Inhaltsübersicht
I. Theoretische
Vorbemerkungen
II. Problembereiche
der Gründung und des Managements von Joint Ventures
III. Joint-Venture-Performance
I. Theoretische
Vorbemerkungen
Obwohl das Joint Venture als klassische
betriebswirtschaftliche Kooperationsform bezeichnet werden kann, kam ihm erst
im Rahmen der Internationalisierung wachsende Bedeutung zu. Angesichts
neoprotektionistischer Tendenzen in manchen Gastländern sowie steigender Kosten
eines Auslandsengagements stellen Joint Ventures oft die einzige Möglichkeit
der einzelwirtschaftlichen Internationalisierung dar.
1. Begriffliche Grundlagen
Als Joint Venture gilt ein rechtlich und organisatorisch
selbständiges Unternehmen, das von mindestens zwei rechtlich und in den
nicht-kooperativen Bereichen auch wirtschaftlich voneinander unabhängigen
Partnern gemeinsam gegründet oder erworben wird. Joint Ventures stellen demnach
eine Kooperationsform mit dem besonderen Charakteristikum der Schaffung einer
neuen, organisatorisch losgelösten Einheit dar (Büchel, B.
1997). Daher können in einer weiten Fassung des Begriffs auch Fälle rein
vertraglicher, befristeter Zusammenarbeit ohne Gründung einer Gesellschaft mit
eigener Rechtspersönlichkeit, die ausschließlich auf die Durchführung eines
Projekts beschränkt sind (Konsortialgeschäfte), als eine weitere Form des Joint
Venture angesehen werden. Einem derartigen vertraglichen (non-equity oder contractual)
Joint Venture fehlt allerdings das Merkmal der kapitalmäßigen Verflechtung der
Partner und meist auch das der dauerhaften, langfristigen Zusammenarbeit (Hellwig,
H.-J. 1989).
Den genannten Erscheinungsformen kann die Eigenschaft der Internationalität zugesprochen werden,
wenn zumindest eines der Partnerunternehmen seinen Sitz in einem anderen Land
als die übrigen hat oder wesentliche Aktivitäten des Joint Ventures überwiegend
bzw. ausschließlich im Ausland stattfinden. Ferner können sämtliche
Joint-Venture-Formen aufgrund ihrer i.d.R. mittel- bis langfristigen
strategischen Ausrichtung als eine bedeutende Realisierungsform Strategischer
Allianzen aufgefasst werden. Sie entsprechen einer x-Allianz, wenn die Joint
Venture-Partner aufgrund asymmetrischer Kompetenzverteilung und zum Zwecke der
Kompensation der jeweiligen Schwächen die Aktivitäten aufteilen, oder einer
y-Allianz, wenn die Partnerunternehmen bestimmte Wertaktivitäten, bspw. zur
Erzielung von economies of scale, gemeinsam durchführen (Zentes, J.
1992).
2. Typologisierung von Joint Ventures
Die Kooperation kann sich grundsätzlich auf alle Bereiche der
betroffenen Unternehmen erstrecken. In der Praxis ist sie jedoch meistens nur
auf einen oder wenige Teilbereiche der Partnerunternehmen beschränkt. In diesen
Fällen kann eine Typologisierung entsprechend der funktionalen Unterscheidung
der zusammenarbeitenden Unternehmensbereiche oder die mit dem Joint Venture
beabsichtigte strategische Reichweite vorgenommen werden; man kann dann bspw.
einen Markt-/Technologie-, Komplementärtechnologie-, Vertriebs-, Konzentrations-,
F&E- und Versorgungs-Typ unterscheiden (Bleicher, K.
1991; Rumer, K.
1994). Werden im Gegensatz hierzu die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem
Joint Venture und dessen Gründungspartnern als Ausgangspunkt gewählt, so lassen
sich analog zur Terminologie bei Diversifikationen horizontale, vertikale und konglomerate
Kooperationsrichtungen unterscheiden (Macharzina,
K. 1981; Harrigan,
K.R. 1986).
3. Theoretische und empirisch belegte Ansätze
zur Erklärung von Joint-Venture-Gründungen
a) Theoretische Ansätze
Das gemeinsame Merkmal aller theoretischen Erklärungsansätze
für das Eingehen oder die Existenz von Kooperationen liegt in der z.T.
impliziten Hypothese, dass sich die Beteiligten die Erwirtschaftung eines
kooperativen Mehrertrags erhoffen und die Zusammenlegung von Ressourcen einer
isolierten, unabhängigen Verfolgung der Ziele als überlegen ansehen (Contractor,
/Lorange, 1988). Unabhängig davon, ob eine Kooperation national oder
international angelegt ist, ist für den Realitätsgehalt dieser These das
Kriterium der Freiwilligkeit ausschlaggebend; Kooperationen, die aufgrund
direkter staatlicher Vorschriften eingegangen werden, stellen nämlich im
Hinblick auf das einzelwirtschaftliche Vorteilsstreben nicht immer die beste
Lösung dar.
Angesichts der dargelegten Rahmenbedingungen lassen sich vier
Ansätze zur Erklärung heranziehen. So gehen die Varianten der transaktionskostenorientierten Sichtweise
davon aus, dass Unternehmen Kooperationen bzw. Joint Ventures im Rahmen ihres
Strebens nach Minimierung von Transaktionskosten wählen Beamish,
/Banks, 1987. Diese sind bestimmt durch Unsicherheit, Opportunismus,
Vertrauen, Kontrolle und Konflikt. Unter bestimmten Bedingungen stellen sie demnach
diejenige Form der Koordination einzelwirtschaftlicher Aktivitäten dar, die
gegenüber der marktlichen oder hierarchischen, d.h. unternehmensinternen
Organisation mit den geringsten Kosten verbunden ist. Zu diesen Bedingungen
können Faktoren wie relativ hohe Transaktionshäufigkeit, kleine Zahl
potenzieller Transaktionspartner bei notwendigen partnerspezifischen
Investitionen, daraus resultierende Abhängigkeiten, hohes Maß an Unteilbarkeit
des Transaktionsgutes (economies of scale)
oder a priori fehlendes Wissen zur alleinigen Erstellung einer wünschenswerten
Leistung (Hennart,
J.-F. 1988) gezählt werden. Im Vergleich zu einer marktlichen
Koordination senkt hierbei das Joint Venture die Transaktionskosten, indem das
opportunistische Verhalten der Transaktionspartner über das Einbringen von
Kapitalanteilen eine – anders als bei umfangreichen vertraglichen Regelungen
– kostengünstige Reduktion erfährt (Kogut, B.
1998). Im Vergleich zur isolierten, unternehmensinternen Leistungserstellung können
über eine Kooperation noch nicht vorhandene Produktionsfähigkeiten billiger
erworben oder aber auch wirtschaftliche Kapazitäten i.S. eines hohen Outputs
effizient verwertet werden (Schenk, 1998).
Joint Ventures werden danach als intermediärer Typ zwischen
Markt und Hierarchie interpretiert (Hennart, 1993;
Buckley,
/Casson, 1996).
In der Theorie des wettbewerbsstrategischen
Verhaltens von Unternehmen steht hingegen das Streben nach
Ertragsmaximierung im Zentrum der Überlegungen; es dominiert die Auffassung,
dass Firmen ihr Verhalten an einer langfristigen Steigerung des Firmenwerts
ausrichten. In diesem Sinne können Joint Ventures als defensive Investitionen
von Unternehmen zum Schutz vor unerwarteten Veränderungen der wettbewerblichen
Bedingungen interpretiert werden. Eine große Aussagekraft kommt dieser Annahme
vor allem für Märkte mit einem mittleren Konzentrationsgrad zu; auf solchen
Märkten ist ein gleichgerichtetes Unternehmensverhalten mit größeren
Schwierigkeiten verbunden als bei oligopolistischen Marktstrukturen. Joint
Ventures erlauben aber dennoch eine gewisse Abstimmung zwischen den beteiligten
Unternehmen, sodass auch im Falle einer geringen marktlichen Konzentration
strategische Vorteile erzielt werden können (Kogut, B.
1998; Harrigan, 1988).
Des Weiteren stellen Joint Ventures aber auch ein Instrument dar, um offensiv starke
Wettbewerbspositionen aufzubauen. Dabei spielen neben der Erlangung von
Kostenvorteilen ressourcenbasierte
oder Ressourcenabhängigkeits-, insb.
machtorientierte Überlegungen die zentrale Rolle.
Nach der Theorie des organisationalen
Lernens schließlich bieten Joint Ventures hervorragende Möglichkeiten,
firmenspezifisches Wissen weiterzuleiten Macharzina,
/Oesterle, /Brodel, 2001. Insbesondere kommt dies im Bereich des
schwer erfassbaren Erfahrungswissens zum Tragen. Derartiges Wissen ist weder
einer Dokumentation zugänglich – bspw. in Form von Patenten – noch in
bestimmten Unternehmensangehörigen personifiziert; als implizites Wissen ist es
vielmehr in der sozialen Struktur des Gesamtunternehmens oder von Teileinheiten
verwoben (Kogut, B.
1998). Wird nun im Falle einer wissenstragenden Teileinheit diese in ein Joint
Venture eingebracht, so kann das an sich nicht transferierbare Wissen dennoch
ökonomisch verwertet werden. Aber auch das Streben nach dem Erhalt von
derzeitig nicht benötigtem Wissen kann die Gründung von Joint Ventures nahe
legen; das Wissen wird dann durch die Beteiligung anderer „ geparkt “ und so
einem Wissensverlust vorgebeugt.
Nach dem Realoptionsansatz werden schließlich
(internationale) Joint Ventures, die mit einer Übernahmeklausel im
Joint-Venture-Vertrag versehen sind, als Option für eine spätere voll
beherrschte (Auslands-)Gesellschaft interpretiert (Buckley,
/Casson, 1998; Buckley,
/Casson, /Gulamhussen, 2002). In einem zweiphasigen
Entscheidungsbaum-Modell wird diese Internationalisierungsstrategie anhand des
Kriteriums der Maximierung des erwarteten Gewinns erklärt. Bei niedriger
Ertragserwartung und negativen Renditeerwartungswerten wird das Unternehmen in
einer ersten Phase zunächst keine Direktinvestition vornehmen. Bei mittlerer
Erfolgswahrscheinlichkeit wird es die Joint-Venture-Strategie verfolgen und
sich dadurch eine Option auf eine alleinige Übernahme und damit
Vollbeherrschung des Joint Ventures in einer späteren Phase sichern, falls sich
die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen sollte. Falls nicht, wäre der Verlust
begrenzt.
In einer literaturanalytischen Längsschnittstudie (Reus,
/Ritchie III, 2004) wurden 194 Joint-Venture-Aufsätze, die im
15-Jahreszeitraum von 1988 bis 2003 in 10 internationalen Spitzenzeitschriften,
davon 79% in Journal of International Business Studies, Management
International Review und Strategic Management Journal veröffentlicht wurden,
auf ihre theoretisch-konzeptionelle Basis untersucht. Es zeigte sich eine Konzentration
auf transaktionskosten- bzw.
internalisierungstheoretische Überlegungen und die Theorie des organisationalen Lernens; diese bilden mehrheitlich die
konzeptionelle Grundlage der in die Auswertung einbezogenen Studien. Daneben
findet sich eine breite Streuung über viele Ansätze hinweg, die man unter das
Dach des strategischen Managements
subsumieren könnte.
b) Empirische Befunde
Nach dem Sammelreferat von Reus/Ritchie III lassen sich 138 ausgewerteten empirischen Studien
zufolge drei Hauptgruppen empirischer Befunde unterscheiden, die auf das Joint Venture, auf die Muttergesellschaft oder auf die Umwelt bezogene Einflussfaktoren in den
Vordergrund der Betrachtung rücken.
Bei den Joint-Venture-Faktoren
scheinen Vertrauen, Konflikte und Lernen über Wissenstransfer zwischen den
Partnern ausschlaggebend zu sein. Vertrauen
und dessen Gegenpol Konflikt in
jeweils hoher Ausprägung erleichtern bzw. erschweren die Zusammenarbeit im
Joint Venture. Dabei weist Vertrauen eine strukturelle Komponente im Hinblick
auf die Komplementarität der Partnerressourcen und eine soziale Komponente
bezogen auf die Qualität der Partnerbeziehung auf. Die
Konfliktmanagementstrategien setzen in erster Linie an kulturellen oder
organisationalen Differenzen zwischen den Partnern an. Partnerlernen scheint starkes finanzielles und
Management-Engagement zur Voraussetzung zu haben; dabei kann Wissenstransfer über engen Austausch
unter den Partnern als Schlüsselfaktor für den Joint Venture-Erfolg gelten, was
durch gleich verteilte Verantwortlichkeiten erleichtert zu werden scheint.
Unter den Muttergesellschaft-Faktoren
scheinen die Gründungsentscheidung, Joint-Venture-Motive,
Parnterauswahlkriterien, Verhandlungsaspekte, Kontrolle und
Eigentumsverhältnisse sowie Partnerfit im Hinblick auf kulturelle und
Branchennähe von vorrangiger Bedeutung zu sein. Die Motive scheinen zu variieren; jedoch ist ein multinationales
Unternehmen als Partner typischerweise an Marktzugang und lokalen
Marktkenntnissen, der lokale Partner hingegen am Erwerb neuer Fähigkeiten und
Technologien interessiert. In der Verhandlungsperspektive
wird die Verhandlungsmacht eines Partners das Steuerungs- und Kontrollmuster im
Joint Venture bestimmen. Ein bedeutsames Ergebnis der
Joint-Venture-Verhandlungen ist die Eigentumsstruktur,
wobei Equity Joint Ventures offenbar dann gegenüber rein vertraglichen Formen
bevorzugt werden, wenn sie die Kombination, Integration oder den Transfer von
Wissen zwischen den Partnern zum Ziel haben und die Mehrheitsanteile am
Joint-Venture-Kapital ausschlaggebend für dessen Kontrolle in der hierarchischen Dimension sind, die allerdings
durch die kulturelle oder informelle Dimension verändert werden kann. Was
schließlich den Partnerfit
anbetrifft, scheinen kulturelle Unterschiede und Branchendistanz die
Kooperation zu verkomplizieren. Unter den Umweltfaktoren
sind mehrheitlich die anders gearteten Verhältnisse in den weniger entwickelten
Ländern auf empirisches Forschungsinteresse gestoßen, wobei politische
Instabilität und infrastrukturelle Unzulänglichkeiten beachtliche Ausmaße an
Unzufriedenheit beim Management und Instabilität des Joint Ventures stiften
können. Dieses scheint multinationale Unternehmen bei Errichtung eines Joint
Ventures tendenziell zu veranlassen, die Kapitaleinsatzniveaus niedrig zu
halten.
Konkret auf die Kerntheorie zur Erklärung von Joint Ventures
bezogen ist ein zentraler Befund, dass Equity Joint Ventures gegenüber
Akquisitionen bevorzugt werden, wenn die Transaktionskosten
relativ hoch sind (Hennart,
/Reddy, 1997). Aus der organisationalen
Lernperspektive generierte empirische Befunde bestätigen, dass
Kapitalverflechtungen zu stärkerem Wissenstransfer führen, da durch sie die
Häufigkeit der Interaktionen zwischen den Partnern erhöht wird. Umgekehrt wird
auf den dadurch erzeugten Wettbewerbsdruck im „ race to learn “ zwischen den
Partnern verwiesen, was „ hostile learning “ und wiederum beträchtliche
Instabilität des Joint Ventures nach sich ziehen kann (Yan, 1998).
Für die theoretische Interpretation von (internationalen) Joint Ventures als Realoption finden sich hingegen keine
schlüssigen empirischen Belege (Chi, 2000;
Folta,
/Miller, 2002; Reuer, 2002;
Vassolo,
/Anant, /Folta, 2004; Fisch, 2005,
2006). Im Gegenteil scheinen danach (internationale) Joint Ventures gerade
keine Option, sondern eine reguläre Investition darzustellen.
II. Problembereiche der
Gründung und des Managements von Joint Ventures
1. Partnerwahl als systematischer Suchprozess
Gelingt es bei der Partnerwahl nicht, bereits über die
Auswahl von Kooperationspartnern antizipativ potenzielle Konfliktfelder zu
reduzieren, so dürfte die Wahrscheinlichkeit einer im Zeitablauf einsetzenden
Divergenz zwischen den Partnern zunehmen, was letztendlich zum Scheitern des
Joint Ventures führen kann. Daher sollte die Partnersuche als organisierter,
systematischer Prozess ausgestaltet und nicht dem Zufall überlassen werden.
Hierbei dürfte sich zu Beginn die Analyse der eigenen Stärken und Schwächen im
beabsichtigten Engagement empfehlen; darauf aufbauend kann ein
Anforderungsprofil erstellt werden, welches die gewünschten komplementären Eigenschaften
und Merkmale eines Idealpartners beinhaltet; die Identifikation möglicher
Partner wird somit über einen Vergleich der idealen und realen Eigenschaften
vorgenommen; Forschungs- und Beratungsinstitutionen sowie potenzielle Kunden
des beabsichtigten Joint Ventures können im Hinblick auf die tatsächlichen
Eigenschaften evtl. Partnerunternehmen wertvolle Informationen bereitstellen
und damit die Komplexität des Suchprozesses verringern (Harrigan,
K.R. 1986). Als allgemeine Selektionskriterien der Auswahl des
Wunschpartners können die Faktoren Fähigkeit
zur Kooperation, Vereinbarkeit der Partner sowie Bereitschaft zur Zusammenarbeit gelten (Business
International Corporation, 1987). Im Rahmen der Fähigkeit zur
Kooperation kommt vor allem der notwendigen Komplementarität der Kenntnisse und
Ressourcen sowie der finanziellen Situation von Partnerunternehmen eine
kritische Funktion zu. Die Vereinbarkeit der Partner hängt demgegenüber
maßgeblich von der Kompatibilität ihrer Strategien und operativen Routinen, der
hierbei gegebenen kulturellen Distanzen sowie der Vertrauensintensität ab (Harrigan,
K.R. 1986; Geringer,
J.M. 1988). Aufgrund von Untersuchungen kann vermutet werden, dass
die partnerbezogenen Koordinationsprobleme innerhalb von Joint Ventures mit dem
Grad der Inkompatibilität von managementrelevanten Prozessen und der
kulturellen Distanz zunehmen (Killing, J.P.
1983; Harrigan,
K.R. 1988). Mit dem letzteren Faktor wird schließlich auf die
Notwendigkeit einer kooperationsfreundlichen Haltung möglicher
Partnerunternehmen verwiesen. Neben dem grundsätzlichen Kooperationswillen
sollte auch die Bereitschaft vorhanden sein, das Joint Venture in ausreichendem
Umfang mit Ressourcen wie Finanz- und Sachkapital, Wissen sowie zeitlichem
Engagement zu versehen.
2. Ausarbeitung einer Kooperationsverfassung
Kooperationsverfassungen können als geronnener Ausdruck
derjenigen Verhandlungen interpretiert werden, welche innerhalb der
Gründungsphase von Joint Ventures auf die Abgrenzung der Rechte und Pflichten
zwischen den Partnern zielen. Insofern stellen derartige Normen die korporative
Klammer für Verhandlungsergebnisse in Bezug auf Interessenbereiche wie
Rechtsform, Kapitalanteile, Einflusssicherung bei Minderheitsbeteiligung,
Entscheidungsfindung oder auch Schutz von Absatzgebieten eines der
Partnerunternehmen dar (Killing, J.P.
1983; Schaan, J.-L.
1988). Ihre strukturelle Einbindung erfolgt durch den Joint-Venture-Vertrag,
die Satzung, Geschäftsordnungen der Joint-Venture-Organe oder andere
vertraglich festgelegte Ausarbeitungen.
3. Problemfelder der Joint-Venture-Führung
Beim Management eines Joint Ventures erwachsen aus der
Präsenz von zwei (oder mehreren) Muttergesellschaften erhebliche
Koordinationsprobleme, zumal wenn die Zusammenarbeit grenzüberschreitend
angelegt und dadurch in ihrer Komplexität erhöht ist. Dies kann vor allem
dadurch begründet werden, dass sich allein aus dem Besitzverhältnis noch keine
eindeutige Kompetenzzuweisung ableiteten lässt. Aufgrund der Notwendigkeit zur
gemeinsamen Entscheidungsfindung können diese Probleme aber zu einer
erheblichen Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit des Joint Ventures führen;
koordinative Maßnahmen wie gesteuerte Sozialisationsprozesse, die Erarbeitung
gemeinsam befürworteter Grundsätze der Unternehmenspolitik sowie die
Standardisierung von Prozessen sollten daher zu den festen Bestandteilen eines
partnerorientierten Joint-Venture-Managements zählen (Oesterle,
M.-J. 1993).
Eine weitere kritische Variable der Joint-Venture-Führung ist
neben der aufgezeigten, horizontal angelegten Koordinationsproblematik die
effektive Steuerung der Joint-Venture-Aktivitäten durch die
Muttergesellschaften. Bereits einfache Plausibilitätsüberlegungen lassen
vermuten, dass die Joint-Venture-interne Umsetzung einer konkreten, von der
Muttergesellschaft erteilten Vorgabe weit schwieriger zu realisieren sein wird
als bei einer vollbeherrschten Tochtergesellschaft. Die Steuerungsimpulse der
Muttergesellschaft treffen hierbei nicht allein auf eine Eigendynamik des
abhängigen Managements; dieses hat als Kooperationsträger im Joint Venture
darüber hinaus die vorgegebenen Ziele auch gegen die nicht immer
gleichgerichteten Erwartungen des Joint-Venture-Partners zu vertreten. Insofern
erscheinen Empfehlungen einsichtig, die Kooperationsträger mit genügend
Kompetenzen und damit Handlungsspielraum zu versehen, deren Erfahrung vor Ort
zu nutzen und auf den Einsatz harter Steuerungsmechanismen zu verzichten.
4. Dynamik der Joint-Venture-Partnerschaft
Joint Ventures weisen empirischen Untersuchungen zufolge in
dynamischer Betrachtungsweise einen typischen Entwicklungsverlauf mit den
Phasen Formierung, Anpassung und Evaluation auf. Während dieser setzt
sich das Management mit der Initiierung, Lernprozessen und der Herausbildung
von Verhaltensmustern bzw. einer Bewertung des Joint Ventures auseinander (Probst,
G.J.B./Rüling, Ch.-C. 1999). Insbesondere in der letzten Phase kommt
zum Tragen, dass sich neben den veränderten Umfeldbedingungen, welche die
Stabilität eines Joint Ventures zu beeinflussen vermögen (Blei, Ch.
1998), im Zeitverlauf auch die internen Gegebenheiten der am Joint Venture
beteiligten Unternehmen bspw. hinsichtlich Ziel- und Strategieinhalten,
Wissens- oder Ressourcenpotenzialen wandeln. Dies führt tendenziell zu einem
Abbau des ursprünglich die Gründung eines Joint Ventures veranlassenden
Potenzialunterschiedes der Partner und kann daher ebenfalls die Instabilität
des Joint Ventures fördern. Nur wenn das Joint Venture trotz dieser veränderten
Situation für beide Partner noch die höchstwertigste Alternative darstellt,
sollte es fortgeführt werden; ansonsten wird es im Zuge einer Neuaushandlung zu
einer weitgehenden Übernahme durch einen Partner, zu einer Auflösung durch
Verkauf an Dritte oder zur Liquidation kommen.
III. Joint-Venture-Performance
Die Untersuchung des Erfolgs von Joint Ventures hat
angesichts der Schwierigkeit zu dessen Messung trotz des nunmehr über 25 Jahre
anhaltenden Interesses an diesem Problem eine vergleichsweise geringe Anzahl an
Veröffentlichungen hervor gebracht. Diese lassen sich in vier Gruppen einteilen
(Tallmann, 2005):
eine erste, die die Bestimmungsfaktoren der Joint-Venture-Performance von dem
sie beeinflussenden externen Kontext abhängig sieht (Kogut, 1998);
eine zweite, die die internen Bedingungen der Joint-Venture-Transaktionen,
gestützt auf transaktionskostentheoretische Überlegungen zur Internalisierung
in den Vordergrund rückt (Williamson, 1991:
eine dritte, die die Joint-Venture-Performance aus dem Erfolgsgrad der
Steuerung der Mehrheits- bzw. Muttergesellschaft in einer Kausalkette vom
Ressourceninput über dessen spezifische Kontrolle, ferner die wahrgenommene
allgemeine Kontrolle, bis hin zur wahrgenommenen Zufriedenheit mit dem
Joint-Venture-Erfolg zu erklären versucht (Mjoen,
/Tallmann, 1997). Eine vierte Gruppe versucht, Joint-Venture-Erfolg
durch Wahrnehmungen des Managements anhand verbundener quantitativer und
qualitativer Erfolgsdimensionen und -maße zu ergründen (Geringer,
/Hebert, 1991). Empirische Befunde bescheinigen Joint Ventures
generell die theoretisch mehrheitlich unterstellte Vermutung einer schwachen
Performance. Eine neuere empirische Untersuchung mit einer Datenbasis von rund
28.000 japanischen Auslandsgesellschaften kommt allerdings zu einem
gegenteiligen Ergebnis, nach dem die wahrgenommene finanzielle Performance von
Joint Ventures und 100%-igen Tochtergesellschaften identisch war und Letztere
lediglich eine marginal höhere Überlebensdauer aufwiesen (Delios,
/Beamish, 2004). Die Schwäche all dieser Versuche liegt an dem
Mangel, dass sie die Joint-Venture-Performance an der Messlatte der
historischen Erwartungen bei der Errichtung des Joint Ventures festmachen und
die oben als wesentlich herausgestellte dynamische Sicht außer Acht lassen.
Neuere Studien hingegen heben auf die Bedeutung der „ dynamic capabilities “ über
die Zeit der Joint-Venture-Betätigung hervor. Solche kritischen, empirisch
nachgewiesenen capabilities sind beispielsweise frühere Erfahrungen mit
Allianzen, allgemeine kombinative Fähigkeiten, Gestaltungskompetenzen bei der
Organisation unterschiedlicher Geschäfte, die Entwicklung relationaler
Fähigkeiten, relationales „ Kapital “ im Hinblick auf Joint-Venture-Lernen und
Konfliktmanagement, sowie die erfolgreiche Institutionalisierung derartiger
Joint-Venture-Fähigkeiten in bestimmten kritischen
Joint-Venture-Funktionsbereichen (Tallmann, 2005).
Tallmann, (2005)
hat diese Neuausrichtung, aufbauend auf theoretischen Überlegungen (Madhok,
/Tallmann, 1998) und empirischen Befunden (Robins,
/Tallmann, /Fladmoe-Lindquist, 2002) zu einem dynamischen
Joint-Venture-Performance-Modell weiterentwickelt, das sich im Zeitverlauf
ändernde „ capabilities “ und „ rents “ des Joint Ventures als Kernvariablen
enthält. Durch die differenzierung von partnerspezifischen Fähigkeiten und
allgemeinen Joint Venture transaktionsspezifischen Fähigkeiten gelingt ihm eine
darauf abgestimmte Differenzierung fähigkeitsspezifischer Renten bzw. der
zugrunde liegenden Rente stiftenden Verursachungsfaktoren ( „ assets “ ) wie
unternehmensspezifischer Quasi-Renten, transaktionspezifischer Quasi-Renten und
partnerspezifischer Quasi-Renten, was neue Möglichkeiten zur Bestimmung der
Performancetreiber aus unterschiedlichen Quellen von in Joint Ventures
verfügbaren oder sich herausbildenden Vorteilskategorien eröffnet.
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