Inhaltsübersicht
I. Preispolitik
im Marketing-Mix
II. Kostenorientierte
Preissetzung
III. Marktorientierte
Preissetzung
IV. Absatzmäßige
Produktverflechtungen
V. Dynamische
Preispolitik
VI. Preisdifferenzierung
VII. Rechtliche
Beschränkungen der Preispolitik
VIII. Ausblick
I. Preispolitik im
Marketing-Mix
Einem Unternehmen stehen im Rahmen des simultan zu
optimierenden absatzpolitischen Instrumentariums (Marketing-Mix)
preispolitische, kommunikationspolitische, produkt- und sortimentspolitische
sowie distributionspolitische Instrumente zur Verfügung, um „ Marktwiderstand “
zu beseitigen. Eine wichtige Rolle spielt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund
von „ Käufermärkten “ – (Schmalen, H.
1999, S. 373 ff.) die unternehmerische Preispolitik, wobei die Festsetzung des
Preises grundsätzlich kostenorientiert oder marktorientiert erfolgen kann.
II. Kostenorientierte
Preissetzung
Ausgangspunkt der – besonders bei Handelsunternehmen
verbreiteten – kostenorientierten Preissetzung ist die Faustregel „ Selbstkosten
plus angemessener Gewinnzuschlag “ . Der Verkaufspreis ergibt sich dann nach
folgendem Schema:
Abb. 1: Kostenorientierte Preispolitik im Handel
Die „ Handelsspanne “ von Handelsunternehmen entspricht der
zusammengefassten Kalkulations- und Gewinnspanne, weil in ihr zusätzlich zum
erwünschten Gewinn auch die Kosten der Handelstätigkeit (z.B. Ladenmiete oder
Personalkosten) verrechnet werden (Müller-Hagedorn,
L. 1998, S. 443 ff.). Dabei ist eine so genannte Mischkalkulation
üblich: Um ein attraktives Sortiment anbieten zu können, werden geringe
Handelsspannen bei einzelnen Warengruppen durch hohe Spannen bei anderen in der
Weise kompensiert, dass sich insgesamt ein „ angemessener “ Gewinn ergibt
( „ kalkulatorischer Ausgleich “ ).
Bei der kostenorientierten Preissetzung von
Industrieunternehmen kann zwischen „ Cost plus pricing “ und „ Target return
pricing “ unterschieden werden. Während beim Cost plus pricing ein bestimmter
Prozentsatz auf die vollen oder bereinigten Selbstkosten aufgeschlagen wird,
ist beim Target return pricing eine Zielgröße für den Gewinn vorab festzulegen;
der Aufschlag ist dann so zu bemessen, dass – anhand der geschätzten
Absatzzahlen – dieser Zielgewinn realisiert wird.
Weil als Basis für den Gewinnaufschlag in der Regel die
Stückkosten verwendet werden, bildet die Kostenrechnung den Ausgangspunkt der
kostenorientierten Preissetzung. Dabei ergeben sich verschiedene Probleme:
Neben der Beeinflussbarkeit der Stückkosten durch unterschiedliche Verfahren
der Kostenermittlung und -bewertung ist vor allem die Verteilung der
Gemeinkosten auf die Produkte – als Kostenträger – kritisch: Insbesondere dann,
wenn sie nach dem Tragfähigkeitsprinzip verteilt werden, kann von einer
kostenorientierten Preissetzung eigentlich nicht mehr gesprochen werden: Die
Preissetzung erfolgt dann eher marktorientiert, weil die Preisbereitschaft
potenzieller Konsumenten bei der Verteilung der Gemeinkosten insofern
berücksichtigt wird, als diese bevorzugt auf Produkte, die sie „ vertragen “ ,
überwälzt werden. Ferner ist problematisch, dass durch kostenorientierte
Preissetzung die gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination nur zufällig erreicht
wird: Entweder ist den Konsumenten das Produkt zu teuer und die Nachfrage
bleibt hinter den Erwartungen des Anbieters zurück, oder dieser hätte zum
gleichen Preis mehr bzw. die gleiche Menge teurer verkaufen können (Schmalen, H.
1995, S. 42 ff.).
Große praktische Bedeutung hat die kostenorientierte
Preissetzung dennoch bei der Kalkulation öffentlicher Aufträge. In Ermangelung
von Marktpreisen dienen hier häufig Preise auf Selbstkostenbasis als
Beurteilungsmaßstab. Diese so genannte „ Submissionspreisbildung “ aufgrund von
konkurrierenden Angeboten mehrerer Bewerber kann mithilfe von
Competitive-Bidding-Modellen analysiert werden (Schmalen, H.
1995, S. 178 ff.).
Von derartigen Ausnahmen abgesehen, sollte – im Sinne des
unternehmerischen Gewinnzieles – die Preissetzung aber nicht kostenorientiert
erfolgen, sondern von den Nachfragern und damit vom Markt her: Schließlich
obliegt ihnen die Entscheidung, zu einem bestimmten Preis zu kaufen oder nicht;
ihre Preisvorstellungen sollten daher Richtschnur für die Preisbemessung sein.
III. Marktorientierte
Preissetzung
1. Die
Preis-Absatz-Funktion
Ausgangspunkt der marktorientierten Preissetzung ist die
Preis-Absatz-Funktion, wobei unterstellt wird, dass die Absatzmenge xi des i-ten Produkts vom Preis pi desselben abhängt:
Bei isolierter Betrachtung der Preispolitik eines
Unternehmens ist der Preis der einzige Aktionsparameter; sämtliche anderen Marketing-Mix-Instrumente
sowie Einkommen und Bedürfnisstruktur der Nachfrager werden als konstant
unterstellt.
Eine aufschlussreiche Kennzahl ist in diesem Zusammenhang die
Preiselastizität. Sie gibt an, um wie viel Prozent sich die Absatzmenge ändert,
wenn der Preis um ein Prozent erhöht wird:
Da üblicherweise die Verkaufszahlen bei einer Preiserhöhung
sinken, ist die Preiselastizität als definiert.
Weil die Preis-Absatz-Funktion die Grundlage der
marktorientierten Preispolitik darstellt, wurden verschiedene Verfahren zu
ihrer empirischen Schätzung entwickelt; die wichtigsten sind die ökonometrische
Messung anhand von Scannerkassen-Daten und die Conjoint Analyse durch
Kundenbefragung (z.B. Diller, H.
1999, S. 48 f.).
Die konkrete Ausgestaltung der Preis-Absatz-Funktion richtet
sich nach der zugrunde liegenden Marktform. Abhängig von der jeweiligen Angebots-
und Nachfragestruktur können grundsätzlich Monopol, Polypol und Oligopol
unterschieden werden.
2. Preispolitik
im Monopol
Ein Anbieter verhält sich monopolistisch, wenn er davon
ausgeht, dass sein Absatz nur von seinem Preis und dem Käuferverhalten abhängt;
oft wird in der Theorie der Preispolitik aber die umgekehrte Darstellungsweise
gewählt, sodass sich aus der auf die Produktionskapazität abgestimmten Menge
der zu setzende Preis ergibt:
In Abb. 2 ist neben dieser Preis-Absatz-Funktion (NN) die zugehörige
Umsatzfunktion (U) dargestellt, die sich aus der Multiplikation von Preis und
Menge ergibt:
Die gewinnmaximale Absatzmenge liegt
dort, wo die Differenz zwischen dem Umsatz und den von der Menge abhängigen
Kosten (K) am größten ist. Die gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination wird
als Cournotpunkt (C) bezeichnet; für sie gilt, dass die Steigung der
Umsatzfunktion dU/dx gleich ist der Steigung der Kostenfunktion dK/dx.
Abb. 2: Die Gewinnermittlung im Monopol
3. Preispolitik
im heterogenen Polypol
Ein Anbieter verhält sich polypolistisch, wenn er davon
ausgeht, dass sein Absatz nicht nur von seinem Preis und dem Käuferverhalten,
sondern auch von den Preisen seiner Konkurrenten abhängt, auf eigene
Preisaktionen aber keine Konkurrenzreaktionen erfolgen. Dieses Kalkül
unterstellt, dass
-
die Zahl der Anbieter – mit beschränkten
Produktionskapazitäten – sehr groß ist,
-
jeder Anbieter – trotz gleichen Verwendungszwecks und
gleicher Preisklasse – eine eigene Produktvariante anbietet und somit „ akquisitorisches
Potenzial “ aufbauen kann und außerdem
-
die Zahl der Nachfrager ebenfalls groß ist.
Eine Möglichkeit der Beschreibung und Analyse des heterogenen
Polypols ist die in Abb. 3 dargestellte doppelt geknickte „ polypolistische
Gutenberg-Absatzfunktion “ (Gutenberg, 1984,
S. 238 ff.).
Abb. 3: Die Nachfrage im heterogenen Polypol
Wenn der Anbieter seinen Preis von p1 auf p2 erhöht, schränken seine Stammkunden ihre
Nachfrage ein. Er verliert aber keine Kunden an die Konkurrenten, obwohl diese
ihre alten Preise beibehalten, was sich durch sein akquisitorisches Potenzial –
sein besonderes Leistungsangebot – erklären lässt. Erhöht der Anbieter hingegen
seinen Preis auf p3,
so wandert ein Teil seiner – wenigen – Kunden zu Konkurrenten ab, die ihre
Preise nicht erhöht haben. Weil es davon sehr viele gibt, auf die sich diese
Laufkunden verteilen, spüren sie die verstärkte Nachfrage nicht:
Preisreaktionen bleiben aus. Umgekehrt gilt bei einer Preissenkung auf p4, dass
lediglich die Stammkunden ihre Nachfrage ausweiten. Senkt der Anbieter den
Preis aber weiter auf p5, so profitiert er von Laufkundschaft, die aufgrund seines
deutlich günstigeren Preises ihren Stammanbieter verlässt. Angesichts der nahen
Kapazitätsgrenze kann der Anbieter die von vielen Konkurrenten zuwachsende
Nachfrage aber in nur beschränktem Umfang aufnehmen, weshalb der Nachfrageverlust
dort unmerklich bleibt und folglich Preisreaktionen unterbleiben. Innerhalb
eines begrenzten Bereiches – dem mittleren Abschnitt der Preis-Absatz-Funktion
– kann sich der polypolistische Anbieter also wie ein Monopolist verhalten,
weshalb dieser Abschnitt als „ monopolistischer Abschnitt “ bezeichnet wird:
Käuferfluktuationen unterbleiben dort.
Die Ermittlung der gewinnmaximalen Preis-Mengen-Kombination
ist – analog zum Monopolfall – in Abb. 4 wiedergegeben. Interessant ist, dass
die gewinnmaximale Preis-Mengen-Kombination aufgrund von zwei Umsatzmaxima
sowohl im monopolistischen als auch im unteren polypolistischen Abschnitt (wie
in Abb. 4) liegen kann, was nicht zuletzt durch die Höhe der variablen Kosten
bestimmt ist: Verläuft die Kostenfunktion steil (flach), begünstigt dies die
Preissetzung im monopolistischen (polypolistischen) Abschnitt. Setzt man hohe
(niedrige) variable Kosten mit einem beratungsintensiven Fachgeschäft
(beratungslosen Discountgeschäft) gleich, so lassen sich aus der polypolistischen
Gutenberg-Absatzfunktion die beiden
dominanten Geschäftstypen erklären. Mit Blick auf den hybriden Käufer (Schmalen, H.
1994; Schmalen, H.
1996) bedeutet dies: Die Discountvariante bedient die Preiswert- oder
Billigkäufe, die – aufgrund eines geringen wahrgenommenen Risikos – als
unproblematisch erlebt werden; das Fachgeschäft wählt man hingegen, wenn der
Kauf risikobehaftet – und damit beratungsintensiv – erscheint ( „ Teuerkäufe “ ).
Abb. 4: Die Gewinnermittlung im heterogenen Polypol
4. Preispolitik
im heterogenen Oligopol
Die doppelt geknickte Preis-Absatz-Funktion kann auch zur
Beschreibung der preispolitischen Möglichkeiten im Oligopol – einem Markt mit
wenigen großen Anbietern – verwendet werden (Gutenberg, E.
1984, S. 272 ff.). Wie in Abb. 5 ersichtlich, haben Preiserhöhungen bzw. -senkungen
im mittleren Abschnitt die gleiche Wirkung wie im heterogenen Polypol. Auf eine
Preissenkung auf p2 reagieren die Konkurrenten allerdings durch
Senkung ihrer eigenen Preise, weil sie den Verlust ihrer Stammkundschaft
deutlich spüren. Ebenso wird bei einer Preiserhöhung auf p3 die Nachfrageerhöhung für die Konkurrenten
spürbar, weil sich die vielen Laufkunden auf einige wenige Anbieter verteilen.
Diese erhöhen ihre Preise auch, woraufhin die Laufkunden – aufgrund des
akquisitorischen Potenzials – zu ihrem Stammanbieter zurückkehren. Die
Nachfrage pendelt sich daher auf der „ Stammnachfrage-Gleitkurve “ ein, die der
vom Monopolfall bekannten Preis-Absatz-Funktion entspricht.
Hinter dem gleichförmigen Verhalten von oligopolistischen
Anbietern – wie z.B. Mineralölkonzernen – wird mitunter kartellrechtlich
verbotenes „ aufeinander abgestimmtes Verhalten “ vermutet. Häufig lässt sich das
„ bewusste Parallelverhalten “ aber durch die meist recht ähnlichen Kosten- und
Erlösstrukturen oligopolistischer Anbieter erklären: Erhöht der „ barometrische
Preisführer “ seinen Preis im Interesse der Gewinnmaximierung, dann ist dies oft
auch für die Konkurrenten vorteilhaft (Schmalen, H.
1995, S. 106 ff.)
Abb. 5: Die Nachfrage im heterogenen Oligopol
IV. Absatzmäßige
Produktverflechtungen
Von absatzmäßigen Produktverflechtungen wird gesprochen, wenn
der Absatz eines Produktes nicht nur von seinem Preis, sondern auch von dem
eines bzw. mehrerer anderer Produkte abhängt. Für den 2-Produkt-Fall ergeben
sich die Preis-Absatz-Funktionen:
.
Steigt die Verkaufsmenge des Produktes A, wenn – bei
unverändertem Preis von A – der Preis des Produktes B steigt, so wird von einer
substitutiven Beziehung gesprochen; offensichtlich kann Produkt B durch Produkt
A ersetzt werden (z.B. Butter und Margarine). Sinkt hingegen die Verkaufsmenge
von A, wenn der Preis von B erhöht wird, so stehen sie in komplementärer
Beziehung zueinander; sie werden gemeinsam konsumiert (z.B. Kamera und Filme).
Diese Zusammenhänge lassen sich mithilfe der Kreuzpreiselastizität darstellen:
Sie gibt an, um wie viel Prozent sich die Absatzmenge von
Produkt B ändert, wenn der Preis von Produkt A um ein Prozent erhöht wird. Für
substitutive Güter ist die Kreuzpreiselastizität positiv, für komplementäre
Güter hingegen negativ.
Im Rahmen einer „ Produktlinien-Preispolitik “ sind derartige
Abhängigkeiten zu beachten: So könnte eine Preiserhöhung beim Mittelklassewagen
dort zwar zu einer Verkaufs- und Gewinneinbuße, gleichzeitig aber bei den – im
Preis unveränderten – Klein- und Oberklassewagen zu einer mehr als
kompensierenden Verkaufs- und Gewinnzunahme führen, weshalb die Preiserhöhung
für den Hersteller insgesamt lohnend wäre (Schmalen, H.
1995, S. 76 ff.).
V. Dynamische Preispolitik
Die preispolitische Literatur empfiehlt vor allem zwei
Strategien zur Preisgestaltung im Zeitablauf:
Die „ Skimming-Strategie “ – als Strategie des „ Absahnens “ –
fordert, dass der zunächst hohe Einführungspreis des Produktes im Zeitablauf
gesenkt wird. Begründet wird dies mit:
-
den hohen Kosten der Produkteinführung in Form von
Forschungs- und Entwicklungskosten und „ Reibungsverlusten “ ,
-
der psychologischen Wirkung hoher Preise, hinter denen
Konsumenten oft eine gute Qualität vermuten ( „ Preis-Qualitäts-Hypothese “ ),
-
der Abschöpfung der Konsumentenrente preisbereiter
Nachfrager,
-
der Möglichkeit, die Qualität nachträglich ohne
Preiserhöhung zu verbessern sowie
-
der Möglichkeit, die Preise zu senken, wenn
Konkurrenten auftreten.
Die „ Penetration-Strategie “ – als Strategie der
Marktdurchdringung – empfiehlt hingegen, bereits in der Einführungsphase einen
niedrigen Preis zu setzen. Dies wird wiederum begründet mit:
-
der Abschreckungswirkung eines niedrigen Preises auf
potenzielle Konkurrenten, die diesen als „ Kostensignal “ interpretieren
( „ Limit pricing “ ),
-
dem schnelleren Erreichen hoher Verkaufszahlen, was
nicht nur die Imitatoren-Nachfrage fördern, sondern sogar eine
„ Systemführerschaft “ begründen kann (z.B. VHS-Standard bei Video-Recordern)
und außerdem zur Realisation von Kostendegressionseffekten führt sowie
-
der Förderung eines Preisgünstigkeitsimages.
Die Analyse dieser gegensätzlichen Preisstrategien auf der
Basis von Diffusionsmodellen kommt zu keinen eindeutigen Ergebnissen. Abhängig
von den Modellannahmen – z.B. über die Strategie der Konkurrenten – scheint
sowohl die Penetration- (Schmalen, H.
1979; Schmalen, H.
1992) als auch die Skimming-Strategie (Simon, W.
1992, S. 335 ff.) vorteilhaft zu sein. Bei Produktlebenszyklen, die stark von
Imitatoren geprägt sind, spricht jedenfalls vieles für eine
Penetration-Strategie (Investition in die Markterschließung).
VI. Preisdifferenzierung
1. Vertikale
Preisdifferenzierung
Von vertikaler Preisdifferenzierung wird gesprochen, wenn ein
Unternehmen auf verschiedenen Märkten für gleiche Produkte unterschiedliche
Preise verlangt (Schmalen, 1995,
S. 182 ff.). Das Unternehmen versucht so, die unterschiedliche
Preisbereitschaft – z.B. in verschiedenen Ländern – zu nutzen: Im Sinne der
Gewinnerzielung sollte der Preis um so höher sein, je geringer auf einem Markt
der Betrag der Preiselastizität ist. Wichtige Voraussetzung dafür ist freilich,
dass die Märkte voneinander isoliert sind, um Arbitragegeschäfte zu vermeiden.
Üblich ist die vertikale Preisdifferenzierung nicht nur auf räumlich, sondern
auch auf zeitlich getrennten Märkten (z.B. Haupt- und Nebensaison in
Urlaubsgebieten). Allerdings ist zu beachten, dass marktbeherrschenden
Unternehmen die vertikale Preisdifferenzierung untersagt ist (§ 19 IV Satz 3
GWB).
2. Horizontale
Preisdifferenzierung
Horizontale Preisdifferenzierung bedeutet, dass ein Unternehmen
den Preis für ein Produkt im Zeitablauf senkt, weshalb sie mit der oben
beschriebenen Skimming-Strategie vergleichbar ist. Auf die Abschöpfung der
Konsumentenrente soll in diesem Zusammenhang etwas genauer eingegangen werden:
Verlangt der Anbieter von Anfang an den gleichen Preis p0, so kann er die Menge x0 absetzen; er erwirtschaftet einen Umsatz in
Höhe von U, wie in Abb. 6 ersichtlich ist.
Abb. 6: Horizontale Preisdifferenzierung
Berücksichtigt er hingegen die Preisbereitschaft der Nachfrager,
so kann er zum Preis p1 die Menge x1, danach zum
Preis p2 die Menge x2, anschließend zum Preis p3 die Menge x3 und schließlich zum Preis p0 die Menge x4 absetzen. Im Zeitablauf kommen also die
weniger preisbereiten Nachfrager nach und nach hinzu, was – bei gleicher
gesamter Absatzmenge und damit gleichen Produktionskosten – zu einer
Umsatzerhöhung um führt.
Der Gewinn ist folglich erheblich größer als ohne horizontale
Preisdifferenzierung. Bedacht werden sollte aber, dass die frühen Käufer möglicherweise
verärgert werden, weshalb die horizontale Preisdifferenzierung oft durch
geringfügige Modifikationen getarnt (z.B. Hardcover/Paperback) oder aber als
Schlussverkauf deklariert wird.
Praktische Anwendung findet die horizontale
Preisdifferenzierung auch im Rahmen der ertragsorientierten Kapazitätssteuerung
des Yield-Managements (Faßnacht, M./Homburg,
C. 1998).
VII. Rechtliche
Beschränkungen der Preispolitik
Die Preisgestaltung ist grundsätzlich dem Anbieter selbst
überlassen. Allerdings schränken verschiedene Vorschriften diese Freiheit ein:
-
Seit 1974 verboten ist die „ Preisbindung der 2. Hand “ ,
d.h. die vertragliche Bindung des Handels an bestimmte Verkaufspreise durch
den Hersteller. Erlaubt sind hingegen „ unverbindliche Preisempfehlungen “ , die
aber deutlich als solche gekennzeichnet sein müssen.
-
Bei Sonderangeboten dürfen der Sonderangebotszeitraum
und die Abgabemenge ( „ Solange Vorrat reicht “ ) beschränkt, aber nicht
überzogen knapp gehalten werden. Ein Sonderangebot kann irreführend gemäß § 5
UWG sein (Lockvogelangebot), wenn in der Preispräsentation der Eindruck eines
nicht zutreffenden preisgünstigen Gesamtangebots gemacht wird.
-
Händlern, die im Verhältnis zu ihren kleinen und
mittleren Wettbewerbern eine überlegene Machtposition innehaben, sind darüber
hinaus Verkäufe unter Einstandspreis untersagt, wenn diese nicht „ sachlich gerechtfertigt “
sind (§ 20 IV GWB). Problematisch dabei ist, dass die Beweislast bei dem
betroffenen Unternehmen liegt, was einer Offenlegung der Kalkulation
gleichkommt.
-
Auch zu hohe Preise unterliegen rechtlichen
Beschränkungen: So sind nicht nur Wucher (§ 138 II BGB) – z.B. in Form der
Ausnutzung einer Zwangslage – oder sittenwidrige Ausbeutung (§ 1 UWG)
verboten. Marktbeherrschenden Unternehmen ist zudem die missbräuchliche
Ausnutzung dieser Position – z.B. durch wesentlich überhöhte Preise – untersagt;
das Bundeskartellamt kann in diesem Fall eine Preissenkung verlangen (§§ 19
und 32 GWB). Eine besondere Schwierigkeit ergibt sich in diesem Zusammenhang
bei der Festlegung des relevanten Vergleichsmarktes bzw. der
Kostenermittlung.
-
Schließlich unterlagen lange Zeit auch die Rabatte und
Zugaben strengen rechtlichen Beschränkungen. Beide Regelungen – Rabattgesetz
und Zugabeverordnung – sind im Sommer 2001 abgeschafft worden: Da es in
keinem anderen Industriestaat derartige Beschränkungen gibt, wären deutsche
e-commerce-Anbieter erheblich benachteiligt worden.
VIII. Ausblick
Geprägt durch die neoklassische Theorie, die die Preispolitik
als einziges absatzpolitisches Instrument kennt, war auch die deutschsprachige
Lehre von der Absatzwirtschaft in ihren Ursprüngen stark von der Preispolitik
dominiert (Gutenberg, E.
1984). Durch die „ Übernahme des Marketing-Paradigmas durch die
Wissenschaft “ (Sabel, H.
1998, S. 107) rückten jedoch andere Aspekte und Instrumente, wie z.B. die durch
psychologische und soziologische Erkenntnisse gestützte Beeinflussung des
Konsumentenverhaltens durch Werbung, immer mehr in den Vordergrund. Jüngste
Entwicklungen und Innovationen – insbesondere im Dienstleistungssektor (z.B.
die Bahncard der Deutschen Bahn oder
das Miles-and-More-Programm der Lufthansa)
– haben den Blick aber wieder stärker auf die Preis- und Konditionengestaltung
gelenkt, sodass mitunter sogar von einer „ Renaissance der Preispolitik “
gesprochen wird (Diller, H.
1999, S. 39 f.; Simon, H.
1992, S. 7 ff.).
Literatur:
Diller, Hermann :
Entwicklungslinien in Preistheorie und -management, in: Marketing ZFP, Jg. 21,
1999, S. 39 – 60
Faßnacht, Martin/Homburg,
Christian : Preisdifferenzierung und Yield Management bei
Dienstleistungsanbietern, in: Handbuch Dienstleistungsmarketing, Band I, hrsg.
v. Meyer, Anton, Stuttgart 1998, S. 866 – 879
Diller,
Hermann/Herrmann, Andreas : Handbuch Preispolitik, Wiesbaden 2003
Gutenberg, Erich :
Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band II: Der Absatz, Berlin et al.,
17. A., 1984
Müller-Hagedorn, Lothar
: Der Handel, Stuttgart et al. 1998
Pechtl, Hans :
Preispolitik, Stuttgart 2005
Sabel, Hermann : Die
Geschichte des Marketing in Deutschland, in: Wirtschaftswissenschaftliches
Studium, Jg. 27, 1998, S. 106 – 110
Schmalen, Helmut :
Marketing-Mix für neuartige Gebrauchsgüter, Wiesbaden 1979
Schmalen, Helmut :
Kommunikationspolitik, Stuttgart et al., 2. A., 1992
Schmalen, Helmut : Das
hybride Kaufverhalten und seine Konsequenzen für den Handel, in: ZfB, Jg. 64,
1994, S. 1121 – 1240
Schmalen, Helmut :
Preispolitik, Stuttgart et al., 2. A., 1995
Schmalen, Helmut :
Schnäppchenjagd und Polarisierung im Handel, in: Markenartikel, Jg. 58, 1996,
S. 50 – 53
Schmalen, Helmut :
Grundlagen und Probleme der Betriebswirtschaft, Köln, 13. A., 2006
Simon, Hermann :
Preismanagement, Wiesbaden, 2. A., 1992
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