Inhaltsübersicht
I. Begriffsabgrenzung
und konzeptionelle Einordnung
II. Kontext,
Ziele und Gestaltungsinstrumente der Restrukturierung
III. Implementierungsmanagement
I. Begriffsabgrenzung
und konzeptionelle Einordnung
Der betriebswirtschaftliche Restrukturierungsbegriff
kennzeichnet sehr heterogene Gegenstandsbereiche, u.a. die Restrukturierung der
Kapital- und Vermögensstruktur, das krisenverursachte Turn-around-Management
und die geplante organisationale Restrukturierung (Achleitner,
Ann-Kristin/Wahl, Simon 2003, S. 7 ff.; Brühl,
Volker/Göpfert, Burkhardt 2004). Der vorliegende Beitrag gibt einen
Überblick über die organisationale
Restrukturierung. Darunter wird die nicht krisenverursachte, geplante und
zielgerichtete Veränderung von Organisationsstrukturen, -prozessen und
-systemen verstanden, um Effektivität und Effizienz zu steigern (Jones, Gareth
R. 2004, S. 320; Nippa,
Michael 2000, S. 65). Organisationale Restrukturierungen zu
konzipieren und zu implementieren, gehört zu den immer wiederkehrenden
Funktionen des Managements in erwerbswirtschaftlichen und
nicht-erwerbswirtschaftlichen Organisationen (vgl. Staehle,
Wolfgang H. 1999; Hellriegel,
Don/Jackson, Susan E./Slocum, John W. 2005, S. 3 ff.; Steinmann,
Horst/Schreyögg, Georg 2005).
Organisationale
Restrukturierung ist unter dem Dachkonzept der Vitalisierung von
Organisationen eines von drei organisatorischen Wandelfeldern (vgl. Steinle,
Claus 2005, S. 787 ff.) neben Reorientierung und Transformierung.
Reorientierung bezeichnet im Kern eine strategische Neuausrichtung des
Unternehmens am Markt, z.B. wenn innovative Geschäftsfelder aufgebaut oder
renditeschwache abgestoßen werden (vgl. Müller-Stewens,
Günter/Lechner, Christoph 2001, S. 458 ff.). Mit Transformierung
werden der gezielte Aufbau und die Entwicklung von Kernkompetenzen bezeichnet,
unterstützt durch Organisationslernen, Wandel der Organisationskultur und
Neuorientierung des Verhaltens der Organisationsmitglieder.
Zwischen den Wandelfeldern bestehen wechselseitige
Wirkbeziehungen. Vor allem jene zwischen Restrukturierung und Reorientierung
sind vielfach untersucht worden (vgl. zu Structure Follows Strategy Chandler,
Alfred D. 1962; Wolf, Joachim
1999; Schewe,
Gerhard 2003; zur Pfadabhängigkeit vgl. Schreyögg,
Georg/Sydow, Jörg/Koch, Jochen 2003). Im Zeichen des teilweise
extremen Hierarchieabbaus der vergangenen Dekade wurde auch untersucht, welche
Effekte dies auf die Entwicklung von Kernkompetenzen, den Aufbau einer
organisationalen Wissensbasis oder finanzielle Erfolgsmaße hat (vgl. Afuah, Allan
2001; Kieser,
Alfred 2002; Cascio, Wayne
2002).
Eine in sich geschlossene Theorie
zur Beschreibung und Erklärung von Restrukturierungsprozessen liegt nicht vor.
In Anbetracht des weit greifenden, äußerst komplexen Objektbereiches von
Restrukturierungen ist die Forderung nach einer
umfassenden, sparsamen und empirisch gehaltvollen Theorie nicht
gegenstandsadäquat. Der bestehende Pluralismus der Konzeptionen spiegelt die Komplexität
des Gegenstandsbereiches wider (vgl. Clegg,
Stewart/Hardy, Cynthia/Nord, Walter 1996; Schirmer,
Frank 2000, S. 43 ff.). Erkenntnis- und Gestaltungsinteressen, die
Bindung an Denk- und Forschungstraditionen sowie Weltbilder prägen die
wissenschaftlichen Konzepte und Gestaltungsempfehlungen (vgl. Schuster,
Michael/Ringlstetter, Max 2001, S. 350 ff.). Diese Vielfalt der
Konzepte indiziert, dass es keinen One Best Way des Restrukturierens gibt.
Praktiker sind bei der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse
grundsätzlich auf eine reflektierte Auswahl und ein situationsspezifisches
„ Maßschneidern “ angewiesen (vgl. Picot,
Arnold/Freudenberg, Heino/Gassner, Winfried 1999, S. 3).
II. Kontext, Ziele und
Gestaltungsinstrumente der Restrukturierung
In umweltoffenen Systemen ist die Strukturgestaltung und
-entwicklung (Restrukturierung) ein Hauptansatzpunkt des Managements, um die
Aktivitäten der Organisation mit den Anforderungen der Umwelt abzustimmen und
die längerfristigen Ziele der Organisation zu erreichen. In
wettbewerbsintensiven und dynamischen Umwelten ist dies eine immer
wiederkehrende Managementaufgabe, bei der sich sowohl Umweltbedingungen als
auch Lösungsansätze der Restrukturierung im Zeitablauf verändern.
Globalisierte Leistungserstellung und -verwertung, zunehmende
Kapitalmarktorientierung von Unternehmungen, sprunghafte Fortschritte der
IT-Infrastrukturen und eine Tendenz zur Fokussierung auf Kernkompetenzen in den
Unternehmungen sind markante Umweltmerkmale, in denen sich Restrukturierungen
heute vollziehen und sich Einschätzungen über die Zweckmäßigkeit von
(Re-)Strukturierungsinstrumenten herausbilden (vgl. Child,
John/McGrath, Rita 2001; Picot,
Arnold/Reichwald, Ralf/Wigand, Rolf 2003). In diesem Kontext sind
auch die maßgeblichen Ziele von Restrukturierung zu verorten. Neben der
Steigerung des Unternehmenswertes als oberstem Formalziel stehen seit etwa
einem Jahrzehnt folgende Subziele im Vordergrund (vgl. Steinle,
Claus 2005, S. 794 f.):
-
Leistungsqualität und Kundenbindung: Die Qualität der
Leistung soll in einem wettbewerbsintensiven Umfeld Kunden an das Unternehmen
binden. Organisatorische Restrukturierung soll das Spannungsfeld von
kundengerechter Individualisierung und kostenbezogener Standardisierung überbrücken
helfen;
-
Flexibilisierte Leistungserstellung: Als Konsequenz
stärkerer Kundenorientierung und zunehmend globalisierter Leistungserstellung
wird Flexibilität der Leistungserstellung zu einem weiteren Ziel von
Restrukturierung. Die dabei favorisierten Restrukturierungsinstrumente lassen
sich als Tendenz zur Modularisierung von Organisationen umschreiben;
-
Innovationsorientierung: Restrukturierung soll dazu
beitragen, in einem wettbewerbsintensiven Umfeld Anreize für Innovationen zu
liefern.
Um diesen Zielen näher zu kommen, kann auf diverse
Restrukturierungsinstrumente zurückgegriffen werden. Dabei ist die
Unterscheidung zwischen organisatorischen Basisbausteinen
und integrierten Organisationskonzepten
sinnvoll (vgl. Mintzberg,
Henry 1979; Arbeitskreis
Organisation der Schmalenbach-Gesellschaft e. V., 1996).
Basisbausteine der Restrukturierung sind organisatorische Instrumente, die
nicht weiter in kleinere Einzelmaßnahmen zerlegt werden können.
Zu den Basisbausteinen der Restrukturierung zählen (vgl. Arbeitskreis
Organisation der Schmalenbach-Gesellschaft e. V., 1996; Picot,
Arnold/Reichwald, Ralf/Wigand, Rolf 2003):
-
Rücknahme der Spezialisierung: Wird der Spezialisierungsgrad
verringert, entstehen ganzheitlichere Aufgaben, die Zahl der Schnittstellen
wird verringert. Ausführungs- und Kontrollaufgaben können integriert werden
(z.B. in der Fertigung).
-
Dezentralisation von Aufgaben, Entscheidung und
Verantwortung: Aufgaben und Entscheidungskompetenzen werden an untergeordnete
Einheiten verlagert. Deren Entscheidungsspielraum und tendenziell deren
Handlungsflexibilität steigen. Dies geht i.d.R. mit (umfassenderer)
Ergebnisverantwortung der Einheiten einher.
-
Hierarchieabbau: Die Zahl der Führungsebenen wird
verringert, meist im mittleren und unteren Management. Kommunikations- und
Entscheidungswege werden verkürzt. Dies verlangt eine Neubestimmung der
Funktionen und Aufgaben der verbleibenden Führungskräfte.
-
Kundenorientierte Organisationsstrukturen: Ausrichtung
der Organisationsstruktur an spezifizierten Kundengruppen.
-
Teamorganisation: Koordination und Ausführung von
Aufgaben wird einer Gruppe (Team) mit entsprechenden (begrenzten)
Entscheidungsbefugnissen übertragen. Dies gewinnt im Zusammenhang mit
integrierten Organisationskonzepten wie Prozessorganisation und
Modularisierung an Bedeutung.
-
IuK-Technologien: Bereitstellung von Hard- und
Software zur Unterstützung des Daten- und Informationsaustausches in und
zwischen Organisationen. Sie unterstützen standortverteilte, globale Prozesse
der Leistungserstellung und -verwertung.
-
Anreiz- und Karrieresysteme: Regeln die Verteilung von
Belohnungen sowie den organisationsinternen Aufstieg und finden gemeinsam mit
Performance-Measurement-Systemen zunehmend Verbreitung.
Integrierte Organisationskonzepte sind komplexe
Maßnahmenbündel, die aus einer spezifischen Verknüpfung von Basisbausteinen
hervorgehen. Drei integrierte Organisationskonzepte dominieren die Diskussion.
1. Prozessorganisation
Bei diesen Ansätzen werden die Unternehmungsaktivitäten
grundsätzlich aus Perspektive zusammenhängender, aufeinander folgender
Tätigkeiten (Prozessperspektive) analysiert und gestaltet. Dabei steht der
Kundennutzen der Prozesse im Vordergrund. Betriebliche Tätigkeiten werden in
diesem Sinne quer zu den Funktionen restrukturiert, besonders mit Hilfe neuer
IuK-Technologien. Das weite Feld der Prozessorganisation markieren drei Gruppen
von Ansätzen (vgl. Gaitanides,
Michael 2004; Osterloh,
Margit/Frost, Jetta 2000; Staehle,
Wolfgang H. 1999, S. 749 ff.):
-
Geschäftsprozessoptimierung: Im Kern eine
Rationalisierung und Teilautomatisierung von Geschäftsabläufen, meist mit
Unterstützung durch Standardsoftware und ohne grundlegende Neuausrichtung der
Makro-Organisation;
-
Reengineering: Ausgehend von strategischen
Überlegungen werden bestehende organisatorische (Makro-)Strukturen
aufgebrochen und Geschäftsprozesse auch funktionsübergreifend neu gestaltet;
-
Prozessorganisation im engeren Sinne: Diese Konzeption
greift am tiefsten in die traditionelle Organisationsgestaltung ein.
Teilaufgaben werden aus kundenorientierten Wertschöpfungsketten und den damit
verknüpften Prozesserfordernissen (bottom-up) abgeleitet.
Ein Kernproblem aller Ansätze ist nach wie vor die
trennscharfe Abgrenzung von Prozessen. Auch die Integration von Prozessen und
Funktionalstrukturen stellt eine erhebliche praktische Herausforderung dar.
2. Modulare Organisation
Dieses Organisationskonzept kombiniert die Basiskonzepte
Hierarchieabbau und Dezentralisierung mit prozessorganisatorischen Ansätzen.
Die Organisation wird im Prinzip auf der Basis integrierter, kundenorientierter
Prozesse in kleine, überschaubare Einheiten gegliedert (Module), die
Entscheidungs- und Ergebnisverantwortung tragen (z.B. teilautonome Gruppen in
der Fertigung, Profit Center; vgl. Picot,
Arnold/Reichwald, Ralf/Wigand, Rolf 2003, S. 227). Ein Kernproblem
liegt darin, die zweckmäßige Größe der Module zu bestimmen. Auch die
Koordination von Modulen, die häufig in internem Leistungswettbewerb stehen,
wird zu einem unternehmerischen Steuerungsproblem. Kennzahlenbasierte,
wertorientierte Steuerungssysteme werden als ein Ansatz zur Handhabung dieses
Problems angesehen. Auch sozial-technologische Mechanismen, etwa die
organisationskulturelle Integration der Teileinheiten, leisten einen Beitrag
zur Steuerung der Module (vgl. die empirischen Ergebnisse bei Galunic,
Charles D./Eisenhardt, Kathleen M. 2001).
3. Unternehmungsnetzwerke
Die Entstehung von Unternehmungsnetzwerken kann als
konsequente Fortführung von Dezentralisierung und Hierarchieabbau
(Basisbausteinen der Restrukturierung) interpretiert werden. Dabei werden die
Grenzen zwischen Organisation und Markt neu bestimmt, u.a. getrieben durch
einen strategischen Fokus auf Kernkompetenzen und begleitendes Outsourcing. Es
entstehen hybride
Organisationsformen zwischen Markt und Hierarchie (vgl. Williamson,
Oliver E. 1990), zu denen auch Unternehmungsnetzwerke gehören. Sie
zeichnen sich durch relativ stabile, reziproke, eher kooperative als
kompetitive Beziehungen zwischen rechtlich selbstständigen, wirtschaftlich aber
meist abhängigen Unternehmungen aus (vgl. Sydow, Jörg
1992; Ebers, Mark
1997). Dazu zählen strategische Allianzen, regionale Netzwerke oder
langfristige Lieferbeziehungen ebenso wie Projektnetzwerke oder Joint Ventures.
Die empirische Organisationsforschung hebt in letzter Zeit vor allem
immaterielle Bedingungen wie Vertrauen, Reziprozitätsnormen und ein eher
geringes Machtgefälle zwischen den Akteuren als Voraussetzung erfolgreicher
Netzwerkbildung hervor (vgl. den Überblick bei Brass,
Daniel/Galaskiewicz, Joseph/Greve, Heinrich et al. 2004).
Präzise Aussagen über Effizienzwirkungen der
Restrukturierungsinstrumente und -konzepte sind nur situationsspezifisch
möglich. Die empirische Organisationsforschung hält aber Tendenzaussagen über
Effizienzwirkungen nahezu aller o.a. Instrumente und integrierten
Organisationskonzepte bereit. In diesem Zusammenhang ist auf einschlägige
Überblickswerke zu verweisen (z.B. Clegg,
Stewart/Hardy, Cynthia/Nord, Walter 1996; Schreyögg,
Georg v./Werder, Axel v. 2004; Zentes,
Joachim/Swobada, Bernhard/Morschett, Dirk 2005). Grundsätzlich ist
dabei zu beachten, dass es erhebliche, bislang nicht gelöste Mess- und
Zurechnungsprobleme bei den Erfolgswirkungen von
(Re-)Strukturierungsinstrumenten auf formalzielbezogene Effizienzkriterien gibt
(vgl. z.B. Nicolai,
Alexander/Kieser, Alfred 2002; Laux,
Helmut/Liermann, Felix 2003, S. 192).
III. Implementierungsmanagement
Aus Sicht des Managements von Restrukturierungen ist die Gestaltung des Umsetzungsprozesses als ein eigenständiger, kritischer Erfolgsfaktor
anzusehen (vgl. Picot,
Arnold/Freudenberg, Heino/Gassner, Winfried 1999; Schirmer,
Frank 2000). So stellte sich mit Blick auf Projekte des
Reengeneering in mehreren Untersuchungen heraus, dass die Zielerwartungen vor
allem wegen organisationspolitischer Hürden und Widerstände nur teilweise
erfüllt wurden (vgl. zusammenfassend Schirmer,
Frank 2000, S. 2 ff). Intensivfallstudien von Restrukturierungen
zeigen wiederholt, dass sich bei vielen Führungskräften hinter einer
programmatischen Zustimmung auch Ärger, Angst, Zynismus, Ablehnung, Resignation
und nur vage Hoffnungen auf Erfolge des Wandels verbergen (vgl. O\'Neill, Hugh
M./Lenn, Jeffrey 1995; Schirmer,
Frank 2000, S. 247 ff. und S. 311 ff.). Diese Verhaltensreaktionen
offenbaren erhebliche Reibungs- und Anpassungskosten, wie sie in
Reorganisationsprozessen allgemein zu erwarten sind.
Die Aufgaben des Implementierungsmanagements, das der
effektiven und effizienten Umsetzung von Restrukturierungskonzepten dient,
können aus drei, miteinander verknüpften Perspektiven näher bestimmt werden:
-
Phasenorientierung,
-
Sozial-technologische und sach-technologische
Orientierung,
-
Akteursorientierung.
Bei der Phasenorientierung
werden Aufgaben des Implementierungsmanagements danach bestimmt, in welchem
zeitlichen Stadium (Phase) sich der Restrukturierungsprozess befindet (vgl.
z.B. Krüger,
Wilfried 2002; Hellriegel,
Don/Jackson, Susan E./Slocum, John W. 2005, S. 329).
Initialisierung/Mobilisierung von Veränderungskräften, die eigentliche
Umsetzung und die Kontrolle/Konsolidierung der umgesetzten Maßnahmen sind
Aufgaben des Implementierungsmanagements. Diese Phasen sind nicht zwingend linear
angeordnet, es ist mit Schleifen und Neuanfängen in diesen Prozessen zu
rechnen.
Bei einer sozial-technologischen
und sach-technologischen Orientierung
werden die Aufgaben des Implementierungsmanagements aus Perspektive der
Verhaltens- und Projektsteuerung definiert. Anreize setzen, Informieren und
Kommunizieren, Teilprojekte definieren und koordinieren sind typische Aufgaben
aus dieser Perspektive. Anreizorientierte Ansätze sowie verschiedene Ansätze
der Organisationsentwicklung und des Projektmanagements bieten wichtige
konzeptionelle Rahmen für eine nähere Bestimmung dieser Aufgaben (vgl. z.B. Picot, Arnold/Freudenberg,
Heino/Gassner, Winfried 1999; Cummings,
Thomas/Worley, Christopher 2004; Madauss,
Bernd J. 2000).
Die Akteursorientierung
rückt die politischen Momente in Veränderungsprozessen in den Mittelpunkt des
Implementierungsmanagements. Diese Perspektive geht davon aus, dass
-
Reorganisationen nicht einer plandeterminierten
Steuerungslogik folgen, sondern stets mit dem Eigensinn aller Akteure zu
rechnen ist,
-
die Eigenlogiken von Reorganisationen sich in den
interessengeleiteten Strategien von Akteuren, ihren wechselseitigen Macht-
und Abhängigkeitsbeziehungen und den Verhandlungsprozessen zwischen ihnen
manifestieren (vgl. Schirmer,
Frank 2000, S. 117 ff.).
Die machtpolitische Unterstützung des
Restrukturierungsprozesses ist dann primäre Aufgabe des
Implementierungsmanagements. Empirische Studien zeigen, dass die
Koalitionsbildung in Organisationen ein effektiver Weg ist, diese Unterstützung
zu mobilisieren. Folgende Faktoren unterstützen die Formierung einer
wirkmächtigen Koalition des Wandels (vgl. Schirmer,
Frank 2003):
-
Leitbilder der Restrukturierung: Sie stärken den
programmatischen Zusammenhalt der Unterstützer (Mobilisierung „ nach innen “ )
und deren Deutungsmacht gegenüber machtvollen Opponenten (Mobilisierung „ nach
außen “ );
-
Kommunikative Einbindung machtvoller Opponenten: Diese
ist ein Medium der Legitimation von Leitbildern, wirkt der Tabuisierung von
Interessenkonflikten entgegen und vermeidet damit ein Klima wechselseitigen
Misstrauens zwischen Unterstützern und Opponenten;
-
Partielle
Interessenkompensation: Mit ihr werden gravierende Konflikte zwischen
Unterstützern und machtvollen Opponenten entschärft, zudem wirkt sie
integrativ;
-
Vermeidung
harter Gewinner-Verlierer-Konflikte zwischen Unterstützern und machtvollen
Gegnern des Wandels (z.B. Entmachtung, Entlassung), solange sich andere
Mittel als tauglich erweisen (ähnlich Cascio,
Wayne 2002): Dies wirkt de-eskalierend und ist eine Vorbedingung
für die Integration von schwer ersetzbaren Gegnern des Wandels in eine
Koalition für den Wandel.
An diesen Faktoren zeigt sich, dass die Implementierung von
Restrukturierungskonzepten nicht als permanentes offenes „ Kampfspiel “ zwischen
Unterstützern und Gegnern des Wandels zu verstehen ist. Es gilt, eine
machtpolitische Infrastruktur aufzubauen, die eine indirekte Steuerung der
Akteure des Wandels ermöglicht, z.B. durch Überzeugungsarbeit in Arbeitskreisen,
die Strukturierung von Verhandlungsprozessen und eine gezielte Anreizpolitik
sowie Interessenkompensation.
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