Inhaltsübersicht
I. Begriff,
Aufgaben, Orientierung
II. Funktionen,
Typen und Rollen des Beteiligungscontrolling
III. Integriertes
System des Performance-Controlling auf Basis der Unternehmenswertrechnung
I. Begriff, Aufgaben,
Orientierung
1. Konstitutive Eigenschaften des
Beteiligungscontrolling
Das Beteiligungscontrolling ist ein Teilbereich des
Controlling, der sich aufgrund seiner konstitutiven Merkmale von anderen
Aufgabenstellungen des Controlling wesentlich unterscheidet. Zentral ist das
Charakteristikum, dass es aus der Investorenperspektive vorgenommen wird (Botta,
Volkmar 1994, S. 30), des Eigentümers einer Beteiligung, der auf das
Unternehmen, an dem die Beteiligung besteht (Beteiligungsunternehmen), aufgrund
seiner Gesellschafterposition einen mehr oder weniger großen Einfluss bei der
Gestaltung der Geschäftspolitik ausüben kann. In der Literatur zum
Beteiligungscontrolling wurde erst in jüngerer Zeit der Versuch unternommen,
den Aspekt der Shareholder-Orientierung
zu berücksichtigen (Dolny, Oliver
2003; Hüllmann,
Ulrich 2003; Meier, Hanno
2001; Schmidbauer,
Rainer 1998; Vogel, Jochen
1998), etwa zeitlich parallel mit dem Einbezug der Wertorientierung in das
Bereichscontrolling (Dirrigl, Hans
2003; Dirrigl, Hans
2004), sodass derzeit ein Übergang von einem praxisfixierten
Aufgabenverständnis (Brützel, Christoph
1994; Lenhard, Udo
1996; Schmidt,
Andreas 1989) zu einer theoretisch anspruchsvollen Problemstellung
stattfindet, der auch in der Literatur zum Beteiligungscontrolling reflektiert
wird (Burger,
Anton/Ulbrich, Philipp R. 2005, S. 301 ff. und 509 ff.). Die mit
einem wertorientierten Verständnis (zu anderen Ausrichtungen vgl. Littkemann,
Jörg 2004) angesprochene Kontextabhängigkeit des
Beteiligungscontrolling zeigt sich in den Instrumenten und den verschiedenen
Funktionen des Beteiligungscontrolling: Hier werden die Rollen eines Registrators bzw. eines Navigators unterschieden, die noch um
Aspekte der Koordination ergänzt werden müssen.
2. Abgrenzung der Aufgaben des Beteiligungscontrolling
in Bezug auf das Konzern- und Akquisitionscontrolling
In der älteren Literatur zum Beteiligungscontrolling zeigt
sich das ausufernde Aufgabenverständnis darin, dass das Beteiligungscontrolling
mit dem Konzern-Controlling gleichgesetzt wird und Aufgabenstellungen aus dem
gesamten Beteiligungslebenszyklus (Dieckhaus,
Oliver-Till 1993) umfasst, mit der Akquisition beginnend, der
Beteiligungsphase oder Performancephase (Littkemann,
Jörg 2003, S. 203 ff.) folgend und der Desinvestitionsphase endend.
Zur Abgrenzung des Beteiligungscontrolling in Bezug auf diese
Phasendifferenzierung werden in der Literatur die folgenden Auffassungen
vertreten:
(a)
Der Begriff Beteiligungscontrolling wird ausschließlich
auf die Akquisitionsphase bezogen (Wurl,
Hans-Jürgen 2003, S. 7).
(b)
Beteiligungscontrolling ist (im engeren Sinne) nur
bezogen auf die Beteiligungsführungsphase nach vollzogener Akquisition und
Integration (Schäffer,
Utz/Eckey, Markus/Schumacher, Thilo 2005, S. 448; Steinle,
Claus/Thiem, Henning/Dunse, Arnd 1998, S. 141).
(c)
Das Beteiligungscontrolling umfasst begrifflich alle
Controllingaufgaben im Beteiligungslebenszyklus (Burger,
Anton/Ulbrich, Philipp R. 2005, S. 8; Horváth,
Péter 1997, S. 84; Schmidbauer,
Rainer 1998, S. 187 ff.; Schulte,
Christof 1994, S. 5; Weber, Jürgen
1997, S. 72).
Da der Begriff des Akquisitionscontrolling bereits etabliert
ist, erscheint es nicht opportun, an dessen Stelle den Begriff des Beteiligungscontrolling setzen zu
wollen, wie dies mit der in (a) angesprochenen (Minder-)Meinung beabsichtigt
ist. Andererseits ist die unter (c) angesprochene Interpretation extensiv und
gerät in Abgrenzungsprobleme zum Konzern-Controlling. Da in der Literatur das
Beteiligungscontrolling meist in einen Konzern-Zusammenhang gebracht wird (Landsmann,
Cord 1999; Littkemann,
Jörg 2004; Schmidbauer,
Rainer 1998; Weber, Jürgen
1997), ist zu fragen, welche Aufgaben in Abgrenzung zum Konzern-Controlling (Dirrigl, Hans
1998a; Dolny, Oliver
2003; Scheffler,
Eberhard 2005) dem Beteiligungscontrolling zuzuordnen sind. Die
unterschiedlichen Auffassungen zum Begriffsverständnis von Konzern- und
Beteiligungscontrolling lassen sich in folgender Weise differenzieren:
-
Das Beteiligungscontrolling ist ein Teilbereich des
Konzern-Controlling (Botta,
Volkmar 1994, S. 30; Dirrigl,
Hans 1998a, S. 379; Dolny,
Oliver 2003, S. 60 ff.; Scheffler,
Eberhard 2005, S. 181; Schäffer,
Utz/Eckey, Markus/Schumacher, Thilo 2005, S. 452).
-
Das Konzern-Controlling ist ein Teilbereich des
Beteiligungscontrolling (Horváth,
Péter 1997, S. 85).
-
Die Begriffe Beteiligungscontrolling und
Konzern-Controlling werden synonym verwendet (Kleinschnittger,
Ulrich 1993, S. 29; Gigouline,
Iouri 2001, S. 11; Vogel,
Jochen 1998, S. 21).
Bei der Beurteilung der heterogenen begrifflichen
Abgrenzungen ist zu bedenken, dass für das Halten einer Beteiligung und das
dazu in Verbindung stehende Beteiligungsmanagement bzw. -controlling die
Existenz eines Konzernverhältnisses nicht wesensnotwendig ist und deshalb auch
nicht begriffskonstitutiv sein sollte. Andererseits umfasst das
Konzern-Controlling auch Aufgabenbereiche, die über die Steuerung einer
Beteiligung hinausgehen (Botta,
Volkmar 1994, S. 30), sodass die an erster Stelle genannte Auffassung
zweckmäßig erscheint.
3. Investor-Orientierung des
Beteiligungscontrolling auf Basis von Markt- und Unternehmenswerten
Ausgangspunkt der Wertorientierung ist das Postulat, dass das
Bereichsmanagement in Konformität mit den Zielen der Investoren zu handeln habe
und dabei durch ein wertorientiertes Controlling mit entsprechend
ausgestalteten Instrumenten eine Unterstützungsleistung erbringen könne. Um das
heterogene Begriffsverständnis von Wertorientierung
zu systematisieren, können zwei Richtungen der Wertorientierung unterschieden werden, nämlich die
Marktwert-Orientierung einerseits und die Unternehmenswert-Orientierung
andererseits. Wird eine Controllingkonzeption programmatisch als marktwertorientiert postuliert bzw.
charakterisiert, so ist bei der Mehrdeutigkeit des Marktwert-Begriffs zu
fragen, ob darunter verstanden wird
-
ein Rückgriff auf risikoadjustierte
Kapitalkosten gemäß dem Capital-Asset-Pricing-Modell zur Ermittlung von
Value-Added-Kennzahlen (Performancemaße) oder
-
die Verwendung von Unternehmenswerten, die mit einer
speziellen – kapitalmarktorientierten – Discounted-Cash-Flow-(DCF-)Methodik
ermittelt wurden.
Mit risikoadjustierten
Kapitalkosten werden Wertbeitragskennzahlen ermittelt, die ein Signal dafür
geben sollen, ob in einer abgelaufenen Rechnungsperiode Wert geschaffen, also
ein Value Added erzielt wurde. Die Eignung solcher Wertbeitragskennzahlen – am
bekanntesten ist die Residualgewinn-Kennzahl Economic Value Added (EVA) – wurde
auch für Anwendungen im Bereich des Beteiligungscontrolling bzw.
Konzern-Controlling untersucht (Beck,
Carsten/Lingnau, Volker 2000; Schmidbauer,
Rainer 1999). Inzwischen ist geläufig, dass EVA nicht als
Unternehmenswert-Differenz missverstanden werden darf (Dirrigl, Hans
2004, S. 122). Charakteristisch für die kennzahlenbezogene Wertorientierung ist die einperiodisch-retrospektive Ausrichtung,
bei der kein Unternehmenswert als Barwert künftiger Überschüsse einer
Unternehmung oder eines Teilbereiches (Cash Generating Unit) berechnet werden
muss.
In der Performancephase
ist bei der periodischen Bestimmung des Beteiligungs(mehr)werts und der
Bestimmung des Beteiligungserfolgs eine Investor-Perspektive einzunehmen, die
methodisch mit Konzepten der subjektiv ausgerichteten Unternehmensbewertung
(Ertragswertmethode) unterstützt wird.
II. Funktionen, Typen und
Rollen des Beteiligungscontrolling
In der Literatur zum Beteiligungscontrolling sind bereits
verschiedene Typologien des Beteiligungscontrolling vorgeschlagen worden (Maier,
Stephan C. 2001, S. 103 ff.; Steinle,
Claus/Thiem, Henning/Dunse, Arnd 1998; Volk, Gerrit
1992, S. 311). Besondere Aufmerksamkeit hat der allgemeine controllingtypologische
Ansatz von Zünd gefunden (Zünd, André
1979), bei dem zwischen dem reinen Sammeln von Daten (Registrator) und der
Verdichtung dieser Daten zu Informationen zur Gewinnung von
Unternehmenssteuerungsimpulsen (Navigator) unterschieden wird.
1. Der Beteiligungscontroller als Registrator:
Informationsversorgung als Basisfunktion
Die dem Registrator zugeordnete Aufgabe des Sammelns von
Informationen und Fakten (Zünd, André
1979, S. 19), die meist unter die Überschrift Berichtswesen bzw. Reporting (Borchers,
Stefan 2000; Czekala,
Thomas 2005) gestellte Basisfunktion der Informationsversorgung,
wird hier mit der Unternehmensrechnung in Verbindung gebracht, die eine bedeutsame
Informationsquelle für das Controlling darstellt. Mit dem Typus des
Registrators ist der Frage nachzugehen, welche Informationen aus dem externen
und internen Rechnungswesen für die Informationsversorgung des
Beteiligungscontrolling nutzbar gemacht werden können.
Bezüglich des Einzelabschlusses einer
Beteiligungsgesellschaft ist dabei von Bedeutung, dass als Assets die
bilanzstichtagsbezogenen Werte der einzelnen Beteiligungen auszuweisen sind und
somit für diese periodische Werthaltigkeitsprüfungen vorgenommen werden müssen,
die eine umfangreiche und detaillierte Sammlung zukunftsbezogener Informationen
voraussetzt. Bei einer solchen (Hilfs-)Funktion des Beteiligungscontrolling
wären Bewertungsvorgaben zu berücksichtigen, wie sie in den Stellungnahmen der
Wirtschaftsprüfer zur Unternehmensbewertung allgemein (IDW S1) und spezifisch
aufgrund der Interpretation des Normzwecks (IDW RS HFA 10; IDW RS HFA 16)
verlangt werden, die aber für ein konsistentes System der Unternehmensbewertung
zum Problem werden können (Trützschler,
Klaus/David, Ulrich/Strauch, Joachim et al. 2005).
Aus dem Konzernabschluss sind solche Informationen relevant,
die auf Teileinheiten eines Konzerns ausgerichtet sind, also einmal die
Segmentberichterstattung und zum anderen Informationen im Kontext der
Akquisitionsbilanzierung. Ungeachtet etwaiger Details (US-GAAP bzw. IFRS) ist
eine Gemeinsamkeit von hierbei durchzuführenden Impairment-Tests darin zu
sehen, dass eine Orientierung zugrunde gelegt wird, die konträr zur
Standardausrichtung von Jahresabschlüssen steht: Statt der retrospektiven
Ausrichtung ist die Ermittlung des Value in Use einer Berichtseinheit
zukunftsorientiert, auf der Basis von Cashflows und unter Berücksichtigung von
Risikoaspekten durchzuführen (IAS 36).
Somit ist von der externen Rechnungslegung zwar eine
Verbesserung der Informationsversorgung zu erwarten, die aber für Zwecke der
Entscheidungen von Investoren (Decision Usefulness) noch nicht als ausreichend
angesehen wird. Unter dem Stichwort des (Shareholder) Value Reporting werden
deshalb Vorschläge diskutiert, wie durch zusätzliche Informationen auf
freiwilliger Basis die Informationsversorgung von Investoren so verbessert
werden kann, dass diese Unternehmenswerte aus externer Sicht berechnen können (Ruhwedel,
Franca/Schultze, Wolfgang 2002).
Die aus der Unternehmensrechnung gewonnene Informationsbasis
für das Beteiligungscontrolling setzt sich somit aus drei Schichten zusammen:
-
Verpflichtende Publizität aufgrund von Informationen
des Einzel- und Konzernabschlusses (Financial Accounting).
-
Freiwillige öffentliche Informationen aufgrund des
Value Reporting.
-
Private, also nicht öffentliche Informationen aus dem
Management Accounting und Reporting.
Auf das wertorientiert auszugestaltende Management Accounting
ist insbesondere ein Beteiligungscontroller in der Rolle eines Navigators
angewiesen.
2. Der Beteiligungscontroller als Navigator:
Unterstützung der Beteiligungsführung bei Planung und Kontrolle
Das Beteiligungsmanagement oder die Beteiligungsführung hat
Vorstellungen über die zukünftige strategische Ausrichtung des
Beteiligungsunternehmens zu entwickeln. Gehört die Beteiligung zu einem
Konzern, so werden strategische Ziele von der strategischen Konzernplanung abgeleitet
(zum Controlling aus Sicht einer strategischen Management-Holding vgl. Borchers,
Stefan 2000; Hüllmann,
Ulrich 2003; Schäffer,
Utz/Eckey, Markus/Schumacher, Thilo 2005; Schumacher,
Thilo 2005). Strategieplanung auf dieser Ebene (Corporate Level)
beinhaltet insbesondere Planungen bezüglich des Konzern-Portfolios: Es ist zu
analysieren, welche Einheiten weiterhin zum Konzern-Portfolio gehören sollen
und welche Unternehmen über Mergers & Acquisitions-Aktivitäten in das
Konzern-Portfolio aufgenommen werden sollen (Mergers & Acquisitions).
Hieraus wird deutlich, dass im Fokus der strategischen Beteiligungsführung
insbesondere Entscheidungen über Desinvestitionen, Investitionen und deren
Finanzierung stehen, wofür eine Unterstützungsfunktion durch ein entsprechend
ausgerichtetes, strategisches Beteiligungscontrolling (Ringlstetter,
Max/Obring, Kai 1992; Weber, Jürgen
1992) denkbar ist, dessen Rollenverständnis durch Bezug auf einen Navigator (Zünd, André
1979, S. 20) charakterisiert werden kann, also eine Mitwirkung des Controlling
bei Zielsetzungen, Planung und Kontrolle existiert, die in jüngerer Zeit durch
die positiv besetzten Begriffe Beratung bzw. Coaching (Czekala,
Thomas 2005, S. 410) zum Ausdruck gebracht werden.
Um investorspezifische Ziele bei den strategischen Planungen
des Beteiligungsunternehmens zur Geltung bringen zu können, werden
zukunftsbezogene Informationen benötigt, welche die strategischen Alternativen
und die Umweltbedingungen von Produkt-/Markt-Kombinationen betreffen. Deren
Generierung ist primäre Aufgabe des entsprechend ausgerichteten strategischen
Controlling des Beteiligungsunternehmens. Das Beteiligungscontrolling kann
dabei mit Beratungsleistungen tätig werden in Form der Bereitstellung von
Informationen und Methoden. Für die Zwecke des Beteiligungscontrolling ist die
Konzeption für ein integriertes Beteiligungsinformationssystem entwickelt
worden, das bei der Ausgestaltung des strategischen Corporate Models auch
Möglichkeiten zur Berücksichtigung mehrwertiger Erwartungen in der Risikodimension
berücksichtigt (Dolny, Oliver
2003, S. 202 ff.).
Bei der Entwicklung von Gesamtsystemen des Beteiligungscontrolling
sollte als Anforderungsmerkmal auch die Fähigkeit der Zusammenführung von
Teilsystemen berücksichtigt werden. Hierbei wird für den Beteiligungscontroller
die Rolle des Koordinators in unterschiedlichen Ausprägungen relevant.
3. Der Beteiligungscontroller als Koordinator
Die umfangreichen Aufgabenkataloge für das
Beteiligungscontrolling (Schmidt, Andreas
1989, S. 216; Schulte,
Christof 1994, S. 5; Schumacher,
Thilo 2005, S. 108) enthalten meist neben Basis-Aufgaben im Rahmen
der Informationsversorgung, Planung und Kontrolle zusätzlich
Koordinationsaufgaben. Wegen der heterogenen Verwendung des
Koordinationsbegriffs im Controlling-Kontext, bietet sich als möglichst
überschneidungsfreie Abgrenzung folgende Dreiteilung an:
-
Koordination im Rahmen von Prozessen der
Informationsversorgung, Planung und Kontrolle.
-
Koordination von Verbundbeziehungen bei
Unternehmensgruppen (Konzernen) und eines Beteiligungs-Portfolios.
-
Personenbezogene Koordination zur Verhaltenssteuerung
bei Existenz von Principal-Agent-Problemen.
Bezogen auf die Funktion der Informationsversorgung
(Berichtswesen bzw. Reporting) kann mit Koordination die einheitliche
Definition von Informationen und Kennzahlen bzw. die konzernweite Festlegung
der Inhalte der Berichterstattung gemeint sein. Auch in der Planungsfunktion
sind koordinierende Aufgaben denkbar, die sich sowohl auf das
Planungsmanagement als auch inhaltliche Planungsaufgaben beziehen können. Zu
Ersteren zählen die Konzeption eines Planungssystems, die Festlegung des
Planungsrhythmus und -kalenders sowie die Durchführung von Planungskonferenzen.
Inhaltlicher Natur sind die Koordination von Planungsprämissen zu den
Teilplanungen und Koordination der Teilplanungen der einzelnen
Beteiligungsunternehmen. In der Kontrollfunktion haben koordinativen Charakter
auf der Prozess- bzw. Inhaltsebene die Festlegung der Inhalte für die
Berichterstattung und deren Rhythmus, die Überwachung der Zielerreichung im
Wege von Soll-Ist-Vergleichen und Abweichungsanalysen.
Bei der Zusammenstellung eines Beteiligungs-Portfolios ist zu
berücksichtigen, dass leistungs- und finanzwirtschaftliche Synergieeffekte auf
der Erfolgsebene von Interdependenzen auf der Risikoebene überlagert werden,
wobei das Phänomen der Risikodiversifizierung
zum Anknüpfungspunkt für Gestaltungsüberlegungen in Konzernen und
Kapitalbeteiligungsgesellschaften (Gleißner,
Werner 2005, S. 415) geworden ist.
Ein typisches Principal-Agent-Problem liegt zwischen den
Kapitalgebern und dem Management einer Unternehmung vor, sodass darauf
ausgerichteten Lösungskonzepten im Beteiligungscontrolling eine besondere
Bedeutung zukommt (zu einem beteiligungswertorientierten Anreizsystem vgl. Schmidbauer,
Rainer 1998, S. 279 ff.).
III. Integriertes System
des Performance-Controlling auf Basis der Unternehmenswertrechnung
Ein integriertes System des Beteiligungscontrolling basiert
auf einer Unternehmenswertrechnung, die unterschiedlich ausgestaltet und in
verschiedenen Richtungen ausgewertet werden kann. Grundlage für alle markt-
oder unternehmenswert-orientierten Konzepte sind bereichsbezogene
Finanzplanungen bzw. Erfolgsprognoserechnungen. Darauf aufbauend können dann
Kalküle der Unternehmensbewertung durchgeführt werden.
Bei Controllingaufgaben während der Besitzzeit der
Beteiligung, die sich auf die Erfolgsbeurteilung oder Performancemessung des
eingesetzten Kapitals beziehen, steht die Ermittlung des Beteiligungsvermögens
und -erfolges im Mittelpunkt. Diese Aufgaben, die hier unter dem Oberbegriff
des Performance-Controlling zusammengefasst werden, müssen eine auf den
Investor bezogene Ausrichtung haben.
Um Performancegrößen aus der Investorensicht zu generieren,
sind spezifisch ausgestaltete Rechnungen, als Teil einer Aktionärsrechnung (Dirrigl, Hans
1998b, S. 546), erforderlich. Ansätze hierzu sind bereits in der Literatur
propagiert worden. Dabei handelt es sich einmal um die sog.
Projektstandsrechnung (Bergmann,
Jörg 1996, S. 175 ff.; Gebhardt,
Günther 1995, S. 2228). Auch in der Konzeption eines
wertorientierten Steuerungsinstruments auf Basis vollständiger Finanzpläne
(Beteiligungs-VOFI) ist für Zwecke eines finanzplanorientierten
Konzerncontrolling eine laufende Erfolgs- bzw. Investitionskontrolle (Landsmann,
Cord 1999, S. 240 ff.) vorgeschlagen worden, die sich am Konzept der
Projektstandsrechnung orientiert.
Für Zwecke des bereichsbezogenen,
unternehmenswert-orientierten Controlling wurde als Instrument die
Erfolgspotenzialrechnung (Breid, Volker
1994, S. 24 ff.) entwickelt und für unterschiedliche
Auswertungen als Erfolgspotenzialbestandsrechnung (Dirrigl, Hans
2002) oder für Zwecke der Abweichungsanalyse vorgeschlagen. In einer solchen
Ausrichtung ist deren Einsatz im Rahmen einer Konzeption eines
unternehmenswert-orientierten Beteiligungscontrolling (Schmidbauer,
Rainer 1998, S. 279 ff.) bzw. im Rahmen des Controlling von
Beteiligungen auf Basis einer integrierten Unternehmenswertrechnung (Dolny, Oliver
2003, S. 226 ff.) dargestellt worden.
Die Konzepte der Projektstandsrechnung und der
Erfolgspotenzialrechnung stehen nicht in einem sich ausschließenden
Konkurrenzverhältnis, sondern können aufgrund der gemeinsamen quantitativen
Ausgangsbasis in Form von Finanzplanungen für das angestrebte System des
integrierten Beteiligungscontrolling verwendet werden. Ausgangspunkt der
investorbezogenen Projektstandsrechnung ist der Erwerbszeitpunkt der
Beteiligung und der dafür gezahlte Kaufpreis. Wird dieser Kapitaleinsatz mit
dem Grenzpreis der Beteiligung verglichen, so lässt sich als Differenz ein
Beteiligungsmehrwert (BMW) bestimmen, der als Kapitalwert der Beteiligung im
Erwerbszeitpunkt interpretiert werden kann. Durch Rückflüsse aufgrund von
Gewinnausschüttungen und Kapitalrückzahlungen vermindert sich während der
Besitzzeit der in der Beteiligung gebundene Kapitaleinsatz. Da sich im
Zeitablauf aufgrund von Erwartungsrevisionen auch das Erfolgspotenzial
verändern wird, ergeben sich für den BMW von Periode zu Periode Schwankungen,
die mit der Erfolgspotenzialrechnung differenziert analysiert werden können.
Im Hinblick auf die unterschiedlichen Ermittlungsziele einer
bereichsbezogenen Erfolgspotenzialrechnung können die folgenden Teilsysteme
unterschieden werden (Dirrigl, Hans
2002, Sp. 419):
-
Ertragswertorientierte Erfolgspotenzialbewertung (EWE)
-
Erfolgspotenzialorientierte Abweichungsanalyse (EPA)
-
Erfolgspotenzialbasierte Performancemessung (PEP)
Die Unternehmensbewertung kann als methodisches Fundament
einer umfassend verstandenen Erfolgspotenzialrechnung
interpretiert werden, das zunächst für die Erfolgspotenzialbewertung benötigt
wird (Dirrigl, Hans
2003). In der
Erfolgspotenzialorientierten Abweichungsanalyse werden ex post ermittelte
Istwerte des Erfolgspotenzials, die auf unterschiedlichen Prämissen
hinsichtlich der Wertbestimmungsfaktoren basieren, mit geeigneten Sollwerten
verglichen, sodass in einer strategischen Abweichungsanalyse solche Einflüsse,
die auf Entscheidungen bzw. Maßnahmen des Managements zurückzuführen sind
(Aktionseffekte), von Veränderungen aufgrund der Umweltzustände
(Informationseffekte) bzw. Änderungen der Bewertungsparameter separiert werden
können (Dolny, Oliver
2003, S. 226 ff.; Schmidbauer,
Rainer 1998, S. 279 ff.).
In der Erfolgspotenzialbasierten Performancemessung (Dirrigl, Hans
2002, Sp. 429 ff.) können verschiedene Elemente zur Bestimmung einer
Periodenerfolgsgröße miteinander kombiniert werden, nämlich
(a)
eine retrospektiv ausgerichtete Ist-Erfolgsgröße,
(b)
prospektiv ausgerichtete Planerfolgskomponenten und
(c)
eine Mindestverzinsung auf den Kapitaleinsatz.
Da für jedes dieser Elemente verschiedene
Berechnungsvarianten in Betracht kommen, ist darauf zu achten, dass die zu
einer konkreten Periodenerfolgsgröße kombinierten Elemente bezüglich der
Basisrechengrößen konsistent sind: Grundsätzlich lassen sich hierbei Größen mit
Ertrags/Aufwands-Charakter oder Zahlungsstrom-Charakter unterscheiden. Im
Kontext der bereichsbezogenen Performancemessung werden Kombinationen der
Elemente (a) und (c) in Form von sog. Residualerfolgsgrößen mit
buchhalterischem Charakter (EVA) oder Cashflow-Charakter (CVA) propagiert. Wie
oben bereits begründet, können jedoch Wertbeitragskennzahlen nicht als unternehmenswertorientiert
charakterisiert werden. Eine solche Einordnung gebührt dem Konzept des
Ökonomischen Gewinns, das bei der Erfolgspotenzialbasierten Performancemessung
berücksichtigt wurde (Dirrigl, Hans
2002, Sp. 430). Im Konzept des Ökonomischen Gewinns werden die Elemente (a) und
(b) miteinander kombiniert.
Da die mit (b) angesprochene Ertragswertdifferenz einen
Periodenbezug aufweist, kann das Performancemaß Ökonomischer Gewinn als Konzept
zur Erfolgsperiodisierung interpretiert werden. Dem Ökonomischen Gewinn ist
auch Brauchbarkeit für Zwecke des Beteiligungscontrolling in der Literatur
attestiert worden (Burger,
Anton/Ulbrich, Philipp R. 2005, S. 603). Dieses Konzept ist in
Konkurrenz zum Konzept des Earned Economic Income (EEI) zu sehen (Dirrigl, Hans
2003, S. 161 ff.).
Da beim Ökonomischen Gewinn der tatsächliche Kapitaleinsatz
als Erfolgseinflussfaktor unberücksichtigt bleibt und die gesamte Veränderung
des Erfolgspotenzials in die periodenbezogene Erfolgsgröße eingeht, hat im
Zusammenhang mit der projektbezogenen Performanceanalyse ein Konzept besondere
Aufmerksamkeit gefunden, das auch auf das Erfolgspotenzial bezogen eine
(Performance-)Periodisierung im strengen Sinne ermöglicht: der Earned Economic
Income. Im Gegensatz zur Projektstandsrechnung, die eine partielle Entnahme des
Projektmehrwerts bereits während der Beteiligungsphase nicht vorsieht und daher
als Zielsetzung des Investors implizit eine Vermögensendwertmaximierung
unterstellt, ermöglicht der Earned Economic Income die Periodisierung von
Kapitalwerten und somit eine zeitliche Strukturierung von Kapitalwert-Entnahmen.
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