Inhaltsübersicht
I. Einführung:
Entstehung von Märkten und von Unternehmen
II. Zum
Begriff Transaktionskosten und Transaktionskostentheorie
III. Annahmen
und Bedingungen
IV. Gestaltungsempfehlungen
V. Anwendungsbereiche
VI. Abschließende
Würdigung
I. Einführung: Entstehung
von Märkten und von Unternehmen
Nach der neoklassischen Theorie erfolgt die Gestaltung,
Durchsetzung und Absicherung von Verträgen kostenlos; der perfekt und kostenlos
funktionierende Markt ist das optimale Koordinationsinstrument. Coase (Coase, R.H.
1937) analysierte erstmals die Frage, warum in einer Welt, in der der
Markt das überlegene Koordinationsinstrument zu sein scheint, Unternehmen
existieren, in denen Ressourcen nicht mithilfe des Marktmechanismus zugeordnet
werden. Er ging davon aus, dass ein Koordinationsmechanismus wie Markt oder
Hierarchie nicht kostenlos zu benutzen ist, sondern bestimmte Kosten verursacht
(später von ihm Transaktionskosten genannt; vgl. Coase, R.H.
1960), und dass eine Koordinationsform solange in Anspruch genommen wird,
wie sie gegenüber einer anderen vergleichsweise kostengünstiger ist. Erst die
Existenz von Transaktionskosten vermag die Entscheidung für einen bestimmten
Koordinationsmechanismus – Markt oder
Hierarchie – ökonomisch zu erklären.
II. Zum Begriff Transaktionskosten
und Transaktionskostentheorie
Transaktionskosten sind Kosten der Information und
Kommunikation, die bei der Abwicklung der sich aus Spezialisierung und
Arbeitsteilung ergebenden Austauschbeziehungen entstehen (vgl. Picot, A.
1981a, S. 2 und Picot, A.
1982, S. 270 f.). Dabei geht es nicht um die ausgetauschten Güter an
sich, sondern um den Austausch der mit den Gütern verbundenen Verfügungsrechte.
Diese Verfügungsrechte – auch Property Rights (vgl. Furubotn,
E.G/Perjovich, S. 1972 und Picot, A.
1981) genannt – beschreiben „ (?) alle durchsetzbaren
Verhaltensbeziehungen zwischen Akteuren, die aus der Existenz der betreffenden
Güter resultieren und zu ihrer Nutzung gehören “ (Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 1999, S. 55). Transaktionskosten sind
somit die „ im Zusammenhang mit der Bestimmung, Übertragung und Durchsetzung von
Verfügungsrechten entstehenden Kosten “ (Tietzel, M.
1981, S. 211). Inner- und zwischenbetriebliche Transaktionskosten machen
in modernen Volkswirtschaften durchschnittlich mehr als 50 % des Sozialprodukts
aus (vgl. Wallis, J.J./North,
D.C. 1986).
Generell sind in Abhängigkeit der Phase einer Transaktion als
grundlegende Analyseeinheit fünf verschiedene Arten von Transaktionskosten zu
unterscheiden (vgl. Picot, A.
1993, S. 4196):
-
Kosten der Anbahnung,
z.B. zur Informationssuche und -beschaffung
-
Kosten der Vereinbarung,
z.B. Verhandlung, Vertragsgestaltung, Einigung
-
Kosten der Abwicklung,
z.B. Steuerung, Koordination der Vertragsabwicklung
-
Kosten der Kontrolle,
z.B. Einhaltung von Termin-, Qualitäts- oder Preisvereinbarungen
-
Kosten der Anpassung,
z.B. Durchsetzung von Änderungen während der Vertragslaufzeit aufgrund
veränderter Bedingungen.
Die Höhe der Transaktionskosten bestimmt die in Abhängigkeit
der zugrunde liegenden Aufgabe jeweils effiziente Koordinationsform. Das
Spektrum der zur Verfügung stehenden Koordinationsmechanismen reicht dabei von hierarchischen
Formen über verschiedene Formen der Kooperation bis hin zu marktlichen Formen.
Dabei sind im Rahmen der Analyse neben monetär greifbaren
Kosten auch monetär nicht unmittelbar erfassbare Kosten, wie z.B. Zeit und
Mühe, zu berücksichtigen (vgl. Picot,
A./Dietl, H. 1990, S. 178).
Die Quantifizierung von Transaktionskosten ist nur unter großen
Schwierigkeiten möglich. Auch wenn sich die Transaktionskosten generell
wertmäßig erfassen lassen, fallen sie unter die Gemeinkosten der
Unternehmensführung, der Fertigung, des Vertriebs, der Beschaffung, der
Entwicklung, der Finanzierung und des Rechnungswesens und sind somit mit den
üblichen Verrechnungsproblemen verbunden (vgl. Picot, A.
1993, S. 4196). Die Problematik der schweren Quantifizierbarkeit von
Transaktionskosten steht dem Einsatz dieses Analyseinstrumentariums jedoch
nicht entgegen. Um die geeignete Koordinationsform auszuwählen, ist es in
vielen Fällen ausreichend, die relative Höhe der Transaktionskosten im
Verhältnis zu alternativen Koordinationsformen zu ermitteln. Dies kann auch
anhand der Einflussgrößen von Transaktionskosten geschehen.
III. Annahmen und
Bedingungen
Die Transaktionskostentheorie geht von folgenden Annahmen und
Bedingungen aus (vgl. Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 1999, S. 68 ff.).
1. Verhaltensannahmen
Zu nennen sind hier begrenzte Rationalität sowie
Opportunismus.
a) Begrenzte
Rationalität
Gemäß den Annahmen der Transaktionskostentheorie handeln
Individuen – im Gegensatz zur klassischen Ökonomie – begrenzt rational, da sie
aufgrund der begrenzten menschlichen Informationsverarbeitungskapazität nicht
alle relevanten Informationen kennen und verarbeiten können. Sie streben zwar
Rationalität an und setzen zur Überwindung ihrer Erkenntnislücken nicht
unerhebliche Mittel ein, jedoch bleibt das Handeln stets begrenzt rational.
b) Opportunismus
Die Opportunismusannahme verdeutlicht die Tatsache, dass
Akteure ihre eigenen Interessen verfolgen und damit zu rechnen ist, dass sie
diese Interessen gegebenenfalls auch zum Nachteil anderer sowie unter
Verletzung von Regeln durchzusetzen versuchen.
2.
Umweltbedingungen
Als wichtige Umweltbedingungen sind Unsicherheit, Spezifität,
strategische Bedeutung sowie Transaktionshäufigkeit zu nennen.
a) Unsicherheit
„ Unsicherheit ist ein Maß für die Vorhersehbarkeit und die Anzahl
der notwendigen Änderungen der Leistungsvereinbarung während einer Transaktion “
(Picot, A./Dietl,
H./Franck, E. 1999, S. 69). Dabei ergibt sich aus der
Verhaltensannahme der begrenzten Rationalität erst unter Unsicherheit eine
problematische Situation. Durch die Umweltbedingung der Unsicherheit können ex
ante nicht alle möglichen Umweltzustände erkannt und vertraglich fixiert
werden. Somit ergeben sich ex post diskretionäre Handlungsspielräume, die nicht
vorherzusehen waren und grundsätzlich von den Transaktionspartnern zum eigenen
Vorteil und zum Nachteil des Transaktionspartners ausgenutzt werden können.
b) Spezifität
Bei Leistungen mit spezifischem Charakter führt die
Verhaltensannahme des Opportunismus zu einer problematischen Vertragssituation.
Die Spezifität einer Leistung ist dabei umso höher, je größer die Wertdifferenz
zwischen der beabsichtigten Verwendung und der zweitbesten Verwendung der
jeweiligen Ressource ist (vgl. Klein, B./Crawford,
R.G./Alchian, A.A. 1978). Dabei ist die Spezifität einer
Leistung nicht konstant. Eine ex ante unspezifische Leistung kann während der
Vertragslaufzeit zu einer spezifischen Leistung werden. Williamson spricht in
diesem Fall von der fundamentalen Transformation (Williamson,
O.E. 1990, S.70 ff.). Williamson unterscheidet verschiedene
Formen der Spezifität (vgl. Williamson,
O.E. 1989, S. 143):
-
Site specifity bezeichnet die Spezifität einer
Leistung durch Investition in ortsgebundene Einrichtungen.
-
Physical asset specifity drückt die Spezifität einer
Leistung durch Investition in spezifische Maschinen und Technologien aus.
-
Human asset specifity bezeichnet Investitionen in spezifische
Mitarbeiterqualifikation.
-
Dedicated assets beschreiben eine spezifische Leistung
durch Investitionen in nichtspezifische Anlagen. Diese Investition erfolgt
nur für eine Transaktion. Wird der Auftrag für diese Transaktion entzogen
oder zerfällt das Vertragsverhältnis aus anderen Gründen, entstehen
Überkapazitäten.
Die entstehenden Abhängigkeiten führen zum Problem des
Hold-up. Das Problem des Hold-up bezeichnet das Risiko der Ausnutzung
diskretionärer Handlungsspielräume durch einen Vertragspartner. Handelt es sich
um eine spezifische Leistung ist der Wechsel des Vertragspartners nicht oder
nur mit erheblichem Aufwand möglich. Zwischen den Vertragspartnern herrscht
also ein meist einseitiges Abhängigkeitsverhältnis.
c) Strategische
Bedeutung
Eng verbunden mit der Spezifität ist die strategische
Bedeutung. Sie ist groß bei hohem Einfluss einer Transaktion auf die
wettbewerbsrelevanten Faktoren eines Unternehmens. Daher sind z.B. Aspekte der
Geheimhaltung und des Schutzes vor Nachahmung verstärkt zu berücksichtigen.
Häufig weisen gerade die spezifischen Leistungen hohe strategische Bedeutung
auf.
d) Häufigkeit
Hier geht es um die Menge bzw. das Wiederholvolumen einer
Transaktion. Je nach Art der Leistungserstellung sind von einer oder von beiden
Seiten hohe Anfangsinvestitionen zu tätigen. Aus diesem Grund ist die Variable
„ Häufigkeit “ mit in die Überlegungen einzubeziehen. Vor allem bei hoher
Unsicherheit, hoher Spezifität und hoher strategischer Bedeutung ist das
Kriterium der Häufigkeit von großem Gewicht. So ist es beispielsweise in der
Regel ineffizient, für Leistungen von geringer Häufigkeit oder gar Einmaligkeit
Eigenerstellungskapazitäten aufzubauen – erst Recht nicht, wenn diese
Leistungen unspezifisch und strategisch unwichtig sind; es ist im Falle von
Leistungsstörungen jederzeit möglich, auf alternative Partner auszuweichen. Je
spezifischer die Leistung und je häufiger sie bereitzustellen ist, desto
stärker wird die Tendenz zur Eigenerstellung.
Eine paarweise Gegenüberstellung von Verhaltensannahmen und
Umweltbedingungen führen zu dem von Williamson beschriebenen
Mark-Hierarchie-Paradigma (vgl. Williamson,
O.E. 1975, S. 20 ff.). Mithilfe dieses mikroanalytischen
Bezugsrahmens zur Systematisierung, Erklärung und Bewältigung von
Transaktionsproblemen versucht Williamson die Frage zu klären, warum für manche
Leistungen der Markt die geeignete Koordinationsform ist, für andere wiederum
die Hierarchie eines Unternehmens (vgl. Williamson,
O.E. 1975). Unter den Bedingungen von Unsicherheit und
Komplexität wird vor allem das Verhaltensmerkmal der beschränkten Rationalität
wirksam und verlangt nach Lösungen, die sich von klassischen Spotmarktverträgen
zugunsten eher integrativer Koordinationsmodi unterscheiden. Wenn hohe
Spezifität und strategische Bedeutung gegeben sind, entstehen prinzipiell von
einer Seite opportunistisch ausnutzbare Abhängigkeitsbeziehungen, die ebenfalls
durch eher integrative Organisationsformen zu beherrschen sind.
3. Transaktionsatmosphäre
Die Transaktionsatmosphäre beschreibt die Bedingungen der
Gesellschaft, innerhalb der Transaktionen zustande kommen und schließlich
abgewickelt werden. Darunter sind soziokulturelle, rechtliche und technische
Rahmenbedingungen zu verstehen, die Einfluss auf die Effizienz der
verschiedenen Koordinations- und Motivationsmechanismen haben (vgl. Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 1999, S. 72). Beispielhaft sind
hierfür Freundschaft, Reputation und akzeptierte Gebräuche für soziale bzw.
kulturelle Normen, Ausgestaltung und Funktionsfähigkeit des Rechtssytems sowie
die verfügbaren technischen Infrastrukturen als technische Einflussfaktoren zu
nennen. Werte wie Freundschaft, Reputation oder Gepflogenheiten beeinflussen
das Problem des Opportunismus. So werden unter guten Freunden die Interessen
des Transaktionspartners eher mitberücksichtigt. Das Rechtssystem beeinflusst
die Frage der Definition und Durchsetzbarkeit von Ansprüchen im Falle von
Streitigkeiten. Technische Einflussfaktoren wie Informations- und
Kommunikationssysteme verändern die Grenzen menschlicher Rationalität bei Verhandlung,
Koordination und Überwachung sowie den Spezifitätsgrad von Leistungen. Neue
Verkehrsanbindungen z.B. verändern die Standortspezifität.
Transaktionshäufigkeit und die Transaktionsatmosphäre sind
als Bestandteile des erweiterten Markt-Hierarchie-Paradigma zu betrachten (vgl.
Abb. 1). Hinzu kommt bei dieser Form des Markt-Hierarchie-Paradigmas der
Begriff der Informationsverkeilung. Bei asymmetrisch verteilter Information
besteht die Gefahr der opportunistischen Ausnutzung dieses Informationsvorsprungs
durch die Transaktionspartner. Dieser Informationsvorsprung kann bereits vor
Vertragsabschluss oder aber erst nach Vertragsabschluss bestehen. Mit diesen
Problemfeldern beschäftigt sich ausführlich die Principal-Agent-Theorie (vgl.
z.B. Jensen,
M.C./Meckling, W.H. 1976).
Das in Abb. 1 dargestellte erweiterte
Markt-Hierarchie-Paradigma veranschaulicht den Zusammenhang der erläuterten
Begriffe.
Abb. 1: Erweitertes Markt-Hierarchie-Paradigma
(in Anlehnung an Williamson,
O.E. 1975, S. 40)
IV. Gestaltungsempfehlungen
Durch die arbeitsteilige Erstellung von Leistungen entstehen
Austauschbeziehungen zwischen Akteuren. Ziel der Transaktionskostentheorie ist
es, Gestaltungsempfehlungen für eine möglichst effiziente Abwicklung dieser
Austauschbeziehungen zu geben.
Konkret beziehen sich Gestaltungsempfehlungen auf die
optimale Gestaltung der Arbeitsteilung, die Spezialisierung des Unternehmens
sowie die Optimierung von Tausch- und Abstimmungsprozessen. Zudem leistet die
Transaktionskostentheorie einen wichtigen Beitrag zur Theorie der Unternehmung.
1. Optimale
Gestaltung der Arbeitsteilung
Die optimale Arbeitsteilung beginnt bei der „ richtigen “
Bildung von Teilaufgaben. Die Teilaufgaben sind so auszuwählen, dass die
Organisation des Arbeitsprozesses mit möglichst wenigen und möglichst einfachen
Transaktionen verbunden ist (vgl. Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 1999, S. 73). Dabei ist zum einen die
Anzahl der Interdependenzen zwischen den verschiedenen Teilaufgaben zu
minimieren. Bei geringen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Aufgabenbereichen
ist der Abstimmungsbedarf der Aufgabenträger und somit die Transaktionskosten
gering. Zum anderen ist das Problem des Wissenstransfers zu berücksichtigen. Da
implizites Wissen anderen Akteuren nur schwer vermittelbar ist, entstehen hohe
Transaktionskosten. Bei der Bildung von Teilaufgaben ist aus diesem Grund
darauf zu achten, dass ein derartiger Wissenstransfer nicht notwendig ist.
2. Formen
der Spezialisierung
Die Frage nach der optimalen Form der Spezialisierung
betrifft die Diskussion zwischen Zentralisation und Dezentralisation von
Teilaufgaben. Ging es im vorhergehenden Abschnitt um die optimale Gestaltung
von Teilaufgaben, geht es jetzt um die Zuweisung der einzelnen Teilaufgaben auf
die geeigneten Aufgabenträger. Prinzipiell lassen sich zwei Arten von Aufgaben
unterscheiden: politisch-infrastrukturelle Aufgaben und reine Fachaufgaben.
Politisch-infrastrukturelle Aufgaben beschäftigen sich mit allgemeinen und
übergreifenden Rahmenbedingungen. Derartige Aufgabenstellungen sind in den Bereichen
Strategie, Organisation, Führung und Personal angesiedelt. Diese Art von
Aufgaben sind spezifisch, wenn sich ein Unternehmen z.B. durch spezifische
Infrastrukturen von der Konkurrenz unterscheidet. Fachaufgaben hingegen
beschäftigen sich hauptsächlich mit den primären Wertschöpfungsprozessen. Dabei
handelt es sich um alle Tätigkeiten, die mit der direkten Leistungserstellung
verbunden sind. Exemplarisch sind hierfür Entwicklung, Logistik, Produktion
sowie Marketing und Vertrieb zu nennen. Auch diese Aufgaben können einen hohen
Spezifitätsgrad aufweisen.
Abb. 2 : Drei Typen spezifischer Aufgaben
(Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 2005 und Picot,
A./Reichwald, R./Wigand, R.T. 2003)
In Abhängigkeit vorhandener Spezifitäten sind vier
verschiedene Aufgabentypen zu unterscheiden. Typ 1 zeichnet sich durch
niedrige politische Infrastrukturspezifität und niedrige Fachspezifität aus.
Dieser gänzlich unspezifische Aufgabentyp kann auf externe marktliche
Aufgabenträger ausgelagert werden. Typ 2 ist durch hohe Fachspezifität und
geringe Infrastrukturspezifität gekennzeichnet. Für diesen Aufgabentyp bietet
sich eine dezentrale, ggf. auch modulare Organisation (Profit Center,
Segmente oder Inseln) an. Das notwendige Fachwissen ist in der jeweiligen
dezentralen Einheit vorhanden, durch eine Zuweisung der Kompetenzen werden
Transaktionskosten gesenkt. Typ 3 ist von hoher Fachspezifität und von hoher
Infrastrukturspezifität geprägt. Effizient, das heißt unter Minimierung der
Transaktionskosten können diese Aufgaben nur in Kooperation von
Fachspezialisten und Experten des Teams für politisch-infrastrukturelle
Aufgaben gelöst werden (z.B. in Form der Matrix- oder Projektorganisation).
Beide Arten von Kompetenz sind in diesem Fall erforderlich. Auf der Basis
vernetzter Informations- und Kommunikationstechniken wie z.B. einer Extra- bzw.
Intranetlösung, lassen sich diese Aufgaben z.B. in virtuellen Teams oder Formen
der Netzwerkorganisation – bestehend aus Fach- und Infrastrukturspezialisten –
vielfach effizienter als zuvor lösen. Diese Form der virtuellen Verknüpfung ermöglicht
bei Aufgaben von Typ 3 eine transaktionskostenminimale Abwicklung. Aufgaben von
Typ 4 kennzeichnen ein niedriger Grad an Fachspezifität und ein hoher Grad an
Infrastrukturspezifität. Hier sind die Kompetenzen eines zentralen
Managementteams (als interner Dienstleister und/oder Regulierer) gefragt. Zur
Senkung der Transaktionskosten sind diese Aufgaben zu zentralisieren.
3. Optimierung
von Tausch- und Abstimmungsprozessen
Durch die Übertragung von Teilaufgaben auf spezialisierte
Akteure entstehen Produktivitätsvorteile. Andererseits wird Tausch und
Abstimmung notwendig. Tausch und Abstimmung fordern den Einsatz von Ressourcen,
die zu Transaktionskosten führen. Diese Ressourcen könnten anderenfalls zur
Erstellung wertschöpfender Leistungen aufgebracht werden.
Transaktionskostentheoretisch ist daher auf eine möglichst effiziente
Abwicklung von Tausch- und Abstimmungsprozessen mit dem Ziel der
Transaktionskostenreduktion zu achten, damit höhere Produktivitätsgewinne aus
Spezialisierung möglich werden. Daher ist laufend nach transaktionsgünstigeren
institutionellen Lösungen für arbeitsteilige Beziehungen etwa durch Einsatz von
veränderter Qualifikation, technischen Hilfsmitteln oder neuen Regeln zu
suchen. Organisationsgestaltung ist vor diesem Hintergrund eine permanente,
Kreativität und Innovation erfordernde Aufgabe.
4. Beiträge
zur Theorie der Unternehmung
Erstmals führt – wie oben schon angesprochen – Coase (Coase, R.H.
1937) die Existenz von Unternehmen auf die Existenz von
Transaktionskosten, den Kosten von Tausch und Abstimmung, zurück. Demnach ist
die Abwicklung einer Leistung innerhalb der Hierarchie eines Unternehmens
erstrebenswert, wenn die Kosten für Abstimmung und Tausch, also die
Transaktionskosten, auf diese Weise minimiert werden. Ist dies nicht der Fall,
ist eine Abwicklung über den Markt als Koordinationsinstrument vorzuziehen. Es existiert
eine Vielzahl möglicher Koordinationsinstrumente für die Abwicklung der
Leistungserbringung. Die Koordinationsformen Markt und Hierarchie stellen dabei
die Extrema eines Kontinuums an Koordinationsformen dar. Dazwischen befindet
sich eine Vielzahl so genannter hybrider Koordinationsformen wie
Kapitalbeteiligungen, Lieferantenansiedlungen, Entwicklungskooperationen,
Langzeitvereinbarungen, Jahresrahmenverträge bi- und multilateraler Art (vgl.
z.B. Picot,
A./Dietl, H./Franck, E. 2005), die mal eher marktlichen, mal
eher hierarchischen Charakter haben.
V. Anwendungsbereiche
Die Transaktionskostentheorie stellt bei der Analyse von
Leistungsbeziehungen ein wichtiges Instrument dar, indem sie
Gestaltungsempfehlungen zur optimalen Abwicklung von Arbeitsteilung und
Spezialisierung sowie zur Organisation von Austauschbeziehungen zur Verfügung
stellt.
Dabei sind zunächst die Umweltbedingungen sowie die
jeweiligen Ausprägungen von Spezifität, strategischer Bedeutung,
Unsicherheit/Komplexität und Häufigkeit der Transaktion zu ermitteln. In
Abhängigkeit der jeweils gegebenen Konstellation ist die transaktionskostengünstigste
Koordinationsform auszuwählen (vgl. z.B. Picot, A.
1991).
Das bekannteste Anwendungsfeld ist die Analyse des optimalen
vertikalen Integrationsgrades. Bei dieser Fragestellung geht es um die
Entscheidung von Fremd- oder Eigenerstellung einer Leistung (vgl. z.B. Klein,
B./Crawford, R.G./Alchian, A.A. 1978 und Williamson,
O.E. 1975). Effizienzkriterium ist dabei – bei gleichen
Produktionskosten – die Höhe der Transaktionskosten. Nach den Empfehlungen der
Transaktionskostentheorie ist bei spezifischen und strategisch bedeutenden
Leistungen Eigenerstellung einer Abwicklung über den Markt vorzuziehen. Ebenso
empfiehlt sich bei unspezifischen Leistungen von geringer strategischer
Bedeutung die Abwicklung über die marktliche Kooperationsform.
Weitere typische Anwendungsfälle sind die Analyse von
Arbeitsverhältnissen (vgl. z.B. Williamson,
O.E./Wachter, M.L./Harris, J.E. 1975), die Gestaltung der
internen Organisation und Führung (vgl. z.B. Picot, A.
1998), die Gestaltung von inner- und zwischenbetrieblichen Informations-
und Kommunikationssystemen (vgl. z.B. Ciborra, C.U.
1987), die Weiterentwicklung des betrieblichen Rechnungswesens und
Controlling (vgl. z.B. Albach, H.
1988) sowie Entscheidung bezüglich der geeigneten Finanzierungsform (vgl.
Williamson,
O.E. 1988). Ebenso lässt sich der Erfolg
innovationsorientierter Unternehmungsgründungen (vgl. z.B. Picot,
A./Laub, U./Schneider, D. 1989) sowie von bestimmten
Innovationsentscheidungen (z.B. Picot,
A./Schneider, D. 1988) oder im Marketing transaktionskostentheoretisch
begründen. Darüber hinaus lassen sich auch die öffentliche Verwaltung (z.B. Picot,
A./Wolff, B. 1994) und auch soziale Austauschbeziehungen wie
Freundschaften oder Partnerschaften vor dem Hintergrund der Kriterien der
Transaktionskostentheorie analysieren.
VI. Abschließende Würdigung
Bei der Transaktionskostentheorie handelt es sich um ein
wichtiges Konzept zur Erklärung und Gestaltung von Koordinationsformen. Die
Theorie erklärt, warum manche Leistungen intern innerhalb der Hierarchie eines
Unternehmens und andere Leistungen extern über den Markt oder über kooperative
Koordinationsformen abgewickelt werden. Zudem gibt sie konkrete
Gestaltungsempfehlungen für die Frage, welche Leistungen durch welche
Kooperationsform abgewickelt werden sollten und wie Leistungsbereiche intern zu
gestalten sind. Effizienzkriterium ist – ceteris paribus – die Höhe der
Transaktionskosten.
Die häufig geäußerte Kritik der mangelnden
Operationalisierbarkeit und Quantifizierbarkeit von Transaktionskosten kann die
Bedeutung dieser Theorie kaum mindern. Schließlich geht es in erster Linie um
die Beantwortung der Frage, bei welcher Koordinationsform höhere und bei
welcher Koordinationsform niedrigere Transaktionskosten anfallen. Um
diesbezüglich eine verlässliche Aussage zu treffen, ist kein genauer
nummerischer Wert erforderlich. Oft reicht die Analyse der zugrunde liegenden
Aufgaben- und Leistungsmerkmale.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die
Transaktionskostentheorie ein interessantes Werkzeug zur Analyse und
Beurteilung der Vorteilhaftigkeit von Austauschbeziehungen darstellt, das sich
sowohl durch theoretische Fundierung als auch durch Anwendungsorientierung
auszeichnet.
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