Inhaltsübersicht
I. Finanzwirtschaftliche
Fragestellungen
II. Finanzwirtschaftliche
Zielsetzungen
III. Träger
und Institutionen der Finanzwirtschaft
IV. Finanzwirtschaftliche
Entscheidungsgegenstände
I. Finanzwirtschaftliche
Fragestellungen
Finanzwirtschaft ist der Oberbegriff für eine Vielzahl von
Theorien und theoretischen Ansätzen.
Dabei lässt sich zwischen drei Fragestellungen unterscheiden:
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Was sind die Ziele der Finanzwirtschaft?
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Wer sind die Träger und Institutionen der
Finanzwirtschaft?
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Was sind die Gegenstände finanzwirtschaftlicher
Entscheidungen?
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Diese drei Fragestellungen sollen als Ordnungskriterien für
die finanzwirtschaftlichen Grundbegriffe dienen.
II. Finanzwirtschaftliche
Zielsetzungen
1. (Erhaltung der) Liquidität
Unter Liquidität(serhaltung) versteht man die Wahrung der
Zahlungsfähigkeit. Bei Nichterfüllung dieser Zielsetzung spricht man von
Zahlungsunfähigkeit oder Illiquidität. Da Illiquidität zur Insolvenz einer
Unternehmung führt, ist Liquiditätserhaltung eine notwendige Voraussetzung der Unternehmungsexistenz
und eine strenge Nebenbedingung für andere Unternehmungsziele. Der
Aufrechterhaltung der Liquidität dienen die Rechnungslegungsinstrumente der
Liquiditätsanalyse, der Liquiditätsprognose und der Liquiditätsplanung.
„ Liquidität “ bezeichnet auch den Bestand an Zahlungsmitteln,
die Möglichkeit eines Wirtschaftssubjekts, sich liquide Mittel zu beschaffen,
und die Liquidisierbarkeit oder Beleihbarkeit von Vermögensgegenständen.
2. (Streben nach) Rentabilität
Der Begriff Rentabilität steht für eine ganze Reihe von
Kennzahlen (Kennzahlenanalyse) einer Unternehmung. Diesen ist gemeinsam, dass
sie einen Quotienten darstellen, der im Zähler Kapitalerträge von Eigenkapital
(Gewinne) und/oder Fremdkapital (Zinsen) enthält, im Nenner Eigen- und/oder
Fremdkapital (Kapitalrentabilitäten) bzw. den Umsatz der Unternehmung
(Umsatzrentabilität). Freiheitsgrade ergeben sich durch die Wahl der
Ermittlungsmethoden.
Der Rentabilitätsbegriff wird auch angewandt auf
Einzelprojekte. Bei mehrperiodigen Planungsüberlegungen lässt sich die
Kapitalrentabilität (auch Rendite) unter bestimmten Voraussetzungen mit dem
internen Zinsfuß eines Investitionsprojekts gleichsetzen (Schneider, 1992).
Als Relation zwischen Brutto- bzw. Nettoergebnisgrößen und
Mitteleinsatzgrößen ist die Rentabilität ein Unterfall der Wirtschaftlichkeit.
Sie drückt die Effizienz des Kapitaleinsatzes oder der Umsatztätigkeit aus.
Fungiert Rentabilität als Zielgröße der
Unternehmungstätigkeit, so ist neben der Präzisierung des Zielausmaßes
(Maximierung, Satisfizierung) eine Festlegung auf einen bestimmten
Rentabilitätsbegriff erforderlich. Die Praxis hat hier insbesondere die
Gesamtkapitalrendite (DuPont-Kennzahlensystem) und die Eigenkapitalrendite
(ZVEI-Kennzahlensystem) gewählt. Der financial leverage effect stellt die
Beziehung zwischen beiden Rentabilitätsgrößen dar.
Nach dem Shareholder Value-Ansatz trägt eine
Unternehmungsinvestition aus der Sicht der Anteilseigner nur dann zu einer
Wertsteigerung ihres Unternehmungsanteils bei, wenn die erzielbare
Eigenkapitalrendite über der Rendite alternativer Kapitalanlagen der
Anteilseigner liegt, gleiche Risiken und gleiche Besteuerung vorausgesetzt (Rappaport, A.
1979). Bei mehreren Kapitaleignern mit unterschiedlicher Besteuerung und
unterschiedlichen Risiken der privaten Kapitalanlage kann es allerdings zu
unterschiedlichen Urteilen über die Wertveränderungen durch
Unternehmensinvestitionen kommen. Hier ist für die Unternehmungsleitung
letztlich nur eine Pauschalierung der Eigenkapitalkosten in Höhe
durchschnittlicher Alternativanlagezinsen der Anteilseigner bei pauschaler
Risiko- und Steueradjustierung möglich.
3. (Streben nach) Sicherheit und Flexibilität
Im Falle unsicherer Erwartungen über Zielgrößen tritt eine
Sicherheitszielsetzung als Komplementärziel auf. In der Finanzwirtschaft
beziehen sich die Sicherheits- oder Risikoüberlegungen durchweg auf das
Rentabilitätsziel, aber auch auf die Liquiditätserhaltung (Sicherheitskasse).
Bei unsicheren Erwartungen kann weder das Rentabilitätsziel
noch das Sicherheitsziel als isolierte Zielsetzung verfolgt werden. Regelmäßig
stehen (der Erwartungswert der) Rentabilität und Risiko in einer
Substitutionsbeziehung. Ein Mehr an Sicherheit kann nur durch einen Verzicht
auf Rentabilität, einen „ Versicherungsbeitrag “ , erzielt werden. Eine Ausnahme
bildet insbesondere der Portefeuille-Effekt. Hierbei lassen sich Rentabilität
und Sicherheit durch Ausnutzen der stochastischen Zusammenhänge zwischen
Einzelanlagemöglichkeiten einer Anlagenmischung (Portefeuille) gleichzeitig
erhöhen.
Im Streben nach Sicherheit kommt dem Risikomanagement große
Bedeutung zu. Durch den Einsatz derivativer Finanzierungsinstrumente wie
Optionen und Futures lassen sich Risiken steuern. Durch kombinierten Einsatz
solcher Instrumente in Hedging-Strategien sind angestrebte
Chance-Risikopositionen gezielt zu erreichen (Hull, J.C.
2000). Flexibilität als Bewahrung von Handlungsspielräumen kann insbesondere
dann als eigenständige Zielsetzung gelten, wenn völlig unvorhersehbare Zustände
auftreten können.
4. Weitere Zielsetzungen
Weitere finanzwirtschaftliche Zielsetzungen, etwa die Wachstumszielsetzung,
beziehen sich auf die genannten Zielsetzungen bzw. setzen diese voraus.
Zielsetzungen, wie das Macht- oder Unabhängigkeitsstreben, liegen außerhalb der
finanzwirtschaftlichen Forschungsperspektive und werden hier nur
berücksichtigt, wenn und soweit sie sich in der Liquidität, der Rentabilität
oder im finanzwirtschaftlichen Risiko niederschlagen.
III. Träger und Institutionen
der Finanzwirtschaft
1. Finanzmarktteilnehmer und Finanzmarkt
Finanzmittelanbieter und Finanzmittelnachfrager kommen auf
dem Finanzmarkt zusammen, der nach der Fristigkeit der Verträge in Kapitalmarkt
(langfristige Bindung) und Geldmarkt (kurzfristige Bindung) unterteilt wird.
Viele theoretische Überlegungen gehen von der Annahme eines vollkommenen
Kapitalmarktes im Sinne der neoklassischen Wirtschaftstheorie aus. Diese
Annahme erlaubt es, die Investitionsplanung mit einem einheitlichen oder
zeitlich veränderten bzw. laufzeitabhängigen Kalkulationszins unabhängig von
der Konsumplanung durchzuführen (Fisher-Separation).
Unter den Bedingungen des vollkommenen Kapitalmarktes
schlagen sich institutionelle Arrangements der Finanzmarktverträge unmittelbar
in den Marktpreisen nieder. Alle Vor- oder Nachteile einer Finanzierungsform
gegenüber einer anderen werden durch Arbitrage eliminiert. Daraus folgt die
Irrelevanz der Finanzierungsform für die Rentabilität und den Marktwert einer
Unternehmung. Separations- und Irrelevanztheoreme sind die typischen Ergebnisse
der (Kapitalmarkt-)Gleichgewichtsanalyse.
Diese Ergebnisse lassen sich unter bestimmten Bedingungen auf
Fälle unsicherer Erwartungen übertragen. Hierzu gehört die Modigliani-Miller-These von der Irrelevanz der Kapitalstruktur für
den Marktwert einer Unternehmung und die Tobin-Separation,
nach der die optimale Zusammensetzung eines Portefeuilles unabhängig von der
Risikoneigung des Investors ist. Diese Unabhängigkeit ergibt sich auch unter
den Annahmen des Capital-Asset-Pricing-Model (CAPM), das die
Portefeuille-Theorie zu einer Bewertungstheorie für unsichere Anlagen ausbaut.
2. Finanzierungsverträge und
Finanzmarktinstitutionen
Finanzierungsverträge haben nach der neoklassischen
Gleichgewichtstheorie bei vollkommenem Finanzmarkt unter Sicherheit die
Funktion des intertemporalen Austauschs von Finanzierungstiteln (Anspruch auf Geld
morgen) gegen Geld (heute). Der Zinssatz bildet den Preis für die zeitweise
Überlassung von Geld.
Bei Unsicherheit über die Ergebnisse können die
Vertragspartner über den Zins am Risiko beteiligt werden. Der Zins enthält dann
eine Risikoprämie als Zuschlag zum risikolosen Zinssatz. Dies ist die
Perspektive des vollkommenen Finanzmarktes unter Unsicherheit.
Unter erweiterter Unsicherheit bezüglich der Informationen
und des Verhaltens der Vertragspartner ist es dagegen unmöglich,
institutionelle Vorkehrungen und deren Auswirkungen auf die Ausübung von
Verfügungsrechten in (implizite) Kapitalkosten umzurechnen. Hier treten deshalb
Probleme der Kreditsicherung und der Mitwirkungs- und Kontrollrechte beim
Kapitalnehmer auf.
Die Probleme von Finanzierungsverträgen auf unvollkommenen
Märkten unter asymmetrischer Informationsverteilung thematisiert die
neoinstitutionalistische Finanzierungstheorie: Aufgrund seines
Informationsvorsprungs bei der Mittelverwendung kann der Nachfrager nach
Finanzmitteln (Agent) dem Anbieter (Principal) Informationen vorenthalten
(hidden information) oder Handlungen zum Nachteil des Anbieters (hidden action)
vornehmen. Daher gibt es bei Finanzierungsverträgen ein Informations- und ein
Anreizproblem.
Das Informationsproblem löst der Gesetzgeber durch
Rechnungslegungspflichten. Die bessere Informiertheit des Anbieters senkt
dessen Risiko und ermöglicht oder verbilligt die Finanzierung für den
Nachfrager. Aus diesem Grunde sind freiwillige und zusätzliche
Informationsvereinbarungen denkbar, solange deren Nutzen höher eingeschätzt
wird als die Kosten der Rechnungslegung. Neben der Rechnungslegung sucht der
Anbieter Handlungen des Nachfragers, etwa die Gewinnverteilung
und Gewinnverwendungspolitik, in Informationen umzudeuten. Dies kann
der Nachfrager wiederum nutzen (Signalling).
Um verdeckte Handlungen des Kapitalnehmers zu seinem Nachteil
zu verhindern, ist es für den Kapitalgeber häufig sinnvoll, dessen
Handlungsspielraum und die Handlungsrichtung durch Anreize und Sanktionen zu
beeinflussen (Verhaltenskontrolle und Ergebnisbeteiligung).
Im Unterschied zu dieser neoinstitutionalistischen
Betrachtungsweise richtet der „ klassische “ Institutionalismus seine
Aufmerksamkeit nicht auf die Informations- und Anreizbeziehungen in
Finanzierungsverträgen, sondern auf die Beschreibung der Grund- und
Sonderformen der Finanzierungs- und Investitionstätigkeit (z.B. Swapgeschäft)
sowie auf die Systematisierung der personellen Träger der Finanzwirtschaft
(z.B. Universalbankensystem; Spezialbanken)
und der für diese geltenden ordnungspolitischen Beschränkungen (Rules and
Regulations) im nationalen und internationalen Bereich (z.B. Bankenaufsicht;
Versicherungswirtschaft, Anlagevorschriften der Versicherungen). Neuere Ansätze
in der finanzwirtschaftlichen Theorie bemühen sich um eine Erklärung und
Beurteilung dieser klassischen Gegenstände der Finanzwirtschaft mit Hilfe des
neoinstitutionalistischen Instrumentariums.
IV. Finanzwirtschaftliche
Entscheidungsgegenstände
1. Zahlungsflussbezogene Betrachtung
Gegenstand einer Zahlungsrechnung sind Aus- und Einzahlungen.
Dabei stellen die Auszahlungen einen Verzehr des Zahlungsmittel- bzw. des
Geldbestandes dar, die Einzahlungen einen Zuwachs des Zahlungsmittel- bzw.
Geldbestandes. Die Differenz zwischen Ein- und Auszahlungen einer Periode
stellt die Liquiditätszu- oder -abnahme dieser Periode dar.
Gleichbedeutend werden häufig die Begriffe Ausgaben und
Einnahmen verwendet. Ausgaben und Einnahmen sind nach einer engeren
Begriffsfassung allerdings nur Zahlungsströme, denen Güterströme
entgegenstehen, also z.B. keine Zinszahlungen.
Die Finanzplanung verknüpft Ein- und Auszahlungen in einer
Finanzflussrechnung unter dem Aspekt der Liquiditätsvorsorge sowie der
Steuerung und Kontrolle der Zahlungsströme und Zahlungsmittelbestände. Sie kann
als Teil einer integrierten Finanz-, (Bilanz-) und Erfolgsplanung verstanden
werden. Dabei wird in der Finanzplanung die geplante Veränderung der Liquidität
dokumentiert und zum Kassekonto der Planbilanz abgeschlossen, in der
Erfolgsplanung die geplante Veränderung des Eigenkapitals festgehalten und zum
Eigenkapitalkonto abgeschlossen (Chmielewicz, 1976).
Finanzflussrechnungen haben nicht nur interne Bedeutung im
Rahmen des Finanzcontrolling einer Unternehmung oder eines Konzerns. Sie werden
auch als externe Rechnungen erstellt. Hier dienen sie den Kapitalgebern als
Beurteilungsmaßstab für ihre Kapitalvergabeentscheidungen. Viele Unternehmungen
erstellen freiwillig ein „ Statement of Cashflows “ (Cashflow;
Kapitalflussrechnung).
In den angelsächsischen Ländern gibt es Publikationspflichten.
Externe Finanzflussrechnungen sind in der Regel
vergangenheitsbezogen. Sie werden meist retrograd aus den Erfolgsströmen
ermittelt (indirekte Methode). Ertragsein- und Aufwandsauszahlungen sind daraus
nicht erkennbar, anders als bei der direkten Methode, die bei der internen
Rechnung und bei freiwilliger Publikation Anwendung findet.
2. Bestandbezogene Betrachtung
Im Mittelpunkt der bestandbezogenen Betrachtung stehen
Kapital und Vermögen. Beide werden mit vielfältigen Inhalten verknüpft. So
steht der Begriff Kapital in der Volkswirtschaftslehre für einen Erwerbszwecken
dienenden Vermögensbestand, der aus Real- oder Sachkapital und aus Nominal-
oder Geldkapital besteht.
In der Betriebswirtschaftslehre haben sich andere
Begriffsfassungen durchgesetzt:
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1.
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Kapital dokumentiert als Summe von Eigen- und
Fremdkapital auf der Passivseite einer Bilanz unterschiedliche Ansprüche an
das Vermögen einer Unternehmung, nicht aber das Vermögen selbst (bilanzielle
Betrachtung).
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2.
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Kapital ist die Summe finanzieller Mittel zur
Finanzierung von Investitionen (finanzielle Betrachtung).
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Bei der bilanziellen Betrachtung stellen sich neben der Frage
nach dem Kapitalbedarf auch Fragen der Kapitalbindungsdauer oder der
Kapitalfreisetzung. Durch Veränderung der Anspruchsrechte lassen sich die
Finanzierungsrisiken der Unternehmung und die Investitionsrisiken der
Kapitalgeber beeinflussen: Eigenkapital ist mit geringem Finanzierungsrisiko,
aber mit hohem Investitionsrisiko für den Kapitalanleger verknüpft,
Fremdkapital verbindet dagegen ein höheres Finanzierungsrisiko für die
Unternehmung mit einem geringeren Investitionsrisiko für den Kapitalgeber. Dies
ist ein Ausgangspunkt der Bilanzanalyse.
Die Dispositivität des Zivil- und Gesellschaftsrechts erlaubt
jedoch beinahe jede (Zwischen-)Form der Gestaltung der Anspruchsrechte und
damit eine Feinabstimmung des Risikos zwischen Gesellschaftern und
Kreditgebern. Die steuerliche Begünstigung einer Finanzierungsform gibt
Anreize, deren Merkmale der zivilrechtlich gewünschten, aber steuerlich
benachteiligten Finanzierungsform anzugleichen, ohne auf Steuervorteile
verzichten zu müssen (Elschen, R.
1993).
Der Vermögensbegriff ist bei bilanzieller Betrachtung
spiegelbildlich zum Kapitalbegriff der Aktivseite zugeordnet. Im Unterschied
zum Kapitalbegriff, der an die Herkunft finanzieller und sachlicher Mittel und
die mit der Mittelhergabe verbundenen Ansprüche anknüpft, stellt die
Vermögensseite die Mittelverwendung dar und ordnet sie nach der beabsichtigten
Bindung an die Unternehmung dem Anlage- oder Umlaufvermögen zu. Die bilanzielle
Behandlung des Vermögens hat wegen der steuerlichen Konsequenzen und der
Signalfunktion für die Kapitalgeber Folgen für die Finanzierung.
Eine umfassendere Sicht des Vermögensbegriffs in der
Volkswirtschaftslehre schließt das Arbeitsvermögen ein. Hierdurch wird für ein
Individuum, bei Ausklammern des Gebrauchsvermögens, ein „ Unternehmenswert “
definiert, der das Erwerbspotenzial umfasst. In der Volkswirtschaftslehre
findet sich unter dem Terminus „ Netto- oder Reinvermögen “ zugleich eine engere
Fassung des Vermögensbegriffs, bei dem von Roh- oder Bruttovermögen der Wert
der Schulden abgezogen wird (Stobbe, A.
1994).
3. Projektbezogene Betrachtung
Im Mittelpunkt der projektbezogenen Betrachtung stehen
Investition und Finanzierung. In der für die projektbezogene Betrachtung
typischen Weise werden einzelne Investitions- und Finanzierungstätigkeiten in
einem partialanalytischen Modell aus dem Gesamtzusammenhang der Unternehmung
gelöst.
Aus der Vielzahl der Investitionsbegriffe lassen sich auch
hier die bilanzielle und die finanzielle Sicht herausarbeiten. Aus bilanzieller
Sicht wird eine Investition als Umformung von Eigen- und/oder Fremdkapital von
der Passivseite in Vermögensgegenstände auf der Aktivseite der Bilanz
angesehen.
Die finanzielle Sicht deutet die Investition als
Zahlungsstrom, der mit Auszahlungsüberschüssen anfängt, die Finanzierung
entsprechend als Zahlungsstrom, der mit Einzahlungsüberschüssen beginnt.
Investitionsobjekt ist dabei im Unterschied zur bilanziellen Betrachtung z.B.
auch eine (Produktentwicklungs- oder Markterschließungs-) Strategie. Dann
stehen Investitionsplanung und Investitionsrechnung im Dienste der
Strategieauswahl. Erweiterte Modelle der Investitionsplanung bestimmen das
Investitions- und Finanzierungsoptimum und damit auch das für Investitionen zur
Verfügung stehende Budget simultan (Dean, J.
1951; Albach, H.
1962). Gewöhnlich aber geht man in der Investitionsplanung von einem
vorgegebenen Budget aus.
Bei der Investitionsrechnung richten sich die Überlegungen
sowohl auf einen isolierten Vorteilhaftigkeitsvergleich für einzelne
Investitionsobjekte als auch auf Investitionsprogrammentscheidungen oder
Entscheidungen über die optimale Nutzungsdauer der Investitionsobjekte.
Eine umfassende partialanalytische Beurteilung unter
Liquiditäts- und Rentabilitätsaspekten kann dabei nur durch einen vollständigen
Finanzplan erfolgen, in dem die Projektzahlungsreihe explizit für jeden
Fehlbetrag der Zahlungen durch einen Finanzierungszahlungsstrom und für jeden
Überschuss durch einen Investitionszahlungsstrom erweitert wird.
Die klassischen Methoden der Investitionsrechnung beurteilen
Investitions- und Finanzierungsprojekte dagegen nur anhand des
Hauptzahlungsstroms. Sie stellen den Rentabilitätsaspekt in den Vordergrund und
ersetzen die expliziten Annahmen des vollständigen Finanzplans durch implizite
Prämissen bei Wiederanlage oder Kreditaufnahme.
Im Unterschied zu den statischen Methoden (Kosten-, Gewinn-
und Rentabilitätsvergleich sowie Amortisationsdauerermittlung) berücksichtigen
die dynamischen Methoden (Kapitalwertrechnung, Endwertrechnung, interne
Zinsfußmethode, Annuitätenmethode) den unterschiedlichen zeitlichen Anfall der
Zahlungen durch finanzmathematische Vor- bzw. Rückrechnung mit Hilfe von
Zinssätzen. Die Marktzinsmethode benutzt anstelle eines einheitlichen
Kalkulationszinsfußes das laufzeitabhängige Zinsgefüge der Finanzmärkte (Rolfes, B.
1998). Unter Unsicherheit erlaubt der Realoptionsansatz auch Wahl- und
Handlungsmöglichkeiten während der Projektdauer in das Kalkül einzubeziehen (Trigeorgis,
L. 1999). Soweit Handlungsmöglichkeiten durch Investitionen zerstört
werden (wer eine Investition heute tätigt, kann dies nicht mehr morgen tun),
entsteht eine Einbuße an Flexibilität. Soweit Investitionen neue
Handlungsmöglichkeiten eröffnen, bieten sie neue Optionen und erweitern die
Flexibilität, deren Bewertung die Investitionsbewertung ergänzt.
In praktischen Investitionsrechnungen werden Risiken vor
allem durch Abschläge bei den Zahlungsgrößen, durch Zuschläge beim Kalkulationszinsfuß
oder durch eine Sensitivitätsanalyse erfasst. Zur Bemessung der Risikozuschläge
stehen Ansätze wie das Capital-Asset-Pricing-Model oder die
Arbitrage-Pricing-Theory zur Verfügung.
Noch größer als die Spannweite des Investitionsbegriffs ist
die des Finanzierungsbegriffs. Neben der Vorstellung einer
Finanzmittelbereitstellung für außerordentliche oder für vorgegebene
Investitionszwecke gibt es eine bilanzielle Fassung, die vor allem an
vertikalen oder horizontalen Finanzierungsregeln
festmacht, eine weitere, welche die Sicherung des finanziellen Gleichgewichts
in den Vordergrund rückt, und schließlich den an der Zahlungsreihe des
Vorteilhaftigkeitskalküls orientierten Finanzierungsbegriff.
Im Vorteilhaftigkeitskalkül stehen dabei für die Beurteilung
von Finanzierungszahlungsströmen dieselben Instrumente zu Verfügung wie für
Investitionszahlungsströme (Finanzierungsrechnungen). Während jedoch der
interne Zinsfuß als Vorteilhaftigkeitskriterium für Investitionen zum Teil
heftig abgelehnt wird (bes. Kruschwitz,
L. 2000), wird sein mathematisches Äquivalent bei
Finanzierungsrechnungen als „ Effektivzinssatz “ häufiger verwendet als der
Kapitalwert.
Literatur:
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Wiesbaden 1962
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Dean, J. : Capital Budgeting, New York
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Elton, E.J./Gruber, M. J. : Modern
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Hull, J.C. : Options, Futures, and other
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Modigliani, F./Miller, M.H. : The Cost of
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Modigliani, F./Miller, M.H. : Corporate
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Perridon, L./Steiner, M. :
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Rappaport, A. : Strategic analysis for
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Rolfes, B. : Moderne
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Schmidt, R.H. : Grundformen der
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Spence, M.A. : Market Signaling:
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Spremann, K. : Wirtschaft, Investition
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Steiner, M./Kölsch, K. : Finanzierung,
Zielsetzungen, zentrale Ergebnisse und Entwicklungsmöglichkeiten der
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Stobbe, A. : Volkswirtschaftliches
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Süchting, J. : Finanzmanagement, 6. A.,
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Swoboda, P. : Betriebliche Finanzierung,
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Trigeorgis, L. : Real Options: Managerial
Flexibility and Strategy in Resource Allocation, 4. A., Cambridge 1999
Zentralverband der Elektrotechnischen
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