Inhaltsübersicht
I. Begriff
II. Fusionsformen
III. Fusionsmotive
IV. Fusionsdurchführung
V. Fusionserfolg
I. Begriff
Die Fusion
bezeichnet einen Zusammenschluss von zwei oder mehr Unternehmen zu einer wirtschaftlichen
und rechtlichen Einheit. Die Fusion gilt als Zusammenschluss mit der höchsten
Bindungsintensität, da mindestens ein Unternehmen (Verschmelzung durch
Aufnahme) oder alle beteiligten Unternehmen (Verschmelzung durch Neubildung)
ihre rechtliche Selbständigkeit aufgeben.
II. Fusionsformen
Nach der Richtung der Diversifikation lassen sich
horizontale, vertikale und konglomerate Fusionen unterscheiden. Bei
horizontalen Fusionen sind die beteiligten Unternehmen in der gleichen Branche
sowie der gleichen Produktions- bzw. Handelsstufe tätig. Das Bundeskartellamt
zählt dazu auch produktausweitende Fusionen von Unternehmen mit verwandten
Produktprogrammen. Bei vertikalen Fusionen werden vormalige Zulieferer oder
Abnehmer übernommen und damit die Leistungstiefe erhöht. Bei konglomeraten
Fusionen weisen die beteiligten Unternehmen keinerlei Verwandtschaft bezüglich
ihrer Produkte und/oder Märkte auf.
III. Fusionsmotive
Fusionsentscheidungen gehen meist nicht auf ein einzelnes,
sondern auf eine Kombination unterschiedlicher Motive zurück. Von
Unternehmensvertretern werden insbesondere das Wachstum im Kerngeschäft, eine
verbesserte geographische Präsenz, der Zuwachs an Marktanteilen und die
Realisierung von Synergien als zentrale Motive angeführt (Fischer, D.
2000). Eine Möglichkeit zur Differenzierung von Fusionsmotiven besteht in der
Kategorisierung nach realen, spekulativen und Managementmotiven (Hughes,
A./Mueller, D.C./Singh, A. 1980; Ravenscraft,
D.J./Scherer, F.M. 1987).
1. Reale Fusionsmotive
Reale Fusionsmotive beruhen auf der Annahme, dass die
Unternehmen nach der Fusion erfolgreicher sind als sie es einzeln wären und
daher durch einen Zusammenschluss den Unternehmenswert steigern können. Reale
Motive werden auch als „ Synergien “ (1+1=3-Effekte) bezeichnet. Diese beruhen
auf wachsender Marktmacht, Kosten- und Steuervorteilen oder einer verbesserten
Unternehmensführung. Die Marktmacht eines Unternehmens wird durch seinen
Marktanteil sowie hohe Markteintrittsbarrieren bestimmt. Diese Barrieren können
struktureller oder strategischer Natur sein oder auch in Form von
Marktaustrittsbarrieren vorliegen (Bain, J.S.
1965). Je nach Fusionsform entsteht Marktmacht auf unterschiedliche Weise.
Horizontale Zusammenschlüsse ohne Produktausweitung führen schnell zu einer
Erhöhung der Marktanteile und können die Markteintrittsbarrieren erhöhen. Bei
produktausweitenden Zusammenschlüssen kann die Marktmacht durch eine
Übertragung von Erfahrungsvorteilen erhöht werden. Vertikale Fusionen
erschweren durch die Verringerung des Wettbewerbs im Zuliefer- oder Abnehmerbereich
Quereinstiege auf einer der integrierten Produktionsstufen und erhöhen damit
die Markteintrittsbarrieren für neue Konkurrenten. Bei konglomeraten Fusionen
ist dies durch Mischkalkulationen im Rahmen einer internen Subventionierung
oder durch Verbundgeschäfte möglich (Grimm, A.
1987). Kostenvorteile können bei Fusionen zunächst im Gemeinkostenbereich
auftreten, wenn einzelne Funktionen der fusionierten Unternehmen zusammengelegt
werden können. Darüber hinaus sind bei den verschiedenen Fusionsformen weitere
Kostenersparnisse möglich. Horizontale Fusionen ohne Produktausweitung
erweitern die Betriebsgröße und führen damit zu Economies of Scale, die durch
die Erfahrungskurve ausgedrückt werden können. Bei einer Produktausweitung sind
Economies of Scope durch übertragbare Erfahrungsvorteile und den Einsatz
flexibler Produktionsanlagen möglich. Die Verringerung marktlicher
Unsicherheiten bei vertikalen Fusionen senkt die Transaktionskosten einer
externen Beschaffung (Williamson,
O.E. 1975). Vorteile konglomerater Fusionen werden in der
Übertragung von Kernkompetenzen und Goodwill auf neue Geschäfte gesehen sowie
in der gemeinsamen Nutzung einer bestehenden Infrastruktur (Dess,
G.G./Picken, J.C./Janney, J.J. 1998).
Steuervorteile bieten Fusionen insbesondere dann, wenn
Verlustvorträge eines der beteiligten Unternehmen die Steuerbelastung des
Gesamtunternehmens nach der Fusion senken. Diese Ersparnisse sind teilweise
erheblich und können in Einzelfällen sogar den Kaufpreis übersteigen (Bühner, R.
1990).
Ein weiteres Motiv basiert auf dem Konzept des Marktes für
Unternehmenskontrolle (Manne, H.G.
1965). Fusionen sind danach ein Mittel zur Vermeidung von Konkursen, wenn
Vermögen zu erfolgreichen Unternehmen transferiert und damit ein ineffizientes
Management ersetzt wird.
2. Spekulative Fusionsmotive
Spekulative Fusionsmotive liegen vor, wenn ein Käufer glaubt,
dass der wahre Wert eines Kaufobjekts höher sei als seine Bewertung am Kapitalmarkt.
Unterbewertungen beruhen auf Marktunvollkommenheiten, Informationsdefiziten
oder unterschiedlichen Analysefähigkeiten. Marktunvollkommenheiten sind die
Grundlage für die Economic Disturbance Theorie (Gort, M.
1969). Fusionen kommen danach zustande, weil die Käufer die Zukunft des zu
kaufenden Unternehmens optimistisch sehen, die Eigentümer dagegen pessimistisch
sind. In Zeiten allgemein steigender Aktienkurse ist dabei in erster Linie die
optimistische Haltung der Käufer entscheidend, in Zeiten fallender Kurse eher
die pessimistische Einstellung der Eigentümer. Informationsdefizite des
gesamten Kapitalmarktes führen zu einer Unterbewertung von Unternehmen und
lassen diese zu Fusionsobjekten werden, wenn ein potenzieller Käufer den wahren
Unternehmenswert erkennt. Darüber hinaus kann ein Käufer über Informationen
verfügen, die eine bessere Führung des Fusionsobjektes ermöglichen und damit
den Unternehmenswert lediglich im Falle der Fusion erhöhen (Halpern, P.
1983).
Bessere Analysefähigkeiten ermöglichen einem Käufer, den Wert
von Fusionsobjekten genauer zu bestimmen als der gesamte Kapitalmarkt. Positiv
wirken sich hierbei Erfahrungen aus früheren Fusionen aus. Durch diese
Erfahrungen kann ein Käufer Fusionsobjekte identifizieren, die in sein
strategisches Konzept passen, angemessene Kaufpreise ermitteln und das
übernommene Unternehmen erfolgreich eingliedern und führen.
3. Managementmotive für Fusionen
Managementmotive für Fusionen werden mit Agency-Konflikten
begründet, die in modernen Großunternehmen durch die Trennung von Eigentum und
Leitung entstehen (Berle,
/Means, 1986; Jensen,
/Meckling, 1983). Nach der Agency-Theorie
verfolgen Manager bei der Fusion von Unternehmen in erster Linie eigene Ziele,
auch wenn diese nicht im Interesse der Eigentümer liegen. Zu den
agency-theoretischen Managementmotiven für Fusionen zählen neben Macht- und
Prestigestreben finanzielle Interessen des Managements, seine Selbstüberschätzung
sowie die Verwendung freier liquider Mittel im Eigeninteresse.
Das Macht- und Prestigestreben des Managements zielt alleine
auf Unternehmenswachstum ab, ohne eine entsprechende Entwicklung des
Shareholder Value im Eigentümerinteresse zu berücksichtigen. Dieses
Wachstumsstreben wird durch Entgeltregelungen gefördert, die in erster Linie
von der Unternehmensgröße abhängen (Marris, R.
1966). Fusionen sind dabei von besonderer Bedeutung, da sie den Einflussbereich
des Managements auf einen Schlag erheblich ausweiten. In einigen Fällen scheint
sogar eine direkte Beziehung zwischen dem Wachstumsstreben des Managements und
den Fusionsaktivitäten seines Unternehmens zu bestehen.
Die Selbstüberschätzung des Managements ist Grundlage der
Hybris-Hypothese (Roll, R.
1986). Danach kommt es zu Fusionen, weil das Management seine Fähigkeiten zur
erfolgreichen Führung des fusionierten Unternehmens überschätzt. Die vermuteten
Erfolgspotenziale können – wenn überhaupt vorhanden – nicht realisiert werden,
die erwarteten Synergieeffekte stellen sich nur in sehr viel geringerem Umfang
ein oder bleiben aus (Goold,
M./Campbell, A. 1998).
Verfügt ein Unternehmen nach Durchführung aller Erfolg
versprechender Investitionsprojekte noch über freie liquide Mittel, können
diese vom Management im Eigeninteresse verwendet werden (Free Cash-flow
Hypothese). Fusionen bieten dem Management die Möglichkeit, diese Mittel im
Unternehmen zu belassen und zur Vergrößerung ihres Einflussbereichs zu nutzen.
Bei einem hohen Bestand an freien liquiden Mitteln (Kriegskasse) besteht
deshalb die Gefahr, dass diese vorschnell für erfolglose Fusionen verwendet
werden (Jensen, M.C.
1986). Wegen der allgemeinen Erfolglosigkeit konglomerater Fusionen wird
vermutet, dass sie grundsätzlich der Anlage freier liquider Mittel dienen (Jensen, M.C.
1988).
IV. Fusionsdurchführung
Die Durchführung der Fusion setzt sich aus den Phasen
Planung, Entscheidung, Vertragsverhandlung und -abschluss sowie der Integration
zusammen (Thommen,
J.-P./Sauermann, S. 1999). Eine erfolgreiche Integration läuft dabei
ab der Entscheidungsphase meist parallel zu den einzelnen Phasen der
Fusionsdurchführung ab (Ashkenas,
R.N./DeMonaco, L.J./Francis, S.C. 1998).
1. Planung, Entscheidung, Vertrag
Im Rahmen der Planungsphase werden nach dem grundlegenden
Entschluss für ein externes Unternehmenswachstum wesentliche Anforderungen an
mögliche Fusionspartner festgelegt und potenzielle Kandidaten gesucht.
In der Entscheidungsphase werden mögliche Fusionspartner
bezüglich ihrer Eignung für einen Unternehmenszusammenschluss näher überprüft
und erste Kontakte zu diesen aufgenommen. Dabei gilt es, das Interesse
möglicher Fusionspartner durch einen Informationsaustausch zu wecken,
gleichzeitig jedoch durch ausreichende Diskretion die Interessen aller
beteiligten Unternehmen zu schützen. Sind ausgewählte Unternehmen zu einer
Fusion bereit, erfolgt im Rahmen der Due Diligence-Prüfung eine Unternehmensbewertung.
Nach einer grundsätzlichen Einigung zwischen den Fusionspartnern erfolgt die
Phase der Vertragsverhandlung und gegebenenfalls ein Vertragsabschluss. Während
die Eigentümer des Fusionspartners früher im Wesentlichen mit Kapital
abgegolten wurden, gewinnen seit Ende der 1990er-Jahre eigene Aktien als
Zahlungsmittel an Bedeutung.
2. Integration
Eine erfolgreiche Integration kann bereits mit dem Due Diligence-Prozess
eingeleitet werden. Im Rahmen der Due Diligence bietet sich an,
Synergiepotenziale der beteiligten Unternehmen(sbereiche) zu analysieren, eine
Kommunikationsstrategie zu planen und mögliche Barrieren für eine erfolgreiche
Integration zu identifizieren.
Nach Vertragsabschluss kann ein gemeinsamer Integrationsplan
festgelegt und die zur Durchführung notwendigen Ressourcen bereitgestellt
werden. In der anschließenden Phase der physischen Integration sollen
Synergiepotenziale realisiert und eine Konkurrenz einzelner Bereiche des
fusionierten Unternehmens verhindert werden. Umgesetzt werden kann dies
beispielsweise durch die Zusammenlegung von Produktionsprozessen,
Rechenzentren, Abteilungen für Recht, Forschung und Entwicklung usw. Unterstützend
wirkt der Austausch von Managern der beteiligten Unternehmen sowie eine
Auditierung des Integrationsprozesses (Ashkenas,
R.N./DeMonaco, L.J./Francis, S.C. 1998).
Für die Integration eines übernommenen Unternehmens sind der
Integrationsgrad und die Integrationsgeschwindigkeit von Bedeutung (Gerpott, T.J.
1993). Der Integrationsgrad wird in erster Linie durch die Verwandtschaft der
fusionierten Unternehmen bestimmt. Je größer diese ist, desto enger wird die
Integration sein (Buono,
A.F./Bowditch, J.L. 1989). Bei horizontalen Fusionen ohne
Produktausweitung bietet sich eine vollständige Verschmelzung der Unternehmen
an, da eine Zusammenlegung der einzelnen Produktionen Voraussetzung für die
Realisierung von Economies of Scale ist. Produktausweitende Fusionen von
Unternehmen mit verwandten Tätigkeitsbereichen sollten zu einer umso engeren
Integration führen, je höher die Möglichkeiten zur Übertragung von Erfahrungsvorteilen
sind. Bei vertikalen Fusionen sollte die Integration von der Höhe der dadurch
zusätzlich möglichen Transaktionskostenvorteile abhängen. Mit konglomeraten
Fusionen werden in erster Linie finanzielle Motive verfolgt, die auch ohne eine
Integration der beteiligten Unternehmen verwirklicht werden können. Der
Verzicht auf eine enge Integration vermeidet in diesem Falle
Reorganisationskosten, denen keine entsprechenden Kostenvorteile
gegenüberstehen.
Neben der Verwandtschaft wird der Integrationsgrad durch
andere Faktoren wie etwa das Größenverhältnis der Fusionspartner bestimmt. In
jedem Fall sind aber die Kosten der Integration den daraus resultierenden
Ertrags- oder Kostenvorteilen gegenüberzustellen. Darüber hinaus ist die
Berücksichtigung der Integrationsrisiken von Bedeutung (Shrivastava,
P. 1986). Die Integrationsgeschwindigkeit
ist unter anderem vom Integrationsgrad
abhängig. Darüber hinaus wird sie durch verschiedene interne und externe
Faktoren beeinflusst (Pritchett, P.
1987; Scheiter, D.
1989): Für eine rasche Integration spricht aus interner Sicht, dass
Verantwortung und Kompetenzen im fusionierten Unternehmen rasch geklärt werden.
Dies reduziert die Verunsicherung von Mitarbeitern, die fusionsbedingte
Veränderungen erwarten, und vermeidet eine teure Konzentration auf
unternehmensinterne Probleme. Als externe Faktoren sind die
Ergebnisorientierung sowie die schnelle Sanierung verlustreicher Unternehmen
von Bedeutung (Insolvenz). Eine zeitlich verzögerte Integration ermöglicht
dagegen, dass eine Vertrauensbasis zwischen den Fusionspartnern entsteht.
Lerneffekte aus schrittweise durchgeführten Integrationsmaßnahmen können
genutzt werden, um zusätzliche Kosten durch Fehlentscheidungen zu vermeiden.
Als externe Faktoren sprechen für eine zeitlich verzögerte Integration die
Möglichkeiten, das marktliche Umfeld des Fusionspartners genau zu analysieren
und die Reaktionen der Wettbewerber bereits in der Integrationsphase
berücksichtigen zu können.
Der Rahmen für den geplanten Integrationsgrad wird durch die
Organisationsstruktur bestimmt. Die Möglichkeiten beginnen bei der höchsten
Integration in Form der Verschmelzung beider Unternehmen. Hier sind neben finanziellen
auch funktionale Synergien möglich. Dem gegenüber steht eine dezentrale
Geschäftsbereichsorganisation in Form einer Management-Holding (Bühner, R.
1992). Diese verzichtet auf eine enge Integration, indem die fusionierten
Unternehmen sowohl wirtschaftlich als auch rechtlich selbständig bleiben und
beschränkt sich damit in erster Linie auf finanzielle Synergien.
V. Fusionserfolg
Entscheidend für den Fusionserfolg sind fusionsbezogene
Faktoren, die sich aus dem Verhältnis der beteiligten Unternehmen ergeben sowie
unternehmensbezogene Faktoren, die das kaufende Unternehmen charakterisieren (Bühner, R.
1990; Bühner, R.
1991).
1. Fusionsbezogene Erfolgsfaktoren
Fusionsbezogene Erfolgsfaktoren sind in erster Linie das
Ausmaß der Diversifikation, das Größenverhältnis der beteiligten Unternehmen
sowie die Organisationsstruktur.
Bezüglich des Ausmaßes der Diversifikation verspricht eine
Strategie der vorsichtigen Diversifikation, die sich nicht zu weit von den
angestammten Tätigkeitsbereichen entfernt, den größten Erfolg. Die
Möglichkeiten zur Realisierung funktionaler Synergien in Form von Economies of
Scope wird von den Aktionären meist besser beurteilt als finanzielle Synergien
konglomerater und unverwandter Zusammenschlüsse (Bühner, R.
1993). Bei deutschen Unternehmen sind Fusionen mit Produktausweitung aus
Aktionärssicht sogar erfolgreicher als solche ohne Produktausweitung, die
Economies of Scale ermöglichen (Bühner, R.
1990). Konglomerate Zusammenschlüsse können nach Chaterjee/Wernerfelt zum
Erfolg führen, wenn sie nicht aus Managementmotiven heraus begangen werden,
sondern vielmehr die Folge einer bestimmten Ressourcenkonstellation der
beteiligten Unternehmen sind (Chaterjee,
/Wernerfelt, 1991). Bezüglich der Unternehmensgröße ist die
Übernahme großer Unternehmen grundsätzlich kritisch zu bewerten. Große
Unternehmen verfügen über eine lang gewachsene Unternehmenskultur und eigene
Verhaltensweisen. Die Verschmelzung zweier unterschiedlicher Kulturen kann den
Fusionserfolg erheblich beeinflussen. Darüber hinaus können große Fusionen
Organisationskosten nach sich ziehen, deren Höhe die angestrebten
Synergiepotenziale möglicherweise übersteigt. Nicht zuletzt besteht die
Möglichkeit, dass eine Großfusion erhebliche Managementkapazitäten im
Unternehmen bindet. Die Vernachlässigung der angestammten Bereiche führt dann
zu Opportunitätskosten.
Mit einer integrationsfördernden Organisationsstruktur können
selbst Großfusionen erfolgreich gestaltet werden. Hier hat sich ein lockerer
Konzernverbund in Form der Management-Holding als beste Gestaltungsform
herausgestellt. Sie konzentriert sich auf finanzielle Synergien. Auf die
Realisierung funktionaler Synergien wird grundsätzlich verzichtet, da die damit
einhergehenden Organisationskosten die Synergiepotenziale weit übersteigen
können.
2. Unternehmensbezogene Erfolgsfaktoren
Aus Sicht des kaufenden Unternehmens bestehen die
Erfolgsfaktoren in erster Linie aus einer soliden Finanzierung sowie einer
großen Fusionserfahrung. Eine solide Finanzierung ist in allen Phasen des
Fusionsprozesses von entscheidender Bedeutung. Im Vorfeld der Fusion ist ein
finanzstarkes Unternehmen in der Lage, hohe Kaufpreise zu zahlen. Es kann seine
Suche deshalb auf erfolgreiche Unternehmen beschränken. Die Integration des
übernommenen Unternehmens kann sorgfältig geplant und auch zeitlich verzögert
durchgeführt werden, wobei ausreichende finanzielle Mittel für notwendige
Reorganisationsmaßnahmen vorhanden sind. Nicht zuletzt ist kein Zwang zur
sofortigen Realisierung der Fusionsziele vorhanden, wodurch der Fusionserfolg
langfristig gefährdet werden könnte.
Eine hohe Fusionserfahrung aufgrund umfassender
Übernahmeaktivitäten erlaubt, die Probleme von Fusionen besser zu lösen und
notwendige Strukturänderungen erfolgreich durchzuführen. Lernprozesse, die
durch bisherige Kauf- und Zusammenschlussaktivitäten angestoßen wurden, helfen
Fehler zu vermeiden und die einzelnen Phasen der Fusionsdurchführung
erfolgreich zu gestalten.
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