Inhaltsübersicht
I. Historische
Wurzeln und Grundidee
II. Rahmenarbeitsplan
gemäß DIN 69910
III. Erweiterung
des Anwendungsgebiets und der Perspektive
I. Historische Wurzeln und
Grundidee
Die Ursprünge der Wertanalyse gehen auf Miles zurück (vgl. im
Folgenden Miles, L.D.
1964; 1972), der bereits vor 1947 im Rahmen seiner Tätigkeit als
Chefeinkäufer bei General Electric in den USA eine systematisierte
Vorgehensweise entwickelte, um „ wirksam unnötige Kosten festzustellen, d.h.
Kosten, die weder zur Qualität, noch zum Nutzwert, noch zur Lebensdauer, noch
zur äußeren Erscheinung beitragen, noch zu anderen Eigenschaften, die dem
Kunden erwünscht sind. “ (vgl. Miles, L.D.
1964, S. 11). Auch sollen weitere „ besondere Eigenschaften “ , die
„ Schönheit “ des Produkts sowie dessen Zuverlässigkeit und Sicherheit nicht unter
den Maßnahmen, die sich aus den Wertanalysetätigkeiten ableiten, leiden. Als Ziel der Wertanalyse wird daher die –
möglichst substanzielle – Senkung der Kosten unter Beibehaltung der „ Leistung “
des Produkts herausgestellt.
Die Erreichung des Kostensenkungsziels soll primär durch die
Verwendung alternativer Materialien, den Einsatz innovativer Konstruktionsideen
sowie neuer Fertigungsverfahren und der Inanspruchnahme der Leistungen
spezialisierter Lieferanten gewährleistet werden. Damit sind die Entwicklung
und Konstruktion, die Beschaffung und die Fertigung als Funktionsbereiche von
Wertanalyseaktivitäten betroffen. Darüber hinaus ergeben sich direkte
Auswirkungen über die Beeinflussung der Wettbewerbsfähigkeit auf den Absatz
sowie hinsichtlich der hiermit in Zusammenhang stehenden Strategieentwicklung
und der Organisation der Aktivitäten auf die Unternehmensleitung.
Der Wertbegriff wird differenziert nach anwendungsbezogenem Gebrauchswert, der mit der
Leistungsfähigkeit des Produkts bzw. von dessen Elementen gleichgesetzt wird
sowie nach dem Geltungswert, der den
– nicht anwendungsbezogenen, sondern z.B. statusorientierten – Besitzwunsch
seitens potenzieller Nachfrager ausdrücken soll. Der Kostenwert sei der minimale Geldbetrag, der erforderlich ist, um
das jeweilige Objekt mit den definierten Nutz- und Geltungsfaktoren zu
produzieren bzw. – bei Fremdbezug – zu erwerben. Die Wertanalyse nach
Miles, L.D. konzentriert sich ausschließlich auf die mit dem Gebrauchswert in
Zusammenhang stehenden Kosten. Rein verkaufsfördernde Maßnahmen werden damit
aus der Betrachtung ausgeklammert.
Die leistungsorientierten Differenzierungsmerkmale werden im
Rahmen einer Produkt-Lebenszyklusanalyse
lediglich der Forschungs- und Entwicklungsphase zugeschrieben, wobei auch hier
bereits kostensenkende Wertanalysen einzusetzen sind. Die Wachstumsphase
verlangt eine Fokussierung der Wertorientierung, die eine
Kostensenkungsstrategie darstellt. Der relative Wertvorteil gegenüber dem
Wettbewerb muss in der Reifephase durch weitere Wertanalyseaktivitäten aufrecht
erhalten werden. Dabei zeigt die Praxis, dass im Rahmen der Wertanalyse
generierte und umgesetzte Alternativen nicht nur kostensenkende, sondern
– als Nebeneffekt – gleichzeitig häufig qualitätssteigernde Wirkungen
zeigen.
Die wertbezogenen Verbesserungsmaßnahmen sollen sich
einerseits am – theoretischen, i.d.R. nicht realisierbaren – maximalen Wert,
dem das aktuell erreichte Wertniveau gegenüberzustellen ist, und andererseits
am relativen Wert im Vergleich zum Konkurrenzprodukt orientieren. Auch
inhaltlich kommt der Gegenüberstellung der eigenen Wertverhältnisse mit denen
der Wettbewerber eine dominierende Rolle zu.
Von zentraler Bedeutung ist bei der Wertanalyse die Orientierung an Funktionen, die den
Gebrauchswert begründen und auf die sich die zu analysierenden Kosten beziehen.
Das Feststellen der Funktion des Produkts bzw. der Dienstleistung ist der erste
Hauptschritt bei der Analyse des „ Produktionswerts “ . Es wird zwischen den Funktionsklassen primären, den
Hauptzweck darstellenden (Grund-)Funktionen, und sekundären (Hilfs-)Funktionen differenziert, die jeweils durch die
Kombination eines Substantivs mit einem nachgestellten Verb im Infinitiv
auszudrücken sind (z.B.: Wasser pumpen, Staub entfernen). Jede Funktion ist
dann im zweiten Schritt durch einen Vergleich mit anderen, ähnlichen Lösungen
zu bewerten, und es sind im Bedarfsfall im dritten Schritt Alternativen zu
entwickeln. Alle Kostenbetrachtungen beziehen sich ebenfalls auf die Funktionen
und nicht – wie vielfach üblich – auf einzelne Komponenten.
Miles, L.D. verweist im Zusammenhang mit der Entwicklung von
Wertalternativen auf den Einsatz der von ihm genannten „ Wertanalysetechniken “ ,
die treffender als ergebnisverbessernde
Prinzipien ( „ Result Accelerators “ ) zu bezeichnen sind:
-
Vermeidung – positiver wie negativer –
Pauschalaussagen;
-
Nutzung aller verfügbaren Kosteninformationen;
-
Verwendung erstklassiger Informationsquellen;
-
Zerlegen (Generierung von Alternativen, die Teile der
Funktion wirtschaftlicher erfüllen) – Erfinden (kreatives Adaptieren der
generierten Alternativen, um größere Teile der Funktion zu erfüllen) –
Verfeinern (Hinzufügen von Teilfunktionen bis Gesamtfunktion erfüllt wird);
-
Kreativ sein;
-
Widerstände überwinden;
-
Branchen-/Produktspezialisten einbeziehen;
-
Kostenwirkungen von Fertigungstoleranzen ermitteln und
Notwendigkeit hinterfragen;
-
Verwendung von auf dem Beschaffungsmarkt verfügbaren
Teilen prüfen;
-
Know-how der Lieferanten nutzen;
-
Einsatzmöglichkeit alternativer bzw. spezieller
Herstellungsverfahren prüfen;
-
Verwendung von Normteilen und -verfahren;
-
Individuelle Einschätzung des Produktwerts.
Die Vorgehensweise
bei der Wertanalyse wurde in einem Arbeitsplan systematisiert, der – gemäß
deutscher Ausgabe (vgl. Miles, L.D.
1964, S. 49 ff.) – sieben Phasen umfasst, die den drei Grundschritten
Funktionsfeststellung, Funktionsbewertung und Alternativenentwicklung
zugeordnet werden:
-
Orientierung:
Analyse der Kundenwünsche, Definition der Leistungskriterien und der
wünschenswerten Eigenschaften;
-
Information:
Beschaffung aller erforderlichen Daten;
-
Möglichkeiten:
Generierung von Lösungen für das Gesamtproblem, für die Problemgruppen und
die Einzelprobleme;
-
Analyse:
Abschätzen des Geldwerts der Alternativen und Fokussierung auf Lösungen mit höchstem
Wertzuwachs und größter Realisierungswahrscheinlichkeit;
-
Programmplanung:
Zerlegen der Gesamtaufgabe in Funktionsgebiete und Anwendung der Wertanalyse
auf die Teilfunktionen unter Einbezug externer Berater und besonders
leistungsfähiger Lieferanten sowie Auswertung aktueller Informationen zu
Materialien und Fertigungsverfahren;
-
Programmausführung:
Abarbeiten aller Vorschläge und Ideen gemeinsam mit den externen Partnern
unter Verwendung permanent aktualisierter Informationen, bis geeignete Alternativen
gefunden wurden; Einbeziehen motivierter Mitarbeiter und Überwinden von
Widerständen;
-
Zusammenstellung
und Schlussfolgerung: Anfertigen kurzer, aussagekräftiger Berichte mit
Verbesserungsvorschlägen für die entscheidungsberechtigten Instanzen.
Die von Miles, L.D. entwickelte Wertanalyse weist einen stark
pragmatischen Charakter auf und beruht auf intensiven Praxiserfahrungen. Daher
sind die Begriffsabgrenzungen nicht trennscharf, und die Systematisierung ist
interpretationsfähig. Auch wenn als einziges Ziel die Kostensenkung bei
gleichbleibender Leistung des Produkts genannt wird, so zeigen die Ausführungen
und die Resultate der Praxis, dass die Wertanalyse auch zu
Funktionsverbesserungen führen und damit (indirekt) eine Differenzierungsstrategie
unterstützen kann. So wird die Analyse der Kundenwünsche ebenfalls explizit als
Bestandteil der Orientierungsphase im Rahmen der Vorgehensweise der Wertanalyse
genannt. Die Betonung der Anforderung, dass Wertanalysen periodisch zu
wiederholen sind, die Feststellung, dass der Einbezug aller mit dem
Analyseobjekt in Berührung kommender Mitarbeiter sowie der externen Berater und
der Lieferanten eine (Team-)Aufgabe darstellt, die zu lösende
zwischenmenschliche Probleme mit sich bringen kann, sowie die gezielte und
frühzeitige Einbeziehung der Lieferanten oder die Verwendung von Normteilen und
-verfahren sind Elemente, die auch moderne Konzepte wie Lean Production
aufweisen.
II. Rahmenarbeitsplan gemäß
DIN 69910
Die zunehmende Verbreitung der Wertanalyse in der Praxis als
Methode zur systematischen Kostensenkung führte dazu, dass sich
Normungsinstitute und andere Vereinigungen darum bemühten, die wesentlichen
Elemente der Wertanalyse in standardisierter Weise festzuschreiben. Neben der
im Folgenden dargestellten DIN 69910 sind dies u.a. die österreichische ÖNORM A
6750, weitere Konzepte von entsprechenden Organisationen in nahezu allen
Mitgliedsländern der Europäischen Union und der Value Methodology Standard der
Society of American Value Engineers (SAVE International). Links zu diesen und
weiteren (u.a. Hongkong, Kanada) Organisationen finden sich auf der Homepage
der Canadian Society of Value Analysis (CSVA)
(http://www.scav-csva.org/v2/EN/links.php). Der Wertanalyse-Arbeitsplan ist
weitgehend allgemein formuliert, sodass er eine grundsätzliche, strukturgebende
Vorgehensbeschreibung repräsentiert, die im Einzelfall durch den Einsatz
entsprechender Methoden innerhalb der sechs Grundschritte individuell bestimmt
und gegliedert werden kann. Die im Zuge der Abarbeitung der Grundschritte
gewonnenen Erkenntnisse können dabei zu Rückkopplungen führen, die die
wiederholte Bearbeitung einzelner Schritte erforderlich werden lassen und die
auch zur Neudefinition von Wertanalyse-Zielen führen kann (vgl. VDI ZENTRUM
WERTANALYSE, 1991, S. 12 u. S. 91).
Der Wertanalyse-Arbeitsplan gemäß DIN 69910 weist die
folgenden Grund- und Teilschritte auf (siehe Tab. 1), wobei die
Bearbeitungsintensität und gegebenenfalls auch die Reihenfolge der Teilschritte
jeweils projektabhängig zu sehen sind. Den einzelnen Teilschritten können
unterschiedliche einsetzbare Methoden sowie Sach- und Human-Ressourcen
zugeordnet werden.
Tab. 1: Wertanalyse-Arbeitsplan nach DIN 69910 (Quelle: DIN,
1987)
Es wird offensichtlich, dass der Rahmenarbeitsplan mit
Ausnahme der funktionenspezifischen Objektanalyse aus dem zweiten Grundschritt
auch allgemein für die Durchführung von innovations- bzw.
kreativitätsorientierten Projekten dienen kann. Zudem erscheint es sinnvoll zu
sein, die – bereits von Miles, L.D. empfohlene – periodische Überprüfung bzw.
Erfolgsanalyse der implementierten Lösung als siebten Schritt zu ergänzen. Da
der kostenbezogene Vergleich von Alternativlösungen ein zentrales Element
darstellt, kommt dem sorgfältigen Einsatz der Prinzipien und Verfahren der
Kostenrechnung eine bedeutende Rolle zu.
III. Erweiterung des
Anwendungsgebiets und der Perspektive
Im Mittelpunkt der Betrachtungen von Miles, L.D. standen
physische Produkte, insbesondere deren Konstruktion und Produktion. Zwar wurden
Dienstleistungen als weiteres Einsatzgebiet der Wertanalyse genannt, jedoch
finden sich kaum spezifische Ausführungen zu dieser Leistungsart. Im Zeitablauf
wurden weitere Wertanalyse-Objekte in die Betrachtungen einbezogen. Dies sind
insbesondere die Produktionsmittel und -verfahren selbst, Organisations- und
Verwaltungsabläufe sowie Informationsinhalte und -prozesse. Des Weiteren wurde
mit der gesonderten Betrachtung der Gemeinkosten eine kostentypspezifische
Unterscheidung vorgenommen, und es wurden die Besonderheiten von
Investitionsobjekten explizit aufgegriffen. Daher wird heute differenziert in
die Formen:
-
Produkt-Wertanalyse: Betrachtung – üblicherweise
marktfähiger – physischer Produkte oder Dienstleistungen,
-
Prozess-Wertanalyse: Konzentration auf Konstruktions-
und/oder Herstellungs- und/oder Vertriebsprozesse,
-
Gemeinkosten-Wertanalyse (vgl. Gramoll,
E./Lisson, F. 1989; Jehle, E.
1992): Fokussierung auf Gemeinkostenbereiche im Rahmen eines
Gemeinkostenmanagements – vereinzelt wird die administrative Wertanalyse
(vgl. Jehle, E.
1982; Küpper,
H.-U. 1995, S. 308) gesondert behandelt – und
-
Investitions-Wertanalyse (vgl. Horváth,
P./Reichmann, T. 1993, S. 326; Reichmann,
T. 1995, S. 224 ff.): Anwendung der Methodik der Wertanalyse
im Rahmen eines Investitionscontrollings.
Die obige Differenzierung ist allerdings nur als grobe, nicht
überschneidungsfreie Strukturierung zu sehen. So weist bereits Miles, L.D. darauf
hin, dass bei der (Produkt-)Wertanalyse die Herstellungsprozesse mit zu
betrachten seien. Der Begriff Prozess wiederum ist keinesfalls auf direkt
wertschöpfende Tätigkeiten beschränkt, sondern umfasst typischerweise auch
administrative und weitere, üblicherweise als Gemeinkosten ausgewiesene
Aktivitäten (vgl. Bogaschewsky,
R./Rollberg, R. 1998, S. 185 ff.). Schließlich sind
Investitionsobjekte zumeist physische Produkte. Es lassen sich weitere
spezifische Anwendungen der Wertanalyse mit eigener Namensgebung finden, wie
beispielsweise die Energie-Wertanalyse (EWA) oder die Wertanalyse an Informationsflüssen
und Kommunikationsstrukturen (KIWA) (vgl. VDI ZENTRUM
WERTANALYSE, 1991, S. 362 ff.), die keine echten
Anwendungsklassen der Wertanalyse darstellen.
Von großer Bedeutung für die Arbeitsweise in Unternehmen
dürfte die starke Betonung der Gruppenarbeit
im Rahmen von Wertanalyseprojekten sein. Die besondere Beachtung sozialer
Interaktionsprozesse sowie die durch die Wertanalysearbeit unterstützte
Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem fördern die Lernbereitschaft, die
strukturierte und regelmäßige Durchführung derartiger Projekte die
Lernfähigkeit der Gruppenmitglieder. Durch die Einbeziehung organisationaler
Aspekte wird die Organisationsentwicklung
unterstützt, und es werden wesentliche Grundlagen für ein wissensorientiertes
Management (vgl. Bogaschewsky,
R. 1998) sowie eine Lernende Organisation (vgl. u.a. Schreyögg,
G./Noss, C. 1995) gelegt.
Ein weiterer Aspekt der im Laufe der Zeit intensivierten
Wertanalysetätigkeit ist der zunehmende Einsatz weiterer Methoden und Hilfsmittel. Diese können zwar als allgemein bekannt
angesehen werden, ihre zweckgerichtete Anwendung im Zuge der Wertanalyse dürfte
aber in der Praxis zum Teil deutliche Lerneffekte zur Folge gehabt haben. Neben
allgemeinen Methoden wie der ABC-Analyse und der Nutzwertanalyse,
der Portfolio-Technik und Szenario-Technik, Kostenstrukturanalysen,
Pareto-Analysen, Ishikawa-Diagrammen u.Ä. (vgl. VDI ZENTRUM WERTANALYSE, 1991,
S. 330 ff.) sind vor allem Instrumente aus dem Bereich des Qualitätsmanagements
– u.a. Quality Function Deployment (QFD) und Fehlermöglichkeits- und
Einflussanalyse (FMEA) – zu nennen (vgl. VDI ZENTRUM
WERTANALYSE, 1991, S. 402 ff.). Masing, W. bezeichnet die
Wertanalyse als mittlerweile umfassendes
Wertmanagement, das Problemlösungsmethoden mit Projekt- sowie
Managementinstrumentarien verknüpft und sich mit dem Quality Engineering zu
einem integrierten Methodensystem ergänzt (vgl. Masing, W.
1994, S. 430 f.).
Schließlich weist die zwar von Miles, L.D. über die
Einbeziehung von Lieferanten bereits angesprochene, jedoch nicht in seinen umfangreichen
Konsequenzen problematisierte Wertanalyse mit externen Partnern im Sinne einer Wertanalyse-Kooperation (vgl. VDI ZENTRUM
WERTANALYSE, 1991, S. 412 ff.) bedeutende neue Wege. Dies gilt
insbesondere in dem Licht der in letzter Zeit geführten Diskussion um die Vor-
und Nachteile von unternehmensübergreifenden Kooperationen (vgl. u.a. Kaufmann, L.
1993) bzw. von Unternehmens-Netzwerken (vgl. u.a. Bellmann,
K./Hippe, A. 1996).
Obwohl Miles, L.D. keine explizite Unterscheidung zwischen
den Begriffen Value Analysis und Value Engineering vornahm, wird heute im
deutschen Sprachgebrauch allgemein Value Engineering mit Wertgestaltung gleichgesetzt, die sich auf die Entwicklung „ neuer “
Produkte bezieht. Während beispielsweise Grün (Grün, O.
1994, S. 472) dies von der Wertverbesserung
für bestehende Produkte und Verfahren abgrenzt, scheint Freidank (Freidank,
C.-C. 1999, S. 77) die Entwicklung von Alternativen – auch für
bereits existierende Analyseobjekte – als Inhalt der Wertgestaltung anzusehen.
Andere Autoren wiederum bezeichnen die Wertverbesserung bestehender Objekte als
Wertanalyse und die wertorientierte Gestaltung neuer Objekte als Value
Engineering. Sowohl für vollständig neue, als auch für in wesentlichen
Elementen und/oder Produktionsweisen veränderte Objekte ist der Einsatz der
konstruktionsbegleitenden Kostenrechnung erforderlich.
Die Funktionenanalyse (vgl. Akiyama, K.
1994, S. 165 f.; Winkelhofer,
G.A. 1999, S. 278 ff.) wird heute als Methode für die
systematische Analyse von Systemen eingesetzt, die deren Wesensinhalt sowie die
Bedeutung des Systems und seiner Elemente offen legen und die Identifizierung
von Rationalisierungspotenzialen ermöglichen soll. Hierdurch sollen auch
Sprach- und Verständnisbarrieren zwischen Kaufleuten und Ingenieuren im
Wertanalyse-Team abgebaut werden (vgl. Jehle, E.
1993, Sp. 4655). Bevorzugtes Hilfsmittel für die Darstellung der Funktionsstruktur ist die von Bytheway (Bytheway,
C.W. 1965) entwickelte Function Analysis Systematization Technique
(FAST), die mehrere Erweiterungen erfahren hat (vgl. Kermode,
G.R./Sivaloganathan, S./Shahin, T.
2000, S. 306 f.). FAST-Diagramme nutzt auch die COVE-Technik
(Customer-Oriented Value Engineering), die die explizite Einbeziehung von
Kundenwünschen ermöglicht (vgl. Snodgrass,
T.J. 1993). In diesem Sinne kann auch im Rahmen des
Zielkostenmanagements die Wertanalyse eingesetzt werden, wobei funktions- und
komponentenorientierte Kostenermittlungen zu kombinieren sind (vgl. Freidank,
C.-C. 1999, S. 76 ff.).
Literatur:
Akiyama, Kaneo :
Funktionenanalyse: Der Schlüssel zu erfolgreichen Produkten und
Dienstleistungen, Landsberg 1994
Bellmann, Klaus/Hippe,
Alan : Management von Unternehmensnetzwerken, Wiesbaden 1996
Bogaschewsky, Ronald W.
: Wissensorientiertes Management – eine kritische Literaturanalyse, Dresden
1998
Bogaschewsky, Ronald
W./Rollberg, Roland : Prozeßorientiertes Management, Berlin et al. 1998
Bytheway, Charles W. :
Basic function determination technique, in: Proceedings of SAVE Fifth National
Conference, 1965, Bd. 2, S. 21 – 23
DIN Deutsches Institut
für Normung e.V., : DIN 69910 Wertanalyse, Berlin et al. 1987
Freidank, Carl-Christian
: Planungs- und Steuerungssysteme für die Programmplanung, in: Einführung in
das Produktionscontrolling, hrsg. v. Corsten, Hans/Friedl, Birgit, München
1999, S. 67 – 106
Gramoll,
Eckhardt/Lisson, Friedbert : Gemeinkostenwertanalyse, Darmstadt, 2. A., 1989
Grün, Oskar :
Industrielle Materialwirtschaft, in: Industriebetriebslehre, hrsg. v.
Schweitzer, Marcell, München, 2. A., 1994, S. 449 – 568
Horváth,
Péter/Reichmann, Thomas : Vahlens großes Controllinglexikon, München 1993
Jehle, Egon : Gemeinkostenmanagement,
in: Die Unternehmung, Jg. 36, 1982, S. 59 – 76
Jehle, Egon :
Gemeinkostenmanagement, in: Handbuch Kostenrechnung, hrsg. v. Männel, Wolfgang,
Wiesbaden 1992, Sp. 1506 – 1523
Jehle, Egon : Artikel
Wertanalyse, in: Handwörterbuch der Betriebswirtschaft, hrsg. v. Wittmann,
Waldemar, Stuttgart, 5. A., 1993, Sp. 4647 – 4659
Kaufmann, Lutz : Planung
von Zulieferer-Abnehmer-Kooperationen, Gießen et al. 1993
Kermode,
G.R./Sivaloganathan, Sangarappilai/Shahin, Tamer M. M. : Value analysis – the
technique: state of the art and future directions, in: Journal of Engineering
Manufacture, B 4/2000, Bd. 214, S. 301 – 312
Küpper, Hans-Ulrich :
Controlling: Konzeption – Aufgaben – Instrumente, Stuttgart 1995
Masing, Walter :
Handbuch Qualitätsmanagement, München et al., 3. A., 1994
Miles, Lawrence D. :
Value Engineering, dt. Übersetzung von Hans-Hermann Böhm, München 1964
Miles, Lawrence D. :
Techniques of Value Analysis and Engineering, New York, 2. A., 1972
Reichmann, Thomas :
Controlling mit Kennzahlen und Managementberichten: Grundlagen einer
systemgestützen Controlling-Konzeption, München, 4. A., 1995
Schreyögg, Georg/Noss,
Christian : Organisatorischer Wandel: Von der Organisationsentwicklung zur
lernenden Organisation, in: DBW, Jg. 55, H. 2/1995, S. 169 – 185
Snodgrass, Thomas J. :
Function Analysis and Quality Management, in: Proceedings of SAVE International
Annual Conference, 1993, S. 102 – 109
VDI ZENTRUM WERTANALYSE,
: Wertanalyse, Idee – Methode – System, Düsseldorf, 4. A., 1991
Winkelhofer, Georg A. :
Methoden für Management und Projekte: Ein Arbeitsbuch für
Unternehmensentwicklung, Berlin et al., 2. A., 1999
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