und Imageablaufvariablen
unterscheidet (Tietz, B.
1993). In eine andere Richtung weist der Vorschlag zur Unterteilung des
Marketing-Mix in wenigstens zwei zielgruppenorientierte
»Teilmixe«, den »Teilmix Produktverwender« und den »Teilmix Handel« (Kühn, R.
1984).
III. Interdependenzen im
Marketing-Mix
Die Ansätze zur Strukturierung der Marketing-Instrumente
lassen Fragen nach dem Zusammenwirken der Instrumente weitgehend
unberücksichtigt. Zwischen den einzelnen Marketing-Instrumenten bestehen aber
sowohl sachliche wie auch zeitliche Interdependenzen, die insbesondere im
Rahmen der Bestimmung des optimalen Marketing-Mix (vgl. Abschnitt IV.) beachtet
werden müssen (Meffert, H.
1986). Sachliche Interdependenzen
liegen vor, wenn der Einsatz des einen Instruments vom Einsatz anderer
Instrumente abhängt bzw. andere Instrumente beeinflusst (z.B. Synergieeffekte).
Zeitliche Interdependenzen entstehen,
wenn die Wirkung eines Instrumentes in zeitlich nachgelagerte Perioden
hineinreicht oder erst mit einem »time lag« eintritt und auf diese Weise eine
Wirkungsüberlagerung von zeitlich gestaffelten Maßnahmen stattfindet.
Erstaunlicherweise behandeln nur wenige Beiträge intensiver
diese kritische Dimension des Kombinations- bzw. Allokationsproblems
absatzpolitischer Instrumente (Becker, J.
1988). Vorgeschlagen werden einerseits Modelle zur Feststellung und
Beschreibung der Interdependenzen (Beyeler, L.
1964; Schweiger, G.
1974; Linssen, H.
1975), andererseits Ansätze, die versuchen, das Zusammenwirken der Instrumente
im Marketing-Mix in die Strukturierungsmodelle einzubeziehen. Letztere
gewichten die Marketing-Instrumente resp. Instrumentendimensionen nach ihrer
Bedeutung für den Absatzerfolg und lösen damit letztendlich die
Interdependenzen teilweise auf (Kühn, R.
1984; Varadarajan,
P. R. 1985; Haedrich,
G./Gussek, F./Tomczak, T. 1990).
Zur Lösung des Interdependenzen-Problems mittels einer
wirkungsbezogenen Gewichtung der Marketing-Instrumente wird z.B. vorgeschlagen,
vier Kategorien von Instrumenten bzw. Instrumentendimensionen zu unterscheiden:
dominierende Instrumente, Standardinstrumente, komplementäre und marginale
Instrumente (Kühn, R.
1985).
Diese Kategorien lassen sich nicht definitiv den einzelnen
absatzpolitischen Instrumenten zuordnen. Welches Instrument in einer bestimmten
Situation z.B. als »dominierend« oder als »marginal« anzusehen ist, wechselt
von Markt zu Markt, von Marktsegment zu Marktsegment und auch im Zeitablauf.
Für den Absatzerfolg ausschlaggebend sind insbesondere die dominierenden und
die Standardinstrumente, allerdings in unterschiedlicher Art und Weise. Die dominierenden Instrumente sind
verantwortlich für die Motivation der Käufer, das angebotene Produkt den
Konkurrenz- oder Substitutions-Konkurrenzprodukten vorzuziehen. Entscheide über
dominierende Instrumente enthalten demgemäß wesentliche Freiheitsgrade und
fordern hohe finanzielle und arbeitsmäßige »Investitionen«. Demgegenüber
enthalten Standardinstrumente im
Normalfall keine Freiheitsgrade, sondern sie sind einem durch die
Marktsituation oder durch technische Faktoren bestimmten Standard anzupassen.
Ihre Bedeutung liegt darin, dass ein Nichterreichen des Standards zu
Misserfolgen führt, während ein Übertreffen entweder nicht möglich ist oder von
den Marktpartnern nicht honoriert wird. Zwischen den beiden Instrumentenkategorien
besteht ein fließender Übergang.
IV. Problematik der
Bestimmung des Marketing-Mix
1. Schwierigkeiten der Gestaltung eines
optimalen Marketing-Mix
Das Problem der Bestimmung des Marketing-Mix wird in der
Marketing-Literatur im Allgemeinen als Optimierungsproblem
aufgefasst (Nieschlag,
R./Dichtl, E./Hörschgen, H. 1994). Aus der Menge möglicher
Alternativen ist derjenige Mix auszuwählen, dessen Konsequenzen gemessen an
einem vorgegebenen Formalziel (z.B. der Gewinnmaximierung) optimal erscheinen,
oder präziser, dessen in Werten der Zielvariablen definiertes »Gesamtergebnis
weder durch die Umgestaltung eines Marketing-Instrumentes, die Hinzunahme eines
bisher nicht eingesetzten Gestaltungsfaktors noch durch andere Strategien
verbessert werden kann« (Poth, L. G.
1986, S. 110). Angesichts der Vielzahl von Marketing-Instrumenten und ihrer
mannigfachen Differenzierungs- und Modifikationsmöglichkeiten handelt es sich
bei der Bestimmung des Marketing-Mix um ein äußerst komplexes, schlecht
strukturiertes Entscheidungsproblem.
Vorschläge zur Lösung dieses Problems müssen sich mit einer
Anzahl grundsätzlicher Schwierigkeiten auseinander setzen (Dichtl, E.
1967; Meffert, H.
1986):
1.
Die Bestimmung des Marketing-Mix beinhaltet eine sehr
große Zahl von verschiedenartigen Entscheidungsvariablen (Submixe,
Einzelinstrumente, separat zu behandelnde Dimensionen und Elemente dieser
Instrumente usw.), die schließlich in konkreten Maßnahmenpaketen zu
kombinieren sind. Dies führt dazu, dass bei Berücksichtigung aller Variablen
eine a priori mengenmäßig nicht mehr fassbare Zahl möglicher Marketing-Mixe
zur Beurteilung existiert.
2.
Das Auftreten von sachlichen und zeitlichen
Interdependenzen zwischen den Marketing-Instrumenten (vgl. Abschnitt III)
führt dazu, dass die Gesamtwirkung des Marketing-Mix nicht als Summe der
Wirkung der im Mix enthaltenen Einzelmaßnahmen aufgefasst und ermittelt
werden kann. Es entsteht hieraus die Notwendigkeit, alle Elemente des Mix simultan zu beurteilen und zu
bestimmen.
3.
Da Maßnahmen des Marketing-Mix sich in erster Linie an
autonom handelnde Personen bzw. Personengruppen richten, beinhaltet die
Prognose der damit verbundenen Konsequenzen immer Verhaltensschätzungen, die
mit großer Unsicherheit behaftet sind.
4.
Zusätzliche praktische Erschwernisse ergeben sich aus
den für die bwl. Entscheidungssituation typischen Zeit- und
Ressourcenbeschränkungen (z.B. beschränkte finanzielle Mittel, beschränkte
personelle Kapazitäten, Zeitknappheit bei der Entscheidfindung).
2. Vorschläge der Literatur zur Bestimmung des
Marketing-Mix
Ein Blick in die Literatur zeigt, dass sich im Prinzip zwei
Gruppen von Lösungsvorschlägen zur Bestimmung des Marketing-Mix unterscheiden
lassen: die Anwendung von analytischen
Verfahren und die Konstruktion von
Planungsverfahren (Köhler, R.
1977).
a) Bestimmung des Marketing-Mix mithilfe von
analytischen Verfahren
Analytische Verfahren versuchen, auf formalem Weg den
optimalen oder wenigstens den gewisse Begrenzungsziele erfüllenden
Marketing-Mix entweder durch Methoden der Marginalanalyse oder mittels
Verfahren der mathematischen Programmierung zu bestimmen.
b) Methoden der Marginalanalyse
Marginalanalytische Ansätze bauen auf der mikroökonomischen
Theorie der Unternehmung auf. Ausgehend von der Gewinnmaximierung als
Zielsetzung resp. Entscheidungskriterium werden die Wirkungen des Marketing-Mix
in Form von Absatz- und Kostenfunktionen abgebildet, die eine Anwendung der
zentralen analytischen Hilfsmittel der Marginalanalyse (Differenzialrechnung)
erlauben.
Der wohl am häufigsten zitierte Ansatz stammt von Dorfman und Steiner (Dorfman,
R./Steiner, P. O. 1954). Die beiden Autoren gehen von folgenden
Prämissen aus:
1.
Die infrage stehende Unternehmung will ihren Gewinn
durch Einsatz des Marketing-Mix maximieren.
2.
Hierzu stehen ihr drei Marketing-Instrumente – der
Preis, die Produktqualität und die Werbung – zur Verfügung, die quantifiziert
und stetig variiert werden können. Insbesondere ist auch die Produktqualität
auf einer Ratioskala messbar; sie wird durch einen Indexwert definiert, der
zwischen null und eins liegt.
3.
Sachliche und zeitliche Wirkungsinterdependenzen der
Instrumente des Marketing-Mix existieren nicht oder müssen nicht
berücksichtigt werden.
4.
Der Umsatz der Unternehmung wird durch den
angebotspolitischen Instrumenteneinsatz der Konkurrenz nicht (oder zumindest
nicht fühlbar) beeinflusst. Die Unternehmung kann sich als
Angebots-Monopolist verhalten.
Das Dorfman-Steiner-Theorem besagt nun, dass das optimale
Marketing-Mix einer Unternehmung, das den Preis, das Werbebudget und die
Produktqualität als Aktionsparameter benutzt, dann erreicht ist, wenn »die
Preiselastizität der Nachfrage, der Grenzertrag der Werbung und die mit dem
Quotienten aus Preis und Durchschnittskosten multiplizierte
Nachfrageelastizität in Bezug auf Qualitätsänderungen einander gleich sind« (Meffert, H.
1986, S. 529).
Im Laufe der Jahre wurde einerseits der Ansatz von Dorfman und Steiner weiterentwickelt,
sodass die an dritter und vierter Stelle genannten Annahmen fallen gelassen
werden konnten. Andererseits wurden weitere marginalanalytische Verfahren
entwickelt wie z.B. die Bestimmung des optimalen Marketing-Mix mittels
absatzorientierter Break-Even-Analysen (Bockholt, H.
1977).
c) Methoden der mathematischen Programmierung
Bei der Bestimmung des Marketing-Mix mithilfe der
mathematischen Programmierung werden Ansätze der linearen Programmierung (Minimierung oder Maximierung einer
stetigen linearen Zielfunktion), nicht
linearen Programmierung (Zielfunktion und Nebenbedingungen sind nicht
linear) und dynamischen Programmierung
(Entscheidungsprozess wird in Prozessstufen zerlegt) verwendet (Kotler, P.
1971).
Zur Bestimmung des optimalen Marketing-Mix gilt es, ebenso
wie bei der Marginalanalyse, eine Zielfunktion zu optimieren, wobei eine
relativ große Anzahl von Nebenbedingungen berücksichtigt werden kann. Die
Anwendungen der Methoden der mathematischen Programmierung sind ebenfalls an
verschiedene, einschränkende Bedingungen geknüpft. Für die lineare
Programmierung gilt z.B., dass
-
den Variablen der Zielfunktion (Ausprägungen der
Marketing-Instrumente) Wirkungsbeiträge zurechenbar sein müssen,
-
die Wirkungsbeiträge der Variablen additiv, d.h.
voneinander unabhängig, und
-
die zugrunde liegenden Funktionen linear sein müssen.
Heute existieren insbesondere für die Verfahren der linearen
Programmierung, aber z.T. auch für die der nicht linearen und dynamischen
Programmierung, ausgereifte Lösungsalgorithmen, die eine effiziente
Optimumsbestimmung gestatten.
d) Würdigung der analytischen Verfahren
Analytische Verfahren zur Bestimmung des »gesamten«
Marketing-Mix werden häufig als unzweckmäßig
beurteilt, da sie im Allgemeinen auf stark vereinfachten Annahmen zur
Problemsituation und insbesondere auf wenig realistischen Vorstellungen von den
Fähigkeiten des Aktors zur Informationsbeschaffung basieren (Köhler, R.
1977; Topritzhofer,
E. 1977; Meffert, H.
1986; Becker, J.
1988). Darüber hinaus bieten sie nur eine unvollständige, auf die quantitativen
Dimensionen des Marketing-Mix beschränkte Lösung des aufgeworfenen Problems.
Der Anwendungsbereich der analytischen Verfahren ist deshalb
stark eingeschränkt und reduziert sich nach Meinung verschiedener Autoren auf
punktuelle Anwendungen zur Ergänzung der in Abschnitt IV.2.b. zu erörternden
Planungsverfahren bzw. zur Lösung von Teilproblemen im Zusammenhang mit der
Festlegung einzelner Instrumentendimensionen (Kühn, R.
1984; Meffert, H.
1986).
3. Bestimmung des Marketing-Mix durch
Konstruktion von Planungsverfahren
In neuerer Zeit wird zur Lösung des Marketing-Mix-Problems
die Konstruktion von Planungsverfahren vorgeschlagen. Diese Gruppe von
Lösungsansätzen versucht durch eine bewusste Reduktion der Problemkomplexität
und Verwendung systematischer problemvereinfachender Prinzipien (sog. heuristischer Prinzipien), den
beschränkten Problemlösungskapazitäten des betrieblichen Aktors Rechnung zu
tragen und dafür suboptimale Problemlösungen in Kauf zu nehmen (Meffert,
H./Althans, J. 1982; Kühn, R.
1984; Scheuch, F.
1989).
Charakteristisch für solche Planungsverfahren ist, dass eine
Beschränkung auf eine überschaubare Zahl von Alternativen angestrebt und das
Gesamtproblem der Bestimmung des Marketing-Mix in sukzessiv zu bearbeitende
Teilprobleme zerlegt wird. Zur Strukturierung der Teilproblemsequenz wird dabei
häufig auf die der Planungsliteratur entstammende Idee der Unterscheidung
strategischer und operativer Marketing-Entscheide sowie die insbesondere im
Bereich des Strategischen Marketing
herausgearbeiteten spezifischen Entscheidtatbestände, wie z.B. die Marktauswahl,
die Marktsegmentierung,
die Angebotspositionierung usw. zurückgegriffen.
Ein früher Vorschlag dieser Art stammt von Lipson, Darling und Reynolds, die zwei
aufeinander aufbauende Planungsphasen unterscheiden (Lipson, H.
A./Darling, J. R./Reynolds, F. D. 1970): In der ersten Phase ist
eine (strategische) Grobplanung des
Marketing-Mix mittels qualitativer Auswahlheuristiken vorzunehmen mit dem Ziel,
die Zahl der möglichen alternativen Mixe auf ein überschaubares Maß zu
reduzieren. In der zweiten Phase erfolgt eine produktorientierte Feinplanung des Marketing-Mix (operative Ebene)
primär auf der Grundlage quantitativer Entscheidungsmodelle.
Dem Vorschlag von Lipson,
Darling und Reynolds folgend zeigt sich in der neueren Literatur eine
Tendenz zur differenzierteren Behandlung der Phase der strategischen
Grobplanung. Man hofft, auf diese Weise konkretere Vorgaben für die operative
Planung der Einzelinstrumente zu erhalten und damit den Abstimmungsprozess auf
der operativen Ebene besser zu steuern.
Im Folgenden werden zwei Ansätze mit unterschiedlich
konkretisierten Grobplanungsphasen überblicksartig vorgestellt.
4. Beckers Strategieraster als Ansatz zur
Grobplanung des Marketing-Mix
Für Becker
strukturieren Strategien den Handlungsrahmen, während das Marketing-Mix den
eigentlichen Handlungsprozess festlegt und damit als »taktische« Komponente die
operative Umsetzung der Strategie leitet (Becker, J.
1988). Die gewählte Strategie wird damit zum Rahmenplan für das Mix als Ganzes,
der die Koordination der Entscheide zur Ausgestaltung der Einzelinstrumente und
Instrumentendimensionen erleichtert und damit das Zusammenspiel der
Einzelinstrumente im Mix steuert.
Grundlage für die Planung der Marketing-Strategie bildet das
in Abb. 2 dargestellte
Strategieraster als »Box« der strategischen Bauelemente.
Abb. 2: Strategieebenen und -alternativen gemäß Becker
(Quelle: Becker, J.
1988, S. 294)
Aus der Verbindung der Strategiealternaiven der verschiedenen
Ebenen entstehen Strategieprofile bzw. Strategie-Chips als Ausdrücke der
realisierten oder auch einer geplanten Strategie (in Abb. 2 durch Verbindung der Strategiealternativen angedeutet).
Den in Abhängigkeit von der Marktkonstellation gewählten
Strategiekombinationen entsprechen Grundmuster des Marketing-Mix. Bei der
Feinplanung der Einzelinstrumente und Instrumentendimensionen sind allerdings
neben den strategiebedingten Differenzierungen auch branchenbedingte
Differenzierungen und betriebstypologische Besonderheiten zu beachten. Die
Koordination der Einzelinstrumente wird zudem durch Beachtung der funktionalen,
zeitlichen und hierarchischen Beziehungen zwischen den Marketing-Instrumenten
erleichtert resp. gefördert.
5. Das Marketing-Mix-Konzept als Ansatz zur
Grobplanung des Marketing-Mix
Noch stärker an der Planungspraxis orientiert sich ein
bewusst als heuristische Problemlösungssequenz bezeichnetes Verfahren, das
gewisse strategische Entscheidtatbestände mit der Grobplanung des Marketing-Mix
als Instrumentenpaket verbindet.
Durch eine Folge von Grundsatz- bzw. Rahmenentscheiden soll
schrittweise der Alternativenraum zieladäquater Marketing-Mixe eingeengt
werden, um zu einem Grobplan eines Erfolg versprechenden Marketing-Mix zu
gelangen. Dieser Grobplan (Marketing-Mix-Konzept) soll als Rahmenvorgabe die
operative Feinplanung der Einzelinstrumente steuern und damit koordinieren (Kühn, R.
1989). Abb. 3 zeigt die
vorgeschlagene Entscheidsequenz.
Abb. 3: Entscheidungssequenz zur Bestimmung des Marketing-Mix
(Quelle: Kühn, R.
1989, S. 19 f.)
Zunächst werden schrittweise die Zielbereiche der Marketing-Maßnahmen
konkretisiert (Entscheidungsgruppen 1, 4.1 und 4.3), um dann in mehreren
Etappen die Marketing-Ziele
zu spezifizieren (2, 3, 4.2 und 4.4). Hierauf aufbauend werden die
Mittelverteilungen und Maßnahmenschwerpunkte des Marketing-Mix konkretisiert
(Entscheidungsgruppen 4.5 und 5) und gewisse hieraus sich ergebende
Folgeüberlegungen zur Marketing-Infrastruktur und zum Marketing-Grobbudget
vorgenommen (Entscheidungsgruppen 6 und 7). Die Feinplanung der einzelnen
Instrumente des Marketing-Mix wird auf diese Weise durch vielfältige
qualitative und quantitative Vorgaben gesteuert und sollte demgemäß auch bei
personell verschiedenen Planungsverantwortlichen zu weitgehend abgestimmten
Gestaltungsentscheiden führen.
6. Würdigung der Planungsverfahren
Da analytische Lösungsmethoden allein nicht in der Lage sind,
den optimalen Marketing-Mix zu bestimmen, scheint die Konstruktion von
Planungsverfahren zumindest einen praktikablen Weg aufzuzeigen, um nicht vor
dem Problem der Bestimmung des Marketing-Mix kapitulieren zu müssen.
Zwar können die Planungsverfahren voraussetzungsgemäß keine
optimalen Lösungen des Marketing-Mix-Problems sicherstellen, sie bieten jedoch
sinnvolle Vorgehensvorschläge, um Marktdaten und subjektive Erfahrungen gezielt
für eine Vorauswahl eines situationsgerechten Marketing-Mix zu nutzen (Meffert, H.
1986).
Dass eine Ergänzung der Planungsüberlegungen durch gezielte
Datenerhebungen und Tests die Qualität der Entscheide zur schrittweisen
Bestimmung des Marketing-Mix wesentlich verbessern kann, erscheint wichtig,
wenn die allen Planungsverfahren inhärente große Bedeutung des subjektiven
Ermessens der Planer begrenzt werden soll.
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