Inhaltsübersicht
I. Begriffliche
Grundlagen
II. Anlass,
Ziel und strategische Einordnung der Positionierung
III. Strategische
Alternativen
IV. Darstellungsmodelle
V. Datenbasis
und Datenanalyse
VI. Operative
Umsetzung
I. Begriffliche
Grundlagen
Positionierung ist ein Kern des Strategischen
Marketing. Das Wort hat zwei Bedeutungen,
(a)
die für das Produktmanagement
notwendige Abbildung des im Wettbewerb verbundenen Markensystems mit den
kaufrelevanten Eigenschaften der konkurrierenden Marken,
(b)
die Strategien und Maßnahmen des Produktmanagements, die auf der Basis dieser Information zu
gezielten Veränderungen führen.
Nach einer begrifflichen Grundlegung werden die allgemeinen
Ziele der Positionierung erläutert. Anschließend werden die Erhebungs-,
Auswertungs- und Darstellungsverfahren der Positionierung skizziert. Danach
werden die hauptsächlichen strategischen Alternativen behandelt und auf
Umsetzungs- und Kontrollmöglichkeiten verwiesen.
Positionierung ist die aktive Planung, Gestaltung und
Kontrolle der Außenwahrnehmung von Unternehmenseinheiten auf der Basis des Marketing-Mix,
insb. der Produktpolitik
und Kommunikationspolitik.
Damit zusammenhängende Begriffe sind Qualität, Einstellung und Präferenz, Ähnlichkeit,
Eindruck und Wahrnehmung.
Imagepolitik oder Imageprofilierung meint weitgehend dasselbe
wie Positionierung. Auch die theoretischen und messmethodischen Grundlagen sind
identisch. Die Semantik des Imagebegriffes verweist aber eher auf die werblichen
Seiten des Marketing-Mix
als auf die physische Produktpolitik. Der kundenorientierte Qualitätsbegriff
kann, eindimensional (gut – schlecht), mit Einstellung gleichgesetzt werden,
mehrdimensional (im Sinne von Positionierung) mit Image. Präferenz, Ähnlichkeit
und Eindruck sind Wahrnehmungskonstrukte, die zur Datengewinnung für eine
Positionierung dienen.
Positioning (Ries,
A./Trout, J. 1986) ist sprachlich fast dasselbe wie Positionierung,
bezeichnet aber einen strategischen Spezialfall in der Situation kommunikativ
und stark umkämpfter Märkte mit weitgehend homogenen Produkten und
Informationsüberflutung von Zielgruppen mit wenig Involvement. Positioning empfiehlt die Konzentration auf eine
einzige oder sehr wenige allein stellende Dimensionen, möglichst als erster im
Wettbewerb und mit hoher werblicher Kontaktdichte. Segmentierung bezeichnet die Aufteilung des Marktes nach
Zielgruppen mit der Absicht einer inhaltlich und streutechnisch gezielteren
Bearbeitung der Segmente. Dazu kommt die segmentspezifische Positionierung in
Betracht.
Als Einheiten der
Positionierung kommen die Firmen, Geschäftsfelder, Produkte oder Marken in
Betracht. Im Folgenden wird stellvertretend für größere Unternehmenseinheiten
als dem bedeutendsten Thema innerhalb der Positionierung nur von
Markenpositionierung gesprochen. Subjekte
der Positionierung sind die Zielgruppen des Marketing
(Kunden, Konsumenten), deren relevante Wahrnehmungsdimensionen sind – überschaubar wenige – Imagedimensionen der
Marke.
Der Positionierungsbegriff vermittelt die Vorstellung einer räumlichen Abbildung einer Marke im
Umfeld anderer Marken. Die meisten Analysemethoden und Modelle greifen auf
diese Vorstellung eines gemeinsamen Positionierungs-Merkmalsraumes zurück.
II. Anlass, Ziel und
strategische Einordnung der Positionierung
Anlass einer Positionierung kann die Planung einer neuen Marke sein oder die
wettbewerbsstrategische Veränderung der bisherigen
Position der Marke. Wenn eine solche Veränderung praktisch auf einen neuen
Start hinausläuft, spricht man auch vom Relaunch
der Marke.
Positionierung soll Erfolgspotenziale im Wettbewerb aufbauen und sichern. Eine günstige
Positionierung verschafft dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile, gegebenenfalls
einen monopolistischen Spielraum für
die Angebotspolitik. Eine erfolgte Positionierung kann betriebswirtschaftlich
bewertet werden. So ist Produktpositionierung ein wesentlicher Bestandteil von Markenstrategien.
Als operatives Ziel
bei gegebenem Marketing-Budget wird meistens ein maximaler wertmäßiger Marktanteil
angestrebt. Er setzt sich aus einer Mengen- und einer Preiskomponente zusammen.
Beide Komponenten hängen von der Bevorzugung der Marke vor den
Wettbewerbermarken ab, denn auch die Preisbereitschaft hängt von der
Präferenzstärke ab. Somit ist die entscheidende Steuerungsgröße für den Erfolg
einer Marke die Positionierung im Wettbewerb.
III. Strategische
Alternativen
1. Imageziele
Zunächst ist eine grundsätzliche strategische Entscheidung
unter den großen Alternativen der Neu- oder Repositionierung einer Marke nötig.
Die denkbare Umpositionierung der idealen
Vorstellungen wird hier nicht weiter verfolgt, weil der Aufwand der Veränderung
von Bedürfnissen im Markenartikelbereich selten infrage kommt. Eine
realistische Alternative ist die Positionierung der realen Marke möglichst im Zentrum
der Idealvorstellungen der Konsumenten bzw. eines starken Marktsegments.
Diese rein nachfrageorientierte Positionierung ohne Beachtung des Wettbewerbs
strebt nach Maximierung der Wahrscheinlichkeit von Käufen. Wenn diese Strategie
auch von Wettbewerbern betrieben wird, führt sie zu mehr Wettbewerb statt zu
monopolistischen Spielräumen, weil sich das Marktpotenzial immer weiter auf
davon strategisch abhängige Anbieter verteilt.
Eine andere Alternative zur Veränderung der Real-Position
strebt weit weg von den Positionen der Wettbewerber. Diese Differenzierungs-Alternative kann allgemein dadurch verfolgt
werden, dass man die Marke auf einer oder mehreren wettbewerbsbedeutsamen
Dimensionen vom Wettbewerb weg positioniert.
Eine andere Möglichkeit ist es, die Marke auf einer ganz
anderen Dimension zu profilieren und sich damit aus dem Imageraum
»herauszupositionieren«. Diese Differenzierungsstrategie auf neuen, noch
atypischen Eigenschaften außerhalb des bisherigen Wahrnehmungsraumes
(Positioning) liegt nahe, wenn die Position der »besten« Marke besetzt oder
hart umkämpft ist und eine Profilierung mit etablierten Eigenschaften nicht zu
einer Erfolgsposition führen würde. Positioning bedeutete, die Marke mit einem
Einzigartigkeits-Eindruck unverwechselbar zu machen. Dazu muss eine einfach zu
verstehende neue Aussage über die Marke gefunden und penetriert werden. Dadurch
besteht auch auf homogenisierten, informations- und werblich überfluteten und
gesättigten Märkten noch eine Chance zur Markenprofilierung.
2. Betriebwirtschaftliche Optimierung
Die beiden genannten Imageziele (Zentrum der
Idealvorstellung/Differenzierung) stehen im Konflikt, wenn eine Positionierung
nahe dem Zentrum der Idealvorstellungen zugleich eine Positionierung nahe bei
den Wettbewerbern ist. Der Zielkonflikt kann nur auf höherer Ebene gelöst
werden, z.B. durch Marktanteilsmaximierung. Dazu müssen allerdings die
Wirkungsbeziehungen quantifiziert und in einer übergeordneten Zielgröße
ausgedrückt werden können, dazu ist eine – durchaus realistische – Annahme
erforderlich: Die Distanz zwischen einer potenziellen Position und der idealen
Konsumentenposition muss als relative Kaufwahrscheinlichkeit interpretiert
werden können. Dasselbe gilt natürlich auch für die Wettbewerberpositionen. Man
kann dann die Position mit dem größtmöglichen Marktanteil
durch mathematische Optimierung herausfinden.
Wenn man außerdem die unterschiedlichen Kosten für potenzielle
Positionen ins Kalkül einbezieht, kann auch die gewinnmaximale Position geplant
werden (Albers, S.
1989). Schließlich kann ein Imagepositions-Optimierungsmodell unter
Einbeziehung möglicher Wettbewerberaktionen und -reaktionen auch dynamisch
gestaltet werden.
IV. Darstellungsmodelle
1. Gegenstand
Wie bei jeder Planungsaufgabe steht am Anfang eine Ist-Analyse,
hier die Darstellung der Ist-Positionen der betreffenden Marke im Umfeld ihrer
Wettbewerberinnen. Zu den Aufgaben einer Ist-Positionierung gehören die Auswahl
der Marken, die Bestimmung der Dimensionen und die Messung der
Imageausprägungen. Hier werden die geometrisch-mehrdimensionale Abbildung in
einem gemeinsamen Imageraum und die kausalgrafische Abbildung der
Image-Wettbewerbsbeziehungen vorgestellt. Von rein qualitativ-verbalen
Darstellungsformen der Ist-Positionierung wird abgesehen.
Jede Abbildung einer komplexen Positionierung in Dimensionen
der Zielgruppen ist eine modellhafte Vereinfachung der (psychischen) Realität.
Positionierungsmodelle spiegeln unterschiedliche Annahmen über das
Zustandekommen, die Struktur und die Wirkung von Images wider. Die
Darstellungsmodelle sollen diese Realität überschaubar und für strategische
Entscheidungen kommunizierbar machen. Durch die Darstellung sollen die
strategischen Optionen bewertet werden können.
2. Profildarstellung
Die wahrgenommenen Ausprägungen der Marken auf den relevanten
Merkmalen können im einfachsten Fall – über Zielpersonen aggregiert – als
Profile dargestellt werden. Profilvergleiche informieren über die
merkmalsspezifischen Positionsunterschiede zwischen den Marken, enthalten aber
Überschneidungen (Redundanzen) zwischen den zahlreichen Merkmalen (Items), weil
diese nicht auf die strategisch wesentlichen Dimensionen reduziert sind.
Um eine Datenbasis für die Positionierung zu erzeugen, müssen
die zu positionierenden Marken ausgewählt, die relevanten
Positionierungsdimensionen bestimmt und entsprechende Items formuliert werden.
Die Markenauswahl entspricht der
Feststellung des »relevanten Marktes«, z.B. durch Abfragen der Marken eines
Produkts, die vom Konsumenten als Alternativen in Betracht gezogen werden
(evoked set). Zur Auswahl der Dimensionen
bzw. Gewinnung von Items können qualitative Befragungen (z.B.
Gruppendiskussionen) durchgeführt und/oder vorliegende Werbeaussagen
ausgewertet werden. Direktes Abfragen kann zu Antwortverzerrungen führen,
indirektes Abfragen ist über Vergleiche zwischen Marken möglich (Ähnlichkeiten,
Präferenzen, Substitutionen). Klassische Methode der Datenerhebung für
Profildarstellungen ist die Ratingskalen-Batterie. Je Dimension werden mehrere Items formuliert und abgestuft bezüglich
der Marken abgefragt. Methodische Varianten, verhaltenstheoretische Modelle und
Messprobleme von Imageratings erörtert Trommsdorff
(Trommsdorff,
V. 1975).
3. Geometrische Modelle
Schon der Begriff »Positionierung« suggeriert die Vorstellung
von räumlicher Repräsentation der
Marken. Die realen und ggf. die idealen Marken sollen in einem geringdimensionalen
Merkmalsraum so abgebildet werden, dass ihre Koordinaten den Ausprägungen
wesentlicher Merkmale entsprechen. Die konkurrierenden Marken sollen auf
möglichst wenigen, aber auf allen wettbewerbsrelevanten, voneinander
unabhängigen, Imagedimensionen abgebildet werden. Bei weniger als vier
Dimensionen kann diese Abbildung in einer einzigen Grafik repräsentiert werden,
wie die Abb. 1 einer fiktiven
Positionierung von Automarken zeigt.
Abb. 1: Fiktive dreidimensionale Positionierung
Die Interdistanzen zwischen je zwei Marken werden als
Wettbewerbsintensitäten interpretiert: Je näher Marken beieinander liegen,
desto ähnlicher sind ihre Images, desto austauschbarer werden sie wahrgenommen
und desto stärker müssen die Anbieter um die betreffenden Kunden konkurrieren.
Die punktweisen Markenrepräsentationen im gemeinsamen Raum erleichtern die
Diskussion wettbewerbsstrategischer Entscheidungen.
4. Kausalgrafische Modelle
Das Modell der Positionierung im gemeinsamen Merkmalsraum hat
Nachteile. So muss die räumliche Markenrepräsentation nicht der psychischen
Realität entsprechen. Räumliche Positionierung bedingt die Annahme, dass alle
Marken nach denselben Merkmalsdimensionen wahrgenommen werden, das heißt
letztlich, dass die Konsumenten ein inneres Bild der »Markenlandschaft« haben.
Das ist zu bezweifeln und zumindest bei ausgeprägten Alleinstellungsstrategien
(Positioning) keinesfalls zu vertreten. Außerdem muss bei klassischen
Imageanalysen unterstellt werden, dass die Eigenschaften einer Marke nur den eigenen
Erfolg beeinflussen, nicht den von Wettbewerber-Marken. Ferner gehen mit dem
geometrischen Modell Annahmen über die Wettbewerbsbedeutung von Distanzen
einher, die nicht unbedingt sinnvoll sind. So muss die räumliche Nähe zweier
Marken nicht immer bedeuten, dass zwischen ihnen intensiver Wettbewerb
herrscht. Es kann sich auch um Anlehnung oder friedliche Marktaufteilung
handeln. Eine Alternative zum geometrischen Modell ist die kausalanalytische
Wettbewerbs-Image-Struktur-Analyse WISA (Trommsdorff,
V. 1992), wie Abb. 2
verdeutlicht.
Abb. 2: Kausalgrafik einer fiktiven
Wettbewerbs-Image-Struktur-Analyse (WISA)
Als Dateninput werden Imageratings verwendet. Diese werden
auf der Basis theoretisch fundierter Hypothesen (konfirmatorisch) zu
Wettbewerbsfaktoren verknüpft. Alle relevanten Wettbewerbseffekte werden
einbezogen, aber Image-Wettbewerbspotenziale werden nur auf den wenigen
relevanten Imagedimensionen modelliert, nicht auf allen möglichen Dimensionen,
die in dem betreffenden Markt benutzt werden. WISA bildet auch die praktisch
wichtigen Wettbewerbswirkungen von Imagedimensionen einer Marke auf Einstellungen,
Kaufabsichten und Marktanteile einer anderen Marke ab. Ergebnis ist ein
bestmögliches Einflussmodell, das das strategische Erfolgspotenzial einer Marke
aus wenigen wettbewerbsentscheidenden Einflüssen eigener und konkurrierender
Imagemerkmale erklärt und damit eine rationale Diskussion der
Positionierungsstrategie ermöglicht. Durch lineare Verknüpfung der Faktoren zu
Wettbewerbspotenzialen gehört die WISA zu den kompensatorischen Modellen.
V. Datenbasis und
Datenanalyse
1. Gegenstand
Von der Erhebung der Rohdaten bis zur
Positionierungsdarstellung müssen diverse Entscheidungen getroffen werden:
-
Art der Abfrage (Merkmalsausprägungen oder
Ähnlichkeiten/Präferenzen);
-
Ggf. Dekomposition globaler Daten in
Merkmalsausprägungen (zugleich Metrisierung von nicht metrischem Dateninput);
-
Auswahl bzw. Komprimierung relevanter Merkmale zu
Dimensionen (Selektion oder Faktorisierung);
-
Behandlung von Interdependenzen zwischen den
Dimensionen (ggf. korrelierte Dimensionen);
-
Wahl der Bezugsgrößen, an denen die Markenpositionen
bewertet werden können (Transformation der Wahrnehmungen in Nutzenwerte oder
Relativierung der Eindrücke im Ideal);
-
Repräsentation bzw. Aggregation von
Positionierungssubjekten durch segmentspezifische Positionen (u.U. durch
Clusterung von Ideal-Positionen);
-
Behandlung von fehlenden und schwach ausgeprägten
Werten (z.B. Schätzung fehlender Wert bzw. spezifische Positionierung für
heterogene Segmente).
Für die Positionierungsanalyse sind fast alle
Multivariatenanalyseverfahren nützlich. Mit der Clusteranalyse
können Zielkunden oder Marken zusammengefasst werden, mit der Faktorenanalyse
und der Diskriminanzanalyse können
Image-Items zu Dimensionen verdichtet werden, mit der Mehrdimensionalen Skalierung und der Korrespondenzanalyse können Ähnlichkeits- oder Präferenzdaten in
Dimensionswerte überführt werden, mit der Regressionsanalyse
und der Kausalanalyse
können multivariate Beziehungen zwischen Image-, Einstellungs- und
Verhaltenswerten quantifiziert werden. Conjoint
Measurement kann vielfältig genutzt werden, u.a. zur experimentellen
Untersuchung der Beziehung zwischen kategorialen Imageausprägungen und
Einstellungs- oder Präferenzwerten. Die hier behandelten bedeutendsten
Positionierungsmodelle basieren auf kompositionellen (Faktorenanalyse,
Kausalanalyse) und dekompositionellen Verfahren (MDS, Korrespondenzanalyse).
2. Kompositionelle Verfahren
a) Faktorenanalyse
Ziel der Faktorenanalyse
ist, viele Variablen auf wenige Faktoren zu reduzieren. Viele potenziell
imagerelevante Eigenschaften werden auf wenige Imagedimensionen verdichtet, die
den Marktraum aufspannen. Die Dimensionsausprägungen einer Positionierung
können aus Ratingdaten gewonnen werden. Dabei fallen dieselben
Erhebungsprobleme an wie bei der Profildarstellungsmethode. Im zweiten Schritt
werden die Marken entsprechend ihrer Faktorausprägungen im Marktraum
positioniert. Nach der Verdichtung der Items zu Faktoren müssen die Ausprägungen
auf den Faktoren errechnet werden (Faktorwerte). Das geschieht innerhalb der
Faktorenanalyse mittels Regression. Die Konstruktion eines für alle Marken gemeinsamen Raumes kann durch Transformation der
Imagewerte aller anderen Marken in den Faktorraum einer Marke geschehen, z.B.
der Idealmarke oder der eigenen Marke. Ein anderer Weg ist die dreimodale
Faktorenanalyse, wobei neben den Modi »Items« und »Personen« als dritter Modus
die »Marken« in einer simultanen Faktorenanalyse des gesamten Datenkubus
geführt werden (Hildebrandt,
L./Klapper, D. 1994).
b) Kausalanalyse
Der Kausalanalyse
(z.B. für WISA) liegt kein geometrisches Modell, sondern ein restriktionsarmes
Konzept zur Analyse vernetzter Wettbewerbsverhältnisse zugrunde.
Kriteriumsvariable ist der Anteil, der einer Marke am Einkaufsbudget einer
Person zukommt. Beeinflussende Variablen sind Beurteilungen der imagerelevanten
Eigenschaften der Wettbewerbsmarken. Die Items werden innerhalb der
Kausalanalyse durch konfirmatorische Faktorenanalyse zu Imagedimensionen
zusammengefasst.
Die Anforderungen erfüllt am besten die linearstrukturelle
Kausalanalyse (LISREL, vgl. Hildebrandt,
L./Rudinger, G./Schmidt, P. 1992). Dabei werden simultan die
Kausalstruktur (Einfluss eigener und fremder Imagedimensionen auf den
Einkaufsbudgetanteil) und die Gültigkeit der Items für die Imagedimensionen
geschätzt. Die Pfade einer LISREL-WISA können als Effektstärken interpretiert
werden. Anschließbar sind simulationstechnische What-If-Analysen (WISA-WI, Trommsdorff,
V. 1994).
3. Dekompositionelle Verfahren
a) Mehrdimensionale Skalierung (MDS)
Ziel der MDS ist es, aus Relationsdaten (Ähnlichkeiten oder
Präferenzen unter Marken) dekompositorisch
einen gering dimensionalen Positionierungsraum zu generieren. Darin sollen die
Marken so abgebildet werden, dass die erhobenen Relationswerte zwischen den
Marken den Interdistanzen im Modell möglichst gut entsprechen.
Bei der Abfrage von
Globalurteilen werden keine Eigenschaften vorgegeben wie bei der direkten
Abfrage für kompositorische Modelle. Bei der indirekten Methode werden
Vergleiche zwischen je zwei oder mehreren Marken verlangt. Die Ähnlichkeits-
oder Präferenzdaten können als Rangordnungen oder Ratings (auch in Relation zu
einem Ankerpunkt) erhoben werden. Die indirekte Abfrage spiegelt ganzheitliche
Markenwahrnehmungen besser wider. Auch können Marken, deren Eigenschaften nur
schwer anhand von Skalen zu beurteilen sind, über Globalurteile problemlos
beurteilt werden. Die indirekte Datenerhebung ist aber schwieriger und
aufwendiger, denn die auf Ähnlichkeiten oder Präferenzen basierenden Verfahren
erfordern mindestens Vergleiche zwischen sieben Marken. Abgesehen vom großen
Erhebungsaufwand (z.B. bei sieben Marken 21 Paarvergleiche) kann diese
Markenanzahl das evoked set der Befragten übersteigen oder verfehlen. Die
Verfahren liefern mehr Urteile, als Marken in der Studie sind. Die
Urteilsredundanz verhilft zur Rekonstruktion der hinter den Urteilen stehenden
merkmalsweisen metrischen Eindrücke.
Die Verwendung von Ähnlichkeitsdaten
beruht auf der Annahme, dass Konsumenten bei Ähnlichkeitsurteilen über
Markenpaare ihre Beurteilungskriterien global zum Ausdruck bringen. Dabei
werden die einzelnen Beurteilungsmerkmale durch Analyse der
Ähnlichkeitsdatenstruktur nachträglich erschlossen. Entsprechendes gilt für Präferenzdaten. Da hier die Urteile
wertend sind, haben Positionierungsmodelle aus Präferenzdaten direkten Bezug
zur Markenbewertung, während bei Ähnlichkeitsmodellen eine Bewertungsbasis ergänzt werden muss, entweder durch Distanzen
zwischen Markenpositionen und der Idealposition
einer Zielgruppe oder durch einen Idealvektor
je Zielgruppe, der so in den Raum hineingelegt (um den Nullpunkt rotiert) wird,
dass die Projektionen der Markenpositionen auf den Vektor der
segmentspezifischen Präferenzrangordnung der Marken entsprechen.
Auf die Bestimmung des Positionierungsraumes folgt die
Interpretation der Dimensionen. Das kann durch das Wissen von Marktexperten
erfolgen. Eine Alternative ist die Mischung des indirekten Erhebungsprinzips
mit dem direkten: Angaben der Befragten über wahrgenommene Produkteigenschaften
erweitern die Ähnlichkeits- oder Präferenzdatenbasis. Mittels »Property
Fitting« (PROFIT) wird die MDS-Lösung mit den Ergebnissen der direkten Abfrage
durchgeführt (Schobert, R.
1979).
b) Korrespondenzanalyse
Das für die Positionierungsforschung noch junge, aber bereits
von Benzécri (Benzécri,
J.-P. 1963) entwickelte Verfahren bildet die Zusammenhänge zwischen
den Zeilen (Merkmale, Items) und den Spalten (Marken) im gemeinsamen Raum ab.
Der Dateninput besteht normalerweise aus Merkmals-Ratings. Er darf im Gegensatz
zum faktorenanalytischen Modellansatz auch nominal skaliert sein. Die
Eingabematrix kann auch aggregierte Daten aus einzelnen Zielgruppen enthalten.
Auch dreimodaler Dateninput für eine simultane Analyse
»Marken*Zielpersonen*Merkmale« ist möglich. Das Verfahren dekomponiert die
Zeilen*Spalten-Korrelationen und zählt deshalb trotz der merkmalsweisen
Datenbasis zu den Dekompositionsverfahren. Das Ergebnis ist eine
mehrdimensionale Grafik, in der die Marken und die Merkmale als Punkte
positioniert sind. Es bestehen erste Erfahrungen mit der Positionierung durch
Korrespondenzanalyse (Matiaske,
W./Dobrov, I./Bronner, R. 1994).
4. Programmierte Positionierungsmodelle
Die erste MDS- und Faktoranalyse-Modellgeneration mit
Idealprodukt wird durch PERCEPTOR von Urban
(Urban, G. L.
1975) repräsentiert. Es unterstützt die Bewertung und Verfeinerung von
Neuprodukten des täglichen Bedarfs, wird aber auch zu Zwecken des Relaunch und
der Produktelimination eingesetzt. Mit Labortest- oder Testmarktdaten wird der
langfristige Marktanteil
der neu- oder umzupositionierenden Marke vorhergesagt.
Unter den betriebswirtschaftlichen Optimierungsmodellen ist
vor allem das MDS-Modell PROPOSAS von Albers
(Albers, S.
1989 zu nennen sowie der jüngste Ansatz von Horsky/Nelson
(Horsky,
D./Nelson, P. 1992), der gewinnmaximierende Preis- und
Eigenschaftskonzepte für hochpreisige, selten gekaufte Neuprodukte ermittelt.
POSSE von Green/Carroll/Goldberg (Green, P.
E./Carroll, J. D./Goldberg, S. M. 1981) ermittelt Marktanteil und
Gewinn mit Conjoint Measurement und ermöglicht Sensitivitätsanalysen.
Keons (Keon, J. W.
1983) MDS-Modell TRINODAL dient der Entwicklung und Überprüfung von
Werbekampagnen für die Repositionierung einer Marke sowie für
Produktneueinführungen. Es ermöglicht die Darstellung von
Produktimagepositionen, Idealpunkten und Werbeimagepositionen in einem
gemeinsamen Raum.
Das faktoranalytische Idealvektor-Modell DEFENDER von Hauser/Shugan (Hauser, J.
R./Shugan, S. M. 1983) bezieht potenzielle Konkurrenzreaktionen mit
in die Analyse ein und liefert Entscheidungshilfen für dem Marketing-Einsatz
als Antwort auf den Eintritt eines neuen Wettbewerbers, was spieltheoretisch
auch Carpenter (Carpenter, G.
S. 1989) realisiert.
Green/Krieger (Green, P.
E./Krieger, A. M. 1989) ermöglichen mit dem Conjoint-Modell SIMOPT
die Betrachtung einer ganzen Produktlinie. Mit dem MDS-Modell GENFOLD 2 (DeSarbo, W.
S./Rao, V. R. 1986) lässt sich die optimale Markenposition für
mehrere Marktsegmente bestimmen.
VI. Operative Umsetzung
Bei der Positionierungsanalyse
kommt es darauf an, Images und ihre Wirkung auf Einstellungen und Präferenzen
zu erfassen. Bei der Durchführung der
Positionierung kommt es darauf an, die Position durch Marketing-Maßnahmen zu
verändern. Dazu kann man qualitätsorientiert-physisch oder
kommunikationsorientiert-psychisch vorgehen: Entweder werden hinter den
Imagedimensionen stehende Eigenschaften der Marke geändert (physische
Produktdifferenzierung), was voraussetzt, dass die Zielgruppe die physische
Produktvariation auch wahrnimmt. Oder es können durch Werbung
Eindrücke verändert werden (psychologische Produktdifferenzierung).
Produktgestaltung heißt Kombination von Produkteigenschaften.
Produktpolitik
hat eine physisch-technische und eine psychisch-sozialtechnische Komponente.
Letztlich kommt es auf die von den Konsumenten wahrgenommenen – subjektiven –
Produkteigenschaften an, nur mittelbar auf die technisch-objektiven
Eigenschaften als reale Voraussetzung für Produktwahrnehmung. Diese ist aber
(a) auf (im Vergleich zur Vielzahl technischer Merkmale) nur wenige vergröberte
kaufrelevante Merkmale reduziert, (b) durch menschliche Wahrnehmung verzerrt,
und (c) wird sie um psychische
Komponenten (z.B. Prestigewert) erweitert, die kommunikativ zu vermitteln sind.
Wettbewerbsdifferenzierung durch physische Produktgestaltung stößt umso mehr auf Grenzen, als
technische Standards die Produkte objektiv homogener werden lassen. Damit
steigt der potenzielle Anteil psychischer Differenzierung an der
Produktpositionierung.
Schließlich bedarf die Positionierung der laufenden Kontrolle. Dazu sind in regelmäßigen
Abständen erneute Positionierungsanalysen durchzuführen. Insb. ist dabei darauf
zu achten, ob sich die Dimensionalität des Marktes geändert hat und welche
Positionsverschiebungen eingetreten sind. Auf entsprechende Änderungen sowie
auf Abweichungen von der angezielten eigenen Positionierung ist strategisch und
operativ zu reagieren.
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