Inhaltsübersicht
I. Begriff
II. Formen
des Kostenmanagements
III. Aufgaben
des Kostenmanagements
IV. Objekte
des Kostenmanagements
V. Instrumente
des Kostenmanagements
VI. Organisation
des Kostenmanagements
I. Begriff
Kostenmanagement bedeutet die bewusste Beeinflussung der
Kosten mit dem Ziel, die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens zu erhöhen. Es
stellt insofern eine konsequente Verfolgung des ökonomischen Prinzips dar und
dient der Erreichung unternehmerischer Oberziele, wie z.B. der Gewinnerzielung
oder der Steigerung des Unternehmenswerts. Dies impliziert, dass zum einen
sämtliche Aktivitäten zu vermeiden sind, die keinen Kundennutzen stiften und
daher vom Kunden nicht über den Preis vergütet werden (nicht wertschöpfende
Aktivitäten), und zum anderen, dass alle wertschöpfenden Aktivitäten so
durchgeführt werden, dass bei gleicher Leistung die kostengünstigste
Alternative gewählt wird (vgl. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter 2002, S. 7).
Im Gegensatz zur Kostenrechnung, die Informationen über die
Kostensituation eines Unternehmens bereitstellt, geht es beim Kostenmanagement
um die Verwendung dieser Informationen zur Anregung und Fundierung von
Entscheidungen über kostenbeeinflussende Maßnahmen (vgl. Kajüter,
Peter 2000, S. 12 f.). Neben Informationen aus der Kostenrechnung
wird beim Kostenmanagement auch auf andere interne oder externe Daten
zurückgegriffen (z.B. Durchlaufzeiten, Kostenbenchmarks von Wettbewerbern).
II. Formen des
Kostenmanagements
Kostenmanagement stellt in der Praxis häufig eine Reaktion
auf eine (drohende) Verfehlung der Gewinnziele dar. Eine solche Situation kann
durch nicht vorhersehbare Ereignisse bedingt sein, wie z.B. einen Anstieg der
Rohstoffpreise oder einen konjunkturellen Nachfragerückgang, aber auch durch
Versäumnisse in der Vergangenheit, wie z.B. eine nicht rechtzeitige Anpassung
an eine überlegene Kostenposition des Wettbewerbs. Der dann entstehende akute
Zwang, Maßnahmen zur Ergebnisverbesserung zu ergreifen, verleitet oftmals zu
einem undifferenzierten Vorgehen, das sich in pauschalen Budgetkürzungen, der
Streichung bzw. Verschiebung von Projekten oder einem generellen
Einstellungsstopp manifestiert (vgl. Kajüter,
Peter 2000, S. 3 f.; Fischer,
Thomas 2002, Sp. 1090 f.). Ein solches reaktives Kostenmanagement erweist sich i.d.R. als nicht
nachhaltig, da die eigentlichen Ursachen der Kostenprobleme nicht beseitigt
werden und die Maßnahmen auf wenig Akzeptanz bei den Mitarbeitern stoßen.
Kritisch ist ferner, dass meist auch solche Kosten im Fokus der Einsparungen
stehen, die dem Aufbau von künftigen Erfolgspotenzialen dienen (z.B. Kosten für
Weiterbildung, Marketing, Forschung & Entwicklung).
Aufgrund dieser Nachteile erscheint ein reaktives
Kostenmanagement nur als Notlösung in Krisensituationen geeignet. Zur
nachhaltigen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit ist es zweckmäßiger, die
Notwendigkeit zum Kostenmanagement, soweit möglich, durch sorgfältige Umwelt-
und insbesondere Wettbewerbsanalysen frühzeitig aufzuzeigen und entsprechende
Maßnahmen einzuleiten. Ein solches proaktives
Kostenmanagement ist der reaktiven Kostenbeeinflussung sowohl bei einer
Strategie der Kostenführerschaft überlegen, um eine im Vergleich zum Wettbewerb
bessere Kostenposition zu erzielen bzw. auszubauen, als auch im Rahmen einer
Differenzierungsstrategie, um die Kosten der Produktdifferenzierung zu beeinflussen.
Ein proaktives Kostenmanagement zeichnet sich durch folgende Merkmale aus (vgl.
Kajüter,
Peter 2000, S. 14 ff.):
-
Marktorientierung:
Berücksichtigung der Kundenanforderungen und des Wettbewerbsverhaltens;
-
Ganzheitlichkeit:
Einbeziehung der gesamten Wertschöpfungskette und aller Phasen des
Produktlebenszyklus;
-
Antizipation:
frühzeitige Einflussnahme auf die künftige Kostensituation;
-
Kontinuität:
permanente Kostenbeeinflussung mit dem Ziel der kontinuierlichen Verbesserung
der Kostensituation;
-
Partizipation:
Einbeziehung von Mitarbeitern aller Hierarchieebenen;
-
Interdisziplinarität:
funktionsbereichsübergreifende Ausrichtung.
Diese sechs Merkmale determinieren die inhaltliche
Ausgestaltung der verschiedenen Gestaltungsparameter eines proaktiven
Kostenmanagements. Hierbei können mit den Aufgaben, Objekten, Instrumenten und
der Organisation des Kostenmanagements vier Gestaltungsbereiche differenziert
werden (vgl. Kajüter,
Peter 2000, S. 57 ff.).
III. Aufgaben des
Kostenmanagements
Kostenmanagement umfasst die Kostenplanung, -steuerung und
-kontrolle. Den Kern dieses Aufgabenbündels bildet die Kostensteuerung
(Kostenmanagement i.e.S.). Dazu gehören insbesondere die Teilaufgaben der Kostenanalyse
sowie der Formulierung und Implementierung von kostenbeeinflussenden Maßnahmen.
Gegenstand der Kostenanalyse sind die Kostensituation und die
sie determinierenden Kostentreiber. Erstere lässt sich durch das Kostenniveau
(absolute Höhe der Kosten), die Kostenstruktur (Zusammensetzung der Kosten nach
verschiedenen Kategorien) und den Kostenverlauf (Kostenverhalten in
Abhängigkeit von einem Kostentreiber) charakterisieren. Diese drei Merkmale der
Kostensituation sind nicht unabhängig voneinander. Vielmehr beeinflusst die
Kostenstruktur auch den Kostenverlauf, beide gemeinsam wirken auf das
Kostenniveau. Die Analyse der Kostensituation zielt darauf ab,
Kostenschwerpunkte zu erkennen und Möglichkeiten für kostenbeeinflussende
Maßnahmen zu identifizieren. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst das eigene
Unternehmen, wofür vor allem auf die Daten der Kostenrechnung zurückgegriffen
werden kann. Darüber hinaus bietet es sich an, auch Partner in der
Wertschöpfungskette (Open-Book Accounting) sowie Wettbewerber und sog.
Best-Practice-Unternehmen (Benchmarking) in die Betrachtung einzubeziehen (vgl.
Homburg, Christian/Richter,
Markus 2002; Kajüter,
Peter/Kulmala, Harri 2005).
Da ein nachhaltig wirkendes Kostenmanagement nur dann zu
gewährleisten ist, wenn die kostenbeeinflussenden Maßnahmen an den Ursachen der
Kostenentstehung ansetzen, bedarf es weiterhin einer Analyse der Kostentreiber
(Kosteneinflussgrößen). Die relevanten Kostentreiber zu erkennen und in ihrer Wirkungsweise
zu beurteilen, erweist sich in der Praxis aufgrund der vielfältigen
Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge im Kostengefüge von Unternehmen als eine
komplexe Aufgabe. Orientierung bietet hierbei eine Systematisierung von
Kostentreibern in drei Gruppen, die unterschiedlich gut erforscht sind.
Operative Kostentreiber erklären kurzfristige Kostenabhängigkeiten und beziehen
sich insbesondere auf den Produktionsbereich von Industrieunternehmen (z.B.
Beschäftigung). Taktische Kostentreiber (z.B. Anzahl der Beschaffungsvorgänge)
fokussieren Dienstleistungsbereiche und erklären aufgrund der dort
überwiegenden Fixkosten eher mittelfristige Kostenzusammenhänge. Im Gegensatz
zu den operativen Kostentreibern existieren für sie keine geschlossenen
Kostentreibersysteme. Dies gilt ebenso für die dritte Gruppe der strategischen
Kostentreiber (z.B. Produktkomplexität, Lerneffekte). Diese sind an der
gesamten Wertschöpfungskette orientiert und beschreiben langfristige
Kostenabhängigkeiten (vgl. Porter,
Michael 2000; Shank, John
K. 1989, S. 55 ff.). Ihnen kommt eine besondere Bedeutung zu, da sie
auch auf die operativen und taktischen Kostentreiber einwirken und damit die
Kostensituation grundlegend und periodenübergreifend beeinflussen (vgl. Brokemper,
Andreas 1998).
Aufbauend auf der Kostenanalyse führt die Maßnahmenformulierung im Ergebnis zur
Verabschiedung eines mehr oder weniger umfangreichen Maßnahmenpakets. Dazu sind
zunächst Maßnahmen zu erarbeiten, was fallweise im Rahmen spezieller
Kostenmanagementprojekte und fortlaufend durch kontinuierliche Verbesserungen
erfolgen kann. Sofern alternative Maßnahmen existieren, müssen diese anhand von
Kriterien (wie z.B. Wirtschaftlichkeit und Durchsetzbarkeit) bewertet werden.
Die Maßnahmenimplementierung umfasst
schließlich Aufgaben, die die operative Umsetzung der ausgewählten Maßnahmen
sicherstellen. Hierzu gehört zum einen eine systematische Maßnahmenverfolgung,
die vor allem bei umfassenden Maßnahmenprogrammen bedeutsam ist, um ein
Versanden der Einzelaktionen zu vermeiden. Zum anderen ist die Akzeptanz für
die geplanten Maßnahmen bei den betroffenen Mitarbeitern zu fördern, um
möglichen Widerständen entgegenzuwirken. Widerstände sind insbesondere bei
weitreichenden Veränderungen im Unternehmen zu erwarten. Ihnen kann mit den
sog. Akzeptanzfaktoren begegnet werden: rechtzeitige Information der
Betroffenen, falls notwendig Qualifikation für die neuen Anforderungen,
Motivation durch Anreize, Einsatz von Führungskräften als Promotoren, welche
die Implementierung aktiv fördern.
IV. Objekte des
Kostenmanagements
Maßnahmen des Kostenmanagements können auf Ressourcen,
Prozesse und Produkte abzielen. Diese drei Objekte beschreiben in allgemeiner
Form den Wertschöpfungsprozess im Unternehmen. Zusammen mit den Lieferanten und
den Kunden bilden sie ein generisches Geschäftsmodell, das unabhängig von Branchenspezifika
drei zentrale Ansatzpunkte für kostenbeeinflussende Maßnahmen aufzeigt (vgl.
Abb. 1). Diese können im Einzelfall gleichwohl unterschiedlich bedeutsam sein.
Da Kosten definitionsgemäß den bewerteten, leistungsbezogenen
Ressourcenverbrauch in einer Periode darstellen, hat Kostenmanagement stets
Rückwirkungen auf die Ressourcen. Neben unmittelbar ressourcenbezogenen
Maßnahmen (z.B. Personalabbau) bestehen jedoch mit den Prozessen und Produkten
zwei weitere Handlungsbereiche, mit denen indirekt auf den Ressourcenverzehr
eingewirkt werden kann. Prozess- und produktbezogene Maßnahmen sind aber i.d.R.
nur mittel- oder langfristig umsetzbar, weshalb sie im Rahmen eines reaktiven
Kostenmanagements meist vernachlässigt werden.
Abb. 1: Ansatzpunkte zum Kostenmanagement im generischen
Geschäftsmodell
1. Produkte
Von grundlegender Bedeutung für das produktorientierte Kostenmanagement ist die Erkenntnis, dass ca.
70 – 80% der Herstellkosten von Produkten während ihrer Entwicklung festgelegt
werden. Da das Kostenbeeinflussungspotenzial
in dieser Phase des Produktlebenszyklus am größten ist, müssen die Bemühungen
des produktorientierten Kostenmanagements auf die Produktentstehung fokussiert
werden. Dabei gilt es, unter Berücksichtigung der Kundenanforderungen die
Produkte so zu gestalten, dass in den späteren Phasen der Herstellung,
Vermarktung und ggf. Entsorgung der Kostenanfall möglichst gering ist. Eine
ganzheitliche, lebenszyklusbezogene Betrachtungsweise ermöglicht es, die
zwischen diesen Phasen bestehenden Interdependenzen für das Kostenmanagement zu
nutzen. So kann es u.U. vorteilhaft sein, höhere Entwicklungskosten zu
akzeptieren, wenn dadurch die Herstellkosten überproportional gesenkt werden
können.
Vor diesem Hintergrund sind drei produktbezogene Maßnahmenkategorien
von besonderer Bedeutung (vgl. Kajüter,
Peter 2000, S. 146 ff.):
-
Marktgerechte
Produktgestaltung: (Zu) hohe Kosten sind oftmals darin begründet, dass
Produkte Funktionen enthalten, die dem Kunden keinen oder nur geringen Nutzen
stiften und daher ohne Erlöseinbußen eliminiert werden können. Die Existenz
solcher Produktfunktionen ist i.d.R. auf eine übertriebene Technik- und
mangelnde Kundenorientierung zurückzuführen (Overengineering). Ihre
Identifikation erfordert eine Analyse der Kundenanforderungen, für die
Methoden der Marktforschung herangezogen werden können (z.B. Conjoint
Measurement).
-
Fertigungs- und
montagegerechte Produktgestaltung: Der Gesamtaufbau des Produktes sowie
dessen Einzelteile und Baugruppen sind so zu konstruieren, dass die Fertigung
und Montage mit einem möglichst geringen Aufwand an Zeit, Flächenbedarf und
Betriebsmitteln möglich ist.
-
Komplexitätsgerechte
Produktgestaltung: Die Vielzahl unterschiedlicher Teile, die in ein
Produkt eingehen (Teilevielfalt), und das Angebot einer Vielzahl
unterschiedlicher Produktvarianten (Variantenvielfalt) wirken komplexitäts-
und damit kostentreibend. Dem strategischen Kostentreiber Komplexität ist
daher durch geeignete Maßnahmen des Komplexitätsmanagements, wie z.B. eine
stärkere Standardisierung oder die Eliminierung wenig nachgefragter
Produktvarianten, zu begegnen (vgl. Rosenberg,
Otto 2002).
2. Prozesse
Unter Prozessen werden sachlogisch miteinander verbundene Aktivitäten verstanden, die zu einem
definierbaren Arbeitsergebnis führen. Die Aktivitäten werden in den einzelnen
Abteilungen bzw. Kostenstellen durchgeführt. Für diese Verantwortungsbereiche
werden im Rahmen der Budgetierung Kostenbudgets geplant, deren Einhaltung anschließend
kontrolliert wird. Im Fertigungsbereich finden dazu kostenstellenbezogen
Soll-Ist-Vergleiche für einzelne Kostenarten statt, um Unwirtschaftlichkeiten
aufzudecken. Das mit einem solchen bereichsorientierten
Kostenmanagement einhergehende Potenzial zur Kostenbeeinflussung ist jedoch
eher gering, da bestehende Strukturen kaum hinterfragt und
bereichsübergreifende Abläufe nicht optimiert werden (vgl. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter 2002, S. 8 f.). Deshalb wird einem prozessorientierten Kostenmanagement,
bei dem die Prozessabläufe im Mittelpunkt stehen, heute i.d.R. ein höherer
Stellenwert beigemessen, obgleich bereichsbezogene Maßnahmen nach wie vor
regelmäßiger Bestandteil von Kostensenkungsprogrammen sind.
Prozessabläufe, die sich über mehrere Kostenstellen hinweg
erstrecken (z.B. Abwicklung eines Kundenauftrages, Beschaffung von Material),
entwickeln sich im Laufe der Zeit und können bei veränderten Rahmenbedingungen
unwirtschaftlich werden. Vor allem neue Technologien, wie z.B. das Internet,
eröffnen immer wieder neue Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten.
Dies kann durch die permanente, inkrementale Optimierung bestehender Prozesse
(kontinuierliche Prozessverbesserung) oder durch eine in unregelmäßigen
Zeitabständen durchgeführte grundlegende Neugestaltung von Prozessen
(Prozessreorganisation, Process Reengineering) erfolgen. Aus einer systematischen
Prozessanalyse, die eine Identifikation, Visualisierung und Bewertung von
Prozessen umfasst, ergeben sich oft konkrete Maßnahmen zur Prozessoptimierung.
Diese lassen sich drei Maßnahmenkategorien zuordnen:
-
Bereinigung von nicht wertschöpfenden Aktivitäten,
-
Änderung des Prozessablaufs,
-
Verlagerung von Aktivitäten und Prozessen innerhalb
der unternehmensübergreifenden Wertschöpfungskette.
Im Rahmen des prozessorientierten Kostenmanagements bietet
die Optimierung von unternehmensübergreifenden
Prozessen entlang der Wertschöpfungskette die Chance, Einsparungen zu
realisieren, die sich einem einzelnen Unternehmen nicht eröffnen (vgl. Cooper,
Robin/Slagmulder, Regine 1999; Kajüter,
Peter 2002, S. 262 f.). Gegenstand der unternehmensübergreifenden
Prozessoptimierung sind insbesondere die Schnittstellen von miteinander
verknüpften unternehmensinternen Prozessen (z.B. Ausgangslogistik des
Lieferanten und Eingangslogistik des Abnehmers). Weitere Möglichkeiten zum
unternehmensübergreifenden Kostenmanagement ergeben sich aus der Zusammenlegung
von Prozessen im Rahmen von Fusionen und Akquisitionen von Unternehmen
derselben Wertschöpfungsstufe (Realisierung von Synergien).
3. Ressourcen
Kosten entstehen durch den Verbrauch bzw. die Nutzung von
Ressourcen im Rahmen der Leistungserstellung, wobei die Höhe der Kosten sowohl
von dem Preis als auch der Menge der eingesetzten Ressourcen abhängt.
Grundsätzlich eröffnen beide Einflussgrößen Ansatzpunkte für Maßnahmen des
ressourcenorientierten Kostenmanagements; in einigen Fällen sind die Preise
jedoch aufgrund gesetzlicher oder vertraglicher Bestimmungen nicht oder nur
begrenzt beeinflussbar (z.B. bei Tarifbindung), sodass sich der Gestaltungsspielraum
auf die Mengenkomponente beschränkt (z.B. Personalabbau).
Mögliche Schwerpunkte für das ressourcenorientierte
Kostenmanagement lassen sich aus einer Analyse der Kostenstruktur ableiten.
Meist zeigt sich dabei, dass die Material-
und die Personalkosten die wertmäßig
bedeutsamsten Kostenarten darstellen. Aus diesem Grunde kommt Maßnahmen des
Material- und Personalmanagements eine zentrale Bedeutung zu. Beispiele hierfür
sind das Single und Global Sourcing bzw. flexible Arbeitszeitmodelle, interne
Zeitarbeitsfirmen und befristete Beschäftigungsverhältnisse (vgl. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter 2002, S. 24 ff.).
Durch Maßnahmen des ressourcenorientierten Kostenmanagements
kann neben dem Kostenniveau auch die Kostenstruktur beeinflusst werden,
insbesondere das Verhältnis von fixen zu variablen Kosten. Fixkosten bieten bei
hoher Kapazitätsauslastung zwar die Chance, Stückkostendegressionseffekte zu
erzielen, induzieren bei rückläufiger Beschäftigung aber das Problem der
Kostenremanenz, da Verträge i.d.R. nicht jederzeit kündbar und
Eigentumspotenziale nicht jederzeit veräußerbar sind. Einem systematischen
Fixkostenmanagement kommt daher vor allem in fixkostenintensiven, dynamischen
Branchen hohe Bedeutung zu (vgl. Funke,
Stephan 1995).
V. Instrumente des
Kostenmanagements
Kostenmanagement-Instrumente dienen dazu, Entscheidungen über
kostenbeeinflussende Maßnahmen anzuregen und zu unterstützen. Zudem spielen sie
eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Verhaltens von Mitarbeitern. Die
Entscheidungsunterstützungs- und Verhaltenssteuerungsfunktion werden dadurch
erfüllt, dass die Kostenmanagement-Instrumente entweder Kosteninformationen
bereitstellen oder eine bestimmte Vorgehensweise strukturieren.
Das Spektrum der zumeist in der Praxis entwickelten
Kostenmanagement-Instrumente hat sich im Laufe der Zeit stetig erweitert und
manifestiert die gestiegenen Anforderungen an eine systematische
Kostenbeeinflussung. Bis Anfang der 1970er-Jahre waren die Kostenrechnung und
die Wertanalyse die beiden zentralen Methoden. Um Kostensenkungen in den
indirekten Bereichen zu realisieren, entstanden in den 1970er- und
1980er-Jahren das Zero-Base-Budgeting und die Gemeinkostenwertanalyse. Seit
Beginn der 1990er-Jahre haben das Target Costing, das Benchmarking, die
Prozesskostenrechnung und das Product Life Cycle Costing zunehmend Verbreitung
erlangt (vgl. zu den Instrumenten ausführlich Franz,
Klaus-Peter 1992; Franz, Klaus-Peter
1993; Kreuz, Werner
2002; Riezler,
Stephan 2002; zu empirischen Befunden vgl. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter 1997; Stoi, Roman
1999; Arnaout, Ali
2001; Kajüter,
Peter 2005). V.a. dem Target Costing wird von Anwendern eine hohe
Leistungsfähigkeit zugesprochen. Aufgrund ihres komplementären Charakters
empfiehlt sich eine kombinierte Anwendung der genannten Instrumente (vgl. Kajüter,
Peter 2005, S. 96). Dabei können auch weitere Methoden, wie z.B.
Vertragsdatenbanken, Kaizen Costing oder Verfahren der entwicklungsbegleitenden
Kalkulation, zum Einsatz kommen.
VI. Organisation des
Kostenmanagements
Um Kostenmanagement als permanente Aufgabe im Unternehmen zu
verankern, bedarf es einer Übertragung der Kostenmanagement-Aufgaben an
verschiedene Personen oder organisatorische Einheiten (Kostenmanagement-Träger; vgl. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter 2002, S. 28 f.). Im Rahmen eines funktionalen Kostenmanagements nehmen
diese die Kostenmanagement-Aufgaben zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben im
Wertschöpfungsprozess wahr (z.B. Konstrukteure analysieren die Kostenwirkungen
eines Prototyps). Hierdurch können Kostensenkungspotenziale i.d.R. unmittelbar
erkannt und ausgeschöpft werden. Da aber andererseits die Gefahr besteht, dass
dem Kostenmanagement aufgrund anderer Prioritäten, fehlendem Know-how,
divergierender persönlicher Interessen oder mangelnder Entscheidungskompetenz
(z.B. bei bereichsübergreifender Prozessoptimierung) nicht immer die
erforderliche Aufmerksamkeit zukommt, bietet es sich an, (einzelne) Aufgaben
des Kostenmanagements speziell dafür eingerichteten organisatorischen Einheiten
zu übertragen (institutionales
Kostenmanagement). Hierfür eignen sich vor allem Teamstrukturen.
Aus der arbeitsteiligen Aufgabenerfüllung resultiert
Abstimmungsbedarf, dem durch geeignete Koordinationsmechanismen Rechnung zu
tragen ist (Kostenmanagement-Koordination).
Beispiele dafür sind personenorientierte (z.B. persönliche Weisungen,
Selbstabstimmung), strukturelle (z.B. Lenkungsausschüsse) und technokratische
Koordinationsmechanismen (z.B. Handbücher, Checklisten), die i.d.R. kombiniert
eingesetzt werden.
Literatur:
Arnaout, Ali : Target Costing in der
deutschen Unternehmenspraxis, München 2001
Brokemper, Andreas :
Strategieorientiertes Kostenmanagement, München 1998
Cooper, Robin/Slagmulder, Regine :
Interorganizational Cost Management, Portland 1999
Fischer, Thomas M. : Kosten- und
Erlösmanagement, in: Handwörterbuch Unternehmensrechnung und Controlling, hrsg.
v. Küpper, Hans-Ulrich/Wagenhofer, Alfred, 4. A., Stuttgart 2002, Sp. 1089 – 1098
Franz, Klaus-Peter : Die
Prozeßkostenrechnung, in: Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Jg. 21, 1992,
S. 605 – 610
Franz, Klaus-Peter : Target Costing.
Konzept und kritische Bereiche, in: Controlling, Jg. 5, 1993, S. 124 – 130
Franz, Klaus-Peter/Kajüter, Peter :
Kostenmanagement in Deutschland, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, Stuttgart 1997, S. 481 – 502
Franz, Klaus-Peter/Kajüter, Peter :
Proaktives Kostenmanagement, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, 2. A., Stuttgart 2002, S. 3 – 32
Funke, Stephan : Fixkosten und
Beschäftigungsrisiko, München 1995
Homburg, Christian/Richter, Markus :
Die Analyse von Kostenproblemen, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, 2. A., Stuttgart 2002, S. 59 – 76
Kajüter, Peter : Proaktives
Kostenmanagement, Wiesbaden 2000
Kajüter, Peter :
Prozesskostenmanagement, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, 2. A., Stuttgart 2002, S. 249 – 278
Kajüter, Peter : Kostenmanagement in
der deutschen Unternehmenspraxis, in: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche
Forschung, Jg. 57, 2005, S. 79 – 100
Kajüter, Peter/Kulmala, Harri I. :
Open-Book Accounting in Networks, in: Management Accounting Research, Jg. 16,
2005, S. 179 – 204
Kreuz, Werner : Kosten-Benchmarking.
Konzept und Praxisbeispiel, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, 2. A., Stuttgart 2002, S. 91 – 103
Porter, Michael :
Wettbewerbsvorteile, 6. A., Frankfurt et al. 2000
Riezler, Stephan :
Produktlebenszykluskostenmanagement, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, 2. A., Stuttgart 2002, S. 207 – 223
Rosenberg, Otto : Kostensenkung
durch Komplexitätsmanagement, in: Kostenmanagement, hrsg. v. Franz,
Klaus-Peter/Kajüter, Peter, 2. A., Stuttgart 2002, S. 225 – 246
Shank, John K. : Strategic Cost
Management. New Wine, or Just New Bottles?, in: Journal of Management
Accounting Research, Jg. 1, 1989, S. 47 – 65
Stoi, Roman : Prozessorientiertes Kostenmanagement
in der deutschen Unternehmenspraxis, München 1999
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