Inhaltsübersicht
I. Einführung
II. Kapitalwertmethode
III. Methode
des internen Zinsfußes
IV. Berücksichtigung
von Unsicherheit und CAPM
V. Berücksichtigung
von Handlungsspielräumen und Realoptionen
I. Einführung
Investitionsrechenverfahren sind Methoden zur
finanzwirtschaftlichen Beurteilung von Investitionsprojekten. Da die
Beurteilung von Investitionsalternativen ein komplexes Problem darstellt,
werden vereinfachende Annahmen getroffen, die der Verdeutlichung der
Grundprinzipien der Investitionsbeurteilung dienen. In Anlehnung an die
Literatur wird unterstellt, der Kapitalmarkt sei „ vollkommen “ . Dies beinhaltet
unter anderem, dass keine Steuern und Transaktionskosten anfallen, Wertpapiere
beliebig teilbar sind und Eigentümer (Gesellschafter) alle
Kapitalmarkttransaktionen zu denselben Konditionen wie Unternehmen tätigen
können.
Die Art der Finanzierung eines Investitionsprojekts ist unter
diesen Bedingungen irrelevant. Schließen sich Investitionsprojekte gegenseitig
aus, so sind technische Gründe verantwortlich, nicht aber fehlende
Finanzierungsmittel, da Kapital zur Finanzierung lohnender Investitionen am
Kapitalmarkt immer aufgenommen werden kann. In diesem Fall sind die
maßgeblichen Fragen, (1) welche Investitionsprojekte sich lohnen und
durchgeführt werden sollen (Akzeptanzentscheidung) und (2) welches
Investitionsprojekt am vorteilhaftesten ist, wenn sich mehrere lohnende
Investitionsprojekte gegenseitig ausschließen (Auswahlentscheidung). Bei
Existenz eines vollkommenen und zugleich vollständigen Kapitalmarkts können
diese Fragen unabhängig von den Konsumpräferenzen und dem Grad der
Risikoaversion der Eigentümer entschieden werden; das finanzwirtschaftliche
Ziel ist die Maximierung des Vermögens der Eigentümer eines Unternehmens. Die
in diesem Beitrag dargestellten Investitionsrechenverfahren zeigen auf, wie vor
diesem Hintergrund die beiden Fragen beantwortet werden können. So genannte statische
Verfahren werden also nicht berücksichtigt.
II. Kapitalwertmethode
Das wichtigste Verfahren zur Beurteilung von
Investitionsprojekten ist die Kapitalwertmethode (Barwertmethode). Diese
Methode wird im Folgenden zunächst für den Fall sicherer Erwartungen
dargestellt.
Ein Investitionsprojekt sei mit Ein- und Auszahlungen in den
Zeitpunkten t = 1 bis n verbunden. Zt ist der im Zeitpunkt t anfallende
Einzahlungsüberschuss. Die Durchführung des Investitionsprojekts ist mit einer
Anschaffungsauszahlung in Höhe von A0 im
Zeitpunkt 0 (heute) verbunden. Auf dem Kapitalmarkt kann jederzeit
(risikofreies) Kapital zum Einheitszinssatz rf für eine Periode angelegt oder aufgenommen
werden. Eine Kapitalanlage(-aufnahme) im Zeitpunkt 0 in Höhe von X für t
Perioden führt daher zu einer Einzahlung (Auszahlung) von im
Zeitpunkt t. Entsprechend hat eine (Nullkupon-)Anleihe, die im Zeitpunkt t zu
einer Zahlung in Höhe von X führt, heute einen Preis (Wert) von .
Zur Beantwortung der Frage, ob sich die Durchführung eines
Investitionsprojekts lohnt, muss geprüft werden, welcher Betrag alternativ am
Kapitalmarkt anzulegen ist, um den Zahlungsstrom des Investitionsprojekts zu
replizieren, bzw. welcher Betrag im Zeitpunkt 0 maximal aufgenommen werden
kann, wenn die Rückzahlung über den Zahlungsstrom des Investitionsprojekts
erfolgen soll. Dieser Betrag wird als Barwert (oder Gegenwartswert) der
zukünftigen Einzahlungsüberschüsse des Investitionsprojekts bezeichnet. Er wird
ermittelt, indem die zukünftigen Überschüsse mit dem Zinssatz rf auf den Zeitpunkt 0 diskontiert werden:
Der Barwert der Einzahlungsüberschüsse entspricht also dem
Marktwert eines Portfolios bestehend aus risikofreien Anleihen, das einen mit
dem Investitionsprojekt identischen Zahlungsstrom aufweist. Es gilt also das
Prinzip der Wertadditivität, wonach der Wert der Summe mehrerer Zahlungsströme
gleich der Summe der Werte der einzelnen Zahlungsströme ist.
Über die Vorteilhaftigkeit eines Investitionsprojekts lässt
sich nun entscheiden, indem man den Barwert der zukünftigen
Einzahlungsüberschüsse mit der Anschaffungsauszahlung (Preis) des
Investitionsprojekts vergleicht. Übersteigt der Barwert die
Anschaffungsauszahlung, so ist das Projekt vorteilhaft (Akzeptanzentscheidung),
da es eine (risikofreie) Arbitragemöglichkeit eröffnet und seine Durchführung
zu einer Steigerung des Vermögens der Eigentümer in Höhe der Differenz zwischen
Barwert und Anschaffungsauszahlung führt. Diese Differenz wird als Kapitalwert
des Investitionsprojekts bezeichnet:
Existieren mehrere sich gegenseitig ausschließende
Investitionsprojekte mit einem positiven Kapitalwert, soll dasjenige Projekt
mit dem maximalen Kapitalwert gewählt werden (Auswahlentscheidung).
Bei der Ermittlung der Einzahlungsüberschüsse ist zu
beachten, dass alle durch das Investitionsprojekt verursachten Zahlungen
berücksichtigt werden, also auch diejenigen, die aufgrund des neuen Projekts
bei bereits bestehenden Projekten anfallen. Synergieeffekte zwischen den
bestehenden Investitionsprojekten und einem neu durchzuführenden Projekt sind
also dem neuen Projekt zuzurechnen. Sofern Synergieeffekte zwischen
Investitionsprojekten auftreten, die zeitgleich zur Auswahl stehen, so können
diese nicht als eigenständige Investitionsprojekte interpretiert werden, über
die isoliert zu urteilen ist. Vielmehr muss über Kombinationen von
Investitionsprojekten (Investitionsprogramme) entschieden werden. Die
alternativen Investitionsprogramme können dabei als sich gegenseitig
ausschließende Investitionsprojekte interpretiert werden.
Es wurde davon ausgegangen, dass der risikofreie Zinssatz in
jeder Periode gleich hoch ist, also eine flache Zinsstrukturkurve vorliegt. Ist
dies nicht der Fall, so müssen für die unterschiedlichen Zeithorizonte die
jeweiligen Kassazinssätze oder für jede einzelne Periode der entsprechende
Terminzinssatz verwendet werden.
III. Methode des internen
Zinsfußes
Ein alternatives Investitionsrechenverfahren ist die Methode
des internen Zinsfußes. Der interne Zinsfuß i des Projekts ist derjenige
Zinssatz, bei dem der Kapitalwert null ist:
Der interne Zinsfuß wird auch als Rendite oder
Effektivverzinsung bezeichnet. In der Praxis ist es populär,
Investitionsprojekte anhand ihrer Renditen zu charakterisieren. Es scheint nahe
liegend, folgende Entscheidungsregel heranzuziehen: Alle Projekte, deren
interne Zinsfüße höher (niedriger) als der Kalkulationszinsfuß sind, sollten
angenommen (abgelehnt) werden. Existieren mehrere Investitionsprojekte, deren
interne Zinsfüße den Kalkulationszinssatz übersteigen und die sich gegenseitig
ausschließen, so sollte dasjenige mit dem höchsten internen Zinsfuß gewählt
werden.
Jedoch steht die Entscheidung auf der Basis von internen
Zinsfüßen prinzipiell nur dann im Einklang mit dem Ziel der Maximierung des
Kapitalwerts (des Vermögens), wenn sämtliche Projekte eine einperiodige
Nutzungsdauer aufweisen und einander nicht ausschließen. Andernfalls können
Probleme auftreten:
-
Im Mehrperioden-Fall können Projekte existieren, die
mehrere interne Zinsfüße aufweisen oder für die kein interner Zinsfuß existiert.
Eine Anwendung des obigen Kriteriums ist dann nicht möglich. Zwar existiert
bei so genannten Normalinvestitionen (deren Zahlungsreihe nur einen
Vorzeichenwechsel aufweist) genau ein interner Zinsfuß. Probleme bei der
Anwendung des obigen Kriteriums können dennoch auftreten, wenn die
Zinsstrukturkurve nicht flach verläuft und nicht jeder mögliche
Kalkulationszinsfuß unter dem internen Zinsfuß liegt: Mit welchem
Kalkulationszinsfuß sollte dann der interne Zinsfuß verglichen werden?
-
Außerdem gilt bei einander ausschließenden Projekten nicht, dass immer dasjenige Projekt
vorteilhaft ist, das eine höhere Rendite erbringt. Das Projekt mit der
höheren Rendite kann durchaus mit einem niedrigeren Kapitalwert und daher mit
einem geringeren Vermögenszuwachs verbunden sein.
-
Zudem gilt das Prinzip der Wertadditivität nicht. Die
Vorteilhaftigkeitsbeurteilung sich gegenseitig ausschließender
Investitionsprojekte kann sich ändern, wenn sie in Kombination mit anderen
Projekten beurteilt werden. (Dies gilt selbst ohne Synergieeffekte und
Finanzierungsrestriktionen.)
Zwar kann die Methode des internen Zinsfußes in bestimmten
Situationen derart modifiziert werden, dass eine Auswahl basierend auf dem
internen Zinsfuß zu richtigen Entscheidungen im Sinne der Kapitalwertmethode
führt. Diese Methoden sind jedoch nicht einfacher anzuwenden als die
Kapitalwertmethode selbst. Die Shareholder-Value-Diskussion
hat das Denken in Marktwerten derart gefördert, dass die Kapitalwertmethode
auch in der Praxis zunehmende Verbreitung gefunden hat und deshalb der Versuch,
die Methode des internen Zinsfußes zu „ retten “ , nicht notwendig zu sein
scheint.
IV. Berücksichtigung von
Unsicherheit und CAPM
Charakteristisch für Investitionsprojekte ist, dass
zukünftige Einzahlungsüberschüsse im Zeitpunkt der Durchführung der Investition
unsicher sind. Analog zum Vorgehen bei Sicherheit kann man riskante
Zahlungsströme bewerten, indem ein Portfeuille bestehend aus Wertpapieren mit
identischen Zahlungen in jedem möglichen zukünftigen Zeitpunkt und Umweltzustand gebildet wird. Kann
ein solches Portfolio konstruiert werden, so führen Arbitrageargumente wieder
dazu, dass der Wert des Investitionsprojekts dem Marktwert dieses Portfolios
entspricht und zwar unabhängig von den Präferenzen der Eigentümer des
Investitionsprojekts. (Auf diesem Bewertungsprinzip basiert beispielsweise die
Bewertung von (Finanz-)Optionen und Terminkontrakten.)
In der Praxis ist es jedoch häufig schwierig (oder
unmöglich), ein Portfolio zu konstruieren, das die Einzahlungsüberschüsse eines
Investitionsprojekts repliziert. Modelle wie das Capital Asset Pricing Modell
(CAPM) oder die Arbitrage Pricing Theorie zeigen Bedingungen auf, unter denen
ein Projekt bewertet werden kann, ohne auf ein (völlig) identisches Portfolio
zurückzugreifen. Die auch in der Praxis am weitesten verbreitete Methode ist
das CAPM. Die Anwendung dieses Modells zur Bewertung von Investitionsprojekten
wird zunächst für den Einperioden-Fall dargestellt. Bei Gültigkeit des CAPM
sind zwei Charakteristika eines Investitionsprojekts bewertungsrelevant: der
Erwartungswert und das Marktrisiko des zukünftigen Einzahlungsüberschusses. Bei
der Anwendung der Kapitalwertmethode wird entsprechend die für den Fall
sicherer Erwartungen dargestellte Formel zur Ermittlung des Barwerts
modifiziert: Erstens tritt der Erwartungswert des unsicheren
Einzahlungsüberschusses an die Stelle des sicheren Überschusses. Zweitens wird
dem Marktrisiko Rechnung getragen. Hierzu gibt es zwei Möglichkeiten.
Bei der populäreren wird der Erwartungswert des
Einzahlungsüberschusses mit einem risikoangepassten Zinssatz μ
diskontiert. Dieser entspricht
wobei μm die
erwartete Rendite des Marktportfolios, die
Kovarianz der Rendite des Investitionsprojekts (bezogen auf dessen Barwert) mit
der Rendite des Marktportfolios und die
Varianz der Rendite des Marktportfolios ist. β ist ein normiertes Maß für
das bewertungsrelevante Risiko des Investitionsprojekts, das als Marktrisiko,
systematisches Risiko oder Beta-Risiko des Investitionsprojekts bezeichnet
wird. Soll β rechnerisch hergeleitet werden, so tritt das Problem auf,
dass zur Berechnung der Kovarianz die Rendite des Investitionsprojekts bezogen
auf dessen Barwert benötigt wird, der jedoch gerade ermittelt werden soll
(Zirkularitätsproblem). In der Praxis wird β häufig aus historischen Daten
von Projekten in gleichen Geschäftsfeldern ermittelt. Dieses Vorgehen
unterstellt, dass β im Zeitablauf konstant ist; die Problematik dieser
Annahme wird für den Mehrperioden-Fall noch angesprochen.
Der Barwert der unsicheren Zahlung ergibt sich als
Alternativ kann das Risiko berücksichtigt werden, indem ein
Risikoabschlag vom erwarteten Einzahlungsüberschuss vorgenommen wird und das
resultierende Sicherheitsäquivalent mit dem risikolosen Zinssatz diskontiert
wird. Das Sicherheitsäquivalent des
Einzahlungsüberschusses beträgt
wobei nun
die Kovarianz der Einzahlung des Projekts mit der Rendite des Marktportfolios
ist. Dies hat den Vorteil, dass bei der Ermittlung der Kovarianz das
Zirkularitätsproblem nicht auftritt. Das Sicherheitsäquivalent ist diejenige
sichere Zahlung, die auf dem Kapitalmarkt den gleichen Barwert aufweist, wie
die unsichere Einzahlung des Investitionsprojekts. Daher wird das
Sicherheitsäquivalent mit dem risikofreien Zinssatz diskontiert, um den Barwert
zu erhalten:
Richtig angewendet, führen beide Methoden zum gleichen
Barwert, sodass die Auswahlentscheidung wie für den Fall sicherer Überschüsse
entsprechend dem Kapitalwertkriterium erfolgen kann.
Das CAPM liefert für die Bewertung von Investitionsprojekten
wichtige Einsichten:
-
Aufgrund von Diversifikationseffekten auf dem Kapitalmarkt
ist nicht die Streuung (Varianz) seines Einzahlungsüberschusses, sondern die
Kovarianz (der Rendite) des Überschusses mit der Rendite des Marktportfolios
bewertungsrelevant. Eine hohe Streuung des Überschusses ist daher noch keine
Rechtfertigung für einen hohen Aufschlag auf den Zinssatz (bzw. ein niedriges
Sicherheitsäquivalent). Ist der Überschuss nicht mit der Marktrendite
korreliert, so gilt (bzw.
),
unabhängig von der Varianz des Überschusses. Ist die Korrelation negativ, so
gilt (bzw.
)
und der Barwert des Überschusses steigt sogar mit steigender Varianz des
Überschusses.
-
Das (bewertungsrelevante) Risiko des Projekts und nicht das des
Unternehmens beeinflusst den Wert eines Investitionsprojekts. Bei Anwendung
eines risikoangepassten Zinssatzes darf der Kalkulationszinsfuß des
Unternehmens daher nur dann verwendet werden, wenn beide (zufällig) das
gleiche β-Risiko aufweisen.
-
Es gilt wiederum das Prinzip der Wertadditivität.
Hieraus folgt direkt, dass eine Diversifikation auf Unternehmensebene keinen
eigenständigen Wert aufweist.
Die Übertragung der Bewertungsidee des CAPM auf den Fall
mehrerer Perioden erfolgt in der Praxis meist dadurch, dass ein einheitlicher
risikoangepasster Kalkulationszinsfuß für alle Perioden verwendet wird:
Diese Methode impliziert (für ,
dass das Sicherheitsäquivalent (der Risikoabschlag) eines konstanten erwarteten
Überschusses im Zeitablauf in einer bestimmten Weise fällt (steigt). Somit ist
sie nur für spezielle Risikostrukturen sinnvoll. Wenn beispielsweise der
Überschuss des Projekts im Zeitpunkt t zwar stark mit der Marktrendite in der
betreffenden Periode, nicht aber mit der Marktrendite in den vorangegangenen
Perioden korreliert ist, dann führt dieses Verfahren zu einem zu hohen
Risikoabschlag. Der risikoangepasste Kalkulationszinsfuß darf nur für die
letzte Periode verwendet werden, während für die Perioden davor der risikofreie
Zinssatz herangezogen werden sollte. Außerdem ist es für die Anwendung der
Methode notwendig, dass das bewertungsrelevante Risiko, also β, selbst
nicht stochastisch ist. (Zur Problematik der Übertragung des CAPM auf den Fall
mehrerer Perioden vgl. z.B. Brealey,
R./Myers, S. 2000; Copeland,
T.E./Weston, J.F. 1988 sowie Grinblatt,
M./Titman, S. 1998.)
Es ist empfehlenswert, grundsätzlich Sicherheitsäquivalente
zu ermitteln und diese mit dem risikofreien Zinssatz zu diskontieren. Der
Vorteil besteht erstens darin, dass die Gefahr eines pauschalen Risikoabschlags
reduziert wird. Zweitens können zur Ermittlung von Sicherheitsäquivalenten
häufig Marktinformationen herangezogen werden. Eine Anwendung des CAPM ist in
diesen Fällen mitunter gar nicht notwendig. So entspricht beispielsweise der
Futures Preis eines Rohstoffs dem Sicherheitsäquivalent seines Preises zum
Laufzeitende des Futures-Kontrakts.
V. Berücksichtigung von
Handlungsspielräumen und Realoptionen
Typischerweise lassen es Investitionsprojekte zu, flexibel
auf zukünftige Umweltentwicklungen zu reagieren. Beispielsweise können
Produktionsmengen der Nachfrage angepasst und Produktionsanlagen stillgelegt,
erweitert oder zur Produktion neuer Produkte herangezogen werden. Solche
Handlungsspielräume (strategische Optionen oder Realoptionen) können einen
wesentlichen Einfluss auf den Wert eines Investitionsprojekts in einer Welt
unsicherer Erwartungen haben und sind deshalb bei der Beurteilung von
Investitionsalternativen zu berücksichtigen.
Die Methode, den Erwartungswert der Einzahlungsüberschüsse
mit einem einheitlichen
risikoangepassten Zinssatz zu diskontieren, kann hierfür jedoch nicht verwendet
werden. Während der erwartete Einzahlungsüberschuss noch mit Hilfe eines
Entscheidungsbaums (flexible Planung) ermittelt werden kann, ist die
Berücksichtigung des immanenten Risikos problematisch. Die Existenz von
Handlungsspielräumen führt im Mehrperioden-Fall dazu, dass das
bewertungsrelevante Risiko der zukünftigen Einzahlungsüberschüsse im Zeitablauf
stochastisch ist. Dies liegt daran, dass die optimale Ausübungsstrategie
zustandsabhängig ist und die Verteilungsfunktion der Einzahlungsüberschüsse
beeinflusst. Eine wichtige Voraussetzung für die Anwendung eines einheitlichen
risikoangepassten Zinssatzes ist daher nicht erfüllt.
In der Literatur wird vorgeschlagen, Methoden der Bewertung
von Finanzoptionen zur Bewertung von Handlungsspielräumen bei (Real-)Investitionsprojekten
heranzuziehen. Black, F./ und Scholes, M. haben gezeigt, wie eine Aktienoption
durch Bildung eines Portfolios bestehend aus den der Option zugrunde liegenden
Aktien und risikofreien Anleihen repliziert werden kann. Auf einem
arbitragefreien Markt muss der Wert der Aktienoption dem Marktwert des
Portfolios entsprechen und zwar unabhängig von der Risikoeinstellung der
Akteure. Basierend auf dieser Beobachtung kann das Sicherheitsäquivalent der
möglichen Überschüsse zum Ausübungszeitpunkt der Option ermittelt werden. (Eine
ausführliche Diskussion der Übertragung der Optionspreistheorie auf
Realinvestitionsprojekte findet man z.B. in Brealey,
R./Myers, S. 2000; Laux, C.
1993 und Trigeorgis,
L. 1996.)
Ein wesentliches Element der Übertragung der Optionsbewertung
auf die Bewertung von Realinvestitionen ist die Identifikation der wichtigsten
Handlungsspielräume und des „ zugrunde liegenden Vermögensgegenstands “
(Underlying). Ein mögliches Problem einer direkten Übertragung der
Optionsbewertung ist, dass für die Realoptionen zugrunde liegenden
Vermögensgegenstände (wie z.B. das zu produzierende Gut) häufig keine
Marktpreise existieren, die – wie der Aktienkurs – dem Barwert der möglichen
Wertrealisation des Vermögensgegenstands zum Ausübungszeitpunkt der Option
entsprechen. (Gegebenenfalls kann der Marktwert des Vermögensgegenstands unter
Anwendung des CAPM ermittelt werden, da hierbei noch keine Handlungsspielräume
auftreten und daher das Risiko nicht stochastisch ist.)
Neben der Problematik der Ermittlung des Werts des der Option
zugrunde liegenden Vermögensgegenstands bei einem Investitionsprojekt gibt es
einige weitere Aspekte, die die Bewertung eines Investitionsprojekts
erschweren. Beispielsweise eröffnen Realinvestitionsprojekte häufig vielfältige
interdependente Handlungsspielräume (z.B. erwirbt man mit der Ausübung der
Option, eine Produktionsanlage zu kaufen, die Option zu produzieren), der
„ Ausübungskurs “ (z.B. die Kosten der Produktion) kann ebenfalls unsicher sein,
und analog einer Aktie, die während der Optionslaufzeit Dividenden ausschüttet,
ist die Verfügung über den der Option zugrunde liegenden Vermögensgegenstand
häufig mit Vorteilen (convenience yield oder Objektertrag) verbunden (z.B.
Erträge einer Produktionsanlage). Die Theorie zur Bewertung von Finanzoptionen
liefert Verfahren zur Berücksichtigung dieser Aspekte. Darüber hinaus
vermittelt die Optionspreistheorie Einsichten, die auch für
Realinvestitionsprojekte interessant sind, und zwar insbesondere auch deshalb,
weil sie die Problematik einfacher Investitionsrechenverfahren deutlich machen:
-
Eine Option auf eine Aktie wird nicht sofort ausgeübt,
wenn der Aktienpreis über dem Basiskurs liegt. Entsprechend ist es auch nicht
vorteilhaft, jede Realinvestition mit einem positiven Kapitalwert sofort
auszuüben. Die Option auf eine Investition kann einen höheren Wert aufweisen
als die Investition selbst. Entgehen durch Aufschieben einer Investition
keine Erträge, so wird die Investition erst zum spätest möglichen Zeitpunkt
durchgeführt.
-
Die Wahrscheinlichkeit einer frühzeitigen Investition
ist umso höher, je höher die Objektertäge sind, die durch ein Aufschieben der
Option verloren gehen.
-
Der Wert einer Option ist umso größer, je höher
ceteris paribus die Varianz der möglichen Werte des der Option zugrunde
liegenden Vermögensgegenstands ist. Unsicherheit kann sich also positiv auf
den Wert eines Investitionsprojekts auswirken.
-
Der Wert einer Investitionsmöglichkeit kann sich
erhöhen, wenn der risikofreie Zins steigt und der Investitionshorizont größer
wird. Das traditionelle Argument, dass der Barwert eines Zahlungsstroms
sinkt, wenn die Zahlung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt und der
risikofreie Zins steigt, kann daher nicht ohne weiteres auf den Barwert von
Handlungsspielräumen übertragen werden.
Literatur:
Brealey, Richard/Myers,
Stewart : Principles of Corporate Finance, Boston, 6. A., 2000
Copeland, Thomas
E./Weston, J. Fred : Financial Theory and Corporate Policy, Reading et al., 3.
A., 1988
Franke, Günter/Hax,
Herbert : Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt, Berlin et al., 4.
A., 1999
Grinblatt, Mark/Titman,
Sheridan : Financial Markets and Corporate Strategy, Boston et al. 1998
Hax, Herbert :
Investitionstheorie, Würzburg, 5. A., 1985
Kruschwitz, Lutz :
Investitionsrechnung, München et al., 8. A., 2000
Kruschwitz, Lutz :
Finanzierung und Investition, München et al., 2. A., 1999
Laux, Christian :
Handlungsspielräume im Leistungsbereich des Unternehmens: Eine Anwendung der
Optionspreistheorie, in: ZfbF, Jg. 45, 1993, S. 933 – 958
Laux, Helmut : Risikoteilung,
Anreiz und Kapitalmarkt, Berlin et al. 1998
Laux, Helmut : Flexible
Investitionsplanung, Opladen 1971
Schmidt, Reinhard
H./Terberger, Eva : Grundzüge der Investitions- und Finanzierungstheorie,
Wiesbaden, 4. A., 1997
Trigeorgis, Lenos : Real
Options: Managerial Flexibility and Strategy in Resource Allocation, Cambridge
et al. 1996
Trigeorgis, Lenos : Real
Options in Capital Investment: Models, Strategies and Applications, Westport et
al. 1995
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