Inhaltsübersicht
I. Gegenstand
der Kostentheorie
II. Aufgaben
und Ausrichtung der Kostentheorie
III. Ansätze
der Kostentheorie
IV. Entwicklungsperspektiven
der Kostentheorie
I. Gegenstand der
Kostentheorie
Die Kostentheorie gehört zu den traditionellen Schwerpunkten
betriebswirtschaftlicher Forschung. Ihre zentrale Aufgabe wird allgemein darin
gesehen, Hypothesen über die Abhängigkeit der Kosten von Unternehmungen sowie
ihrer Teileinheiten bzw. -prozesse aufzustellen und zu prüfen. Damit wird die
Definition des Kostenbegriffs maßgebend für den Gegenstand der Kostentheorie.
1. Rechnungszielabhängigkeiten der Kosten
Unter Kosten versteht man den sachzielbezogenen bewerteten
Güterverbrauch. Man unterscheidet sie von anderen Grundbegriffen und
Basisgrößen der Unternehmensrechnung, um nicht, wie bei Auszahlungen, die
Beschaffung, sondern den Verbrauch von Gütern zu erfassen und sich im Gegensatz
zum Aufwand von den handels- und steuerrechtlichen Vorschriften zu lösen.
Die genauere Abgrenzung der Kosten und damit des Gegenstands
der Kostentheorie bereitet jedoch Probleme. Sie beginnen damit, dass sich der
Verbrauch bei einer Reihe von Einsatzgütern wie Maschinen, menschlicher Arbeit,
Informationen u.a. nicht leicht messen lässt. Insbesondere die Nutzung von
Potenzialgütern kann man nicht unmittelbar beobachten und messen. Ferner ist
die Trennung zwischen sachzielbezogenen, also auf das Produktionsprogramm
gerichteten, und anderen Güterverbräuchen, z.B. für die Nutzung von Kapital, in
hohem Maße vom jeweiligen Rechnungszweck sowie pragmatischen Gesichtspunkten
bestimmt. Schließlich bildet die Frage, ob sich die Bewertung entsprechend dem
pagatorischen Kostenbegriff an Marktpreisen oder gemäß dem wertmäßigen
Kostenbegriff an Entscheidungssituationen orientieren soll, einen alten
Streitpunkt der Betriebswirtschaftslehre.
Die skizzierten Probleme des Kostenbegriffs haben für die
Kostentheorie keine geringe Bedeutung. Grundsätzlich erscheinen zwei Ansätze
möglich. Wenn Kosten empirisch beobachtbare und quantitativ messbare Größen
wiedergeben, können sie den Ausgangspunkt für ein theoretisches Aussagensystem
bilden. Beziehen sie sich dagegen auf nicht beobachtbare Größen, dann sind sie
im Rahmen eines theoretischen Aussagensystems mit Beobachtungsbegriffen zu
verknüpfen. In dieser Weise lässt sich der wertmäßige Kostenbegriff als
theoretischer Begriff verstehen. Er bildet daher nicht den Ausgangspunkt der
Kostentheorie, vielmehr sind wertmäßige Kosten aus einer solchen Theorie
herzuleiten.
Kostentheoretische Aussagen gehen aus diesen Gründen
zweckmäßigerweise von pagatorischen Kosten aus. Obwohl diese an den
Marktpreisen anknüpfen, ist auch ihre Definition nicht eindeutig und hängt von
dem jeweils verfolgten Rechnungsziel ab (Schneider, D.
1994). Kosten bezeichnen nämlich generell die negative Komponente des
Periodengewinns. Ihre genaue Abgrenzung wird z.B. im Hinblick auf die
Sachzielbezogenheit davon bestimmt, wie man den Gewinn definiert. Durch die
Lösung von der bilanziellen Rechnung erhält der jeweilige Entscheidungsträger
die Möglichkeit, die Rechnung auf das von ihm frei wählbare Gewinnziel
auszurichten. Aus dieser Überlegung folgen zwei wichtige Konsequenzen für die
Kostentheorie:
1.
Sie müsste eigentlich in eine umfassender Gewinn- oder
Erfolgstheorie eingebettet sein. Für den Entscheidungsträger ist nicht nur
die Einsatzseite als negative Gewinnkomponente, sondern auch die
Ausbringungsseite bedeutsam, die zu den Erlösen als positiver
Gewinnkomponente führt.
2.
Die Aussagen der Kostentheorie können entweder nur
begrenzt präzise oder nur begrenzt allgemein gültig sein, da die jeweilige
präzise Abgrenzung des Gewinns und der Kosten beim einzelnen
Entscheidungsträger liegt. Erkenntnisse für das zu unterlegende Gewinnziel
können insb. die betriebswirtschaftliche Zielforschung und die Kapitaltheorie
liefern.
2. Bezugsbereich der Kostentheorie
Obwohl die Kostenrechnung alle Unternehmensbereiche erfasst,
haben sich Produktions- und Kostentheorie vor allem auf die Prozesse der
Erstellung von Sachgütern konzentriert. Kosten entstehen jedoch auch bei der
Beschaffung, der Lagerung und dem Absatz von Gütern, in Forschung und
Entwicklung, bei der Aufnahme und Anlage von Kapital sowie durch Prozesse der
Unternehmensführung. Deshalb kann der Gegenstandsbereich einer Kostentheorie
nicht eng gesehen werden, wenn sie Erkenntnisse für die Analyse und
Beeinflussung aller Kosten liefern soll.
Während in der industriellen Fertigung materielle Objekte
mithilfe von Maschinen und anderen Betriebsmitteln physisch bearbeitet werden,
treten in den anderen Leistungsbereichen und in den Prozessen des
Führungssystems menschliche Aktivitäten sowie Informationsprozesse in den
Vordergrund. Daraus folgt, dass dort in geringerem Maße naturwissenschaftlich-technische
als verhaltenswissenschaftliche Zusammenhänge für die Höhe der in ihnen
anfallenden Kosten bestimmend werden. Dementsprechend bauen kostentheoretische
Aussagen auf unterschiedlichen Theorieansätzen auf. Diese richten sich
maßgeblich nach dem Bezugsbereich, für den sie formuliert werden.
II. Aufgaben und
Ausrichtung der Kostentheorie
1. Erfassung empirischer Zusammenhänge
Die betriebswirtschaftliche Kostentheorie wird vor allem als
Realtheorie verstanden, die faktisch überprüfbare Hypothesen über die
Abhängigkeit der Kosten von ihren Einflussgrößen enthält (Schweitzer,
M./Küpper, H. -U. 1974). Diese werden i.d.R. als Kostenfunktionen
formuliert, deren unabhängige Variablen die wichtigsten Kosteneinflussgrößen
bilden. Neben den Einflussgrößen will man grundsätzliche Erkenntnisse über
Strukturmerkmale des Kostenverlaufs gewinnen. Man fragt insbesondere, ob in der
Realität eher lineare, degressive oder S-förmige Kostenverläufe zu finden sind.
In einem ersten
Schritt sucht man hierbei nach den zentralen Einflussgrößen der Kosten, für die
sich neuerdings die anschauliche Bezeichnung Kostentreiber einbürgert. In einer
mehr qualitativen Analyse fragt man danach, von welchen Größen die Kostenhöhe
in erster Linie abhängt. Ursprünglich sah man die Beschäftigung als
herausragende Kosteneinflussgröße an, neben der weitere Größen wie die
Maschinengröße sowie -spezialisierung, die Betriebsgröße, die Intensität, die
Auflagengröße und/oder Artikelzahl wirksam werden können. Mit den aus Abb. 1 ersichtlichen
Kosteneinflussgrößensystemen von Gutenberg,
Heinen und Kilger sind die Zusammenhänge tiefer gehend analysiert worden. Sie
machen deutlich, dass die Beschäftigung als »synthetische« Kosteneinflussgröße
zu verstehen ist, deren Ausprägung von mehreren Variablen des
Produktionsprogramms und -prozesses bestimmt wird.
Abb. 1: Die Kosteneinflussgrößensysteme von Gutenberg, Heinen
und Kilger
Der zweite Schritt
beinhaltet die quantitative Abbildung der Beziehungen zwischen den
Kosteneinflussgrößen (z.B. Beschäftigung x, Einsatzgüterpreise q und
Nutzenpotenzial e) und der Kostenhöhe K in Kostenfunktionen K = f(x, q, e).
Für deren Formulierung sind insbesondere die Zahl und Art der
unabhängigen Variablen x, q bzw. e sowie deren funktionale Verknüpfung f und
damit der Funktionsverlauf bedeutsam.
Kostentheoretische Untersuchungen können sich auf einen
kurzfristigen oder einen langfristigen Betrachtungshorizont erstrecken. Die
Fristigkeit der Berücksichtigung von Kostenwirkungen wirkt sich vor allem auf
die Bedeutung verschiedener Kosteneinflussgrößen aus. Auf kurze Sicht ist i.A.
die Betriebsbereitschaft als unveränderlich anzunehmen. Damit werden z.B. die
Zahl und die Eigenschaften der verfügbaren Anlagen und Mitarbeiter als gegeben
unterstellt. In der langfristigen Analyse treten demgegenüber die Veränderungen
der Betriebsgröße, der Organisation und der Technologie in den Vordergrund.
Dabei ist zusätzlich zur Wirkung auf die Kostenhöhe der Einfluss auf die
Kostenstruktur zu analysieren.
2. Analytische Untersuchung von
Kostenzusammenhängen
Neben dem realtheoretischen Zweig besitzt die
formalanalytische Untersuchung von Kostenzusammenhängen ein großes Gewicht (Kistner, K.
-P. 1993). In ihr werden u.a. die formalen Eigenschaften von
Kostenfunktionen herausgearbeitet und auf wenige Axiome zurückgeführt. Die
hierbei entwickelten kostentheoretischen Ansätze werden als Möglichkeiten
realer Zusammenhänge verstanden, ohne dass man ihre empirische Geltung für
bestimmte Bereiche behauptet und überprüft.
Die Erkenntnisse der Kostentheorie sollen zur Fundierung
betrieblicher Entscheidungen dienen. Diese erstrecken sich i.d.R. nur auf ein
partielles Entscheidungsfeld, weil eine simultane Berücksichtigung aller
Variablen und Bedingungen die Leistungsfähigkeit eines Entscheidungsträgers
überfordert. Deshalb benötigt er Anhaltspunkte, wie sich relevante Wirkungen
isolierter Entscheidungen auf die nicht einbezogenen Entscheidungsprobleme
zumindest näherungsweise erfassen lassen (Hax, H.
1967). In entscheidungstheoretischen Analysen wurde herausgearbeitet, dass sich
derartige Wirkungen auf das Gewinnziel durch Kostenparameter in der
Zielfunktion berücksichtigen lassen. Sie geben in Form von Kostensätzen für die
Inanspruchnahme von Kapital, Maschinen u.Ä. wieder, welcher Gewinnbeitrag dem
Entscheidungsträger dadurch entgeht, dass er das betreffende nur begrenzt
verfügbare Gut nicht für die nächstbeste andere Alternative nutzt. Deshalb
werden sie als Opportunitätskosten bezeichnet, die den Verzicht auf andere
Möglichkeiten zum Ausdruck bringen.
So gibt ein Zinssatz an, welche Zinserlöse durch eine
Verwendung des Kapitals beispielsweise für die Anlage auf dem Kapitalmarkt oder
die Rückzahlung von Krediten erreichbar wären. Er stellt damit die Verbindung
zu nicht explizit einbezogenen Investitions- und Finanzierungsentscheidungen
her. Derartige Opportunitätskosten sind z.B. über die Dualwerte linearer
Planungsmodelle exakt bestimmbar. Auch wenn sich diese Erkenntnis vielfach
nicht unmittelbar praktisch umsetzen lässt, liefert die Analyse Einsichten in
die Bedeutung und die Struktur von Opportunitätskosten. Sie zeigt auf, welche
Anforderungen entscheidungsbezogene Informationen erfüllen müssen und welche
Gesichtspunkte für ihre Bestimmung maßgeblich sind.
3. Fundierung der Kostenrechnung
Die Kostentheorie bildet eine zentrale Grundlage für Plankostenrechnungen.
Sowohl die Prognose von Kosten als auch die Analyse von Abweichungen erfordern
eine Kenntnis der Zusammenhänge zwischen Kostenhöhe und ihren Einflussgrößen.
Deshalb sind Kostenfunktionen für die Planung und die Kontrolle von Kosten erforderlich.
Durch die Ausrichtung auf das Gewinnziel benötigt die
Unternehmung für viele Entscheidungen Kosteninformationen, welche die
Kostenrechnung bereitstellen soll. Über die Fundierung der Kostenrechnung wird
die Kostentheorie daher für eine große Zahl von Planungs- und
Kontrolltatbeständen wichtig. Viele Entscheidungsmodelle der Beschaffung (z.B.
optimale Bestellmenge), der Fertigung (z.B. Programm- und Losgrößenplanung),
des Absatzes oder der Finanzierung enthalten Kostenparameter. Deren Ausprägung beruht
auf Kenntnissen oder Vorstellungen über die in der Kostentheorie betrachteten
Kostenzusammenhänge.
III. Ansätze der
Kostentheorie
Im Allgemeinen sieht man die Produktionstheorie als die
grundlegende Basis der Kostentheorie an. Neben ihr sind jedoch weitere Wege zur
Entwicklung und Prüfung kostentheoretischer Aussagen begangen worden. Diese
öffnen den Blick für ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten zum Ausbau der
Kostentheorie.
1. Fundierung auf Erfahrung und
Plausibilitätsüberlegungen
In den traditionellen Ansätzen zur Analyse von
Kostenfunktionen wurden eher Beispiele als Hypothesen von Kostenverläufen
betrachtet. Für einzelne Kostenarten stellte man typische Abhängigkeiten von
Beschäftigungsänderungen heraus. Die Verknüpfung von proportionalen Verläufen
bei Einzel- sowie Sondereinzelkosten, unterproportionalem Anstieg bei einem
Teil von Personal-, Raum-, Strom- u.a. Kosten sowie überproportionaler Steigung
bei einer Überbeanspruchung von Menschen und Maschinen jenseits der
Vollbeschäftigung führte zu der Vermutung eines S-förmigen
Gesamtkostenverlaufs. Sie stützte sich auf die Beobachtung von Beispielen,
nicht auf theoretische Herleitungen oder systematische empirische Erhebungen.
Daher war der Grad ihrer Bewährung gering.
2. Produktionstheoretische Fundierung
Bis heute befasst sich die Betriebswirtschaftslehre intensiv
damit, die Kostentheorie aus der Produktionstheorie herauszuentwickeln. Da
diese die regelmäßigen Beziehungen zwischen den Einsatzmengen r und
Ausbringungsmengen x unter Berücksichtigung sonstiger Einflussgrößen e in Form
von Produktionsfunktionen r = g(x, e) erfassen soll, kann sie entsprechend Abb. 2 eine wichtige Komponente der
Kosten begründen. Jedoch werden Kosten zugleich von den Preisen q der
Einsatzgüter bestimmt. Für die Untermauerung dieser zweiten Komponente müsste
die Preistheorie herangezogen werden. Ihr wird jedoch nicht dasselbe Gewicht
beigemessen. Vielmehr unterstellt man in den meisten kostentheoretischen
Untersuchungen konstante Preise, obwohl diese Annahme vielfach nicht der
Realität entspricht und fallende oder steigende Preis-Beschaffungsfunktionen
die Struktur des Kostenverlaufs maßgeblich verändern können.
Abb. 2: Komponenten der Kostentheorie und Erlöstheorie im
Rahmen einer Erfolgstheorie
Grundsätzlich lassen sich Kostenfunktionen aus den jeweiligen
Produktionsfunktionen entsprechend Abb. 3
methodisch einfach herleiten. Hierzu multipliziert man die Mengen jeder
Einsatzgüterart mit den festen oder aus Preis-Beschaffungsfunktionen
bestimmbaren Preisen und addiert über alle Kostenarten auf. Zu der sich
ergebenden Summe der variablen Kosten können noch Fixkosten F für die
unverändert verfügbaren Potenzialgüter treten. Damit gelangt man zu
Kostenfunktionen der Art:
Abb. 3: Herleitung der Kostenfunktion aus Produktionsfunktion
und Preis-Beschaffungsfunktion
Die verschiedenen Ansätze der Produktionstheorie ermöglichen
eine theoretisch fundierte Herleitung der Mengenkomponente von Kostenfunktionen
für unterschiedliche Bereiche, Strukturen und Betrachtungsweisen. So gelangt
man z.B. auf der Basis von Leontief-Funktionen für ein- oder mehrstufige Ein-
bzw. Mehrproduktfertigung bei festen Einsatzpreisen zu linearen
Kostenverläufen. Dagegen führen neoklassische Produktionsfunktionen sowie
aktivitätsanalytisch begründete Prozessvariationen zu überproportional
steigenden Kostenverläufen, während sich aus Gutenberg-Verbrauchfunktionen
mehrvariablige, in Abhängigkeit von der Intensität nicht lineare
Kostenfunktionen ergeben (Fandel, G.
1991). Die weit ausgebaute Produktionstheorie liefert der Kostentheorie ein
breites Fundament, das vor allem für den Ausbau der Grenzplankostenrechnung (Kilger, W.
1993) genutzt worden ist.
3. Empirische Fundierung
Empirische Erhebungen über den Verlauf von Kostenfunktionen
sind in verschiedener Hinsicht unternommen worden. Schon ältere Untersuchungen
haben gezeigt, dass die Gesamtkosten von Unternehmungen in Abhängigkeit von der
Beschäftigung eine Tendenz zu einem linearen Verlauf aufweisen (Henzel, F.
1964). Speziellere Analysen haben die Struktur von Verbrauchfunktionen z.B. für
die Strom- und die Dampferzeugung erhoben. Besondere Beachtung fand die
Bestimmung der Kostenbeziehungen bei anlagenabhängigen Betriebs- und
Instandhaltungskosten (Zhang, S.
1990).
Intensiv ausgebaut wurde die Herleitung von Produktions- und
Kosten- sowie Erlösfunktionen in dem Konzept der Betriebsplankostenrechnung (Wartmann, R.
1963; Laßmann, G.
1968; Kolb, J.
1978). Auf der Grundlage mehrvariabliger, linearer Einflussgrößenmodelle werden
in ihm die Funktionen vor allem mit multipler Regressionsanalyse aus
empirischen Daten der Stahlindustrie bestimmt.
Während sich diese Untersuchungen auf die Periodenkosten
konzentrieren, hat in der längerfristigen Betrachtung die Erfahrungskurve
besondere Beachtung gefunden. In verschiedenen Industriezweigen konnte bei
einer Verdoppelung der kumulierten Produktmenge eine 20 – 30%ige Senkung der auf
den Wertschöpfungsanteil bezogenen, inflationsbereinigten Stückkosten beobachtet
werden (Kloock,
J./Sabel, H./Schuhmann, W. 1987).
4. Kapitaltheoretische Fundierung
Wenn die Kostentheorie an empirisch beobachtbaren Wertgrößen
und den für viele Unternehmungen wichtigen Erfolgszielen ansetzen soll, muss
sie mit Kapitaltheorie verknüpft werden. Dann hat sie von den Zahlungen als den
empirischen Größen auszugehen, aus denen letztlich alle Erfolgsgrößen
hergeleitet werden. Ferner muss sie sich, auch in ihrer vielfach dominierenden
kurzfristigen Perspektive, am übergeordneten langfristigen Erfolgsziel
orientieren. Als solches bietet sich in erster Linie der Marktwert der
Unternehmung an, der sich im End- bzw. Kapitalwert niederschlägt.
In der investitionstheoretischen Kostenrechnung werden Kosten
aus den Zahlungsströmen hergeleitet (Luhmer, A.
1980; Küpper, H.
-U. 1985). Sie entsprechen den Änderungen dCt/dt des langfristigen Bar-
(oder des End-)Wertes C des Gütereinsatzes bei Variation der diesen
bestimmenden Variablen:
Ct = f(t,Yt)
Die hierbei zugrunde gelegte langfristige Zielgröße Ct kann beispielsweise vom Alter t eingesetzter
Anlagen, deren kumulierter Beschäftigung Yt u.Ä. abhängen. In diesem Ansatz werden die
Kosten K = dCt/dt
als theoretischer Begriff aus einem Modell abgeleitet, in welches die
beobachtbaren Zahlungen als Basisgrößen zur Bestimmung des Kapitalwertes
eingehen. Sie sind als Opportunitätskosten interpretierbar, welche sich z.B.
durch die zeitlichen Interdependenzen zwischen heutiger und künftiger Nutzung
eines Gutes ergeben.
Dieser Ansatz öffnet der Kostentheorie neue Fragestellungen.
Er zeigt auf, dass primär die Bestimmungsgrößen der langfristigen Erfolgsziele
und deren Auswirkungen auf die Zahlungsströme einer Unternehmung zu erforschen
sind. Den Ausgangspunkt bildet die Analyse der Handlungsvariablen (z.B. der
Ausstattung des Produktionsprogramms und des Produktionsprozesses) sowie der
externen Rahmenbedingungen (z.B. der Technologie), von denen der Kapitalwert
als langfristiges Erfolgsziel abhängig ist. Man sucht nach
Kapitalwertfunktionen, durch welche sich diese Zusammenhänge abbilden lassen.
Aus diesen sind auf konzeptionell klar nachvollziehbarem Wege Aussagen über
kurzfristige Gütereinsätze und deren Wirkungen abzuleiten. Damit erhält man für
den Gegenstand der Kostentheorie eine zuverlässigere Basis als bei einem eher
pragmatisch abgegrenzten Kostenbegriff. Bisher ungelöste Probleme der
Kostenrechnung wie die Bestimmung nutzungsabhängiger Abschreibungen und die
Verknüpfung der Programm- mit der Instandhaltungs- sowie der
Nutzungsdauerplanung können auf diesem Weg eher einer Lösung zugeführt erden (Küpper, H.
-U. 1993).
Dieser Ansatz liefert zudem ein Konzept, durch welches die
Kostentheorie mit der Kapitaltheorie verbunden werden kann. Damit erhält sie
den Anschluss an einen Theoriebereich, der inzwischen für die ökonomische
Planung, Steuerung und Kontrolle eine maßgebliche Bedeutung und einen hohen
Ausbaugrad erreicht hat.
5. Institutionentheoretische Fundierung
Bislang war die betriebswirtschaftliche Kostentheorie vor
allem auf die Kosten der Herstellung und Verwertung von Gütern konzentriert.
Die neuere Institutionenökonomie hat den Blick für weitergehende
Fragestellungen und Konzepte erweitert. Innerhalb der Transaktionskostentheorie
untersucht man das Problem, welche wirtschaftlichen Koordinationsformen sich
bei unterschiedlichen Bedingungen als günstig erweisen. Dabei versteht man
unter Transaktionskosten »Kosten der Information und Kommunikation, die für die
Vereinbarung und Kontrolle eines als gerecht empfundenen Leistungsaustauschs
zwischen Aufgabenträgern entstehen« (Picot, A.
1993, S. 107). Zu ihnen gehören Anbahnungs-, Vereinbarungs-, Abwicklungs-,
Kontroll- und Anpassungskosten. Sie treten in der Form von Personalkosten auf.
Während die traditionelle Kostentheorie vor allem untersucht, wie diese Kosten
von Produktionsentscheidungen beeinflusst werden, hat die Institutionentheorie
eine völlig andere Problemsicht. Sie fragt danach, von welchen Bedingungen die
Höhe dieser Kosten abhängt und inwieweit sich daher entsprechend Abb. 4 eine hierarchische, eine
marktliche oder eine Zwischenform der beiden Koordinationsformen als günstiger
erweist. Damit liefert sie nicht nur ein Konzept zur Analyse von bisher nicht
näher untersuchten Koordinationskosten, sondern Ansätze zur Erklärung und
Auswahl zwischen verschiedenen Organisationsformen.
Abb. 4: Transaktionskosten bei verschiedenen
Koordinationsformen in Abhängigkeit von Informationsproblemen (Picot, A.
1993, S. 110)
In den Konzepten der Institutionentheorie wird mit den
Wirkungen von Kosten und Opportunitätskosten argumentiert, ohne diese als
messbare Größen exakt zu definieren. Deshalb dient sie eher zur Ableitung und
Begründung qualitativer Erkenntnisse als zur konkreten Bestimmung von
Kostenwirkungen oder zur quantitativen Lösung von Einzelproblemen.
IV. Entwicklungsperspektiven
der Kostentheorie
Die Kostentheorie ist unmittelbar auf die Prognose und
Erklärung von Kosten gerichtet. Deshalb ist sie in erster Linie ein Fundament
der Kostenrechnung. Über diese reicht ihre Verwendbarkeit in alle
erfolgszielorientierten Planungsbereiche der Unternehmung hinein. So sind
kostentheoretische Aussagen auch für Entscheidungen im Rahmen der
Beschaffungsplanung (z.B. Bestellmengen), Produktionsplanung (z.B.
Fertigungsprogramm und -verfahren), Absatzplanung (z.B. Werbeeinsatz) und den
anderen Planungsbereichen von Bedeutung. In ihnen dienen sie zur Fundierung der
Kostenfunktionen, mit denen die Wirkungen der jeweiligen Variablen auf den
Erfolg als Zielgröße bestimmt werden.
Ihre Verbindung mit anderen Theorien eröffnet der
Kostentheorie neue Entwicklungsperspektiven. Über die Kapitaltheorie könnte man
zu einer umfassenderen Erfolgstheorie gelangen, die an den übergeordneten mehrperiodigen
Zielgrößen ansetzt. Zudem könnte eine Basis für die Berücksichtigung unsicherer
Erwartungen über die Kostenverläufe gewonnen werden.
Die Verknüpfung mit institutionenökonomischen Ansätzen
liefert Konzepte, mit denen sich wichtige Gemeinkosten wie Planungs- und
Kontrollkosten fundierter analysieren lassen. Neben den
transaktionstheoretischen Modellen könnte eine Verbindung kostentheoretischer
mit Principal-Agent-Modellen Einsichten für eine tiefer gehende Analyse von
Gemeinkosten der Steuerung vermitteln.
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Kolb, J. : Industrielle
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