Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
II. Verhaltenswissenschaftliche
Ansätze der Marktsegmentierung
III. Datenanalytisches
Verfahren der Marktsegmentierung
IV. Segmentspezifische
Marktbearbeitung
V. Zusammenfassung
I. Grundlagen
1. Begriff
Im engeren Sinne ist unter einer Marktsegmentierung die
(Auf-)Teilung heterogener Gesamtmärkte in homogene
Teilmärkte (Segmente) mittels
bestimmter Merkmale der tatsächlichen bzw. potenziellen Käufer
(Segmentierungsmerkmale) zu verstehen. In einem weiteren, anwendungsbezogenen
Sinne umfasst die Marktsegmentierung zusätzlich die gezielte Bearbeitung eines
oder mehrerer Segmente mithilfe segmentspezifischer Marketing-Programme. Die
hier zugrunde gelegte weitere Begriffsfassung beinhaltet somit sowohl Aspekte
der Markterfassung als auch Aspekte der Marktbearbeitung.
2. Problembereiche
Die Markterfassungsseite
der Marktsegmentierung geht von geeigneten Modellen aus, die
Kaufverhaltensunterschiede zwischen einzelnen Käufern anhand kaufrelevanter
Segmentierungsmerkmale zu erklären (kaufverhaltensorientierter
Ansatz). Die Identifikation homogener Segmente kann mit entsprechenden
Erhebungs- und insb. mathematisch-statistischen Auswertungsmethoden unterstützt
werden (methodenorientierter Ansatz).
Mithilfe von Datenanalyseverfahren
werden Segmente anhand kaufverhaltensrelevanter Segmentierungsmerkmale
beschrieben und voneinander abgegrenzt. Der management-
oder entscheidungsorientierte Ansatz der Marktsegmentierung baut auf dem
verhaltens- und methodenorientierten Ansatz auf. Dabei sind Entscheidungen über
die Auswahl der zu bearbeitenden Segmente sowie über
entsprechende segmentspezifische Marketing-Programme zu treffen (vgl. zu
diesen drei Problembereichen die Abb. 1).
Abb. 1: Problembereiche der Marktsegmentierung
Das Produktpositionierungsmodell stellt einen engen
Zusammenhang zwischen der Informations- und der Aktionsseite der
Marktsegmentierung her. Es positioniert die Produkte (Marken) einer Produktart
und die Käufer in einem mehrdimensionalen Eigenschaftsraum (vgl. dazu
Abb. 2); zum Produktpositionierungsmodell Freter, H.
1983; Mayer, U.
1984; Müller, W.
1986; Rehder, H.K.
K. 1975).
Abb. 2: Positionierung von Produkten und Käufern im
zweidimensionalen Eigenschaftsraum
Grundelemente des Modells sind die relevanten subjektiv wahrgenommenen
Produkteigenschaften. Anhand dieser Dimensionen nehmen die Käufer die
Produkte wahr, beurteilen und vergleichen sie und treffen eine Markenwahl Die
subjektiv wahrgenommenen Eigenschaftsausprägungen der einzelnen Produkte
bestimmen deren Position im Eigenschaftsraum. Die Positionierung der Käufer im
Eigenschaftsraum ergibt sich aus den entsprechenden Ausprägungen der
individuellen Idealprodukte, welche diejenigen Kombinationen von
Eigenschaftsausprägungen verkörpern, die von den betreffenden Käufern allen
anderen Kombinationen vorgezogen werden. Käufer mit ähnlichen Anforderungen an
ein Idealprodukt bilden ein Segment. Die gleichzeitige Analyse von Real- und Idealprodukten
(Joint-Space-Analyse) zeigt globale Ansatzpunkte für eine segmentspezifische
Marktbearbeitung auf. Es lassen sich zusätzliche Einblicke in die
Wettbewerbssituation zwischen den Produkten gewinnen, entsprechende Wirkungen
aufzeigen und Positionierungsstrategien ableiten. Eingeengt auf die
spezifischen (Segmentierungs-)Kriterien des Positionierungsmodells handelt es
sich somit um einen Teilbereich der Marktsegmentierung, bei dem enge Bezüge
zwischen der Informations- und Aktionsseite bestehen.
3. Aufgaben der Marktsegmentierung
Die Marktsegmentierung vermag einer Vielzahl von Zielen und Zwecken zu dienen, die sich
sowohl auf die Markterfassungs- als auch auf die Marktbearbeitungsseite des Marketing
beziehen:
-
Marktidentifizierung (d.h. Abgrenzung des relevanten
Gesamtmarktes, Bestimmung der relevanten Teilmärkte, Auffinden
vernachlässigter Teilmärkte);
-
Bessere Befriedigung der Käuferbedürfnisse;
-
Erzielung von Wettbewerbsvorteilen;
-
Vermeidung von Substitutionseffekten zwischen den
Marken im eigenen Sortiment;
-
Rechtzeitige Beurteilung von Neueinführungen der
Konkurrenten und rechtzeitiges Ergreifen von Gegenmaßnahmen;
-
Präzisierung der Zielgruppen eingeführter Marken;
-
Fundierte Prognose der (segmentspezifischen)
Marktentwicklung;
-
Exaktere Ableitung von Marktreaktionsfunktionen;
-
Gezielter Einsatz der Marketing-Instrumente;
-
Optimale Allokation des Marketing-Budgets auf die
einzelnen Segmente;
-
Erhöhung der Zielerreichungsgrade.
II. Verhaltenswissenschaftliche
Ansätze der Marktsegmentierung
Ein segmentspezifischer Einsatz der Marketing-Instrumente
setzt voraus, dass kaufverhaltensrelevante Unterschiede zwischen den Käufern
bestehen. Dabei bietet sich eine Vielzahl von Segmentierungsmerkmalen an, deren
Eignung anhand einer Reihe von Beurteilungskriterien zu überprüfen ist.
1. Käuferverhalten als Ausgangspunkt
Die Marktsegmentierung sollte auf geeigneten
Erklärungsmodellen des Käuferverhaltens
aufbauen. Dabei ist zwischen folgenden Basistypen des Kaufverhaltens zu
unterscheiden:
-
Individuelles oder kollektives Kaufverhalten,
-
Kaufverhalten von privaten Haushalten oder von
Organisationen.
Sowohl in Haushalten als auch in Organisationen lässt sich
situationsspezifisch ein individuelles und ein kollektives Kaufverhalten
beobachten. Das individuelle Konsumentenverhalten
stand bislang im Mittelpunkt von Erklärungsversuchen. Auch für die
Marktsegmentierung spielt es eine Rolle, welcher der folgenden Aspekte des
Käuferverhaltens analysiert werden soll:
-
Produktartwahl,
-
Markenwahl,
-
Einkaufsstättenwahl (Ort),
-
Verbrauchsintensität (Menge).
Erklärungsmodelle des
Käuferverhaltens sollten zugleich Unterschiede im Kaufverhalten und damit
Ansatzpunkte für die Marktsegmentierung erklären können. Es werden beobachtbare
Merkmale und/oder nicht beobachtbare (hypothetische Konstrukte) zur Erklärung
des Verhaltens analysiert. Die Ausprägungen eines oder mehrerer solcher
Merkmale werden zur Abgrenzung von Marktsegmenten eingesetzt.
2. Segmentierungsmerkmale
Die Auswahl geeigneter Segmentierungsmerkmale hängt unter
anderem von der Art der Käufer bzw. Märkte ab, wobei zumindest zwischen folgenden
grundlegenden Märkten zu unterscheiden ist: Konsumgüter-, Investitionsgüter-,
Wiederverkäufer-, staatliche und Exportmärkte.
Die Merkmale zur Segmentierung von Konsumenten lassen sich in
vier Gruppen einteilen (vgl. dazu die Übersicht in Abb. 3):
Abb. 3: Merkmale zur Segmentierung von Konsumenten
-
Marketing-Mix-bezogene Reaktionskoeffizienten
(Es werden solche Käufer zu Segmenten zusammengefasst, die ähnliche
Reaktionen auf den Einsatz der Instrumente aufweisen),
-
Sozio-ökonomische
Merkmale,
-
Psychografische
Merkmale (nicht beobachtbare hypothetische Konstrukte zur Erklärung des
Käuferverhaltens),
-
Merkmale des
beobachtbaren Kaufverhaltens
(Rückschluss vom Käuferverhalten der Vergangenheit auf zukünftiges
Verhalten).
Beim Investitionsgütermarketing
bietet sich eine mehrstufige Segmentierung an. (Zur Marktsegmentierung bei
Investitionsgütern vgl. Bonoma, T.
V./Shapiro, B. P. 1983; Gröne, A.
1977; Horst, B.
1988; Kols, P.
1986). Es ist zumindest zwischen einer Klassifikation von Unternehmen und einer
Klassifikation von Entscheidungsträgern im Unternehmen zu unterscheiden
(organisationale und individuelle Segmentierungsmerkmale). Diese Kriterien
lassen sich folgenden Merkmalsgruppen zuordnen:
-
Organisationale
Merkmale der Unternehmung (z.B. Branchenzugehörigkeit,
Unternehmensgröße),
-
Merkmale des
Einkaufskollektivs (z.B. Größe und Zusammensetzung des Kollektivs),
-
Individualmerkmale
der an der Einkaufsentscheidung beteiligten Personen (z.B. Verhalten der
Informationsgewinnung, Beruf/Ausbildung, Motive, Einstellungen).
Eine Segmentabgrenzung hat Merkmale aller Ebenen zu
berücksichtigen.
3. Beurteilung der Segmentierungsmerkmale
Die Marktsegmentierungsmerkmale haben einer Reihe von Anforderungskriterien zu genügen und
unterscheiden sich in Bezug auf deren Erfüllung:
-
Kaufverhaltensrelevanz
(Die Segmentierungsmerkmale sollten zu Segmenten führen, die in Bezug auf das
relevante Kaufverhalten in sich homogen, untereinander jedoch heterogen
sind),
-
Aussagefähigkeit
für den segmentspezifischen Einsatz der Marketing-Instrumente,
-
Zugänglichkeit
(Die Segmentierungsmerkmale sollten zu Segmenten führen, die insb. über
Kommunikations- und Distributionskanäle erreicht werden können),
-
Messbarkeit
(Operationalität)
(Die Ausprägungen der Segmentierungsmerkmale sollten mit den vorhandenen
Marktforschungsmethoden erfassbar sein),
-
Zeitliche
Stabilität
(Die Segmentierungskriterien sollten eine Aussagefähigkeit über einen
längeren Zeitraum hinweg besitzen),
-
Wirtschaftlichkeit
(Die Erhebung der Ausprägungen der Segmentierungskriterien ist unter
Wirtschaftlichkeitsaspekten zu beurteilen, d.h. nach den Kosten der
Informationsgewinnung und -verarbeitung),
-
Akzeptanz beim
Außendienst
(Dieses Anforderungskriterium kommt insb. beim Investitionsgütermarketing
hinzu).
Abb. 4 versucht,
die tendenziellen Vor- und Nachteile der Merkmale im Konsumgüterbereich
gegenüberzustellen (zu einer detaillierten Beurteilung der Merkmale im
Investitionsgüterbereich vgl. Gröne, A.
1977).
Abb. 4: Vergleichende Beurteilung von
Marktsegmentierungskriterien im Konsumgüterbereich
III. Datenanalytisches
Verfahren der Marktsegmentierung
Empirische Erhebungen zum Käuferverhalten und zur
Identifikation von Marktsegmenten erfassen durch umfangreiche Stichproben die
Ausprägungen einer Vielzahl von als relevant erachteten Merkmalen der Käufer.
Zur Auswertung dieser umfangreichen Datensätze bieten sich entsprechende Datenanalyseverfahren
unter Einsatz der EDV an (dazu insb. Böhler, H.
1977). Der methodenorientierte Ansatz
der Marktsegmentierung umfasst entsprechende Erhebungs- und Auswertungsmethoden:
-
Erklärung des Zusammenhangs zwischen dem Kaufverhalten
und relevanten Bestimmungsfaktoren mithilfe der multiplen Regressionsanalyse
oder der Segmentationsanalyse (AID, Kontrastgruppenanalyse),
-
Erklärung der Zugehörigkeit von Käufern, die bekannten
Segmenten angehören, anhand relevanter Käufermerkmale (multiple
Diskriminanzanalyse),
-
Reduktion von Käufermerkmalen auf untereinander
unabhängige Faktoren (Faktorenanalyse),
-
Bildung von homogenen Käufersegmenten, die
untereinander heterogen sind (Clusteranalyse),
-
Positionierung von Produkten und Käufern in einem
mehrdimensionalen Eigenschaftsraum auf der Basis von produktbezogenen
Ähnlichkeits- und Präferenzdaten (Multidimensionale Skalierung, MDS).
Als Ergebnis des verhaltens- und methodenorientierten
Ansatzes liegen folgende Informationen vor:
-
Zahl der Marktsegmente,
-
Größe der Segmente,
-
Beschreibung der Segmente anhand relevanter
Käufermerkmale.
Auf diesen Informationen baut der entscheidungs- bzw.
managementorientierte Ansatz der Marktsegmentierung auf.
IV. Segmentspezifische
Marktbearbeitung
Es sind Entscheidungen über die Auswahl der zu bearbeitenden
Segmente und über entsprechende segmentspezifische Marketing-Programme zu
treffen. Beide Entscheidungen hängen eng zusammen, denn der Zielbeitrag eines
Segments hängt von den segmentspezifischen Umsätzen und Kosten und damit auch
von den segmentspezifischen Marktbearbeitungsmaßnahmen ab.
1. Auswahl der zu bearbeitenden Segmente
Es erfolgt eine Unterteilung in globale Strategien einer
segmentbezogenen Marktbearbeitung einerseits und
Produktpositionierungsstrategien andererseits.
a) Globale Strategien einer segmentbezogenen
Marktbearbeitung
Es lassen sich ein undifferenziertes, ein konzentriertes und
ein differenziertes Marketing unterscheiden (vgl. dazu Bauer, E.
1976).
Beim undifferenzierten
Marketing wird der Gesamtmarkt mit einem Produkt und einem Marketing-Programm
angesprochen. Eine Segmentierung des Marktes ist im Grunde nicht notwendig.
Diese Strategie konzentriert sich auf die Gemeinsamkeiten
aller Marktsegmente, ohne auf segmentspezifische Besonderheiten einzugehen. Den
Vorteilen einer entsprechenden Massenproduktion stehen hohe Marketing-Kosten
gegenüber, wenn die Konkurrenten ebenfalls eine undifferenzierte Strategie verfolgen.
Außerdem können Wettbewerber mit der Einführung segmentspezifischer Produkte
und Programme Wettbewerbsvorteile erreichen.
Beim konzentrierten Marketing richtet sich die Unternehmung
mit einem Produkt und Programm an dasjenige Marktsegment, dessen Bearbeitung
den höchsten Zielerreichungsbeitrag liefert. Die Konzentration eines
mittelständischen Unternehmens auf eine Marktnische
lässt sich als eine solche konzentrierte Marktbearbeitungsstrategie
kennzeichnen. Diese Strategie birgt allerdings in dynamischen Märkten das
Risiko einer starken Abhängigkeit von der Entwicklung des bearbeiteten Segments
in sich.
Beim differenzierten Marketing spricht eine Unternehmung alle oder ausgewählte Segmente des
Marktes an. Die Differenzierung betrifft entweder das gesamte
Marketing-Programm (inklusive des Produktes) oder nur einen Teil. Durch die
Teilhabe am Potenzial mehrerer Segmente ergeben sich im Vergleich zur
Konzentrationsstrategie Umsatzsteigerungen, Kostendegressionen und eine
Risikostreuung. Die Differenzierung des Instrumenteeinsatzes erhöht im
Vergleich zur undifferenzierten Strategie die Produktionskosten (Produkt- und
Verpackungsvarianten) und einen Teil der Marketing-Kosten
(z.B. Marktforschungs-, Werbe- und Lagerhaltungskosten).
Die dargestellten globalen Strategien geben allerdings keine
materiellen Hinweise, welche Segmente
bearbeitet werden sollen. Zur Beantwortung dieser Frage sind insbesondere
folgende segmentspezifische Aspekte zu beurteilen:
-
Erzielbare Umsätze (Segmentvolumen und -potenzial, erzielbarer
Absatzpreis),
-
Kosten der Segmentbearbeitung (segmentspezifische
Fixkosten, variable Herstellkosten, Marketing-Kosten),
-
Entwicklungstendenzen in den Segmenten,
-
Konkurrenzsituation in den Segmenten,
-
Erreichung von Marketing-Zielen
in den einzelnen Segmenten unter Berücksichtigung der Ungewissheit.
b) Produktpositionierungsstrategien
Unter Bezugnahme auf die räumliche Verteilung von Produkten
und Käufern im Eigenschaftsraum der Abb.
2 lassen sich folgende Strategien analysieren:
(1) Umpositionierungsstrategien
Soll ein Produkt in ein anderes Segment umpositioniert
werden, um einem Wettbewerbsdruck auszuweichen (Produkt 2 könnte z.B. vom
Segment II nach III umpositioniert werden.)?
(2) Positionierung von Neuprodukten
-
Soll ein neues Produkt in das bislang nicht besetzte
kleine Segment III positioniert werden (Nischenstrategie)
oder in ein bereits besetztes Segment, z.B. das mit dem Produkt 1 besetzte
große Segment I (»Imitationsstrategie«)?
-
Wie sollen zusätzliche Produktvarianten zur Abrundung
des Programms bei einer differenzierten Marktbearbeitungsstrategie
positioniert werden, um Kannibalisierungswirkungen
zu vermeiden?
Modellrechnungen vermögen hierbei die Zahl von Käufern zu
bestimmen, die mit einer konkreten Produktposition gewonnen werden können.
Umsatz- und kostenmäßige Konsequenzen einer Positionierungsstrategie lassen
sich dagegen nur durch zusätzliche Annahmen und entsprechende Nebenrechnungen
erfassen.
Je nachdem, mit welchen Käufereigenschaften die
Segmentbildung erfolgt, ergeben sich Ansatzpunkte für eine segmentspezifische
Marktbearbeitung.
2. Segmentspezifischer Einsatz der
Marketing-Instrumente
Bei den Strategien der konzentrierten
und differenzierten Marktbearbeitung
hat sich der Einsatz der Marketing-Instrumente auf das jeweils ausgewählte
Marktsegment auszurichten. Die Ansprache mehrerer Marktsegmente setzt eine
Differenzierung mindestens eines Instrumentes, häufig eine Differenzierung
ganzer Marketing-Programme voraus.
a) Segmentspezifischer Einsatz der Produktpolitik
Die Produktpolitik
hat die Wünsche, Bedürfnisse und Produktanforderungen des anzusprechenden
Segments zu berücksichtigen. Die Ansprache mehrerer Segmente führt
dementsprechend häufig zur Entwicklung segmentspezifischer Produktvarianten (Produktdifferenzierung). Die
Ausprägungen der Idealmarken des Positionierungsmodells weisen auf
entsprechende Anforderungen der einzelnen Segmente hin.
b) Segmentspezifischer Einsatz der
Kommunikationspolitik
Das anzusprechende Marktsegment stellt in der Regel zugleich
die Zielgruppe für kommunikative
Maßnahmen dar. Eine segmentspezifische Zielung hat dabei folgende Aspekte zu
berücksichtigen (Ries,
A./Trout, J. 1986):
-
Auswahl geeigneter Werbeträger,
-
Segmentspezifische Gestaltung der kommunikativen
Botschaften und Werbemittel,
-
Häufigkeit der kommunikativen Ansprache,
-
Bestimmung segmentspezifischer Kommunikationsbudgets
bzw. Verteilung des Kommunikationsbudgets auf einzelne Segmente.
c) Segmentspezifischer Einsatz der Preis- und
Konditionenpolitik
Die Preispolitik und die Konditionenpolitik
bieten eine Vielzahl von Möglichkeiten einer segmentspezifischen
Marktbearbeitung (Preise, Rabatte, Absatzkredite, Lieferungs- und
Zahlungsbedingungen).
Bei der Ansprache mehrerer Segmente führt eine Preisdifferenzierung in der Regel zu
höheren Umsätzen und Gewinnen als die Einheitspreise.
Eine Preisdifferenzierung ist vor allem im Konsumgüterbereich
mit einer Differenzierung anderer Marketing-Instrumente zu verbinden (z.B.
Produkt-, Verpackungs- und Absatzwegepolitik), um eine Arbitrage zwischen den
Segmenten zu verhindern.
d) Segmentspezifischer Einsatz der
Distributionspolitik
Die Wahl der segmentspezifischen Absatzwege stellt ein marketingstrategisches Problem dar. Ebenso
wie die Werbeträgerauswahl berührt die Auswahl von Alternativen des indirekten
Vertriebs Fragen der Erreichbarkeit
der anvisierten Segmente. Es sind solche Absatzwege auszuwählen, welche das
ausgewählte Segment bestmöglich erreichen. Der indirekte Vertrieb bedingt
zumeist eine kanalspezifische Bearbeitung des Handels (z.B. in Bezug auf
Fabrikabgabepreise, Konditionen, handelsbezogene Verkaufsförderungsmaßnahmen).
Auch hier zeigt sich wieder, dass eine segmentspezifische Marktbearbeitung
häufig nicht auf ein Marketing-Instrument beschränkt ist, sondern vielmehr den
Einsatz entsprechender Marketing-Programme erfordert (segmentspezifisches Marketing-Mix).
V. Zusammenfassung
Wegen der Notwendigkeit, den Einsatz der
Marketing-Instrumente auf die Käufer und bei kaufrelevanten Unterschieden
zwischen den Käufern auf einzelne Marktsegmente auszurichten, kommt dem
Problembereich der Marktsegmentierung auch eine große praktische Bedeutung zu.
Die Auswahl der anzusprechenden
Segmente stellt dabei ein wichtiges marketingstrategisches Problem dar.
Trotz einer umfangreichen wissenschaftlichen
Auseinandersetzung mit dem Käuferverhalten und den verhaltenswissenschaftlichen
Grundlagen der Marktsegmentierung ist die Erklärung
des Käuferverhaltens weiterhin der Schwachpunkt des gesamten Konzepts. Die
Ableitung von Marktbearbeitungsstrategien erfolgt deswegen mit einem hohen
Ausmaß an Ungewissheit. Die datenanalytischen Verfahren, die verfügbare
EDV-Hardware und -Software haben dagegen einen hohen Reifegrad erreicht.
Literatur:
Bauer, E. : Marktsegmentierung als
Marketing-Strategie, Berlin 1976
Böhler, H. : Methoden und Modelle der
Marktsegmentierung, Stuttgart 1977
Bonoma, T. V./Shapiro, B. P. :
Segmenting the Industrial Market, Lexington/Mass. et al. 1983
Büttner, H. : Die segmentorientierte
Marketingplanung im Einzelhandelsbetrieb, Göttingen 1986
Frank, R. E./Massy, W. F./Wind, Y. J.
: Market Segmentation, Englewood Cliffs/N.J. 1972
Freter, H. : Marktsegmentierung,
Stuttgart et al. 1983
Freter, H. : Marktsegmentierung, in:
HWB, Bd. 2, hrsg. v. Wittmann, W./Kern, W./Köhler, R. et al., 5. A., Stuttgart
1993, Sp. 2803 – 2818
Gröne, A. : Marktsegmentierung bei
Investitionsgütern, Wiesbaden 1977
Horst, B. : Ein mehrdimensionaler
Ansatz zur Segmentierung von Investitionsgütermärkten, Pfaffenweiler 1988
Kaiser, A. : Die Identifikation von
Marktsegmenten, Berlin 1978
Kols, P. : Bedarfsorientierte
Marktsegmentierung auf Produktivgütermärkten, Frankfurt a.M. 1986
Martin, M. : Mikrogeographische
Marktsegmentierung, Wiesbaden 1992
Mayer, U. : Produktpositionierung,
Köln 1984
Müller, W. : Planung von
Marketing-Strategien, Frankfurt a.M. 1986
Rehder, H.K. K. : Multidimensionale
Produktmarktstrukturierung, Meisenheim 1975
Ries, A./Trout, J. : Positioning,
Hamburg et al. 1986
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