Inhaltsübersicht
I. Begriff
und Bedeutung
II. Arbeitsteilung
III. Humanisierung
der Arbeit
IV. Strukturwandel
der Arbeit und neuere Trends
V. Zukunft
der Arbeit
I. Begriff und Bedeutung
Im weitesten Sinne wird unter Arbeit ein Tätigsein des
Menschen verstanden, wobei dieser in Interaktion mit anderen Menschen und
(technischen) Hilfsmitteln tritt. Arbeit lässt sich charakterisieren als eine
planvolle, zielgerichtete und willentlich gesteuerte Tätigkeit. Die folgende
Beschreibung zielt primär auf Erwerbsarbeit ab.
Kuhn versteht unter menschlicher Arbeit den auf
wirtschaftliche Zwecke ausgerichteten Einsatz körperlicher und geistiger Kräfte
(Kuhn, 1974,
S. 164). Unter wirtschaftlichen Zielsetzungen werden Güter und Dienstleistungen
erstellt, die entweder vermarktet oder von der Allgemeinheit finanziert werden
(Stirn, 1980).
Grundsätzlich kann Arbeit in zwei Aspekte unterschieden werden: Zum einen
Arbeit in einem subjektbezogenen Sinn als Anstrengung und zum anderen Arbeit in
einem objektorientierten Sinn als Produktion von Gütern und Dienstleistungen.
Arbeit gewinnt für die Arbeitenden ihre vorrangige Bedeutung
als Quelle des Einkommens und dient damit zur Erhaltung der eigenen Existenz
oder der Existenz der Gesellschaft. Die Arbeitstätigkeit bestimmt in hohem Maße
sowohl die mit der Arbeit verbundene berufliche Rolle, die Stellung in der
Gesellschaft, das Selbstwertgefühl und die sich anbietenden Lebenschancen.
Im Blickwinkel der Betriebswirtschaft steht einerseits das
Spannungsverhältnis zwischen Arbeit als Erwerbsquelle für den arbeitenden
Menschen und andererseits Arbeit als Produktions- sowie Kostenfaktor für den
beschäftigenden Betrieb. Im betriebswirtschaftlichen Feld des Personalwesens
oder Personalmanagements steht Arbeit als Ergebnis der betrieblichen Ressource
„ Personal “ im Vordergrund (Scholz, 1994).
Der Faktor „ menschliche Arbeit “ gilt in der betriebswirtschaftlichen
Produktionstheorie als preis- und qualitätskonstant, beliebig teilbar und
substituierbar. Bei betriebswirtschaftlichen Gestaltungsansätzen sind die
Wirtschaftlichkeit der Leistungserstellung und die Rentabilität des
Kapitaleinsatzes maßgebend. Als Gestaltungsfelder gelten die Schaffung
leistungsfördernder Arbeitsbedingungen
(z.B. Arbeitszeiten, Arbeitsplatzgestaltung und Betriebsklima), Arbeitsbewertung
und Entlohnung sowie Motivationsförderung und Organisation. Diese Problemkreise
überschneiden sich mit arbeitsbezogenen, menschenorientierten
Gestaltungsfeldern. Durch entscheidungsorientierte (Heinen, 1974),
verhaltensorientierte (Reichwald, 1977)
und handlungsorientierte (Osterloh, 1982)
Vorstellungen wird das skizzierte Menschenbild ergänzt und damit der
Arbeitsperson ein entscheidender Anteil am Zustandekommen einer Wertschöpfung
(Produkt oder Dienstleistung) zugerechnet.
II. Arbeitsteilung
Arbeitsteilung bedeutet, dass eine Gesamtaufgabe (Arbeits-
und Produktionsprozesse) in einzelne Teilaufgaben zerlegt und aufgegliedert
wird. Die Teilaufgaben werden dabei einzelnen Aufgabenträgern zugeordnet. Dies
kann einzelwirtschaftlich oder gesamtwirtschaftlich betrachtet werden.
Zu den wichtigsten positiven Folgen der Arbeitsteilung ist
die Reduktion der Aufgabenkomplexität und die Spezialisierung der
Aufgabenträger zu zählen. Aufgaben werden in immer kleinere Teilaufgaben
zerlegt, bis letztlich einzelne Menschen im Rahmen ihrer Kapazitäten in der
Lage sind, Aufgabenbestandteile erfolgreich zu bearbeiten. Darüber hinaus
ermöglicht die Konzentration auf bestimmte Aufgabenbereiche, Methoden,
Fähigkeiten und Verfahren zu entwickeln, mit denen die Aufgaben effizienter
gelöst werden können. Für die arbeitenden Menschen ergibt sich durch
Arbeitsteilung eine Entlastungswirkung, da sie nicht mit einer Vielzahl
unterschiedlicher Aufgaben überfordert werden. Die resultierenden Vorteile für
das Unternehmen liegen in der Erhöhung der Arbeitsproduktivität
durch bessere Ausnutzung der speziellen Fähigkeiten und Talente.
Mit fortschreitender Arbeitsteilung wächst die Gefahr der
Entfremdung des arbeitenden Menschen vom Gegenstand seiner Tätigkeit
(Fließfertigung in der industriellen Produktion bildet ein negatives Beispiel).
Der technische Prozess bestimmt den Arbeitsrhythmus des Menschen und letztlich
ist es für den Arbeitenden nicht mehr möglich, einen Zusammenhang zwischen
eigener Tätigkeit und dem Endprodukt zu sehen. Des Weiteren resultiert aus der
extrem gleichförmigen Tätigkeit Monotonie, die ab einem gewissen Grad als
inhuman anzusehen ist.
Die klassische Industrieproduktion basiert primär auf den
Gedanken des Scientific Management, dass im Wesentlichen auf die Werke Taylors
(Taylor, 1913),
Gilbreths (Gilbreth,
/Gilbreth, 1920) und Fayols (Fayol, 1929)
aufsetzt. Dieser Ansatz beeinflusste die Struktur und den Prozess der
Wertschöpfung der klassischen Industrieorganisation und deren Instrumentarium
des betrieblichen Rechnungswesens, der Führungs- und Anreizsysteme. Wesentliche
Merkmale der klassischen Industrieorganisation sind die Hierachie, die
funktionale Arbeitsteilung in der Aufbauorganisation und der mit den Methoden
der Arbeitsanalyse
systematisch entwickelte „ one best way “ der Ablauforganisation. Zu den
dominierenden Gestaltungsprinzipien des Scientific Management gehören:
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Konzentration der Arbeitsmethodik auf eine
weitestgehende Arbeitszerlegung;
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personelle Trennung von dispositiver und ausführender
Arbeit;
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räumliche Ausgliederung aller planenden, steuernden
und kontrollierenden Aufgaben aus dem Bereich der Fertigung.
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Auf diese Weise kann das komplexe Koordinationsproblem zwar
„ optimal “ über die Ausstattung und Anordnung der Produktionsfaktoren gelöst
werden. Doch auch in der Produktionstheorie wird der Mensch lediglich als ein
funktionsfähiger Produktionsfaktor betrachtet, der als Befehlsempfänger und
-umsetzer in den Fertigungsprozess integriert wird.
Industrielle Rationalisierungsstrategien konzentrierten sich
vor allem auf die Produktion von Massengütern in Großunternehmen. Sie führten
in der Vergangenheit zu beachtlichen Erfolgen durch die systematische
Gewinnung, Perfektionierung und Anwendung von Methoden der Optimierung von
Fertigungsprozessen. Diese Erfolge wurden aber nur dadurch erzielt, dass sie
die langfristig stabilen Rahmenbedingungen des Wirtschaftens adäquat abbildeten
und in klare Leitlinien unternehmerischen Handelns übersetzten.
III. Humanisierung der
Arbeit
Als Humanisierung der Arbeit wird die Konkretisierung von
Humanzielen verstanden, die einer ethischen Grundhaltung entspringen. Im Sinne
der Arbeitsethik wird jede Arbeitstätigkeit als eingebettet in einen politischen,
sozialen und gesamtwirtschaftlichen Zusammenhang betrachtet. Arbeit kann somit
nicht in einem rein wirtschaftlichen Kalkül bewertet werden. Arbeit wird von
Menschen geleistet und folglich sind deren Neigungen, Erwartungen, Belastungen
und Beeinträchtigungen immer in die Überlegungen mit einzubeziehen.
Entsprechend physiologischer, psychologischer und sozialer
Komponenten zur Humanisierung der Arbeit sollen durch Humanisierungsmaßnahmen
Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit verbessert werden. Dabei geht es auch um
einen fähigkeitsgerechteren Einsatz der Mitarbeiter und den Schutz bestimmter
Arbeitnehmerschichten (Kreikebaum,
/Herbert, 1988).
In der Arbeitswissenschaft
wird in diesem Zusammenhang auch von „ ergonomischer Gestaltung “ gesprochen.
Damit ist allgemein die Gestaltung von Arbeitsplätzen, -systemen und Produkten
unter Berücksichtigung des menschlichen Körpers, genauer, dessen Abmessungen
und physiologischen Leistungen gemeint. Aber auch die psychologischen
Bedingungen müssen berücksichtigt werden (Luczak, 1998,
S. 587 ff.).
Zunehmend wird erkannt, dass arbeitende Menschen ihr volles
Leistungsspektrum nur in einer ihnen angepassten Arbeitswelt entfalten können.
Die Gestaltungsfelder lassen sich in die Anpassung des Menschen an die Arbeit,
die Anpassung der technischen Umgebung und der Arbeit an den Menschen und das
Herauslösen des Menschen aus gesundheitsgefährdenden Arbeitsplätzen, einteilen
(Ellinger,
/Winter, 1979, S. 719 f.). Die Problembereiche unterscheiden
sich je nach Berufsgruppe und Branche. Beispielhaft sind monotone Tätigkeiten,
schwere körperliche Arbeit, soziale Isolation während der Arbeit und
Gesundheitsschäden durch Unfälle oder berufsbedingte Krankheiten zu nennen. Zur
Problemlösung existieren unterschiedlichste Gestaltungsmaßnahmen. Zum Beispiel
geht es hierbei um die Vermeidung bzw. Substitution gesundheitsschädlicher
Arbeitsstoffe, um konstruktive Sicherheitsmaßnahmen, um Gefahrenaufklärung und
Verhaltensmaßregeln. Aber auch um den gezielten Einsatz von Automatisierung,
die Gestaltung des Arbeitsablaufes und Aspekten der Arbeitsteilung bis hin zu
Gestaltungsmaßnahmen der Dezentralisierung und Partizipation von Kompetenzen
und Zuständigkeiten.
Laut Gesetzgeber sind bei der menschengerechten Gestaltung
der Arbeit die „ gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse über die
menschengerechte Gestaltung der Arbeit “ zu berücksichtigen (§§ 90, 91 BetrVG).
Der Forderung nach Humanisierung entsprechen unterschiedliche Maßnahmen der
Arbeitsstrukturierung und der Arbeitsgestaltung
wie Job Rotation, Job Enlargement, Job Enrichment und die Bildung
(teil)autonomer Arbeitsgruppen.
IV. Strukturwandel der
Arbeit und neuere Trends
Heute haben sich die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen gewandelt. Es sind daher neue Prinzipien erforderlich. Die
Loslösung von den klassischen Prinzipien der Unternehmensführung fällt
allerdings schwer, denn die Grundsätze sind über Jahrzehnte gefestigt. Sie
liegen fest verankert z.B. in der Aufgabendefinition und Zuständigkeitsbegrenzung
von Managementressorts, in der Definition von Ausbildungsinhalten,
Qualifikation und Mitarbeiterkompetenzen etc. vor.
Seit den 1980er-Jahren vollzieht sich in Deutschland ein
tiefgreifender Wandel in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt – weltweit
finden sich in den hoch entwickelten Industriegesellschaften Parallelen zu
dieser Entwicklung. Dieser Wandel drückt sich in der Arbeitswelt durch eine
zunehmende Ablehnung von Unterordnung, Verpflichtung und reiner
Arbeitsausführung ohne Handlungsspielraum aus. Bereits in den 1970er-Jahren
wurde in Deutschland der Versuch unternommen, die Industriearbeit von den
tayloristischen Strukturen zu befreien (Humanisierung der Arbeitswelt) und
durch neue Formen der Arbeitsorganisation in den Industriebetrieben zu ersetzen,
die eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen
im Sinne erweiterter Handlungsspielräume zum Ziele hatten. Allerdings
scheiterten zahlreiche Modelle der Humanisierung des Arbeitslebens in der
Industrie an der fehlenden Verbindung zur Unternehmensstrategie. Im Zuge der
Neuausrichtung der Unternehmensstrategie an der Nähe zum Markt, der
Flexibilität und der herausgehobenen Bedeutung des Mitarbeiters als primäre
Unternehmsressource gewinnen diese aus der Humanisierungsbewegung entstandenen
Formen der Arbeitsorganisation ein anderes Gewicht. Die modulare Fabrik und
Modularisierung als Konzept für flexible Unternehmensstrukturen benötigen
Gruppenarbeit und eigenverantwortliche Mitarbeiter auf der Ebene der
Arbeitsorganisation. Werte wie Eigenverantwortung, Selbständigkeit,
Selbstverwirklichung und Teamarbeit sind die Voraussetzung für eine innovative
und kreative Unternehmenskultur.
Heute verlangen veränderte Wettbewerbsbedingungen von den
Unternehmen Flexibilität und Innovationsfähigkeit. Sie treten als dominierende
Erfolgskriterien neben die Produktivitätssteigerung, die im klassischen
Industrieunternehmen die Prinzipien der erfolgreichen Unternehmensführung
dominierte. Die Nutzung der neuen Kommunikationstechnologien verschafft den
Unternehmen weltweiten Zugang zu Märkten, die vormals schwer erreichbar waren.
Kooperationsfähigkeit und die Fähigkeit zur Vernetzung mit anderen Marktpartnern
bildet eine wesentliche Voraussetzung für den Unternehmenserfolg. Für neue
Formen der Unternehmensorganisation und marktbezogener Arrangements bilden die
Neudefinition der Rolle des Mitarbeiters im Unternehmen und der
eigenverantwortlichen Arbeit eine wesentliche Voraussetzung. Notwendig ist die
Abflachung oder sogar Auflösung hierarchischer Strukturen. Klassische
Abteilungen und Hierarchieebenen verlieren ihre Bedeutung, streng festgelegte
Kommunikationsstrukturen werden durch den direkten Weg einer nicht im Einzelnen
kanalisierten Gruppenkommunikation ersetzt. Dispositive und objektbezogene
Arbeit sowie Dienstleistung und Sachleistung werden in diesem Sinne zu
geschlossenen Wertschöpfungsketten zusammengeführt (weiterführend s. Picot,
/Reichwald, /Wigand, 2003).
V. Zukunft der Arbeit
Die Welt der Arbeit verändert sich rapide seit Informations-
und Kommunikationstechniken Einzug gehalten haben. Im Übergang von
industrieller zu informatisierter Arbeit verändern sich wesentliche
Charaktermerkmale der Arbeit. Im Folgenden werden kurz die wichtigsten
Tendenzen skizziert (vgl. Baethge,
/Wilkens, 2001; Cairncross, 2002;
Castells, 2001;
Reichwald, 2001):
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Die zentralisierte ortsgebundene Arbeit wird durch die
neuen Informations- und Kommunikationstechnologien dezentralisiert und somit
zu (global) vernetzter, ortsunabhängiger Arbeit.
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Aus vormals starr normierten Arbeitszeiten werden
flexibel normierte Arbeitszeiten.
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Die tayloristisch geprägte Arbeitsteilung (starke
Zergliederung und Spezialisierung) wird durch Aufgabenerweiterung und
-integration weitreichend verändert.
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Hierarchische und bürokratische Kontrolle durch
Vorgesetzte wird durch Selbstkontrolle und Selbstverantwortung der
Mitarbeiter im Rahmen von Zielvereinbarungen ersetzt.
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Die Anforderungen an die Qualifikationen der
Arbeitenden verändert sich von vormals eher manuellen Fähigkeiten hin zu
geistig-analytischen Fähigkeiten.
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Auch das Verhältnis von Arbeit, Familie und Freizeit
ändert sich: Die Trennung von Arbeit und Privatleben erfährt neue Integrationsperspektiven.
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Die veränderten Wettbewerbsbedingungen und die Entwicklung
der IuK-Technologien machen neue Organisationsformen wie Modularisierung,
Netzwerkbildung und Virtualisierung möglich und notwendig. Gerade auf der Ebene
der Arbeitsorganisation ergeben sich tiefgreifende Auswirkungen: Neue Modelle
der Arbeitsstrukturierung lösen hierarchieorientierte, stark gegliederte
Organisationskonzepte ab. Für eine künftige effektive Arbeitsgestaltung sind
vor allem drei typische Arbeitsformen handlungsweisend: Dies sind Teamkonzepte,
Networking, Telearbeit
und Telekooperation (vgl. Reichwald, et
al. 2000; Picot,
/Reichwald, /Wigand, 2003).
Konzepte der Modularisierung (Teamkonzepte) beinhalten eine Restrukturierung in kleine,
überschaubare Einheiten mit dezentraler Entscheidungskompetenz und eigener
Ergebnisverantwortlichkeit. Die Einführung von Teams und die damit verbundene
Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungs- und Verantwortungsprozesse kann
Unternehmen die Möglichkeit zur Steigerung der Produktivität und Qualität der
Wertschöpfungsprozesse eröffnen. Teamkonzepte fördern somit die Flexibilität
und Autonomie der Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz. Dadurch wird die bessere
Entfaltung des kreativen Potenzials der Mitarbeiter möglich (vgl. Pinchot,
/Pinchot, 1993). Durch die größeren Einflussmöglichkeiten der
Mitarbeiter auf die Arbeit und die Arbeitsergebnisse wird zusätzlich ihre
Motivation gefördert. Teamkonzepte können einen Beitrag zum Abbau der Monotonie
leisten und darüber hinaus wächst bei den Mitarbeitern das Verantwortungsgefühl
untereinander und für die gesamten Prozesse (vgl. Gottschall, 1994).
Arbeit in Netzwerken
als neue Form der Arbeitsstrukturierung ist eine intermediäre
Koordinationsform, die sich als kooperative und relativ stabile Beziehung
zwischen Organisationen und Organisationseinheiten beschreiben lässt (vgl. Sydow, 1995).
Dabei geht es vor allem um den Auf- und Ausbau von Beziehungen zu
Kooperationspartnern, um die arbeitsteilige Leistungserstellung und
Koordination mit unabhängigen unternehmensexternen Partnern, aber auch um alle
Aspekte der Koordination autonomer Teams eines Unternehmens.
Bei der Telearbeit
und Telekooperation werden
Arbeitsplätze z.B. in Form von Heimarbeitsplätzen, mobilen Büros bzw.
Telecentern aus dem Unternehmen ausgelagert (vgl. Reichwald, et
al. 2000; Picot,
/Reichwald, /Wigand, 2003). In Netzwerken und virtuellen
Unternehmen muss arbeitsteilige Leistungserstellung zwischen Aufgabenträgern
bzw. Organisationseinheiten stattfinden, die räumlich bzw. zeitlich verteilt
sind. Dadurch wird die Unterstützung der Leistungserstellung, Koordination und
Kommunikation durch Telemedien notwendig. Telearbeit bietet sich vor allem für
solche Arbeiten an, die einen hohen Autonomiegrad aufweisen, sowohl in
dispositiven als auch in kreativen Bereichen angesiedelt sind,
ergebnisorientiert bewertet werden können und eher im Bereich von Berufen mit
höherem Qualifikationsniveau angesiedelt sind (vgl. Reichwald, et
al. 2000).
Veränderte Wettbewerbsverhältnisse und neue Formen der
Arbeitsstrukturierung leisten einen entscheidenden Beitrag zur Wiederentdeckung
des Menschen als primäre Ressource. Dies hat vor allem zwei Gründe:
Bei einem erfolgreichen organisatorischen Wandel entwickeln
sich zum einen qualifizierte und innovative Mitarbeiter zum Engpassfaktor. Wie
in der Praxis vielfach zu beobachten ist, stellen Menschen häufig selbst die
größte Barriere für Reorganisation dar. Ängste vor Versagen, Desorientierung
und drohender Machtverlust führen oft dazu, dass erhebliche Widerstände gegen
Veränderungen aufgebaut werden. Organisatorischer Wandel kann nur in dem Maße
gelingen, in dem die Mitarbeiter den Wandel tragen und vorantreiben.
Unternehmen sind unter den gegebenen Rahmenbedingungen mehr denn je auf die
Kreativität und Innovationskraft ihrer Mitarbeiter angewiesen. Der Aufbau
entsprechender Humanressourcen wird damit zum entscheidenden Erfolgsfaktor im
Wettbewerb und stellt neue Anforderungen an Führungskräfte
und Personalentwicklung.
Zum anderen steigt die Bedeutung des Menschen in der
Beziehung zu Kunden und Märkten. Die langfristige Kundenbeziehung und
Kundenbindung wird unter dem gegebenen Wettbewerbsdruck zu einem zentralen Ziel
jedes Unternehmens. In vielen Branchen hängt der Unternehmenserfolg von der
Fähigkeit ab, zusätzlichen Kundennutzen durch individuelle, speziell auf die
Bedürfnisse des einzelnen Kunden abgestimmte Produkte und Problemlösungen zu
schaffen. Keine Ressource hat für die Ökonomie eine derart zentrale Bedeutung
beim Aufbau von Kundenbeziehungen und bei der Einbeziehung von Marktpartnern
wie der Mensch. Adäquate Führungs- und Anreizsysteme,
die den Menschen in der Arbeitswelt in eine neue Rolle setzen, bilden daher
eine Schlüsselposition für die Arbeitswelt der Zukunft. Teamkonzepte,
Networking und neue Formen der Selbstorganisation der Arbeit sind gefragt.
Somit rücken neue Wege des effektiven Einsatzes von Humankapital ins Zentrum
von Innovationsstrategien. Die menschliche Arbeit wird in Verbindung mit Lernen
und Wissen zur wichtigsten Ressource für die Innovationsfähigkeit von
Unternehmen.
Literatur:
Baethge, M./Wilkens, I. : Die große
Hoffnung für das 21. Jahrhundert, 2001
Cairncross, F. : The Company of the
Future, 2002
Castells, M. : Das
Informationszeitalter. Bd. 1 – 3, Opladen 2001
Ellinger, T./Winter, K. H. :
Humanisierung der Arbeit, in: HWProd, hrsg. v. Kern, W., Stuttgart 1979, Sp.
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Fayol, H. : Allgemeine industrielle
Verwaltung, München, Berlin 1929
Gilbreth, F. B./Gilbreth, L. M. :
Angewandte Bewegungsstudien, Berlin 1920
Gottschall, D. : Sand im Getriebe, in:
Manager Magazin, H. 12/1994, S. 234 – 247
Heinen, E. : Neue Denkansätze in der
Betriebswirtschaftslehre, in: Der Österreichische Betriebswirt, H. 3/1974, S.
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Kreikebaum, H./Herbert, K. -J. :
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Kuhn, A. : Arbeit und
Arbeitsleistung, in: HWB, hrsg. v. Grochla, E./Wittmann, W., 4. A., Stuttgart
1974, Sp. 163 – 173
Luczak, H. : Arbeitswissenschaft, 2.
A., Berlin, Heidelberg et al. 1998
Osterloh, M. : Handlungsspielräume
und Informationsverarbeitung, Diss., Berlin 1982
Picot, A./Reichwald, R./Wigand, R. T.
: Die grenzenlose Unternehmung. Information, Organisation und Management, 5.
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Pinchot, G./Pinchot, E. : The End of
Bureaucracy and the Rise of the Intelligent Organisation, San Francisco 1993
Reichwald, R. : Arbeit als
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Reichwald, R. : Telekooperation.
Verteilte Arbeits- und Organisationsformen, 2. A., Berlin, Heidelberg et al.
2000
Reichwald, R. : Das Internet bricht
die Strukturen der Arbeitswelt auf, in: Die Potenziale der Internet-Ökonomie,
hrsg. v. Schmidt, H., Frankfurt am Main 2001, S. 37 – 42
Scholz, C. : Personalmanagement,
München 1994
Stirn, H. : Arbeitswissenschaften,
Opladen 1980
Sydow, J. : Netzwerkbildung und
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Kieser, A./Reber, G./Wunderer, R., 2. A., Stuttgart 1995, Sp. 1622 – 1635
Taylor, F. W. : Die Grundsätze
wissenschaftlicher Betriebsführung, München et al. 1913
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