Inhaltsübersicht
I. Ziele
und Grundlagen der Betriebsplankostenrechnung
II. Aufbau
der Betriebsplankostenrechnung
III. Anwendung
der Betriebsplankostenrechnung
IV. Einordnung
der Betriebsplankostenrechnung
I. Ziele und Grundlagen der
Betriebsplankostenrechnung
Das Ziel der Betriebsplankostenrechnung, deren Entwicklung
auf Laßmann und Wartmann zurückgeht (vgl. Laßmann, G.
1968; Laßmann, G.
1973; Wartmann, R.
1963), ist die periodenbezogene Planung und Überwachung der Produktion.
Dabei steht die kostenmäßig fundierte
Beurteilung alternativer Produktionsprogramme und -verfahren im
Vordergrund. Die Vielzahl von Einflussgrößen führt dazu, dass Stückkosten bzw.
-deckungsbeiträge nicht als Beurteilungsmaßstab geeignet sind, da sie nicht
konstant, sondern das Ergebnis bestimmter betrieblicher Gegebenheiten
(Erzeugnisprogramm, Losgrößen, technische Verfahren) sind und diese
Konstellation ggf. einmalig ist (vgl. Laßmann, G.
1983, S. 91). Als Kennziffer für die kurzfristige Unternehmenssteuerung
dient deshalb der Periodenerfolg, der damit Grundlage für Planung, Kontrolle
und Dokumentation des Betriebsgeschehens ist. Die Betriebsplankostenrechnung
ist besonders für Unternehmen geeignet, in denen die Freiheitsgrade bezüglich alternativer Produktionsverfahren,
Einsatzstoffmischungen und des Produktionsprogramms hoch sind, wie z.B. in der
Grundstoffindustrie. Entsprechend liegen auch konkrete Fallbeispiele aus der
Eisen- und Stahlindustrie vor (vgl. z.B. Bleuel, B.
1980; ter Schüren,
H./Wartmann, R. 1975; Wartmann, R.
1963).
Die produktionstheoretische Basis der Betriebsplankostenrechnung
sind Betriebsmodelle (vgl. Franke, R.
1972) mit linearen bzw. linearisierten Einflussgrößenfunktionen, die den
Zusammenhang zwischen Faktoreinsätzen und Produktionsprozessen abbilden.
Vorläufer der Betriebsmodelle sind die statischen Input-Output-Modelle (vgl. Schweitzer,
M./Küpper, H.-U. 1997, S. 59 ff.): In dem Modell von Leontief
wird jede Produktionsstelle durch einen Prozess dargestellt, der durch die
Produktionsmenge als einzige Einflussgröße determiniert wird (vgl. Leontief, W.
1953). Physikalisch-chemische Zusammenhänge werden in den
Pichler-Modellen berücksichtigt (vgl. Pichler, O.
1961; Pichler, O.
1966), die für Betriebe mit kontinuierlicher Fertigung ausgelegt sind.
Weitergehender ist Gutenbergs Theorie der Anpassungsformen, in der sich durch
die verschiedenen Anpassungsformen nicht-lineare Input-Output-Beziehungen auf
Basis verschiedener Einflussgrößen ergeben (vgl. Gutenberg, E.
1983, S. 354 ff.; Kistner,
K.-P. 1993, S. 139 ff.).
II. Aufbau der
Betriebsplankostenrechnung
Ein wesentliches Merkmal der Betriebsplankostenrechnung ist
die strikte Trennung zwischen Mengen- und
Wertrechnung. Das Mengengerüst wird auf der produktionswirtschaftlichen
Seite durch ein Betriebsmodell, auf
der absatzwirtschaftlichen Seite durch ein Absatzmodell beschrieben (siehe Abb.
1). Diese Modelle erfassen die originären produktionstechnischen bzw.
absatzwirtschaftlichen sowie dispositive und kalkulatorische Zusammenhänge mittels
Einflussgrößen und Einflussgrößenfunktionen. Durch die Bewertung mit Preisen
gelangt man zu den Kosten bzw. Erlösen einer Periode und kann im letzten
Schritt die Zielgröße der
Betriebsplankostenrechnung, den Periodenerfolg,
ermitteln.
Abb. 1: Struktur der Betriebsplankostenrechnung
1. Einflussgrößen
und Einflussgrößenfunktionen
Als Einflussgrößen werden im mathematisch-statistischen Sinne
unabhängige Variablen bezeichnet, die im Rahmen eines
technisch-organisatorischen Prozesses andere abhängige Variablen stochastisch
oder deterministisch bestimmen (vgl. Laßmann, G.
1968, S. 77). Sie werden als Kosteneinflussgrößen
bezeichnet, wenn mit ihrer Veränderung eine Kostenveränderung verbunden ist. Zu
unterscheiden sind primäre Einflussgrößen und die daraus abgeleiteten
sekundären Einflussgrößen. Primäre Einflussgrößen können vom Unternehmen disponierbar sein (z.B.
Produktionsprogramm, Losgrößen, technologische Verfahren) oder extern
vorgegeben und damit für das Unternehmen nicht
disponierbar sein (z.B. Arbeitstage einer Periode, Witterungsverhältnisse).
Die Disponibilität der Einflussgrößen ist sowohl vom zeitlichen und sachlichen
Bezugsrahmen der Planung als auch von Umweltbedingungen des Betriebes abhängig
(vgl. Busse von
Colbe, W./Laßmann, G. 1991, S. 209 ff.). Sekundäre
Einflussgrößen egj mit j = 1,..., n (z.B. Bearbeitungs-
und Rüstzeiten, Einsatzstoffbedarf) werden aus den primären Einflussgrößen
sowie bereits disponierten sekundären Einflussgrößen sukzessiv mittels
folgender Einflussgrößenfunktion abgeleitet:
mit:
Dabei wird grundsätzlich von linearen Einflussgrößenfunktionen ausgegangen, bzw. davon, dass die
Funktion für die relevanten Teilbereiche abschnittsweise approximativ
linearisiert werden kann (vgl. Fischer,
R./Rogalski, M. 1995, S. 55 – 57).
Ein Beispiel für eine konkrete Einflussgrößenfunktion ist der
Stromverbrauch eines Stahlwerkofens (vgl. Laßmann, G.
1992, S. 304). Als primäre Einflussgröße wirkt die gesetzlich mögliche
Betriebszeit (GBZ) in Stunden je Rechenperiode, sekundäre Einflussgrößen sind
die Menge fester Einsatzstoffe (Schrott) je Rechenperiode (FEG) sowie die Menge
flüssiger Einsatzstoffe (Roheisen) je Rechenperiode (REL). Der Stromverbrauch
je Rechenperiode ist gegeben durch:
Zur Ermittlung von Einflussgrößenfunktionen stehen analytische und statistische Verfahren zur Verfügung. Bei den analytischen
Verfahren werden die Koeffizienten der Einflussgrößenfunktionen deduktiv
festgelegt, indem naturwissenschaftlich-technische Abhängigkeiten, theoretische
Verbrauchsstudien oder arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde gelegt
werden. Statistische Verfahren leiten Einflussgrößenfunktionen aus den
Istwerten vergangener Perioden regressionsanalytisch ab. In der Praxis kann für
die Ermittlung von Einflussgrößenfunktionen zum Teil auf
Prozesssteuerungsmodelle zurückgegriffen werden (vgl. Wartmann, R.
1963; ter Schüren,
H./Wartmann, R. 1975). Der Detaillierungsgrad dieser Modelle
ist aber vielfach sehr hoch, sodass unter Wirtschaftlichkeitsaspekten
Einflussgrößen mit geringerer Kostenwirkung eliminiert und nicht-lineare
Beziehungen approximativ linearisiert werden müssen (vgl. Laßmann, G.
1983, S. 92).
2. Betriebsmodelle
als Grundlage der Kostenplanung
Einflussgrößen und
Einflussgrößenfunktionen bilden das Betriebsmodell,
in dem die Verbrauchs- und Potenzialeinsatzfunktionen erfasst werden. Das
Gleichungssystem kann in Vektor-Matrix-Notation dargestellt und in einer Strukturmatrix als allgemeines
Ordnungsschema zusammengefasst werden (vgl. Sehner,
G./Steinecke, V./Wartmann, R. 1974, S. 350). Abb. 2 zeigt
allgemein den Aufbau einer Strukturmatrix für eine Mengenrechnung. Koeffizienten für Faktorverbräuche können in
Abhängigkeit von primären und sekundären Einflussgrößen angegeben werden. Im
linken Teil der Strukturmatrix ist in der Kopfzeile der Vektor x der
primären Einflussgrößen enthalten. Die Matrix A enthält in den Spalten
die Koeffizienten für Faktorverbräuche, die durch die zugehörigen primären
Einflussgrößen determiniert werden; die Zeilen können als Verwendungsnachweis
der Faktorarten interpretiert werden.
Abb. 2: Allgemeiner Aufbau der Strukturmatrix
Der Vektor f wird als Vektor der sekundären Einflussgrößen in die Kopfzeile der Matrix B
übertragen; Koeffizienten für
Faktorverbräuche in Abhängigkeit sekundärer Einflussgrößen werden in der
Matrix B erfasst. Die Strukturmatrix enthält das lineare Gleichungssystem der
Faktorverbrauchs-Einflussgrößen-Beziehungen. Zyklen sind nicht zugelassen. Der
Vektor f kann zeilenweise ermittelt werden:
und wird zur Vereinfachung der Rechnungs- und
Auswertungsprogramme weiter untergliedert (vgl. Sehner,
G./Steinecke, V./Wartmann, R. 1974, S. 349). Die primären Einflussgrößen werden in
Einflussgrößen, die das Produktionsprogramm abbilden, in Einflussgrößen, die
die Bedingungen des Produktionsvollzugs darstellen sowie in eine Einflussgröße,
die die Anzahl der Planungsperioden angibt, aufgeteilt (vgl. Laßmann, G.
1983, S. 96). Die sekundären
Einflussgrößen werden ebenfalls kategorisiert und geordnet, sodass anstelle
einer zeilenweisen Ermittlung der sekundären Einflussgrößen die Abrechnung
durch Matrizenmultiplikation erfolgen
kann. Abb. 3 zeigt den Aufbau einer Strukturmatrix für einen
Produktionsbetrieb, wobei Annahmen bezüglich der Beziehungen zwischen den
Einflussgrößen – z.B. dass der Erzeugnisseinsatzstoffbedarf
ausschließlich von primären Einflussgrößen abhängt – die Struktur dieser Matrix
determinieren.
Das Betriebsmodell gibt die mengenmäßigen Beziehungen des
Produktionssystems wieder. Plankosten
einer Periode können durch das Einfügen des Preisvektors
(in der Abb. 3 unterteilt in p1′ und p2′)
differenziert nach Kostenarten ermittelt werden. Der Vektor b enthält Restriktionen (Absatz- sowie
Beschaffungshöchstmengen, Kapazitätsgrenzen) und ermöglicht lineare Optimierungsrechnungen. Dabei gehen in
die Zielfunktion die Erlöse der Produkte und die Kosten der Faktoren
(Einflussgrößen) ein, da die produktbezogenen Stückdeckungsbeiträge nicht
eindeutig determiniert sind, z.B. weil Werkstoffe substituiert oder
verschiedene Produktionsverfahren gewählt werden können (ausführliches Beispiel
vgl. Hahn,
D./Laßmann, G. 1999, S. 334 – 338).
Abb. 3: Strukturmatrix eines Betriebsmodells (in Anlehnung an
Hahn,
D./Laßmann, G. 1999, S. 333; Laßmann, G.
1999, S. 96; Sehner,
G./Steinecke, V./Wartmann, R. 1974, S. 351)
Grundsätzlich ist zur Ermittlung des Periodenerfolgs ein Absatzmodell
als Basis der Erlösplanung
und Erlöskontrolle zu erstellen und in analoger Form in eine
Strukturmatrix zu überführen (vgl. Kolb, J.
1978; Laßmann, G.
1979; Wittenbrink,
H. 1975). Primäre disponible Einflussgrößen können etwa
Produktqualitäten, Rabattstaffeln, Vertriebswege oder sonstige absatzpolitische
Instrumente sein; in Form von nicht-disponiblen Einflussgrößen können
Konkurrenzpreise, Witterungseinflüsse, Konjunkturverlauf und Wechselkurse
berücksichtigt werden. Allerdings ist die Ermittlung von
Einflussgrößenfunktionen auf der Absatzseite ungleich schwieriger als auf der
Kostenseite, da sich die Beziehungen zwischen primären und sekundären
Einflussgrößen nur schwer quantifizieren lassen und nicht für einen längeren
Zeitraum unverändert bleiben, da sich das Verhalten der Marktteilnehmer
wandelt.
III. Anwendung der
Betriebsplankostenrechnung
1. Periodenbezogene
Produktions- und Kostenplanung
Die periodenbezogene Sehner,
G./Steinecke, V./Wartmann, R. Planung, Dokumentation und Kontrolle
des Erfolges ist zentraler Rechnungszweck der Betriebsplankostenrechnung. Dabei
wird über die Ermittlung von Eingangsdaten für Planungsmodelle hinausgegangen,
indem die Programmplanung und wesentliche Teile der Vollzugsplanung in das
Rechensystem integriert werden. Periodenkosten können für alternative Vorgaben
der primären Einflussgrößen ausgewiesen werden. Diese Simulation verschiedener
Produktionssituationen ist insbesondere für die kurzzyklische Serien- und Sortenfertigung
sinnvoll, die durch häufig wechselnde Produktionsprogramme,
Verfahrensänderungen durch Losgrößenvariation und Änderung der Sorten- und
Serienfolgen gekennzeichnet ist. Im Rahmen der periodenbezogenen Produktions-
und Kostenplanung wird die Trennung in Mengen- und Wertrechnung beibehalten.
Bei kalkulatorischen Kostenarten (z.B. Abschreibungen) kann die
Mengenkomponente eine fiktive Größe sein und als Geldbetrag ausgedrückt werden
(vgl. Laßmann, G.
1983, S. 93). Für gewählte Einflussgrößenkonstellationen werden im ersten
Schritt die Primärbedarfe mengenmäßig errechnet und Engpässe ermittelt.
Die Bewertung mit Preisen erfolgt in einem zusätzlichen
Schritt. Dadurch werden die Kostenwirkungen
alternativer betrieblicher Dispositionen aufgezeigt. Zudem wird es durch die
explizite Einführung des Preisvektors möglich, die Preise als weitere Einflussgröße
zu berücksichtigen. Auswirkungen von Preisänderungen auf die Kosten sind
unmittelbar zu erkennen, und Anpassungsmaßnahmen (Substitutionsprozesse) können
eingeleitet werden (vgl. Laßmann, G.
1973, S. 8). Bei entsprechender Struktur kann das Betriebsmodell als
Optimierungsmodell verwendet und so die Produktions- und Kostenplanung mit
entsprechenden Verfahren gelöst werden (Optimierungs-
u. Simulationsmodelle; vgl. Laßmann, G.
1983, S. 90).
2. Abweichungsanalysen
im Rahmen der Produktions- und Kostenkontrolle
Die Trennung von Mengen- und Wertgerüst und die explizite
Berücksichtigung mehrerer Einflussgrößen ermöglichen eine differenzierte Abweichungsauswertung.
Die Gesamtabweichungen lassen sich trennen in Plan- und Verbrauchsabweichungen. Planabweichungen ergeben sich aus
der Gegenüberstellung von Plan- und Sollkosten und sind das Resultat einer
wissentlichen Veränderung der Planvorgaben während der Realisationsphase
(Programmänderungen, Verfahrensabweichungen, Substitution von Werkstoffen).
Verbrauchsabweichungen ergeben sich aus der Gegenüberstellung von Soll- und
Istkosten und können auf Unwirtschaftlichkeit im Vollzug hinweisen. Liegen den
Einflussgrößenfunktionen statistisch ermittelte Koeffizienten zugrunde, handelt
es sich bei den Sollkosten um Durchschnittswerte und es ist eine Streuung der
Daten zu tolerieren. Abweichungen, die außerhalb der Toleranzgrenzen liegen,
sind genauer zu untersuchen. Wenn alle wesentlichen Einflussgrößen im
Betriebsmodell abgebildet wurden, können Entstehungsort, Ursachen sowie
Verantwortung der Abweichungen sehr differenziert aufgezeigt werden.
3. Kostenträgerkalkulation
Die Kostenarten- und die Kostenstellenrechnung
sind durch Erfassung der Einflussgrößen und Faktorverbräuche in der
Strukturmatrix integriert. Eine sich anschließende Kostenträgerrechnung ist
nicht zwangsläufig vorgesehen. Es werden weder Teil- noch Vollkosten auf die
Kostenträger verrechnet, da die Gesamtkosten einer Periode ermittelt werden.
Für die Produktions- und Absatzplanung wird eine stückbezogene Kosten- und Erlösrechnung
nicht für sinnvoll erachtet, da durch die Berücksichtigung mehrerer
Einflussgrößen auch bei einem qualitativ und mengenmäßig konstanten
Produktionsprogramm die Bandbreite der möglichen Kostenträgerstückkosten bzw.
-erlöse zu groß ist (vgl. Laßmann, G.
1983, S. 91). Die Ableitung von Kostenträgerinformationen als sekundäre Zielgrößen ist aber möglich
und notwendig, z.B. für Bestandsbewertungen, Ermittlung zwischenbetrieblicher
Verrechnungspreise und Vorkalkulation. Da die Informationen in elementarer Form
in der Strukturmatrix erfasst sind und rechentechnisch aus dieser herausgelöst
werden, kann die Kostenträgerrechnung sowohl auf Voll- als auch auf
Teilkostenbasis in beliebiger Abstufung und Gliederung erfolgen (vgl. Schweitzer,
M./Küpper, H.-U. 1998, S. 366).
IV. Einordnung der
Betriebsplankostenrechnung
Die Relative
Einzelkostenrechnung steht der Betriebsplankostenrechnung insofern
konzeptionell nahe, als auch in diesem System die strikte Trennung von Mengen-
und Wertgerüst und die Erfassung von Einflussgrößen und
Einflussgrößenfunktionen als wesentliche Bestandteile eines
Kostenrechnungssystems gesehen werden (vgl. Riebel, P.
1956, S. 285 – 289). Dabei wird in der Betriebsplankostenrechnung
ausdrücklich berücksichtigt, dass viele Kostenarten nicht nur von einer
Einflussgröße, sondern häufig von mehreren Einflussgrößen unterschiedlicher Art
und Stärke abhängen (vgl. Laßmann, G.
1968, S. 68). Die Strukturmatrix kann aufgrund ihrer Flexibilität
bezüglich verschiedener Auswertungsrechnungen als formalisierte Grundrechnung
im Sinne von Schmalenbach und Riebel (vgl. Schmalenbach,
E. 1956, S. 280; Riebel, P.
1964, S. 84) interpretiert werden. Wesentliche Unterschiede ergeben sich aus
der Auffassung des Periodenerfolgs
als Kennziffer für die kurzfristige Unternehmenssteuerung in der
Betriebsplankostenrechnung, was von Riebel
abgelehnt wird (vgl. Laßmann, G.
1983, S. 88).
Während in früheren Veröffentlichungen noch die Nähe zur
Relativen Einzelkostenrechnung betont wurde (vgl. Laßmann, G.
1968, S. 69), wird die Betriebsplankostenrechnung in letzter Zeit eher
als eine Ergänzung und Modifikation der Grenzplankostenrechnung
(vgl. Laßmann, G.
1983, S. 90) bzw. der flexiblen Plankostenrechnung (vgl. Laßmann, G.
1992, S. 300) gesehen. Eine Weiterentwicklung gegenüber der
Plankostenrechnung ist insbesondere darin zu sehen, dass wesentliche Teile der
Produktionsplanung simultan mit der
Kostenrechnung durchgeführt werden und dabei multiple lineare
Einflussgrößenfunktionen mit mehreren
unabhängigen Variablen berücksichtigt werden. Weitere Unterschiede bestehen in
der Aufspaltung in Mengen- und Wertgerüst anstelle der unterjährigen Verwendung
von Planpreisen in der flexiblen Plankostenrechnung (vgl. ausführlicher zu
konzeptionellen Unterschieden Laßmann, G.
1992, S. 315 – 316; Laßmann, G.
1983).
Im Hinblick auf die gestiegenen Gemeinkosten in den
indirekten Bereichen ist zu fragen, ob eine Übertragung der Vorgehensweise für
den Fertigungsbereich auf die indirekten Bereiche möglich ist. Gerade für diese
Bereiche wird immer wieder betont, dass die Produktionsmenge als alleinige
Einflussgröße nicht geeignet ist, um das Verhalten von Gemeinkosten abzubilden.
Die Prozesskostenrechnung
versucht, diesen Mangel zu beheben, indem Prozesse mit weiteren Einflussgrößen
als Kalkulationsobjekte eingeführt werden. Die Eignung der
Prozesskostenrechnung als System zur Entscheidungsunterstützung leidet jedoch
häufig darunter, dass diese Einflussgrößen letztlich durch die Schlüsselung der
Prozesskosten auf Kostenträger nivelliert werden. In der
Betriebsplankostenrechnung werden viele prozessorientierte
Einflussgrößen (z.B. Anzahl der Lose, Anzahl der Varianten) und deren
Faktorverbrauchskoeffizienten bereits berücksichtigt. Prinzipiell kann eine
verstärkte Integration weiterer Einflussgrößen in das Betriebsmodell die
Kostenplanung auch für die indirekten Bereiche verbessern. Dies setzt aber das
Vorhandensein von linearen bzw. zu linearisierenden Kostenfunktionen sowie die
Beeinflussbarkeit der Kosten voraus.
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