Inhaltsübersicht
I. Gegenstand
des Vertriebs-Controlling
II. Spezifische
Aufgaben des Vertriebs-Controlling
III. Instrumente
des Vertriebs-Controlling
IV. Einordnung
des Vertriebs-Controlling in die Unternehmensorganisation
I. Gegenstand des
Vertriebs-Controlling
1. Vertriebs-Controlling als
funktionsbereichsbezogenes Controlling
Immer mehr sieht man den Kern des Controlling in der
Koordination des Führungsgesamtsystems (Küpper, H.-U.
1987; Küpper,
H.-U./Weber, J./Zünd, A. 1990). Um wichtige Ausprägungen des
bereichsbezogenen Controlling herauszuarbeiten, kann man entsprechend Abb. 1 von der Unterscheidung zwischen
dem Leistungs- (Vollzugs-) und dem Führungssystem der Unternehmung ausgehen.
Abb. 1: Leistungssystem und Führungssystem der Unternehmung
Die Aufgaben des dezentralen Controlling liegen in der Koordination der Führungsteilsysteme im jeweiligen
Bereich sowie mit dem Unternehmens-Controlling und dem dezentralen Controlling
anderer Bereiche (Küpper, H.-U.
1994). Ihre Kennzeichnung bezieht sich lediglich auf die Funktion Controlling
und beinhaltet nicht die Notwendigkeit der Einrichtung eigener
Controllerstellen.
2. Abgrenzung des Vertriebs-Controlling vom
Marketing-Controlling
Die Funktionen des Vertriebs-Controlling und des
Marketing-Controlling stehen in einem engen gegenseitigen Bezug. Das VC erfasst
den für den Vertrieb relevanten Teil an Koordinationsaufgaben. Sie beziehen
sich auf die Gestaltung der Absatzwege
oder -kanäle, des Außendienstes,
der Lieferkonditionen und der physischen Distribution. Während im Marketing-Controlling z.B. die
Abstimmung zwischen den verschiedenen Instrumenten des Marketing-Mix
eine maßgebliche Rolle spielt, beinhaltet das VC ein engeres Spektrum an Koordinations- und Steuerungsaufgaben. Diese
besitzen aber vielfach eine spezifische Bedeutung für die Unternehmung.
II. Spezifische Aufgaben
des Vertriebs-Controlling
1. Koordination von Informationsversorgung des
Vertriebs
Eine stets betonte Kernaufgabe des Controlling liegt in der
Ausrichtung der Informationserzeugung
auf den konkreten Informationsbedarf und in der anwendergerechten Übermittlung der Informationen. Im
Vertrieb betrifft dies einmal die Bereitstellung von Informationen für die
Gestaltung der Absatzwege und -kanäle. Für die Entscheidungen über die Zahl der
Vertriebsstufen, die Auswahl geeigneter Absatzmittler und -helfer sowie die
Auswahl der einzusetzenden Außendienstmitarbeiter muss eine Vielzahl von
Informationen ermittelt werden. Zum anderen lässt sich die konkrete Steuerung
des Außen- und Verkaufsdienstes durch die Zurverfügungstellung geeigneter
Informationen unterstützen. Schließlich werden für die Planung und Kontrolle
der Vertriebs- oder Distributionslogistik zahlreiche Informationen benötigt.
Das VC muss in diesem Zusammenhang dafür sorgen, dass die für die
Entscheidungen über Auftragsabwicklung, Lagerung, Verpackung und Transport
relevanten Informationen bereitstehen.
Um diese Aufgaben zu erfüllen, sind
Informationsbedarfsanalysen durchzuführen. Deren Ergebnisse zeigen, welche
Anforderungen der Vertrieb an Marketing-Informationssysteme
stellt.
2. Koordination der Vertriebsplanung und
-kontrolle
In jedem Bereich stellt sich das Problem, die verschiedenen
Teilplanungen so miteinander zu verknüpfen, dass sie im Hinblick auf das Gesamtziel nicht gegen-, sondern
gleichläufig wirksam werden. Zugleich sind Planung und Kontrolle eng
aufeinander abzustimmen. Für den Vertrieb zeigen sich vor allem drei derartige Aufgaben.
Erstens ist die Planung und Kontrolle der Verkaufspolitik
zu koordinieren. Strukturierung und Dimensionierung des Verkaufs und Außendienstes
sind mit Auswahl, Schulung und Einsatz der in ihm tätigen Personen abzustimmen.
Dies beinhaltet in der operativen Ebene eine koordinierte Planung und Kontrolle
des personellen sowie zeitlichen Mitarbeitereinsatzes und ihrer einzelnen
Aktivitäten.
Zweitens gibt es in
der Vertriebslogistik enge
Beziehungen zwischen Auftragsbearbeitung, Lagerung, Verpackung und Transport.
Beispielsweise hat die Art der Verpackung Einfluss auf die Lager- und
Transportmöglichkeiten. Die Berücksichtigung dieser Interdependenzen in der Vertriebsplanung ist für die Erreichung von
Service-, Kosten-, Sicherheits- und Flexibilitätszielen wichtig.
Drittens müssen die
Beziehungen der Vertriebsentscheidungen
zu anderen Planungstatbeständen des Marketing und darüber hinaus berücksichtigt
werden. So ist z.B. die Verkaufspolitik des Außendienstes mit der Produktpolitik, Preispolitik und Kommunikationspolitik
abzustimmen. Nur durch eine integrierte
Planung über diese Funktionsbereiche hinweg lassen sich die
Erfolgspotenziale der Logistik ausschöpfen.
3. Koordination zwischen verschiedenen
Führungsteilsystemen des Vertriebs
Informationssystem, Planung und Kontrolle stehen in enger
Beziehung zur Organisation und Personalführung im Vertrieb. Dies zeigt
sich an dem Zusammenhang zwischen dem organisatorischen Aufbau des
Vertriebssystems und den Gestaltungsmöglichkeiten der Vertriebsplanung sowie
-kontrolle. Sehr deutlich sind die Beziehungen zwischen Personalführung und
Vertriebsplanung, -kontrolle sowie -informationssystem. Absatzmittler,
Absatzhelfer und besonders die eigenen Außendienstmitarbeiter müssen durch die Vorgabe von Zielen und Planwerten, durch
Kontrollen sowie über eine
entsprechende Informationsversorgung
koordiniert gesteuert werden. Hierzu sind geeignete Anreizsysteme mit
Provisionen, Umsatz- oder Deckungsbeitragsanteilen u.Ä. einzurichten. Die
spezifische Aufgabe des VC liegt darin, dass solche Systeme auf die Gesamtziele
und die Planung des Marketing sowie das Rechnungswesen abgestimmt werden.
4. Aufgaben des strategischen
Vertriebs-Controlling
Zu den grundlegenden Entscheidungen des Vertriebs gehört die
Gestaltung der Absatzwege. Die Entscheidungstatbestände im Hinblick auf
direkten oder indirekten Vertrieb, die Einschaltung von Groß- und/oder Zwischenhändlern
sowie die Strukturierung der Beziehungen zu diesen reichen in die strategische
Dimension hinein. Ferner hat die Wahl einer intensiven (Flächendeckung),
selektiven (Beschränkung auf Verkaufspunkte) oder exklusiven (restriktive
Beschränkung) Distributionsstrategie längerfristigen Charakter. Diese
Entscheidungen müssen sich an der strategischen
Marketing-Politik und der Gesamtstrategie
der Unternehmung orientieren.
Beispielsweise lassen sich die Vorteile einer
händlerorientierten Vertriebspolitik nur nutzen und erhalten, wenn die Sortimentspolitik,
Preispolitik und Kommunikationspolitik
auf diese Absatzmittler gerichtet sind. Eine solche Politik kann z.B. in der Werbung
mit einem Ansprechen der Endverbraucher gekoppelt werden. Jedoch gerät sie
schnell in Probleme, wenn man ohne ausreichende Marktdifferenzierung versucht,
mehrere Absatzkanäle nebeneinander einzusetzen.
Diese Vertriebsentscheidungen sind mit den Strategien in
Bezug auf die wesentlichen Produkt-Markt-Kombinationen,
die Kundenpolitik und die Vertriebslogistik zu verknüpfen. Dies
reicht bis zur Festlegung von Leitbildern und Führungsgrundsätzen der
Unternehmung. Ferner stehen sie in Beziehung zu den grundlegenden
Entscheidungen in der Beschaffungs-
und der Produktionslogistik. So
wirken sich die Entscheidungen über Standorte für Produktionsstätten, Zwischen-
und Auslieferungslager oder die Einführung einer Just-in-Time-Fertigung auf das
VC aus.
III. Instrumente des
Vertriebs-Controlling
Wenn Controlling eine eigenständige Führungsfunktion
darstellen soll, müssen seine Instrumente auf eine Koordination gerichtet sein.
Sie leiten sich (z.B. als Informations- oder Planungsinstrumente) aus einzelnen
Führungsteilsystemen ab oder nehmen (wie Ziel- und Budgetierungssysteme)
Komponenten mehrerer Führungsteilsysteme auf (Küpper, H.-U.
1994).
1. Informationsinstrumente für das
Vertriebs-Controlling
a) Methoden der Informationsbedarfsanalyse
Für die Ermittlung des Informationsbedarfs im Vertrieb stehen
induktive und deduktive Methoden zur Verfügung (Küpper, H.-U.
1994). So kann man z.B. induktiv Befragungen
bei Vertriebsmitarbeitern und (potenziellen) Kunden durchführen. Sie lassen den
subjektiv empfundenen Bedarf an Informationen erkennen. Mit Modell- und deduktiv-logischen Analysen leitet man dagegen deduktiv einen eher
objektiven Bedarf für die dem Vertrieb gestellten Entscheidungen und Ziele her.
b) Instrumente der internen und externen
Datengewinnung
Um den festgestellten Informationsbedarf zu befriedigen,
müssen interne und externe Daten erhoben werden. Für die Vertriebspolitik
benötigt man u.a. Informationen über die wichtigsten Merkmale der aktuellen und
potenziellen Kunden, der Produkte, des Handels, der Konkurrenten, der
wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Umwelt sowie der eigenen
Unternehmung (Kotler,
P./Bliemel, F. W. 1992). Zu ihrer Gewinnung lassen sich insb.
Methoden der Primär- und Sekundärerhebung der Marktforschung
verwenden (Zentes, J.
1987). Als wichtige Informationsquelle lassen sich insb. Besuchsberichte von
Außendienstmitarbeitern einsetzen. Über die Nutzung von Datenbanken und neueren
Telekommunikationstechniken sind die Gewinnung von Sekundärinformationen sowie
die Datenauswertung stark verbessert worden.
Diese Instrumente sind Teil des Marketing-Informationssystems. Die spezifische Aufgabe des
Controlling liegt darin, ihren Einsatz auf den Informationsbedarf im Marketing
und speziell im Vertrieb auszurichten.
c) Vertriebsorientierte Teile der
Unternehmensrechnung
Wichtige interne Informationen sind in der
Unternehmensrechnung zu ermitteln. Deshalb ist sie auch im Sinne eines
Marketing-Accounting auszubauen (Köhler, R.
1993). Insb. der marketingbezogene Teil der Kosten-
und Leistungsrechnung ist auf die spezifischen Probleme und Zwecke des
Vertriebs auszurichten. Dies spricht dafür, die mit der EDV gegebenen
Möglichkeiten zum Aufbau einer vielfältig auswertbaren Grundrechnung zu nutzen. In Datenbanken können z.B. Einzeldaten mit
einer Vielzahl von Deskriptoren versehen werden, die ihre sachlichen
Zuordnungsmöglichkeiten zu Aufträgen, Kunden, Produkten, Versandarten usw.
angeben. Die konkrete Gestaltung der Grund- und der Auswertungsrechnungen
sollte u.a. von den Planungs- und Kontrollprozessen des Vertriebs abhängen.
Für die Unterstützung der operativen
Vertriebsplanung lassen sich Konzepte der Prozesskostenrechnung und der
Logistikkostenrechnung anwenden. Hierzu geht man von den im Vertrieb
durchzuführenden Aktivitäten aus und untersucht die für sie wichtigen
Einflussgrößen oder »Kostentreiber«.
Beispielsweise differenziert man Prozesse für Angebotsabgabe,
Kundengewinnung, Kundenbesuche, Ein- und Auslagerung, Verpackung, Versand,
Transport, Fakturierung usw. Für sie bestimmt man die maßgeblichen
Bestimmungsfaktoren als Prozessgrößen und zumindest näherungsweise die
Kostenfunktionen. Damit lassen sich einzelne Vertriebsaktivitäten genauer
analysieren, planen und kontrollieren.
Eine intensive Analyse
der Erfolgsentstehung ermöglicht die Absatzsegmentrechnung.
Absatzsegmentrechnungen stellen mehrstufige oder mehrdimensionale
Deckungsbeitragsrechnungen dar und lassen erkennen, inwieweit einzelne
Produkte, Aufträge, Kunden, Vertriebswege oder andere Bezugsgrößen den
Periodenerfolg bewirken. Für eine artikelbezogene Erfolgsanalyse kann man die
Direkte Produkt-Profitabilität (DPP bzw. DPR) heranziehen. Mit ihr wird ein
Bruttoergebnis ermittelt, indem man unter Berücksichtigung sonstiger
Vergütungen den Netto-Einkaufspreis und verschiedene direkte Produktkosten
(z.B. für Aktivitäten der Disposition, Warenannahme, Kommissionierung u.a.) vom
jeweiligen Netto-Verkaufspreis subtrahiert.
d) Berichts-, Abfrage- und Auswertungssysteme
Die große Zahl der für den Vertrieb ermittelten Daten ist in
Berichtssystemen zu ordnen und dem Anwender in geeigneter Form bereitzustellen.
Diese sind so zu gestalten, dass die Entscheidungsträger im Vertrieb die für
sie relevanten Planungs- und Kontrollinformationen rechtzeitig erhalten und
auswerten können. Als Standardberichte
müssen sie auf den Informationsbedarf der Empfänger zugeschnitten sein. Ausnahmeberichte werden erstellt, wenn
festgelegte Toleranzgrenzen überschritten werden. Durch die EDV sind
leistungsfähige Abfrage- und
Auswertungssysteme einsetzbar. Mit ihnen können im Dialogbetrieb
Informationen aus Datenbanken gezielt abgerufen und beispielsweise
Statistikprogramme zur Analyse und Interpretation der Daten herangezogen
werden. Derartige Systeme sind u.a. für die Vorbereitung bzw. Unterstützung von
Verkaufsgesprächen, die Außendienststeuerung, die Auswertung von
Auftragseingängen und die Datenprognose entwickelt worden (Zentes, J.
1987).
2. Planungsinstrumente für das
Vertriebs-Controlling
Die Aufgaben des VC können vor allem in der physischen Distribution durch quantitative Modelle
unterstützt werden. Für die Lösung von Standort-, Lager- und Transportproblemen
im Vertrieb (Tempelmeier,
H. 1983) wurde eine Vielzahl von Entscheidungsmodellen
entwickelt. Je stärker sie die Interdependenzen zwischen den einzelnen
Entscheidungstatbeständen und -bereichen berücksichtigen, desto eher eignen sie
sich für eine Koordination innerhalb der Vertriebslogistik.
Ihrer exakten Lösung mithilfe von Optimierungsverfahren sind i.d.R. enge Grenzen gesetzt. Deshalb
sind für praktische Probleme im Allgemeinen heuristische Lösungsverfahren
anzuwenden. Mit der Entwicklung von Personal-Computern sind diese breit
einsetzbar geworden.
3. Übergreifende Koordinationsinstrumente für
das Vertriebs-Controlling
a) Kennzahlen- und Zielsysteme
Wegen der Menge an Einflussgrößen sowie der Bedeutung
marktbezogener und nichtmonetärer Größen bietet sich der Einsatz von Kennzahlen
für die Analyse des realisierten und des geplanten Geschehens im Vertrieb
besonders an. Sie ermöglichen eine über die Absatzsegmentrechnung
hinausgehende Analyse, weil sich einzelnen absatzpolitischen Variablen häufig
keine Erfolgswirkungen unmittelbar zurechnen lassen. Zudem lassen sie sich für
die Steuerung von Vertriebsmitarbeitern und deren Aktivitäten heranziehen.
Ausgewählte absatzwirtschaftliche Kennzahlen
wie z.B. Umsätze, Deckungsbeiträge und deren zeitliche Entwicklung können
diesen als Ziele vorgegeben werden. Um hierdurch eine Koordination der
Vertriebsmitarbeiter und -aktivitäten zu erreichen, ist die Fülle möglicher
Einzelkennzahlen in einem Kennzahlen- und
Zielsystem zu ordnen. Für die Auswahl geeigneter Größen und die Erfassung
ihrer Beziehungen lassen sich definitionslogische, empirisch-theoretische sowie
-induktive und modellgestützte Methoden (Küpper, H.-U.
1994) verwenden. Dieses für den Vertrieb besonders geeignet erscheinende
Instrument ist für das VC noch wenig ausgebaut (zu ersten Ansätzen vgl. Abb. 2).
Abb. 2: Struktur eines Marketing-Kennzahlensystems (Quelle: Palloks, M.
1991)
Die Entwicklung von Kennzahlen- und Zielsystemen bietet sich
vor allem für den Außendiensteinsatz, die Vertriebslogistik und den Handel an.
Aufgabe des VC ist es dabei, über die Informationsanalyse hinaus zu
Zielsystemen zu gelangen, mit denen sich die Aktivitäten in diesen Bereichen
koordinieren und die in ihnen tätigen Entscheidungsträger beeinflussen bzw.
steuern lassen.
b) Budgetierungssysteme
Der Koordination und Steuerung dient auch die Vorgabe von
Budgets, da mit ihnen ein Handlungsspielraum abgesteckt wird. Im Vertrieb kann
man insb. Erlös-, Kosten- oder Deckungsbeitragsbudgets für Bereiche,
Abteilungen, Stellen oder Mitarbeiter im Verkauf und in der Vertriebslogistik
vorgeben. Sie werden vielfach aus der operativen Vertriebsplanung hergeleitet.
Hierzu eignen sich auch Vorschläge zur Bestimmung von Deckungsbudgets (Riebel, P.
1990) bzw. Soll-Deckungsbeiträgen (Kilger, W.
1988). Ferner kann man von der Absatzsegmentrechnung ausgehen, sofern die
Spartenleiter, Produkt- oder Kundenmanager sowie Außendienstmitarbeiter Entscheidungskompetenzen
für die absatzpolitischen Maßnahmen im betreffenden Bereich besitzen. Durch
ihre Beteiligung an der Budgetfestlegung kann man darauf hinwirken, dass sie
trotz interdependenter Erfolgseinflüsse die Budgets als Beurteilungsmaßstäbe akzeptieren
und somit eine auf das Gesamtziel ausgerichtete Koordination möglich wird.
c) Verrechnungspreise
Wenig ausgebaut ist die Verwendung von Verrechnungspreisen
für das VC. Dennoch erscheint es denkbar, Preise für einzelne
Vertriebsaktivitäten zentral vorzugeben oder unter Mitwirkung der Zentrale
auszuhandeln, durch die ein abgestimmtes Handeln bei dezentraler Planung
erreicht wird. Insb. könnten derartige Preise für Aufgaben der
Vertriebslogistik bei der Auftragsbearbeitung, der Lagerung und/oder dem Transport
angesetzt werden. Sofern die Unternehmung über eine ausgebaute
Logistikkostenrechnung (Weber, J.
1991) verfügt, kann diese für die Bestimmung von Verrechnungspreisen auf der
Basis von variablen Opportunitäts- und/oder Vollkosten herangezogen werden.
IV. Einordnung des
Vertriebs-Controlling in die Unternehmensorganisation
Der einzelnen Unternehmung stellt sich die Frage, ob bzw.
inwieweit diese Aufgaben des VC von den Instanzen im Vertrieb, dem
Marketing-Controlling oder Stellen in der Planung bzw. der Unternehmensrechnung
wahrgenommen werden. Sofern deren Kapazität für eine ausreichende Beachtung der
Controllingaufgaben nicht ausreicht, kann eine Ausgliederung und Übertragung
auf eigenständige Controllerstellen zweckmäßig werden. Als allgemeine
Einflussgrößen für die Ausgestaltung des Controlling haben sich die
Unternehmensgröße, die Umwelt und die Organisationsstruktur herausgeschält (Welge, M. K.
1988; Döpke, U.
1986). Danach könnte sich die Implementierung
eines Vertriebs-Controlling am ehesten in sehr großen Unternehmungen, bei
einer Konfrontation mit verschiedenartigen Märkten hoher Komplexität und
Dynamik sowie dezentraler Gesamtorganisation als zweckmäßig erweisen. Die
Schaffung zusätzlicher Stellen für ein VC verursacht (i.d.R. nicht geringe)
Kosten und birgt die Gefahr von Kompetenzüberschneidungen, Konflikten sowie
Doppelverantwortung in sich. Daher ist genau abzuwägen, welche Aufgaben man
Vertriebs-Controllern überträgt, mit welchen (Stab- oder Linien-)Kompetenzen
sie auszustatten sind und inwieweit dies zu einer besseren Aufgabenerfüllung
führt.
Eigene Stellen für das VC sind entweder dem
Marketing-Controlling oder dem Vertriebsbereich unterzuordnen. Die
Einheitlichkeit der Controllertätigkeit spricht für eine Einbindung in das
Marketing-Controlling. Jedoch ist für eine ausreichende Verknüpfung mit den Vertriebsabteilungen Sorge zu tragen,
damit die Vertriebs-Controller genügend Informationen »vor Ort« erhalten und
ihre Vorschläge sowie Entscheidungen dort umgesetzt werden.
In den Beziehungen zur höheren Controllereinheit und zu den
Vertriebsinstanzen zeigen sich dieselben Probleme, wie sie für das
Marketing-Controlling insgesamt gegenüber dem zentralen
(Unternehmens-)Controlling und den Instanzen des Marketing-Bereichs bestehen.
Um einerseits die Koordination mit der Gesamtunternehmung sicherzustellen und
andererseits in den betreffenden Teilbereich der Unternehmung eingebunden zu
sein, wählt man vielfach eine Trennung zwischen fachlicher und disziplinarischer
Unterstellung. Hieraus ergeben sich spezifische Kommunikationsanforderungen an
die Controller.
Bei einer organisatorischen Verselbstständigung von Logistikaufgaben stellt sich zusätzlich
die Frage des Verhältnisses zur Vertriebslogistik. Für ein VC als Schnittstelle
zwischen Logistik, Vertrieb und Controlling bieten sich verschiedene
Unterstellungsmöglichkeiten an. Es hängt von dem Gewicht und der
organisatorischen Ausgestaltung dieser Bereiche ab, welche Zuordnung am
zweckmäßigsten erscheint. Entsprechend der koordinierenden Ausrichtung von
Logistik und Controlling ist die organisatorische Lösung so zu gestalten, dass
sie die gleichzeitige Beachtung der Aufgaben sowie Aspekte beider Funktionen
fördert und nicht hemmt.
Literatur:
Döpke, U. : Strategisches
Marketing-Controllership, Frankfurt a.M. et al. 1986
Kilger, W. : Flexible
Plankostenrechnung und Deckungsbeitragsrechnung, 9. A., Wiesbaden 1988
Köhler, R. : Beiträge zum
Marketing-Management, Planung, Organisation, Controlling, 3. A., Stuttgart 1993
Kotler, P./Bliemel, F. W. :
Marketing-Management, 7. A., Stuttgart 1992
Küpper, H.-U. : Konzeption des Controlling
aus betriebswirtschaftlicher Sicht, in: 8. Saarbrücker Jahrestagung 1987.
Rechnungswesen und EDV, hrsg. v. Scheer, A.-W., Heidelberg 1987, S. 82 – 116
Küpper, H.-U. : Controlling, Stuttgart
1995
Küpper, H.-U./Weber, J./Zünd, A. : Zum
Verständnis und Selbstverständnis des Controlling. Thesen zur Konsensbildung,
in: ZfB, 1990, S. 281 – 293
Palloks, M. : Marketing-Controlling,
Frankfurt a.M. 1991
Riebel, P. : Einzelkosten- und
Deckungsbeitragsrechnung, 6. A., Wiesbaden 1990
Tempelmeier, H. : Quantitative Marketing-Logistik.
Entscheidungsprobleme, Lösungsverfahren, EDV-Programme, Berlin et al. 1983
Weber, J. : Logistik-Controlling, 2.
A., Stuttgart 1991
Welge, M. K. : Unternehmensführung,
Bd. 3: Controlling, Stuttgart 1988
Zentes, J. : EDV-gestütztes Marketing,
Berlin et al. 1987
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