Inhaltsübersicht
I. Gegenstand
des Investitionscontrolling
II. Dimensionen
des Investitionscontrolling
III. Funktionen
des Investitionscontrolling
IV. Instrumente
des Investitionscontrolling
I. Gegenstand des
Investitionscontrolling
Das Investitionscontrolling als bereichsbezogenes Controlling
beschäftigt sich mit der Integration der Investitionstätigkeit in das
Gesamtgefüge der unternehmerischen Entscheidungen. Damit wird bereits der
Unterschied zwischen Investitionscontrolling und Investitionsrechnung deutlich
(vgl. Adam, D.
2000, S. 1 ff.; Rösgen, K.
2000, S. 255). Die Investitionsrechnung geht von einer gegebenen,
meistens sicheren Zahlungsreihe aus und fragt danach, ob eine Investition im
Hinblick auf ein bestimmtes Ziel vorteilhaft ist (vgl. Schneider, D.
1992, S. 20 f.). Für das Investitionscontrolling sind die Komponenten der
Zahlungsreihe (Anschaffungsauszahlung, laufende Ein- und Auszahlungen) hingegen
durch andere Entscheidungen (Preis- und Programmplanung, Lerneffekte usw.) noch
gestaltbar. Das Investitionscontrolling muss folglich der Frage nachgehen, wie
eine Zahlungsreihe beeinflusst werden kann, damit eine Investition vorteilhaft
wird. Die integrative Sicht des Investitionscontrolling erfordert es zudem,
Kapitalverwendung und Kapitalbeschaffung zusammen zu sehen. Es macht für das
Investitionscontrolling wenig Sinn, vom Konstrukt des vollkommenen
Kapitalmarktes auszugehen und damit einen Einfluss der Finanzierung auf die
Vorteilhaftigkeit einer Investition zu leugnen, wenn diese Bedingungen für ein Unternehmen
nicht gelten. Die integrative Sicht erzwingt es zudem, von einer Analyse
einzelner Investitionen Abstand zu nehmen, vielmehr müssen die Verbundeffekte
zwischen den Investitionen (z.B. relative oder absolute Kapitalknappheit)
erfasst werden. Eine Kernfunktion des Investitionscontrolling ist es damit, die
Investitionsentscheidungen mit den übrigen Entscheidungen im Hinblick auf das
Gesamtziel des Unternehmens zu koordinieren.
Als Investition soll jede Auszahlung für die Beschaffung von
Gütern oder Rechten verstanden werden, deren Verwertung später Einzahlungen
erwarten lässt. Das Investitionscontrolling analysiert sowohl Realinvestitionen
als auch Finanzanlagen (vgl. z.B. Götze,
U./Bloech, J. 1995, S. 7 ff.). Zu den Realinvestitionen zählen
auch immaterielle Objekte wie Patente und Nutzungsrechte (Lizenzen) oder
Ausgaben für FuE. Das Investitionscontrolling überspannt den gesamten, aus vier
Phasen bestehenden Investitionsprozess (vgl. Adam, D.
2000, S. 11 ff.; ähnliche Darstellung bei Kruschwitz,
L. 2000, S. 6 ff.):
-
Investitionsplanung
und -entscheidung,
-
Realisation und Investitionssteuerung,
-
Kontrolle (s. auch Investitionssteuerung und -kontrolle),
-
Nachbesserungsentscheidungen bei unerwarteten
Datenänderungen.
Die Planungs- und
Entscheidungsphase wird durch Anregungsinformationen über
Investitionsnotwendigkeiten und -möglichkeiten ausgelöst. In dieser Phase ist
die Entscheidungssituation zu analysieren, und es ist ein Modell zur Bewertung
der Investition zu entwickeln. Zudem sind die relevanten Daten (Einzahlungs-
und Auszahlungswirkungen, Dauer der Wirkungen) zu erarbeiten. Die Ableitung der
entscheidungsrelevanten Daten (Zahlungsreihe, Nutzungsdauer, Zinssatz) ist mit
erheblichen Problemen verbunden, da diese durch Entscheidungen anderer
Unternehmensbereiche mit determiniert werden. Die Entwicklung der Zahlungsreihe
setzt somit eine integrative Sicht aller Entscheidungsbereiche des Unternehmens
voraus. Am Ende der Planungsphase ist eine aus gesamtbetrieblicher Sicht
sinnvolle Handlungsempfehlung zu geben. Die Empfehlung muss sich auf die
Erfolgserwartungen, aber auch auf das mit einer Investition verbundene Risiko
stützen (vgl. Adam, D.
1996, S. 35 ff.).
Die Realisationsphase
befasst sich mit der Umsetzung der Investitionsentscheidungen. Die Realisation
erfordert in der Praxis i. Allg. erhebliche Zeit, da Genehmigungsverfahren
eingeleitet werden müssen, Verträge für die Lieferung der Investitionsobjekte
abzuschließen sind und die Anlagen errichtet werden müssen. Weiterhin muss die
Finanzierung gesichert werden. Als Folge der Unsicherheit treten innerhalb der
Realisationsphase häufig neue Informationen auf, die Einfluss auf die
Zahlungsreihe und damit den Erfolg einer Investition haben. Daher kommt es in
der Realisationsphase zu laufenden Nachbesserungen der Projektspezifikationen
mit der Folge zusätzlicher Auszahlungen oder einer längeren als der erwarteten
Realisationsphase. Es muss z.B. entschieden werden, ob eine technische
Weiterentwicklung, die zum Zeitpunkt der grundsätzlichen
Investitionsentscheidung nicht abzusehen war, implementiert werden soll. Diese
kleineren Investitionsentscheidungen gewinnen an Gewicht, je länger die
Realisierung einer Investition dauert und je schneller neue Informationen über
technisch verbesserte Handlungsalternativen oder neue Daten über die
Beschaffungs- oder Absatzmärkte zur Verfügung stehen. Die zweite Phase des
Investitionsprozesses umfasst folglich nicht nur die Realisierung der vorher
getroffenen Entscheidungen, sondern gleichzeitig auch eine Steuerung des
Realisationsprozesses (vgl. Küpper, H.-U.
1991, S. 172 f.). Gegenstand der Steuerung von Investitionsprojekten sind
nicht nur die eingeschlossenen kleineren Investitionsentscheidungen. Zentral
ist vielmehr das Zeitmanagement. Die verschiedenen Arbeiten in der
Realisierungsphase müssen zeitlich z.B. durch Netzpläne koordiniert werden, um
den vorgesehenen Zeitpunkt der Fertigstellung eines Investitionsobjektes
einzuhalten. Für diese Steuerung müssen geeignete Instrumente bereitgestellt
werden. Um in den Realisationsprozess sinnvoll eingreifen zu können, sind die
Informationen über den Stand der Realisation zeitnah zu erheben (vgl. Adam, D.
2000, S. 12 f.).
Ist die Investition realisiert, schließt sich nach
klassischer Auffassung die Kontrollphase
des Entscheidungsprozesses an. Es ist zu überprüfen, welche Abweichungen
zwischen Planung und Ist-Zustand auftreten und welche Ursachen dafür
verantwortlich sind. Sinn der Evaluation ist es, Fehler und Unzulänglichkeiten
aufzudecken, die bei künftigen Investitionsprojekten möglichst zu vermeiden
sind. Real schließt sich der Kontrollprozess aber nicht an die
Realisationsphase an, sondern verläuft vielmehr parallel dazu. Sind einzelne
Schritte der Investition vollzogen, werden sie bereits kontrolliert. Diese
proaktive, laufende Kontrolle hat den Vorteil, dass evtl. noch in den laufenden
Realisationsprozess eingegriffen werden kann, wenn Defizite deutlich werden.
Diese Art der Kontrolle erlaubt somit noch steuernde Eingriffe.
Die häufig lange Zeitspanne zwischen der
Investitionsentscheidung und dem Abschluss des Investitionsobjektes sowie die
hohe Dynamik des Unternehmensumfeldes führen dazu, dass in der
Entscheidungsphase meist nur sehr unsichere Informationen existieren. Es kann
daher sein, dass Erwartungen und Realität erheblich auseinander fallen und die
ursprünglichen Entscheidungen teilweise revidiert werden müssen. Jede
Investition zieht als Folge des bei der Entscheidung geltenden unvollkommenen
Informationsstandes daher während der Nutzungsphase der Investitionsobjekte
weitere Planungsüberlegungen nach sich. Investitionsplanung ist somit kein
linearer Prozess, der durch die Phasen Entscheidung, Realisation und Kontrolle
läuft. Erforderlich sind ständige Rückkopplungsschleifen, die Planung und
Realität wieder aufeinander beziehen (vgl. Adam, D.
2000, S. 13 ff).
Dem Investitionscontrolling kommt eine besondere Bedeutung im
Rahmen der unternehmerischen Tätigkeiten zu. Durch Investitionen werden
langfristig hohe Summen gebunden. Zudem werden durch sie die laufenden Ein- und
Auszahlungen beeinflusst. Investitionsentscheidungen haben damit nachhaltige
Wirkung auf die Liquiditätslage eines Unternehmens. Investitionsentscheidungen
sind zudem irreversibel, sie lassen sich meist nur mit erheblichen zusätzlichen
Kosten rückgängig machen. Das Investitionscontrolling muss daher die mit einer
Investition verbundenen Risiken transparent machen.
II. Dimensionen des
Investitionscontrolling
Es ist zwischen dem strategischen und dem operativen
Investitionscontrolling zu unterscheiden (vgl. Adam, D.
2000, S. 24 ff.). Strategisches Investitionscontrolling hat zur Aufgabe,
die langfristigen Erfolgsfaktoren eines Unternehmens zu erkennen und bei der
Absicherung bestehender Erfolgspotenziale bzw. der Schaffung neuer Potenziale
mitzuwirken (vgl. Rösgen, K.
2000, S. 254). Das strategische Investitionscontrolling soll helfen, die
Effektivität und Effizienz der strategischen Planung zu steigern. Der
langfristige Erfolg eines Unternehmens hängt z.B. nachhaltig von der Güte der Koordination,
der Innovationsrate bei neuen Produkten, den Lernprozessen in der Fertigung und
der Kapazitätsplanung ab. Die Innovationsrate bestimmt die künftig möglichen
Absatzpotenziale. Der Kapazitätsbedarf hängt vom Stand des Lernprozesses –
Zeitbedarf für die Fertigung einer Produkteinheit – und den Absatzpotenzialen
in den künftigen Perioden ab. Gelingt diese Koordination nur unzureichend,
werden z.B. zunächst zu kleine Kapazitäten aufgebaut, können Teile der
Absatzpotenziale nicht ausgeschöpft werden. Der Lerneffekt führt zu einem
ständig sinkenden Kapazitätsbedarf pro Mengeneinheit. Bei gleicher Kapazität
kann dann mehr produziert werden, u.U. reichen dann die Absatzpotenziale in
späteren Perioden nicht aus, die ursprünglichen Kapazitäten voll zu nutzen. Es
kommt dann zu einem Innovationsdruck, d.h. die Zahl der Innovationen muss
erhöht werden oder es ist nachträglich ein Kapazitätsabbau erforderlich.
Investitionscontrolling soll das Management bei dieser Strategieplanung durch
Informations- und Methodenunterstützung entlasten.
Durch die vom Investitionscontrolling unterstützte
strategische Planung, Steuerung und Kontrolle soll die strukturelle
Anpassungsfähigkeit des Unternehmens an Umweltveränderungen gewahrt bleiben
(vgl. Peemöller,
V.H. 1997, S. 100 ff.). Die durch Mitwirkung des strategischen
Investitionscontrolling geschaffenen Erfolgspotenziale gilt es im Rahmen des
operativen Investitionscontrolling wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen. Das
operative Investitionscontrolling ist durch die Vorgaben des strategischen
Investitionscontrolling weitgehend determiniert. Für das operative Controlling
stehen vorwiegend Erfolgsziele wie Wirtschaftlichkeit, Produktivität und
Rentabilität im Mittelpunkt: Die effiziente Steuerung der innerbetrieblichen
Funktionen und Prozesse ist Voraussetzung, um die angestrebten
Unternehmensziele zu erreichen. Dazu muss das operative Controlling für
Transparenz der innerbetrieblichen Abläufe sorgen, Soll-Ist-Vergleiche
durchführen und Ursachen für Abweichungen aufdecken, um gegensteuernde
Maßnahmen sowie gegebenenfalls Plankorrekturen einleiten zu können. Mit den
Elementen Planung, Steuerung, Kontrolle und Informationsversorgung verfügen das
strategische und das operative Investitionscontrolling über formal gleiche
Bausteine. Während das strategische Controlling vorwiegend innovativ
orientierte Strategiefragen zum Inhalt hat, bewältigt das operative Controlling
eher Routineaufgaben. Daraus darf allerdings nicht geschlossen werden, dass
eine organisatorische Trennung beider Bereiche zu empfehlen wäre, denn
ganzheitliche Planung kann nur mit einem integrierten System gewährleistet
werden.
III. Funktionen des
Investitionscontrolling
Das Investitionscontrolling soll die verschiedenen
Bestandteile des Investitionsverhaltens auf eine gemeinsame Sicht hin
ausrichten. Dazu müssen die einzelnen Investitionsobjekte als Elemente eines
Gesamtsystems verstanden werden. Zwischen den einzelnen Elementen bestehen
meistens wechselseitige, erfolgswirksame Beziehungen (Interdependenzen, vgl. Adam, D.
1996, S. 168 ff.). Das Investitionscontrolling hat die Aufgabe, dieses zu
erkennen und die Auslegung der Elemente zielsetzungsgerecht zu einem
funktionsfähigen Ganzen zusammenzufügen. Ein wirkungsvolles
Investitionscontrolling muss daher Partialsichten überwinden und eine
vernetzte, ganzheitliche Sicht pflegen. Aus dieser Sicht von
Investitionscontrolling leiten sich die speziellen Funktionen des
Investitionscontrolling ab (vgl. Adam, D.
2000, S. 16):
-
Koordination
der einzelnen Investitionsobjekte im Hinblick auf das gemeinsame
Unternehmensziel,
-
Anpassungs- und Innovationsfunktion,
-
Servicefunktion für die Führung.
Die Kernfunktion des Investitionscontrolling besteht darin,
die Investitionsentscheidungen unter Berücksichtigung der Gesamtsituation eines
Unternehmens zu koordinieren (vgl.
zum Begriff der Koordination Horváth, P.
1998, S. 112 ff.). Hierzu müssen die Interdependenzen zwischen den
Investitionsentscheidungen und Entscheidungen in anderen Funktionsbereichen
transparent gemacht werden. Um Zielkonformität zu gewährleisten, reichen die
Instrumente der klassischen Investitionsrechnung meistens nicht aus. Sie gehen
von sicheren Informationen aus und beurteilen Investitionen isoliert; vom
Unsicherheits- und Interdependenzproblem wird abstrahiert. Beide Aspekte sind
vom Investitionscontrolling in die Analysen zu integrieren.
-
Durch Sensitivitäts- oder Risikoanalysen ist
aufzudecken, welchen Einfluss die Unsicherheit der Daten auf den
Investitionserfolg hat. Die Beurteilung von Investitionen muss sich daher auf
Maßgrößen für den Erfolg und das Risiko (z.B. Risikoprofile) stützen.
-
Eine Gesamtsicht ist nur zu erreichen, wenn das
Investitionscontrolling einerseits die Kopplungen zwischen den Investitionen
erfasst und andererseits auch die Verflechtungen zu Maßnahmen in anderen
Funktionsbereichen abbildet. Dabei geht es nicht darum, Simultanmodelle zu
implementieren; vielmehr sind die klassischen Methoden zur
Investitionsrechnung um koordinierende Elemente zu ergänzen, um zu sinnvollen
Daten über die Entscheidungen in anderen Funktionsbereichen zu gelangen.
Knappheiten sind z.B. in sinnvolle Lenkpreise zu übersetzen.
Von der zeitlichen Koordination der Teilarbeiten für ein
Investitionsprojekt wird die Dauer der Realisation nachhaltig determiniert. Die
zeitliche Koordination hat Einfluss auf die Höhe der Ein- und Auszahlungen und
deren zeitliche Verteilung. Mißlingt eine effiziente Projektsteuerung, kommt
ein neues Produkt z.B. zu spät auf den Markt, kann sich ein als vorteilhaft
eingestuftes Investitionsobjekt nachträglich als unvorteilhaft herausstellen.
Controllingorientierung in der Investitionsplanung
impliziert damit, dass Zahlungsreihen aktiv gestaltet werden und nicht autonom
der Investitionsrechnung vorzugeben sind, wie es in der klassischen
Investitionsrechnung der Fall ist (vgl. Adam, D.
2000, S. 17 ff.).
Die Anpassungs- und
Innovationsfunktion des Investitionscontrolling resultiert aus dem bei
jeder Investitionsplanung geltenden unvollkommenen Informationsstand.
Investitionsplanung basiert auf Erwartungen über Daten und jetzige sowie
künftige Handlungsmöglichkeiten. Diese Erwartungen können verfehlt werden.
Entscheidungen müssen dann u.U. angepasst werden. Das Investitionscontrolling
muss den Anpassungsbedarf aufzeigen. Die Anpassungs- und Innovationsfunktion
kann das IC nur wahrnehmen, wenn es in den Planungs- und Entscheidungsprozess
eingebunden ist. Das Investitionscontrolling muss für den Planungsprozess
Inputinformationen bereitstellen, und es muss am Problemverständnis sowie an
der Problemanalyse und -verdichtung mitwirken. Dazu sind Informationen über das
Umfeld des Unternehmens auszuwerten, um externe Anregungsinformationen für die
Anpassung der Strategien zu gewinnen. Veränderungen im Unternehmensumfeld
(Kundenverhalten, Konkurrenten, technische Entwicklung) sollen durch das
Investitionscontrolling frühzeitig erkannt werden, um nicht von neuen
Entwicklungen abgeschnitten zu werden.
Die nach innen gerichtete Anpassungsaufgabe des
Investitionscontrolling besteht darin, die Ursachen aufzudecken, warum
Investitionsprojekte nicht so verlaufen, wie sie geplant waren. Dazu sind
Soll-Ist-Analysen durchzuführen. Aus den Abweichungen sollen Erkenntnisse für
künftige Verhaltensänderungen gewonnen werden. Diese Kontrollen sollen nicht
belehrend und negativ sein; vielmehr sollen sie Entscheidungsträger in der
Zukunft dabei unterstützen, ihre Aufgaben besser durchzuführen (vgl. Blohm,
H./Lüder, K. 1995, S. 26 ff.). Das Investitionscontrolling
muss insbesondere Hilfestellung bei der Beantwortung der Frage geben, wie
Verbesserungen zu erreichen sind. Dazu müssen die Kontrollierten aktiv in den
Kontroll- und Innovationsprozess einbezogen werden (vgl. Adam, D.
2000, S. 20 ff.).
Das Investitionscontrolling nimmt Teile der Führungsaufgaben
des Unternehmens wahr, entlastet damit die Linienmanager und übt so gesehen Servicefunktionen für die Führung aus.
Obwohl das Investitionscontrolling an der Führung und den Entscheidungen
mitwirkt, bleibt die Entscheidungskompetenz dennoch in der Linie. Das
Investitionscontrolling hat damit eine beratende und unterstützende Funktion.
Diese Unterstützung bezieht sich auf drei Teilaspekte (vgl. Adam, D.
2000, S. 22 ff.):
-
Hilfestellung bei der Analyse und Verdichtung von
Problemen sowie dem Entwurf geeigneter Entscheidungsmodelle;
-
Bestimmung und Deckung des Informationsbedarfs zur
koordinierten Steuerung des Unternehmens (vgl. Horváth, P.
1998, S. 348 ff.; Küpper,
H.-U. 1994, S. 889 f.). Dazu ist insbesondere eine
zweckgerichtete Aufbereitung der Informationen notwendig;
-
Bereitstellung geeigneter Methoden für
Informationsbeschaffung, Planung und Kontrolle. Dazu muss das
Investitionscontrolling über eine gute Methodenkenntnis verfügen;
insbesondere muss es in der Lage sein, die Leistungsfähigkeit der Methoden in
bestimmten Entscheidungssituationen treffsicher zu beurteilen (vgl. Rösgen, K.
2000, S. 252).
Für die Informationsbeschaffung greift das
Investitionscontrolling auf das Rechnungswesen, auf externe und interne
Statistiken, auf Prognosen über die Marktveränderungen und auf die
Planungsüberlegungen übergeordneter Organisationseinheiten zurück. Bei
Investitionsanalysen muss gerade die Frage im Mittelpunkt stehen, wie durch die
Gestaltung von Produkten und Investitionsobjekten Rationalisierungen erreicht
bzw. Kosten- und Ausgabensenkungspotenziale erschlossen werden können und wie
durch rechtzeitige Markteinführung von kundenorientierten Produkten die
Rückflüsse aus den Investitionen positiv beeinflusst werden können. Für die
Investitionsrechnung bedeutet das insbesondere, dass dem Controlling bei der
Gestaltung und Sicherung von Zahlungsreihen eine zentrale Rolle zukommt. Für
die Entwicklung der Zahlungsreihen darf nicht nur auf Erfahrungen und
Verhaltensweisen der Vergangenheit zurückgegriffen werden, da das
Investitionscontrolling dann Gefahr läuft zu veralten und wirtschaftlich
erfolgversprechende Tendenzen nicht zu erfassen. Stattdessen muss unter
Berücksichtigung aktueller Entwicklungen versucht werden, bekannte Methoden zu
verbessern. Es ist systematisch nach Wegen zu suchen, wie Auszahlungen gesenkt
werden können, ohne die Marktfähigkeit der Erzeugnisse zu gefährden.
IV. Instrumente des
Investitionscontrolling
Investitionstätigkeiten können nicht isoliert von anderen
Aktivitäten des Unternehmens bewertet werden. Zum einen sind Informationen aus
anderen Planungsbereichen erforderlich. Zum Beispiel lassen sich die laufenden
Zahlungsüberschüsse erst bestimmen, wenn bekannt ist, welche Produkte in
welchen Mengen und zu welchen Preisen abgesetzt werden können. Zum anderen
können Interdependenzen zu anderen gleichzeitig oder später zu realisierenden
Investitionsobjekten bestehen. Probleme bei der Beschaffung der für eine
Wirtschaftlichkeitsrechnung erforderlichen Informationen können auch aus der
Zahl der gleichzeitig in einer Periode zu beurteilenden Investitionsobjekte
resultieren. Die Informationskapazitäten können beispielsweise für eine
vollständige Datenbeschaffung nicht ausreichen, oder die Kosten für die
Erhebung aller relevanten Daten können den daraus resultierenden Nutzen
überschreiten. Aufgrund der skizzierten Informationsdefizite bietet sich für
die Beurteilung von Investitionen ein zweistufiges Vorgehen an (vgl. Adam, D.
2000, S. 29 f.):
-
In der ersten Stufe findet mit Hilfe qualitativer
Verfahren wie der Nutzwertanalyse eine grobe Selektion statt (vgl. Adam, D.
1996, S. 412 ff.). Es wird mit subjektiven Einschätzungen gearbeitet,
d.h., für einen zu erarbeitenden Kriterienkatalog wird untersucht, wie gut
die Vorhaben diese Kriterien erfüllen. Objekte, die bestimmte Kriterien
unzureichend erfüllen (KO-Verfahren) oder die über alle Kriterien des
Kataloges hinweg einen schlechten Punktwert erhalten, scheiden aus der
weiteren Analyse aus.
-
Nur Investitionsobjekte, die den ersten Grobfilter
überstanden haben, werden einer eingehenden, quantitativen
Investitionsrechnung unterzogen. Auf Basis der für diese Investitionen zu
generierenden Zahlungsinformationen wird überprüft, ob sie zielkonform sind.
Durch das zweistufige Vorgehen wird der Aufwand zur Beurteilung der
Investitionen reduziert (zu den Verfahren vgl. Adam, D.
2000, S. 118; Kruschwitz,
L. 2000, S. 42 ff.).
Dieser Aufgabenkatalog lässt deutlich werden, dass die
erforderlichen Tools des Investitionscontrolling über den Rahmen der
klassischen Investitionsrechnung hinausgehen. Für die einzelnen Funktionen des
Entscheidungsprozesses muss vielmehr auf die allgemein bekannten Methoden der
obenstehenden Abbildung zurückgegriffen werden (Adam, D.
2000, S. 36).
Die zielkonforme Auswahl einzelner Verfahren aus dem
verfügbaren Instrumentarium verlangt vom Controller ein umgreifendes
Verständnis des Investitionscontrolling, gute Methodenkenntnis sowie Erfahrung.
Literatur:
Adam, Dietrich :
Investitionscontrolling, München, Wien, 3. A., 2000
Adam, Dietrich : Planung
und Entscheidung, Modelle – Ziele – Methoden, Mit Fallstudien und Lösungen,
Wiesbaden, 4. A., 1996
Blohm, Hans/Lüder, Klaus
: Investition: Schwachstellenanalyse des Investitionsbereichs und
Investitionsrechnung, München, 8. A., 1995
Götze, Uwe/Bloech,
Jürgen : Investitionsrechnung: Modelle und Analysen zur Beurteilung von
Investitionsvorhaben, Berlin et al., 2. A., 1995
Horváth, Pèter :
Controlling, München, 7. A., 1998
Kruschwitz, Lutz :
Investitionsrechnung, München, Wien, 8. A., 2000
Küpper, Hans-Ulrich :
Industrielles Controlling, in: Industriebetriebslehre: Das Wirtschaften in
Industrieunternehmungen, hrsg. v. Schweitzer, Marcell, München, 2. A., 1994, S.
849 – 959
Küpper, Hans-Ulrich :
Gegenstand, theoretische Fundierung und Instrumente des
Investitions-Controlling, in: ZfB-Ergänzungsheft, H. 3/1991, S. 167 – 192
Peemöller, Volker H. :
Controlling – Grundlagen und Einsatzgebiete, Herne, Berlin, 3. A., 1997
Rösgen, Klaus :
Aufgabenfelder des Investitionscontrollings, in: Kostenrechnungspraxis, Jg. 44,
H. 4/2000, S. 251 – 261
Schneider, Dieter :
Investition, Finanzierung und Besteuerung, Wiesbaden, 7. A., 1992
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