Inhaltsübersicht
I. Grundüberlegungen
zur Personalbedarfsplanung
II. Personalbemessungs-Verfahren
III. Produktivitäts-Controlling
I. Grundüberlegungen
zur Personalbedarfsplanung
1. Begriff und Konzept
Als Personalbedarfsplanung werden alle Maßnahmen zur
Ermittlung der Art und Anzahl von Personen bezeichnet, die in
Organisationseinheiten zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt benötigt werden.
Diesem Begriffsverständnis liegt ein selektiv-instrumenteller Personalbegriff
zugrunde (Maison, 1988,
S. 57 f.). Das Planen des Personalbedarfs hat nach dieser Definition zwei
Aspekte, einen
-
qualitativen Aspekt (die Art der Personen), dem man
methodisch z.B. durch Entwicklung von Qualifikationsprofilen und Stellenbeschreibungen
entspricht,
-
quantitativen Aspekt (die Anzahl Personen), dem man
dadurch entspricht, dass mit Hilfe von Personalbemessungs-Verfahren die
erforderliche Personenzahl je Organisationseinheit bestimmt wird.
Als Personalbemessung werden Verfahren bezeichnet, mit denen
für Organisationseinheiten der quantitative Personalbedarf bei vorgegebener
Qualifikation (Art der Personen) zu einem bestimmten Zeitpunkt ermittelt wird.
Die durch Personalbemessung bestimmte Personenzahl je Organisationseinheit ist
eine Sollgröße und Datenbasis für eine Reihe personalwirtschaftlicher Maßnahmen
(vgl. Abb. 1). Aus vielerlei Gründen kommt es in den
Organisationseinheiten zu (Ist-)Personenzahlen, die von den geplanten
(Soll-)Personenzahlen abweichen. In einem Soll-Ist-Vergleich wird die
Realitätsnähe der Planung und die Effektivität und Effizienz der
Organisationseinheiten beurteilt. Ohne diese Einbettung in einen
Controlling-Regelkreis könnte man die Güte der Personalbedarfsplanung weder
beurteilen, noch permanent verbessern.
Zu diesem Controlling-Regelkreis werden im Kapitel II mit der
Personalbemessung die Planungsphase und im Kapitel III mit dem
Produktivitäts-Controlling die Phase des Soll-Ist-Vergleichs behandelt. Der
qualitative Aspekt wird dabei ausgeklammert.
Abb. 1: Prozess der Personalbedarfsplanung
2. Absichten bei der Personalbedarfsplanung
Als häufigste Absichten bei der Personalbedarfsplanung gelten
(vgl. z.B. Hemmers, 1986,
S. 18 f.; Drumm,
/Scholz, 1988, S. 104; Maison, 1988,
S. 164 f.; Kador,
/Kempe, /Pornschlagel, 1989, S. 11 f.; RKW, 1990,
S. 57 f.):
-
Angemessenheit der Personalausstattung sicherstellen,
-
Gewinnen von Argumenten, wie der Personalbestand bei
Veränderung der Mengenvolumina, der eingesetzten Technologie oder beim
Auslagern von Geschäftsprozessen anzupassen ist,
-
Verbesserung der Planungsqualität erreichen,
-
notwendigen Personalbestand möglichst langfristig
kennen, um kurzfristige Anpassungsentscheidungen zu vermeiden,
-
Personalkosten budgetieren,
-
Hinweise für Verbesserungsansätze gewinnen,
-
erkennen, wie Arbeitsspitzen auszugleichen, eine
gleichmäßige Arbeitsverteilung zu erreichen und Überlastung und mangelhafte
Auslastung des Personals zu vermeiden sind.
3. Einflussgrößen des Personalbedarfs
Abb. 2 sind Einflussgrößen (Bestimmungsgrößen, Determinanten)
auf den quantitativen und qualitativen Personalbedarfs zu entnehmen (vgl. dazu
z.B. Drumm, /Scholz,
1988, S. 109 f.; Kador,
/Kempe, /Pornschlagel, 1989, S. 50 f.; RKW, 1990,
S. 50 f.). Die externen Einflussgrößen sind nur bei der Ermittlung des
langfristigen Personalbedarfs relevant.
Abb. 2: Einflussgrößen auf den Personalbedarf
Nach dem Planungshorizont wird zwischen kurz-, mittel- und
langfristigen Personalbedarfs-Planungen unterschieden (vgl. z.B. Günther, 1985,
S. 218; Drumm,
/Scholz, 1988, S. 109; Kador,
/Kempe, /Pornschlagel, 1989, S. 41; RKW, 1990,
S. 87 f.). Nach überwiegender Meinung beträgt der Planungshorizont bei
-
kurzfristigen Planungen 1 Monat bis 1 Jahr (Annahme:
Konstanz der internen Einflussgrößen im Planungszeitraum, vgl. Abb. 2),
-
mittelfristigen Planungen 1 bis 3 Jahre (Annahme:
Konstanz der externen Einflussgrößen, Variabilität der internen
Einflussgrößen, vgl. Abb. 2),
-
langfristigen Planungen 3 bis 5 Jahre
(Verwendungszweck: grobes Schätzen von Entwicklungstendenzen bei
Ausbildungsplätzen).
Personalbedarfs-Planungen werden immer mehr zu groben
Pauschalplanungen, je weiter der Planungshorizont ist. In der Praxis dürften
Jahresplanungen am verbreitetsten sein.
II. Personalbemessungs-
Verfahren
1. Summarische Verfahren
In der Literatur werden summarische und analytische
Personalbemessungs-Verfahren so unterschieden, dass bei den summarischen
Verfahren
-
die zu erfüllenden Aufgaben nicht betrachtet werden
und
-
nicht zwischen Grund- und Einsatzlast unterschieden
wird.
In Abb. 3 wird ein Überblick zu den wichtigsten
Personalbemessungs-Verfahren gegeben. Zu den dort angeführten Verfahren gibt es
eine Reihe von Modifikationen.
Abb. 3: Die wichtigsten Personalbemessungsverfahren (Bokranz,
/Kasten, 2003, S. 449)
Die Schätz-Verfahren sind die verbreitetsten
Bemessungsverfahren (vgl. RKW, 1990,
S. 96). Dabei werden Experten befragt, z.B. Vorgesetzte oder Betroffene, die
sich beim Schätzen des Personalbedarfs an Vergangenheitswerten, eigenen
Erfahrungen, am erwarteten Arbeitsanfall sowie üblichen Fehlzeitenraten
orientieren. Um der Dominanz von Meinungsführern entgegenzuwirken, werden
Experten-Schätzungen nach der Delphi-Methode empfohlen (vgl. RKW, 1990,
S. 96).
-
Vorteile: geringer Erhebungsaufwand und im allgemeinen
gute Akzeptanz bei Schätzenden und Betroffenen.
-
Nachteile: es können spezifische Interessen und
Meinungsdominanzen wirken, und Über- und Unterbewertungen gleichen sich
statistisch nicht aus.
Bei den Zeitreihen-Verfahren wird der Personalbedarf aus
Vergangenheitswerten mit Hilfe von Regressionsanalysen prognostiziert (vgl.
z.B. Günther, 1985,
S. 217 f.; Scholz, 1993,
S. 154 f.; Bokranz,
/Kasten, 2003, S. 450). Dabei wird unterstellt, dass stabile
Verhältnisse bestehen: die auf den Personalbestand wirkenden Einflussgrößen
haben künftig die gleiche Bedeutung wie bisher. Erkennt man Veränderungen in
den internen oder externen Einflussgrößen, müssen die Ergebnisse der
Prognoserechnung entsprechend korrigiert werden.
-
Vorteile: nachvollziehbare Begründung des Ergebnisses
und geringer Erhebungsaufwand.
-
Nachteile: für die Betroffenen schwer verständlicher
Rechengang und unreflektierte Fortschreibung der Vergangenheitsverhältnisse
in die Zukunft.
Beim Stellenplan-Verfahren wird der Personalbedarf aufgrund
eines vorliegenden Stellenplanes bestimmt (vgl. RKW, 1990,
S. 108; Scholz, 1993,
S. 171 f.), weil man davon ausgeht, dass er von der Arbeitsmenge weitgehend
unabhängig ist. Sind Stellen aufgrund rechtlicher Vorschriften oder
personalpolitischer Setzungen festgelegt, seien Überlegungen zur Auslastung der
Mitarbeiter – so die Vertreter dieses Verfahrens – nicht mehr erforderlich.
Dieser Auffassung liegt die Annahme zugrunde, dass man auf die Stellen keine
Füllarbeiten übertragen kann, z.B. administrative Speicherarbeiten in
Telefonzentralen. Das Stellenplan-Verfahren ist das im öffentlichen Dienst noch
immer verbreitetste Verfahren, auch wenn vom Bundesrechnungshof eindeutige
Empfehlungen zur Anwendung einer analytischen Personalbemessung vorliegen (vgl.
Bundesrechnungshof 1992).
-
Vorteil: geringer Erhebungsaufwand, wenn der
Stellenplan festliegt.
-
Nachteil: Auslastungsüberlegungen werden nicht
angestellt.
Zu den Kennzahlen-Verfahren zählen alle Ansätze, bei denen
der Personalbedarf in Abhängigkeit von einer Bezugsgröße (Arbeitsmenge oder
Wertgröße) bestimmt wird, z.B. 1 Kreditsachbearbeiter/20 gewerbliche Neukredite
pro Monat. Es wird wie beim Zeitreihen-Verfahren angenommen, dass stabile
Verhältnisse bestehen.
-
Vorteil: hohe Anschaulichkeit.
-
Nachteil: nur auf Routinearbeiten mit eindeutigen
Mengen- oder Wertbezügen anzuwenden.
2. Analytische Verfahren
Ein Modell der analytischen Personalbemessung, nach dem der
Personalbedarf in sechs Schritten ermittelt wird, ist Abb. 4 zu entnehmen.
Schritt 1: Es werden Organisationseinheiten OEy (? . . y ? .
. n) abgegrenzt, für die man den Personalbedarf ermitteln will.
Schritt 2: Den Organisationseinheiten OEy werden jene Aufgaben Ai (1 ? . . i ? . . p) zugeordnet, die dort
planmäßig zu erfüllen sind.
Schritt 3: Je Organisationseinheit OEy werden den Aufgaben Ai Grundzeiten tgi (i > 0) und Mengen mi (i > 0) zugeordnet und mit deren
Verknüpfung das Zeiten-Mengen-Gerüst erstellt.
Schritt 4: Die Grundlast GLy je Organisationseinheit OEy wird aus der Summe der Produkte von Grundzeit
tgi und Arbeitsmenge mi zur Aufgabe Ai im Betrachtungszeitraum (z.B. 1 Jahr)
bestimmt, d.h.
Die Einsatzlast ELy je
Organisationseinheit OEy wird durch Addition der
Grundlast Gly (für das Erfüllen planmäßig auftretender
Aufgaben) und der Verteillast VLy (für das
Erfüllen ungeplanter, deshalb zu periodisierender Aufgaben) ermittelt:
Mit der Einsatzlast ELy wird jene Anzahl Arbeitsstunden ausgewiesen,
die erforderlich ist, um die im Betrachtungszeitraum in der
Organisationseinheit OEy bei den zu erfüllenden
Aufgaben Ai anfallenden Arbeitsmengen mi zu bewältigen. Darin ist durch einen
statistischen Ansatz in Form der Verteillast berücksichtigt, dass bis zu einem
gewissen Ausmaß Aufgaben auch unvorhergesehen, nicht planmäßig auftreten. Die
Einsatzlast bildet den Kapazitätsbedarf ab.
Schritt 5: Dem Kapazitätsbedarf wird der Kapazitätsbestand in
Form des Netto-Kapazitätsbestands NBy, gegenübergestellt. Dieser ergibt sich aus der
Summe der Regelarbeitszeiten AZy aller in
der Organisationseinheit OEy im Betrachtungszeitraum
beschäftigten Personen, abzüglich des Reservelast-Abschlags für die mittlere
Anzahl abwesender Personen. Der Reservelastabschlag wird mit Hilfe eines
Reservelastfaktors RLy für Abwesenheitszeiten
(z.B. Urlaub, Krankheit) in Ansatz gebracht, nach Organisationseinheiten
differenziert (so hier unterstellt) oder als Pauschalansatz für ganze
Betriebsbereiche. Die Verwendung des Reservelast-Abschlagsfaktors RLFy zur
Ermittlung der Reservelast ist der folgenden Bestimmungsgleichung zu entnehmen.
Schritt 5: Es wird der Personalbedarf und darauf basierend
der Personalmehr- bzw. Personalminderbedarf bestimmt. Der Personalbedarf PBy, in der
Literatur überwiegend als Brutto-Personalbedarf bezeichnet, wird ermittelt
nach:
Im Zähler wird mit der Summe aus Einsatz- und Reservelast die
in der Planungsperiode benötigte personelle Besetzung der OEy ausgewiesen. Dabei werden die Absenzen der
Mitarbeiter, basierend auf Vergangenheitszahlen, berücksichtigt. Die Division
durch die tarifliche Regelarbeitszeit AZ ergibt die in der Organisationseinheit
OEy benötigte Mitarbeiterzahl. Mit der Differenz
ELy – NBy wird der
Personalmehrbedarf bzw. Personalminderbedarf bestimmt. Ist ELy > NBy, liegt ein Personalmehrbedarf vor,
ausgedrückt in Stunden.
Mit Hilfe des Quotienten
wird die zusätzlich erforderliche oder die nicht
erforderliche Mitarbeiterzahl für die Organisationseinheit OEy bestimmt.
Abb. 4: Modell der analytischen Personalbemessung (Bokranz,
/Kasten, 2003, S. 453)
3. Anwendung analytischer Verfahren
Besteht bei einer zu bemessenden Stelle keine deutliche
Korrelation zwischen Arbeitsmenge und zeitlicher Belastung, sollte diese Stelle
auch nicht in die analytische Personalbemessung einbezogen, sondern z.B. nach
dem Stellenplan-Verfahren bemessen werden.
Analytische Verfahren sind aufgrund der unterstellten
Korrelation zwischen Arbeitsmengen und Zeitbedarf zudem nur auf
Ausführungsstellen anzuwenden. Eine Anwendung auf Instanzen ist also nicht
sinnvoll. Bokranz und Kasten (Bokranz,
/Kasten, 2003, S. 60 f.) empfehlen stattdessen für Instanzen
eine analytische Ermittlung von Leitungsspannen.
Bei den Arbeitsmengen wird vorausgesetzt, dass keine
gravierenden saisonalen Schwankungen vorliegen. Je stärker unterjährige
Mengenstreuungen sind, desto geringer ist die Validität der ausgewiesenen
Ergebnisse.
Die methodischen Probleme der analytischen Verfahren liegen
bei der Aufgabenanalyse und -verteilung (Schritt 2) sowie bei der Erstellung
des Zeiten-Mengen-Gerüsts (Schritt 3). Bereits bei der Aufgabenanalyse und
-verteilung ist zu beachten, dass man diesen im 3. Schritt signifikante
Arbeitsmengen zuzuordnen muss. Die Methode zur Ermittlung der Sollzeiten (z.B.
Selbstaufschreibungen, Multimomentaufnahmen) hängt von der Art der zu
erfüllenden Aufgaben ab. Im Verhältnis zur Bestimmung der Sollmengen gilt die
Zeitermittlung als der unproblematischere Teil.
III. Produktivitäts-Controlling
1. Modell des Produktivitäts-Controlling
Um im operativen Personalcontrolling (vgl. z.B. Wunderer, 2000)
elementare Funktionalitäten erfüllen zu können, sind die bei der
Personalbemessung verwendeten Soll-Daten um Ist-Daten zu ergänzen, und es
bedarf kürzerer Betrachtungsperioden. Bei der Personalbemessung wird mit dem
Personalbedarf für eine Organisationseinheit
-
die Anzahl vollzeitig zu beschäftigender Personen
ausgewiesen,
-
unter Annahme eines bestimmten
jahresdurchschnittlichen Mengenaufkommens und
-
einer bestimmten jahresdurchschnittlichen Absenz
dieser Personen.
Der Personalbedarf ist also ein Mittelwert, sodass zu jedem
unterjährigen Zeitpunkt andere Mengen und Absenzen vorliegen. So besteht zu
Ultimozeiten oder in der Haupturlaubszeit meist ein Personalmehrbedarf und zu
Zeiten, in denen alle Mitarbeiter anwesend sind, ein Personalminderbedarf. Will
man für die Personaleinsatzsteuerung den kurzfristigen Personalbedarf bestimmen
oder die Effektivität und Effizienz von Organisationseinheiten beurteilen,
bedarf es
-
kurzfristiger Betrachtungszeiträume und
-
des Vergleichs von Soll- und Istdaten.
Abb. 5 ist das Modell eines Produktivitäts-Controlling zu
entnehmen. Als Produktivitäts-Controlling wird der permanente Vergleich des
Kapazitätsbedarfs und des Kapazitätsbestands auf der Grundlage von Ist-Mengen
und Ist-Arbeitszeiten bezeichnet.
Teilmodell 1: Die budgetierten Jahres-Arbeitsmengen aus der Personalbemessung
werden durch für einen kurzfristigen Zeitraum (z.B. ein Monat) gültige
Forecast-Arbeitsmengen mi-Forecast ersetzt. Nach dem gleichen Rechengang wie in den
Teilmodellen 3 und 4 bei der analytischen Personalbemessung werden zwei
Einsatzlasten ermittelt, die auf den Forecast-Mengen basierende
Soll-Einsatzlast ELy und im Teilmodell 2 die
auf den tatsächlich angefallenen Arbeitsmengen basierende Ist-Einsatzlast ELy-Ist.
Teilmodell 2: Es wird die Ist-Arbeitszeit
AZy-Ist eingestellt,
die in der Organisationseinheit OEy durch die
dort eingesetzten Personen tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden. Ferner
werden die Forecast-Mengen mi-Forecast durch die tatsächlich angefallenen
Arbeitsmengen mi-Ist
ersetzt und die Ist-Einsatzlast ELy-Ist ermittelt.
Teilmodell 3: Aus dem Quotienten ELy-Ist/AZy-Ist wird die
Produktivitätskennzahl Py gebildet. Ist ELy-Ist > AZy-Ist, ergibt
sich aus Py > 1 eine über Normal liegende
Arbeitsproduktivität.
Teilmodell 4: Es werden Regelabweichungen ermittelt, die
Mengen- und die Personaleinsatzabweichung.
Abb. 5: Modell des Produktivitäts-Controlling (Bokranz,
/Kasten, 2003, S. 474)
2. Soll-Ist-Vergleich
Als Ergebnis des Soll-Ist-Vergleichs
fällt je Organisationseinheit OEy (vgl.
Abb. 5) die Arbeitsproduktivität Py,mit Py > 0
an, ermittelt nach:
Arbeitsproduktivitäten Py < 1 lassen zunächst vermuten, dass ein,
gemessen an den angefallenen Arbeitsmengen, zu hoher Personaleinsatz vorlag. Ob
das gewünscht und unvermeidbar war oder nicht, ist anhand dieser Kenngröße
jedoch nicht zu beurteilen. Beispielsweise kann eine Arbeitsproduktivität Py < 1 gewünscht sein, um bei Sofortarbeiten
gegen Arbeitsspitzen gewappnet zu sein und Spielraum für die Involvierung von
Mitarbeitern in Projekten zu haben. Liegen dagegen ausschließlich
Speicherarbeiten vor, wird man ein dauerhaftes Produktivitätsdefizit kaum
akzeptieren.
3. Abweichungsanalyse
Arbeitsproduktivitäten Py ≠ 1 können dadurch bedingt sein, dass
-
die Forecast-Mengen von den Ist-Mengen abweichen
(Mengenabweichung) oder
-
zu viele bzw. zu wenige Mitarbeiter in der
Organisationseinheit eingesetzt waren (Personaleinsatzabweichung).
Die Mengenabweichung Δ – my wird ermittelt nach:
Mengenabweichungen sind durch die Leitung einer
Organisationseinheit im Allgemeinen nicht zu vertreten. In Abb. 5 ist dargestellt, dass sie als Information für die
Verbesserung des Rolling Forecasts zu nutzen sind.
Anders ist es bei der Personaleinsatzabweichung, die von der
Leitung einer Organisationseinheit zu vertreten ist. Dauerhaft auftretende
positive Personaleinsatzabweichungen werden Anlass für Anpassungsmaßnahmen
sein, wenn man Produktivität durch Elimination positiver Abweichungen und
Qualität durch Elimination negativer Abweichungen fördern will.
Die Personaleinsatzabweichung Δ – PEy wird ermittelt nach:
Bei der Ursachenanalyse zu Personaleinsatzabweichungen ist
drei Fragen nachzugehen:
-
Sind in der Planungsperiode atypisch viele, in den
Sollzeiten nicht berücksichtigte Schwierigkeiten, Störungen oder
Besonderheiten aufgetreten?
-
Fielen in der Planungsperiode atypisch wenige Absenzen
an?
-
War die Effizienz der Mitarbeiter atypisch hoch oder
niedrig?
Dauerhafte, gravierende Personaleinsatzabweichungen sollten
Anlass sein, Konzepte zu entwickeln, wie den Ursachen zu begegnen ist. Das
Produktivitäts-Controlling sollte nicht als kurzfristiges Belohnungssystem,
sondern als mittelfristig wirksames Fördersystem (z.B. Wechsel von Mitarbeitern
zwischen verschiedenen Organisationseinheiten oder Planung von Speicherarbeiten
zum Ausgleich von Kapazitätsüberhängen/-defiziten) angesehen werden.
Literatur:
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Organisations-Management, 4. A., Wiesbaden 2003
Bundesrechnungshof, : Typische Mängel
bei der Ermittlung des Personalbedarfs in der Bundesverwaltung, Stuttgart et
al. 2002
Drumm, H./Scholz, C. : Personalplanung
– Planungsmethoden und Methodenakzeptanz, 2. A., Bern, Stuttgart 1988
Günther, H. O. : Ein Modell zur
mittelfristigen Glättung des Personalbedarfs, in: Zeitschrift für
Betriebswirtschaft, Jg. 55, 1985, S. 217 – 235
Hemmers, K. : Planung des
Personalbedarfs in indirekten Bereichen, Berlin et al. 1986
Kador, F. J./Kempe, H.
J./Pornschlagel, H. : Handlungsanleitung zur betrieblichen Personalplanung, 3.
A., Köln 1989
Kuhlmann, W. : DV-gestützte
Ablaufgestaltung und Personalbedarfsrechnung mit MTM-Sachbearbeiterdaten bei
der Versicherungsgruppe Hannover, in: Personal – MTM-Report, Jg. 40, 1988,
S. 26 – 28
Löbler, H./Perlitz, M. : Die Prognose
der Personalbestandsveränderungen von Unternehmen mit Hilfe der empirischen Bilanzanalyse,
in: Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, Jg. 35, 1983, S. 113 – 135
Maison, W. : Methodologische
Grundlagen und messtheoretische Anforderungen an eine betriebswirtschaftliche
Theorie der Personalbemessung, Frankfurt et al. 1988
RKW, : RKW-Handbuch Personalplanung,
2. A., Neuwied 1990
Scholz, C. : Personalmanagement –
Informationsorientierte und verhaltenstheoretische Grundlagen, 3. A., München
1993
Speck, P. :
Auszubildenden-Bedarfsplanung mit Hilfe der Szenario-Technik, in: Zeitschrift
für betriebswirtschaftliche Forschung, Jg. 41, 1989, S. 235 – 244
Wunderer, R. : Entwicklungstendenzen
im Personal-Controlling und der Wertschöpfung, in: Personal, Jg. 52, 2000, S.
298 – 304
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