Inhaltsübersicht
I. Zum
Begriff des Prozesskostenmanagements
II. Management
von Prozesskosten in methodischer Sicht
III. Kostenmanagement
betrieblicher Prozesse in inhaltlicher Sicht
IV. Prozesskostenmanagement
über die Produkt- und Prozessgestaltung
V. Entwicklungen
im Prozesskostenmanagement
I. Zum Begriff des
Prozesskostenmanagements
Der Begriff des Prozesskostenmanagements kann in zweierlei
Weise interpretiert werden. Zum einen versteht man darunter das Management von
Prozesskosten, wie sie als Element der Prozesskostenrechnung
auftreten. Zum anderen geht es um das Kostenmanagement bestimmter, klar zu
definierender betrieblicher Prozesse. Dass sich die beiden Auffassungen im
Allgemeinen unterscheiden, liegt im unterdessen gewandelten Verständnis der
Prozesskostenrechnung. Die dort als besondere Rechenpositionen analysierten und
zugerechneten Kostenbeträge heißen Prozesskosten,
und zwar unabhängig davon, um welche inhaltlichen Bereiche es sich handelt.
Die zweite Interpretation von Prozesskostenmanagement greift
nicht auf die methodisch festgelegten Größen einer Prozesskostenrechnung
zurück, sondern stellt das Kostenmanagement speziell interessierender
betrieblicher Prozesse in den
Vordergrund, so etwa unmittelbar wertschöpfende (Primär-)Prozesse gegenüber
unterstützenden (Sekundärleistungs-)Prozessen.
II. Management von
Prozesskosten in methodischer Sicht
Für die üblichen Anwendungsformen der Prozesskostenrechnung
(vgl. z.B. Mayer, R.
1998; Kaplan,
R.S./Cooper, R. 1999) sind die folgenden Verfahrensschritte
kennzeichnend:
-
Im betrachteten Bereich unterscheidet man abgrenzbare
Prozesse, für die Kosten entstehen.
-
Man definiert Cost-Driver.
Dies sind Bezugsgrößen, von denen die Häufigkeit der Prozesse abhängt oder
mit denen sie zumindest hinreichend verlässlich korreliert ist. Dabei gilt es
als Standardfall, dass mehrere Cost-Driver gleichzeitig wirken, und zwar additiv.
Vorteilhaft ist, für mehrere Prozesse die gleichen Cost-Driver zu verwenden.
-
Kernhypothese der Prozesskostenrechnung ist, für jeden
Cost-Driver eine Cost-Driver-Rate
als Kostenveränderung pro Einheit angeben zu können. Dazu ermittelt man
zweckmäßig für alle Prozesse, die der Cost-Driver mitbestimmt,
Cost-Driver-Teilraten, die dann summiert werden.
-
Dies erlaubt einfache Kostenprognosen über die
Ausprägungen der einzelnen Cost-Driver.
Die betont prozessbezogene Interpretation erlaubt es, den
Ansatz unmittelbar zum Prozesskostenmanagement heranzuziehen (vgl. Kloock, J.
1995). Zunächst machen die Cost-Driver-Raten augenfällig, welche
Zusatzkosten mit den jeweiligen Cost-Drivern verbunden sind. Damit sind sie als
Steuerungsgrößen für Prozessdispositionen zu verwenden. Deutlich wird dies vor
allem an typischen Beispielen für Cost-Driver wie: Anzahl der Produktvarianten,
Anzahl der Sonderanfertigungsteile, Anzahl verwendeter Farben, zugesagte
Ausschusshöchstquote eines Kundenauftrags. Eine Steuerungswirkung wird desto
besser erreicht, je eher die Cost-Driver tatsächlich disponible Größen gegenüber
unbeeinflussbaren Umweltvariablen sind.
Ein zweiter Ansatzpunkt der Prozesskostenrechnung für ein
steuerndes Prozesskostenmanagement rührt aus der „ inneren “ Zusammensetzung der
Cost-Driver her. Insbesondere können die in die Berechnung der Cost-Driver-Rate
eingehenden Prozesshäufigkeiten
problematisiert werden.
III. Kostenmanagement
betrieblicher Prozesse in inhaltlicher Sicht
1. Der
Prozess als Objekt des Kostenmanagements
Löst man sich von der engeren Interpretation innerhalb der
Prozesskostenrechnung, kann Prozesskostenmanagement allgemeiner definiert
werden. Zunächst erfasst der Begriff Prozess
recht Unterschiedliches (vgl. Bea,
F.X./Schnaitmann, H. 1995; Schwerdtle,
H. 1999, S. 98). Ein Produkt-Stückprozess
umfasst die Abfolge aller Bearbeitungsgänge, die zur Herstellung einer
Mengeneinheit eines bestimmten Produkts erforderlich sind. Ein Auftragsprozess
erstreckt sich auf alle Schritte vom Eingang des Auftrags bis zu seinem Abschluss.
Dazu gehören auch diverse Dienstleistungen beim Kunden, wie Installationen,
Einweisungen, Reparaturen und Aktualisierungen. Stehen Informationsbeziehungen
im Vordergrund der Prozessbetrachtung, spricht man häufig auch von
Geschäftsprozessen, ohne dass sie damit klassifikatorisch eindeutig zu anderen
Prozessen abgegrenzt wären.
Schließlich sind auch die bei feinerer Untergliederung eines
Gesamtprozesses hervortretenden Arbeitsgänge selbst wieder Prozesse.
Gleichzeitig sind sie jedoch auch die Teilelemente von betrieblichen Funktionen
(vgl. Abb. 1). So ist der Ausdruck „ Prozessorientierung “ mehrdeutig. Jedes
Management von Prozessen bedeutet letztlich immer Management des gesamten
betrachteten betrieblichen Bereichs.
Abb. 1: Zusammenhang unterschiedlicher Typen betrieblicher
Prozesse
Die unter Betonung des Prozessaspekts diskutierten Ansätze
zielen allerdings nicht auf beliebige Prozesse ab, sondern speziell auf die objektbezogenen, insbesondere die
kunden- bzw. marktbezogenen (vgl. Gaitanides,
M./Scholz, R./Vrohlings, A. 1994; Picot,
A./Franck, E. 1995, S. 25). Die weitere, teils
interpretationsabhängige Zuordnung zu Kern-
oder Supportprozessen ist nicht unproblematisch, da sich gerade Supportprozesse
für Outsourcing-Überlegungen anbieten.
2. Ansatzpunkte
zum Prozesskostenmanagement
Allgemein umfasst Prozesskostenmanagement die Gesamtheit
aller Maßnahmen, mit denen die Kosten der betrachteten Prozesse gestaltet und
gesteuert werden (analog Friedl, B.
1997, S. 419). Zwei Typen unterstützender Management-Instrumente lassen
sich trennen: Entweder unterstützen sie die sachlich-inhaltliche
Planung oder sie dienen der organisatorisch-hierarchischen
Steuerung. Zu Ersteren lassen
sich drei Zwecke unterscheiden:
-
Bereitstellung von Kosteninformationen, die
insbesondere Verfahrensprognosen und damit Alternativenbewertungen erlauben,
-
Bereitstellung von Ziel-, Kontroll- und weiteren
Vergleichsinformationen, die Problemidentifikationen, -definitionen und
-präzisierungen sowie die Eingrenzung von Zielsetzungen ermöglichen,
-
Entwicklung und Optimierung von Alternativen,
insbesondere zu (Um-)Gestaltungsmaßnahmen von Produkten und Verfahren, etwa
zur Kostenreduktion.
Zu Punkt (a) gehören alle Methoden der Kostenrechnung sowie
des weiteren entscheidungsorientierten
Rechnungswesens. Hier geht es darum, zu einem gegebenen Prozess dessen
wichtigste Kosteneinflussgrößen
( „ Kostentreiber “ ) zu identifizieren und ihre Wirkung auf die Kostenhöhe
möglichst präzise quantitativ zu formulieren. Dafür bietet sich das gesamte
Spektrum der Kostenanalyse-Methoden an, insbesondere die Grenzplankostenrechnung
bzw. die Prozesskostenrechnung (vgl. z.B. Friedl, B.
1999, S. 279). Ausgangspunkt ist im Unterschied zu Kapitel II nicht ein
gegebenes Kostenrechnungssystem, sondern der gewählte Prozess. Wo die bisherige
Struktur in der Kostenrechnung einer Prozessdefinition nicht entspricht, ist
eine Neuanalyse der Kostenzusammenhänge erforderlich. In die gleiche Kategorie
der Informationsbereitstellungsmethoden für Entscheidungszwecke gehören auch
Investitionsrechnungen, insbesondere, wenn für Prozesse so genannte
Fixkostenentscheidungen zu treffen sind. Entstehen innerhalb eines
längerfristigen Prozesses einer Produktentwicklung, der Marktpräsenz eines Produkts,
einer Kundenbeziehung oder einer Lieferantenverbindung neben den gleichzeitigen
auch vor- und nachlaufende Zahlungen, bieten sich investitionsrechnerisch
konzipierte Lebenszyklusrechnungen an (vgl. Troßmann, E.
1998, S. 542 ff.).
Die unter (b) einzuordnenden Verfahren arbeiten hauptsächlich
mit Kennzahlen. Sie dienen zur Problemdefinition oder zur Präzisierung von
Prozesszielen. Oft liefert ein Prozess-Benchmarking den Anlass für eine
genauere Prozessanalyse (vgl. Lamla, J.
1995). Dabei wird eine Leistung des eigenen Betriebes mit der
entsprechenden Leistung desjenigen anderen Betriebes verglichen, der als
besonders effizient für diesen Prozess vermutet wird. Entsprechendes gilt für
Soll-Größen, die aus Marketing-Untersuchungen
heraus formuliert werden. Beispiele sind kundenbezogene Soll-Lieferzeiten,
Qualitätsindizes sowie andere Auftragserfüllungskennzahlen. Eine dritte Quelle
bietet die betriebliche Kontrolle
über die beobachtete Entwicklung von Prozessparametern, wie etwa Durchlaufzeit,
Lagerdauer, Lieferbereitschaftsgrad, Entwicklungszeit. Neben Mengen-,
Qualitäts- und Zeitinformationen kann es sich auch unmittelbar um
Kosteninformationen handeln, so beim Cost-Benchmarking und bei der laufenden
Kostenkontrolle. Ein besonderer Anwendungsfall ist das Definieren der
Zielkosten als erster Schritt innerhalb des Target
Costing.
Gegenüber den unter (a) und unter (b) aufgeführten Verfahren
resultieren bei denen der Gruppe (c) die kostenbeeinflussenden Wirkungen aus
der Gestaltung bzw. Umgestaltung von Produkt oder Prozess selbst, ggf. auch der
eingesetzten Ressourcen (vgl. Kajüter, P.
2000, S. 161 ff.). Die vielfältigen Möglichkeiten hierzu werden in
Abschnitt IV betrachtet.
Die organisatorisch-hierarchische Steuerung verlangt die
führungspolitische Umsetzung bei den zuständigen Stellen, den betroffenen
Führungsinstanzen und Mitarbeitern. Bei direkter
Lenkung werden inhaltlich bereits festgelegte Maßnahmen durchgesetzt. Bei indirekter Lenkung werden Zielgrößen
vorgegeben, für ihre Erreichung bestehen mehr oder weniger große
Freiheitsgrade. Derartige Zielvorgaben sind möglich in Form von Budgets,
Verrechnungszielgrößen, mit gegebenen Lenkpreisen oder auch einzelnen
Kennzahlen (vgl. Troßmann, E.
1996). Über Kennzahlen kann man in der Zielvorgabe auch auf
Stellenteilaufgaben und damit einzelne Prozesse zugreifen. Die steuernde
Wirkung von Budgets und Verrechnungsgrößen bezieht sich dagegen immer auf ganze
organisatorische Einheiten, also Divisionen, Abteilungen oder Stellen. Eine
unmittelbare Wirkung auf bestimmte dort laufende Prozesse können diese
Führungsinstrumente nicht entfalten, es sei denn, der ins Auge gefasste
(Teil-)Prozess ist mit der Stellenaufgabe identisch. Deshalb wird in der
beratungsorientierten Managementliteratur unter dem Schlagwort „ 90-Grad-Shift “
seit einigen Jahren verstärkt gefordert, den betrieblichen Aufbau
„ prozessorientiert “ anstelle von funktional zu strukturieren (vgl. z.B. Osterloh,
M./Frost, J. 1998, S. 30). Die Führungsinstanz der einzelnen
Organisationseinheit, „ Process Owner “ bzw. „ Case Worker “ genannt, ist dann
insgesamt prozessverantwortlich. Typischerweise ist mit der unscharf als
„ Prozessorientierung “ gekennzeichneten Umorganisation eine Gliederung nach
exakt zu definierenden Produktarten bzw. Produktgruppen, Kunden bzw.
Kundengruppen oder Auftragstypen gemeint. Abgesehen davon, dass der
Ausgangspunkt von Strukturüberlegungen nicht immer die funktionale Organisation
ist, gibt es generell für jede aufbauorganisatorische Form abgeleitete Ziele,
die organisationskonform sind und solche, die „ quer “ zur Aufbaustruktur liegen
(vgl. Theuvsen, L.
1996). Daher ist es letztlich eine Frage des geringeren
Koordinationsaufwandes, welches Gliederungsprinzip für die betriebliche
Aufbauorganisation aus diesem Gesichtspunkt heraus gewählt wird.
IV. Prozesskostenmanagement
über die Produkt- und Prozessgestaltung
1. Produktgestaltung
unter Kostenaspekten
Für jeden Prozess liegt ein erhebliches Kostenbeeinflussungspotenzial
in der Gestaltung des jeweils resultierenden (Teil-)Produkts. Allerdings führt
das isolierte Verfolgen eines Kostenziels regelmäßig zu einem unvollständigen
Planungsansatz. Aus Marketingsicht sollte das Produkt so gestaltet sein, dass
eine Gebrauchs-, eine Identifizierungs- und ggf. Differenzierungs- sowie eine
Kommunikationsfunktion gut erfüllt werden. Fertigungstechnisch spielen
Materialausnutzung, Arbeitseinsatz, Einfachheit der Werkstückbearbeitung sowie
das Handling bei Transport und Lagerung eine Rolle. Die Produktgestaltung ist
somit kein bloßes Kostenmanagementproblem, sondern eine umfassende
Optimierungsaufgabe, bei der die Kostensituation gegen andere relevante
Zielinhalte abzuwägen ist. Unter den Such- und Bewertungsmethoden der Produktgestaltung
bezwecken speziell die Formen der Wertanalyse sowie die im Target Costing
angewendeten Verfahren ein solches vergleichendes Kostenmanagement.
Demgegenüber heben z.B. das Qualitätsmanagement sowie das
Komplexitätsmanagement jeweils bestimmte Einzelaspekte hervor (vgl. Homburg,
C./Daum, D. 1997, S. 131 ff.). Die Wertanalyse (vgl. Jehle, E.
1995) ist ein genormtes Verfahren, mit dem ein Sachgut oder eine
Dienstleistung mit dem Ziel einer Kostensenkung bei gleich bleibender
Produktleistung (gleich bleibendem „ Wert “ ) oder einer Wertsteigerung bei gleich
bleibenden Kosten analysiert wird. Kern des Verfahrens ist eine Aufgliederung
des untersuchten Objekts nach seinen Funktionen sowie eine Bewertung
alternativer Funktionserfüllungsmöglichkeiten.
Das Target
Costing wurde mit seinem ersten Teil, der Zielkostenfestlegung,
bereits oben angesprochen. In den weiteren Verfahrensschritten geht es darum,
die für die Kunden wichtigen Funktionen des Produkts den Kosten in
interpretierbarer Weise gegenüberzustellen. Da aber in beiden Fällen in
unterschiedlichen Dimensionen gemessen wird – hier sind es aus der
Marktforschung gewonnene Nutzwertpunkte als Indikatoren, dort sind es
Wertgrößen – und sich zudem Kundennutzen und Herstellungskosten
unterschiedlich aufgliedern – hier in Funktionen, dort in Kosten der Produktkomponenten
– , sind verschiedene Umrechnungen nötig (vgl. Seidenschwarz,
W. 1993). Der Vergleich gibt Hinweise darauf, wo der
(Durchschnitts-)Kunde eingesetzte Mittel in einem höheren oder geringeren
Ausmaß honoriert, und damit, bei welchen Komponenten in die Richtung einer
Kostensenkung oder eher in die Richtung einer Wertsteigerung zu überlegen ist.
Demgegenüber helfen wertanalytische Methoden stärker bei der Detailarbeit der
Alternativenentwicklung. Sie berücksichtigen ebenfalls die Produktfunktionen
aus Kundensicht, tun dies aber ohne eine vergleichende Abwägung von Maßnahmen
an unterschiedlichen Produktkomponenten.
2. Prozessgestaltung
unter Kostenaspekten
Neben dem Produkt, das in einem Prozess entsteht, bietet der
Prozess selbst ein breites Feld von Möglichkeiten zur Kostengestaltung. Im
allgemeinen Fall eines arbeitsteiligen Prozesses kann Kostenmanagement in drei
Gestaltungsbereichen ansetzen:
-
die Verfahrenswahl und die weitere Detailfestlegung
innerhalb der einzelnen Arbeitsgänge des Prozesses,
-
die gesamte ablauforganisatorische
Gestaltung bei gegebener Prozessstruktur, insbesondere Maschinen- bzw.
Arbeitsstellenbelegung, Losgrößenwahl und Auftragsreihenfolge,
-
die technische und strukturelle Gestaltung des Gesamtprozesses, insbesondere seine Aufgliederung
in Arbeitsgänge und deren Definition.
In der Regel steht das Prozessergebnis, also das Produkt oder
ein bestimmtes Produktionsprogramm, fest. Dann ist es sinnvoll, die
Prozessgestaltung auf ein Kosten- oder Zahlungsziel unter Nebenbedingungen zu
richten. Beeinflusst jedoch die Prozessgestaltung zusätzlich das
Produktionsergebnis, etwa dessen Qualität, Menge oder Fertigungstermin, müssen
zwingend auch diese Wirkungen berücksichtigt werden. Problematisch wird die
Erfassung der Kostenkonsequenzen bei ablauforganisatorischen Details. Deshalb
arbeiten die zahlreichen Modelle der Ablauforganisation (vgl. z.B. Küpper,
H.-U./Helber, S. 1995) mit sachzielorientierten
Ersatzzielgrößen wie Auftrags- und Durchlaufzeiten, Warte- und Liegezeiten,
Kapazitätsauslastung und Mengendurchsatz.
Die umfassendste Art der Gestaltung eines Prozesses besteht
darin, ihn überhaupt erst in einzelne Arbeitsgänge zu gliedern und jene zu
einem Prozessablauf zu verknüpfen. Umfassende Umorganisationen, insbesondere im
Gefolge verbesserter Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnik,
werden seit einigen Jahren bevorzugt als Business Process Reengineering
bezeichnet (vgl. Hammer,
M./Champy, J. 1994). Typische Fälle nutzen die neu
hinzugekommene Möglichkeit der unmittelbaren Verfügbarkeit von
Prozessinformationen an räumlich verteilten Stellen. Arbeitsgänge, die früher
nacheinander durchzuführen waren, können in einen einzigen integriert,
verschiedene Arbeitsgänge parallel ausgeführt werden, Rückläufe wegfallen und
bestimmte Informations-Abgleiche automatisiert ablaufen (vgl. Krickl, O.C.
1995). Freilich findet diese Art von Prozess-Restrukturierung dort ihre
Grenzen, wo es um Sachgüterproduktionen und ihre Logistik geht. Dort sind die
noch nicht ausgeschöpften ablauforganisatorischen Optimierungsreserven
üblicherweise erheblich kleiner.
V. Entwicklungen im
Prozesskostenmanagement
Wendet man den Blick von den Detailaufgaben des
Prozesskostenmanagements hin zu den generellen Tendenzen, so sind zwei
scheinbar widersprüchliche Entwicklungen zu registrieren. Einerseits werden die
betrieblichen Prozessketten kleiner, da aus mehreren Gründen Teilprozesse
ausgegliedert werden. Outsourcing ersetzt das eigene Prozesskostenmanagement
letztlich durch Preis-, Mengen-, Termin- und Qualitätswettbewerb auf dem Markt.
Andererseits wird der Gestaltungsbereich des Prozesskostenmanagements größer,
wo es weitere Stufen der Wertschöpfungskette integriert, so in der
Kraftfahrzeugzulieferindustrie und bei Warenwirtschaftssystemen im Handel. Dies
ist in den vergangenen Jahren nicht nur technisch möglich geworden, sondern hat
sich auch für die Beteiligten als zielgünstig erwiesen. Freilich – und deshalb
sind die Tendenzen auch nur scheinbar widersprüchlich – bezieht sich diese
Integration nur auf die zwischenbetrieblich sinnvoll abzustimmenden Parameter.
Kostenmanagement heißt hier nicht nur, gemeinsame Kosten- und andere
Zielvorteile zu suchen und zu realisieren, sondern auch geeignete
Schnittstellenparameter zur Definition von Verantwortlichkeiten und Zurechnung
von finanziellen Konsequenzen zu finden.
Literatur:
Bea, Franz
Xaver/Schnaitmann, Herrmann : Begriff und Struktur betriebswirtschaftlicher
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Kosteninformationssysteme für das Produktmanagement, in: Einführung in das
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253 – 290
Friedl, Birgit :
Strategieorientiertes Kostenmanagement in der Industrieunternehmung, in: Das
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Management, hrsg. v. Küpper, Hans-Ulrich/Troßmann, Ernst, Berlin 1997, S.
413 – 432
Gaitanides,
Michael/Scholz, Rainer/Vrohlings, Alwin : Prozeßmanagement. Grundlagen und
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Rainer/Vrohlings, Alwin, München et al. 1994, S. 1 – 19
Hammer, Michael/Champy,
James : Business Reengineering, Frankfurt et al., 4. A., 1994
Homburg, Christian/Daum,
Daniel : Marktorientiertes Kostenmanagement, Frankfurt/Main 1997
Jehle, Egon :
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hrsg. v. Reichmann, Thomas, München 1995, S. 145 – 165
Kajüter, Peter :
Proaktives Kostenmanagement, Wiesbaden 2000
Kaplan, Robert
S./Cooper, Robin : Prozeßkostenrechnung als Managementinstrument, Frankfurt et
al. 1999
Kloock, Josef :
Prozeßkostenmanagement zur Sicherung von Erfolgspotentialen, in: BFuP, Jg. 47,
1995, S. 582 – 608
Krickl, Otto C. :
Business Redesign, Wiesbaden 1995
Küpper,
Hans-Ulrich/Helber, Stefan : Ablauforganisation in Produktion und Logistik, Stuttgart,
2. A., 1995
Lamla, Joachim :
Prozeßbenchmarking, München 1995
Mayer, Reinhold :
Prozeßkostenrechnung. State of the Art, in: Prozeßkostenmanagement, hrsg. v.
Horváth & Partner, , München, 2. A., 1998, S. 3 – 27
Osterloh, Margit/Frost,
Jetta : Prozeßmanagement als Kernkompetenz, Wiesbaden, 3. A., 2000
Picot, Arnold/Franck,
Egon : Prozeßorganisation, in: Prozessmanagement und Reengineering, hrsg. v.
Nippa, Michael/Picot, Arnold, Frankfurt et al. 1995, S. 13 – 38
Schwerdtle, Hartwig :
Prozeßintegriertes Management – PIM, Berlin et al. 1999
Seidenschwarz, Werner :
Target Costing, München 1993
Theuvsen, Ludwig :
Business Reengineering. Möglichkeiten und Grenzen einer prozeßorientierten
Organisationsgestaltung, in: ZfbF, Jg. 48, 1996, S. 65 – 82
Troßmann, Ernst :
Investition, Stuttgart 1998
Troßmann, Ernst :
Koordinationsprinzipien im internationalen Controlling, in: Jahrbuch für
Controlling und Rechnungswesen \'96, hrsg. v. Seicht, Gerhard, Wien 1996, S.
453 – 494
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