Inhaltsübersicht
I. Begriffsübersicht
II. Phasenmodell
des Projektmanagements
III. Methoden
und Techniken des Projektmanagements
IV. Organisatorische
Rahmenbedingungen
V. Perspektive
I. Begriffsübersicht
Aus historischer Sicht ist die Durchführung von Projekten
durch geeignete Managementmethoden keine Erscheinung der neueren Zeit, wie
Beispiele verschiedener Epochen (z.B. Pyramidenbau, Chinesische Mauer,
Panamakanal, aber auch die Aufstellung großer Kriegsflotten) zeigen. Eine
systematische Entwicklung des Projektmanagements ging von den militärischen
Zielsetzungen der USA während des 2. Weltkriegs aus. Projekte wie der
Atombombenbau oder das Apollo-Programm erforderten neue Wege der Planung,
Überwachung und Steuerung für komplexe, unter Zeitdruck zu bearbeitende
Aufgaben mit einer Vielzahl unterschiedlichster Spezialisten. Die entwickelten
Methoden wurden zu einem Managementkonzept verdichtet, welches sich neben der
projektorientierten Bearbeitung von Einzelaufgaben vor allem in der Abwicklung
größerer Bau- und Entwicklungsvorhaben und internationaler Kooperationen
etablierte. Erst gegen Ende der 1970er-Jahre setzte verstärkt auch eine
systematische Betrachtung sog. „ weicher “ Faktoren des Projekterfolgs ein, wie
z.B. Teamarbeit, Umgang mit Konflikten oder Widerstand gegen Wandel.
1. Projekt als eigenständiger Aufgabentyp
Laut DIN 69901 versteht man unter einem Projekt „ ein
Vorhaben, das im Wesentlichen durch die Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer
Gesamtheit gekennzeichnet ist, z.B. Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle,
personelle und andere Begrenzungen, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben und
projektspezifische Organisation “ . Hieraus ergeben sich die folgenden Merkmale:
-
Vorhaben mit einer eindeutigen Aufgabenstellung und
Zielsetzung,
-
klarer zeitlicher Rahmen (Beginn und Abschluss stehen
fest),
-
arbeitsteilig unter Beteiligung verschiedener Personen
oder Stellen (z.T. interdisziplinär),
-
begrenzter Ressourceneinsatz,
-
relative Neuartigkeit bzw. Einmaligkeit,
-
dadurch häufig mit der Herausforderung verbunden,
besondere oder innovative Lösungen zu finden,
-
häufig umfangreich und komplex.
Kriterien zur Unterscheidung
von Projekten umfassen deren inhaltliche Zielsetzungen (z.B. Forschung und
Entwicklung, Reorganisation, Veranstaltungen), die Projektgröße (Anzahl
Mitarbeiter, Budget), die Projektdauer, die Auftraggeber
(unternehmensintern/-extern, ein oder mehrere Auftraggeber), die notwendige
Kooperationsform (eine oder mehrere Organisationseinheiten,
national/international) und auch die Häufigkeit der Aufgabenstellung
(einmalig/repetitiv). Aufgrund des besonderen Charakters der Aufgabenstellungen
ist das Erreichen der Projektziele häufig mit Risiken behaftet, die ein
systematisches Projektmanagement
erfordern.
2. Projektmanagement als Management von
Problemlösungsprozessen
Projektmanagement ist in der DIN 66901 definiert als die
„ Gesamtheit von Führungsaufgaben, -organisation, -techniken, und -mittel für
die Abwicklung eines Projektes “ . Als Managementfunktion oder Führungskonzept
steht Projektmanagement damit als Oberbegriff für alle willensbildenden und
-durchsetzenden Aktivitäten im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Projekten.
Im Vordergrund steht inhaltlich nicht das zu lösende Problem selbst, sondern
das Management des
Problemlösungsprozesses, wobei es unterschiedliche Betrachtungsebenen gibt (Haberfellner,
Reinhard 1992):
-
Aus funktionaler Sicht steht die prozessuale und
strukturierende Gestaltung des Projekts im Vordergrund, die mit Hilfe eines Phasenmodells des Projektmanagements
abgebildet werden kann.
-
Die instrumentelle Dimension umfasst den Einsatz
geeigneter Methoden und Techniken
bei der Durchführung von Projekten.
-
Die institutionale Betrachtung hat die organisatorischen Rahmenbedingungen
zum Inhalt und beschäftigt sich z.B. mit der Organisationsform, der
Konfiguration des Projektteams sowie der Einbindung von Entscheidungs- und
Kontrollinstanzen.
Im deutschen Sprachraum wird häufig zwischen einem operativen
und einem strategischen Projektmanagement unterschieden (vgl. Schelle,
Heinz 2002). Im Zentrum des operativen
Projektmanagements steht die Aufgabe, das projektbezogene Zielsystem (Termin,
Kosten, Funktion und Qualität, Zufriedenheit der Projektstakeholder) durch
geeignete Methoden und Techniken adäquat zu realisieren. Bezugspunkt des strategischen Projektmanagements ist die
Auswahl der „ richtigen “ Projekte, d.h. der Vorhaben mit dem voraussichtlich
größten Beitrag zur Erreichung der Organisationsziele (in der Praxis vor allem
bei größeren internen Projekten). Neben der Betrachtung von Einzelprojekten
sind auch das Management von Projektportfolios, Multiprojektorganisationen und
projektorientierten Unternehmen, die
sich in Strategien und Strukturen an einer kontinuierlichen Projektarbeit
orientieren, Gegenstände des Projektmanagements (vgl. z.B. Rickert, Dirk
1995; Lomnitz, Gero
2001; Patzak,
Gerold/Rattay, Günter 1998).
II. Phasenmodell des
Projektmanagements
Eine in der Praxis bewährte Vorgehensweise des
Projektmanagements ist die Strukturierung mit Hilfe eines Phasenmodells,
welches das Gesamtvorhaben in am Lebenszyklus des Projekts orientierte
Abschnitte gliedert, die zeitlich sequenziell oder parallel zu bearbeiten sind
(vgl. Abb. 1).
Abb. 1: Phasenmodell des Projektmanagements
1. Projektdefinition
Ausgehend von einer Projektinitiative ist das vorrangige Ziel
dieser konzeptionellen Phase die Entwicklung eines konkreten Projektauftrags
sowie die Bestimmung von Projektorganisation, Projektleiter und -mitarbeitern.
-
Projektgründung:
Analyse der Projektentstehung (Initiierung, Anlass) und des Projektumfelds
(Situationsanalyse, Stakeholderanalyse), Konzeptbewertung (Überprüfung der
Vereinbarkeit mit den strategischen Unternehmenszielen);
-
Zielfindung und
-definition: Klärung der Projektidee, Analyse der Ist-Situation
(Stärken-Schwächen) und der Einflussfaktoren, Festlegung der erforderlichen
Bestandteile und Eigenschaften des Projektergebnisses (Ergebnisziele,
Anforderungskatalog), Definition von Verfahrens- oder Prozesszielen,
Bewertung und Priorisierung der Ziele, ggf. Bestimmung von
Änderungsverfahren;
-
Grobplanung:
Festlegung des Leistungsumfangs des Projekts, Zerlegung des Gesamtprojekts in
Teilprojekte und Aufgabenpakete, Analyse des geplanten Projektablaufs
(Projektphasen, Meilensteine), Überlegungen zur zeitlichen, kostenmäßigen und
organisatorischen Abgrenzung des Projekts;
-
Machbarkeits-
und Risikoanalyse: Analyse und Bewertung der spezifischen Erfolgsfaktoren
(z.B. vorhandenes Know-how, Erfahrung im Projektmanagement, Beziehungen zum
Projektumfeld) und der potenziellen Risiken (Art der Risiken,
Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens, potenzielle Schadenshöhe etc.),
Wirtschaftlichkeitsanalysen und Rentabilitätsrechnungen;
-
Beantragung,
Prüfung, Beauftragung: Zusammenfassung der Ergebnisse der
Projektdefinition, Prüfung und Genehmigung (evtl. unter Einbeziehung der
Fachabteilungen, des Qualitätsmanagements und des Controllings), offizielle
Beauftragung und Ernennung des Projektleiters.
Den formellen Abschluss
der Projektdefinitionsphase bilden zwei wichtige Dokumente, das Lastenheft
(Projektauftrag) und das Pflichtenheft. Das Lastenheft beschreibt nach DIN
69905 die „ Gesamtheit der Anforderungen des Auftraggebers an die Lieferungen
und Leistungen eines Auftragnehmers “ und damit Inhalt und Zweck des Projekts.
Dagegen enthält das Pflichtenheft die „ vom Auftragnehmer erarbeiteten
Realisierungsvorgaben aufgrund der Umsetzung des Lastenheftes “ (DIN 69905) und
legt fest, wie die Forderungen zu verwirklichen sind.
2. Projektplanung
Der genehmigte Projektauftrag und die Festlegung der
Projektorganisation sind Auslöser für die zweite Hauptphase des
Projektmanagements:
-
Strukturplanung:
inhaltliche, aufgabenmäßige und kaufmännische Strukturierung des Projekts
anhand des Anforderungskatalogs; zentrales Instrument hierfür ist der
Projektstrukturplan (PSP);
-
Aufwandsschätzung:
Ermittlung von voraussichtlichem Zeit- und Kostenaufwand anhand von Erfahrungswerten,
Expertenbefragungen bzw. dem Einsatz von Aufwandsschätzverfahren;
-
Termin- und
Ablaufplanung: Festlegung der Anordnungen der einzelnen Arbeitspakete
bzw. Teilaufgaben. Für die Ablaufplanung (Bestimmung der logischen und
zeitlichen Anordnung und Vernetzung der Aufgabenelemente) sowie die Fristen-
und Terminplanung gibt es je nach Informationsbedarf verschiedene
Darstellungsformen (Terminliste, Balkenplan, Netzplan);
-
Einsatzmittelplanung:
Bestimmung des erforderlichen Bedarfs an Personal sowie Betriebs- und
Sachmitteln im Zeitablauf und unter Zuordnung zu den Arbeitspaketen
(Bedarfsfeststellung je Engpassressource, Analyse der Verfügbarkeit dieser
Ressourcen und Einsatzmitteloptimierung hinsichtlich der gegebenen
Verfügbarkeiten);
-
Kostenplanung:
Ermittlung der Kostensätze für die erforderlichen Leistungen und Ressourcen
auf Basis einer klaren Gliederung der Kostenarten und -elemente (globale oder
analytische Schätzverfahren). Ziel ist neben der Bestimmung des
Produktpreises bzw. des benötigten Projektbudgets die Ermittlung von
Plankosten als Grundlage für das Projektcontrolling;
-
Erstellung der
Projektpläne: Zusammenfassung und Abstimmung der Ergebnisse der
Planungsphase in entsprechenden Projektplänen (Organisationspläne,
Strukturierungs- und Ablaufpläne, Termin-, Aufwands- und Kostenpläne), ggf.
unter Einsatz von Projektmanagement-Softwareprogrammen.
3. Projektsteuerung
In der Phase der Projektsteuerung wird der Ist-Verlauf des
Projekts mit den Planungsvorgaben abgeglichen. Ziel ist eine zeitlich schnelle
Reaktion bei Projektstörungen (Vermeidung von Informations-, Entscheidungs-
und/oder Aktivierungsverzögerungen).
-
Projektgestaltung:
kontinuierliche Anpassung bestehender bzw. Entwicklung neuer Strukturen und
Abläufe durch die Gestaltung der Projektorganisation (z.B. Schnittstellen,
Aufgabenverteilung, Koordination) und der Projektteamarbeit (z.B. Führung von
Projektteams, Teamkultur, Problemlösungs- und Bewertungsmethoden); aktive
Gestaltung des Projektumfelds durch Projektmarketing;
-
Projektkontrolle:
frühzeitiges Erkennen von Planabweichungen und Abweichungstendenzen durch
eine begleitende Termin-, Sachfortschritts- sowie Aufwands- und
Kostenkontrolle in einem regelmäßigen Beobachtungsturnus;
-
Information und
Kommunikation: Festlegung und Steuerung von Informationsflüssen und
-inhalten; Bestimmung von Adressaten und Anlässen für Informationen sowie des
Einsatzes von Informationsmitteln und -medien; Abstimmung mit
projektbegleitenden Gremien (Planungs-, Beratungs-, Steuerungs- und
Entscheidungsgremien, vgl. z.B. Seidel,
Eberhard 1992);
-
Projektdokumentation
und -berichterstattung: Absicherung der Projektkontrolle durch eine
systematische und durchgängige Projektdokumentation, häufig mittels einer
formellen Dokumentationsordnung (Projektakte, Projekttagebuch etc.);
-
Qualitätssicherung:
projektbegleitende Qualitätssicherung (Qualitätsplanung, -lenkung und
-prüfung) sowie Maßnahmen zur Fehlerverhütung und
Zuverlässigkeitsbetrachtungen;
-
Änderungs- und
Konfigurationsmanagement: Berücksichtigung der Gründe und Wirkungen von
Änderungen sowie Verwaltung der einzelnen Konfigurationsobjekte hinsichtlich
ihrer Konsistenz in den jeweiligen Reifezuständen.
4. Projektabschluss
Die Projektabschlussphase umfasst drei Schritte: die Projekt-
oder Produktabnahme durch den Auftraggeber, die Projektabschlussanalyse mit
einer Betrachtung der Abweichungen bzgl. der Termine, Kosten, Leistungs- und
Qualitätsmerkmale und deren Ursachen sowie die Erfahrungssicherung. Vor allem
die umfassende Analyse der Ergebnisse und deren Einflussfaktoren, die
Auswertung und Dokumentation der gesammelten Erfahrungen sowie die Befragung
von Auftraggeber und Projektmitarbeitern bezüglich ihrer Zufriedenheit mit der
Projektabwicklung sind wichtige Bausteine des organisationalen Lernens und des
Aufbaus von Organisationskapital.
III. Methoden und
Techniken des Projektmanagements
Die Methoden und Techniken des Projektmanagements bilden das
Instrumentarium zur internen Planung, Steuerung und Kontrolle des Projekts.
Daneben gibt es Instrumente der Projektdokumentation, der Projektinformation
sowie der Kooperation.
1. Projektstrukturplanung
Neben der Definition und Bewertung der Projektziele ist die
Projektstrukturplanung das zentrale Element des Projektmanagements. Ziel ist
eine Reduktion von Komplexität durch die Zerlegung der Gesamtaufgabe in
überschaubare, plan-, kontrollier- und steuerbare Strukturelemente. Das
Ergebnis der Planung wird in einem Projektstrukturplan dargestellt (s. Abb. 2).
Dazu wird das Projekt stufenweise hinsichtlich der Objekte (erwartetes
Handlungsergebnis), der Teilaufgaben (zur Zielerreichung erforderliche Aufgaben
und Aktivitäten) oder der beteiligten Funktionsbereiche differenziert, wobei
meist kombinierte Darstellungsformen vorherrschen. Für die Strukturierung stehen die Zerlegungsmethode (Aufspaltung der
Projektaufgaben top down in einzelne Arbeitspakete) oder die
Zusammensetzungsmethode (Aggregation der Einzelaspekte bottom up) sowie
Mischformen zur Verfügung. Für bestimmte Projektarten, wie z.B.
Softwareentwicklung oder Organisationsprojekte, gibt es modifizierbare Standardprojektstrukturpläne.
Abb. 2: Projektstrukturplan und Arbeitspakete nach DIN 69901
2. Projektablaufplanung
Aufbauend auf der Festlegung des Projektinhalts (Menge und
Struktur der zu erledigenden Arbeitspakete) ermittelt die Projektablaufplanung
die logische und zeitliche Anordnung der Aufgaben. Zur Gestaltung von Abläufen
müssen deren zentrale Bestandteile betrachtet werden (vgl. Abb. 3).
Abb. 3: Elemente der Ablaufplanung
Je nach Informationsbedarf stehen verschiedene Planungstools
zur Verfügung, die von einem einfachen Geschwindigkeitsdiagramm
(Liste der Arbeitspakete und ihres Leistungsfortschritts) über den Balkenplan (zusätzliche Darstellung der
Start- und Endtermine) bis hin zu einem umfassenden Netzplan reichen (grafische
Darstellung der Ablaufbeziehungen zwischen Vorgängen oder Ereignissen). Nach
erfolgter Terminberechnung zeigt der Netzplan die Anfangs- und Endtermine der
Arbeitspakete, deren zeitliche Dauer sowie den „ kritischen Weg “ und die
Pufferzeiten.
3. Projektcontrolling
Das Projektcontrolling umfasst die Planung, Steuerung und
Kontrolle von Projektvorhaben. Zu den Instrumenten
zählen z.B. die Meilenstein-Trendanalyse (Soll-Ist-Vergleich), die
Projektdeckungsrechnung (Gegenüberstellung von Projektkosten und
kalkulatorischen Rückflüssen) oder die Break-even-time-Analyse (dynamisierte
Form der Projektdeckungsrechnung). Sowohl für das laufende Projektcontrolling
als auch für die Analyse abgeschlossener und die Planung neuer Projekte gibt es
eine Reihe von Kennzahlen (z.B.
Termintreue oder Anzahl von Änderungen der Leistungsspezifikation) und
Kennzahlensystemen, die vor allem für die „ Lessons learned “ -Konzepte des
Wissensmanagements von Bedeutung sind.
4. Projektrisikoanalyse
Im Rahmen einer vorausschauenden Projektrisikoanalyse erfolgt
neben den aktuellen Soll-Ist-Vergleichen die Identifizierung und Bewertung von
möglichen Zeit-, Kosten- und Leistungsabweichungen in einem
Soll-Wird-Vergleich. Zu den wichtigsten Risikoarten zählen Planungsrisiken
(z.B. unklare Zielvorgaben, unvollständiges Pflichtenheft), Umsetzungsrisiken
(z.B. ungenügende interne Absprachen, Ressourcenengpässe) und Umfeldrisiken
(z.B. technologische Änderungen, Widerstand von Stakeholdern), die durch
geeignete Maßnahmen einer Risikovorsorge zu steuern sind. In der Praxis werden
dazu umfangreiche, z.T. standardisierte Checklisten (z.B. Anlagenbau,
Softwareprojekte) verwendet.
IV. Organisatorische
Rahmenbedingungen
Die Projektorganisation umfasst nach DIN 69901 die
„ Gesamtheit der Organisationseinheiten und der aufbau- und
ablauforganisatorischen Regelungen zur Abwicklung eines bestimmten Projektes “ .
Ferner besteht sie „ aus den Bestandteilen der vorhandenen Betriebsorganisation
und ergänzenden projektspezifischen Regelungen “ .
Zur Abwicklung komplexer Vorhaben, die aufeinander
abzustimmende Einzelaktivitäten umfassen und an denen verschiedene
Fachinstanzen beteiligt sind, ist die funktionale Stab-Linienorganisation
häufig nicht ausreichend geeignet. Zur strukturellen
Eingliederung der Projektaufgaben in die Organisation lassen sich
idealtypisch drei Formen unterscheiden, die meist in Abwandlungen oder
Mischformen realisiert werden (vgl. Tab. 1 und Burghardt,
Manfred 2002; Frese, Erich
1980; Grün, Oskar
1992).
Tab. 1: Projektorganisationsstrukturen
Neben der Organisationsform bildet die Personalarbeit in Projekten einen zweiten Schwerpunkt mit folgenden
Elementen: Zusammensetzung der Projektteams, Personalbedarfsplanung und
-optimierung, Führung des Projektteams sowie projektbezogene Kommunikation und
Zusammenarbeit mit den Projektstakeholdern (Gareis,
Roland/Titscher, Stefan 1992).
Der Projektleiter
ist nach DIN 69901 für die „ Planung, Steuerung und Überwachung des Projektes
verantwortlich “ . Im Rahmen seines Handlungsspielraums trägt er damit
Verantwortung für das Erreichen des Projektziels innerhalb des Kosten- und
Terminrahmens bei Erfüllung von gefordertem Leistungsumfang und Qualität.
Daneben übernimmt er Führungs- und Organisationsaufgaben, wie Planung und
Anpassung der Projektorganisation, Steuerung der Teamprozesse, Lenkung der
Projektmitarbeiter sowie Information und Dokumentation. Empirische Befunde
bestätigen, dass vor allem das Ausmaß der Befugnisse des Projektleiters großen
Einfluss auf den gesamten Projekterfolg hat (vgl. Gemünden,
Hans Georg/Högl, Martin 2001).
Für die Auswahl der
Projektmitarbeiter sind vor allem die Kriterien zeitliche Verfügbarkeit
(Absprache bezüglich Intensität, Umfang und zeitlicher Einteilung der
Mitarbeit) und Qualifikation (Anforderungsprofile, notwendiges Training und
Weiterbildung) relevant. Häufig stößt in der Praxis die Einführung von Projektmanagement aufgrund unterschwelliger Ängste
vor einer Änderung der bisherigen Arbeitssituation (z.B. Unkenntnis, Verlust
von Privilegien, Leistungskontrolle) auf Widerstände, denen durch ein gezieltes
internes Marketing zu begegnen ist (vgl. Wahl, Rudolf
2001).
Projektstakeholder
sind alle Personen, Gruppen und Institutionen, die am Projektinput, -output
oder -ablauf interessiert sind. Dabei ist ein unterschiedliches Ausmaß der
Mitwirkung zu berücksichtigen (Informationsinteresse, Berücksichtigung bei der
Entscheidungsfindung, Mitarbeit, Mitentscheidung), welches abhängig von der
Projektart und -phase variieren kann (vgl. z.B. Patzak,
Gerold/Rattay, Günter 1998; Hansel,
Jürgen/Lomnitz, Gero 2000).
V. Perspektive
Projektmanagement ist kein isoliertes Konzept, sondern steht
gleichwertig neben anderen Organisations- und Managementkonzeptionen, wie z.B.
Change Management, Organisationsentwicklung, Prozessoptimierung,
Risikomanagement oder Qualitätsmanagement. „ Schnittstellen “
sind hierbei die Elemente Kundenorientierung (im Vordergrund steht der
Kundenbedarf und nicht das Produkt), Prozessorientierung (im Zentrum steht die
Ablaufstruktur vor der funktionsorientierten Gliederung) sowie
Systemorientierung (systematische Zerlegung und Zusammenfassung von Aufgaben
und Verantwortung) (vgl. Patzak,
Gerold/Rattay, Günter 1998, S. 15).
Neben der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den
Erscheinungsformen, Ursachen und Wirkungen von Projektmanagement sowie den
praktischen Gestaltungsempfehlungen, die den Gegenstand zahlreicher
Veröffentlichungen und Ratgeber bilden, etabliert sich bezüglich der Erfolgsfaktoren des Projektmanagements
ein empirisch-basierter Forschungsschwerpunkt (vgl. zusammenfassend Lechler,
Thomas 1997). An Bedeutung gewinnt dabei neben der Optimierung des
Methodenspektrums vor allem die Betrachtung der Softfaktoren. Dazu kommen neue Anwendungsbereiche, wie das
Multiprojektmanagement, eine Ausweitung des strategischen Projektmanagements,
Projektbenchmarkingkonzepte (z.B. das Project-Excellence-Modell der Deutschen
Gesellschaft für Projektmanagement), Projektmanagement zur Existenzgründung
etc. Zeichen für eine zunehmende Professionalisierung
der Disziplin sind die Zertifizierung von Projektmanagern sowie das
Assessment von Projektmanagementsystemen in Organisationen.
Literatur:
Burghardt, Manfred :
Projektmanagement: Leitfaden für die Planung, Überwachung und Steuerung von
Entwicklungsprojekten, 6. A., München 2002
Frese, Erich : Projektorganisation,
in: HWO, hrsg. v. Grochla, Erwin, 2. A., Stuttgart 1980, Sp. 1960 – 1974
Gareis, Roland/Titscher, Stefan :
Projektarbeit und Personalwesen, in: HWP, hrsg. v. Gaugler, Eduard/Weber,
Wolfgang, 2. A., Stuttgart 1992, Sp. 1938 – 1953
Gemünden, Hans Georg/Högl, Martin :
Teamarbeit in innovativen Projekten: Eine kritische Bestandsaufnahme der
empirischen Forschung. In: Management von Teams. Theoretische Konzepte und
empirische Befunde, 2. A., Wiesbaden 2001, S. 1 – 31
Grün, Oskar : Projektorganisation, in:
HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp. 2102 – 2116
Haberfellner, Reinhard :
Projektmanagement, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp.
2090 – 2102
Hansel, Jürgen/Lomnitz, Gero :
Projektleiter-Praxis: Erfolgreiche Projektabwicklung durch verbesserte
Kommunikation und Kooperation, 3. A., Berlin et al. 2000
Lechler, Thomas : Erfolgsfaktoren des
Projektmanagements, Frankfurt am Main 1997
Lomnitz, Gero :
Multiprojektmanagement. Projekte planen, vernetzen und steuern, Landsberg 2001
Madauss, Bernd J. : Handbuch
Projektmanagement: mit Handlungsanleitungen für Industriebetriebe, Unternehmensberater
und Behörden, 6. A., Stuttgart 2000
Patzak, Gerold/Rattay, Günter :
Projekt-Management: Leitfaden zum Management von Projekten, Projektportfolios
und projektorientierten Unternehmen, 3. A., Wien 1998
Rationalisierungs-Kuratorium der
Deutschen Wirtschaft e.V./ Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., :
Projektmanagement-Fachmann, Band I und II, 4. A., Eschborn 1998
Rickert, Dirk :
Multi-Projektmanagement in der industriellen Forschung und Entwicklung,
Landsberg 1995
Schelle, Heinz : Operatives
Projektmanagement/ Strategisches Projektmanagement, in: Gabler Lexikon
Technologiemanagement, hrsg. v. Specht, Dieter/Möhrle, Martin, Wiesbaden 2002,
S. 265 – 270
Schelle, Heinz : Projekte zum Erfolg
führen, 3. A., München 2001
Schelle, Heinz : Loseblattsammlung
„ Projekte erfolgreich managen “ , 3. A., Köln 1994 ff
Seidel, Eberhard :
Gremienorganisation, in: HWO, hrsg. v. Frese, Erich, 3. A., Stuttgart 1992, Sp.
714 – 724
Wahl, Rudolf : Akzeptanzprobleme bei
der Implementierung von Projektmanagementkonzepten in der Praxis, Frankfurt am
Main et al. 2001
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