Inhaltsübersicht
I. Einführung
II. Wechselkursprognosen
III. Finanzinstrumente
für das Währungsmanagement
IV. Messung
von Wechselkursrisiken
V. Währungsmanagement
bei Finanzintermediären
VI. Währungsmanagement
bei Sachleistungsunternehmen
I. Einführung
Der überwiegende Teil des Welthandels findet in einem Umfeld
flexibler Wechselkurse statt. Zugleich haben diverse Länder ihre Währung in
einem festen Umtauschverhältnis an eine Referenzwährung oder einen Währungskorb
gebunden. Die Schwankungen von Wechselkursen erzeugen Schwankungen von
Zielgrößen eines Unternehmens, die als Wechselkursrisiko bezeichnet werden.
Wechselkursrisiken betreffen vor allem Unternehmen, die über Währungsgrenzen
hinweg tätig sind. Aber auch andere Unternehmen unterliegen dem Einfluss von
Wechselkursschwankungen, da diese die Preise von Gütern und Dienstleistungen in
heimischer Währung verändern können. Wechselkursrisiken entstehen auch durch
Beschränkungen des Kapitalverkehrs.
Aufgabe des Währungsmanagements ist es, die aus
Wechselkursänderungen und Kapitalverkehrsbeschränkungen resultierenden
Erfolgsrisiken des Unternehmens zu managen, d.h. Ertrag und Risiko zu
optimieren. Für das Währungsmanagement können Finanzinstrumente, aber auch realwirtschaftliche
Maßnahmen eingesetzt werden. Zum Währungsmanagement gehören:
-
Prognose von Wechselkursen und
Kapitalverkehrsbeschränkungen;
-
Auswahl der Instrumente des Währungsmanagements;
-
Festlegung der dem Währungsmanagement
zugrundeliegenden Zielgrößen;
-
Optimierung des Einsatzes dieser Instrumente.
Zunächst ist zu klären, warum Unternehmen Währungsmanagement
durchführen. Dabei stellt sich zuerst die übergeordnete Frage, ob Risikomanagement
mit Finanzinstrumenten von Unternehmen oder besser von deren Kapitalgebern
durchgeführt werden sollte. Auf einem vollkommenen Kapitalmarkt gilt das
Irrelevanztheorem der Finanzierung (Modigliani,
/Miller, 1958). Aus diesem Theorem folgt unmittelbar, dass auch
Währungsmanagement mit Finanzinstrumenten irrelevant für den Marktwert des
Unternehmens ist. Allerdings sind existierende Kapitalmärkte durch eine Reihe
von Marktunvollkommenheiten gekennzeichnet. Bei symmetrischer
Informationsverteilung zwischen dem Unternehmen und seinen Kapitalgebern können
die Kapitalgeber von Risikomanagement profitieren, wenn dies die erwarteten
Insolvenzkosten oder die erwarteten Steuerzahlungen reduziert.
Informationsvorsprünge des Unternehmens gegenüber den außenstehenden
Kapitalgebern bezüglich bestehender und künftiger Währungspositionen des
Unternehmens und die Tatsache, dass große Volumina zu günstigeren Konditionen
gehandelt werden können als kleine, sprechen zusätzlich für ein Währungsmanagement
auf der Ebene des Unternehmens.
Auch die Verpflichtung des Unternehmens zu einer
Rechnungslegung, die eigenen Regeln gehorcht, kann Währungsmanagement auf
Unternehmensebene begründen. Damit können u.a. hohe Buchverluste vermieden
werden.
Schließlich bestehen auch rechtliche Verpflichtungen,
Risikomanagement zu betreiben. Bisher beschränkten sich die entsprechenden
Regelungen vor allem auf Unternehmen des Finanzsektors. Seit Inkrafttreten des
Gesetzes zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) im Jahr 1998 besteht für die
Vorstände von Aktiengesellschaften aller Branchen eine gesetzliche
Verpflichtung zum Risikomanagement, nach der der „ Vorstand [...] geeignete
Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten [hat],
damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt
werden “ (§ 91 II AktG). Allerdings hat der Gesetzgeber Art und Umfang des
Risikomanagements nicht näher konkretisiert (Emmerich, G.
1999).
II. Wechselkursprognosen
Die Prognose von Wechselkursen bildet die Grundlage für das
Währungsmanagement (Shapiro, A.C.
2006).
1. Flexible Wechselkurse
Flexible Wechselkurse ergeben sich ohne direkten Einfluss
staatlicher Stellen im freien Spiel der Marktkräfte. Kurzfristige Prognosen
flexibler Wechselkurse verwenden regelmäßig Instrumente der technischen
Analyse. Längerfristige Prognosen greifen auch auf Techniken der
Fundamentalanalyse und damit auf ökonomische Modelle zurück. Diese
unterscheiden zwischen realwirtschaftlichen und monetären Bestimmungsfaktoren
flexibler Wechselkurse und versuchen, unter der Annahme arbitragefreier Märkte,
gleichgewichtige Kurse sowie die zugehörigen Anpassungspfade abzuleiten.
Bei den realwirtschaftlichen Faktoren steht die Kaufkraftparität
im Vordergrund. Bei absoluter Kaufkraftparität kostet ein Güterbündel in
verschiedenen Währungen, umgerechnet zu den jeweiligen Wechselkursen, gleich
viel. Das schwächere Konzept der relativen Kaufkraftparität unterstellt, dass
Änderungen des Wechselkurses auf Unterschiede in den Inflationsraten
zurückzuführen sind. Relative Kaufkraftparität besteht zwar bestenfalls auf
lange Frist oder näherungsweise bei großen Inflationsdifferenzen. Sie gibt
dennoch wichtige Hinweise auf das Niveau langfristig gleichgewichtiger
Wechselkurse und auf erwartete Anpassungen an dieses Niveau. Andere
realwirtschaftlich orientierte Ansätze gehen von Überschüssen oder Defiziten in
der Leistungsbilanz aus, die über eine Anpassung des Wechselkurses abgebaut
werden sollten.
Bei den monetären Determinanten des Wechselkurses spielen
Zinssätze eine wichtige Rolle. Gemäß der ungedeckten Zinsparität ist die
erwartete relative Wechselkursänderung gleich der Zinsdifferenz zwischen den
beteiligten Ländern. Realwirtschaftliche und monetäre Bestimmungsfaktoren
flexibler Wechselkurse sind nicht unabhängig voneinander, beispielsweise wegen
des Zusammenhangs zwischen konjunkturellen Bewegungen, internationalen
Kapitalströmen, Zinssätzen und erwarteten Inflationsraten.
2. Feste Wechselkurse
Bei administrierten oder festen Wechselkursen legt ein Staat
für seine Währung einen fixen Wechselkurs (Parität) zu einer Referenzwährung,
z.B. dem US-$, oder zu einem Währungskorb fest. Die Zentralbank hat dann durch
eigenes Angebot und Nachfrage von Fremdwährung zum festen Wechselkurs diesen zu
sichern. Auch die Festlegung einer Bandbreite des Wechselkurses wie z.B. im
früheren Europäischen Währungssystem EWS ist möglich. Die Wechselkursprognose
bezieht sich zum einen auf mögliche Anpassungen des festen Kurses resp. der
Bandbreite durch staatliche Stellen, zum anderen auf die Entwicklung des
Wechselkurses innerhalb der Bandbreite. Schließlich sind
Kapitalverkehrsbeschränkungen vorherzusagen, die zur Verteidigung der Parität
eingeführt werden können.
Langfristig werden auch administrierte Wechselkurse von
ökonomischen Faktoren bestimmt. Vor allem die Entwicklung der Leistungsbilanz
und der Devisenreserven eines Landes bestimmen die Fähigkeit einer Zentralbank,
den fixierten Wechselkurs auch zukünftig auf dem herrschenden Niveau zu halten.
Kurzfristig können politische Faktoren stark auf den Wechselkurs einwirken.
3. Prognose
Bei der Prognose selbst können grundsätzlich zwei Typen
unterschieden werden. Beim ersten Typus, der rein ökonometrisch ausgerichtet ist,
wird die Prognose aus der Modellierung historischer Daten in einem
Zeitreihenmodell und einer Extrapolation gewonnen. Beim zweiten Typus wird
zunächst nach ökonomischen Zusammenhängen gesucht, die sich aus ökonomischen
Modellen ergeben. Diese Zusammenhänge werden einer empirischen Überprüfung
unterzogen. Beispielsweise wird der flexible Wechselkurs anhand von
realwirtschaftlichen und monetären Faktoren erklärt. Für die
Wechselkursprognose werden zuerst diese Faktoren prognostiziert, danach unter
Verwendung der überprüften Zusammenhänge der Wechselkurs selbst. Bei beiden
Prognosetypen sind Störvariablen einzubeziehen. Ergebnis ist eine
Wahrscheinlichkeitsverteilung des Wechselkurses. Bei Anwendung von
Szenario-Techniken wird ausgehend von verschiedenen alternativen
Datenkonstellationen für jede dieser Konstellationen ein Wechselkurs
prognostiziert.
III. Finanzinstrumente für
das Währungsmanagement
In diesem Abschnitt werden die wichtigsten
finanzwirtschaftlichen Instrumente des Währungsmanagements vorgestellt:
-
Wahl der Fakturierungswährung;
-
Forderungsverkauf;
-
Leading und Lagging;
-
Fremdwährungskredite und -anlagen;
-
Devisen-Forwards;
-
Devisen-Futures;
-
Devisen-Swaps;
-
Devisen-Optionen.
Bei Abschluss eines Außenhandelsgeschäfts kann durch die Wahl
der Fakturierungswährung festgelegt werden, welche Vertragspartei das
Wechselkursrisiko zu tragen hat.
Forderungen in Fremdwährung können an spezialisierte
Unternehmen (Forfaiteure) verkauft werden. Dann trägt der Forfaiteur das
Wechselkursrisiko, wenn seine Währung von der Fremdwährung abweicht.
Beim Leading und Lagging werden Fremdwährungszahlungen
zeitlich vorgezogen (Leading) oder später geleistet (Lagging) als ursprünglich
vereinbart. Durch die Verschiebung des Zahlungs- und Umtauschzeitpunktes wird
versucht, einen günstigeren Wechselkurs zu erzielen oder drohende
Kapitalverkehrsbeschränkungen zu umgehen. Fremdwährungskredite und -anlagen
wirken ähnlich, denn der Zeitpunkt des Umtauschs in heimische Währung wird
verlagert.
Devisen-Forwards, Devisen-Futures, Devisen-Swaps und
Devisen-Optionen sind Wechselkursderivate. Forwards, Futures und Swaps sind
feste Vereinbarungen über einen künftigen Tausch von Beträgen einer Währung in
eine andere. Bei Forwards und Futures wird nur einmal ein Währungsbetrag gegen
einen anderen getauscht, bei Swaps werden mehrmals Währungsbeträge
gegeneinander getauscht. Der Tausch wird zu einem vertraglich festgelegten
Wechselkurs, dem Terminkurs, vorgenommen, bei Swaps zu mehreren Terminkursen.
Im Abschlusszeitpunkt fallen bei diesen Instrumenten keine Zahlungen an.
Forwards und Futures haben in der Regel Laufzeiten von weniger als einem Jahr,
Swaps dagegen bis zu zehn Jahren.
Forwards und Swaps werden außerhalb von Börsen individuell
zwischen den Vertragsparteien ausgehandelt. Daher sind sie im Hinblick auf die
getauschten Volumina und die Tauschtermine sehr flexibel, dies gilt vor allem
für Swaps. Allerdings sind Forwards und Swaps mit einem Bonitätsrisiko
verbunden. Fällt eine der Vertragsparteien aus, so ist die Erfüllung des
Geschäfts gefährdet. Dies ist bei den standardisierten, börsengehandelten
Futures anders. Hier garantiert die Börse die Erfüllung, verlangt dafür aber
die Stellung von Sicherheiten (Margins).
Dazu werden die Gewinne und Verluste, die sich aus täglichen
Wechselkursänderungen ergeben, täglich abgerechnet (Mark to Market).
Bei Optionsgeschäften
auf Devisen vereinbart der Käufer der Option mit dem Verkäufer (Stillhalter),
zu einem künftigen Zeitpunkt oder während eines befristeten Zeitraumes einen
Währungsbetrag zum fest vereinbarten Basiskurs gegen eine andere Währung zu
tauschen, wenn der Käufer der Option dies wünscht. Der Käufer hat also ein
Wahlrecht bezüglich der Durchführung des Geschäfts. Dafür zahlt er bei
Vertragsabschluss die Optionsprämie an den Stillhalter (Franke,
G./Hax, H. 2004). Die mit Optionen verbundenen Zahlungen sind nicht
linear im Wechselkurs; Optionen erzeugen ein asymmetrisches Zahlungsprofil. Im
Gegensatz dazu erzeugen Forwards und Futures ein lineares und daher
symmetrisches Zahlungsprofil. Neben einfachen Optionen können auch komplexe,
individuell strukturierte Optionsformen eingesetzt werden (Adam-Müller,
A.F.A. 1997).
IV. Messung von
Wechselkursrisiken
1. Ebenen der Risikomessung
Man kann zwischen drei Ebenen der Messung von
Wechselkursrisiken unterscheiden. Als Transaktionsrisiko wird dasjenige
Wechselkursrisiko eines Unternehmens bezeichnet, das sich auf den Gegenwert
bereits vertraglich fixierter, künftiger Fremdwährungszahlungen in heimischer
Währung bezieht. Das Transaktionsrisiko ist also das Risiko
wechselkursbedingter Schwankungen des Geldvermögens, gemessen in heimischer
Währung. Gibt es mehrere Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten in
mehreren Währungen, so werden zunächst alle Forderungen und Verbindlichkeiten
in einer Währung saldiert. Der Saldo bezeichnet die Nettoposition des
Unternehmens in dieser Währung. Das Transaktionsrisiko ergibt sich aus den
Varianzen und Kovarianzen der Wechselkurse aller Fremdwährungen, jeweils
gewichtet mit den Nettopositionen. Es können auch andere Risikomaße,
z.B. der Value-at-Risk,
zum Einsatz kommen.
Die zweite Ebene der Risikomessung bezieht sich auf
Schwankungen des Marktwerts des Eigenkapitals, die durch Wechselkursbewegungen verursacht
werden. Das Risiko solcher Marktwertschwankungen wird als ökonomisches
Wechselkursrisiko bezeichnet. Es ist wesentlich umfassender definiert als das
Transaktionsrisiko. Der Marktwert eines Unternehmens hängt nicht nur von den
bereits abgeschlossenen Geschäften, sondern vor allem von den zukünftigen
Geschäften ab. Diese werden wesentlich durch die zukünftige internationale
Wettbewerbsposition des Unternehmens bestimmt. Die praktische Messung des
ökonomischen Wechselkursrisikos ist mit erheblichen Schwierigkeiten behaftet,
denn sie erfordert zum einen eine langfristige Prognose der
Wechselkursentwicklung, zum anderen eine Prognose der Unternehmensstrategie,
die wiederum von der Wechselkursentwicklung abhängig sein kann.
Die dritte Ebene der Risikomessung bezieht sich auf den in
der Bilanz ausgewiesenen Buchwert des Eigenkapitals. Das Risiko von
wechselkursbedingten Buchwertänderungen wird als Translationsrisiko bezeichnet.
Das Translationsrisiko resultiert aus der Bilanzierung von Fremdwährungsforderungen
und -verbindlichkeiten bereits abgeschlossener Geschäfte und von
wechselkursabhängigen Finanzkontrakten. Daneben existieren Translationsrisiken
bei Konzernen mit ausländischen Tochtergesellschaften, deren Jahresabschlüsse
zunächst in fremder Währung erstellt und für die Konzernkonsolidierung in Euro
umgerechnet werden müssen. Für die Umrechnung der Jahresabschlüsse
ausländischer Tochtergesellschaften existiert ein Wahlrecht zwischen
verschiedenen Umrechnungsmethoden (Busse von
Colbe, W. 2005). Beispielsweise werden nach der Stichtagsmethode
sämtliche Positionen des Jahresabschlusses der Tochtergesellschaft zum Kurs des
Bilanzstichtags umgerechnet. Dagegen werden bei der in Deutschland üblichen
Methode, einer abgewandelten Zeitbezugsmethode, Forderungen, Verbindlichkeiten,
Rückstellungen und Vorräte zum Stichtagskurs, die übrigen Positionen zu
historischen Kursen umgerechnet. Die Verwendung verschiedener Kurse führt zur
Entstehung von Umrechnungsdifferenzen in der Bilanz und der Gewinn- und
Verlustrechnung. Diese können bei der Konzernkonsolidierung erfolgsneutral oder
erfolgswirksam behandelt werden.
2. Zielkongruenz und Zielkonflikte
Das Wechselkursrisiko kann als Transaktionsrisiko, als
ökonomisches Wechselkursrisiko oder als Translationsrisiko gemanagt werden. Das
Management wirkt jedoch stets auf alle drei Ebenen. Häufig bestehen
Zielkonflikte zwischen dem Management verschiedener Ebenen wie folgendes
Beispiel zeigt.
Ein europäisches Unternehmen hat den Marktwert zukünftiger
US-Exporte im Rahmen des Managements des ökonomischen Wechselkursrisikos durch
Forward-Geschäfte gegen Wechselkursänderungen abgesichert. Fällt der
Wechselkurs in US-$/ € , so ist für die Forward-Position eine Rückstellung zu
bilden, denn es ist zu erwarten, dass das Forward-Geschäft nur mit Verlust
erfüllt werden kann. Gleichzeitig darf der erwartete höhere Gegenwert der
Exportüberschüsse in Euro nicht bilanziert werden. Das Unternehmen läuft also
Gefahr, aufgrund dieser Absicherung im Jahresabschluss hohe Verluste ausweisen
zu müssen. Das Forward-Geschäft hat zwar das ökonomische Wechselkursrisiko
eliminiert, aber ein erhebliches Translationsrisiko erzeugt. Daher besteht hier
ein Zielkonflikt.
Im Folgenden werden verschiedene Vorgehensweisen des
Währungsmanagements skizziert. Im Vordergrund stehen dabei das Transaktions-
und das ökonomische Risiko. Zunächst wird das Währungsmanagement von Finanzintermediären,
sodann das kompliziertere von Sachleistungsunternehmen erläutert.
V. Währungsmanagement bei
Finanzintermediären
Banken und Versicherungsgesellschaften unterliegen mit ihrem
Währungsmanagement nicht nur den allgemeinen Gesetzen, sondern in Deutschland
darüber hinaus dem KWG bzw. dem VAG. Diese beschränken die Übernahme von
Währungsrisiken. So müssen Währungsrisiken, die eine Bank übernimmt, bisher
nach dem Grundsatz I des KWG, zukünftig gemäß der neuen Basel II-Regelung mit
Eigenkapital unterlegt werden. Versicherungsgesellschaften müssen nach den
Kongruenzregeln ihr gebundenes Vermögen in den Währungen anlegen, in denen sie
voraussichtlich Auszahlungen leisten müssen (§ 54a III VAG).
Versicherungsgesellschaften sind daher in ihrem Währungsmanagement strengeren
Regeln unterworfen.
1. Übernahme von Währungsrisiken aus
Kundengeschäften
Banken wickeln für ihre Kunden standardisierte sowie
nicht-standardisierte Transaktionen ab, die häufig fremde Währungen
einschließen. Soweit es sich um standardisierte Transaktionen handelt, leitet
die Bank diese meist durch. Sie wickelt eine Transaktion mit dem Kunden ab und
deckt die dadurch entstehende offene Position durch ein Gegengeschäft ab.
Bei nicht-standardisierten Transaktionen handelt es sich
häufig um für Kunden maßgeschneiderte Transaktionen. Z.B. verkauft eine Bank
einem Exporteur einen Währungsswap, gekoppelt mit einer Option, die dem
Exporteur eine Anpassung des Swapvolumens an seine Exporte erlaubt. Diese
Option vermindert das Wechselkursrisiko des Exporteurs zu Lasten der Bank. Für
die Bank ist es jedoch schwierig, das Risiko aus der Option abzusichern, da
solche Optionen kaum gehandelt werden. Sie kann versuchen, das Risiko aus
solchen Optionen mit verwandten Kontrakten zu hedgen. Jedoch bleibt stets ein
Teil des Risikos bei ihr. Dafür erhält sie eine Risikoprämie vom Exporteur.
Häufig versucht eine Bank, die Risiken aus maßgeschneiderten
Kontrakten durch standardisierte Kontrakte abzusichern. Die dabei verbleibenden
Restrisiken belasten die Bank umso weniger, je weniger sie korreliert sind. Die
Bank, die solche Risiken aus zahlreichen Kontrakten übernimmt, wird sich daher
um eine gute Risikostreuung bemühen. Hieran lässt sich auch der Unterschied
zwischen einem Mikrohedge und einem Makrohedge verdeutlichen. Bei einem
Mikrohedge wird das Risiko aus einem einzigen Grundgeschäft abgesichert, bei
einem Makrohedge wird das Risiko aus einem Portfolio von Grundgeschäften
abgesichert. Für Banken, die täglich viele Geschäfte abwickeln, geht es darum,
das aus diesen Geschäften insgesamt resultierende Makrorisiko abzusichern
(Abschnitt VI.1).
Eine ähnliche Problemstellung liegt bei einer
Versicherungsgesellschaft vor, die von einem Kunden Prämien in einer Währung
bekommt und später an ihn Zahlungen in anderen Währungen leistet. Das
Währungsrisiko resultiert hierbei aus mehreren Quellen: (1) Die
Versicherungsgesellschaft rechnet die regelmäßig eintreffenden Prämien zu
stochastischen Wechselkursen in ihre Heimatwährung um. (2) Die Höhe der
potenziellen Schadensauszahlungen, umgerechnet in Heimatwährung, hängt von der
Höhe der potenziellen Schäden in Fremdwährung und von den Wechselkursen ab.
Das Transaktionsrisiko aus den Prämieneinnahmen lässt sich
durch Währungsswaps im Wesentlichen ausschalten. Schwieriger ist es, das Risiko
aus künftigen Schadenszahlungen abzusichern, da die Schadenshöhe stochastisch
ist. Bei einem großen Pool von potenziellen Schäden in einer Fremdwährung liegt
der tatsächliche durchschnittliche Schaden umso näher am erwarteten
durchschnittlichen Schaden, je weniger die Schadensereignisse korreliert sind.
Bei guter Risikostreuung liegt daher eine Wechselkursabsicherung des erwarteten
durchschnittlichen Schadens, vermindert um zukünftige Prämieneinzahlungen in
gleicher Währung, nahe. Ergänzend kommt auch die Absicherung von
Wechselkursrisiken darüber hinausgehender Schadenszahlungen durch
Devisenoptionen in Betracht. Die Idee hierbei ist, den gleichzeitigen Eintritt
zweier unerwünschter Ereignisse, nämlich besonders hoher Schadenszahlungen und besonders
ungünstiger Wechselkurse, wenigstens auf der Wechselkursseite abzusichern. Wenn
indessen der hohe Schaden nicht eintritt, kann aus der Devisenoption keine
Belastung über den gezahlten Optionspreis hinaus entstehen. Schließlich besteht
die Möglichkeit, einen Teil des Schadensrisikos einschließlich
Wechselkursrisiko an eine Rückversicherungsgesellschaft zu verkaufen.
2. Internationale Geldanlage und
Geldbeschaffung
Internationale Geldanlage und -beschaffung werden von
Finanzintermediären ebenso betrieben wie von anderen Unternehmen und privaten
Anlegern. Im Wesentlichen drei Motive treiben die internationale Geldanlage und
-beschaffung. (1) Im Vergleich zur nationalen bieten internationale Anlage und
Beschaffung bessere Ertrags-Risiko-Profile. (2) Soweit unterschiedliche
Erwartungen von Investoren bestehen, lassen sich diese bei internationaler
Anlage durch spekulative Positionen nutzen. (3) Friktionen zwischen nationalen
Finanzmärkten können zur „ Arbitrage “ genutzt werden.
Ad (1): Zunächst wird die nationale mit der internationalen
Anlage in Anleihen verglichen. Unterstellt wird ein Anleger, der Ertrag und
Risiko seines Anleiheportfolios, gemessen in heimischer Währung, optimieren
möchte. Investiert er nur in Anleihen seiner Heimatwährung, dann muss er mit
einer Standardabweichung der Portfolio-Rendite rechnen, die von der gewählten
Anlagedauer abhängt. Ebenso richtet sich der Ertrag des Portfolios nach der
Anlagedauer. Bei steigender (fallender) Zinsstrukturkurve wächst (fällt) der
Ertrag mit der Anlagedauer.
Der Ertrag aus einer Anlage in Fremdwährung ist gleich dem in
dieser Währung erzielbaren Zinssatz, vermindert um die erwartete Abwertungsrate
der fremden gegenüber der heimischen Währung. Dieser Ertrag ist mit dem in
heimischer Währung erzielbaren Zinssatz zu vergleichen.
Das Risiko eines Anleihe-Portfolios wächst infolge
internationaler Geldanlage, wenn das damit einhergehende Wechselkursrisiko
höher ist als die Risikosenkung infolge des Mischens verschiedener
Zinsstrukturkurven. Entscheidend für diese Risikosenkung sind die Korrelationen
zwischen den Marktwerten von Anleihen in unterschiedlichen Währungen. Je
niedriger diese Korrelationen sind, umso niedriger ist das Portfolio-Risiko.
Beim Wechselkursrisiko ist zu beachten, dass es erheblich verstärkt wird durch
Stärken und Schwächen der heimischen Währung gegenüber allen anderen Währungen.
Die Möglichkeiten, durch internationale statt nationale Anlage in Anleihen das
Risiko zu reduzieren, sind insgesamt als gering einzustufen.
Allerdings kann man das Wechselkursrisiko eines
internationalen Anleihe-Portfolios reduzieren, indem man es revolvierend
absichert. Ein zweites Argument zugunsten internationaler Anleihe-Portfolios
ergibt sich, wenn man auch Kreditrisiken übernehmen möchte. Indem man zahlreiche
nationale und internationale Anleihen mischt, verringert man das gesamte
Kreditrisiko.
Beim Vergleich von nationaler und internationaler Anlage in
Aktien ergeben sich stärkere Argumente zugunsten der internationalen Anlage.
Die Standardabweichungen nationaler Aktienkursindizes sind erheblich höher als
die nationaler Anleihekursindizes. Das relative Gewicht von Wechselkursrisiken
ist bei internationaler Anlage in Aktien daher deutlich kleiner als bei
Anleihen (Solnik,
B./McLeavey, D. 2003). Daher zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass
das Risiko einer international gut gestreuten Anlage in Aktien deutlich unter
dem einer nationalen liegt. Für den Ertrag einer Anlage in Aktien ist offen, ob
er bei internationaler Anlage höher ist. Insgesamt sind daher internationale
Aktienportfolios nationalen überlegen.
Ad (2): Die Erwartungen von Investoren unterscheiden sich
häufig, insbesondere auch hinsichtlich der Entwicklung von Wechselkursen. Die
internationale Geldanlage bietet den Investoren zusätzlichen Spielraum, die
Heterogenität ihrer Erwartungen in spekulative Positionen umzusetzen. Bei der
Beurteilung spekulativer Währungspositionen sind jedoch zwei Aspekte zu
beachten: (a) Spekulative Positionen zur Nutzung heterogener Erwartungen sind
Wetten gegen andere Investoren. Hierbei kann der eine nur zu Lasten des anderen
gewinnen. Unter Beachtung von Transaktionskosten verlieren im Durchschnitt
beide Investoren. (b) Die bewusste Übernahme von Wechselkursrisiken lohnt sich
dann, wenn damit eine Risikoprämie erzielbar ist. Die Risikoprämie ist
definiert als die Differenz aus erwartetem Devisenkassakurs und
Devisenterminkurs. Tendenziell schwanken die Risikoprämien im Devisenmarkt um
null herum (De Santis,
G./Gérard, B. 1998). Denn die Risikoprämie, die z.B. bei Anlage von
Euro in US-$ erzielt wird, plus die Risikoprämie, die bei umgekehrter Anlage
erzielt wird, muss etwa gleich null sein. Sonst könnten Europäer und Amerikaner
durch wechselseitige Geldanlage hohe Risikoprämien verdienen. In einem unverzerrten
Markt ist zu erwarten, dass beide Risikoprämien nahe bei null liegen. Folglich
ist die bewusste Übernahme von Wechselkursrisiken nur attraktiv, wenn damit
andere Vorteile verbunden sind oder die Heterogenität der Erwartungen zu
spekulativen Positionen verleitet.
Ad (3): Friktionen zwischen nationalen Finanzmärkten
entstehen häufig durch unterschiedliche rechtliche Regelungen in den einzelnen
Finanzmärkten, aber auch durch staatliche Preisbeeinflussung. In zahlreichen
Ländern gab es bis vor kurzem massive Beschränkungen für ausländische
Investoren, Wertpapiere zu erwerben. Dazu kommen weitere Friktionen, z.B.
unterschiedliche Steuergesetze, unterschiedliche nationale Zinspolitiken und
unterschiedliche Bestimmungen über die rechtliche Zulässigkeit bestimmter
Finanztransaktionen. Solche Friktionen legen eine „ Arbitrage “ nahe. Hierbei
handelt es sich im Allgemeinen aber nicht um eine echte Arbitrage, bei der
Verluste ausgeschlossen wären.
Die seit etwa dreißig Jahren fortschreitende Liberalisierung
der Kapitalmärkte, also die Beseitigung von Kapitalverkehrskontrollen wie auch
die Aufhebung von rechtlichen Beschränkungen des Handels von bestimmten
Finanzkontrakten, hat das Zusammenwachsen der nationalen Finanzmärkte
begünstigt. Dies zeigt sich in einer höheren Korrelation von
Zinsniveauänderungen ebenso wie von Änderungen nationaler Aktienkursindizes.
Die Vorteile einer internationalen gegenüber einer nationalen Aktienanlage sind
daher deutlich geschrumpft (Bekaert,
G./Harvey, C. 1995; Zimmermann,
H./Drobetz, W./Oertmann, P. 2003).
VI. Währungsmanagement bei
Sachleistungsunternehmen
Auf die internationale Geldanlage- und
Geldbeschaffungspolitik von Sachleistungsunternehmen, soweit sie nicht mit dem
Sachleistungsprogramm verbunden ist, wird im Folgenden nicht eingegangen.
Stattdessen wird das mit dem Sachleistungsprogramm verbundene
Währungsmanagement erörtert. Zunächst wird das Management des
Transaktionsrisikos vorgestellt, sodann wird der Zusammenhang zwischen den operativen
realwirtschaftlichen Entscheidungen und dem Währungsmanagement erörtert.
Schließlich werden strategische Entscheidungen und Währungsmanagement
diskutiert.
1. Das Management des Transaktionsrisikos
Das Transaktionsrisiko, das aus einem gegebenen Bestand an
Fremdwährungsforderungen und -verbindlichkeiten resultiert, lässt sich im
Allgemeinen relativ leicht managen. Die Nettoposition des Unternehmens in jeder
Währung kann über Devisenterminkontrakte, Devisenswaps und Devisenoptionen
abgesichert werden. Eine vollständige Absicherung ist indessen nicht
wünschenswert, wenn Transaktionskosten der Absicherung bestehen und/oder das
Unternehmen mit von null verschiedenen Risikoprämien in den Devisenmärkten
rechnet. Während Transaktionskosten eine Absicherung einschränken, hängt die
Wirkung der Risikoprämie von deren Vorzeichen ab. Bei einer Risikoprämie von
null ist eine Vollabsicherung am besten, da die Risikoübernahme nicht belohnt
wird. Bei positiver oder negativer Risikoprämie ist eine Vollabsicherung nicht mehr
optimal, sondern eine Unterabsicherung oder Überabsicherung.
Bestehen Nettopositionen in mehreren Währungen, dann kann das
Währungsmanagement anhand eines Portfolio-Modells gesteuert werden. Das Risiko
aus diesen Nettopositionen zuzüglich der Sicherungsgeschäfte ist zu minimieren
unter Abwägung gegen die Ertragswirkungen der Sicherungsgeschäfte.
Bemerkenswert hierbei ist, dass nicht nur die Standardabweichungen der
Wechselkurse das Risiko bestimmen, sondern vor allem die zwischen ihnen
bestehenden Korrelationen. Durch die Portfolio-Betrachtung wird verhindert,
dass isoliert Nettopositionen in einzelnen Währungen abgesichert werden, dabei
jedoch möglicherweise das Risiko aus den verbleibenden Nettopositionen steigt.
Zwei Fragen an diese Vorgehensweise tauchen bei
mehrperiodiger Betrachtung auf: 1) Ist eine revolvierende Absicherung des
Transaktionsrisikos sinnvoll, wenn die abzusichernden Positionen einigermaßen
konstant sind und der Wechselkurs um das durch Kaufkraftparität definierte
Niveau schwankt? In dieser Situation würden sich bei Nichtabsicherung positive
und negative Wechselkursgewinne auf Dauer in etwa ausgleichen, allerdings
fallen laufend Transaktionskosten an. Insoweit ergibt eine revolvierende
Absicherung wenig Sinn, jedoch werden kurzfristig hohe potenzielle
Wechselkursverluste ausgeschaltet. 2) Gelingt es, mit einer revolvierenden
Absicherung des Transaktionsrisikos das ökonomische Wechselkursrisiko
auszuschalten? Dies trifft nicht zu, da der Abschluss neuer Lieferverträge auf
diese Weise nicht gegen Wechselkursänderungen gesichert werden kann. Die
Konditionen, zu denen neue Lieferverträge abgeschlossen werden können, hängen
von den dann geltenden Wechselkursen ab.
2. Operative realwirtschaftliche Entscheidungen
und Währungsmanagement
Wird das jeweils bestehende Transaktionsrisiko abgesichert,
dann werden im ersten Schritt realwirtschaftliche Entscheidungen, im zweiten
Schritt Währungsentscheidungen getroffen. Eine solche sukzessive Entscheidung
ist nicht geeignet, die zwischen beiden Entscheidungen bestehende
Interdependenz korrekt zu erfassen. Daher ist eine Simultanentscheidung
vorzuziehen.
Allerdings existiert hierzu eine wichtige Ausnahme: Löst die
realwirtschaftliche Entscheidung Fremdwährungszahlungen aus, für die ein
deterministischer Marktpreis in heimischer Währung existiert, so kann die
Entscheidung anhand dieses Marktpreises beurteilt werden; das
Fremdwährungsproblem entfällt. Dieser Sachverhalt wird als Fisher-Separation
bezeichnet (Adam-Müller,
A.F.A. 1995). Umgekehrt existiert Separation nicht, wenn kein
deterministischer Marktwert in heimischer Währung für die
Fremdwährungszahlungen besteht. Dann kann das Unternehmen die
Wechselkursrisiken aus der realwirtschaftlichen Entscheidung bestenfalls
teilweise absichern. Dies hat zur Folge, dass die Entscheidung auch von der
Risikoaversion der Entscheidungsträger abhängt. Je risikoscheuer diese sind,
umso weniger Risiken sind die Entscheidungsträger zu übernehmen bereit.
Berücksichtigt man, dass ein Unternehmen seine Rohstoffe aus
demselben Fremdwährungsraum beziehen kann, dann kann durch eine solche
Beschaffungspolitik das vom Unternehmen zu tragende ökonomische
Wechselkursrisiko reduziert werden. Insofern begünstigen Wechselkursrisiko und
Risikoscheu Beschaffung und Export in denselben Fremdwährungsraum.
Allgemein gilt, wenn Separation nicht besteht: Das
Wechselkursrisiko dämpft infolge der Risikoscheu alle Aktivitäten, die das vom
Unternehmen zu tragende Wechselkursrisiko erhöhen. Insofern vermindert das
Wechselkursrisiko auch den Unternehmenswert. Dies trifft insbesondere in
Einperioden-Modellen zu, in denen das Unternehmen zu Beginn der Periode, also vor
Kenntnis des am Periodenende geltenden Wechselkurses, entscheiden muss.
Geht man allerdings zu einer realistischeren Sichtweise in
Mehrperioden-Modellen über, dann tritt neben den Belastungseffekt des Risikos
ein Flexibilitätseffekt. Dieser lässt sich anhand eines Zweiperioden-Modells
verdeutlichen: Zu Beginn der ersten Periode entscheidet das Unternehmen über
die Exportmenge der ersten Periode, zu Beginn der zweiten Periode über die
Exportmenge der zweiten Periode. Diese Entscheidung wird erst getroffen, nachdem
die Wechselkursentwicklung der ersten Periode bekannt ist. Je höher der
Wechselkurs am Ende der ersten Periode ist, desto höher ist tendenziell auch
der noch unbekannte Wechselkurs am Ende der zweiten Periode, desto höher ist
auch die optimale Exportmenge in der zweiten Periode. Die optimale Exportmenge
der zweiten Periode hängt folglich vom Wechselkurs am Ende der ersten Periode
ab. Die Entscheidung hierüber wird flexibilisiert, sie richtet sich nach dem
Informationsstand am Ende der ersten Periode. Daher kann die Exportentscheidung
als eine Realoption begriffen werden. Aus der Optionstheorie ist bekannt, dass
eine Option auf eine Aktie umso wertvoller ist, je höher die Standardabweichung
des Aktienkurses ist. Auf die Exportoption übertragen bedeutet dies: Die
Exportoption ist ceteris paribus umso wertvoller, je höher die
Standardabweichung des Wechselkurses ist (Franke, G.
1991; Dixit,
A.K./Pindyck, R.S. 1994; Mello,
A.S./Parsons, J.E./Triantis, A.J. 1995; Adam-Müller,
A.F.A./Wong, K.P. 2006; Franke, G.
2005).
3. Strategische Entscheidungen und
Währungsmanagement
Die laufenden Beschaffungs-, Produktions- und
Absatzentscheidungen zählen zu den operativen Entscheidungen, während
Entscheidungen über Exportprodukte und Exportmärkte sowie
Standortentscheidungen zu den strategischen Entscheidungen zählen. Diese
langfristig wirksamen realwirtschaftlichen Entscheidungen determinieren
gemeinsam mit dem finanzwirtschaftlichen Währungsmanagement das ökonomische
Wechselkursrisiko des Unternehmens. Zunächst ist zu klären, wie strategische
Entscheidungen das ökonomische Wechselkursrisiko beeinflussen. Sodann ist zu
erörtern, welchen Beitrag finanzwirtschaftliche Maßnahmen leisten können.
Der Zusammenhang zwischen strategischen Entscheidungen und
ökonomischem Wechselkursrisiko entzieht sich einer einfachen Analyse. Wie
Wechselkursänderungen auf den Marktwert eines Unternehmens einwirken, hängt
davon ab, wie
-
die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens mit
dem Wechselkurs variiert;
-
die Wettbewerber des Unternehmens auf
Wechselkursänderungen reagieren;
-
das Unternehmen selbst unter Berücksichtigung der
Reaktionen von Abnehmern und Wettbewerbern reagiert.
Wenn z.B. der US-$ gegenüber dem Euro aufwertet, dann kann
ein europäischer Exporteur seine Produkte in den USA zu einem niedrigeren
US-$-Preis anbieten, um seinen Marktanteil zu Lasten der amerikanischen
Wettbewerber zu erhöhen. Ob dies gelingt, hängt von der Reaktion dieser
Wettbewerber ab. Dabei ist zu klären, ob die Wettbewerber primär aus
Drittstaaten kommen, die ebenfalls von der Aufwertung des US-$ profitieren.
Hiermit werden die strategischen Wettbewerbsrisiken deutlich, die von
Wechselkursänderungen ausgehen.
Inwieweit kann ein Unternehmen sich mit dem Einsatz von
Devisenkontrakten diesem strategischen Risiko entziehen? Theoretisch könnte das
Unternehmen versuchen, die gegenwärtigen langfristigen Erfolgspotenziale gegen
Wechselkursrisiken durch Einsatz langfristiger Devisenkontrakte abzusichern.
Dies setzt allerdings voraus, dass das Unternehmen die Reaktionen von Abnehmern
und Wettbewerbern und seine eigene Politik verlässlich einschätzen kann, um
darauf aufbauend das ökonomische Wechselkursrisiko abzusichern. Auch stellt
sich die Frage, ob dieses Vorgehen sinnvoll ist. Wenn z.B. ein Monopolist seine
Exporterlöse gegen Wechselkursrisiken langfristig absichert, kann er bei
Abwertung der Auslandswährung die Gewinne aus den Finanzkontrakten einsetzen,
um dadurch die Einbußen beim Umtausch der Fremdwährungserlöse auszugleichen.
Dies erscheint bei vorübergehenden Auf- und Abwertungen auch sinnvoll. Zeichnet
sich jedoch eine langfristige Abwertung der Auslandswährung ab, dann kommt es
zu einer dauerhaften Subventionierung der Exporte durch Erlöse aus
Finanzgeschäften. Diese dauerhafte Subventionierung ist ökonomisch nicht zu
begründen. Daneben ist es oft nicht möglich, sie dauerhaft aufrecht zu
erhalten. Daher sollte das Unternehmen sich realwirtschaftlich der neuen
Situation anpassen.
Hiermit wird ein grundlegender Sachverhalt deutlich: Es ist
nicht sinnvoll, auf eine realwirtschaftliche Optimierung bei sich ändernden
Wechselkursen und Wettbewerbsverhältnissen zu verzichten, indem man
realwirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Ergebnisse miteinander vermengt.
Die finanzwirtschaftliche Absicherung von Wechselkursrisiken kann nur eine
bescheidenere Funktion erfüllen. Sie kann kurzfristig Ergebnisschwankungen
glätten und längerfristig dem Unternehmen Zeit für realwirtschaftliche
Anpassungen verschaffen. Langfristig kann Währungsmanagement nur
realwirtschaftliches Währungsmanagement sein, das globale Beschaffung,
Produktion und Absatz bestmöglich aufeinander abstimmt.
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