Inhaltsübersicht
I. Begriff
II. Historische
Entwicklung
III. Theoretische
Fundierung
IV. Empirische
Studien
V. Entwurf
managementorientierter Governance-Strukturen
VI. Ausblick
I. Begriff
\'Managerialismus\' (Managerherrschaft) kennzeichnet ein
Konzept von Führungs- und Kontrollstrukturen in modernen Großunternehmen, das
auf die Leitung des Unternehmens durch autonome professionelle Manager
abstellt, die über einen Entscheidungsspielraum verfügen, der weder durch die
Eigentümer noch über den Markt effektiv kontrolliert wird (Berle,
Adolf/Means, Gardiner C. 1932; Beyer, Jürgen
1998; Gerum, Elmar
1995; Gerum, Elmar
1999, S. 153 – 156; Hughes, Alan
1987; Kirsch, Guy
1969; Larner,
Robert J. 1970; Marris, Robin
1964; Picot,
Arnold/Michaelis, Elke 1984; Steinmann,
Horst/Schreyögg, Georg/Dütthorn, Carola 1983). Während positive
Ansätze die tatsächliche Managerherrschaft untersuchen (Berle,
Adolf/Means, Gardiner C. 1932; Picot,
Arnold/Michaelis, Elke 1984), geht es in normativen Ansätzen um
deren Rechtfertigung (Larner,
Robert J. 1970; Marris, Robin
1964).
II. Historische
Entwicklung
Ansätze der Managerherrschaft gehen in Deutschland auf die
Organisation der Kriegswirtschaft im Ersten Weltkrieg und die
Folgeentwicklungen in der Weimarer Zeit zurück (Laux, Frank
2003). In den USA setzte in den 1930er-Jahren eine Diskussion über die Trennung
von Eigentum und Kontrolle in Großunternehmen (separation of ownership and
control) ein (Berle,
Adolf/Means, Gardiner C. 1932; Hughes, Alan
1987, S. 293 f.). Teils wurde dabei die Managerherrschaft gerechtfertigt (Dodd, Edwin
M. 1932); teils wurde sie kritisiert und ein stärkerer Einfluss der
Eigentümer angestrebt (Berle, Adolf
1932). Schumpeter wies auf die volkswirtschaftliche Bedeutung innovativer
Unternehmer hin. (Schumpeter,
Joseph A. 1993).
Mit dem Aufkommen der Agency-Theorie und der Betonung der
wirksamen Kontrolle des Managements durch die Eigentümer mit dem Ziel, die
Funktionsfähigkeit der Kapitalmärkte zu steigern und damit die Effizienz der
Ressourcenallokation zu verbessern (Hansmann,
Henry/Kraakman, Reinier 2001), rückten Ansätze der Managerherrschaft
später immer mehr in den Hintergrund. Insbesondere in den USA beherrschen
seitdem eigentümerorientierte Ansätze (Shareholder-Value-Ansätze) (Wenger,
Ekkehard/Knoll, Leonhard 1999) die Diskussion. In Ländern mit
konzentriertem Aktienbesitz und Bankenfinanzierung, insbesondere in Japan und
Deutschland, spielten und spielen hingegen Stakeholder-Ansätze eine Rolle, in
denen den Interessen der Aktionäre die der anderen Stakeholder (Gläubiger,
Arbeitnehmer etc.) gegenübergestellt werden. Dem Management kommt dann eine
Mittlerfunktion zu, die im Ergebnis schwer zu kontrollierende
Entscheidungsspielräume schafft. Auf der Grundlage der Spieltheorie
lässt sich so eine neue Variante des Managerialismus entwickeln (Aoki, Masanao
1983).
In der gegenwärtigen ökonomischen Literatur werden Fragen der
Managerherrschaft im Zusammenhang mit der Führungs- und Kontrollstruktur
humankapitalintensiver Unternehmen behandelt (Rajan,
Raghuram G./Zingales, Luigi 1998; Rajan,
Raghuram G./Zingales, Luigi 2001; Rajan,
Raghuram G./Zingales, Luigi 2003), insbesondere im Zusammenhang mit
IPOs solcher Unternehmen (Aoki, Masanao
2000).
In Umbruchphasen zwischen Staatswirtschaft und
Marktwirtschaft können managerialistische Ansätze insofern eine Rolle spielen,
als im Zeitraum zwischen der formalen Privatisierung ehemaliger
Staatsunternehmen und deren materieller Privatisierung (Übergang einer
Kapitalmehrheit in die Hände privater Investoren) professionelle Manager die
materielle Privatisierung vorzubereiten haben, die gegen politische
Einflussnahme auf Unternehmensentscheidungen abzuschirmen sind (Schipani,
Cindy A./Junhai, Liu 2001, S. 2 – 5).
Im Bereich der öffentlichen Verwaltung wird die Einführung
neuer Governance-Strukturen unter den Stichworten \'Managerialismus\' und \'Neues
öffentliches Management\' diskutiert (Budäus,
Dietrich/Conrad, Peter/Schreyögg, Georg 1998; Naschold,
Frieder/Bogumil, Jörg 1998; Pollitt,
Christopher 1993), ohne dass aber auf die Managerialismusdiskussion
im privatwirtschaftlichen Bereich direkt Bezug genommen wird.
III. Theoretische Fundierung
In Großunternehmen ließen sich die Vorteile der
Massenproduktion (economies of scale) realisieren; dies führte
gesamtwirtschaftlich zu einer verbesserten Ressourcenallokation. Daneben traten
die Transaktionskostenvorteile der hierarchischen Organisation gegenüber
Markttransaktionen (Coase, Ronald
H. 1937). Vorteile aus der Erhöhung des Grads der Arbeitsteilung
ließen sich bewirken, indem die Unternehmensleitung auf Nichteigentümer
übertragen wurde. Die Trennung von Eigentum und Kontrolle stellt sich dann
nicht als ein Defizit in den Führungs- und Kontrollstrukturen
(Governance-Strukturen) der Unternehmen dar, sondern als notwendige
Voraussetzung für die Verbesserung der Ressourcenallokation in modernen
Volkswirtschaften.
Die Delegation von Entscheidungsbefugnissen an die Mitglieder
des Managements musste zwangsläufig zur Diskussion von zwei eng miteinander
verbundenen Folgeproblemen führen, nämlich der Kontrolle
der Manager durch interne oder externe Kontrollmechanismen und der Definition
der Unternehmensziele.
Um die Vorteile der Arbeitsteilung realisieren zu können,
haben normative managerialistische Ansätze darauf gesetzt, die interne
Kontrolle des Managements durch die Aktionäre zu schwächen (Laux, Frank
2003) und zugleich externe Kontrollen (über den Kapitalmarkt, über den Markt
für Unternehmenskontrolle und über Produktmärkte) weitgehend auszuschalten.
Dazu dienten eine weitgehende Finanzierung durch Bankkredite,
Überkreuzverflechtungen sowie die Oligopolisierung oder Kartellierung von
Produktmärkten.
In Bezug auf Unternehmensziele betonten ältere Ansätze –
besonders in Deutschland – die Sicherung der Überlebensfähigkeit des
Unternehmens und die Steigerung des Unternehmenswachstums (Stichwort
„ Unternehmen an sich “ Laux, Frank
1998), aber auch gemeinwirtschaftliche Zielsetzungen (Gerum, Elmar
1999, S. 155). In Stakeholder-Ansätzen kann das \'Unternehmensinteresse\' als
eine Art Vektor in einem Kräfteparallelogramm von Interessen unterschiedlicher
Gruppen von Akteuren gesehen werden.
Verglichen mit eigentümerorientierten Ansätzen zeichnen sich
Ansätze der Managerherrschaft dadurch aus, dass eine holistische Methodologie
vorherrscht (Wenger,
Ekkehard/Knoll, Leonhard 1999, S. 446) und dass nicht die
Ressourcenallokation über funktionsfähige Kapitalmärkte im Mittelpunkt der
Diskussion steht, sondern die (pfadabhängige) Leistungsfähigkeit von
bankfinanzierten Wirtschaftssystemen mit konzentriertem Aktienbesitz.
IV. Empirische Studien
\'Managerialismus\' in seiner positiven Variante stellt auf die
Untersuchung der tatsächlichen Herrschaftsstrukturen in Großunternehmen in
Industrieländern ab (Gerum, Elmar
1999, S. 154 – 156). Zu den bekanntesten Studien zählt die 1932 von Berle und
Means veröffentlichte, die auf das Auseinanderfallen von Eigentum und Kontrolle
in US-amerikanischen Unternehmen aufmerksam gemacht hat (Berle,
Adolf/Means, Gardiner C. 1932). Weitere empirische Forschungen haben
die \'Managerherrschaft\' in den USA, vor allem aber in Deutschland und Japan zum
Gegenstand gehabt (Beyer, Jürgen
1998; Gerum, Elmar
1995; Gerum, Elmar
1999, S. 154; Ichihara,
Kiichi/Kagono, Tadao 1977; Larner,
Robert J. 1970; Lipka, Sabine
1995; Picot,
Arnold/Michaelis, Elke 1984; Steinmann,
Horst/Schreyögg, Georg/Dütthorn, Carola 1983; Thonet, Peter
J. 1977).
V. Entwurf
managementorientierter Governance-Strukturen
1. Umkehrung des herkömmlichen Ansatzes
Während heute Governance-Strukturen vornehmlich aus
Eigentümerperspektive diskutiert werden (Hansmann,
Henry/Kraakman, Reinier 2001; Baums,
Theodor/Scott, Kenneth E. 2003), kann man die Sichtweise auch
umkehren und fragen, ob sich das Problem ändert, wenn die Managementperspektive
als Ausgangspunkt gewählt wird (Kirchner, Christian/Richter, Rudolf). Die Frage
lautete dann: Welche Governance-Strukturen sollten Manager Investoren anbieten,
die Eigenkapital für ein auch in Zukunft managergeleitetes Unternehmen
aufzubringen bereit sind? Es spricht eine Vermutung dafür, dass die Änderung
der Sichtweise, und damit der Situationslogik, für die Problemlösung von
Bedeutung ist (Popper, Karl
R. 1942, S. 97).
2. Methodischer Ansatz
Will man die Blickrichtung der Governance-Diskussion ändern,
um Governance-Strukturen aus der Managerperspektive zu entwerfen, zwingt dies
zu methodischen Konsequenzen in Bezug auf die Annahme vollkommener Information,
unbeschränkter Rationalität und fehlender Transaktionskosten. Dies erörtert die
Neue-Institutionen-Ökonomik (Coase, Ronald
H. 1998; Richter, Rudolf/Furubotn,
Eirik 2003; Voigt, Stefan
2002). Es ist von systematisch unvollkommener Information beschränkter
Rationalität und positiven Transaktionskosten auszugehen. Das impliziert, dass
hier nicht von der Hypothese effizienter Kapitalmärkte (efficient capital
market hypothesis) ausgegangen wird, dass der vorhandene Börsenwert eines
Unternehmens nicht zwangsläufig gleichgesetzt werden kann mit dem Wert des
Unternehmens, den dieses für unterschiedliche Gruppen von Akteuren hat.
3. Unterschiede zwischen eigentümerorientieren
und managementorientierten Governance-Strukturen
a) Governance-Strukturen aus der Eigentümerperspektive
Ausgangspunkt der Erörterung von Governance-Strukturen aus
der Eigentümerperspektive ist die Tatsache, dass die Eigentümer (als
Prinzipale) nicht die Möglichkeit haben, im Einzelnen zu kontrollieren, ob die
Geschäftsführer Entscheidungen treffen und durchführen, die den Präferenzen der
Eigentümer entsprechen (Jensen,
Michael C./Meckling, William H. 1976, S. 327; Kirchner,
Christian/Richter, Rudolf 2003). Hier kommen der Anreizvertrag als
unvollständiger Vertrag (Hellwig,
Martin 2000, S. 96) und die Schaffung von Aufsichtsgremien – wie Aufsichtsrat
oder unabhängige Direktoren im Board-System – ins Spiel. Es geht um die Lösung
des Problems des Ex-post-Opportunismus des Managements (Williamson,
Oliver E. 1984, S. 1210). Unberücksichtigt bleibt bei einer solchen
Konstruktion die Gefahr einer möglichen Kooperation oder gar einer Kollusion
zwischen Management und Aufsichtsorgan (Hellwig, Martin
2000, S. 98). Es tut sich eine Kluft zwischen Insidern (Management,
Aufsichtsorgane, Banken) auf der einen Seite und Outsidern (Aktionäre,
Steuerzahler) auf. Das Management kann dann versuchen, sich der Kontrolle von
Outsidern zu entziehen, indem es zu diesem Zwecke immer neue Regeln und
Instrumente entwickelt. Die Outsider sind systematisch im Nachteil.
b) Unterschiedliche Konstruktionen aus der
Managementperspektive
Anreizverträge und
Selbstbindung: Kostenimplikationen der Informationsasymmetrie – Das Management
könnte den Investoren Anreizverträge – etwa Aktienoptionspläne – vorschlagen.
Allerdings können potenzielle Investoren die Gefahr von In-sich-Geschäften
schlecht abschätzen (Shleifer,
Andrei/Vishny, Robert 1997, S. 745). Es kämen nur solche
Anreizverträge in Betracht, die Zahlungen an Manager an Kriterien binden, die
von diesen nicht manipuliert werden können. Dieses Problem ist bisher nicht
zufrieden stellend gelöst.
Dann kann es sich für das Management lohnen, an die Stelle
eines Anreizvertrages eine Selbstbindung zu setzen, um die Wahrscheinlichkeit
eines ex post-opportunistischen Handelns glaubhaft zu reduzieren. Eine solche
Selbstbindung kann zu einer Verminderung der Flexibilität der Geschäftspolitik
führen, möglicherweise auch Investitionsanreize senken. Positiv schlägt
hingegen die Senkung der Kapitalkosten zu Buche. Eine vom Management initiierte
Selbstbindung hat gegenüber Anreizverträgen den Vorteil, dass Manager die
Auswirkungen unterschiedlicher Governance-Strukturen besser abschätzen können.
Insbesondere werden sie einschätzen können, wie sich diese auf die Fähigkeit
des Managements auswirken, auf Marktsignale zu reagieren, Innovationen zu
tätigen, in neue Märkte vorzustoßen und neue Märkte zu entwickeln.
Die Gestaltung von
Exit-Optionen – Dem Investor steht neben der Option des individuellen
Aktienverkaufs eine zweite Exit-Option zur Verfügung, nämlich der Verkauf
seiner Aktien an einen Bieter, der, um die Kontrolle über das Unternehmen zu
übernehmen, bereit ist, für den Erwerb der Aktien eine Kontrollprämie zu zahlen
(Kirchner,
Christian/Painter, Richard 2000, S. 377 – 381). So kann die
Kontrolle eines Unternehmens gegen den Willen des Managements der
Zielgesellschaft übernommen werden (feindliche Übernahme).
Für managergeleitete Unternehmen bietet sich dann eine
Ausgestaltung der Exit-Option im Fall feindlicher Übernahmen an, die sich von
der für eigentümerkontrollierte Unternehmen unterscheidet. Aus Eigentümersicht
geht es bei dieser Exit-Option um die Disziplinierung des Managements durch die
Absenkung der Übernahmeschranken. Im Verhältnis des Investors als Prinzipal und
den Mitgliedern des Managements als Agenten ist den Letzteren die Möglichkeit,
auf die Übernahme einzuwirken, weitmöglichst zu nehmen (Neutralitätspflicht).
Dies soll deshalb zu höheren Aktienkursen führen, weil zum einen die Erwartung
von Kontrollprämien den Aktienkurs steigert und zum anderen die Kapitalkosten
gesenkt werden. Allerdings wird bei diesem Kalkül nicht berücksichtigt, dass
die Disziplinierung des Managements dieses zu einer kurzfristigen Orientierung
am Börsenwert des Unternehmens zwingt. Langfristig angelegte
Managementstrategien, die möglicherweise den Unternehmenswert auf Dauer stärker
steigern, erscheinen dann aus Sicht des Managements wenig attraktiv, wenn wegen
der vorhandenen Informationsasymmetrien die Investoren die erwarteten Gewinne
stärker abdiskontieren, als dies aus Managementsicht vertretbar erscheint. Eine
solche Annahme widerspricht zwar der Hypothese der Kapitalmarkteffizienz (Fama, Eugene
1970; Fama, Eugene
1991; Grossman,
Sanford/Stiglitz, Joseph 1980), doch geht diese Hypothese von wenig
realistischen Informationsannahmen aus. Aus institutionenökonomischer
Perspektive ist wegen der Annahme systematisch unvollkommener Information von
einer unterschiedlichen Einschätzung langfristiger Managementstrategien aus
Eigentümer- und Managementperspektive auszugehen.
Für ein managergeleitetes Unternehmen bietet sich eine
Ausgestaltung der Exit-Option im Falle von Übernahmen an, die
Übernahmeschranken für feindliche Bieter erhöhen, etwa durch die Einräumung von
Ex-ante- und Ex-post-Verteidigungsmöglichkeiten des Managements gegen
Übernahmeangebote. An potenzielle Investoren kann damit glaubhaft der Vorrang
langfristiger Managementstrategien gegenüber einer kurzfristigen Maximierung
des Börsenwerts signalisiert werden. Dies kann sehr wohl positive Auswirkungen
auf den Börsenkurs haben, nämlich dann, wenn potenzielle Investoren ihrerseits
langfristige Anlageentscheidungen treffen. Das wird dann zur Konsequenz haben,
dass sich die Eigentümerstruktur bei managergeleiteten Unternehmen gegenüber
derjenigen bei eigentümerkontrollierten unterscheidet.
Reputationsaufbau durch
spezifische Investitionen in Humankapital – Die Glaubwürdigkeit der
Selbstbindung der Mitglieder des Managements lässt sich dadurch steigern, dass
diese spezifische Investitionen tätigen, während den Investoren Exit-Optionen
zur Verfügung stehen. Zu solchen spezifischen Investitionen zählen die bereits ins
Spiel gebrachten Aufwendungen für den Aufbau von Reputation. Daneben spielen
spezifische Investitionen in das Humankapital der Mitglieder des Managements
eine beträchtliche Rolle, besonders in solchen Unternehmen, in denen der
relative Anteil der Humankapitalinvestitionen hoch ist (Rajan,
Raghuram G./Zingales, Luigi 1998; Rajan,
Raghuram G./Zingales, Luigi 2001 und Rajan,
Raghuram G./Zingales, Luigi 2003).
Probleme kollektiven
Handelns – Im eigentümerkontrollierten Unternehmen mit Streubesitz ist die
Koordinierung der Interessen der Investoren mit erheblichen Kosten verbunden (Hellwig,
Martin 2000, S. 112). Eine Lösung dieses Problems des kollektiven
Handelns (collective action problem) durch Delegation von
Entscheidungsbefugnissen an das Management führt hingegen zu erheblichen
Prinzipal-Agent-Problemen. Dies wird insbesondere bei der Frage von
Verteidigungsstrategien des Managements bei feindlichen Übernahmeangeboten
deutlich. Für das managergeleitete Unternehmen kommt hier eine besondere
Variante der Selbstbindung in Betracht: Verteidigungsmaßnahmen seitens des
Managements werden von diesem den Investoren in einer elektronischen Abstimmung
zur Entscheidung vorgelegt (Kirchner,
Christian/Painter, Richard 2000, S. 397). Bietet das Management den
Investoren derartige Abstimmungsmöglichkeiten an, stärkt dies das Vertrauen
dieser Investoren und kann sich positiv auf die Kapitalkosten auswirken.
VI. Ausblick
Der traditionelle Managerialismus kann heute nicht mehr als
tragfähiges normatives Fundament für Corporate-Governance-Entscheidungen angesehen
werden. Andererseits erscheint es aber durchaus als lohnend,
Governance-Strukturen aus der Perspektive des Managements zu entwerfen und sie
denen aus Eigentümerperspektive gegenüberzustellen.
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