Inhaltsübersicht
I. Begriff
des Erfolgspotenzials
II. Zur
Messung des Erfolgspotenzials
III. Steuerungsgrößen
zur Realisierung von Erfolgspotenzialen
I. Begriff des
Erfolgspotenzials
Es geht um den Erfolg wirtschaftlicher Aktivitäten, die in
Projekten oder Unternehmen zusammengeführt und u.a. hinsichtlich der
finanziellen Implikationen vertraglich fixiert sein können. Im Folgenden wird
von Aktivitäten ausgegangen, die in Unternehmen gebündelt sind, sodass der
Begriff des Erfolgspotenzials darauf bezogen wird. Die Definition des Erfolgs
ist stets in die Ordnung von Wirtschaftssystemen eingebunden (vgl. Schneider, D.
1992, S. 3). Es wird ein marktwirtschaftliches System unterstellt, in dem
die Eigentümer von Unternehmen das Recht auf das Residualeinkommen
(Residualerlös) und das formale Recht der Unternehmensführung haben. Diese
vertraglichen Rechte können veräußert bzw. delegiert werden (vgl. Richter, R.
1991, S. 409). Folglich definiert sich der Erfolg als Residualeinkommen
aus Sicht der Unternehmenseigentümer. Drei fundamentale Eigenschaften prägen
den Begriff des Erfolgspotenzials: Erstens, das zukünftige Residualeinkommen
und damit der potenzielle Erfolg sind regelmäßig mit Unsicherheit behaftet.
Zweitens, das Erfolgspotenzial ist durch Maßnahmen der Eigentümer oder der mit
der Unternehmensführung beauftragten Manager gestaltbar. Drittens, die
Erschließung des Erfolgspotenzials erfordert Ressourceneinsatz.
1. Unsicherheit
des Erfolgspotenzials
Der Erfolg unternehmerischer Aktivitäten ist in der Regel von
exogenen Faktoren wie etwa der konjunkturellen Entwicklung, dem Eintritt neuer
Wettbewerber oder technologischen Veränderungen abhängig. Die daraus folgende
Unsicherheit führt dazu, dass die finanziellen Implikationen ebenfalls nicht
sicher vorausgesagt werden können. Die zukünftige Entwicklung des
Wettbewerbsumfelds ist von Unternehmen, die nicht über monopolähnliche Marktpositionen
verfügen, oft nicht oder nur in Grenzen beeinflussbar. Für diese nicht
beeinflussbaren Faktoren können ggf. Prognosen erstellt werden, die jedoch die
Unsicherheit nicht auflösen, sondern nur transparent machen können. Folglich
ist das Erfolgspotenzial eine Größe, die entweder an eine spezifische
Umweltentwicklung geknüpft ist oder aber ein Aggregat verschiedener
Umweltentwicklungen darstellt.
2. Gestaltung
des Erfolgspotenzials
Die Durchführung von Marketing-Kampagnen zur Gewinnung von
Marktanteilen, das Ausmaß an Forschung und Entwicklung zur Erzielung von
bestimmten Produkteigenschaften oder die Ausgestaltung von ergänzenden
Dienstleistungen sind Beispiele für Handlungsoptionen des Managements, die in
Unternehmensstrategien münden und auf die gezielte Gestaltung der von dem
Unternehmen beeinflussbaren Faktoren vor dem Hintergrund der unsicheren
Umweltentwicklung gerichtet sind. Während für die nicht beeinflussbaren
Faktoren Prognosen erstellt werden, erfolgt die Festlegung der Handlungsoptionen
durch Planung. Damit ist das Erfolgspotenzial nicht nur eine Funktion der
Umweltentwicklung, sondern ebenfalls abhängig von den konkreten
Handlungsoptionen, die das Management identifiziert hat und zu dessen
Realisierung es im Stande ist. Neben den Chancen und Risiken des
Branchenumfelds spielt das Profil der institutionellen Fähigkeiten des
Managements deshalb eine gewichtige Rolle. Zu beachten ist jedoch, dass das
Spektrum der Handlungsoptionen nicht zu eng gefasst wird, da weder das
Management noch die Eigentümer Konstanten sein müssen: Das Management kann
durch Beschluss der Eigentümer ausgetauscht werden und Eigentümerstrukturen
können ebenfalls optimiert werden. Schließlich wird das Erfolgspotenzial auch
durch die Form der Finanzierung beeinflusst, soweit diese z.B. zu Vorteilen bei
der Besteuerung oder zu Nachteilen aufgrund von Insolvenzrisiken führen (vgl.
hierzu Drukarczyk,
J. 1993, S. 119 ff.).
3. Ressourceneinsatz
zur Erschließung des Erfolgspotenzials
Um Erfolgspotenziale erschließen zu können, sind oft
Vorleistungen wie z.B. das Etablieren von Markennamen, der Aufbau von Know-how
oder die Errichtung von Produktionseinrichtungen erforderlich. Der Aufbau von
erfolgsentscheidenden Ressourcen erfolgt regelmäßig zeitlich vor der
Realisierung des Erfolgspotenzials. Bei diesen Vorleistungen handelt es sich um
Investitionen im weiteren Sinne, die sich dann lohnen, wenn der Wert des
Erfolgspotenzials vor Abzug aller Vorleistungen höher als der Wert dieser
Investitionen ist. Aufgrund des zeitlichen Auseinanderfallens von Vorleistung
und Potenzialerschließung werden Finanzierungen notwendig und teilweise die
Handlungsoptionen des Managements eingeschränkt. Das Ausmaß auf die
Flexibilität hängt von der Spezifizität der Investitionen ab (hierzu
ausführlich Williamson,
O.E. 1988).
II. Zur Messung des
Erfolgspotenzials
Erfolgspotenziale können nur schwer objektiv gemessen werden,
da jene von Einschätzungen hinsichtlich zukünftiger Umfeldentwicklungen, der
Kreativität bei der Entwicklung von Handlungsoptionen sowie der Fähigkeit in
der Realisierung und schließlich von den erforderlichen Ressourcen abhängen.
Diese Einschätzungen sind stets subjektiv. Das Erfolgspotenzial ist zunächst in
einen operablen Erfolgsmaßstab zu überführen, der einer Messung nach
definierten Normen zugänglich ist. Legt man hierfür die Steigerung des
Unternehmenswertes zugrunde, ist ein Prognose- und Planungssystem einerseits
sowie ein Bewertungssystem andererseits erforderlich.
1. Konkretisierung
des Erfolgspotenzials i.S. eines strategischen Erfolgsziels
Legt man als Unternehmensziel die Maximierung des
Erfolgspotenzials zugrunde, und definiert man jenes als bewertete Summe aller
zukünftigen Residualeinkommen, kommt der Unternehmenswert im Sinne des
Marktwertes des Eigenkapitals als Erfolgsmaßstab in Frage. Strategien des
Managements würden auf dieser Basis nach dem Ausmaß der Steigerung des
Unternehmenswertes priorisiert. Dieses Vorgehen erfordert das Vorliegen einiger
Bedingungen: Die Eigentumsrechte des Unternehmens müssen an einem
funktionsfähigen, liquiden Kapitalmarkt gehandelt werden, sodass sich
Eigentümer von ihren Anteilen auch trennen können. Auch müsste sichergestellt
werden, dass sich die Handlungen des Managements in entsprechenden
Marktwertänderungen niederschlagen. Schließlich muss das Management die
Erwartungen der Marktteilnehmer kennen, die der jeweils vorliegenden
Marktbewertung zugrunde liegen. Diese fungieren als Basis für die
Wertsteigerungsrechnung.
Ausgangspunkt sei der zum Zeitpunkt der Strategieentwicklung
bzw. der Strategierevision vorliegende Marktwert des Unternehmens. Dieser
Marktwert kann als externe Schätzung des Erfolgspotenzials des Unternehmens
interpretiert werden. Diesem Wert wird im zweiten Schritt der aus den internen
Annahmen und den vorliegenden Plänen folgende, rechnerische Wert gegenüber
gestellt. Damit lassen sich Unterschiede in den Potenzialschätzungen
identifizieren und Ansatzpunkte für die Investoren-Kommunikation ableiten.
Im nächsten Schritt werden Alternativen zu der bisherigen
Strategie im Hinblick auf die Steigerung des Unternehmenswertes untersucht.
Diese umfassen interne und externe Ansätze zur Verbesserung des operativen
Geschäftes. Typische interne Verbesserungsansätze sind Kostenreduktions- und
Umsatzsteigerungsprogramme mit dem Ziel der Erhöhung der Effizienz in allen
Funktionen. Auch strategische Neuausrichtungen, z.B. bei der Positionierung der
Produkte und Dienstleistungen, gehören in diese Kategorie. Zu den externen
Maßnahmen sind Unternehmenszusammenschlüsse, Joint Ventures oder
Desinvestitionen zu rechnen. Man sucht also zunächst nach internen
Wertsteigerungspotenzialen, unter der Annahme, dass eine bestimmte Aktivität am
besten innerhalb des eigenen Unternehmens durchgeführt wird. Danach wird dann
geprüft, ob man selbst bei bestmöglichem Management der vorhanden Ressourcen
der „ ideale Eigentümer “ ist, oder ob eine Ausgliederung oder Integration in das
Portfolio eines anderen Unternehmens mehr Wert stiftet. Im letzten Schritt
werden noch Potenziale aus der Optimierung der Finanzierung einbezogen, sodass
sich zusammen mit den zuvor genannten Ansätzen der Maximalwert ergibt. Die
Differenz zum vorliegenden Marktwert ergibt das Wertsteigerungspotenzial (vgl. Copeland,
T./Koller, T./Murrin, J. 1994; Richter, F.
1999, S. 152 – 158).
2. Prognose
und Planung der erfolgsrelevanten Faktoren
Um Erfolgspotenziale (bzw. Wertsteigerungsansätze) bewerten
zu können, sind Prognosen und Planungen hinsichtlich der erfolgsrelevanten
Faktoren erforderlich. Als erfolgsrelevant werden diejenigen Faktoren
bezeichnet, die es einem Unternehmen ermöglichen, einen Vorteil gegenüber
seinen Wettbewerbern zu erzielen (vgl. Kirsch,
W./Grebenec, H. 1986, S. 33; Gälweiler, A.
1990, S. 26). In der Literatur finden sich verschiedene Ansätze zur
Klassifikation und Beschreibung von Erfolgsfaktoren, von denen insbesondere
drei zu nennen sind:
Überlegenes Kundennutzen-Angebot, Kernkompetenzen,
sowie spezifische Fähigkeiten und strategische Aktiva (vgl. zur Übersicht Richter, F.
1999, S. 72 ff.). Diese Ansätze zielen im ersten Schritt auf die
Identifikation von Erfolgsfaktoren, aus denen dann bestimmte Strategien
entwickelt werden können. Z. B. das überlegene Kundennutzen-Angebot nach Porter
resultiert entweder aus Kostenführerschaft oder aus Differenzierung (Porter, M.E.
1992, S. 31), woraus sich wiederum Implikationen für den Aufbau der Wertkette
des Unternehmens ergeben.
Der Zusammenhang zwischen Prognose und Planung lässt sich am
Beispiel der Einführung eines medizinischen Präparates verdeutlichen. Der
Bedarf nach dem Medikament hängt von verschiedenen Faktoren ab, u.a. von der
Entwicklung der Bevölkerung, der Rate, mit der sich die Krankheit ausbreitet,
der Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit in einem bestimmten Stadium
diagnostiziert und medikamentös behandelt wird. Die ersten beiden Faktoren sind
durch das Unternehmen nicht beeinflussbar. Statistische Prognosemethoden kommen
hier zum Einsatz. Die Diagnosefähigkeiten können u.U. durch Information und
Weiterbildung der Ärzte sowie durch allgemeine Aufklärung beeinflusst werden.
Ob und ggf. in welchem Umfang dies geschehen soll, bedarf einer sorgfältigen
Planung, welche die finanziellen Auswirkungen beinhaltet. Bei der Schätzung des
potentiellen Marktanteils des Medikamentes ist die Position gegenüber dem
Wettbewerb einzubeziehen. Die relative Positionierung in den Dimensionen Preis
und Nutzen kann durch Maßnahmen des Managements gestaltet werden, z.B. durch
Forschung und Entwicklung zur Reduktion unerwünschter Nebenwirkungen oder durch
Optimierung der Kostenstruktur z.B. im Vertrieb. Aus der Positionierung des
Produktes ggf. in Kombination mit Dienstleistungen folgt die organisatorische
Ausgestaltung der Wertkette.
Das Endprodukt der Prognose und Planung kann als Szenario
interpretiert werden. Beispielsweise mögen drei potenzielle Umweltentwicklungen
unterschieden werden, die sich jeweils u.a. im Ausmaß der Nachfrage nach den
Produkten der Unternehmen einer Branche unterscheiden.
Vor diesem Hintergrund mögen drei Strategien zur Diskussion stehen,
die sich u.a. im Ausmaß der Investitionen zur Markterschließung und des damit
verbundenen Wachstumspotenzials unterscheiden mögen. Ein Szenario ist nun
gekennzeichnet durch die Kombination aus einer spezifischen Umweltentwicklung
und einer Handlungsoption. Folglich liegen in Summe neun Szenarien vor.
3. Bewertung
und Priorisierung von Handlungsoptionen
Um die beste Handlungsoption auswählen zu können, muss eine
Bewertung vor dem Hintergrund des Erfolgsziels erfolgen. Die Durchführung der Wertsteigerungsanalyse
erfordert quantitative Finanzdaten je Szenario. Zweckmäßig ist diesbezüglich
die Erstellung vereinfachter, jedoch konsistenter Jahresabschlüsse bestehend
aus Plan-Bilanz mit Plan-Gewinn- und Verlustrechnung (vgl. bezüglich eines integrierten
Planungsmodells Richter, F.
1999, S. 71 ff.). Auf dieser Basis können dann die relevanten
Residualeinkommen aus Sicht der Eigentümer abgeleitet werden. Handels-,
Gesellschaftsrechtliche und steuerliche Normen lassen sich dabei – ggf. in
Vereinfachung – berücksichtigen.
Die aus den Planungen folgenden Zahlungen, die unter
Berücksichtigung von Ausschüttungen, Kapitalerhöhungen und Aktienrückkäufen an
die Eigentümer fließen können bzw. von ihnen aufgewendet werden müssen, sind zu
aggregieren. Eine Möglichkeit der Aggregation besteht darin, zunächst die
bewertungsrelevanten Zahlungen, die aus einer Handlungsoption folgen, über alle
Umweltzustände hinweg zu Erwartungswerten zu aggregieren. Die zu
unterschiedlichen Zeitpunkten dann vorliegenden, erwarteten Zahlungen sind noch
auf den Stichtag der Wertsteigerungsanalyse zu beziehen. Dies geschieht durch
Abzinsen (Diskontieren) mit einem geeigneten Zinssatz. Welcher Zinssatz zur
Diskontierung der erwarteten Zahlungen geeignet ist, hängt von einer Reihe von
Faktoren ab; hierzu gehören: Grad der Risikoaversion der Eigentümer, Renditen
alternativer riskanter Investitionsgelegenheiten am Kapitalmarkt, Zinsniveau
und Zinsstruktur.
Nachdem die Handlungsoptionen sowohl über Umweltzustände
hinweg als auch in zeitlicher Dimension zu einem Barwert (Kapitalwert)
aggregiert wurden, kann die Priorisierung der Handlungsoptionen vorgenommen
werden: Es ist diejenige Handlungsoption umzusetzen, die zum höchsten Wert
führt.
Anzumerken ist, dass es sich bei der beschriebenen
Vorgehensweise um einen heuristischen Ansatz handelt, der keinen
Optimierungsalgorithmus enthält, der z.B. eine optimale Kombination von
Handlungsoptionen generiert. Am Beispiel der Liquidationsoption kann der
Unterschied verdeutlicht werden: Die Eigentümer haben das Recht, die
Aktivitäten des Unternehmens einzustellen und zu liquidieren. Übersteigt der
Liquidationserlös den Wert des Unternehmens bei Fortführung, sollte die
Ausübung der Liquidationsoption erwogen werden. Dabei ist jedoch zu beachten,
dass die optimale Ausübung der Option regelmäßig nicht zu dem Zeitpunkt
vorliegt, zu dem der Unternehmenswert erstmals unter den Liquidationswert
fällt. Der Rückgang des Unternehmenswertes kann zeitlich begrenzt sein und
durch einen späteren überproportionalen Anstieg kompensiert werden. Eine
vorzeitige Liquidation wäre dann suboptimal. Zur Identifikation des optimalen
Liquidationszeitpunktes bedarf es eines Optimierungsalgorithmus (vgl. Dixit,
A./Pindyck, R. 1993, S. 213 ff.). In der
finanzwirtschaftlichen Literatur werden diese Aspekte unter dem Schlagwort
Realoptionen diskutiert (vgl. etwa Amram,
M./Kulatilaka, N. 1999).
III. Steuerungsgrößen zur
Realisierung von Erfolgspotenzialen
Im Rahmen der Formulierung von Unternehmensstrategien bietet
die Wertsteigerungsanalyse eine geeignete Basis, um die Veränderung des
Erfolgspotenzials aufgrund unternehmerischer Entscheidungen abzuschätzen. Für
die kurzfristige, operative Steuerung ist das Instrumentarium jedoch nicht
geeignet, da es stets auf die Ermittlung des zukünftigen Gesamterfolges
abstellt. Benötigt werden daher Instrumente, die mit der strategischen
Wertsteigerungsanalyse kompatibel sind, sich jedoch auf den jeweils relevanten
Steuerungszeitraum beschränken. Hierbei handelt es sich um periodenbezogene
Erfolgsmaßstäbe, die in Form von Kennzahlensystemen organisiert werden können.
Wichtig ist, dass die periodenbezogenen Erfolgsmaßstäbe in den
Gesamterfolgsmaßstab überführt werden können, um so eine Durchgängigkeit in der
Steuerung zu gewährleisten.
Ein Beispiel für einen periodenbezogenen Erfolgsmaßstab, der
sich zum Unternehmenswert aggregieren lässt, stellen so genannte
Residualgewinne dar. Hierbei handelt es sich um periodisierte Erfolge, die u.a.
anstelle von Investitionsauszahlungen Abschreibungen verrechnen. Damit der
Barwert der Abschreibungen dem Barwert der Investitionen entspricht, sind
kalkulatorische Zinsen (Kapitalkosten) anzusetzen. Diese Kapitalkosten
berechnen sich aus dem Produkt von Zinssatz und Bezugsgröße. Der Zinssatz
entspricht demjenigen, der zur Diskontierung der erwarteten Zahlungen bei der
Bestimmung des Unternehmenswertes benutzt wird. Als Bezugsgröße wird häufig der
jeweils um die kumulierten Abschreibungen geminderte Wert der
Investitionsauszahlungen angesetzt. Es lässt sich zeigen, dass der Barwert der
Residualgewinne dem Unternehmenswert abzüglich der Bezugsgröße für die
Bestimmung der Kapitalkosten entspricht (vgl. hierzu Lücke, W.
1955; Kloock, J.
1981; Schüler, A.
1998; Richter, F.
1999, S. 36 – 39). Mit den Residualgewinnen liegt ein periodenbezogener
Erfolgsmaßstab vor, der alle Komponenten des Gesamterfolgsmaßstabs enthält.
Residualgewinne können und sollen jedoch nicht die Wertsteigerungsanalyse
ersetzen, sondern sie dienen lediglich dem Zweck, dass mehrperiodige Ziel der
Wertsteigerung in konsistente einperiodige Ziele zu zerlegen. Diese Zerlegung
ist nicht frei von Gestaltungsspielräumen etwa bei der Festlegung der
Abschreibungsmethode.
Neben den finanziellen Steuerungsgrößen, die sich zum
übergeordneten strategischen Erfolgsmaßstab aggregieren lassen sollten, bedarf
es zur operativen Steuerung von Erfolgspotenzialen auch nicht-finanzieller
Kennwerte. Bei der Identifikation dieser Steuerungsgrößen bieten die
Erfolgsfaktoren der strategischen Wertsteigerungsanalyse Orientierung. Da die
Formulierung der Unternehmensstrategie entlang der Erfolgsfaktoren erfolgt, ist
es im Sinne einer Integration von operativer und strategischer Steuerung zweckmäßig,
diese Faktoren durchgängig zu benutzen. Liegt beispielsweise die strategische
Ausrichtung im Sinne Porters im Bereich Kostenführerschaft, kommt Kennzahlen
der operativen Effizienz, wie etwa Auslastungsgrad, Produktivitätsfortschritt
und Bestandsreichweite, eine große Bedeutung zu.
Literatur:
Amram,
Martha/Kulatilaka, Nalim : Real Options, Managing Strategic Investments in an
Uncertain World, Boston, Massachusetts 1999
Copeland, Tom/Koller,
Tim/Murrin, Jack : Valuation, Measuring and Managing the Value of Companies,
New York, 2. A., 1994
Dixit, Avinash/Pindyck,
Robert : Investment under Uncertainty, Princeton, New Jersey 1993
Drukarczyk, Jochen :
Theorie und Politik der Finanzierung, München, 2. A., 1993
Gälweiler, Aloys :
Strategische Unternehmensführung, Frankfurt am Main, 2. A., 1990
Kirsch, Werner/Grebenec,
Hans : Strategisches Management, in: WISU, Jg. 15, 1986, S. 33 – 37
Kloock, Josef :
Mehrperiodige Investitionsrechnung auf Basis kalkulatorischer und
handelsrechtlicher Erfolgsrechnungen, in: ZfbF, Jg. 33, 1981, S. 873 – 890
Lücke, Wolfgang :
Investitionsrechnung auf der Grundlage von Ausgaben oder Kosten?, in: ZfhF, Jg.
7, 1955, S. 310 – 324
Porter, Michael E. :
Wettbewerbsvorteile: Spitzenleistungen erreichen und behaupten, Frankfurt am
Main, 3. A., 1992
Richter, Frank :
Konzeption eines marktwertorientierten Steuerungs- und Monitoringsystems,
Frankfurt am Main, 2. A., 1999
Richter, Reinhard :
Institutionsökonomische Aspekte der Theorie der Unternehmung, in:
Betriebswirtschaftslehre und ökonomische Theorie, hrsg. v. Ordelheide,
Dieter/Rudolph, Bernd/Bösselmann, Elke, 1991, S. 395 – 429
Schneider, Dieter :
Theorien zur Entwicklung des Rechnungswesens, in: ZfbF, Jg. 44, 1992, S. 3 – 31
Schüler, Andreas :
Performance-Messung und Eigentümerorientierung, Frankfurt am Main 1998
Williamson, Oliver E. :
Corporate Finance and Corporate Governance, in: JF, Jg. 43, H. 3/1988, S.
567 – 582
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