Inhaltsübersicht
I. Rechtliche
Grundlage
II. Volkswirtschaftliche
Bedeutung von Aktienfonds
III. Aktienfondsarten
IV. Qualitätskriterien
im Anlagemanagement
V. Anlagestrategien,
Managementstile und -methoden
VI. Ausblick:
Aktienfonds als renditestarke Lösung für die private Vorsorge
I. Rechtliche Grundlage
Aktienfonds
deutscher Gesellschaften werden – wie Investmentfonds insgesamt – durch das
Investmentgesetz (InvG) geregelt. Es trat am 01.01.2004 in Kraft und
reformierte das bis dahin geltende Gesetz über Kapitalanlagegesellschaften
(KAGG). Danach besteht ein Investmentfonds aus dem gegen Ausgabe von
Anteilscheinen eingelegten Geld und den damit angeschafften
Vermögensgegenständen. Vermögensgegenstände der Aktienfonds sind dabei
überwiegend in- und ausländische Aktien, Optionsscheine oder Terminkontrakte.
Ziel ist, das Risiko der Einzelanlage durch breite Streuung zu vermindern und
den privaten Investoren die Chancen der Aktienmärkte durch professionelles
Anlagemanagement zu erschließen. Aktienfonds eignen sich insbesondere für
wachstumsorientierte Anleger, die temporäre Kursschwankungen in Kauf zu nehmen
bereit sind und auf die längerfristig erfahrungsgemäß überproportionalen
Wertzuwächse der Aktie setzen – im Gegensatz zu Rentenfonds,
die einen relativ stetigeren, aber begrenzteren Wertzuwachs mit geringeren
Kursschwankungen aufweisen.
Traditionelle Zielgruppe des Fondsgeschäfts ist das breite
Publikum – Wertpapiersparer, größere Privatanleger, Firmen und Firmeninhaber.
Zunehmend werden Fonds aber auch von professionellen Vermögensverwaltern für
private oder institutionelle Portfolios eingesetzt.
II. Volkswirtschaftliche
Bedeutung von Aktienfonds
Gesamtwirtschaftliches Ziel der Aktienfonds ist die
Beteiligung weiter Bevölkerungskreise am Produktivvermögen. Zunehmende
Bedeutung gewinnen Aktienfonds neuerdings zudem für die private Altersvorsorge. Daneben steht die gesamtwirtschaftliche
Finanzierungsfunktion von Aktienfonds im Sinne einer effizienten Kapitalallokation.
Spiegelbild ihrer wachsenden gesamtwirtschaftlichen Bedeutung ist die steigende
kapitalmarktpolitische Verantwortung der Kapitalanlagegesellschaften. Teil
dieser Verantwortung ist die Vertretung der Aktionärsinteressen gegenüber den
Unternehmen z.B. in Hauptversammlungen und die Ausübung von Stimmrechten, die
Weiterentwicklung der Kapitalmarktregelungen (z.B. Insiderregelung,
Übernahmekodex) und die Verbesserung der sog. Corporate Governance.
III. Aktienfondsarten
Entsprechend den zunehmend weiter aufgefächerten Anlagezielen
und -horizonten der Investoren gibt es ein breites Fondsspektrum:
1. Länder- und regionenbezogene Aktienfonds
-
Basisanlage sind im Allgemeinen Blue Chip-Fonds am
heimischen Aktienmarkt.
-
Mit dem Start der Europäischen Währungsunion Anfang
1999 wurden europäische Aktienfonds zunehmend zur „ Heimatland “ -Anlage.
-
Internationale, weltweit anlegende Aktienfonds fügen
den Chancen und Risiken der einzelnen Märkte noch Währungs-Chancen und
Risiken hinzu. Erfahrungsgemäß führt die weltweite Risikostreuung bei
ähnlichen oder höheren Wertzuwächsen z.T. sogar zu einer geringeren
Volatilität als im nationalen Rahmen.
-
Reine Länderfonds, z.B. in USA, Japan etc., bieten den
Investoren das individuelle Wachstums- und Währungsprofil der Einzelländer.
-
Regionenfonds zielen darauf ab, durch Anlagestreuung
über Kontinente oder Subkontinente (Nordamerika, Lateinamerika, Osteuropa,
Asien, Asien-Pazifik, Indien etc.) Einzelländer-Risiken breiter zu streuen
und „ abgewogene “ Chancen z.B. in Schwellenländern zu bieten.
2. Branchen- und Themenfonds
Branchenfonds rücken zunehmend ins Zentrum des Interesses
(z.B. Technologie-, Telekommunikations-, Internetfonds oder Pharma- und
Biotechnologiefonds, Rohstoff-, Energiefonds, Konsumwertefonds). Angesichts
europäischer Harmonisierung und Globalisierung von Zinsentwicklung und
Konjunkturen bietet die europaweite oder weltweite Branchenallokation eine
effizientere Chance-/Risikogestaltung in den Portfolios als die
Länderallokation. Themenfonds setzen für die Investoren besonders
zukunftsträchtige Themen um, wie z.B. langfristige Wachstumstrends, Shareholder
Value orientierte Titelselektion oder „ junge Anlage “ . Vorteil für die Anleger:
ein plastisches, dem eigenen Erlebnis- und Erfahrungsbereich nahestehendes
Investitionskonzept.
3. Aktienfonds mit speziellen
Chance-/Risikoprofilen
Mid Cap und Small Cap Fonds öffnen das Spektrum von den Blue
Chip Fonds hin zu kleinen und mittleren Werten (Spezial- und Nebenwerten); die
Entstehung der neuen Märkte und die steigende Zahl neuer Emittenten (IPOs) an
den internationalen Kapitalmärkten bietet zunehmend breiteren Spielraum für
solche Fonds. Kleinere Werte bieten teilweise höhere Wachstumspotenziale und
bessere Risikostreuung (wegen geringerer Korrelation) als die großen
Standardwerte. Allerdings steht dem eingeschränktere Liquidität und
aufwendigere Informationsbeschaffung/schwierigeres Research gegenüber.
Emerging Markets Fonds erschließen speziell das Kurspotenzial
in aufstrebenden Ländern und Regionen.
In den USA spielt die Unterscheidung zwischen Value-Fonds und
Growth-Fonds eine wesentliche Rolle. Value Stocks sind eher zyklische Werte mit
relativ niedriger Bewertung, denen ein erhebliches Nachholpotenzial zugetraut
wird; Growth Stocks sind dagegen höher bewertet, angesichts ihrer
Gewinn-Wachstumskraft bieten sie aber tendenziell großes Kurspotenzial.
4. Ausschüttung/Thesaurierung
Viele Aktienfonds sind traditionell ausschüttende Fonds.
Ausgeschüttet werden regelmäßig die im Geschäftsjahr angefallenen Zinsen und
Dividenden, gelegentlich auch außerordentliche Erträge wie z.B. realisierte
Kursgewinne aus der Veräußerung von Wertpapieren. Demgegenüber legen
thesaurierende oder akkumulierende Aktienfonds die Erträge unmittelbar im
Fondsvermögen wieder an.
5. Aktienfonds mit begrenzter Laufzeit
Seit 1998 können in Deutschland auch Aktienfonds mit
begrenzter Laufzeit aufgelegt werden. Ziel ist dabei z.B. die Aktienanlage mit
Absicherung zum Rückzahlungstermin des Fonds – als chancenreichere Alternative
zur Rentenanlage und zugleich als Heranführung der Anleger an die Aktie.
6. „ Trading “ Fonds
Im Gegensatz zu der im Allgemeinen langfristig ausgerichteten
Fondsanlage zielen Trading Fonds auf flexible wertpapiererfahrene Anleger, die
auch kurzfristige Chancen wahrnehmen wollen. Die deutschen Fondsgesellschaften
haben derartigen Kundenansprüchen mit einer vorteilhaften Kostengestaltung
Rechnung getragen: Die Fonds werden ohne Ausgabeaufschlag angeboten; das
Investment wird über das Verwaltungsentgelt der Fonds nur mit zeitanteiligen
Kosten belastet.
7. Dachfonds
Die seit 1999 bestehende Möglichkeit, Aktienfonds auch in
Form von Dachfonds anzubieten, verändert die anlagepolitische Aufgabenstellung
für das Fondsmanagement: Einerseits ist die globale Asset Allocation weiter wie
in anderen Aktienfonds zu bestimmen; andererseits erfordert die Fondsselektion
unter einem „ Fondsdach “ neue Kriterien für die Auswahl, insbesondere auch bei
der Bewertung von Drittfonds.
IV. Qualitätskriterien im
Anlagemanagement
Maßstab für die Wettbewerbsstärke von Aktienfonds im
zunehmend intensiveren Konkurrenzumfeld ist die Qualität ihres
Anlagemanagements. Kriterien dafür sind:
1. Der Investmentprozess
Insbesondere im institutionellen Portfoliomanagement spielt
der definierte Investmentprozess eine zentrale Rolle, um institutionellen
Anlegern Transparenz über das Anlagemanagement zu geben. Er beginnt mit der
Zielfestlegung (die i.d.R. einer marktorientierten Benchmark folgt). Im zweiten
Schritt erfolgen Research und Informationsauswertung, die Ableitung von
Bewertungen und/oder Ertragsprognosen für Anlagebereiche (Asset Klassen –
Liquidität, Rentenanlagen, Aktienanlagen). Ihr folgt die Formulierung der
Anlagestrategie, d.h. die Strukturierung des Gesamtportfolios nach Liquidität
oder Rentenanlagen und Aktienanteil sowie des Aktienportfolios speziell nach
Branchen, Ländern und Währungen (Asset Allocation) sowie nach Einzeltiteln
(Stock Selection). Wichtig ist dabei auch die Risikobewertung. Vierter Schritt
ist die Durchführung der Transaktionen am Markt, der dann das regelmäßige
Ergebnis- und Risikocontrolling folgt, d.h. die Analyse der
Performanceabweichungen zur vorgegebenen Benchmark (Tracking Error) und die
Erfolgsquellenanalyse (Performance Attribution).
2. Performance
Entsprechend der modernen Portfoliotheorie
gibt es klar messbare Kriterien für den Erfolg der Geldanlage. Ziel eines
rationalen Investors ist eine möglichst hohe Rendite bei gleichzeitiger
Begrenzung des Risikos (d.h. der Wertschwankungen des Investments, seiner sog.
Volatilität). Hierfür gibt es verschiedene theoretische Modelle und
Rechengrößen bis hin zu den populär gestalteten „ Hitlisten “ in den Medien. Als
Vergleichsgrößen zur Abschätzung der relativen Performance werden regelmäßig
die zugehörigen Benchmarks
herangezogen.
3. Benchmarks
Wesentlich ist, dass die vom Asset Manager zu schlagenden
Benchmarks die jeweiligen Anlegerprofile hinreichend widerspiegeln.
Gängige Benchmarks sind:
-
Preis- oder Kursindizes (z.B. der Dow Jones Index)
-
Performanceindizes, bei denen die Wiederanlage von
Dividenden mitberücksichtigt wird (z.B. DAX, Dow Jones STOXX Index, MSCI
Indizes)
-
Ergebnisse konkurrierender Fonds
-
Performanceergebnisse vergleichbarer Anlageformen.
4. Aktienanalyse und Credit Research
Voraussetzung für gezielte „ Stock Selection “ ist aktiv betriebenes Aktienresearch sowie Credit
Research. Das Fondsmanagement nutzt nicht nur das weltweite Research
renommierter Institute. Insbesondere muss auch durch intensive direkte
Unternehmenskontakte und eigenes Research (oder engen Kontakt von
Fondsmanagement und Research – sog. By Side Research) eine gesicherte Basis für
qualitätsorientiertes „ Bottom Up “ - Anlagemanagement geschaffen werden. Überdies
kann qualifiziertes Credit Research wertvolle Hinweise zur Einschätzung von
Unternehmensrisiken liefern.
5. Anlagekontrollen
Fondsgesellschaften haben verfeinerte Kontrollsysteme entwickelt.
Neben der externen Erfassung und Anteilpreisberechnung durch die Depotbank und
den regelmäßigen externen Kontrollen durch die Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gibt es
interne Kontrollen, die Alleingänge von einzelnen Fondsmanagern durch
mehrstufige Entscheidungsstrukturen oder die Trennung von Handel (Disposition)
und Anlagemanagement verhindern sollen. Die Einhaltung von Compliance-Regeln
(z.B. „ Chinese Walls “ gegenüber Mutterinstituten) gehören ebenfalls zum
etablierten Standard von Kapitalanlagegesellschaften. Entscheidendstes Aktivum
in einem kontrollierten Anlageprozess sind aber letztlich die „ weichen
Faktoren “ : Qualität und Kontinuität des Managementteams. Dies beinhaltet
Erfahrung in der Führung ebenso wie Gelassenheit in schwierigen
Kapitalmarktzyklen und das Wissen um langfristig wirkende Erfolgsfaktoren.
Individuelle Expertise in Einzelbereichen wie Ländern und Währungen, Branchen
und Sektoren, Derivaten und Spezialitäten ist dabei genauso wichtig wie
Teamfähigkeit und Teamgeist.
V. Anlagestrategien,
Managementstile und -methoden
Unterschiedliche Anlegerziele erfordern eine immer weiter
zunehmende Vielfalt an maßgeschneiderten Anlagekonzepten und -strategien.
1. Aktiv gemanagte Aktienportfolios
(Aktienfonds)
Ziel aktiven Managements ist eine möglichst hohe und stetige
Wertentwicklung, die besser als der gewählte Vergleichsmaßstab (Referenzindex)
ausfallen soll. Aktives Management bedeutet somit, dass die Portfoliostruktur
eines Fonds bewusst von der Zusammensetzung seines Orientierungsmaßstabes durch
Über- oder Untergewichtung einzelner Portfeuilleteile abweicht. Dies erfordert
im Einzelnen die unterschiedliche strategische Steuerung z.B. von Länder- oder
Branchengewichtungen, von Standard-/Spezialwertegewichtungen,
Einzeltiteldotierungen und Termingeschäften (-absicherungen). Strategisches
Instrument kann darüber hinaus – je nach Fondsausrichtung – auch die
Veränderung der Kasseposition sein. Grundlage für diese Steuerung sind die
Erwartungen über künftige Marktentwicklungen, aktuelle Konjunktur- und
Brancheneinschätzungen sowie Unternehmensanalysen. Mittel dazu sind i.d.R.
gesamtwirtschaftliche Prognosen, die Empfehlungen der Analyseteams sowie eigene
Erfahrungen und Recherchen (Unternehmensbesuche und -gespräche). Das Portfolio
ist dementsprechend laufend durch Adjustierung der Einzelgewichtungen an diese
Erwartungen anzupassen.
2. Passiv gemanagte Aktienportfolios
(Index-Aktienfonds)
Ziel passiver Anlagestrategien ist es, das Ergebnis von Marktdurchschnitten
– dargestellt anhand von Indizes – durch vereinfachte Portfolios „ abzubilden “ .
Da hierbei keine aktive Anlageentscheidung zu treffen ist, werden im
Allgemeinen geringere Verwaltungskosten für derartige Fonds berechnet. Das Ziel
eines engen Performancegleichlaufs mit dem Index wird aber nicht immer in
vollem Umfang erreicht, da die Fonds mit Transaktions- und
Administrationskosten belastet sind, die im Index nicht berechnet werden.
Indexorientiertes Management spielt bei institutionellen Anlegern international
eine wesentliche Rolle. Bei Privatanlegern haben Indexfonds vornehmlich in den
USA größere Verbreitung gefunden; in Deutschland ist ihr Anteil gering. Für
Anleger, die stärker sicherheitsorientiert denken und deshalb auf aktives Management
zur Risikobegrenzung oder auf spezielle Themen Wert legen wie z.B. die
Wahrnehmung von langfristigen Wachstumstrends oder Steueroptimierung, sind
Indexfonds nicht geeignet.
3. Managementstile: Top Down vs. Bottom Up
Zunehmend differenzierter werden die Kundenwünsche auch
hinsichtlich Anlagestilen. Private Kunden legen vorrangig auf aktives
Management Wert mit dem Ziel, die Marktrendite zu schlagen, vor allem aber
Verluste zu vermeiden oder zu begrenzen. Dabei reicht der gängige Top Down-Ansatz, bei dem die globale Länder- oder
Branchenallokation am Anfang steht und die Einzeltitelauswahl (Stock Selection)
erst sekundär erfolgt, nicht mehr aus. Mehr und mehr erfordert erfolgreiches Asset
Management daneben die Beherrschung des Bottom Up-Ansatzes. Hier
steht die Selektion chancenreicher Aktien im Vordergrund, gepaart mit
fundamentaler Beurteilung der Werte, regelmäßigen Unternehmensbesuchen und
-kontakten. Je effizienter die Märkte, d.h. je schneller und gleichmäßiger die
Investoren und Vermögensverwalter über Marktentwicklungen informiert sind,
desto geringer wird die Chance von Performancevorteilen und desto wichtiger
wird die gezielte Stock Selection als Basis für Wettbewerbsvorsprünge.
4. Quantitative Methoden und
Optimierungstechniken
Neuere Portfolioanalysen und -gestaltungen nutzen auch
Methoden und Techniken, die auf der Auswertung von Kursstatistiken der Vergangenheit
aufbauen. Ausgehend von der Annahme stabiler statistischer Relationen wird
insbesondere mithilfe des sog. Tracking Error (d.s. ermittelte statistische
Abweichungen zwischen Portfolioentwicklung und Indexverläufen) versucht,
Portfolios aufzubauen, die ein gewünschtes Abweichungsrisiko gegenüber einem
Index aufweisen – mit dem Ziel einer entsprechenden langfristigen
Überperformance. Anhand historischer Korrelationen können darüber hinaus
Einflussfaktoren von Kursschwankungen ermittelt und ihre Stärke festgestellt
werden (z.B. Zinssensitivitäten von Portfolios). Damit lässt sich das
Preisverhalten von Aktienportfolios für bestimmte Szenarien voraussagen.
Derartige Ergebnisse empirischer Kapitalmarktforschung können in einer
Optimierungsstrategie dazu genutzt werden, Zielportfolios aufzubauen, die die
gewünschten Eigenschaften aufweisen. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass
die empirischen und quantitativen Ergebnisse immer nur eine eingeschränkte
Prognosefähigkeit aufweisen. Strukturbrüche können sie nicht vorhersagen.
Insofern kommen sie nicht ohne ständige Anpassungen aus. Fundamentales Research
und die Erfahrung sowie das „ Marktgefühl “ der Portfoliomanager können sie nicht
ersetzen.
5. Wertsicherungskonzepte und
Absicherungsstrategien
Zentrale Bedeutung hat für das Aktienfondsmanagement die
Risikoanalyse und -optimierung. Durch Einsatz von Termininstrumenten wie
Optionen und Financial
Futures ist es möglich, gezielt Risiken von Portfolios zu
reduzieren. Der Einsatz gezielter Absicherungsstrategien ist dabei zur
Entwicklung von Aktienfonds mit Wertsicherungskonzepten genutzt worden. Eine
Vielzahl solcher Aktienfonds mit Absicherung ist inzwischen auf den Markt
gekommen. Insbesondere in Phasen höherer Risikosensibilität der Anleger haben
diese Fonds große Bedeutung erlangt. Für rentenorientierte Anleger können
solche Fonds als gute Hinführung zur Aktie dienen. Die Absicherung von
Aktienkursrisiken durch Termininstrumente kostet grundsätzlich eine
„ Versicherungsprämie “ in Form der Prämien auf Verkaufsoptionen oder der Kosten
von Futures. Diese Prämien schmälern die Performance. Sie können durch
verzinsliche Anlagen verdient werden, die deshalb in vielen derartigen Fonds
einen Teil des Portfolios bilden. Wie groß dieser Anteil sein muss und wie groß
folglich der „ Performanceentzug “ durch die Absicherung des Aktienportfolios
ist, hängt von der Zinshöhe und den Volatilitäten an den Aktienmärkten ab.
Grundsätzlich gilt: Je niedriger die Zinsen (Renditen festverzinslicher
Wertpapiere) und je höher die Volatilitäten, desto teurer die Absicherung.
Verschiedene Wertsicherungskonzepte sind deshalb denkbar. Ein Beispiel:
– Aktienfonds mit Kapitalgarantie (Money Back Guaranty) bzw.
mit garantierter Risikobegrenzung z.B. auf 5 oder 10% (mit entsprechend
garantiertem Rückzahlungspreis). Die Garantie wird regelmäßig auf einen
bestimmten späteren Zeitpunkt gegeben mit der Möglichkeit zwischenzeitlicher
Kursunterschreitungen – häufig in Form laufzeitbegrenzter Aktienfonds. Wird ein
begrenztes Kursrisiko auf den Garantiezeitpunkt vorgesehen, ist eine höhere
Partizipation des Portfolios möglich. Bei größerer Kurssteigerung während der Laufzeit
haben solche Gestaltungen eine hohe Attraktivität, da viele Anleger den
Garantie- oder Rückzahlungszeitpunkt nicht abwarten, sondern vorzeitig
Kursgewinne realisieren.
– Ähnliche Konzepte lassen sich auch als synthetische
Aktienfonds konstruieren. Der Großteil des Portfolios (bis zu 80% oder mehr)
besteht dann aus verzinslichen Anlagen. Das Aktienprofil des Fonds wird durch
Kaufoptionen hergestellt – aus Kostengründen meistens Indexoptionen. Wegen der
Indexorientierung besteht allerdings kein Spielraum für ein aktives
Aktienmanagement.
Garantien können allerdings von Fondsgesellschaften in
Deutschland nicht gegeben werden; deshalb kommen Aktienfonds mit garantierter
Rückzahlung regelmäßig aus Luxemburg.
VI. Ausblick: Aktienfonds als
renditestarke Lösung für die private Vorsorge
Im internationalen Vergleich spielen Aktienfonds in
Deutschland nach wie vor eine geringe Rolle. Die Amerikaner hatten im
Durchschnitt pro Kopf Ende 1999 umgerechnet 25.500 Euro in Fonds insgesamt
angelegt, davon 16.500 Euro in Aktienfonds, die Deutschen hingegen nur 4.800
Euro insgesamt, davon 2.640 Euro in Aktienfonds. Auch die europäischen Nachbarn
kommen z.T. auf deutlich höhere pro Kopf-Beträge in Fonds. Dies wird sich
ändern. Künftig werden Fondsanteile, insbesondere Aktienfonds, steigende
Bedeutung auch für die Altersvorsorge haben. Unübersehbare demographische
Veränderungen und die notwendige Konsolidierung der Staatlichen
Rentenversicherung machen neue Modelle für die Zukunftssicherung notwendig. Die
private Vorsorge muss zukünftig
verstärkt den angemessenen Lebensstandard im Alter sichern. Im Interesse
höchstmöglicher Effizienz privater Vorsorge werden die Weichen auf langfristige
Renditestärke zu stellen sein. Ein einfacher Vergleich macht die Dimensionen
deutlich, um die es geht: Im langfristigen Mittel rentierten Aktien mindestens
zwei bis drei Prozent höher als festverzinsliche Werte; phasenweise fiel dieser
Abstand noch wesentlich größer aus. Drei Prozent Renditedifferenz auf 25 Jahre
hochgerechnet (bei nur 100 € monatlicher Einzahlung) ergeben eine Erhöhung des
Vorsorgekapitals um 185 T € . Das Argument des Kursrisikos verliert dagegen auf
lange Sicht zunehmend an Bedeutung. Die Renditestärke definiert somit den Platz
der (Aktien)fonds als ertragsmäßig notwendige dritte Säule der privaten
Vorsorge – neben der Absicherung des Lebensrisikos mit dem Versicherungssparen
und dem Erwerb der eigenen Immobilie. Sparpläne
mit aktienorientierten Fonds sind deshalb ein
Lösungsweg, insbesondere für die frühzeitig begonnene Vorsorge.
Literatur:
Bruns, C./Meyer-Bullerdiek, F. :
Professionelles Portfolio-Management, 3. A., Stuttgart 2003
Bundesverband deutscher
Investmentgesellschaften (BVI), : Investment 99, Investment 98
Laux, M./Päsler, R. :
Wertpapier-Investmentfonds, Frankfurt a.M. 1992
Paul, T./Päsler, R. : Das deutsche
Investmentrecht, Frankfurt a.M. 1999
Steiner, M./Bruns, C. :
Wertpapier-Management, 8. A., Stuttgart 2002
Zeyer, F. : Investmentfonds-Management,
Frankfurt a.M. 1993
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