Inhaltsübersicht
I. Begriffsabgrenzung
und Grundlagen
II. Projektkostenrechnung
in den einzelnen Projektphasen
I. Begriffsabgrenzung und
Grundlagen
1. Begriff
des Projektes und der Projektkostenrechnung
Die Projektkostenrechnung umfasst die Erfassung, Verfolgung
und Darstellung der Kosten eines Projektes. Um ein solches handelt es sich zum
einen bei kundenauftragsbezogener Einzel- oder Kleinserienfertigung, der
Erstellung von Produktions- oder Infrastruktureinrichtungen (Anlagenbau) oder
Großaufträgen im Dienstleistungsbereich, zum anderen können Projekte auch
spezifische und befristete, oft unternehmensinterne Vorhaben, wie bspw. die
Einführung einer neuen Enterprise Resource Planning (ERP)-Software, sein.
Demzufolge stellen Projekte komplexe Systeme dar, deren Übersichtlichkeit durch
eine Dekomposition des Gesamtsystems in getrennte Einheiten erhöht werden soll.
Trotz der Zerlegung der Gesamtaufgabe in Teilaufgaben darf jedoch der
Zusammenhang des Projektes nicht verloren gehen, da dies eine zuverlässige Planung
und Steuerung des Projektes gefährden würde. Aufteilen lassen sich Projekte in
Teilprojekte, im Sinne projektbezogener Teilaufgaben, sowie in so bezeichnete
Arbeitspakete, welche den kleinsten Teil eines Projektes darstellen. Der
Zusammenhang zwischen Projekt, Teilprojekten und Arbeitspaketen wird im
Projektstrukturplan abgebildet. Dieser stellt das bedeutendste Instrument des
Projektmanagements dar (vgl. Corsten, H.
2000, S. 137 f.).
Mittels einer Projektkostenrechnung können in allen Phasen
eines Projektes Aussagen über den Kostenanfall, den Kostenverlauf und mögliche
Ursachen der Kostenentstehung gemacht werden.
Gemeinhin wird ein Projekt (insbesondere im Anlagenbau)
unterteilt in 6 Phasen (vgl. Bröker, E.W.
1993, S. 14 ff.):
-
die Anfragephase,
-
die Angebotsphase,
-
die Phase der Verhandlungen mit Konsortialpartnern,
-
die Phase der Verhandlungen mit dem Abnehmer,
-
die Erstellungsphase sowie
-
die Gewährleistungs- und Betreuungsphase.
Sofern es sich nicht um unternehmensinterne Projekte handelt,
kann diese Phasenstruktur als idealtypisch betrachtet werden. Je Phase sind
unterschiedliche kostenrechnerische und kalkulatorische Aufgaben zu erfüllen.
In der Angebotsphase ist beispielsweise eine projektbezogene
Angebotskalkulation durchzuführen. In der Erstellungsphase eine mitlaufende
Erfassung und Kalkulation der Kosten sicherzustellen. Nach Realisierung des
Projektes ist eine abschließende Projektkostenermittlung zu erstellen. Diese
Kosten werden in der Projektabrechnung den Projekterlösen gegenübergestellt.
Problematisch erscheint im Zusammenhang mit einer
Projektkostenrechnung die Kopplung mit dem periodischen Rechnungswesen. Dieses
ist nur selten in der Lage, Kosten dem zentralen Zurechnungsobjekt „ Projekt “ ,
„ Teilprojekt “ oder „ Arbeitspaket “ als Kostenträger zuzuordnen. Auch der
periodenübergreifende Charakter von Projekten und die dabei entstehenden
periodenbezogenen Aufteilungs- und Zurechnungsprobleme erschweren die Einbindung
der Projektkosten in die klassische periodenbezogene Kostenrechnung.
Die Projektkostenrechnung ist eng verzahnt mit dem
Kostenmanagement sowie dem Projektcontrolling
und Projektmanagement. Besonders wenn Projektkosten im Projektverlauf als zu
hoch identifiziert werden, kommen in der Regel Instrumente des
Kostenmanagements zur nachhaltigen Kostensenkung zum Einsatz (z.B. bzgl. der
Gemeinkosten die Instrumente Zero-Based-Budgeting, Gemeinkostenwertanalyse oder
Prozesskostenmanagement).
Die kostenübergreifende Planung und Steuerung eines Projektes ist Gegenstand
des Projektcontrolling. Demzufolge stellt die Projektkostenrechnung neben nicht
kostenbezogenen Koordinationsinstrumenten ein wichtiges Tool im
Projektcontrolling und im Projektmanagement dar.
2. Grundstruktur
der Projektkostenrechnung
In Abb. 1 ist die Grundstruktur einer Projektkostenrechnung
dargestellt. In der Kostenartenrechnung erfolgt eine Differenzierung nach
kostenträgerbezogenen Einzel-, Gemein- und prozessbezogenen Einzelkosten
(Prozesskosten). Die Einzelkosten werden direkt den Kostenträgern, hier den
Projekten, Teilprojekten oder Arbeitspaketen zugeordnet. Speziell bei geringer
Fertigungstiefe und hohem komponenten- und systembezogenen Zukaufanteil, was
z.B. typisch für den deutschen Schiff- oder Kranbau ist, kann der Großteil der
Kosten als Einzelkosten erfasst werden (zwischen ca. 50% und 90% der
Projektgesamtkosten). Die restlichen Kosten, insbesondere Kosten des
Engineering, der Fertigungsplanung und -steuerung sowie der Administration,
werden kostenstellenbezogen erfasst. Hierbei lassen sich besonders
Gemeinkostentätigkeiten mit repetitivem Charakter problemlos prozessbezogen
bewerten.
Abb. 1: Grundstruktur einer Projektkostenrechnung (erweitert
nach Corsten, H.
2000, S. 213)
Während die erfassten Prozesskosten in der Regel dann
ebenfalls größtenteils verursachungsgerecht auf die Projekte zugeordnet werden
können, werden die restlichen Gemeinkosten (z.B. Kosten der
Projektleistungsstellen, allgemeine Verwaltungsstellen, Konzernumlagen) nach
unterschiedlichen Verteilungsschlüsseln den Kostenträgern (Projekt,
Teilprojekte oder Arbeitspakete) zugeordnet.
II. Projektkostenrechnung
in den einzelnen Projektphasen
Die Strukturierung der nachfolgenden Ausführungen orientiert
sich an dem oben bereits skizzierten idealtypischen Ablauf eines Projektes im
Anlagen- oder Sondermaschinenbau. Anhand der Inhalte der einzelnen Phasen
werden die kostenrechnerisch relevanten Aufgaben und Aktivitäten erläutert
sowie unterstützende Kostenrechnungsinstrumente vorgestellt und diskutiert (die
Phase der Verhandlungen mit den Konsortialpartnern/Zulieferern wurde in die
Phasen der Anfrage und Angebotserstellung sowie in die Phase der Verhandlungen
mit dem Abnehmer integriert).
Ergänzend zu den nachfolgenden Anmerkungen ist zu erwähnen,
dass in der Unternehmenspraxis im Rahmen der Projektkostenrechnung und des
Projektmanagement häufig EDV-gestützte Planungs- und Informationssysteme, in
der Regel so genannte ERP (Enterprise Resource Planning) -Systeme wie SAP R/3,
unterstützend zum Einsatz kommen (vgl. bspw. die Anwendung von SAP R/3 zur
Projektsteuerung bei Baeuerle,
J.-U./Gleich, R./Störk, A. 1998).
1. Anfrage-
und Angebotsphase
In der Akquisitionsphase eines Projektes erfolgt auf
Grundlage von ersten auf Projektzeichnungen und Projektarbeitsplänen
basierenden Mengengerüsten, den verschiedenen Zuliefererangeboten sowie
weiteren kommerziellen Angebotskonditionen (z.B. Festpreisklausel, Zahlungs-
und Finanzierungsbedingungen) eine Angebotskalkulation des Projektes. Diese
bildet den Ausgangspunkt für die Angebotspreisfindung, da besonders bei nicht
serienmäßig produzierten Gütern nur selten Marktpreise existieren. Der auf
diese Art und Weise bottom-up-kalkulierte Angebotspreis stellt die Grundlage
für erste Verhandlungen in der Akquisitionsphase eines Projektes dar.
Flankierend zu dieser Bottom-up-Preiskalkulation lassen sich, sofern vorhanden,
über Wettbewerbspreise sowie konkurrenzbezogene Vorgaben in Auftragsgesprächen
auch Zielpreise im Sinne eines „ out-of-competitor “ -Target Costing-Ansatzes
ermitteln (vgl. Seidenschwarz,
W. 1993, S. 128).
Mögliche Projektmodifikationen zur Preissenkung oder
Preissenkungsvorgaben des potenziellen Kunden stellen übliche
Verhandlungsinhalte dar. Das projektanbietende Unternehmen kann im Einzelfall
auch, insbesondere bei einer hohen Fertigungstiefe, zur Sicherstellung der
eigenen Kapazitätsauslastung möglicherweise an der eigenen projekt- oder
teilprojektbezogenen Preisuntergrenze anbieten. Hierzu ist eine Kenntnis der
dem Projekt direkt zurechenbaren Kosten erforderlich. Als Konsequenz würden die
von den Projekten im Regelfall zu tragenden Unternehmens- oder
Konzerngemeinkosten bei einem Angebot an der Preisuntergrenze nicht in einer
Kalkulation berücksichtigt werden.
Als Kostenkategorien in einer projektbezogenen
Angebotskalkulation wären die in der Abb. 1 aufgeführten Kategorien denkbar,
d.h. neben den Einzelkosten (Fertigungs- und Materialkosten) können die
Projektgemeinkosten durch den Einsatz einer Prozesskostenrechnung in Teilen
transparent und besser plan- und steuerbar gemacht werden. Insbesondere
projektplanende, -steuernde, -kalkulierende und -disponierende Tätigkeitskosten
lassen sich dadurch transparent machen, prozesskostenbezogen bewerten und
direkt (d.h. verursachungsgerecht) in die Projektkalkulation einbinden. In der
Regel sind im Projektgeschäft die Gemeinkosten allerdings eher von
untergeordneter Bedeutung. Sehr viel wichtiger ist die richtige und
vollständige Erfassung der Kosten der Zuliefererteile, was mit dem oft sehr
hohen Wertschöpfungsanteil der Zulieferer zusammenhängt (oftmals deutlich höher
als 70% der Gesamtwertschöpfung eines Projektes). Diese
Zuliefererkostenkalkulation wird durch einen in der Phase der
Angebotserstellung noch nicht fertig ausgearbeiteten Projektstrukturplan
erschwert. Damit existiert das latente Risiko, einzelne noch nicht im
Projektstrukturplan ausgearbeitete Arbeitspakete und damit zusammenhängende
Zuliefererteile oder -komponenten falsch oder unzureichend einzuschätzen und zu
kalkulieren. Dies kann letztendlich fatale Auswirkungen auf den Erfolg und die
Profitabilität eines Projektes haben.
Im Gegensatz zu vielen Serienprodukten erfordert die
Kalkulation der oben bereits genannten kommerziellen Angebotskonditionen in
Projekten eine hohe Sorgfalt (vgl. Hay,
H.P./Hieronimus, A./Huss, H.-P. 1993, Sp. 1637). So sind alle
kostenrelevanten Vertragsbestandteile (z.B. Zahlungsbedingungen oder
Preisstellung) zu identifizieren, zu bewerten und zu kalkulieren. Gleiches gilt
für mögliche Finanzierungs- und Exportversicherungskosten und mögliche
kaufmännische sowie technische Risiken. Gilt die Kalkulations- und
Preisfindungsphase als abgeschlossen und erfolgte ein Zuschlag des Kunden im
Hinblick auf die Projektdurchführung, sind die zu erwartenden Projekterlöse auf
kalkulatorischer Basis bekannt. Dies lässt auch bereits erste Prognosen des
Projektergebnisses zu.
Als wichtiges Tool zur marktbezogenen Preisbestimmung und
Kosten- und Leistungsspezifikation kann im Rahmen einer
Projektkostenkalkulation möglicherweise auch ein Target
Costing eingesetzt werden. Einige Anwendungserfahrungen aus dem
Projekt- bzw. Großanlagengeschäft liegen bereits vor (vgl. z.B. Nedeß,
C./Stalleicken, U. 1998; Eversheim,
W./Sesterhenn, M./Frank, A. et al. 1999). Neben der oben bereits
skizzierten Möglichkeit einer Unterstützung der Preisfindung im Sinne eines
„ out-of-competitor “ -Ansatzes sowie der systematischen Übertragung der
Kundenanforderungen in die Produkt- oder Projektstruktur mittels der
Quality-Function-Deployment-Methodik (vgl. Akao, Y.
1992) kann ein Target Costing im Projektgeschäft wichtige Hilfestellung
bei einer markt- oder kundengerechten Kostenspaltung auf Teilprojekte oder
ausgewählte Komponenten und Systeme leisten. Somit lässt sich die
„ Bottom-up “ -Projektkostenkalkulation mit einer „ Top-down “ -zielkostenbezogenen
Kalkulation abgleichen, was differenziert und marktorientiert Aufschluss über
Kostensenkungsnotwendigkeiten ergibt.
Neben den reinen Anschaffungskosten spielen im
Projektgeschäft allerdings auch die Betriebskosten einer Anlage eine wichtige
Rolle im Rahmen der Entscheidungsphase eines potenziellen Kunden. Diese
Costs-of-Ownership stellen jene Kosten im Rahmen der projektbezogenen
Lebenszykluskosten dar, die im Zusammenhang mit dem Betrieb einer Anlage zu
erwarten sind (vgl. Nedeß,
C./Stalleicken, U. 1998, S. 204 f.). Hierunter fallen beispielsweise
Kapitalkosten, reine Betriebskosten (z.B. Kosten für Anlagenbedienung,
Betriebsstoffe) sowie mögliche Kosten bzw. Erlöse durch eine
Betriebseinstellung. Nimmt man zu den Anschaffungskosten aus Kundensicht auch
die projektbezogenen Transaktionskosten sowie die zu erwartenden Kosten der
Verwertung und Entsorgung mit dazu, bekommt man einen Überblick über die zu
erwartenden projektbezogenen Lebenszykluskosten. Hinterlegt man diese
Kostenschätzung mit Auszahlungsströmen, sind in einem nächsten Schritt die
erwarteten Einzahlungen im Zusammenhang mit dem Projektbetrieb zu
prognostizieren. Mit diesen beiden Größen, den über den gesamten Lebenszyklus
zu erwartenden Einzahlungen und Auszahlungen, kann aus Projektkundensicht dann
die Rentabilität einer geplanten Projektinvestition beurteilt werden. Diese
Überlegungen sollten auch im projektanbietenden Unternehmen bekannt und
mitverfolgt werden, da sie wesentliche Entscheidungsparameter im
Projektgeschäft darstellen.
2. Phase
der Verhandlungen mit dem Abnehmer
Die Ergebnisse einer Projektkalkulation und
-leistungsspezifikation führen entweder zum sofortigen Abbruch der
Verhandlungen (z.B. bei zu hohen Preisen oder nicht ausreichenden
Leistungsmerkmalen) oder zu weiteren Gesprächen. Gegenstand dieser Gespräche zwischen
Kunde und Projektunternehmen (z.B. Anlagenbauer) ist die Verhandlung des
Leistungs- und Lieferumfangs sowie auf Basis des erstellten Angebotes
insbesondere die Diskussion des Preises für die Leistungserstellung (durchaus
auch differenziert nach einzelnen Projektbestandteilen) oder der möglichen
Zahlungsbedingungen. Erfolgt eine Einigung, was im Anlagenbau durchaus erst das
Ergebnis monatelanger Verhandlungsrunden sein kann, werden diese
projektnotwendigen Punkte (Leistungs- und Lieferumfang, Preis Gesamtprojekt
bzw. differenziert auch bzgl. Teilprojekten, Zahlungsbedingungen) vertraglich
fixiert.
Diese Verhandlungsergebnisse stellen wiederum die Grundlagen
für weitere Verhandlungen des Projektunternehmens mit Zulieferern dar.
Preissenkungen oder Leistungsmodifikationen auf Gesamt- oder Teilprojektebene
werden dann in der Regel auf die zuliefererrelevanten Teilprojekte oder
Arbeitspakete bezogen und neu diskutiert. Besser ist allerdings die frühzeitige
Einbeziehung der wichtigsten (Komponenten- oder System-)Zulieferer in die
Verhandlungen mit dem Abnehmer, wie sie auch von neuen
Kostenmanagementverfahren wie dem Target Costing unterstützt werden (vgl. Gleich,
R./Seidenschwarz, W. 1999, S. 577ff). So sollten Zulieferer in
das Target-Costing-Team integriert oder die Zulieferer durch die Abnehmer
geschult werden. Ziel wäre hierbei, gemeinsam die projektbezogenen Zielvorgaben
des Projektkunden zu erreichen. Unterstützendes Tool könnte ein
Zulieferer-Cost-Engineering sein, welches bspw. gemeinsame Zielkostenspaltungen
unterstützen sowie eine unternehmensübergreifende Informationstransparenz
schaffen kann.
3. Erstellungsphase
Nach der Erteilung des Projektauftrages hat zunächst eine
überarbeitete Version der Auftragskalkulation zu erfolgen. Diese basiert auf
der vertraglich vereinbarten Projektspezifikation sowie den festgeschriebenen
Liefer- und kaufmännischen Abwicklungsbedingungen. Idealerweise existiert zu
diesem Zeitpunkt bereits ein ausformulierter Projektstrukturplan mit der
vollständigen technischen Definition und Strukturierung des Projektes über
Teilprojekte sowie Arbeitspakete bis hin zu Vorgängen. Ferner sollten zur
zeitlichen Auffächerung des Projektstrukturplanes möglichst auch Ablauf-, Zeit-
und Terminpläne existieren. Flankierend hierzu sind Kapazitätspläne hilfreich,
um transparent zu machen, wer die Leistungen an welchen Arbeitsplätzen mit
welchen Ressourcen zu erbringen hat. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch
die Identifizierung möglicher Kapazitätsengpässe.
Liegen all diese Informationen vor, sind die Voraussetzungen
für eine neue Auftragskalkulation im Sinne einer relativ genauen Ermittlung und
Detaillierung der projektbezogenen Selbstkosten geschaffen. Diese sind in der
weiteren Auftragsphase stets Referenzgröße und stellen auch die Grundlage für
die projektbezogenen Budgetierungstätigkeiten dar.
Im Anschluss an die Projektkalkulation erfolgt die Festlegung
von Budgets für die Auftragsabwicklung. Alle am Projekt beteiligten leitenden
Mitarbeiter erhalten demnach Kostenvorgaben für einzelne Projektbestandteile
oder Aktivitäten. Diese Budgets können zum einen periodenübergreifenden und
projektbezogenen Charakter haben. Zum anderen ist allerdings auch eine Kopplung
der oftmals periodenübergreifenden Projektkostenrechnung an die stellen- und
bereichsbezogene periodische Kosten-, Erlös- bzw. Leistungsrechnung anzuraten.
Damit ließen sich dann in die Jahresbudgetierung bspw. konkrete periodische
kostenstellenbezogene Kosten- und Mengenvorgaben für ein definiertes Projekt
integrieren. Über die Summe aller Projekte sowie weiterer notwendiger
Kostenstellenaktivitäten könnten dann realistische Kapazitäts- und
Kostenplanungen je Kostenstelle und Bereich realisiert werden.
Wichtigstes Kostenrechnungsinstrument in der
Projektdurchführungsphase ist die mitlaufende Kalkulation. Deren wesentliche
Aufgaben lassen sich wie folgt umreißen (vgl. Hay,
H.P./Hieronimus, A./Huss, H.P. 1993, Sp. 1639):
-
Differenzierte Informationsbereitstellung für
verschiedene Verantwortungsebenen,
-
Erstellung von Abweichungsanalysen und Prognosen auf
Basis aktueller Daten für Kosten und Erlöse,
-
Frühzeitiges Aufdecken von Schwachstellen, um
rechtzeitig gegensteuernde Maßnahmen einzuleiten,
-
Dokumentation der gewonnenen Erkenntnisse, um die
Rückkopplung für neue Projekte zu ermöglichen.
Den Kern der mitlaufenden Auftragskalkulation stellen die
Kostenkontrolle sowie der darauf aufbauende Soll-/Ist-Vergleich dar. Hierbei
werden angefallene und gebuchte sowie veranlasste, aber noch nicht gebuchte und
ferner noch zu erwartende (und oftmals nur schwer prognostizierbare)
Projektkosten den Soll- oder Budgetkosten des Projektes gegenübergestellt.
Darauf basierend lassen sich Abweichungen berechnen, eventuell gegensteuernde
Maßnahmen initiieren oder nachträgliche (Preis- und Leistungs-)Verhandlungen
mit dem Kunden über Projektveränderungen durchführen. Die Budgetkosten eines
Projektes selbst lassen sich, wie in Abb. 2 skizziert, als aktuelles Budget im
Sinne von Plankosten bezeichnen, welches sich aus einem Basisbudget, einem
Budget für Auftragswertänderungen, möglichen Budgetübertragungen sowie
eventuellen Extra-Budgets zusammensetzt.
Abb. 2: Grundlagen des aktuellen Budgets (in Anlehnung an Siepert,
H.-M. 1992, S. 1003)
Die Nutzung und Erfassung der drei grundsätzlichen
Kostenkategorien Istkosten, Sollkosten (geplante Kosten bezogen auf den
realisierten Projektstand) und Budgetkosten (geplante Kosten bezogen auf den
geplanten Projektstand) lässt eine differenzierte Abweichungserfassung und
Analyse zu, da eine Mengen- und Wertkomponente als Abweichungsursache berechenbar
ist (vgl. Coenenberg,
A.G./Fischer, T./Raffel, A. 1992, S. 770 ff.). Die
Wertkomponente weist als Kostenvarianz die Kostenabweichung bezogen auf den
realisierten Projektstand aus. Die Mengenkomponente stellt eine
Leistungsvarianz dar, die den von der Planung abweichenden Projektfortschritt
kostenbezogen bewertet.
4. Gewährleistungs-
und Betreuungsphase sowie Projektergebnisermittlung
Im Rahmen der Gewährleistungs- und Betreuungsphase erfolgt
zunächst nach Abschluss des Projektes die abschließende
Projektkostenermittlung. Diese Kosten werden in der Projektabrechnung den
Projekterlösen gegenübergestellt und das Projektergebnis ermittelt.
Gegebenenfalls kommen zu den geplanten Projektkosten noch Gewährleistungskosten
hinzu, die durch die Behebung von Fehlern oder Störungen im Anlagen- bzw.
Projektbetrieb entstehen können.
Nicht unproblematisch ist im Rahmen einer
Projektkostenrechnung die Behandlung des Projektergebnisses im internen
Rechnungswesen sowie insbesondere im Rahmen des Jahresabschlusses. Hier gibt es
unterschiedliche Vorgehensweisen in der Behandlung von periodenübergreifenden
Projektergebnissen oder Projektrisiken im Sinne von drohenden Verlusten
zwischen den verschiedenen Rechnungslegungsgrundsätzen. Während nach dem
deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) entsprechend des Imparitätsprinzips die
Drohverluste auch bei periodenübergreifenden Projekten periodisch bilanziert
werden müssen, dürfen die Gewinne aus einem Projektgeschäft erst nach dessen
Fertigstellung bilanziert werden (Realisationsprinzip). Dies ergibt bei
Anlagenbauern ein oftmals verzerrtes Bild der wirtschaftlichen Lage (vgl. Hay,
H.P./Hieronimus, A./Huss, H.-P. 1993, Sp. 1640 f.).
Ganz anders werden die Projektergebnisse nach den Grundsätzen
der internationalen Rechnungslegung behandelt. Sowohl nach den Grundsätzen der
International Financial Reporting Standards (IFRS) als auch nach den
US-amerikanischen Bilanzierungsvorschriften US-GAAP (US-Generally Accepted
Accounting Principles) ist eine Anwendung der Percentage of Completion-Methode
möglich (vgl. Bischof, S.
1998). Diese wird bei einer mehrjährigen Projektbearbeitung als geeignete
Methode eingeschätzt, die Nachteile des Realisationsprinzips zu vermeiden. Der
Percentage of Completion liegt das Grundprinzip des true and fair view
zugrunde, wonach insbesondere den Anteilseignern und der Öffentlichkeit stets
ein den tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechendes
Unternehmensbild vermittelt werden sollte. Dies bedingt bzw. erlaubt, Gewinne
aus einem Projekt nicht zeitpunktbezogen, also nach Projektabschluss, sondern
stetig entsprechend ihrer Entstehung im Laufe der Auftrags-bzw.
Projektbearbeitung in den verschiedenen Perioden der Fertigstellung
auszuweisen. Die Schwierigkeit ist hierbei die exakte Abschätzung des
projektbezogenen Fertigstellungsgrades (vorgeschlagen werden input- und
outputbezogene Verfahren), der anteiligen Projektkosten und -erlöse sowie der
damit verbundenen Einschätzung der periodischen Fertigungsleistung.
Im internen Rechnungswesen ist bei einem Festhalten am
Realisationsprinzip bei langjährigen Projekten das Arbeiten mit den Ergebnissen
einer periodenbezogenen Betriebsergebnisrechnung ebenfalls eher kritisch zu
betrachten. Dies erklärt auch, dass die auftragsbezogene
Projektkostenkalkulation und nicht die Projekterlösrechnung in der
Vergangenheit mehr im Mittelpunkt der Betrachtung sowie Anwendung in Theorie
und Praxis stand. Mit einer Anwendung der Percentage-of-Completion-Methode im
internen Rechnungswesen kann allerdings ebenso eine Aussage über
periodendifferenzierte Projektergebnisse sowie die jeweiligen periodischen
Fertigungsleistungen getätigt werden. Allerdings wird hierbei wieder die Abgabe
zuverlässiger Schätzungen des Fertigstellungsgrades oder der anteiligen
Projektkosten notwendig, ansonsten sollte (wie bei den internationalen
Rechnungslegungsgrundsätzen vorgeschrieben) vom Einsatz der Methode abgesehen
werden.
Literatur:
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Function Deployment. Wie die Japaner Kundenwünsche in Qualität umsetzen,
Landsberg 1992
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Jens-U./Gleich, Ronald/Störk, Arno : Performance Measurement zur
Projektsteuerung unter Einsatz von SAP R/3 bei der Siemens ElectroCom GmbH, in:
Controlling, Jg. 10, H. 2/1998, S. 110 – 119
Bischof, Stefan :
Anwendbarkeit der percentage of completion-Methode nach IAS und US-GAAP im
internen Rechnungswesen, in: KRP, Jg. 42, H. 1/1998, S. 8 – 15
Bröker, Erich W. :
Erfolgsrechnung im industriellen Anlagengeschäft: ein dynamischer Ansatz auf
Zahlungsbasis, Wiesbaden 1993
Bürgel, Hans D. :
Projektcontrolling, in: Lexikon des Controlling, hrsg. v. Schulte, Christof,
München 1996, S. 626 – 630
Coenenberg, Adolf
G./Fischer, T./Raffel, Andreas : Abweichungsanalyse bei Projekten im
F&E-Bereich, in: Handbuch Kostenrechnung, hrsg. v. Männel, W., Wiesbaden
1992, S. 767 – 781
Corsten, Hans :
Projektmanagement – Einführung, München 2000
DIN 69901, :
Projektmanagement – Begriffe, Berlin 1987
Eversheim,
Walter/Sesterhenn, Marc/Frank, Albin : Target Costing im Maschinen- und
Anlagenbau am Beispiel der Druckmaschinenindustrie, in: KRP, Jg. 43, H. 6/1999,
S. 345 – 351
Gleich,
Ronald/Seidenschwarz, Werner : Target Costing und Zulieferintegration, in:
Handbuch industrielles Beschaffungsmanagement, hrsg. v. Hahn, Dietger/Kaufmann,
Lutz, Wiesbaden 1999, S. 577 – 593
Hay, Paul H./Hieronimus,
Albert/Huss, Hans-Peter : Projektabrechnung, in: Handwörterbuch des
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Madauss, Bernd :
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Madauss, Bernd :
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Christian/Stalleicken, Udo : Target Costing für komplexe Investitionsgüter, in:
Controlling, Jg. 10, H. 4/1998, S. 202 – 209
Platz, Jochen : Aufgaben
der Projektsteuerung – ein Überblick, in: Handbuch Projektmanagement Band 1,
hrsg. v. Reschke, Hasso/Schnopp, Reinhardt/Schelle, Heinz, Köln 1989, S.
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Seidenschwarz, Werner :
Target Costing, München 1993
Siepert, Hans-Martin :
Projektcontrolling im Großanlagenbau, in: Handbuch Kostenrechnung, hrsg. v.
Männel, Wolfgang, Wiesbaden 1992, S. 995 – 1007
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