Inhaltsübersicht
I. Grundlagen
II. Starre
und flexible Planung
III. Flexible
Planungsmethoden
IV. Realoptionen
I. Grundlagen
Im betrieblichen Planungsprozess werden die Ziele der
Unternehmung festgelegt, alternativ mögliche Maßnahmen zur Zielerreichung
ermittelt sowie aufgrund von Prognosen die für die alternativen Aktionen zu
erwartenden Konsequenzen bestimmt. Um eine zieloptimale Vorgehensweise zu
finden, müssen Bewertungsmethoden herangezogen werden, die insbesondere zwei
Merkmale ins Kalkül einbeziehen. Erstens, Realprobleme weisen i.d.R. eine
zeitliche Struktur auf, sodass ein mehrstufiges
oder dynamisches Entscheidungsproblem
vorliegt (Dinkelbach,
W. 1989). Die Handlungsalternativen beinhalten hier eine Folge
von Aktionen. Entscheidungen über die Gegenwart und die Zukunft müssen
getroffen werden, wobei aufgrund der zumeist bestehenden Interdependenzen die
Festlegung dieser gegenwärtigen und zukünftigen Maßnahmen gleichzeitig erfolgen
muss (Hax, H.
1993; Franke,
G./Hax, H. 1999). Zweitens, ist die Handlungskonsequenz
unsicher, da meist nicht mit Sicherheit bekannt ist, welcher Umweltzustand in
der Zukunft tatsächlich eintritt (Ossadnik, W.
1994). Somit liegt ein Entscheidungsproblem unter unvollkommener Information vor. Flexible Planungsmethoden dienen
dazu, die optimale Vorgehensweise festzulegen, wobei sowohl der Faktor Zeit als
auch der sich im Zeitablauf verbessernde Informationsstand der Planungsträger
Berücksichtigung finden.
II. Starre und flexible
Planung
Grundsätzlich lassen sich zwei unterschiedliche
Planungsansätze unterscheiden. Werden alle zukünftigen Maßnahmen der
Teilperioden des Planungszeitraums auf Grundlage der zum Planungszeitpunkt
vorhandenen Information über zukünftige Umweltentwicklungen definitiv
festgelegt, dann spricht man von starrer Planung. Hier wird zwar die
Abhängigkeit der Aktionen von zeitlich vorgelagerten Aktionen berücksichtigt,
die Maßnahmen für zukünftige Zeitpunkte aber ohne Rücksicht darauf festgelegt,
welcher Umweltzustand im jeweiligen Zeitpunkt gegeben sein wird. Eine evtl.
Planrevision wird hier nur im Nachhinein in Betracht gezogen. Die starre
Planung kann jedoch, auch bei laufender Planrevision, zu Fehlentscheidungen
führen, weil der Einfluss von zukünftigen Anpassungsmöglichkeiten nicht in
Betracht gezogen wird (Inderfurth,
K. 1982). Die flexible Planung hingegen versucht, die
verschiedenen möglichen Umweltentwicklungen von vornherein in die Planung
einzubeziehen. Gegenwärtige und zukünftige Aktionen werden simultan geplant, im
Unterschied zur starren Planung werden die zukünftigen Maßnahmen jedoch vom
Eintreten der ex ante für möglich gehaltenen Umweltzustände abhängig gemacht.
Somit werden bei flexibler Planung Verbesserungen des Informationsstandes der
Entscheidungsträger im Zeitablauf explizit berücksichtigt. Die Maßnahmen werden
also nicht definitiv festgelegt, sondern es wird ein System bedingter Teil-
oder Eventualpläne für unterschiedliche Umweltzustände ermittelt.
III. Flexible
Planungsmethoden
Optimale Entscheidungsregeln oder Strategien bei flexibler
Planung können mithilfe unterschiedlicher Lösungsverfahren ermittelt werden.
Für Voraussetzungen und Durchführung sei auch verwiesen auf Inderfurth und
Schneeweiß (Inderfurth,
K. 1982; Schneeweiß,
C. 1992).
1. Ermittlung
flexibler Pläne mit dem Zustandsbaum-Verfahren
Die optimale Vorgehensweise kann auf Grundlage eines Zustandsbaums ermittelt werden (Inderfurth,
K. 1982; Franke,
G./Hax, H. 1999). Ein Zustandsbaum erfasst die möglichen Entwicklungen
der Umwelt über den Planungszeitraum, sowie die (subjektiven) Einschätzungen
des Planungsträgers. In Abb. 1 ist ein Zustandsbaum gegeben, der die möglichen
Entwicklungen der Nachfrage über einen Planungshorizont von 2 Jahren abbildet.
Der Investor erwartet also z.B. eine hohe Nachfrage (H) in Periode 1 mit
Wahrscheinlichkeit 0.4. War die Nachfrage in Periode 1 hoch, so erwartet er
eine Fortsetzung der hohen Nachfrage in Periode 2 mit Wahrscheinlichkeit 0.8
und eine niedrige Nachfrage (N) nur mit Wahrscheinlichkeit 0.2 (bedingte
Wahrscheinlichkeiten). Für jeden Zustand des Zustandsbaumes wird nun ein
Maßnahmenkatalog aufgestellt. Nehmen wir z.B. an, dass in den Zuständen 1, 2
und 3 jeweils 2 Projekte durchgeführt werden können, nämlich A und B in 1, C
und D in 2, E und F in 3, dann können wir binäre Variablen xj für j aus J = {A,B,C,D,E,F} einführen, wobei xj = 1 bedeutet, dass das Projekt j im jeweiligen
Zustand durchgeführt wird. Jedes Projekt ist dabei genau einem Zustand
zugeordnet und identische Projekte, die in verschiedenen Zuständen durchgeführt
werden können, werden als unterschiedlich behandelt. Projekt j wirft im Zustand
s den Einzahlungsüberschuss esj ab,
wobei s jenen Zustand, in dem das Projekt durchgeführt werden kann, sowie die
in späteren Perioden folgenden Zustände, durchläuft. Für alle übrigen Zustände
gilt esj=0.
Für das Projekt C würden sich also die folgenden Einzahlungsüberschüsse für die
7 möglichen Zustände ergeben: (0, e2C, 0, e4C, e5C, 0, 0).
Im Falle eines risikoneutralen Investors, der sich nur am
Erwartungswert der Zahlungen orientiert, kann der flexible Plan nun sehr
einfach als Lösung einer linearen Optimierungsaufgabe mit Binärvariablen
ermittelt werden. Aus obigen Angaben kann zunächst der erwartete Kapitalwert
eines Projekts auf Basis der im Zustandsbaum gegebenen Wahrscheinlichkeiten
berechnet werden. Als Zielgröße des Gesamtprogramms lässt sich dann die mit den
Binärvariablen gewichtete Summe der einzelnen Kapitalwerte der Projekte
heranziehen. Zusätzlich können noch Nebenbedingungen, die z.B. aus der
begrenzten Verfügbarkeit der Finanzierungsmittel resultieren, berücksichtigt
werden (Hax, H.
1993; Franke,
G./Hax, H. 1999).
Abb. 1: Zustandsbaum für ein dynamisches Entscheidungsproblem
2. Ermittlung
flexibler Pläne mit dem Entscheidungsbaum-Verfahren
Im Rahmen dieses Lösungsverfahrens wird der Zustandsbaum zu
einem Entscheidungsbaum erweitert. Bei der Diskussion dieser Methode werden wir
uns auf das folgende einfache Beispiel zur Investitionsplanung beziehen (vgl. Kruschwitz,
L. 1998). Ein Investor hat einen Planungszeitraum von 2
Jahren. Er kann im Zeitpunkt t=0 entweder eine kleine Anlage bauen (A) oder
eine große Anlage mit doppelter Kapazität (2A) errichten. Im Zeitpunkt t=1 hat
er 3 Möglichkeiten: entweder die Anlage mit einfacher Kapazität auf doppelte
Kapazität erhöhen (A auf 2A), eine große Anlage auf einfache Kapazität
verkleinern (2A auf A) oder aber nichts zu tun (NT). Die zukünftige Entwicklung
der Nachfrage ist unsicher und damit hängen die Rückflüsse aus dem Verkauf der
Produkte nicht nur von den Entscheidungen des Investors über die
Anlagenpolitik, sondern auch von der Nachfrageentwicklung ab. Die Einschätzung
des Investors über die Entwicklung der Nachfrage sei wie in Abb. 1. Das
Entscheidungsproblem des Investors kann mit Hilfe eines Entscheidungsbaums, der
die möglichen Alternativen für den Investor, die unsichere Entwicklung der
Nachfrage und die resultierenden Rückflüsse erfasst, dargestellt werden (Abb.
2). An den viereckig gezeichneten Entscheidungsknoten ist der Investor jeweils
aufgefordert, eine jener Alternativen auszuwählen, die an den von dort
ausgehenden Entscheidungskanten angegeben sind (im Beispiel A, 2A oder NT). An
den rund gezeichneten Zufallsknoten werden an den von dort ausgehenden
Zufallskanten die möglichen Umweltentwicklungen (hohe oder niedrige Nachfrage)
mit deren Wahrscheinlichkeiten (in Klammern) angegeben. Bei Kenntnis des
Kalkulationszinsfusses und der jeweiligen Rückflüsse in Abhängigkeit von der
Nachfrageentwicklung und der Entscheidung für die verschiedenen Zeitpunkte
lässt sich dann der Barwert der unterschiedlichen Vorgehensweisen ermitteln. Im
vorliegenden Beispiel seien der Einfachheit halber an den Endknoten nur die
jeweiligen Kapitalwerte (ohne Darstellung der Berechnung) angegeben.
Es sei nun zunächst demonstriert, wie sich die Anlagenpolitik
bei starrer und flexibler Planung unterscheidet. Bei starrer Vorgehensweise
wird auf Grundlage der Wahrscheinlichkeiten für die Umweltentwicklung zum
Zeitpunkt 0 eine optimale Politik (unabhängig von der tatsächlichen zukünftigen
Nachfrage) fix festgelegt, und zwar z.B. auf Basis der erwarteten Kapitalwerte.
Es stehen vier Alternativen zur Auswahl mit den folgenden erwarteten
Kapitalwerten: A und NT (KW=190); 2A und NT (KW=197); A auf 2A (KW=193); 2A auf
A (KW=168). Diese Alternativen entsprechen also der Anschaffung einer kleinen
bzw. großen Anlage und Beibehalten derselben in Periode 2, bzw. Anschaffung
einer kleinen bzw. großen Anlage mit Erweiterung bzw. Reduktion in Periode 2.
Der erwartete Kapitalwert z.B. der Politik 2A und NT ergibt sich dabei aus: 0.4
[0.8 ċ (350) + 0.2 ċ (200)] + 0.6 [0.5 ċ (190) + 0.5 ċ
(40)] = 197. Da die Anschaffung einer großen Anlage zum Zeitpunkt 0 und
Behalten dieser Anlage in Periode 2 den höchsten erwarteten Kapitalwert
verspricht, wäre diese Anlagenpolitik bei starrer Planung (auch mit
Planrevision nach Periode 1) optimal im Sinne unseres Zielkriteriums.
Anders geht die flexible Planung vor, denn hier werden
zusätzlich zu den obigen Politiken auch noch bedingte Vorgehensweisen in
Betracht gezogen. Da nach der ersten Periode bekannt ist, ob die Nachfrage in
Periode 1 hoch oder niedrig war, verbessert sich der Informationsstand des
Investors im Zeitablauf. Die flexible Planung bezieht dies ein, indem sie die
Entscheidung der zweiten Periode davon abhängig macht, welches Niveau der
Nachfrage (NF = H oder N) in Periode 1 beobachtet wurde. Damit stehen
zusätzlich zu den obigen Politiken vier weitere zur Auswahl: A und [NT, wenn
NF=H; 2A, wenn NF=N]; A und [2A, wenn NF=H; NT, wenn NF=N]; 2A und [A, wenn
NF=H; NT, wenn NF=N]; 2A und [NT, wenn NF=H; A, wenn NF=N]. Die in den eckigen
Klammern stehenden Teilpolitiken kennzeichnen dabei die durch die realisierte
Nachfrage der Periode 1 bedingten Vorgehensweisen. So besagt z.B. die erste der
obigen Politiken: Schaffe eine Anlage A in Periode 0 an; ist die Nachfrage in
Periode 1 hoch, dann behalte A bei, ist die Nachfrage niedrig, erweitere auf
2A.
Die optimale Anlagenpolitik bei der flexiblen Planung wird
nun mithilfe des Roll back-Verfahrens ermittelt, das auf dem
Optimalitätsprinzip von Bellman beruht. Wie bei der dynamischen Programmierung
wird zunächst jene bedingt-optimale Teilpolitik ermittelt, wenn von den
zeitlich zuletzt gelegenen Entscheidungsknoten ausgegangen wird (Schneeweiß,
C. 1974; Schneeweiß,
C. 1992). Dabei muss diese Teilpolitik in Abhängigkeit vom
Umweltzustand (der Nachfrage) festgelegt werden. Im Entscheidungsbaum des
obigen Beispiels sind die erwarteten Kapitalwerte für die Teilpolitiken an den
Zufallsknoten in Periode 2 angegeben. So ergibt sich, z.B. ausgehend vom
Entscheidungsknoten 1 bei NT (Beibehalten der Anlage A) ein erwarteter
Kapitalwert von 190, bei 2A ein erwarteter Kapitalwert von 220. Damit wäre,
unter der Bedingung, dass der Entscheidungsknoten 1 erreicht wird, die
Entscheidung 2A optimal. Der Ast NT des Entscheidungsbaums kann gestrichen
werden. Analog lassen sich die anderen bedingt-optimalen Entscheidungen
ableiten und die jeweils anderen Äste des Entscheidungsbaums streichen. Damit
fällt nun die Entscheidung zwischen der starren Politik 2A und NT (KW=197) und
der flexiblen Politik A und [2A, wenn NF=H; NT, wenn NF=N]. Unter Bedachtnahme
der bedingt-optimalen Teilpolitiken für Periode 2 lässt sich der erwartete
Kapitalwert der flexiblen Politik ermitteln als 0.4 ċ (220) + 0.6 ċ
(190) = 202. Da dieser höher ist als der erwartete Kapitalwert der starren
Politik 2A und NT, fällt die Wahl zugunsten des flexiblen Plans aus. Der flexible
Plan für den Investor sieht zunächst die Investition in eine kleine Anlage vor,
wobei diese erweitert wird (A auf 2A), wenn die Nachfrage in Periode 1 hoch
war. War die Nachfrage hingegen niedrig, dann wird nicht erweitert. Aus diesem
Beispiel lässt sich auch ersehen, dass die flexible Planung einen höheren
erwarteten Kapitalwert ergibt als die starre Planung.
Abb. 2: Entscheidungsbaum für die flexible
Investitionsplanung
3. Ermittlung
flexibler Pläne mit Hilfe stochastischer dynamischer Programmierung
Lässt sich das Präferenzverhalten des Entscheidungsträgers
durch ein Summenkriterium ausdrücken, dann können Mehrperiodenplanungen, bei
denen explizit berücksichtigt wird, dass sich der Informationsstand bis zum
Erreichen des Planungshorizonts verändert, auch mithilfe der stochastischen dynamischen Programmierung
erfolgen (Schneeweiß,
C. 1974; Schneeweiß,
C. 1992; Inderfurth,
K. 1982). Als Beurteilungsgröße unterschiedlicher
Vorgehensweisen kann hier z.B. der Nutzenerwartungswert dienen, wobei die sog.
Risikonutzenfunktion die Risikoeinstellung des Planungsträgers wiedergibt (Bamberg,
G./Coenenberg, A.G. 1996). Von zentraler Bedeutung ist die
Bellman\'sche Funktionalgleichung, die zur Ableitung von optimalen Politiken
(flexiblen Plänen) herangezogen werden kann. Ebenso wie beim
Entscheidungsbaum-Verfahren wird ein (stochastisches) dynamisches Programm in
Rückwärtsrekursion gelöst, woraus sich jene Folge von bedingt-optimalen
Anweisungen ergibt, die den größten Nutzenerwartungswert liefert. Während sich
im deterministischen Fall mittels einer (an die Rückwärtsrekursion
anschließenden) Vorwärtsrechnung eine Folge von optimalen Entscheidungen
(unbedingten Empfehlungen) berechnen lässt, ist im stochastischen Fall eine
solche Vorwärtsrechnung nicht möglich, da sich infolge der stochastischen
Übergänge die optimale Vorgehensweise erst bei Realisierung der Zustände ergibt
(Bamberg,
G./Coenenberg, A.G. 1996). Die optimale Politik ergibt sich
hier eben als eine Folge von flexiblen Eventualplänen, die Maßnahmen in
Abhängigkeit vom eingetretenen Umweltzustand vorsehen. Für ein Beispiel sei
verwiesen auf Schneeweiß (Schneeweiß,
C. 1992, S. 109).
IV. Realoptionen
Der Schaffung und optimalen Ausnutzung von unternehmerischen Handlungsspielräumen
kommt eine erhebliche Bedeutung zu, insbesondere dann, wenn Entscheidungen
irreversibel sind und evtl. nicht sofort getroffen werden müssen, sondern der
Entscheidungszeitpunkt aufgeschoben werden kann (Dixit,
A.K./Pindyck, R.S. 1994). Die flexible Planung bezieht
derartige Handlungsspielräume und die damit verbundene Flexibilität in die
Modellierung explizit ein. Sie erkennt den Wert heutiger Maßnahmen, die
Handlungsspielräume in der Zukunft eröffnen, und zeigt auf, dass es nicht
sinnvoll ist, in der Gegenwart definitiv zu entscheiden, wie zukünftige
Handlungsspielräume genutzt werden. So ist es in obigem Beispiel vorteilhaft,
zunächst eine kleine Anlage anzuschaffen und die Erweiterungsentscheidung von
der realisierten Nachfrage der Periode 1 abhängig zu machen. In neuerer Zeit
ist eine Diskussion darüber entstanden, mit welchen Methoden derartige
Handlungsspielräume bewertet werden sollten (Laux, C.
1993; Breuer, W./Gürtler,
M./Schuhmacher, J. 1999; Crasselt,
N./Tomaszewski, C. 1999). Grundsätzlich kann ein Marktwert für
derartige Handlungsspielräume (Realoptionen) barwertorientiert oder
optionspreistheoretisch fundiert ermittelt werden. Zwar lassen sich beide
Methoden ökonomisch plausibel rechtfertigen, ohne zusätzliche Annahmen sind sie
jedoch i.d.R. nicht äquivalent. Bei
der barwertorientierten Ermittlung
des Marktwertes einer Realoption wird der Barwert der Einzahlungsüberschüsse
eines Investitionsprojekts ohne
Realoption (z.B. erwarteter Kapitalwert bei sofortiger Investition) dem Barwert
mit Realoption (z.B. erwarteter
Kapitalwert bei Aufschub der Investition und optimaler Reaktion auf Nachfrage
der Periode 1 wie bei flexibler Planung) gegenübergestellt, wobei die Differenz
als Schätzwert für den Marktwert der Realoption dienen kann. Die Berechnung der
jeweiligen Gegenwartswerte erfolgt, indem der entsprechende Erwartungswert der
unsicheren Einzahlungsüberschüsse mit einem Kalkulationszinsfuß (der das
Marktrisiko der Investition reflektiert) auf den Entscheidungszeitpunkt
diskontiert wird. Das zentrale Problem der barwertorientierten Bewertung und
damit der flexiblen Planung ist dabei, dass für unterschiedliche Formen der
Ausnutzung der Handlungsspielräume (d.h. für verschiedene Risiken) eigentlich
unterschiedliche Diskontsätze angesetzt werden müssten, die Ermittlung des
risikoangepassten Diskontsatzes aber i.d.R. erhebliche Probleme bereitet (Trigeorgis,
L. 1996). Die flexible Planung wird daher auch kritisch
diskutiert (vgl. Crasselt,
N./Tomaszewski, C. 1999; Laux, C.
1993). Bei der optionspreistheoretisch
fundierten Ermittlung des Marktwertes einer Realoption wird versucht, den mit
der Realoption verbundenen Zahlungsstrom durch ein Duplikationsportefeuille,
das aus einer sicheren Anlage/Verschuldung und Teilen des Projektzahlungsstroms
besteht, nachzubilden. Unter der Annahme der Arbitragefreiheit von
Kapitalmärkten müssen sich die gleichen Preise für äquivalente Zahlungsreihen
ergeben, und damit kann bei geeigneter Konstruktion des Portefeuilles eine
Schätzung des Marktwerts der Realoption ermittelt werden. Wie Dangl und Kopel
zeigen, führen die beiden obigen Bewertungsmethoden nur dann zu einem
übereinstimmenden, eindeutigen Marktwert der Realoption, wenn der Zugang zu
einem vollständigen Kapitalmarkt existiert (Dangl,
T./Kopel, M. 2003). Nur in diesem Fall kann das
unternehmerische Risiko durch ein Portefeuille von gehandelten Werten
vollständig repliziert werden und die Bewertung ist unabhängig von der
individuellen Zeit- und Risikopräferenz des Entscheidungsträgers. Ist der Markt
jedoch unvollständig, dann ist die Ermittlung eines eindeutigen Marktwerts
nicht mehr möglich. Mit Hilfe der Realoptionstheorie können dann bestenfalls
Ober- und Untergrenzen für den Marktwert abgeleitet werden und damit ist auch
die Investitionsentscheidung nicht mehr eindeutig vorgegeben. In diesem Fall
liegt es an der Unternehmensleitung, die im Sinne des Unternehmensziels
optimale Entscheidung festzulegen.
Literatur:
Bamberg,
Günter/Coenenberg, Adolf G. : Betriebswirtschaftliche Entscheidungslehre,
München, 9. A., 1996
Breuer,
Wolfgang/Gürtler, Marc/Schuhmacher, Joachim : Die Bewertung betrieblicher
Realoptionen, in: BFuP, 1999, S. 213 – 232
Crasselt, Nils/Tomaszewski,
Claude : Realoptionen – Eine neue Methode der Investitionsrechnung?, in: WiSt,
1999, S. 556 – 559
Dangl, Thomas/Kopel,
Michael : Die Bedeutung vollständiger Finanzmärkte für die Anwendung des
Realoptionsansatzes, in: Reale Optionen – Konzepte, Praxis und Perspektiven
strategischer Unternehmensfinanzierung, hrsg. v. Hommel, Ulrich/Scholich,
Martin/Baecker, Philipp, Berlin et al. 2003, S. 37 – 62
Dinkelbach, Werner :
Flexible Planung, in: HWPlan, hrsg. v. Szyperski, Norbert, Stuttgart 1989, S.
Sp. 507 – 512
Dixit, Avinash
K./Pindyck, Robert S. : Investment Under Uncertainty, Princeton 1994
Franke, Günter/Hax,
Herbert : Finanzwirtschaft des Unternehmens und Kapitalmarkt, Berlin et al., 4.
A., 1999
Hax, Herbert :
Investitionstheorie, Würzburg et al., 5. A., 1993
Inderfurth, Karl :
Starre und flexible Investitionsplanung, Wiesbaden 1982
Kruschwitz, Lutz :
Investitionsrechnung, München, 7. A., 1998
Laux, Christian :
Handlungsspielräume im Leistungsbereich des Unternehmens: Eine Anwendung der
Optionspreistheorie, in: ZfbF, Jg. 45, 1993, S. 933 – 958
Ossadnik, Wolfgang :
Planung und Entscheidung, in: Betriebswirtschaftslehre, hrsg. v. Corsten,
Hans/Reiß, Michael, München 1994, S. 141 – 232
Schneeweiß, Christoph :
Planung, Bd. 2, Berlin et al. 1992
Schneeweiß, Christoph :
Dynamisches Programmieren, Würzburg et al. 1974
Trigeorgis, Lenos : Real
Options, Cambridge 1996
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