Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Aufgaben der Kommunikationspolitik
II. Ablauf
der Kommunikationsplanung
III. Inhalte
der Kommunikationsplanung
IV. Kommunikationsbudgetierung
V. Kommunikationsüberwachung
VI. Kommunikationsorganisation
I. Begriff und Aufgaben
der Kommunikationspolitik
1. Begriff der Kommunikationspolitik
Marketingbezogen umfasst die Kommunikationspolitik von
Unternehmen alle Entscheidungen und Handlungen zur Gestaltung und Übermittlung
von Informationen an marktrelevante Adressaten, um diese zieladäquat zu
beeinflussen.
Informationen als zu übertragende Elemente der Kommunikation
sind dabei in dem Sinne weit zu begreifen, dass sie alle Arten von
Botschaftsinhalten (von reinen Fakten bis zu »bloßen« Gefühlen) einschließen.
In dieser Interpretation ist also auch jede ausschließlich emotionale Ansprache
»informativ« und nicht etwa nur eine Kommunikation, die objektiv Tatsachen
vermittelt und daraus logisch korrekte Folgerungen ableitet.
Als relevante Adressaten
(geplante Zielgruppen, Rezipienten, Kommunikanten) sind vor allem effektive und
potenzielle Endnachfrager des Unternehmens zu sehen.
Je mehr sich ein Unternehmen auch zum Beschaffungsmarketing
veranlasst sieht, desto stärker werden auch Anbieter von Produktivfaktoren
und/oder Handelswaren als Adressaten Beachtung finden.
Diese finalen Adressaten (Nachfrager und Anbieter) kann man
direkt und/oder über die Einschaltung von Diffusions- und Distributionshelfern
(s. Abb. 1) zu erreichen versuchen.
Abb. 1: Adressaten marketingbezogener Kommunikationspolitik
mit Kernverknüpfungen
Weiterhin kommen als Adressaten die Mitarbeiter des
Unternehmens in Betracht, die unmittelbar oder in irgendeiner Form mittelbar
auf das Erscheinungsbild der Kommunikation des Unternehmens mit den externen
Adressaten einwirken. Alle für die optimale Ausstrahlung dieser Mitarbeiter
einsetzbaren Maßnahmen (u.a. Mitarbeiterschulung, Mitarbeiterausstattung) lassen
sich als Bestandteil interner Kommunikationspolitik einstufen.
Abb. 1 zeigt den
Adressatenkreis marketingbezogener Kommunikationspolitik mit seinen
Kernverknüpfungen.
2. Aufgaben der Kommunikationspolitik
Die wesentliche Aufgabe
der Kommunikationspolitik besteht darin, die Adressaten zieladäquat zu beeinflussen.
Letztlich zieladäquat ist das Erreichen eines Verhaltens bei den Adressaten,
das dem obersten Erfolgsziel des Unternehmens entspricht.
Kann die Kommunikationspolitik ihren Beitrag nicht unmittelbar
zugunsten des Oberzieles leisten oder ist ihr ein direkter Beitrag zum Oberziel
nicht zurechenbar, so wird ihr die Realisierung von Unterzielen aufgegeben, die
zum Oberziel in Mittel-Zweck-Relation stehen. Die Vorgabe und das Anstreben
derartiger Unterziele bildet den Regelfall.
II. Ablauf der
Kommunikationsplanung
Jede Planungsaufgabe bezieht sich auf bestimmte Inhalte, für
deren Bearbeitung ein bestimmter Ablauf zu finden versucht wird. In Bezug auf
die Kommunikationsplanung zeigt sich besonders deutlich, dass ihre Kerninhalte
– Ziele, Adressaten, Objekte Instrumente – aufgrund der sachlichen Verzahnungen
für eine sukzessive Planung kaum geeignet sind. Sie bedürfen vielmehr
simultaner Planung. Das heißt, jede (auch die hier im Weiteren) zur Gliederung
verwendete Reihenfolge in der Darstellung von Inhalten darf nicht als
Programmierung der Planungsabfolge verstanden werden.
Dies gilt auch bezüglich der häufig als Anschlussstufen zur
Planung ausgewiesenen Aufgabenbereiche Budgetierung, Überprüfung und organisatorische
Implementierung. Denn sie sind sowohl mit der Planung als auch untereinander so
verknüpft, dass sie ebenfalls integrativ gesehen und behandelt werden sollten.
Es mag praktisch unabwendbar sein, stufenweise – z.B. in der Abb. 2 entsprechenden Ablaufform –
vorzugehen, um sich schrittweise über (evtl. mehrere) Rückkopplungen auf ein
abgestimmtes Planungsergebnis zuzubewegen.
Abb. 2: Beispiel schrittweiser Planungsfolge
Die von vornherein zu berücksichtigenden Interdependenzen,
die als Ideal die Simultanplanung erfordern, zeigt Abb. 3.
Abb. 3: Planungsinterdependenzen
III. Inhalte der
Kommunikationsplanung
1. Kommunikationsziele
a) Strategische Ziele
Im Interesse des obersten Unternehmenszieles anzustrebende
kommunikative Ziele sind zunächst auf der strategischen Ebene zu bestimmen. Es
sind Grundsatzinhalte festzulegen, um damit einen »Orientierungsrahmen für
jegliche operativen Aufgaben« (Bednarczuk,
P. 1990, S. 13) zu schaffen.
Die strategischen Analysen haben das kommunikative Positionierungsziel zu begründen, das für die
Unternehmung insgesamt, für deren Leistungskategorien und/oder für deren einzelne
Leistungselemente (z.B. Einzelmarken) realisiert werden soll.
Für die Identifikation einer erfolgsträchtigen Positionierungsind
vor allem relevant
-
die Ansprüche, Erwartungen und Empfänglichkeiten der
Informationsadressaten,
-
die für die Kommunikationsobjekte möglichen und
geeigneten Informationen,
-
die von Konkurrenten besetzten und anvisierten
Positionen.
Je nach gegebener Konstellation kommt als grundlegendes
Positionierungsziel
-
Positionierung durch Aktualität,
-
Positionierung über Emotionen,
-
Positionierung über Sachinformationen
oder eine Mischpositionierung
über Emotionen und Sachinformationen in Betracht (Kroeber-Riel,
W. 1993c; Kroeber-Riel,
W. 1993b).
Die Positionierung durch
Aktualität erscheint vor allem erfolgsträchtig, wenn die Zielgruppe für das
Kommunikationsobjekt emotional und kognitiv wenig bis gar nicht involviert ist.
Bei den Adressaten besteht dann grundsätzlich keine Bereitschaft/Neigung,
alternative Angebote auf Unterschiede zu überprüfen. Es erscheint den Käufern
prinzipiell gleichgültig, welchem Angebot sie sich zuwenden. In einer
derartigen Situation ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Käufer das in
ihren Gedanken zuerst präsente Angebot nachfragen. Es geht folglich in der
Kommunikationspolitik darum, das eigene Angebot mit der jeweiligen Nachfrage
assoziativ so eng zu verknüpfen, dass dem Nachfrager bei anstehenden Käufen
quasi automatisch das bestimmte Angebot »einfällt«, und zwar vor allen anderen
Alternativen bzw. möglichst sogar ohne alle Alternativen.
Die Positionierung über
Emotionen bedingt vorhandenes oder initiierbares emotionales Involvement
bei den Nachfragern. Bei Vorliegen dieser Bedingungen ist die Strategie in
reiner Form angebracht, wenn die anstehenden Leistungen in ihrer
physisch-funktionellen Dimension entweder nicht (mehr) differenzierbar sind
oder in (noch) gegebenen Differenzierungsmöglichkeiten uninteressant erscheinen
(aufgrund fehlenden kognitiven Involvements). Es geht dann darum, geeignete
emotionale Erlebniskategorien zu identifizieren (z.B. Abenteuer- und/oder Freiheitsgefühle)
und als Leistungsbestandteil zu kommunizieren (Erlebnismarketing).
Die Positionierung über
Sachinformation nutzt vorhandenes oder initiierbares kognitives Involvement
bei den Nachfragern. Physische Leistungsvorteile (z.B. Sicherheit und/oder Kostengünstigkeit),
die für Nachfrager relevante Wahlkriterien darstellen (können), sind für ein
Unternehmen an sich bzw. bestimmte seiner Leistungskategorien oder Marken so zu
kommunizieren, dass sie möglichst exklusiv wahrgenommen werden.
Die Positionierung über
Emotions-Sachinformations-Kombinationen erscheint einerseits angeraten,
wenn die Nachfrager mehr oder weniger ausgewogen sowohl affektiv als auch
kognitiv engagiert/engagierbar sind. Richtet sich die Kommunikation auf die
Schaffung, Stabilisierung oder Änderung von Einstellungen
zu Unternehmen, Leistungskategorien oder Marken, so wird diese Mischstrategie
als der typische Fall anzusehen sein. Dies folgt aus der verbreiteten
Interpretation des Einstellungsbegriffes als einer »Verbindung aus kognitiver Komponente
(kategorisierende Wahrnehmung von Objekten), affektiver/emotionaler Komponente
(Zu- oder Abneigung gegenüber Objekten) und konativer Komponente
(Verhaltensdisposition hinsichtlich der Objekte)« (Bänsch, A.
1993a, S. 38).
Die Mischstrategie kann sich andererseits als zweckmäßig
erweisen, wenn nicht über verschiedene Ansätze, sondern über einen gemeinsamen
Kommunikationsansatz sowohl die speziell emotional involvierten als auch die
speziell kognitiv involvierten Nachfrager erfasst werden sollen.
b) Operative Ziele
Die angestrebte Positionierung
bildet den Rahmen für die (prinzipiell auf längere Dauer angelegte) Ausrichtung
der Kommunikationspolitik. Ihre schärferen Zielkonturen erhält die
Kommunikationspolitik mit Klärung der Frage: Welches konkrete Vorgehen
erscheint situativ notwendig/zweckmäßig, um die angestrebte Positionierung
umzusetzen?
Operative Ziele
repräsentieren damit die über konkrete Aktionen zu erreichenden
(Zwischen-)Zustände, die als Mittel zur Positionsrealisierung geeignet
erscheinen. Rationale Kommunikationspolitik setzt dabei letztlich operationale Zielformulierungen voraus.
Das heißt, spätestens auf der operativen Ebene muss die Operationalität der
Zielvorgaben gesichert sein.
Die Zielvorgaben müssen also hinsichtlich aller Elemente
(Inhalt, Niveau, Zeitbezug) eindeutig verständlich gefasst sein und sich
aufgrund von Messbarkeit als überprüfbar erweisen.
Beispiele für Bemühungen in dieser Richtung sind:
-
Erhöhung der Bekanntheit von Marke m (in Form
ungestützter Erinnerung) bei Zielgruppe z auf 60% bis Zeitpunkt t1; d.h.
Positionierung durch Aktualität.
-
Verbesserung einer bestimmten affektiven
Imagekomponente in der Wahrnehmung durch z (in Form der Distanzverkürzung
zwischen Idealvorstellung und Realwahrnehmung auf maximal x-Einheiten) bis t1; d.h.
Positionierung über Emotionen.
-
Steigerung des Wissens, dass m bestimmte physisch-funktionelle
Eigenschaften aufweist (in Form aktiven Wissens) bei 80% von z bis t1; d.h.
Positionierung über Information.
2. Kommunikationsadressaten (Zielgruppen)
Die Abb. 1 hat
bereits einen Überblick über die in Betracht kommenden Adressatengruppen vermittelt.
In der konkreten Planung ist im Einzelnen zu präzisieren, wer zur Zielgruppe
gehören soll. Diese kann nachfragebezogen alle mit entsprechender Kaufkraft
ausgestatteten Nachfrager umfassen oder sich auf sehr enge Segmente
konzentrieren.
Bei den geplanten Zielpersonen sind die
kommunikationsrelevanten Daten zu identifizieren, um das für sie optimale
Kommunikationskonzept (hinsichtlich Botschaftsinhalt, Kommunikationsinstrument,
Kommunikationskanal, Zeit) bestimmen zu können.
Bilden z.B. Konsumenten als finale Adressaten die Zielgruppe
und wird an die zuvor skizzierte Zielplanung angeknüpft, bedeutet dies: Die
Ausrichtung der strategischen und operativen Kommunikationsziele hängt sehr
unmittelbar von Merkmalen der Zielgruppe ab, zu der resp. mit der kommuniziert
werden soll. So bestimmt das emotionale und/oder kognitive Involvement der
Adressaten die Ausrichtung auf der strategischen Zielebene. Das bei ihnen
vorhandene Produktwissen, die bei ihnen existenten Vorstellungsbilder, gegebene
oder fehlende Markenbekanntheit sind u.a. Bestimmungsfaktoren für die
operativen Kommunikationsziele.
Bei der Verknüpfung von Kommunikationszielen und
Kommunikanten im Falle des Investitionsgütermarketing
hat man sich in den Zielformulierungen darauf einzurichten, dass auf der
Käuferseite üblicherweise sog. Buying
Center agieren, in denen u.a. technische Experten und kaufmännische
Unterhändler auftreten (Bänsch, A.
1993c). Lautet das Kommunikationsziel gegenüber der Technikergruppe etwa
»Eindruck konkurrenzüberlegener technischer Kompetenz vermitteln«, mag es in
Bezug auf die kaufmännische Gruppe z.B. auf »Preisgünstigkeitseindruck
vermitteln« ausgerichtet sein.
Soweit die Kommunikanten keine finalen Adressaten sind, wird
mit ihnen kommuniziert, um sie zu Kommunikatoren gegenüber den finalen
Adressaten zu befähigen und zu motivieren (mehrstufige Kommunikation). Sie
lassen sich dann im weiteren Sinne als Instrumente der Kommunikation
interpretieren. Die auf sie bezogenen Zielkonkretisierungen reflektieren den
Zustand an Befähigung und/oder Motivation, der hinsichtlich ihres Einsatzes für
bestimmte Kommunikationsobjekte bei bestimmten finalen Adressaten erreicht
werden soll.
3. Kommunikationsobjekte
Objekt der Kommunikation kann zunächst das Unternehmen an
sich sein. Letztlich ist es aber jeweils das Leistungsprogramm des
Unternehmens, mit dem das oberste unternehmerische Erfolgsziel realisiert
werden soll.
Die Kommunikationsadressaten in Form der finalen Nachfrager
können in der Planung den Leistungsangeboten folgen (für ein bestimmtes
Leistungsangebot werden die geeigneten Zielgruppen gesucht) oder vorangehen
(für eine bestimmte Zielgruppe wird ein geeignetes Leistungsangebot gesucht).
Die Kommunikationsziele beziehen sich auf die Kommunikationsobjekte: Beispielsweise
soll für ein Unternehmen ein bestimmtes Image, für eine Leistungskategorie oder
ihre Dachmarke die ökologische Kompetenz, für eine bestimmte Einzelmarke eine
geeignete Erlebnisassoziation vermittelt werden. Dabei gilt auch hier, dass die
Zielplanung nicht abgehoben vorlaufen kann, sondern mit der Objektplanung zu
verknüpfen ist. Denn für das einzelne Leistungselement, das etwa als
Einzelmarke erlebnisorientiert kommuniziert werden soll, hat man einen (für die
Zielgruppe in Bezug auf die Leistung) stimmigen, damit glaubwürdigen und
akquirierenden Erlebnisinhalt zu identifizieren.
Ob Zielinhalt eher das Bekanntmachen eines Produktes, die
Stabilisierung der Einstellung zu einem Produkt oder die Neupositionierung
eines Produktes ist, hängt von seiner Stellung im Produkt-Lebenszyklus ab. Dies
ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich die Zielplanung gegenüber der
Objektplanung nicht isolieren lässt.
4. Kommunikationsinstrumente
Kommunikationsinstrumente werden für bestimmte Objekte bei
ausgewählten Adressaten eingesetzt. Ihre Planung hat insofern die
kommunikationsrelevanten Kennzeichen der Objekte und Adressaten zu
berücksichtigen.
Auch die Verknüpfung der Instrumente mit den
Kommunikationszielen ist unverkennbar: Als Kommunikationsziele sind nur
realistische, d.h. real erreichbare Ziele sinnvoll. Welche Ziele
realisationsfähig sind, hängt von den möglichen Instrumentaleinsätzen und deren
Wirkungen ab. Folglich erfordert eine realistische Zielformulierung
Planungsergebnisse zu den Kommunikationsinstrumenten (welche Instrumente, in
welchem Umfang, mit welchen voraussichtlichen Effekten?). Andererseits bedingt
instrumentelle Planung ihrerseits Zielvorstellungen.
Neben den klassischen Kommunikationsinstrumenten Werbung, Public
Relations, Verkaufsförderung
und Persönlicher Verkauf werden dem
Instrumentarium der Kommunikationspolitik als neuere Erscheinungsformen Product
Placement und Sponsoring
zugerechnet.
Aus den Kennzeichen dieser Instrumente ergibt sich, dass sie
jeweils zur Erreichung bestimmter Kommunikationsziele spezifisch geeignet
erscheinen und dass die Realisierung des kommunikativen Gesamterfolges eine
Kombination der Einzelinstrumente bedingt (Kommunikations-Mix).
Die vielfältigen Erscheinungsformen der Werbung verbindet
schwerpunktmäßig das Bemühen um das Bekanntmachen von Angeboten, die
Erarbeitung von Präferenzen für Angebot und/oder das In-Erinnerung-Bringen von
Angeboten.
Öffentlichkeitsarbeit
präsentiert das Unternehmen an sich, um ihm ein positives Vorstellungsbild zu
verleihen und dieses zu verankern. Im zeitlichen Vorlauf kann sie anderen
Kommunikationsinstrumenten den »Nährboden bereiten«.
Sales Promotions
sollen in vorwiegend aktionistischer Form über direkte Kontaktaufnahme
-
bei den unternehmensinternen und -externen Gliedern
der Vertriebskette besondere Leistungsfähigkeit und -willigkeit zugunsten der
abzusetzenden Leistungen schaffen (Trade Promotions),
-
bei den Endkäufern der Leistungen kaufanregend und
kaufstabilisierend wirken (Consumer Promotions).
Trade Promotions werden sowohl vor Einsatz der Werbung (z.B.
um den Handel zu Vordispositionen in Bezug auf erwartete werbeinduzierte
Nachfrage zu veranlassen) als auch während laufender Werbung eingesetzt. Für
Consumer Promotions ist der Einsatz während laufender Werbung (zur Verstärkung)
und im Anschluss an Werbung (zur aktuellen Ausnutzung geweckten Interesses)
typisch. Die Abhebung gegenüber der Werbung erscheint aber nur tendenziell
möglich (Bänsch, A.
1993b).
Persönlicher Verkauf zielt über die direkte Kontaktaufnahme
und -pflege sowohl auf die Weckung von Kaufinteressen als auch auf die
Befriedigung vorhandener Kaufwünsche. Seine kaum durch andere Instrumente ersetzbare
Funktion hat er dann, wenn sehr kundenindividuelle Informationen zu übermitteln
sind: Zum Beispiel generell im Investitionsgütermarketing
oder bei erklärungsbedürftigen Konsumgütern wie Kosmetika, wo der persönliche
Kontakt im Direktvertrieb oder beim Vertrieb an den entsprechenden Einzelhandel
bedeutsam ist.
Einsätze von Product
Placement und Sponsoring kommen sowohl
zeitparallel zur Werbung als auch im Anschluss an Werbung in Betracht; zudem
erscheinen beide Instrumente zumindest partiell als Werbesubstitute geeignet.
Dies erklärt sich aus den folgenden Kennzeichnungen:
Beim Product Placement geht es um die möglichst deutlich
wahrnehmbare, aber unaufdringlich bleibende Platzierung von Produkten/Marken in
den Handlungsablauf von Spielfilmen, um damit ihren Bekanntheitsgrad zu
steigern/zu stabilisieren und/oder ein bestimmtes Image zu schaffen/zu
stabilisieren.
Der Begriff Sponsoring
steht für die Unterstützung bestimmter Personen, Institutionen oder
Veranstaltungen, um damit im Gegenzug Beiträge zur Erreichung von
Bekanntheits-, Image- und/oder Human-Relations-Zielen zu erlangen.
5. Planungsleitlinie: Integrierte
Kommunikation
Für das formal-stilistisch, inhaltlich, räumlich und zeitlich
abgestimmte Zusammenwirken der angeführten Kommunikationsinstrumente ist
zunehmend die Bezeichnung integrierte
Kommunikation gebräuchlich geworden.
Formal-stilistisch
lässt sich eine Verklammerung über die durchgängig-einheitliche Verwendung von
Gestaltungselementen wie Farbe, Schrifttyp, Zeichen/Logos (Corporate Design)
erreichen.
Inhaltliche
Abstimmung steht für die thematische Gleichrichtung der zu vermittelnden
Botschaften, sodass eine in sich stimmige Verbindungslinie erkennbar wird (in
sich und zueinander passende Slogans, Argumentationen, Bilder).
Räumliche
Abstimmung ist zu fordern, »wenn die gleichen Zielgruppen eines Anbieters in
mehreren geografischen Gebieten mit Kommunikation des Unternehmens (der Marke)
Kontakt bekommen, oder wenn es einen starken Zielgruppenverbund in den geografischen
Gebieten gibt« (Kroeber-Riel,
W. 1993a, S. 306).
Zeitliche
Koordinationsnotwendigkeiten zeigen sich einerseits innerhalb der einzelnen
Planperiode zur Reaktion auf Lernabläufe bei Adressaten sowie
Wirkungszusammenhänge zwischen Kommunikationsinstrumenten (z.B. zwischen Public
Relations, Werbung und Verkaufsförderung). Andererseits ist über mehrere
Planperioden zu koordinieren: generell um Kontinuität im Auftreten zu sichern;
speziell, um langfristige Lerneffekte zu erreichen und sog. Spill-over-Effekte
(Ausstrahlung der Wirkung von Kommunikationsinstrumenten auf folgende
Planperioden) zu berücksichtigen.
In erweiternder Sicht lässt sich darauf verweisen, dass
letztlich alle Marketing-Instrumente und sonstige betriebspolitische
Instrumente mit Kommunikationswirkung auf ein stimmiges Erscheinungsbild
auszurichten sind: »? von der Verpackung bis zu den PR-Maßnahmen und darüber
hinaus die Abstimmung des gesamten öffentlichen Auftritts der Unternehmung –
bis zum Geschäftsbericht und zur Personalanzeige« (Kroeber-Riel,
W. 1993b, Sp. 2728).
Bei Bearbeitung mehrerer Zielgruppen und
Kommunikationsobjekte sind die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der integrativen
Abstimmung zu prüfen.
Mit zielgruppenbezogener
Integration ist dabei auch gemeint, »dass bei der Erarbeitung eines
Kommunikationskonzeptes darauf geachtet wird, bestimmte Argumente (etwa über
Nutzenvorteile) sowohl Verbrauchern als z.B. auch dem Handel und
Verbraucherberatungsstellen zu verdeutlichen, um eine möglichst günstige
\'Verstärkerwirkung\' zu erreichen« (Köhler, R.
1993, S. 98).
Bezüglich der Kommunikationsobjekte
ist die vereinheitlichende Ausrichtung durchaus nicht unbedingt angezeigt. Es
ist vielmehr im Einzelfall zu prüfen, welche Wirkungen aus einem angleichenden
kommunikativen Auftritt für mehrere Produkte oder Produktkategorien eines
Unternehmens resultieren. Bedenken können erwartete Negativwirkungen aus
wahrscheinlichen Imagetransfers auslösen; z.B. im Falle einer Diversifikation,
die einerseits Parfüm und andererseits Cognac umfasst. Es erschiene dann
gefährdet, was die integrierte Konzeption gegenüber der nicht-integrierten
grundsätzlich bewirken soll: »Synergieeffekte zwischen den eingesetzten
Elementen ? und eventuell auch Rationalisierungseffekte im Sinne einer
Verbesserung der Kosten/Nutzen-Relation des Mitteleinsatzes« (Hermanns,
A./Püttmann, M. 1993, S. 22 f.).
IV. Kommunikationsbudgetierung
Zur Erreichung der ihr angetragenen Ziele benötigt die
Kommunikationspolitik finanzielle Mittel. Der Budgetumfang resultiert also aus
den jeweiligen Kommunikationszielen. Die zuvor skizzierten Interdependenzen
zwischen Kommunikationselementen prägen auch die Budgetplanung. Zielvorgaben
lassen sich entsprechend nur im Kontext mit den Kommunikationsobjekten und den
Adressaten im Hinblick auf die bei diesen zu erwartende Wirksamkeit
einsetzbarer Kommunikationsinstrumente ableiten.
Als heuristischer
Ansatz mag sich in Bezug auf vorbestimmte Kommunikationsobjekte folgende
Schrittfolge empfehlen (Köhler, R.
1993).
-
Vorläufige Formulierung der Kommunikationsziele in
Bezug auf die Kommunikationsobjekte;
-
Abgrenzung der Kommunikationsadressaten;
-
Identifikation der geeigneten Kommunikationsmittel,
d.h. der einzusetzenden Kommunikationsinstrumente in ihren konkreten
Einsatzformen (z.B. vierfarbige bildbetonte Anzeigen im Wochenabstand mit
x-maliger identischer Wiederholung);
-
Identifikation der Medien (Kommunikationskanäle), mit
denen die Adressaten bestmöglich (u.a. streugenau, zeitoptimal) erreichbar
erscheinen;
-
Ermittlung der Kosten für den Einsatz der
Kommunikationsmittel in den Kommunikationskanälen.
Ist der so abgeleitete Budgetumfang finanzierbar, erweisen
sich die vorläufig formulierten Ziele als tatsächlich ansetzbare Ziele.
Anderenfalls muss der zunächst geplante Zielrahmen (hinsichtlich Anzahl
und/oder Umfang der Ziele) reduziert werden. Es sind dann bis zum akzeptablen
Budgetierungsergebnis evtl. auch mehr als zwei Durchläufe notwendig. Die
auftretenden, in wesentlichen Teilen nicht einmal befriedigend beherrschbaren
Unsicherheiten (insb. bei den notwendigen Wirkungsprognosen) blockieren in der
Praxis noch häufig den sachlogisch begründeten Budgetierungsablauf.
Entsprechend verbreitet sind weiterhin Budgetierungen über Faustregeln (z.B. bestimmte Prozentsätze vom Umsatz oder Gewinn)
oder in Residualform (welcher Finanzrahmen lässt sich maximal noch für die
Kommunikationspolitik erübrigen?).
V. Kommunikationsüberwachung
Die Überwachung der kommunikationspolitischen Planungen und
Realisationsmaßnahmen soll deren Effizienz sichern, also für tatsächliche
Zielerfüllungen sorgen und vermeidbare Kommunikationskosten ausschalten.
Dazu gehört die traditionelle Ergebniskontrolle, die Planvorgaben (Sollgrößen) und erreichte
Resultate (Istgrößen) gegenüberstellt und dabei analysiert, inwieweit
Zielvorgaben realistisch und/oder eingesetzte Kommunikationskonzepte wirksam
waren (Ex-post-Wirkungskontrollen).
Mit dieser Kontrollform schließt sich der Kreis der Kommunikationsplanung, da
ihre Analyseergebnisse einen wesentlichen Teil der Basis für Folgeplanungen
bilden.
Als Ergebniskontrollen im weiteren Sinne lassen sich Ex-ante Wirkungskontrollen einordnen.
Sie sollen möglichst verlässliche Planungsfundamente schaffen, indem sie über Pretests die voraussichtliche
Wirksamkeit von Kommunikationskonzepten (d.h. u.a. von Botschaftsinhalten,
Kommunikationsmitteln, Kommunikationskanälen) untersuchen.
Der Ergänzung ergebnisbezogener Kontrollen und damit zur
Komplettierung der Kommunikationsüberwachung soll das Kommunikations-Auditing
dienen; ihm obliegt die »systematische und regelmäßige Überprüfung der
Planungsgrundlagen, der Planungsprozeduren und der Planungsinhalte« (Böcker, F.
1988, S. 53):
-
Kommunikationspläne können überholt sein, bevor sie
ins Realisationsstadium kommen, und sie können sich während ihrer
Realisationszeit als änderungsbedürftig erweisen (z.B. aufgrund von
Verhaltensänderungen bei Adressaten und/oder Konkurrenten).
-
Gewählte oder »eingerissene« Planungsprozeduren mögen
sich als zu zeitaufwendig herausstellen, sie mögen Informationsfilterungen
auslösen oder zumindest begünstigen.
-
Die Überprüfung der Planungsinhalte kann und soll
beispielsweise zeigen, ob bestimmte Personenkreise noch, nicht mehr oder
wieder zur Zielgruppe gehören, ob und gegebenenfalls in welche Richtung sich
das Image bestimmter Kommunikationskanäle verschiebt (etwa hinsichtlich
Glaubwürdigkeit/Seriosität), ob sich bei bestimmten Kommunikationsobjekten
die ökologische Betroffenheit verändert.
Die Bemühungen um Effizienzsicherung der
Kommunikationspolitik treffen regelmäßig auf erhebliche Umsetzungsprobleme.
Diese resultieren vor allem aus
-
Schwierigkeiten bei der Messung von Wirkungen/Erfolgsgrößen,
-
Schwierigkeiten bei der Zuordnung gemessener Wirkungen/Erfolge auf kombinativ beteiligte
Verursachungsfaktoren der Kommunikationspolitik sowie sonstiger
Marketing-Instrumente.
VI. Kommunikationsorganisation
Um eine umfassend abgestimmte Planung, Realisierung und
Überwachung der Kommunikationsaktivitäten zu sichern, ist ein System von
Regelungen zu entwickeln. Zu regeln sind der Aufbau des Kommunikationsbereiches
und die Abläufe in diesem Bereich; dabei hat man alle betroffenen
Unternehmensmitarbeiter und die einzuschaltenden externen Personen, wie z.B.
Agentur- und/oder Medienvertreter zu erfassen. Die organisatorisch besten
Voraussetzungen für eine friktionsfreie, perfektionierte Umsetzung des
Konzeptes »Integrierte Kommunikation«
verspricht die Einrichtung einer zentralen Kommunikationsabteilung. Wenn in
einer Abteilung »alle Fäden zusammenlaufen«, also alle eingesetzten
Kommunikationsinstrumente (von Public
Relations über Sponsoring,
Product
Placement, Trade Promotions, Consumer Promotions und Persönlichen
Verkauf bis zu allen Werbeformen) für alle Leistungskategorien und Marken in
Bezug auf alle Adressaten disponiert und überwacht werden, so erscheinen die
besten Vorbedingungen für ein in sich konsistentes, Synergieeffekte
begünstigendes Kommunikationsmanagement
gegeben. Verbindet sich mit wachsender Unternehmensgröße allerdings zunehmende
Heterogenität der Kommunikationsadressaten, des Nachfrage- und
Angebotsprogrammes und/oder der bearbeiteten Markträume (Internationalisierung
von Beschaffung und/oder Absatz), so ist eine zentrale Kommunikationsabteilung
rasch überfordert.
Ein Organisationskonzept, das dann anstehende Spezialisierungsnotwendigkeiten
umsetzt und dabei den integrativen Koordinationsgedanken bewahrt, schlägt Köhler in prinzipiell folgender Form vor
(Köhler, R.
1993):
-
Gliederung nach Sparten sowie innerhalb der Sparten
weitergehend nach Produktgruppen und Spartenfunktionen (i.S.v. Werbung,
Product Placement, Verkaufsförderung,
Persönlicher Verkauf);
-
Anreicherung dieser Gliederung um Kommunikationsteams, und zwar
-
zunächst um je ein Kommunikationsteam für jede Sparte,
-
im Weiteren um ein Kommunikationsteam für die
Gesamtunternehmung.
Erwartet wird, dass derartige Teambildungen »auf höheren Integrationsebenen
einer Großunternehmung ? mehr Anpassungsfähigkeit an wechselnde
Problemsituationen haben als ständige zentrale Kommunikationsabteilungen, die ?
zu sehr vom konkreten Produkt-Markt-Bezug entfernt wären« (Köhler, R.
1993, S. 107, 109).
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