Inhaltsübersicht
I. Zahlen,
Zahlenwert, Dimension
II. Kennzahlen
III. Systematik
von Kennzahlen
IV. Aufgaben
von Kennzahlen
V. Kennzahlensysteme
VI. Kennzahlen
zur Systemanalyse und zur Systemgestaltung
VII. Kennzahlen
zur Erfüllung von Controllingaufgaben
VIII. Key
Figures im wertorientierten Controlling
I. Zahlen, Zahlenwert,
Dimension
Die Verwendung des Wortes „ Zahl “ in unserer Kultur und
Sprache ist äußerst mannigfaltig. Zahlen vermitteln zunächst nur
Größenordnungen, indem sie einen bestimmten Sachverhalt quantitativ
kennzeichnen. Die Vorstellung der Größenordnung ist dabei oft nur sehr vage.
Die Einstellung von Menschen zu Zahlen ist daher subjektiv.
Der Wert vieler Größen ist das Produkt aus einem Zahlenwert
und einer Einheit. Es sind Größen mit Dimension im Gegensatz zu Größen ohne
Dimension: Wert = Zahlenwert × Einheit (Dimension). In vielen Anwendungen ist
die Dimensionsanalyse von Zahlenverknüpfungen ein nützliches Vorgehen zur
Fehleranalyse und Interpretation.
Nur verhältnisskalierte Zahlen lassen sich sinnvoll
verknüpfen. Mit Zahlen gleicher Dimension darf man die vier Grundrechenarten
ausführen; dagegen kann man Zahlen unterschiedlicher Dimension sinnvoll nur
multiplizieren und dividieren.
II. Kennzahlen
Mit Kennzahl (engl. ratio, key figure) bezeichnen wir ganz
allgemein eine Absolut- oder Verhältniszahl, die einen bestimmten (möglichst
kardinal messbaren) Sachverhalt oder Tatbestand mit besonderer Aussagekraft
beschreibt. Durch Kennzahlen versucht man das Wesentliche oder Typische der
wirklichen Gegebenheiten in einer Zahl zu verdichten, aber erhebt nicht – wie
oft fälschlich angenommen – den Anspruch auf Gültigkeit im Einzelfall.
In der Statistik beschreiben z.B. Lagemaße ein „ Zentrum “
einer Häufigkeitsverteilung (Mittelwert, Median, Modalwert) oder die
Streuungsmaße (Spannweite, Varianz, Standardabweichung, Variationskoeffizient)
eine „ Streuung “ der Merkmalsausprägungen. Umsatz, Bilanzsumme oder
Mitarbeiterzahl sagen etwas über die „ Größe “ von Unternehmen aus. Kennzahlen
werden in nahezu allen wissenschaftlichen Disziplinen verwendet. Die
beschreibende, deskriptive Statistik verwendet eine Vielzahl von Kenngrößen,
die sich vorzugsweise auf den Aspekt der „ besonderen Aussagekraft “
konzentrieren.
Betriebwirtschaftliche
Kennzahlen sind solche, die in verdichteter, konzentrierter Form über einen
zahlenmäßig erfassbaren, betriebswirtschaftlichen Tatbestand informieren. Damit
man mit Kennzahlen Rechenoperationen durchführen und das Ausmaß von
Unterschieden in Merkmalsausprägungen erfassen kann, müssen wir die kardinale (metrische) Messbarkeit
fordern. Es ist also zu unterscheiden zwischen Kennzahlen, die Merkmalen
(Quantitative Merkmale: Alter, Gewicht, Einkommen, Umsatz) gleichzusetzen sind
und Kennzahlenwerten, die Merkmalsausprägungen entsprechen (34 Jahre, 110 kp,
125.000 EUR). Kennzahlen sind somit durch drei Parameter charakterisiert: Objekt, Zeitbezug und Zahlenwert
[Dimension]. Das Objekt gibt an,
worüber die Kennzahl informiert (Umsatz des Unternehmen A, Mitarbeiterbestand
der Firma X). Der Zeitbezug ist
entweder ein Zeitpunkt, dann ist die Kennzahl eine Bestandsgröße (z.B.
Bilanzsumme am 31.12.2001; Dimension: Geldeinheiten). Oder der Zeitbezug ist
eine Periode, dann ist die Kennzahl eine Stromgröße (z.B. Kosten des Monats
Mai; Dimension: Geldeinheiten/Monat). Man hat sich also stets zu fragen: Für
welchen Zeitpunkt oder für welchen Zeitraum gilt die Kennzahl? Schließlich
gehört natürlich zu jeder Kennzahl der Zahlenwert (z.B. 1.250 EUR) mit
Dimensionsangabe.
Für die Zahlenwerte einer Kennzahl gibt es folgende
Möglichkeiten:
-
Sie sind Merkmalsausprägungen, z.B. Umsatz im Jahr
2001 = 17.129.423 EUR; Mitarbeiterbestand am 31.12.01 = 1.593 MA.
-
Sie werden durch Rechenoperationen berechnet, z.B. aus
Gewinn des Jahres 2001 = 1.322.400 EUR und Umsatz im Jahr 2001 = 17.129.423
EUR zu „ Umsatzrendite “ = 1.322.400/17.129.423 = 7,72 %.
-
Sie werden durch Rechenoperationen aus anderen
ebenfalls berechneten Kennzahlenwerten ermittelt; z.B. „ Kapitalrentabilität =
Gewinn/Kapital “ aus „ Umschlagshäufigkeit “ = Umsatz/Kapital und
„ Umsatzrendite “ = Gewinn/Umsatz “ .
-
Die Kombination von Punkt 2 und 3 trifft zu.
III. Systematik von
Kennzahlen
Eine Systematisierung von Kennzahlen nach Merkmalen dient der
Gewinnung eines besseren Überblicks über die verschiedenen Arten und über die
Anwendungsgebiete:
-
Statistisch-methodische Aspekte: Absolute
Zahlen/Grundzahlen (Einzelzahlen, Summen, Differenzen, Lagemaße,
Streuungsmaße, ?); Verhältniszahlen (Gliederungszahlen, Beziehungszahlen,
Indexzahlen).
-
Merkmalsausprägung: Klassifikatorisch
(Nominalskaliert); Komparativ (Ordinalskaliert); Kardinal/Metrisch
(Intervallskaliert, Ratioskaliert, Absolutskaliert).
-
Zeitliche Struktur: Zeitpunktgrößen/Bestandsgrößen;
Zeitraumgrößen/Stromgrößen.
-
Inhaltliche Struktur: Mengengrößen (physikalisch,
andere), Finanzielle Größen/Werte (ökonomisch), ?
-
Datenquelle: Empirische Erhebung; Buchhaltung;
Jahresabschluss; Kostenrechnung, ?
-
Produktive Struktur: Inputgröße (Einsatz); Outputgröße
(Ergebnisse); Beziehung zwischen Output- und Inputgröße.
-
Informationskategorie: Faktische Zahlen (IST),
Prognosezahlen (WIRD, PLAN); Vorgabegröße (SOLL); ? IST-Kennzahlen
dokumentieren Tatbestände oder Ereignisse in der Vergangenheit.
SOLL-Kennzahlen geben eine Vorgabe als Richtwert für ein bestimmtes
zukünftiges Handeln.
-
Aggregationsgrad: Gesamtgrößen (Unternehmung);
Teilgrößen (Bereiche, Sparten); Einzelgrößen (Stellen).
-
Fristigkeit: Strategische Kennzahlen; Operative
Kennzahlen.
-
Sicherheit: Einwertige Zahlen (Sicherheit);
Mehrwertige Zahlen mit/ohne Wahrscheinlichkeitsangabe (Risiko, Chance).
Innerhalb der Methodik der Kennzahlen spielen die
Verhältniszahlen (engl. ratio) als Quotient zweier Absolutzahlen eine besondere
Rolle. Verhältniszahlen lassen sich wie folgt untergliedern:
-
Gliederungszahlen: Teilgröße dividiert durch
übergeordnete Gesamtgröße gleicher Dimension (Anteil, Prozent, Promille),
z.B. Anlagevermögen/Gesamtvermögen; Ausländeranteil.
-
Beziehungszahlen: Quotient zweier sinnvoll in Verbindung
stehender, verschiedenartiger Zahlen, z.B. Hektarertrag, Rentabilität. Eine
erste Gruppe von Beziehungszahlen sind Verursachungszahlen:
Bewegungsgröße/Bestandsgröße, z.B. Zahl der Todesfälle/Einwohner, Umsatz zu
Erzeugnisbestand. Entsprechungszahlen sind alle Beziehungszahlen, bei denen
man Ereignisse nicht auf ihren Bestand beziehen kann, z.B.
Schüler/Lehrerverhältnis.
-
Indexzahlen: Quotient zweier Grundzahlen der gleichen
Art, jedoch zeitlich (seltener örtlich) verschieden, z.B. Indexzeitreihe des
Umsatzes, Lohnkostenindex, Preisindex. Man misst die betrachtete Zählergröße
an einer Basisgröße, die gleich 100 gesetzt wird, um alle übrigen Größen
daran zu messen.
IV. Aufgaben von Kennzahlen
Innerhalb der Betriebswirtschaftslehre hat die Systemorientierung
und die Entscheidungsorientierung seit langem einen besonderen Stellenwert.
Betrachten wir eine Betriebswirtschaft als eine Menge von in Wechselwirkung
stehender Elemente, so lassen sich viele dieser Verbundbeziehungen durch
quantitative Maße beschreiben. Kennzahlen lassen sich daher unter dem Aspekt
der Systemorientierung a) zur Analyse
des jeweiligen Systemzustandes und b) zur Planung der Systementwicklung
einsetzen. Unter Controllingaspekten
dienen Kennzahlen a) als Entscheidungskriterien zur Steuerung und Koordination
der Aufgabenerfüllung und b) als Kriterien zur Kontrolle der Arbeitsweise von
Produktivsystemen.
In diesem Zusammenhang wird klar, dass Kennzahlen besonders
geeignet sind, um in der Unternehmensrechnung
und im Controlling instrumental Verwendung zu finden. Sie stellen generell
Informationen dar. Weil Kennzahlen stets nur über begrenzte Ausschnitte der
Realität informieren, muss man sich ihre Grenzen
vergegenwärtigen:
-
Zeitpunkt-Kennzahlen spiegeln nur eine
Augenblickssituation wieder. Aussagen über Zeiträume und zeitliche
Entwicklungen sind nicht möglich.
-
Die Qualität des Datenmaterials bestimmt die
Aussagegüte der abgeleiteten Kennzahlen (GIGO garbage in garbage out).
-
Älteres Datenmaterial hat nur bedingte Prognosekraft
für Gegenwart und Zukunft.
-
Extern induzierte Maßstabs- oder Regeländerungen
beeinträchtigen die Aussagekraft von Kennzahlen im Zeitvergleich (z.B.
Inflationseinfluss, Gesetzesänderungen).
-
Die Interpretation von Kennzahlen bedarf einer
Theorie, d.h. der Annahme von Hypothesen.
V. Kennzahlensysteme
Eine Menge von Kennzahlen, die durch Beziehungen bzw.
Zusammenhänge zu einer Struktur verknüpft sind, heißt Kennzahlensystem. In
Kennzahlensystemen erhalten Kennzahlen somit eine Bewertung, was die
Aussagekraft hinsichtlich bestimmter Ziele verstärkt und Fehlinterpretationen
entgegenwirken kann. Erfolgt in einer Menge von Kennzahlen eine
unterschiedliche Bewertung, so ergibt sich eine Kennzahlen-Hierarchie. Ein
hierarchisches Kennzahlensystem ist durch mehrere Hierarchieebenen
gekennzeichnet (Über-/Unterordnungsbeziehungen). Kennzahlen höherer
Hierarchieebenen weisen ein höhere Wertung auf als Kennzahlen unterer
Hierarchieebenen; somit ergeben sich Kennzahlen erster, zweiter, ?, n-ter
Ordnung. Die Hierarchie ergibt sich aus logischen (definitorisch,
mathematisch), empirischen oder subjektiv-bewertenden Beziehungen. Haben
dagegen alle Kennzahlen den gleichen Stellenwert, so handelt es sich um ein
Kennzahlen-Netz als reines Ordnungssystem. Eine Kennzahlen-Hierarchie ist ein
Spezialfall des Netzes; eine Kennzahlenpyramide
mit nur einer einzigen Spitzenkennzahl, ist ein Spezialfall der Hierarchie.
In Kennzahlen-Hierarchien stehen die Kennzahlen oft in einem
logisch-mathematischen (definitorischen) Zusammenhang. Eine Kennzahl KZ = f(KZ1, KZ2, ?, KZn), deren Wert
aus KZ1,
KZ2, ?,
KZn berechnet wird, kann hierarchisch über diesen
angeordnet werden. Allerdings ist dann keine Wertung mit diesen Kennzahlen
verbunden. Oft entspricht jedoch ein Kennzahlensystem, das sich aus einer
sachlichen Wertung ergibt, dem System, das den rechentechnischen Zusammenhang
dieser Kennzahlen darstellt. Grundsätzlich sollte jedoch versucht werden,
Kennzahlensysteme empirisch-theoretisch (deduktiv) herzuleiten. Viele
Kennzahlensysteme der Praxis wurden jedoch empirisch-induktiv (durch
Plausibilitätsüberlegungen, Expertenbefragung, statistische Methoden) gewonnen.
Kennzahlensysteme können als Modelle betrachtet werden, die
reale Sachverhalte zweckdienlich darstellen. Als Beschreibungsmodelle stellen sie
quantitative Zusammenhänge fest. Als Erklärungs- und Prognosemodelle erklären
sie die beschriebenen Zusammenhänge und leiten Prognosen aus den erklärten
Zusammenhängen ab. Als Entscheidungsmodelle nutzen sie die Zusammenhänge für
Gestaltungsvorschläge.
Kennzahlensysteme erfassen in der Praxis vielfach folgende
Teilsysteme:
-
Das Zielsystem:
Kennzahlensysteme können als Ziel-Mittel-Hierarchie konstruiert und als
Relevanzbaum graphisch veranschaulicht werden. Die Knoten eines solchen
Baumes stellen Ziele bzw. Mittel zur Zielerfüllung für eine Planperiode dar.
Die Kanten dagegen zeigen die Beziehungen zwischen solchen Zielen und
Mitteln. Die Mittel zur Erreichung eines (übergeordneten) Zieles können
ebenfalls als Ziele betrachtet werden, falls zu deren Erreichung wiederum
andere Mittel eingesetzt werden müssen. Als typisches Beispiel sei das
Oberziel „ Kapitalrentabilität (ROI) “ genannt, das durch zwei Mittel
„ Umschlagshäufigkeit des Kapitals “ und „ Umsatzrentabilität “ erreicht werden
kann.
-
Das Entscheidungssystem: Entscheiden heißt aus
mehreren Handlungsalternativen auswählen und damit zuvor eine Bewertung vorzunehmen.
Dazu bedarf es eines oder mehrerer Entscheidungskriterien und relevanter
Informationen über diese Alternativen. Kennzahlen können Informationen über
Sachverhalte in Form von Wissen oder Kenntnissen vermitteln. Eine
Quantifizierung der Alternativen über (z.B. von Kosten-, Nutzen-, Risiko-)
Kennzahlen ist häufig und ermöglicht eine objektive und nachvollziehbare
Bewertung.
-
Das Kommunikationssystem: Kommunikation dient der
Verständigung zweier Personen. Kennzahlen enthalten quantitative Informationen,
die als Nachrichten übertragen werden können. Die Kennzahl ist der
Informationsträger, wohingegen der Kennzahlenwert die eigentliche Information
darstellt.
-
Das Kontrollsystem: Der Vergleich von Realisiertem mit
dem Geplanten oder den Vorgaben ist eine häufige Form von Kontrolle in
Unternehmen. Der PLAN-IST- oder der SOLL-IST-Vergleich bildet die Grundlage
für eine Systembeurteilung durch eine Analyse der ermittelten Abweichungen.
Auch im Bereich der Kontrolle lassen sich Kennzahlensysteme einsetzen, weil
Kennzahlen über Zielsysteme vorgegeben werden und im IST (kardinal) gemessen
werden können. Auf diese Weise wird ein Wertevergleich ermöglicht (s.a. unter
VI.).
In der Literatur finden sich zahlreiche Konzepte für
Kennzahlensysteme. Beispielhaft werden einige finanzielle Kennzahlensysteme genannt: DuPont System of Financial
Control, 1919; ZVEI-Kennzahlensystem, 1970; R-L-System von Reichmann/Lachnit (Reichmann,
T./Lachnit, L. 1976); MIDIAS-Kennzahlensystem der DATEV, 1992
und System BP-14 (Baetge, J.
1998).
Ein Systemkonzept zur Verknüpfung finanzieller und
nicht-finanzieller Kennzahlen zur Steuerung von Unternehmen stellt die Balanced
Scorecard (vgl. Kaplan,
R.S./Norton, D.P. 1997) dar.
VI. Kennzahlen zur
Systemanalyse und zur Systemgestaltung
Gegenstand einer Systemanalyse und -gestaltung ist die
Unternehmung als Ganzes und ihre in der Regel hierarchisch oder als Netzwerke
gegliederten Teilbereiche. Im Rahmen der Systemanalyse
werden traditionelle Abläufe (Prozesse) prinzipiell in Frage gestellt, um
Verbesserungen durch Um- oder Neugestaltung zu erzielen. Die Analysefelder ergeben sich aus den
Wissenswünschen der Analytiker. Sie können sehr unterschiedlicher Natur sein.
Beispielhaft werden genannt (s.a. unter III):
-
Strategien (Ziele, Kernkompetenzen, Erfolgsfaktoren,
Strategische Geschäftseinheiten).
-
Konstituierende Elemente (Standort, Rechtsform,
Infrastruktur).
-
Funktionsbereiche (Logistik, Beschaffung, Produktion,
Absatz, Finanzen, Forschung und Entwicklung, Management).
-
Produkte (Programm, Altersstruktur, Qualität, Service,
Marktanteil, Volumen, Kosten, Preise, Innovationen).
-
Ressourcen (Personal, Energie, Material, Technologie,
Informationen, Finanzmittel).
-
Werte (Vermögen und Schulden, Erfolgslage, Finanzlage,
Marktwert).
Kennzahlen können zu allen Analysefelder ermittelt werden.
Durch Kennzahlenanalyse versucht man
Schlüsse zu ziehen und Aussagen zu machen. Dazu sind die Kennzahlen korrekt zu
interpretieren und miteinander zu verknüpfen. Durch Orientierung an den drei
Parametern einer Kennzahl (Objekt, Zeitbezug und Kennzahl) lassen sich drei
Analysemethoden unterscheiden:
-
Objektanalyse: Das Objekt ist konstant, dagegen sind
Zeit und/oder Kennzahlen variabel. Beispielhaft zu finden in den Key Figures
von Geschäftsberichten.
-
Zeitreihenanalyse: Die Kennzahl ist vorgegeben,
dagegen sind die Zeit und/oder das Objekt variabel. Typischerweise zu finden
als Indexzeitreihe.
-
Querschnittsanalyse: Hier betrachtet man für ein
bestimmtes Zeitintervall verschiedene Objekte und/oder Kennzahlen.
Beispielhaft als Betriebsvergleich oder Benchmarking
zu finden.
Bislang gibt es keine in sich geschlossene Theorie der
Kennzahlenanalyse in bestimmten Analysefeldern. Der Analytiker muss daher
versuchen, die fehlende Theorie durch Arbeitshypothesen
zu ersetzen. Für jede Kennzahl ist eine Arbeitshypothese zu bilden, die angibt,
ob ein hoher oder ein niedriger Kennzahlenwert positiv oder negativ zu
beurteilen ist. Die Hypothesen ergeben sich deduktiv aus Unternehmenszielen
(z.B. Rentabilität), aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen (z.B.
Gesamtkapitalkosten) oder aus dem Erfahrungswissen des Analytikers (z.B.
Branchen-Umschlagskennzahlen).
VII. Kennzahlen zur
Erfüllung von Controllingaufgaben
Kennzahlen ermöglichen Zielsetzungen und enthalten somit implizit
Entscheidungsvorbereitungs- und Entscheidungsfunktionen. Sie bewirken darüber
hinaus durch Vorgaben und Messungen eine Steuerung des Maßnahmen- und
Ressourceneinsatzes. Kennzahlen begünstigen somit durch eine Umsetzung der
Ziel-, Maßnahmen- und Ressourcenpläne in Sollgrößen für einzelne Bereiche die
Planverwirklichung. Aufgrund ihres instrumentalen Charakters lassen sie sich
als direkte oder indirekte Führungsinstrumente interpretieren.
Kennzahlen(systeme) erfüllen dabei drei typische Controllingfunktionen:
-
Kennzahlen(systeme) haben eine Informations- und Dokumentationsfunktion über eigene und fremde
Aktivitäten und ihre Ergebnisse. Im Rahmen dieser Funktion findet die
Feststellung oder Messung von IST-Größen
statt.
-
Kennzahlen(systeme) erfüllen eine Koordinations- und Integrationsfunktion (Koordination),
die insbesondere im Systemzusammenhang (s. a. unter VI.) zu einer prozessualen und strukturellen organisatorischen
Gestaltung beitragen kann.
-
Kennzahlen(systeme) weisen eine Motivations- und Anreizfunktion (Anreizsysteme) auf.
Ihre systemorientierte Berücksichtigung besitzt durch SOLL-Vorgaben einen direkten Einfluss auf die Ergebnisse von
Aktivitäten.
VIII. Key Figures im
wertorientierten Controlling
Die Wirtschaft durchläuft seit Mitte der 1980er-Jahre einen
tief greifenden Wandel. Wertorientiertes Controlling mittels Kennzahlen stellt
in diesem Kontext eine Antwort auf diese Herausforderungen dar. Ziel dieses
Konzeptes ist die ausgewogene Betrachtung von vier Perspektiven: Performance in
Form einer Gewinngröße, Performance in Form einer Liquiditätsgröße, nachhaltige
Wertsteigerung und Risikoberücksichtigung.
Die kurzfristige (jährliche) Performance von Unternehmen
hinsichtlich Erfolg und Liquidität wird ausreichend in Form bilanzieller
Jahresabschlusskennzahlen ermittelt. Kennzahlen wie Ordentliches
Betriebsergebnis, Finanzergebnis, Jahresgewinn oder -verlust, Rentabilitäten
verschiedenster Art (Return on Investment, Return on Equity), Operating
Cashflow, Free Cashflow, Cashflow Return on Investment u.v.a.m. sind
hinlänglich bekannt und werden daher hier weiter nicht verfolgt.
Zur Unterstützung eines nachhaltigen Wertmanagements werden vorrangig zwei Größen herangezogen.
-
Discounted Cashflow (DCF) Valuation: Hier werden in
der Literatur verschiedene Varianten diskutiert, die teils auf den
Unternehmensgesamtmarktwert (Entity-Ansatz: Adjusted present value-Ansatz;
Weighted Average Cost of Capital-Ansatz; Durchschnittliche
Kapitalkosten-Ansatz) oder nur auf den Marktwert des Eigenkapitals
(Equity-Ansatz) abstellen. Der Marktwert
des Eigenkapitals ist in allen Varianten die zentrale Zielgröße. Dieser
Marktwert ist mit dem Aktionärsvermögen von Unternehmen identisch. Der
Marktwert des Eigenkapitals berechnet sich aus dem
Unternehmensgesamtmarktwert durch Subtraktion des Marktwertes des
Fremdkapitals; beim Equity-Ansatz wird der Marktwert des Eigenkapitals direkt
berechnet. Der Cashflow von Unternehmen wird in der Praxis meistens aufgrund
der indirekten Methode (ausgehend vom Gewinn zu-/abzüglich nicht
liquiditätswirksamer Posten) ermittelt und ergibt sich aus Aktivitäten in
folgenden drei Bereichen: Bereich der laufenden Geschäfte (operating
activities), Investitionsbereich (investing activities) und
Finanzierungsbereich (financing activities). Der Operating Cashflow vor
Steuern und vor Zinsen, vermindert um die Zahlungen für Ersatz- und
Erweiterungsinvestitionen, ist der relevante Cashflow, der zur Zahlung von
Zinsen, Steuern und Kapitalrückzahlungen zur Verfügung steht. Er wird oft
auch als Free Cashflow bezeichnet. Ist der Gegenwartswert (net present value)
zukünftiger Free Cashflows positiv, so wird der Marktwert der Unternehmung
vergrößert; negative Gegenwartswerte verkleinern ihn. Im DCF-Modell
entspricht der Gesamtwert (gleich Marktwert) der Unternehmung der Summe aller
Gegenwartswerte – bei gegebenen Kapitalkosten – zukünftiger Cashflows,
die mit den bilanzierten und nicht bilanzierten Vermögenswerten (assets) und
Potenzialen (z.B. Know-how der human resources) generiert werden.
-
Economic Value Added (Residualgewinn): Nach diesem
Konzept wird ein zusätzlicher Unternehmenswert geschaffen, wenn eine über den
Gesamtkapitalkosten liegende Rendite erwirtschaftet wird. Die Differenz
zwischen erzielter Rendite (Net operating profit [NOP] vor oder nach Steuern
bzw. Earnings before interests and taxes [EBIT] dividiert durch Investiertes
Kapital [Net assets]) und Kapitalkosten (WACC) wird mit dem Investierten
Kapital multipliziert. Aus den Economic Value Added Größen wird danach ein
Market value added (MVA) ermittelt.
Eine Kennzahl, die sich im Bereich des Risikocontrollings
etabliert hat, ist der Value-at-risk (VaR). Der Value at Risk ist der
geschätzte, maximal erwartete Verlust, der unter üblichen Marktbedingungen
innerhalb einer bestimmten Periode bei einem vorgegebenen Konfidenzintervall
zum Niveau 1-α (α: Irrtumswahrscheinlichkeit, z.B. 97 % oder 95 %)
eintreten kann.
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Horváth, Péter :
Controlling, München, 6. A., 1996
Kaplan, Robert
S./Norton, David P. : Balanced Scorecard. Strategien erfolgreich umsetzen.
Deutsche Übersetzung von P. Horváth, B. Kuhn-Würfel und C. Vogelhuber,
Stuttgart 1997
Küpper, Hans U. :
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Kennzahlen, in: ZfbF, Jg. 28, 1976, S. 705 – 723
Roche, John J. : The
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