Inhaltsübersicht
I. Einleitung
II. Arten
von Synergien
III. Entwicklung
und Sicherung von Synergien
IV. Bewertungsprobleme
für Synergien
V. Schlussbemerkungen
I. Einleitung
Innerhalb der Betriebswirtschaftslehre spielen Synergien bzw.
Synergieeffekte eine entscheidende Rolle, insbesondere bei der Beurteilung von
Investitionen sowie von Unternehmenskooperationen und
Unternehmenszusammenschlüssen. Regelmäßig stößt man auf das Postulat, es
müssten Synergieeffekte verstärkt genutzt werden, um den Unternehmenswert zu
steigern. Einige Autoren gehen sogar so weit, in Synergien zwischen den
verschiedenen Bereichen eines Unternehmens die Existenzberechtigung des
Unternehmens zu sehen (u.a. Foss,
N.J./Iversen, M. 1997, S. 1; Schauenberg,
B. 1998; Schmitz,
P./Sliwka, D. 2001). Bestehen beispielsweise zwischen zwei
Divisionen keine oder nur geringe Synergien, dann könnten diese Divisionen auch
als unabhängige Unternehmen geführt werden bzw. sollten an andere Unternehmen
verkauft werden, mit denen sich insgesamt größere Synergieeffekte ergäben. Vor
dem Hintergrund des Coase-Theorems wäre diese Sichtweise in einer
Null-Transaktionskosten-Welt nur allzu konsequent.
Trotz der anscheinend herausragenden Bedeutung von Synergien
ist jedoch der Synergiebegriff selbst vergleichsweise offen. Grob kann von
bestehenden Synergien gesprochen werden, wenn der Marktwert aus der gemeinsamen
Nutzung zweier Aktivitäten bzw. Ressourcen größer ist als die Summe der
einzelnen Marktwerte bei einer separaten Nutzung (analog im Zusammenhang mit
Unternehmenszusammenschlüssen Arbeitskreis
Die Unternehmung im Markt, 1992, S. 968). Diese Arbeitsdefinition
soll im folgenden Abschnitt II anhand verschiedener, in der Literatur
existierender Synergiekonzeptionen konkretisiert werden. Abschnitt III
beschäftigt sich anschließend mit der Entwicklung und Sicherung von Synergien
als zentrale Aufgabe der Unternehmensleitung. In Abschnitt IV wird
verdeutlicht, dass Synergien definitionsgemäß Bewertungsprobleme implizieren.
Der Beitrag endet mit einigen Schlussbemerkungen in Abschnitt V.
II. Arten von Synergien
Um die verschiedenen Arten von Synergieeffekten zu
beschreiben, sollen im Folgenden die unterschiedlichen Synergiekonzeptionen
betrachtet werden, die bisher in der Literatur entwickelt wurden (zu einem
gewissen Überblick Foss,
N.J./Iversen, M. 1997, S. 3 – 12). Im Unterabschnitt II.5 wird
abschließend versucht, durch eine Synthese der verschiedenen Konzeptionen zu
einer Zusammenfassung möglicher Arten von Synergien zu gelangen.
1. Steigerung
des Return on Investment
Eine vergleichsweise alte, aber dennoch umfassende Konzeption
von Synergieeffekten geht auf Ansoff (Ansoff, I.
1965) zurück. Im Vordergrund steht hierbei der Return on Investment
(ROI), definiert als Quotient aus Gewinn und investiertem Kapital, wobei der
Gewinn nochmals aufgesplittet werden kann als Differenz aus Umsatz und Kosten.
Die Zusammenfassung zweier Produkte a und b innerhalb eines Unternehmens
verbunden mit der gemeinsamen Produktion und Vermarktung der Produkte führt
dann zu Synergien, wenn für den hierdurch erzielten ROI die Relation ROI (a, b)
> ROI (a) + ROI (b) gilt, d.h. die Zusammenlegung der zwei Produkte bewirkt
eine Steigerung des ROI (Foss,
N.J./Iversen, M. 1997, S. 5) (allerdings ist die Additivität
der ROI-Werte an sich schon problematisch, weil durch die unterschiedlichen
Nenner die Forderung der Ungleichung zu streng wird; zu einer kritischen
Diskussion des ROI siehe auch Ewert,
R./Wagenhofer, A. 2000, S. 542 ff.). Denkbar ist solch ein
Effekt durch Einsparmöglichkeiten beim eingesetzten Kapital, durch eine
Steigerung des gemeinsamen Umsatzes oder durch eine Kostenreduktion (Arbeitskreis
Die Unternehmung im Markt (Arbeitskreis Hax), 1992, S. 969).
Beispielsweise könnte es sich bei den Produkten um komplementäre Güter handeln
(z.B. Hard- und Software, Pfeife und Tabak), sodass ein kombiniertes Angebot
beider Produkte zusammen auf der Konsumentenseite zu einer Einsparung von Transaktionskosten
(insbesondere Anbahnungskosten) führt und beim Unternehmen dadurch letztlich zu
einer Umsatzsteigerung (Tirole, J.
1988, S. 18, sowie im Zusammenhang mit Finanzdienstleistungen Hax, H.
1998, S. 134 – 135). Ein weiteres Beispiel für positive Umsatzeffekte
bildet die Nutzung eines bestehenden Markennamens, welcher gegebenenfalls auf
die Produktgruppe aus den Produkten a und b übertragen werden kann. Zu einer
Kosteneinsparung könnte es beispielsweise über die gemeinsame Nutzung des
gleichen Vertriebsweges durch beide Produkte oder über eine Konzentration von
Forschungs- und Entwicklungsausgaben kommen. Auch die Einsparung von
Verwaltungskosten könnte für eine Zusammenlegung der beiden Produkte sprechen
sowie möglicherweise die Einsparung von Beschaffungskosten, wenn für beide
Produkte die gleichen Inputfaktoren benötigt werden und durch die gemeinsame
Beschaffung der Inputfaktoren Mengenrabatte ausgehandelt werden können.
2. Economies
of scale und scope
Synergien durch die Ausnutzung von Skaleneffekten bei der
Produktion eines Gutes oder aber durch Kostenvorteile über die gemeinsame
Produktion verschiedener Güter werden u.a. von Tirole (Tirole, J.
1988, S. 16 – 21) diskutiert. Economies of scale bestehen dann, wenn die
Stückkosten eines Gutes mit der Ausbringungsmenge sinken. Synergien können in
diesem Fall dadurch erzielt werden, dass es zu einer Ressourcenkonzentration
(z.B. beim Kapital) unter dem Dach eines einzelnen Unternehmens kommt und
entsprechende Vorteile der Massenproduktion ausgenutzt werden. Derartige
Synergien spielten bereits im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung in
der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei der Entstehung der modernen
Großunternehmung eine entscheidende Rolle (Chandler,
A.D. 1977). Eine gezielte Ausnutzung von Skaleneffekten wurde
durch die Einführung der funktionalen Organisationsstruktur möglich, bei der
die Organisationseinheiten auf der nächstniedrigeren Hierarchiestufe unterhalb
der Zentrale auf die betrieblichen Funktionen Produktion, Absatz, Beschaffung,
Finanzierung usw. spezialisiert sind. Der entscheidende Unterschied zu den
obigen Synergien, die in einer Steigerung des ROI resultieren, besteht darin,
dass bei economies of scale lediglich ein einziges Produkt existiert und die
Synergieeffekte folglich allein auf der Inputseite generiert werden.
Gegebenenfalls lassen sich auch Synergien in Form von stochastisch bedingten
Skaleneffekten erzielen, wenn die eingesetzten, mit Risiko behafteten
Ressourcen (z.B. Maschinen mit einer positiven Ausfallwahrscheinlichkeit)
weitestgehend stochastisch unabhängig voneinander sind und durch einen
vermehrten Ressourceneinsatz Vorteile durch das Gesetz der großen Zahlen
genutzt werden können (z.B. Poolen von Ausfallrisiken in der Produktion)
(insbesondere Arrow, K.J.
1970 sowie auch Tirole, J.
1988, S. 18; Kräkel, M.
1998; Kräkel, M.
1999, S. 49 – 53).
Economies of scope existieren dann, wenn die Kosten einer
gemeinsamen Produktion zweier Güter a
und b in einer einzelnen Unternehmung
geringer sind als die Summe der individuellen Kosten bei einer separaten
Produktion in zwei verschiedenen Unternehmen. Im Gegensatz zu economies of
scale entstehen bei economies of scope Synergien in der Produktion erst durch
die Zusammenfassung mindestens zweier verschiedener Produkte, beispielsweise
indem für die Fertigung der verschiedenen Produkte dieselbe
Maschinenausstattung verwendet werden kann. Genau genommen lassen sich
economies of scope auch als Spezialfall von Unterabschnitt II.1 diskutieren, da
es im Zuge der Kosteneinsparung letztlich auch zu einer Steigerung des ROI
kommt (Foss, N.J./Iversen,
M. 1997, S. 5).
3. Komplementaritäten
Neben den in Unterabschnitt II.1 bereits angesprochenen
Komplementaritäten zwischen verschiedenen Endprodukten können auch allgemein
zwischen den unterschiedlichen Aktivitäten bzw. Entscheidungsvariablen (z.B.
über die Arbeitsorganisation, die Maschinenausstattung und das Sortiment) eines
Unternehmens Komplementaritätseffekte bestehen. Zur Diskussion derartiger
Effekte wurde von Milgrom/Roberts das Konzept supermodularer Funktionen und
deren Optimierung angewendet (Milgrom,
P./Roberts, J. 1990; Milgrom,
P./Roberts, J. 1994; Milgrom,
P./Roberts, J. 1995a; Milgrom,
P./Roberts, J. 1995b). Komplementaritäten bestehen dann in
Form von positiven Interaktionseffekten zwischen zwei Aktivitäten x1 und x2, wenn der
verstärkte Einsatz von xi die Effektivität von erhöht.
Formal lässt sich dies über die gemischten Ableitungen der Gewinnfunktion einer
Unternehmung ausdrücken, welche im Falle von Komplementaritäten nicht negativ
sind, d.h. (siehe
bereits zur Nichtseparabilitätsbedingung für Produktionsfunktionen zur
Definition von Teamarbeit Alchian, A.A./Demsetz,
H. 1972). Milgrom/Roberts führen als Beispiel für
Komplementaritäten den koordinierten Übergang von einem kleinen
Produktsortiment in Verbindung mit einer unflexiblen Produktionstechnologie auf
ein großes Sortiment zusammen mit einer flexiblen Produktionstechnologie an (Milgrom,
P./Roberts, J. 1995a, S. 241 – 244). Neben solchen positiven
Synergieeffekten zwischen Absatz- und Produktionsentscheidungen lassen sich
noch beliebig weitere Beispiele zwischen anderen Entscheidungsvariablen
innerhalb eines Unternehmens finden. Milgrom/Roberts gelangen insgesamt nicht
zu Unrecht zu der allgemeinen Einschätzung: „ supermodularity provides a way to
formalize the intuitive idea of synergies and system effects – the idea that
\'the whole is more than the sum of its parts\' “ (Milgrom,
P./Roberts, J. 1995b, S. 184).
4. Horizontale,
vertikale und zeitliche Synergien
Ausgehend von economies of scope und Komplementaritäten im
Sinne von Milgrom/Roberts wurde das folgende Konzept von Foss/Iversen (Foss,
N.J./Iversen, M. 1997) entwickelt. Horizontale Synergien
bestehen dann, wenn im Falle mehrerer Güter entweder auf dieselben Ressourcen
zurückgegriffen wird (analog zu economies of scope) oder zwischen den für die
Erstellung der Güter notwendigen Aktivitäten positive Interaktionseffekte bestehen
(analog zu Komplementaritäten). Vertikale Synergien hingegen beziehen sich auf
ein einzelnes Produkt und existieren dann, wenn zwischen den für die Erstellung
des betrachteten Gutes notwendigen Aktivitäten Komplementaritätseffekte
bestehen. Zeitliche Synergien schließlich beschreiben eine Art intertemporale
Komplementaritäten, bei denen die Effektivität zukünftiger Aktivitäten durch
die bisher eingesetzten Aktivitäten gesteigert wird (z.B. aufgrund von
Lerneffekten). Diese Dreiteilung in horizontale, vertikale und zeitliche
Synergien wurde von Iversen weiter modifiziert, indem der Fokus nicht mehr auf
den Produkten, sondern auf den relevanten Aktivitäten liegt (Iversen, M.
1999; Iversen, M.
2000a und Iversen, M.
2000b). Die Dreiteilung des modifizierten Konzepts identifiziert als erste
Synergiequelle die gemeinsame Nutzung bestimmter Ressourcen. Als zweites werden
von Iversen vertikale Komplementaritäten genannt, bei denen der sequenzielle
Ablauf zwischen ineinander greifende Aktivitäten optimiert wird. Als drittes
lassen sich horizontale Komplementaritäten identifizieren, wenn parallele
Aktivitäten optimal miteinander kombiniert werden.
5. Synthese
der verschiedenen Ansätze
Die unterschiedlichen Arten von Synergien lassen sich
anschaulich anhand der Gewinnfunktion einer Unternehmung zusammenfassen:
mit pi als Stückpreis des Gutes
i, yi als Absatz- bzw. Ausbringungsmenge des Gutes i
und Ki als Produktions- und Transaktionskosten des
Gutes i, wobei i = 1, ...., m, d.h. das Sortiment des betrachteten Unternehmens
umfasst m verschiedene Produkte. KF bezeichnet die Fixkosten. a1, ...., an stehen für die zugrunde liegenden Aktivitäten.
Ist aj = 0 im Gewinnmaximum ( ),
dann ist die Aktivität j für die Produktart i irrelevant, im Falle von aj > 0 hingegen von Relevanz.
Im Prinzip lassen sich fast alle in den Unterabschnitten II.1
bis II.4 behandelten Synergiearten in der Gewinnfunktion wiederfinden. Zunächst
einmal sind Steigerungen des ROI denkbar, indem durch die Zusammenlegung
verschiedener Produkte der Umsatz erhöht
wird oder es zu Einsparungen bei den Kosten und beim investierten Kapital kommt
verglichen mit der Situation, in der die m Produkte in m unterschiedlichen
Unternehmen separat gefertigt werden. Economies of scale lassen sich anhand des
Verlaufs der Stückkostenfunktion Ki / yi erkennen. Da die Aktivitäten auch
die eingesetzten Inputmengen beinhalten, könnte alternativ anhand der
Produktionsfunktion getestet
werden, ob bei einer proportionalen Steigerung sämtlicher Inputmengen die
Ausbringungsmenge yi überproportional
zunimmt. Economies of scope lassen sich als Unterfall einer ROI-Steigerung
diskutieren. Komplementaritäten im Sinne von Milgrom, P./Roberts, J./ können
anhand der gemischten Ableitungen geprüft
werden. Für eine Darstellung zeitlicher Synergien im Sinne von Foss,
N.J./Iversen, M. müsste allerdings die statische Gewinnfunktion durch einen
dynamischen Ansatz ersetzt werden. Hierzu bietet sich die Betrachtung des
Marktwertes der Unternehmung an, der sich als erwarteter Barwert der
diskontierten Einzahlungsüberschüsse inklusive Liquidationswert berechnen
lässt.
Insgesamt verdeutlicht die Gewinnfunktion, dass Synergien
sowohl im Zusammenhang mit einer einzelnen Produktart denkbar sind als auch
durch die Interdependenzen zwischen verschiedenen Produkten entstehen können.
Selbst bei (stochastisch) unabhängigen Produkten sind Synergien zwischen den
Produkten möglich, sofern ihre Bündelung eine Risikoreduktion bewirkt (Tirole, J.
1988, S. 20; (Arbeitskreis
Die Unternehmung im Markt (Arbeitskreis Hax), 1992, S. 969).
Schließlich zeigt die Gewinnfunktion, dass für die Beurteilung von Synergien
immer eine Nettobetrachtung erforderlich ist. Fasst man beispielsweise zwei
Produkte in einem Unternehmen zusammen, so hat dies üblicherweise Auswirkungen
auf die Umsatzerlöse und Kosten des
Unternehmens. Der resultierende Gesamteffekt auf G ist letztlich entscheidend
dafür, ob die Zusammenlegung der zwei Produkte Synergien bewirkt oder nicht.
III. Entwicklung und
Sicherung von Synergien
Synergien entstehen in der Regel nicht zufällig, sondern
lassen sich durch gezielte Entscheidungen entsprechend steuern (z.B.
Entscheidung über die Zusammensetzung des Produktionsprogramms). Die
Entwicklung von Synergien betrifft üblicherweise die strategische Unternehmenspolitik
und stellt dann eine der zentralen Aufgaben der Unternehmensleitung dar. Hierzu
gehören beispielsweise Überlegungen über den Aufkauf anderer Unternehmen, die
Entstehung neuer Sparten und die optimale Ausnutzung von Ressourcen und
Kernkompetenzen des Unternehmens. Von der Entwicklung ist die Realisierung von
Synergien zu unterscheiden, die den beteiligten Unternehmenseinheiten zukommt.
Beispielsweise lassen sich bei General Electric positive Synergieeffekte von
den verschiedenen Sparten realisieren, die auf der einen Seite Elektromotoren
produzieren und auf der anderen Seite Haushaltsgeräte, in die die zuvor
produzierten Elektromotoren eingebaut werden. Ähnliche economies of scope
realisieren die betreffenden Divisionen beim dänischen Unternehmen Danfoss,
indem nicht nur Thermostate hergestellt werden, sondern u.a. auch Kühlschränke,
für deren Bau die Thermostate benötigt werden (Foss,
N.J./Iversen, M. 1997, S. 21). Die Realisationskontrolle von
Synergien obliegt hingegen wiederum der Unternehmensleitung, die letztlich für
den Gesamterfolg des Unternehmens verantwortlich ist.
Mit dem letzten Punkt ist bereits angesprochen, dass nicht
nur die Entwicklung von Synergien, sondern auch deren Sicherung eine wichtige
Aufgabe der Unternehmensleitung darstellt (Chandler, A.D.
1991). Die Sicherung von Synergien lässt sich wiederum in zwei
Teilaufgaben zerlegen. Zum einen ist es notwendig, dass die verschiedenen
Aktivitäten des Unternehmens zur Realisierung von Synergien aufeinander
abgestimmt werden (Koordinationsaufgabe; Foss,
N.J./Iversen, M. 1997; Iversen, M.
1999; Iversen, M.
2000a). Dies kann beispielsweise über direktive Vorgaben durch die
Unternehmensleitung oder durch die Festlegung von Verrechnungspreisen für den unternehmensinternen Güter- und
Leistungsaustausch geschehen. Zum anderen erfordert die Sicherung von Synergien
aber auch die Implementation geeigneter Anreizmechanismen, sodass die
betreffenden Unternehmensbereiche ein Interesse an der Realisierung der
Synergien haben (Anreiz- bzw. Kooperationsaufgabe). Oftmals empfiehlt
sich beispielsweise, die einzelnen Bereichsleiter nicht nur in Abhängigkeit
ihres individuellen Bereichserfolges zu entlohnen, sondern auch in Abhängigkeit
vom gesamten Unternehmenserfolg, wodurch der Kooperationsgedanke gestärkt wird.
Die Sicherung von Synergien führt zwangsläufig zu Koordinations- und
Anreizkosten für das Unternehmen. Insgesamt bleibt daher festzuhalten, dass
rationalerweise nicht sämtliche Synergiepotenziale durch ein Unternehmen
auszuschöpfen sind, sondern nur solche, bei denen die realisierbaren
Synergievorteile die Koordinations- und Anreizkosten überwiegen (Iversen, N.J.
1999, S. 4; Schmitz,
P./Sliwka, D. 2001).
IV. Bewertungsprobleme für
Synergien
Bewertungsprobleme ergeben sich bereits aus der Natur von Synergien:
Durch das Zusammenwirken verschiedener Aktivitäten oder Unternehmensbereiche
für die Realisierung eines gemeinsamen Synergievorteils ist eine individuelle
Zurechnung von Kosten und Erträgen in der Regel nicht durchführbar.
Verschiedene Autoren gelangen daher zu der Einschätzung, dass aus theoretischer
Sicht eine verursachungsgerechte Aufteilung von Synergieeffekten nicht möglich
ist (Ossadnik, W.
1995; Ewert,
R./Wagenhofer, A. 2000, S. 588 – 589). Diskutiert werden in der
Literatur stattdessen eher Möglichkeiten, die Existenz von Synergien in einer
konkreten Situation zu messen sowie gegebenenfalls das Ausmaß der Synergien,
ohne eine verursachungsgerechte Aufteilung vorzunehmen (Carter, J.R
1977; Grote, B.
1991).
Dass eine verursachungsgerechte Aufteilung von
Synergieeffekten theoretisch üblicherweise unmöglich ist, veranschaulichen zwei
Beispielfälle aus Abschnitt II. Dort wurde zum einen die Synergiemöglichkeit
angesprochen, dass sich der Markenname eines bestehenden Produktes auf ein
neues, verwandtes Produkt übertragen lässt, indem beide Produkte zu einer
gemeinsamen Produktgruppe bzw. -familie zusammengefasst werden. In diesem Fall
bewirkt das alte Produkt einen positiven externen Effekt auf das neue Produkt,
wobei hierdurch Grenzkosten in Höhe von Null anfallen. Zum anderen wurde in
Abschnitt II die Möglichkeit von Komplementaritäten im Sinne von Milgrom,
P./Roberts, J. behandelt. Da definitionsgemäß in diesem Fall die gemischten
Ableitungen der Gewinnfunktion nach den Aktivitäten nicht-negativ sind – d.h.
die Grenzgewinne der einzelnen Aktivitäten sind nicht separierbar – ist eine
individuelle Erfolgsaufteilung auf die einzelnen Aktivitäten unmöglich.
V. Schlussbemerkungen
Synergien lassen sich auf vielfältige Weise erzeugen, was vor
allem anhand der obigen Ausführungen zu den Arten von Synergien deutlich wurde.
Allerdings ist zu bedenken, dass die meisten Überlegungen dieses Beitrags rein
theoretischen Ursprungs waren, da empirische Beiträge zu Synergieeffekten in
Unternehmen eher selten sind. Hilfreich wären daher für zukünftige Überlegungen
fundierte empirische Studien zu Synergien, die durchaus auch den Charakter von Firmenfallstudien
haben können. Wie wichtig solche Studien sein können, wird durch die Beiträge
von Foss/Iversen (Foss,
N.J./Iversen, M. 1997) und Iversen (Iversen, M.
1999; Iversen, M.
2000a) über das dänische Unternehmen Danfoss bereits angedeutet. Dies
setzt allerdings auch die Bereitschaft der Unternehmen voraus, entsprechende
Informationen der empirischen Forschung zur Verfügung zu stellen.
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