Inhaltsübersicht
I. Begriff:
Arbeit über Distanz
II. Formen
der Telearbeit
III. Herausforderungen
und Problembereiche: Organisatorische Umsetzung
IV. Wirtschaftlichkeit
von Telearbeit
V. Ausblick
I. Begriff: Arbeit über
Distanz
Auf dem Weg in die Dienstleistungsgesellschaft unterliegen
auch Ort und Zeit der Leistungserbringung der Flexibilität. Gefordert durch
Globalisierung, gefördert durch Informations- und Kommunikationstechniken, die
eine Verlagerung von Arbeit nach dem Motto „ Anytime, anyplace “ (Reichwald, 1998)
möglich machen, wird die Herauslösung von Arbeitsstätten aus dem Unternehmen
hinaus immer mehr Realität. Tele-Arbeit heißt nichts anderes als „ Arbeiten über
Distanz “ – wobei auch im deutschsprachigen Raum hierunter ganz überwiegend die
„ Arbeit von daheim “ aus verstanden wird. Erste deutsche Publikationen zum Thema
Telearbeit verwendeten Begriffe wie „ Teleheimarbeit “ oder „ Fernarbeit “ (Kordey, /Korte,
1996, S. 10). Benutzte Definitionen variieren hinsichtlich des
geforderten Mindestanteils der Arbeitszeit „ zuhause “ und dem tatsächlichen Ort
der Leistungserbringung. Eine recht schlüssige Definition ist die im „ Leitfaden
für die Praxis “ (BMA/BMWI 1998, S. 10) verwendete: „ Telearbeit ist jede auf Informations- und
Kommunikationstechnik gestützte Tätigkeit, die ausschließlich oder zeitweise an
einem außerhalb der Betriebsstätte liegenden Arbeitsplatz verrichtet wird.
Dieser Arbeitsplatz ist mit der zentralen Betriebsstätte durch elektronische
Kommunikationsmittel verbunden “ . In der Regel wird davon ausgegangen, dass
es sich bei dem Telearbeiter um einen sozialversicherungspflichtig
beschäftigten Arbeitnehmer handelt. Prinzipiell ist diese Form der Arbeitsorganisation
durchaus auch z.B. für die Einbindung von freien Mitarbeitern geeignet, auch
wenn dies dann oft nicht als Telearbeit, sondern als Freelancertum bezeichnet
wird.
In der Realisierung werden verschiedene Formen der Telearbeit
unterschieden (vgl. BMA , /BMWI ,
1998; Freudenreich,
/Klein, /Wedde, 1997; Johanning, 1997;
Kordey,
/Korte, 1996): Die häufigste ist die alternierende Telearbeit,
bei der ein Teil der Arbeitszeit im Büro, ein anderer Teil am häuslichen
Arbeitsplatz verbracht wird, und dies mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Diese
Realisierungsform erlaubt es recht gut, die Einbindung in die betrieblichen
Prozesse zu gewährleisten. Bekannt sind darüber hinaus auch so genannte
Telearbeitszentren, in denen – häufig im ländlichen Raum – mehrere
Telearbeiter von Firmen untergebracht werden, wobei sie dabei von der Nutzung
zentral bereitgestellter technologischer Infrastrukturen (z.B.
Telekommunikationsnetzwerke) profitieren. Den Mitarbeitern werden so aus
Unternehmenssicht preiswerte, wohnortnahe Arbeitsplätze zur Verfügung gestellt,
lange Pendelzeiten können vermieden werden. Eine Sonderform stellen sogenannte
Nachbarschaftsbüros dar, bei der mehrere Unternehmen gemeinsam diese
Räumlichkeiten benutzen. Weitere Ausprägungen, die von verschiedenen Autoren
ebenfalls unter der Telearbeit subsumiert werden, sind „ on-site-Telearbeit “
(Telearbeit beim Kunden) sowie „ mobile Telearbeit “ (technisch unterstützte
Außendienstmitarbeit).
II. Formen der
Telearbeit
1. Verbreitung der Telearbeit
Mit der Spannbreite der subsumierten Konzepte variiert auch
die in unterschiedlichen Studien erhobene Anzahl der Telearbeiter. Die 1999 von
der Empirica durchgeführte EcaTT-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 2.130.000
Telearbeiter in Deutschland beschäftigt sind. Davon üben 540.000 heimbasierte,
zumeist alternierende Telearbeit aus, weitere 540.000 sind Selbständige im
eigenen „ Home-Office “ , 520.000 Beschäftigte sind mobile Telearbeiter und die übrigen
arbeiten nur gelegentlich zu Hause. Deutschland liegt mit nur einem
6%-Telearbeits-Anteil an den Erwerbstätigen weit hinter den Niederlanden und
den skandinavischen Ländern: Dort sind rund 15% der Erwerbstätigen als
Telearbeiter beschäftigt, in Italien, Frankreich und Spanien hingegen nur rund
3% (vgl. Robinson,
/Kordey, 1999, S. 2 f.). Das Interesse in der Bevölkerung und
auch bei den Unternehmen wird jedoch gerade für die Bundesrepublik als
wesentlich höher eingeschätzt. Dies hängt eng mit den damit zugrundeliegenden
Motiven und den verfolgten Zielen zusammen, die in den letzten 20 Jahren
deutliche Veränderungen erfahren haben.
2. Motive für Telearbeit
Die Idee zur Telearbeit entstand schon in den 1960er-Jahren,
als die Erwerbstätigkeit der Frauen zunahm und erste Wünsche hinsichtlich einer
Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen zur besseren Vereinbarkeit von Familie
und Beruf geäußert wurden (vgl. Kordey,
/Korte, 1996, S. 19). Unabhängig von diesem Ansatz entstanden
in den 1970er-Jahren Überlegungen in den USA zur Einsparung von Energie und zur
Lösung von Verkehrsproblemen in den Großstädten. In dieser Zeit wurde der
Begriff des „ Telecommuting “ ( „ Telependeln “ ) geprägt. Viele Unternehmen in den
USA führten Telearbeit aufgrund des so genannten „ Clean Air Act “ von 1990 ein,
der Unternehmen nahe legte, das durch ihre Mitarbeiter verursachte
Verkehrsaufkommen zu reduzieren (vgl. Börnecke, 1998,
S. 20 f.).
In den 1980er-Jahren wurde auch in Deutschland erstmals über
Telearbeit diskutiert. Vor allem durch das schlechte Ansehen der traditionellen
Heimarbeit bei den Gewerkschaften war Telearbeit damals mit einem Negativimage
behaftet, sodass das Interesse am Thema vorübergehend wieder nachließ. 1991
jedoch erhielt die IBM Deutschland GmbH den Innovationspreis der Deutschen
Wirtschaft für ein Pilotprojekt mit 150 Telearbeitern und die vorbildliche
Betriebsvereinbarung. Viele Unternehmen, vornehmlich aus der IT-Branche, der
Versicherungswirtschaft und aus anderen dienstleistungsintensiven Bereichen,
haben heute, zumeist über anfängliche Pilotprojekte, neben Teilzeitmodellen auch
Telearbeit als eine flexibilisierende Arbeitsform eingeführt.
Die Motivationen spiegeln die aktuelle Arbeitsmarkt- und
Arbeitskräftesituation wider. Immer mehr Unternehmen müssen im Kampf um
qualifizierte Arbeitskräfte, deren Aus- und Weiterbildung erhebliche
Investitionen verschlingt, darum bemüht sein, diesen auch über Telearbeit
flexibilisierte Beschäftigungsverhältnisse anzubieten, die in bestimmten
Lebenssituationen eine bessere Vereinbarkeit privater und beruflicher
Zielsetzungen erlauben können. Dabei kann Telearbeit helfen, in der Elternzeit
zumindest mit reduziertem Vertrag weiterzuarbeiten und
Wiedereingliederungskosten zu vermeiden, Phasen der persönlichen Weiterbildung
mit dem Berufsleben zu kombinieren oder auch im Falle von Wohnortwechseln weiterhin
für das Unternehmen beschäftigt zu bleiben. Nicht zuletzt bietet die
konsequente Realisierung von Telearbeit auch das Potenzial, Büroflächen
einzusparen. Unter dem Stichwort des „ Desk Sharing “ wird in einem solchen Fall
konsequent versucht, angesichts der verringerten Anwesenheitszeiten der
Mitarbeiter im Unternehmen die Ratio Mitarbeiter pro Arbeitsplatz so zu
verändern, dass ein Arbeitsplatz von mehreren Mitarbeitern genutzt werden kann
(vgl. Hofmann,
/Bonnet, 1999). Die Nutzung eines physikalisch eingerichteten
Arbeitsplatzes durch mehrere Personen kann in unterschiedlichen Formen
erfolgen: z.B. teilen sich mehrere Mitarbeiter schlicht einen Arbeitsplatz, was
eine zeitlich abgestimmte Aufteilung der Präsenztage erfordert. Praktiziert
werden auch so genannte „ Projekträume “ , in denen eine Reihe von Arbeitsplätzen
und Mobiliar von einer ganzen Projektgruppe genutzt werden. In den letzten
Jahren werden zunehmend auch Lösungen realisiert, bei denen einzelne
Mitarbeiter mit kleinen, fahrbaren „ Containern “ ausgestattet werden, in denen
sich die wesentlichen Unterlagen und Arbeitsmittel befinden, und die Arbeitserbringung
dann an frei wählbaren oder fest gebuchten Arbeitsplätzen stattfindet. Diese
Arbeitsplätze werden dann flexibel oder für einen bestimmten Zeitraum
„ gebucht “ , was ihnen die Bezeichnung des „ Hotelling “ einbringt. In der Regel
werden die Arbeitsplätze dann auch seitens des Möbellayouts so gestaltet, dass
eine flexible Zuordnung und das Zusammenstellen mehrerer Arbeitsplätze ohne
größeren Umbauaufwand möglich ist.
3. Technologische Voraussetzungen
Die technologischen Voraussetzungen für Telearbeit haben sich
mit der Verbreitung des ISDN-Netzes, dem Internet als dem universellen Netzwerk
sowie der Miniaturisierung und auch Verbilligung der Endgeräte sehr verbessert.
Notwendig ist in der Regel ein mit einem Modem oder einer ISDN-Karte
ausgestatteter PC, auf welchem die unternehmensübliche Software installiert
ist, die Abruf- und Nutzungsmöglichkeit der unternehmensinternen
Email-Funktionalität sowie gegebenenfalls die so genannte „ remote “ -Nutzung von
serverbasierten Anwendungen, die z.B. in der Versicherungswirtschaft noch sehr
verbreitet sind, sowie der Zugriff auf das lokale Intranet, so dieses
eingerichtet ist. Unter „ remote “ -Nutzung wird der „ Fernzugriff “ verstanden, für
den das Einwählen in das lokale Unternehmensnetzwerk erforderlich ist. Viele Unternehmen
stellen auch noch einen Drucker sowie ein Faxgerät bereit, was je nach
Tätigkeit und Postaufkommen sinnvoll sein kann. Für die Reibungslosigkeit der
Telearbeit auch aus Kunden- und Kollegensicht ist eine Anrufweiterleitung sehr
sinnvoll, die die Anrufe in das Unternehmen an Telearbeitstagen an den
heimischen Apparat weiterleitet. Für die Datenübertragung ist selbstredend für
ausreichende Zugriffssicherheit und Verschlüsselung von Daten zu sorgen.
Hierfür stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung.
III. Herausforderungen
und Problembereiche: Organisatorische Umsetzung
In fast allen Fällen führen Unternehmen Telearbeit nach dem
Durchlaufen einer Pilotprojektphase ein. Häufig bestehen gerade auf Seiten des
mittleren Managements erhebliche Vorbehalte gegen diese Arbeitsform, sodass ein
Pilot-Erprobungsstadium Akzeptanzprobleme lösen kann und weitere notwendige
Aspekte außerhalb des Regelbetriebs gestaltet und angegangen werden können.
Befürchtet werden oft eine eingeschränkte Kontrollierbarkeit dieser Mitarbeiter
und größere Schwierigkeiten, diese in ein Team zu integrieren. Aber es gibt
durchaus auch Befürchtungen, dass Telearbeiter die Grenze zwischen Privat- und
Berufsleben zu sehr verwischen, zu viel und zu lange arbeiten und damit einen
wichtigen Nutzen, die Vereinbarkeit von privaten Anforderungen und Beruf,
„ torpedieren “ . Nicht vergessen werden dürfen auch etwaige Folgen für die
direkten Kollegen des Telearbeiters, die häufig befürchten, weniger
telearbeitsfähige Tätigkeiten übernehmen und den Telearbeiter bei notwendiger
Präsenz vor Ort vertreten zu müssen. So tritt manchmal die Angst vor
schleichender Übernahme zusätzlicher Aufgaben zutage. Zudem besteht häufig eine
große Unsicherheit darüber, in welchen Bereichen Telearbeit überhaupt realisierbar
ist, welche Auswahlkriterien geeignet sind und mit welchen Kosten- und
Nutzeneffekten tatsächlich zu rechnen ist. Denn es ist davon auszugehen, dass
der arbeitnehmerseitige Druck bzw. die Nachfrage seitens der Mitarbeiter
wächst, und die Unternehmen dann über klare Leitlinien und Auswahlkriterien
verfügen müssen, um zukünftig mit der „ Regelarbeitsform “ Telearbeit umgehen zu
können.
Zu den Gestaltungspunkten im Einzelnen:
1. Geeignete Tätigkeiten/Arbeitsplätze
Eine pauschale Einteilung von telearbeitsgeeigneten und
nicht-telearbeitsgeeigneten Tätigkeiten ist praktisch unmöglich. Sieht man von
objektgebundenen Tätigkeiten wie z.B. Hausmeisterdiensten und Tätigkeiten mit
zwingendem, direktem Kundenkontakt einmal ab, sind viele Tätigkeiten
prinzipiell geeignet, auch räumlich verlagert realisiert zu werden. Dabei gilt
generell, dass eine hohe Wissens- bzw. Informationsintensität der Tätigkeit
diese auch tendenziell für Telearbeit geeignet machen, da sowohl das
„ Endprodukt “ als auch die notwendigen Informationen und Teilergebnisse in
digitaler Form über eine Telekommunikationsleitung transportiert werden können.
So galt schon früh z.B. die Softwareentwicklung als telearbeitstaugliche
Tätigkeit. Aber es ist hochgradig von der praktizierten Arbeitsteiligkeit, der
Teamorganisation sowie der Abstimmungs- und Besprechungskultur abhängig, ob
Telearbeit realisierbar und mit einem Mehr oder Weniger an organisatorischen
Gestaltungsanforderungen verbunden ist. Fragen nach der Häufigkeit und
Notwendigkeit spontaner Besprechungen, der Autonomie der Aufgabenerledigung
seitens der Mitarbeiter und der Anzahl der Abstimmungsschnittstellen lassen
erahnen, welche organisatorischen Aspekte vor Einführung der Telearbeit
berücksichtigt werden müssen.
2. Führen von Telearbeitern – Management
auf Distanz
Nicht nur der Telearbeiter, sondern auch die betroffene
Führungskraft muss sich auf eine veränderte Arbeitssituation einstellen, wenn
der Mitarbeiter nicht mehr täglich am Arbeitsplatz gesehen und angesprochen
werden kann. Durch Telearbeit wird es erforderlich, Arbeitsaufgaben mit einem
längeren Planungshorizont zu delegieren und das eigene Informations- und
Feedbackverhalten auf die veränderte Situation einzustellen. Tatsächlich
funktionieren in vielen Unternehmen direkte Führung, Anleitung und Rückmeldung
„ über den Schreibtisch “ bzw. „ über den Gang “ und dies nicht selten auch
spontan. Hier ist ein Umdenken erforderlich. Notwendig wird darüber hinaus auch
eine längerfristige Planung von Besprechungen, an denen alle beteiligt sein sollten,
sowie eine zeitnahe Dokumentation von Besprechungen und ihren Ergebnissen, die
in Form von Protokollen zur Verfügung gestellt werden sollten. Besonders
schwierig erscheint es, die informelle Kommunikation über Telemedien
abzuwickeln. Hier müssen alle Beteiligten in dem Sinne dazulernen, als auch
hierfür in zunehmendem Maße Telefon und Email eingesetzt werden müssen.
Generell gilt: Versteht sich die Führungskraft vor allem als aktueller
Problemlöser, ad-hoc-Organisator und allzeitig ansprechbare Vertrauensperson,
erscheint eine Telearbeit zumindest mit großem Anteil der Heimarbeitstage
schwerer zu realisieren. Praktiziert eine Führungskraft ein hohes Maß an
Ergebnisorientierung mit selbständigen Mitarbeitern, erscheint Telearbeit
dagegen durchaus möglich.
3. Individuelle Eignungskriterien
Unabhängig von den tätigkeitsbezogenen Eignungskriterien von
Telearbeit gibt es auch individuelle Voraussetzungen seitens des Mitarbeiters.
So kann heute davon ausgegangen werden, dass eine Mindest-Betriebs- und
Teamzugehörigkeit vorhanden sein muss – in der Regel etwa ein Jahr – , bevor ein
Beschäftigter in Telearbeit gehen sollte. Nur so kann gewährleistet werden,
dass der zukünftige Telearbeiter die internen Unternehmensprozesse und mögliche
Ansprechpersonen gut kennt und über ein eigenes Problemlösungspotenzial
verfügt. Dies bedeutet umgekehrt, dass Neueinstellungen selten gleich
Telearbeit praktizieren sollten. Weitere notwendige Eigenschaften sind eine
hohe Selbstorganisations- und Motivationsfähigkeit der Beschäftigten,
ausreichende Bedingungen für die Einrichtung des abgrenzbaren Arbeitsbereiches
daheim und auch die glaubhafte Versicherung, das „ Familienmanagement “ so
umzusetzen, dass z.B. laufende Störungen durch Kinder unterbunden resp.
aufgefangen werden können. Zudem erscheint es sinnvoll, solche Mitarbeiter
auszuwählen, die über ein robustes Know-how in Bezug auf Techniknutzung
verfügen, um zumindest bei geringfügigen Anwendungsproblemen „ reaktionsbereit “
zu sein.
4. Dienst-/Betriebsvereinbarungen
Die Einführung von Telearbeit bedeutet eine Verlagerung der
Arbeitsstätte ins private Umfeld, was in der Regel das Abschließen einer
entsprechenden Dienst- bzw. Betriebsvereinbarung
erforderlich macht. Typische Regelungsbereiche dieser Vereinbarungen sind die
Aspekte Aufnahme und Beendigung von Telearbeit (Prinzipien der Freiwilligkeit
und der Kündbarkeit) und die Sicherstellung der Vorschriften für den
Arbeitsschutz und der Arbeitsstättenordnung, von Datenschutz und der
Datensicherheit bei der Übertragung von sensiblen Daten, das Zugangsrecht des
Arbeitgebers zur heimischen Arbeitsstätte, vor allem zur Kontrollierbarkeit der
Einhaltung der Vorschriften des Arbeitsschutzes und der Arbeitsstättenordnung,
die Erfassung der Arbeitszeiten und nicht zuletzt die Frage der Übernahme von
Telekommunikations-, Miet-, Strom- und sonstigen Verbrauchskosten am heimischen
Arbeitsplatz (vgl. BMA, /BMWI, 1998,
S. 40 ff.).
IV. Wirtschaftlichkeit
von Telearbeit
Jede arbeitsorganisatorische Maßnahme hat auch unter
wirtschaftlichen Maßstäben zu bestehen. Die Wirtschaftlichkeit von Telearbeit
muss den entstehenden Zusatzkosten (einmalige Kosten wie Ausstattungskosten,
laufende Kosten wie Telekommunikationsentgelte) mögliche Einsparungen oder
qualitative Nutzeneffekte gegenüberstellen. Die Einsparungs- und
Nutzenpotenziale bestehen im Wesentlichen aus folgenden Posten: Im Falle der
parallelen Realisierung von Desk-Sharing-Konzepten ergeben sich
Einsparungspotenziale von Büroflächen und Raumbewirtschaftungskosten, die allerdings
eine sehr grundlegende Re-Organisation von Arbeitsflächen und -plätzen
notwendig machen und daher nur mit erheblichem Planungsaufwand zu bewältigen
sind. Immer wieder genannt werden auch Produktivitätsgewinne, die vor allem
durch die ungestörtere Arbeitssituation und die erhöhte Motivation der
Telearbeiter erklärt wird. Die wesentlichsten, aber am schwierigsten zu
ermittelnden Nutzengrößen sind die Effekte in bezug auf die verbesserte
Mitarbeiterbindung, den Qualifikationserhalt bzw. die Amortisation von Aus- und
Weiterbildungsinvestitionen sowie die generelle Steigerung der
Unternehmensattraktivität. Angesichts der Arbeitsmarktsituation und der
demographischen Entwicklung in der Bundesrepublik sind dies jedoch die
wesentlichsten Argumente. Beispielprojekte des Fraunhofer-Instituts für
Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), Stuttgart, haben belegt, dass
entsprechende Opportunitätskostenberechnungen die Einführung von Telearbeit
mittelfristig praktisch immer zur kostengünstigeren Alternative machen (vgl. Gölz,
/Hofmann, 2001, S. 191 ff.; Ewert,
/Teske, 1998).
V. Ausblick
Telearbeit ist auf dem Vormarsch und bietet Unternehmen wie
öffentlichen Arbeitgebern ein Flexibilisierungspotenzial, das mitarbeiter- wie
arbeitgeberseitig positiv genutzt werden kann. Unter Beachtung der umfassenden
und genannten Gestaltungspunkte, die empfohlenermaßen zunächst in Form von
Pilotprojekten angegangen (vgl. Bonnet,
/Hofmann, 2000) und erprobt werden sollten, zeichnet sich auch
eine breite Akzeptanz ab – auf Seiten der Beschäftigten, der Führungskräfte und
der Arbeitnehmervertretungen.
Literatur:
BMA, /BMWI, : Telearbeit – Ein
Leitfaden für die Praxis, Berlin 1998
Bonnet, P./Hofmann, J. :
Herausforderung: Telearbeit im öffentlichen Dienst, in: Report Telearbeit im öffentlichen
Dienst – Wie man sie einführt und als Innovationsmotor nutzt, hrsg. v. Korte,
W. B./Flüter-Hofmann, C./Kowitz, R., Düsseldorf 2000, S. 63 – 68
Börnecke, D. : Handbuch Telearbeit –
Leitfaden für Mitarbeiter, Führungskräfte und Personalfachkräfte, in: s.o.,
hrsg. v. Siemens AG, , Berlin, München et al. 1998
Ewert, D./Teske, K. :
Wirtschaftlichkeit von Telearbeit – Studie zu Kosten- und Nutzensaspekten einer
neuen Arbeitsform, Personal, Nr. 9, 1998, S. 428 – 431
Freudenreich, H./Klein, B./Wedde, P. :
Entwicklung der Telearbeit – Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen.
Abschlussbericht, Bonn 1997
Gölz, A./Hofmann, J. : Does e-work
really pay off? An In-Depth Analysis of Opportunity Costs for Telework, in:
E-work and E-Commerce, Novel solutions and practices for a global networked
economy, hrsg. v. Standford-Smith, B./Chiozza, E., Amsterdam, Berlin et al.
2001, S. 191 – 195
Hofmann, J./Bonnet, P. : Mobile
Arbeitsplätze im Wirtschaftsraum Baden-Württemberg, in: Kurzfassung des
Abschlussberichts des Fraunhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und
Organisation, hrsg. v. Wirtschaftsministerium Baden Württemberg, , Stuttgart
1999
Johanning, D. : Telearbeit –
Einführung und Leitfaden für Unternehmer und Mitarbeiter, München, Wien 1997
Kilz, G./Reh, D. A. : Einführung in
die Telearbeit – Ökonomische, rechtliche und soziale Aspekte, Berlin 1997
Kordey, N./Korte, W. B. : Telearbeit
erfolgreich realisieren – Das umfassende, aktuelle Handbuch für
Entscheidungsträger und Projektverantwortliche, Braunschweig/Wiesbaden 1996
Reichwald, R. : Telekooperation –
Verteilte Arbeits- und Organisationsformen, Berlin et al. 1998
Robinson, S./Kordey, N. : Telearbeit
und Electronic Commerce in Europa, empirica Gesellschaft für Kommunikations-
und Technologieforschung mbH, Bonn 1999, www.empirica.com/Telearbeit/Veröffentlichungen/telac99a3.pdf
Wedde, P. : Entwicklung der
Telearbeit – Arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen. Gutachten, Bonn 1997
|