Inhaltsübersicht
I. Begriff
II. Wissenschaftliche
und praktische Zugänge zur Personalentwicklung
III. Zusammenfassung
und zukünftige Forschungsfragen
I. Begriff
Personalentwicklung (PE) wird in Theorie und Praxis
uneinheitlich definiert. Weite und enge Begriffsfassungen stehen nebeneinander.
Enge Begriffsfassungen begrenzen Personalentwicklung inhaltlich auf die Aus-
und Weiterbildung. Zusätzlich wird Personalentwicklung entweder auf bestimmte
Klientelgruppen bezogen, oder die Eingrenzung erfolgt bei den Aktivitäten der
Personalentwicklung (vgl. Mentzel, 1997,
S. 16). Hier wird einer sowohl inhaltlich als auch personenbezogen weiten
Begriffsfassung gefolgt. Als Personalentwicklung werden alle geplanten
Maßnahmen der Bildung, der Förderung und der Organisationsentwicklung
verstanden, die von einer Organisation oder Person zielorientiert geplant,
realisiert und evaluiert werden (vgl. Becker, 2005a,
S. 3).
II. Wissenschaftliche
und praktische Zugänge zur Personalentwicklung
Zur Systematisierung der Personalentwicklung ist nach
konkreten Forschungszugängen und praktischen Gestaltungsanliegen zu
unterteilen. Wesentliche Forschungs- und Gestaltungszugänge sind in Abb. 1
dargestellt.
Abb. 1: Forschungs- und Gestaltungszugänge
1. Kontextorientierte Personalentwicklung
Der kontextorientierte Zugang klärt die unternehmensinternen
und -externen Einflüsse auf die Ziele, die Inhalte, die Methoden und die
Akteure der Personalentwicklung. Die kontextorientierte Gestaltung lotet den
normativen Handlungsrahmen aus, der die Personalentwicklung vorbestimmt. Die
Unternehmenspolitik bestimmt als Zweck-Mittel-Beziehung Richtung, Ziele und
Inhalte der Personalentwicklung. Die Personalentwicklung ist so auszugestalten,
dass sie die Erreichung der Unternehmensziele optimal unterstützt (vgl. Drumm, 2000,
S. 381). Zusätzlich sind die externen Kontextfaktoren zu beachten.
a) Personalentwicklung als Beitrag zur
Unternehmensentwicklung
Der Beitrag der Personalentwicklung zur
Unternehmensentwicklung kann anhand idealtypischer Entwicklungsstufen
(Generationen) aufgezeigt werden (vgl. Abb. 2). Personalentwicklung und
Unternehmensentwicklung sind gegenseitig anschlussfähig zu gestalten (vgl. Rother, 1996,
S. 120 ff.).
Abb. 2: Reifegrad-Konstrukte der Unternehmensführung und der
Personalentwicklung
-
Personalentwicklung in der 1. Generation der
Unternehmensführung
Reaktive Unternehmensführung ist Ausdruck geringer Dynamik,
relativ gleichbleibender Anforderungen und Tätigkeiten und unterstellt die
langfristige Nutzung erworbener Qualifikationen.
Die Personalentwicklung der 1. Generation folgt als Institutionalisierungsphase dem
reaktiven Paradigma der Unternehmensführung. Reaktiv auf die Behebung
festgestellter Qualifikationsdefizite angelegt, führen die Unternehmen
Bildungsmaßnahmen durch. Die „ Reparatur “ von Qualifikations- und
Motivationsdefiziten, nicht die proaktive Vermeidung von Mängeln im Wollen und
Können, stehen im Vordergrund reaktiver Personalentwicklung. Typisch sind
fehlende Bedarfsermittlung, mangelhafte Erfolgskontrolle und der Verzicht auf
Transfersicherung. Arbeitsfeld und Lernfeld stehen als unverbundene Systeme
nebeneinander. Normative Vorgaben, z.B. in Form von
Personalentwicklungsgrundsätzen oder -konzepten, fehlen oder werden
unverbindlich und uneinheitlich als implizite Handlungsmaxime gelebt.
-
Personalentwicklung in der 2. Generation der
Unternehmensführung
Die 2. Generation der Unternehmensführung ist als Management
des Übergangs auf die Bewältigung zunehmender Dynamik ausgerichtet. Der
strategische Fokus der Gesamtorganisation verpflichtet alle Funktionsbereiche
auf die Erreichung der Unternehmensziele. Auch die Personalentwicklung muss
ihren Beitrag zur Erreichung der Unternehmensziele erbringen und nachweisen.
Die Personalentwicklung der 2. Generation ist als Differenzierungsphase auf
Bedarfsermittlung, systematische Planung, Durchführung und Erfolgskontrolle
ausgerichtet. Verpflichtende Grundsätze stecken als normativer Handlungsrahmen
die Inhalte, die Reichweite, die Rechte und Pflichten der Akteure, den
organisatorischen Rahmen und die Ressourcen der Personalentwicklung ab.
Kernelement systematischer und anforderungsbezogener Personalentwicklung ist
die methodische Absicherung der Personalentwicklung im Funktionszyklus. Als ein
wesentlicher Grundsatz der Personalentwicklung in der Differenzierungsphase
gilt die Verpflichtung der Führungskräfte,
Personalentwicklung als nicht delegierbare Führungsaufgabe an- und
wahrzunehmen.
-
Personalentwicklung in der 3. Generation der
Unternehmensführung
Die dritte Generation der Unternehmensführung konzentriert
Planung, Steuerung und Kontrolle auf die anforderungsgerechte Entwicklung der
unternehmensinternen Potenziale (vgl. Selznick, 1957;
vgl. Penrose, 1959).
Personalentwicklung in der Integrationsphase zielt auf die Förderung der organisationalen
Lernkultur zur Stärkung der Leistungsfähigkeit und zur Erhöhung der
Anschlussfähigkeit der Organisationen an Veränderungen. Strukturale, personale
und prozessuale Aspekte der Verbesserung des organisationalen Lernens ergänzen
Bildung und Förderung potenzialorientiert und integriert als Organisationsentwicklung.
Leistungsorientierte Organisationen entwickeln sich im Integrationsverbund von
Lernen und Arbeiten. Kennzeichen der 3. Generation ist die integrierte
Prozessberatung vor Ort. „ Mitarbeiterentwicklung [?] ist eine nicht
delegierbare Managementfunktion von hoher Priorität “ (Becker, 2005a,
S. 245). Personalentwicklung wird als Hilfe zur Selbsthilfe bei der Lösung
technischer, sozialer und organisatorischer Probleme praktiziert.
b) Externe Rahmenbedingungen der
Personalentwicklung
Die externen Rahmenbedingungen der Personalentwicklung werden
durch die Berufsbildungspolitik, die bildungspolitischen und tarifvertraglichen
Vorstellungen der Gewerkschaften
und der Arbeitgeber bestimmt. Die Berufsausbildung
und die Weiterbildung stehen unter starkem Anpassungsdruck, insbesondere die
Reform des Dualen Systems der Berufsausbildung
(vgl. Greinert, 2000,
S. 184 ff.) ist voranzutreiben. Das Bildungsniveau der Absolventen der
allgemeinbildenden Schulen, das erforderliche Niveau der Dualen
Berufsausbildung und die Qualität der Ausbildung an Fachhochschulen und
Universitäten bestimmen das Niveau der kompensatorischen Weiterbildung. Darüber
hinaus beeinflussen Globalisierung, die Dynamik der Technikentwicklung und die
allgemeine Struktur- und Konjunkturlage die Ziele, Inhalte und Qualität der
Personalentwicklung.
2. Akteursorientierte Personalentwicklung
Akteure der Personalentwicklung sind die Fach- und Führungskräfte
der Personalentwicklung und das Top-Management der Unternehmen. Zusätzlich
nehmen die Personal- und die Betriebsräte, die Gleichstellungsbeauftragten und
die Schwerbehindertenvertreter im Rahmen ihrer gesetzlichen
Mitbestimmungsrechte Einfluss auf die Personalentwicklung).
Akteursorientiert ist zu untersuchen und zu beachten, wie
biographie- und kontextbestimmte Lernimpulse und Lernbarrieren die Teilnahme
und den Erfolg von Personalentwicklungsmaßnahmen beeinflussen. Die Akteure
handeln stets interessengeleitet. Interessen sind herauszuarbeiten, und
klientelbezogen ist festzulegen, ob und wie diese durch Personalentwicklung
befriedigt werden können. Grundsätzlich werden
Personalentwicklungsentscheidungen bestimmt durch:
-
die individuelle Persönlichkeit des Lernenden,
-
die Vorerfahrungen, Ziele und Befürchtungen der
Adressaten der Personalentwicklung,
-
das soziale, politische und konjunkturelle Umfeld,
z.B. die spezifische Arbeitsmarktsituation, die Ausgestaltung der staatlichen
und betrieblichen Fördermaßnahmen, den Wettbewerbsdruck auf Berufe und
Berufsgruppen,
-
die Persönlichkeit und Professionalität der
verantwortlichen Personalentwickler.
Voraussetzungen der Teilnahme an den
Personalentwicklungsmaßnahmen sind rechtzeitige und ausreichende Informationen.
Aufgabe der Personalentwicklung ist die Schaffung eines sozialen Umfeldes, das
Motivation und Verantwortung stärkt. Unternehmen müssen
Entwicklungsmöglichkeiten offerieren und ein lernförderndes Arbeitsklima
schaffen. Die Bereitschaft zur Weiterentwicklung ist zu erwarten, wenn die
Ziele der Personalentwicklung den Akteuren attraktiv und erreichbar erscheinen
und die positiven Auswirkungen der Teilnahme, z.B. Karrierechancen hoch
eingeschätzt werden. Die Rolle und das Selbstverständnis der Personalentwickler
bestimmen die Art und die Ausgestaltung der Personalentwicklung wesentlich mit.
Die Tätigkeit der hauptamtlichen Personalentwickler als
Lehrer in der Erwachsenenbildung (1. Generation) nimmt in dynamischen
Unternehmen der 2. und 3. Generation zu Gunsten konzeptioneller und beratender
Tätigkeiten ab. Das traditionelle Personalentwicklungsverständnis (Rollen:
Trainer, Ausbilder, Koordinator von Lernprozessen) wird durch ein innovatives
Rollenmuster (Rollen: Stratege, Konzeptentwickler, Berater, Beziehungsmanager)
ersetzt. Der Rollenwandel macht eine „ ? deutlichere unternehmerische
Profilierung der Personalentwicklungsfunktion notwendig “ (Reinhardt, 2000,
S. 235; vgl. Becker, 2005a,
S. 517 ff.). Damit rückt die Professionalisierung der Personalentwickler in den
Vordergrund.
3. Zielorientierte Personalentwicklung
Die Ziele legen das Anspruchsniveau der Personalentwicklung
fest. Als Ergebnis der Personalentwicklung erwarten die Mitarbeiter die
Erhaltung und Verbesserung ihrer Beschäftigungsfähigkeit, die Führungskräfte
erwarten leistungsstarke und motivierte Mitarbeiter, die Unternehmensleitung
will signifikante Beiträge zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.
In dynamischen Unternehmen steht die kompetente Verwertung
erworbener Qualifikationen im Arbeitsprozess im Vordergrund. Kompetenz ist
dabei zu verstehen als Kombination von Kenntnissen, Fertigkeiten, Erfahrungen
und Verhaltensweisen, die in einer konkreten Arbeitssituation von einer Person
zur Lösung ganz konkreter Arbeitsprobleme eingesetzt werden (vgl. Lichtenberger,
1999, S. 294; vgl. Becker, 2005a,
S. 7 ff.). Der Erfolg der Personalentwicklung zeigt sich erst im
Arbeitsergebnis, dem gelungenen Werk, nicht schon im Erwerb von
Qualifikationen.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wird der Verwendungsaspekt
der Personalentwicklung i.S. von Kompetenzverbesserung und Performanz besonders
hervorgehoben. Folgt man dieser Sichtweise, dann hat Personalentwicklung die
Handlungskompetenz zu fördern (vgl. Staudt,
/Kriegesmann, 2000, S. 40). Wesentliche Aspekte der
Handlungskompetenz sind die situativ-individuelle Handlungsfähigkeit (Können),
die Handlungsbereitschaft (Wollen) und die konkrete Zuständigkeit für eine
Aufgabe (Dürfen) (vgl. Becker,
/Schwarz, 2001, S. 20).
4. Inhaltsorientierte Personalentwicklung
Entsprechend der hier gewählten weiten Definition umfasst
Personalentwicklung die Inhaltsbereiche Bildung,
Förderung und Organisationsentwicklung (Abb. 3).
Abb. 3: Inhalte der Personalentwicklung
a) Ausbildung, Weiterbildung, Führungsbildung
Bildung ist der
traditionelle Bestandteil der Personalentwicklung. Kernbereiche sind die Berufsausbildung,
die fachliche und die allgemeine Weiterbildung, die Führungsbildung, das
systematische Anlernen und die Umschulung (vgl. Becker, 2005b,
S. 163 ff.). Die Inhalte der Aus- und Weiterbildung wechseln mit der Dynamik
der Anforderungen. Insbesondere Weiterbildung und Führungsbildung verändern
sich mit der Virtualisierung der Unternehmen und der Globalisierung der
Wirtschaft. Die Führungsbildung bereitet auf effizientes Führungshandeln
multifunktionaler Teams in virtuellen Unternehmen vor. Interkulturelle
Kompetenz, Umgang mit Diversity (vor allem mit heterogenen Belegschaften) und
der Zuwachs an Autonomie verändern das Führungshandeln und damit die
Führungskräfteentwicklung.
b) Förderung von Fach- und Führungskräften
Zur Förderung
gehören Tätigkeits- und Anforderungsprofile, Auswahl- und
Einarbeitungsverfahren, strukturierte Mitarbeitergespräche, Potenzialanalysen,
Karriere- und Nachfolgeplanung, Coaching, Mentoring
und Zielvereinbarungssysteme.
Die Förderung folgt den Prinzipien der Individualisierung, Generalisierung und
Elementarisierung und zielt auf die anforderungsadäquate Entwicklung von
Individuen und Gruppen. Insbesondere die Elementarisierung verlangt die
Ablösung von flächendeckenden Stellenbeschreibungen durch die Zusammenfassung
der Tätigkeiten und Anforderungen auf Stellenbündelniveau (vgl. Becker, 2005a,
S. 300 ff.). Die Förderung nimmt im Vergleich zur Bildung deshalb an Bedeutung
zu, weil der Erfolg dynamischer Unternehmen in starkem Maße von der Leistung
und dem Verhalten der Organisationsmitglieder abhängt.
c) Organisationsentwicklung
Organisationsentwicklung
fokussiert auf die integrierte und zielorientierte Gestaltung und Entwicklung
von Organisationen. Personale, strukturale und prozessuale Aspekte sollen den
jeweiligen Anforderungen der Unternehmenstransformation entsprechen.
Teamkonzepte, Projektarbeit und soziale, technische und organisatorische
Gestaltung sind prominente Ansatzpunkte der Organisationsentwicklung.
Organisationsentwicklung ist stets managementgeleitet und ergebnisorientiert zu
gestalten. (vgl. Becker, 2005a,
S. 432 ff.; vgl. Trebesch, 2000).
5. Methodenorientierte Personalentwicklung
Die methodische Absicherung der Personalentwicklung ist
Voraussetzung zur Erreichung und Überprüfung von Effektivität und Effizienz.
Die methodische Absicherung verschafft der Personalentwicklung Akzeptanz und
sichert ihr die erforderlichen Ressourcen.
Bedarfsanalyse, Ziele setzen, kreatives Gestalten, Realisieren,
Erfolgskontrolle und Transfersicherung sind die Teilschritte systematischer
Personalentwicklung (vgl. Becker, 1999a,
S. 112 ff.; Becker, 2005b,
S. 17 ff.). Der Funktionszyklus ist ein abgestimmtes Verfahren zur Planung,
Steuerung und Kontrolle konkreter Personalentwicklungsmaßnahmen (Abb. 4).
Abb. 4: Funktionszyklus der Personalentwicklung
a) Bedarfsanalyse
Die Bedarfsanalyse umfasst die Aspekte Anforderungs-,
Adressaten- und Ursachenanalyse. Die Anforderungsanalyse ermittelt die
gegenwärtigen und zukünftigen Tätigkeiten und Anforderungen. Tätigkeits- und
Anforderungsanalysen werden in der Praxis zunehmend auf Stellenbündelniveau
erhoben. Gleiche und gleichartige Stellen werden auf einem für Planungszwecke
ausreichenden mittleren Abstraktionsniveau gebündelt. Aufgenommen werden nur
„ kritische “ und damit wertschöpfungsrelevante, relativ dauerhafte Tätigkeits-
und Anforderungselemente gleicher oder vergleichbarer Funktionen (vgl. Becker, 2005b,
S. 31 ff.; vgl. Bötel,
/Krekel, 2000).
Die Adressatenanalyse untersucht die Ist-Befähigungen
(Qualifikation und Motivation) und das Potenzial der Mitarbeiter. Die
Gegenüberstellung der Ergebnisse von Anforderungs- und Adressatenanalyse zeigt,
ob der Mitarbeiter anforderungsgerecht, über- oder unterqualifiziert und
motiviert ist. Die Potenzialanalyse prognostiziert, inwieweit ein Mitarbeiter
aus gegenwärtiger Sicht wahrscheinlich in der Lage wäre, eine andersartige oder
höherwertige Tätigkeit wahrzunehmen. Die Ursachenanalyse soll zeigen, ob die
Mängel im Wollen (Motivation), im Können (Qualifikation) oder im Dürfen
(Ordination) begründet sind.
Die individuelle Bedarfsanalyse ist um die strategische
Bildungsbedarfsanalyse zu erweitern. Die strategische Bildungsbedarfsanalyse
definiert Suchfelder zur Bestimmung kritischer zukünftiger Tätigkeiten und
Anforderungen auf Unternehmens- bzw. Geschäftsfeldniveau. Trends werden
ermittelt, wahrscheinliche Entwicklungspfade abgeleitet, die strategische
Bedeutung für das Unternehmen oder das Geschäftsfeld abgeschätzt. Darauf
aufbauend werden kritische Themenfelder der Personalentwicklung aufgelistet und
nach Bedeutung, Wirtschaftlichkeit und Durchführbarkeit priorisiert. Die
strategische Bildungsbedarfsanalyse mündet in einen Durchführungsauftrag an die
Personalentwicklung zur Bewältigung von Veränderungen.
b) Ziele setzen
Die Zielplanung legt als Reichweitenplanung den Horizont der
Personalentwicklung fest (vgl. Becker, 2005b,
S. 82 ff.). Als Interessenplanung bestimmt sie die betrieblichen und die
persönlichen Absichten, die mit der Personalentwicklung erreicht werden sollen.
Bei der Zielformulierung sind der Zielbereich (kognitiv, affektiv,
psychomotorisch) und die Zielebene (taxonomischer Anspruch) zu bestimmen. Die
Lern- und Entwicklungsziele sollen SMART
sein (vgl. Hersey,
/Blanchard, /Johnson, 1996, S. 405 ff.):
Specific:
Lern- und Entwicklungsziele müssen das angestrebte Ergebnis
konkret beschreiben und so festlegen, welches Qualifikationsniveau erreicht
werden soll.
Measurable:
Lern- und Entwicklungsziele müssen messbar und/oder
beobachtbar beschrieben sein.
Attainable:
Lern- und Entwicklungsziele müssen erreichbar, herausfordernd
und widerspruchsfrei formuliert sein.
Relevant:
Lern- und Entwicklungsziele müssen für die Akteure bedeutsam
sein.
Trackable:
Die Erreichung der Lern- und Entwicklungsziele muss für die
Akteure steuerbar sein.
c) Kreatives Gestalten
Kreatives Gestalten der Personalentwicklungsmaßnahmen legt
zeitlich, sachlich und personell die Infrastruktur der
Personalentwicklungsmaßnahmen fest (vgl. Becker, 2005b,
S. 110 ff.).
-
Zeitlich: Wann soll eine Personalentwicklungsmaßnahme
beginnen und wie lange soll sie dauern (proaktive oder reaktive Planung)?
-
Sachlich: Welche Ressourcen stehen zur Verfügung? Sind
Lehr- und Lernmittel sowie Räumlichkeiten verfügbar?
-
Personell: Sind Lehrende, Lernende und Führungskräfte
und die Mitbestimmung in die Planung der Personalentwicklungsmaßnahmen
einbezogen?
Informationsgrundlage für die Planung, Steuerung und
Kontrolle der Personalentwicklung sind Betriebsvergleiche,
Kalkulationsverfahren, Entscheidungs- und Kontrolltechniken.
d) Durchführung
Die Realisierung von Personalentwicklungsmaßnahmen erfolgt
intern, extern, on-the-job oder off-the-job (vgl. Becker, 2005b,
S. 163 ff.). Die Verantwortlichen stellen fest, ob die Durchführung planmäßig
verläuft oder Korrekturen notwendig sind (Ziel-, Inhalts- und pädagogische
Korrekturen). Teamorientiertes Arbeiten, gegenseitige Unterstützung im Lern-
und Arbeitsprozess verändern die Personalentwicklung vor Ort. Insbesondere die
Führungskräfte wirken in Team- und Gruppenkonzepten als Trainer, Berater, Coach
und Mentoren. Die hauptamtlichen Personalentwickler unterstützen als
„ Facilitators “ die Lern- und Arbeitsprozesse mit Medien, Moderation und
Train-the-Trainer-Aktivitäten.
e) Erfolgskontrolle
Die Erfolgskontrolle misst und bewertet die Effektivität und
Effizienz erfolgter Personalentwicklungsmaßnahmen (vgl. Becker, 2005b,
S. 195 ff.). Eine unsystematische Bedarfsanalyse, unklar formulierte Lernziele,
ungeeignete Evaluationsmethoden und die mangelnde Akzeptanz der an
Personalentwicklungsmaßnahmen beteiligten Organisationsmitglieder behindern die
Erfolgskontrolle. Auch bestehen in Theorie und Praxis noch Defizite bei der
Entwicklung geeigneter Messkriterien zur Erfassung des Wissenskapitals in
Unternehmen (Thierau-Brunner,
/Stangel-Meseke, /Wottawa, 1999, S. 279; vgl. empirisch Becker,
/Schwertner, 2002, S. 189).
f) Transfersicherung
Personalentwicklungsmaßnahmen sind erst dann erfolgreich
abgeschlossen, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Gelernte am
Arbeitsplatz dauerhaft zur Bewältigung ihrer Aufgaben anwenden (vgl. Becker, 2005b,
S. 240 ff.). Die Transfersicherung muss in enger Kooperation der Führungskräfte
und der Mitarbeiter erfolgen. Die Führungskräfte leisten insbesondere dadurch
Unterstützung, dass sie die Mitarbeiter ermuntern, die erworbenen Kenntnisse in
ihre Arbeit einzubringen. Erfolgt Personalentwicklung am Arbeitsplatz und am
konkreten Lernobjekt, dann ist die Transferproblematik überwunden, weil Lern-
und Arbeitsfeld zusammenfallen. Auch die Transfersicherung zeigt noch
Realisierungsmängel. Wenn überhaupt eine Transfersicherung durchgeführt wird,
dann beschränkt sie sich häufig auf eine aufwandsminimale, seminaristische
Erfolgskontrolle in Form einer Zufriedenheitskontrolle (vgl. Bergmann,
/Sonntag, 1999, S. 288).
6. Zusammenfassung und
zukünftige Forschungsfragen
Die Personalentwicklung unterliegt starker Dynamik. Ausgelöst
durch Globalisierung, Individualisierung und Informations- und
Kommunikationstechnologie verändern sich die Ziele, die Inhalte, die Methoden
und die Medien der Personalentwicklung.
Multifunktionale Teams, virtuell organisierte Kern- und
Peripheriebelegschaften sind mit differenzierter Bildung, Förderung und Organisationsentwicklung
auf die kompetente Erledigung ihrer Aufgaben vorzubereiten. Maßgeschneiderte
Personalentwicklung setzt differenzierte Kenntnis der Adressaten und der
Aufgaben voraus. Analyseaufgaben und konzeptionelle Gestaltungsaufgaben nehmen
zu. Die Forschung muss sich mit den Phänomenen „ lebenslanges Lernen “ und
„ Employability “ ebenso beschäftigen wie mit der Virtualisierung und
fortschreitenden Auflösung der Unternehmen als rechtliche, wirtschaftliche,
soziale und lokale Einheit. Kompetenzbasiertes Arbeiten und Lernen und die
verbindende Systematik integrierter Personal- und Organisationsentwicklung
sind ebenso wie Aufbau, Erhaltung, Messung, Bewertung und Verwertung von
Humanvermögen aus betriebswirtschaftlicher und interdisziplinärer Sicht zu
erforschen.
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