Inhaltsübersicht
I. Einleitung
II. Die
internationale Unternehmung
III. Strategien
der internationalen Unternehmung
IV. Strukturen
der internationalen Unternehmung
V. Kultur
in der internationalen Unternehmung
I. Einleitung
Die internationale Verflechtung fast aller Volkswirtschaften
nahm während der letzten Jahre (weiter) erheblich zu. Dies lässt sich vor allem
an Außenhandels- und Direktinvestitionsdaten ablesen. Die Verflechtung der
Weltwirtschaft hat ein derartiges Ausmaß erreicht, dass oftmals auch nicht
(nur) von Internationalisierung, sondern von Globalisierung im Sinne einer
besonders weit reichenden Form der Internationalisierung die Rede ist (Engelhard,
Johann/Hein, Silvia 2001). Den gesamtwirtschaftlichen Daten liegt
das Entscheiden und Handeln in und von Unternehmungen zugrunde. Insofern
verwundert es nicht, dass Fragen der Internationalisierung für das Management
vieler Unternehmungen – ob für das Top-Management, das Middle-Management oder
das operative Management – in letzter Zeit zentrale Bedeutung aufweisen.
In der Betriebswirtschafts- und Managementlehre hat sich
daher eine eigenständige Disziplin herausgebildet und inzwischen etabliert, die
sich in Forschung und Lehre der Internationalisierung von Unternehmungen
widmet: das Internationale Management (Macharzina,
Klaus 1989). Zahlreiche Werke geben den State-of-the-Art des Faches
wieder (Scherm, Ewald/Süß,
Stefan 2001; Welge, Martin
K./Holtbrügge, Dirk 2003; Perlitz,
Manfred 2004; Kutschker,
Michael/Schmid, Stefan 2005). In diesem Beitrag soll ein Überblick
über die zentralen Bereiche des Internationalen Managements geliefert werden.
II. Die internationale
Unternehmung
Die Fachdisziplin Internationales Management widmet sich
allen internationalen Unternehmungen, d.h. Unternehmungen, die in
substanziellem Umfange in Auslandstätigkeiten involviert sind und regelmäßige
Transaktionsbeziehungen mit ausländischen Wirtschaftssubjekten aufweisen.
Das theoretische Fundament des Internationalen Managements
kann als außerordentlich breit angesehen werden. Es gibt eine große Zahl an
Ansätzen, die Fragen der Existenz internationaler Unternehmungen (Kausalität),
der Art und Weise der Internationalisierung (Modalität), der zeitlichen Dimension
von Internationalisierung (Temporalität) und der geographischen Natur von
Internationalisierung (Lokalität) ansprechen. Einen Überblick über ausgewählte
Internationalisierungstheorien liefert Abb. 1, in der eine Gliederung nach der
dominanten Transaktionsform (Außenhandelstheorien, Direktinvestitionstheorien,
übergreifende Theorien) gewählt wurde.
Abb. 1: Ausgewählte Theorien der internationalen Unternehmung
(Kutschker,
Michael/Schmid, Stefan 2005, S. 375)
Oftmals wird versucht, die Internationalität von
Unternehmungen anhand zahlreicher Bestands- und Bewegungsgrößen zu erfassen,
diese in Auslandsquoten zu transformieren, in Internationalisierungsprofilen zu
visualisieren oder in Internationalisierungsindizes mathematisch
zusammenzufassen. Mit diesen Ansätzen zielt man darauf ab, einen quantitativen
Eindruck von der Internationalität einer Unternehmung zu erhalten.
Ausschließlich quantitative Betrachtungen reichen aber nicht aus. Will man
darüber hinaus ein tieferes Verständnis entwickeln, wie eine Unternehmung
tatsächlich nach innen und außen agiert bzw. agieren kann, sind auch
qualitative, stärker management-orientierte Ansätze vonnöten.
Die prominentesten Internationalisierungskonzepte
qualitativer Natur stammen von Perlmutter und Bartlett/Ghoshal (Perlmutter,
Howard V. 1965; Perlmutter,
Howard V. 1969; Bartlett,
Christopher A./Ghoshal, Sumantra 1989). Mit seiner Unterscheidung
zwischen ethno-, poly-, regio- und geozentrischen Unternehmungen verweist
Perlmutter darauf, dass kulturelle Prägungen und dabei vor allem Werte und
Einstellungen von Top-Managern das Handeln in der Unternehmung bestimmen. So
tritt eine ethnozentrische Unternehmung auch im Ausland gemäß den Standards im
Inland auf; eine polyzentrische Unternehmung passt sich dagegen den Gastländern
an. Eine geozentrische Unternehmung versucht, eine eigene Identität zu
entwickeln, welche sich von den Gepflogenheiten des Stammlandes löst. Eine
regiozentrische Unternehmung baut in unterschiedlichen Regionen jeweils
distinkte regionale Identitäten auf.
Stärker als Perlmutter betonen Bartlett/Ghoshal mit ihrer
Typologie, in der sie zwischen internationalen, multinationalen, globalen und
transnationalen Unternehmungen differenzieren, die strategischen und
strukturellen Aspekte der grenzüberschreitenden Tätigkeit. Sie zeigen in ihrem
Konzept auf, wie die Lokalisierung und die Differenzierung als Grundprinzip der
multinationalen Unternehmung, die Integration und die Standardisierung als
Grundprinzip der globalen Unternehmung sowie der Wissenstransfer und die
Übertragung heimischer Technologie auf Gastländer als Grundprinzip der
internationalen Unternehmung simultan in der transnationalen Unternehmung
vereint werden können.
Schon dieser kurze Überblick verdeutlicht, dass es in der
internationalen Unternehmung immer um Entscheidungen und Handlungen in
Spannungsfeldern geht – Spannungsfelder zwischen Globalisierung und
Lokalisierung, Standardisierung und Differenzierung sowie Zentralisierung und
Dezentralisierung (Fayerweather,
John 1969; Doz, Yves
L./Bartlett, Christopher A./Prahalad, Coimbatore K. 1981). Eine
essenzielle Aufgabe von Managern ist es, in Abhängigkeit von Kontextfaktoren,
die optimale Lösung für die Unternehmung innerhalb dieser Spannungsfelder zu
finden und damit Strategien, Strukturen und Kulturen zu gestalten.
III. Strategien der
internationalen Unternehmung
Unternehmungen, die grenzüberschreitend tätig sind oder tätig
sein wollen, müssen sich zunächst über ihre Ziele im Klaren sein. Vereinfachend
kann im Hinblick auf die Internationalisierung zwischen beschaffungs-, absatz-
und effizienzorientierten Zielen differenziert werden (Dunning, John
H. 1993, S. 139 – 148). Bevor eine Internationalisierungsstrategie
formuliert wird, gilt es darüber hinaus, umfassende strategische Analysen der
Unternehmung und der Umwelt vorzunehmen. Aufgrund der Komplexität empfiehlt es
sich, diese Analysen auf verschiedenen Ebenen – etwa auf der Ebene der
Muttergesellschaft, der Auslandseinheiten und der Gesamtunternehmung –
durchzuführen. Schließlich ist nicht nur die Makro- und Mikro-Umwelt
internationaler Unternehmungen und damit auch das Wettbewerbsumfeld häufig heterogen;
selbst innerhalb der Unternehmung und ihrer Einheiten lassen sich (oftmals
erhebliche) Unterschiede in der Ausstattung mit Ressourcen, Fähigkeiten und
Kompetenzen ausmachen.
Internationalisierungsstrategien kann man auf vielfältige
Weise systematisieren – wir selbst schlagen zur Differenzierung fünf
Dimensionen vor: Zielmarkt-, Markteintritts- und Marktbearbeitungs-, Timing-,
Allokations- und Koordinationsstrategien (Schmid,
Stefan 2002; Kutschker,
Michael/Schmid, Stefan 2005, S. 809 – 1040; vgl. zu anderen
Systematisierungen exemplarisch Roxin, Jan
1992; Ringlstetter,
Max/Skrobarczyk, Peter 1994; Kutschker,
Michael/Bäurle, Iris 1997; Dimitratos,
Pavlos 2004). Einen Überblick über die Strategiedimensionen und die
daraus abgeleiteten Strategieoptionen vermittelt Abb. 2.
Zielmarktstrategien betreffen die Frage, welche generelle
Präsenz eine Unternehmung anstrebt, welche Märkte sie selektiert und welche
Marktsegmente sie in einzelnen Märkten anvisiert. Für die Auswahl von
Zielmarktstrategien spielen vor allem die Attraktivität und das Risiko von
Märkten und Marktsegmenten sowie die damit verbundenen Eintrittsbarrieren eine
große Rolle. Internationale Marktforschung unterstützt Manager bei ihren
Entscheidungen.
Die Frage, wie eine Unternehmung in fremde Märkte eintritt
und diese bearbeitet, wird im Rahmen von Markteintritts- und
Marktbearbeitungsstrategien beantwortet (Macharzina,
Klaus/Oesterle, Michael-Jörg 2002, S. 437 – 1006). Das Spektrum der
Alternativen reicht dabei von reinen Export- und Importtätigkeiten über
kooperative Arrangements (Lizenzen, Franchising, Vertragsfertigung, Joint
Ventures, Strategische Allianz) und Minderheitsbeteiligungen hin zu
beherrschenden Eigentumsformen (Mehrheitsbeteiligungen und
Tochtergesellschaften, etwa über Akquisitionen und Neugründungen). Nicht zu
vergessen sind schließlich die in den letzten Jahren häufig zu beobachtenden
grenzüberschreitenden Fusionen.
Timingstrategien berühren zunächst die Frage, ob eine
Unternehmung in einem bestimmten Ländermarkt eher ein First-Mover (Pionier)
oder ein Late-Follower (Später Folger) sein möchte. Darüber hinaus ist es aber
auch strategisch bedeutsam, wie die Gesamtheit der Ländermärkte bzw.
Marktsegmente bearbeitet werden soll. Das Kontinuum der Möglichkeiten wird
dabei von den Eckpunkten „ reine Wasserfallstrategie “ (bei der ein Markt nach
dem anderen betreten wird) und „ reine Sprinklerstrategie “ (bei der in die zuvor
selektierten Ländermärkte parallel, d.h. zum gleichen Zeitpunkt, eingedrungen
wird) abgesteckt.
Allokationsstrategien umfassen Konfigurationsstrategien und
Leistungsstrategien. Unter Konfigurationsstrategien wird im Internationalen
Management die strategische Entscheidung zwischen Konzentration bzw.
Zentralisierung einerseits und Streuung bzw. Dezentralisierung andererseits verstanden.
Für jede ihrer Wertschöpfungsaktivitäten muss eine internationale Unternehmung
definieren, wie sie sich in diesem Spannungsfeld bewegen will (Porter,
Michael E. 1989). Im Hinblick auf ihre Leistungsstrategien und damit
die Gestaltung ihrer Produkte und Dienstleistungen muss sich die internationale
Unternehmung ferner entscheiden, wie sie sich auf dem Kontinuum zwischen
Standardisierung und Differenzierung positionieren will.
Globalisierungsstrategien folgen dabei häufig dem (ökonomischen) Imperativ der
Standardisierung, wohingegen Lokalisierungsstrategien oftmals dem (auch
politisch und kulturell motivierten) Imperativ der Differenzierung gehorchen.
Während die ersten vier Dimensionen der
Internationalisierungsstrategie primär der Expansion dienen und somit als
komplexitätserhöhend gelten, zielen Koordinationsstrategien als fünfte
Dimension darauf ab, die international verstreuten Aktivitäten auch zu
koordinieren und die Komplexität zu handhaben. Zur Deckung des
Koordinationsbedarfs tragen vor allem strukturelle Maßnahmen (etwa Bildung von
Abteilungen, Schaffung grenzüberschreitender Informationsinfrastruktur),
technokratische Maßnahmen (etwa Allokation von Budgets an
Tochtergesellschaften, umfangreiche grenzüberschreitende Reporting-Systeme) und
personell-kulturelle Maßnahmen (etwa Expatriierungs- und Repatriierungspolitik,
Einrichtung länderübergreifender Arbeitsgruppen) bei. Daneben gibt es auch die
Möglichkeit, auf eine Reduktion des Koordinationsbedarfs hinzuwirken, etwa in
Form von Outsourcing-Maßnahmen, des Aufbaus von Überschussressourcen oder der
Flexibilisierung von Ressourcen über so genannte Arbitrage- und
Leveragestrategien.
Abb. 2: Strategien der internationalen Unternehmung (in
Anlehnung an Kutschker, Michael/Schmid,
Stefan 2005, S. 1039)
Entscheidend ist, dass die Internationalisierungsstrategien
mit ihren fünf Teildimensionen einen Beitrag zum Aufbau und zur Ausnutzung von
Erfolgspotenzialen und Wettbewerbsvorteilen leisten. Um dies zu erreichen, sind
die Internationalisierungsstrategien in die Gesamtheit der Strategien einer
Unternehmung, etwa die Produkt-Markt-Strategien oder die Wettbewerbsstrategien
einzubetten.
IV. Strukturen der
internationalen Unternehmung
Wie aber sind international tätige Unternehmungen im Hinblick
auf ihre Struktur aufgebaut? Eine Antwort auf diese Frage soll der nachfolgende
Abschnitt über internationale Organisationsstrukturen geben.
Die Forschung zum Internationalen Management hat zahlreiche
Grundmuster für die organisatorische Einbettung des Auslandsgeschäfts
hervorgebracht (Stopford,
John M./Wells, Louis T. 1972; Franko,
Lawrence G. 1976; Egelhoff,
William G. 1982; Wolf, Joachim
2000). Die einfachste Form stellt die so genannte „ Unspezifische
Organisationsstruktur “ dar, bei der das Auslandsgeschäft direkt an die oberste
Unternehmungsleitung im Inland „ gekoppelt “ wird oder alternativ – je nach Art
der Auslandstätigkeit – eine Verankerung des Auslandsgeschäfts im inländischen
Absatz-, Beschaffungs- oder Finanz- bzw. Controllingbereich erfolgt.
Unspezifische Organisationsstrukturen werden meist am Beginn des
Internationalisierungsprozesses gewählt. In einer nächsten Phase kommt es
oftmals zur Etablierung einer Internationalen Division. Damit wird das
Auslandsgeschäft vom Inlandsgeschäft organisatorisch abgespalten. Alle
internationalen Aktivitäten werden in einer Internationalen Division gebündelt,
die parallel zu den nationalen Organisationseinheiten existiert.
Viele Unternehmungen entscheiden sich im Laufe der Ausweitung
ihrer Internationalisierungsaktivitäten für eine Integration von Inlands- und
Auslandsgeschäft. Sie bauen eindimensionale oder mehrdimensionale integrierte
Organisationsmodelle auf. Die eindimensionalen Organisationsmodelle treten in
den Varianten „ Integrierte Funktionalstrukturen “ , „ Integrierte
Geschäftsbereichsstrukturen “ , „ Integrierte Regionalstrukturen “ und „ Integrierte
Key-Account-Strukturen “ auf. Auf der Ebene unterhalb der Unternehmensleitung
werden die Ressorts entsprechend entweder nach dem Funktional-, nach dem
Geschäftsbereichs-, nach dem Regional- oder nach dem Kundenprinzip gebildet. Da
jede dieser organisatorischen Lösungen nur einer von mehreren möglichen
Dimensionen folgt, sind damit zwangsläufig auch bestimmte Nachteile verbunden.
Manche Unternehmungen bevorzugen aus diesem Grund – trotz steigender
Komplexität – mehrdimensionale Lösungen und entwickeln internationale Matrix-
oder Tensorstrukturen.
Nicht vergessen werden sollte allerdings, dass alle
derartigen Strukturalternativen einer stark hierarchischen Sichtweise der
internationalen Unternehmung verhaftet sind. Je stärker Unternehmungen sich zu
einer geozentrischen Unternehmung im Sinne Perlmutter, Howard V./s bzw. zu einer
transnationalen Unternehmung im Sinne Bartlett, Christoper A.//Ghoshals,
Sumantra entwickeln, umso mehr tragen sie Züge einer intra-organisationalen
Netzwerkunternehmung. Und je stärker internationale Unternehmungen im Rahmen
ihrer Markteintritts- und Marktbearbeitungsstrategien auch kooperative
Beziehungen aufweisen, um so wichtiger wird ihr inter-organisationales
Netzwerk. In vielen internationalen Unternehmungen sind ferner auch die
einzelnen Auslandseinheiten zunehmend mit Ressourcen, Macht und Entscheidungskompetenz
ausgestattet. Da dies auch auf ihre Interaktion mit ihrem lokalen Umfeld
zurückzuführen ist, wird deutlich, dass es darüber hinaus zahlreiche lokale
Netzwerkbeziehungen gibt, die es zu beachten gilt (Schmid,
Stefan/Schurig, Andreas 2003). Damit wird offenkundig, dass die
internationale Unternehmung – zumindest in Teilbereichen – auch Netzwerkstrukturen
aufweist (Sydow, Jörg
1992; Renz, Timo
1998; Rank, Olaf
2003).
V. Kultur in der
internationalen Unternehmung
Neben ihrer Strategie und ihrer Struktur muss eine
internationale Unternehmung ihre Kultur gestalten. Als Kultur kann dabei die
Gesamtheit von Grundannahmen, Werten, Normen, Einstellungen und Überzeugungen
einer sozialen Einheit verstanden werden (Concepta-Ebene), die sich in einer
Vielzahl von Verhaltensweisen und Artefakten ausdrückt (Percepta-Ebene) und
sich als Antwort auf die vielfältigen Anforderungen an eine soziale Einheit
entwickelt hat (Schmid,
Stefan 1996, S. 137).
Die Unternehmenskultur wird dabei von zahlreichen anderen
Kulturfeldern konstituiert bzw. beeinflusst – von unterschiedlichen Landes-,
Branchen-, Berufs- und weiteren Subkulturen. Trotz dieser Multikulturalität
besteht Übereinstimmung, dass gerade die Landeskultur ein Spezifikum ist,
welches internationale Unternehmungen betrifft. Die für das Internationale
Management zentrale Landeskulturforschung hat in den letzten Jahren eine
Vielzahl von Studien hervorgebracht in denen versucht wird, Kulturdimensionen
abzubilden (Müller,
Stefan/Gelbrich, Katja 2004, S. 75 – 171; House, Robert
J./Hanges, Paul J./Javidan, Mansour et al. 2004; Kutschker,
Michael/Schmid, Stefan 2005, S. 694 – 736). Die bekanntesten
Kulturstudien sind in Abb. 3 zusammengefasst.
Abb. 3: Zentrale Studien über Kulturunterschiede im
Management
Entscheidend ist nun, wie internationale Unternehmungen mit
Kulturunterschieden umgehen. In Abhängigkeit ihrer generellen Ausrichtung
lassen sich hier ganz verschiedene Vorgehensweisen ausmachen. Während etwa
ethnozentrische Unternehmungen kulturelle Unterschiede ignorieren oder aber
bewusst niederreißen, akzeptieren polyzentrische Unternehmungen die kulturellen
Differenzen. Geozentrische Unternehmungen versuchen Kulturen zusammenzuführen
und eine Art symbiotische Kultur zu erreichen, und regiozentrische
Unternehmungen zielen auf die Entwicklung regionaler Kulturen ab, was auf
politischer und gesellschaftlicher Ebene durch die Schaffung starker
Regionalgemeinschaften begünstigt werden kann. Dabei geht es um die Gestaltung
von Kultur in ihrer Gesamtheit, was deutlich mehr umfasst als das, was in der
Literatur gewöhnlich mit Corporate Identity umschrieben wird. Die Forschung im
Internationalen Management ist allerdings gerade im Bereich der Kultur noch
weit davon entfernt, alle Probleme gelöst zu haben. Obwohl sich inzwischen eine
Vielzahl von Studien mit dem Einfluss von Kultur auf das Handeln in und von
Unternehmungen beschäftigt, so bleiben doch zahlreiche methodische, inhaltliche
und gestalterische Fragen offen (Holzmüller,
Hartmut H. 1995; Leung,
Kwok/Bhagat, Rabi S./Buchan, Nancy R. et al. 2005).
Internationales Management wurde bisher als die Beschreibung,
Erklärung und Gestaltung von Strategien, Strukturen und Kulturen
internationaler Unternehmungen definiert. Es geht aber in der
Unternehmungspraxis nicht nur darum, zwischen statischen Alternativen zu
entscheiden. Entscheidend ist es, auch den Prozess der internationalen Unternehmensentwicklung zu steuern und
Veränderungen in Strategien, Strukturen und Kultur innerhalb bestimmter
Rahmenbedingungen und gewisser Grenzen aktiv zu managen (Kutschker,
Michael 1996; Kutschker,
Michael/Bäurle, Iris/Schmid, Stefan 1997; Kutschker,
Michael/Schmid, Stefan 2005, S. 1053 – 1188). Dies hat dann auch
Implikationen für die betriebswirtschaftlichen Funktionalbereiche, die in ihrer
internationalen Dimension entsprechend auszurichten sind.
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