Inhaltsübersicht
I. Ziele
der Produktion
II. Gestaltungsalternativen
der Produktionsorganisation
III. Defizite
bestehender Organisationsalternativen
IV. Aktuelle
Entwicklungen
I. Ziele der Produktion
Produktion ist das Herstellen oder Verändern von Sachgütern
und Dienstleistungen mithilfe anderer Sachgüter und Dienstleistungen (Kern, Werner
1979). Die Zielgrößen der Produktion haben sich von der klassischen Zielgröße
Auslastung hin zu einem Dreiklang aus Kosten, Qualität und Zeit entwickelt. Als
Ursache dafür sind gewandelte Marktbedingungen zu identifizieren, die eine
höhere Änderungsgeschwindigkeit der Umwelt bewirken und die Notwendigkeit zur
zunehmenden Markt- und Kundenorientierung für Unternehmen begründen (Wildemann,
Horst 1997a). Zur Lösung von Kundenproblemen sind dabei die
Erfolgsfaktoren Kosten, Qualität, Zeit und Flexibilität wichtig. Während
technologisch ausgerichtete Optimierungsstrategien vor allem die Erfüllung von
Kostenzielen gewährleisten können, ist die Orientierung der Produktion an den
neuen Zielgrößen insbesondere durch ablauf- und aufbauorganisatorische
Maßnahmen möglich.
II. Gestaltungsalternativen
der Produktionsorganisation
Bei den Gestaltungsalternativen der Produktionsorganisation
sind ablauforganisatorische und aufbauorganisatorische Alternativen zu
identifizieren. Während sich die Ablauforganisation auf die gesamthafte Sicht
der Materialfluss- und Informationsflussprozesse sowie auf die Koordination der
Teilprozesse bezieht, beschäftigt sich die Aufbauorganisation mit der
strukturellen Aufgliederung der Produktionsaufgaben auf Stellen.
Die Theorie der Produktionsorganisation ist zunächst aus
unternehmensinternen Gesichtspunkten entwickelt worden. Als
ablauforganisatorische Organisationstypen werden verschiedene Typen der
räumlichen und zeitlichen Anordnung von Arbeitskraft, Fertigungsobjekt und
Produktionsmitteln bezeichnet. In den Handbüchern für Produktion hat sich
folgende Organisationstypologie von Produktionen etabliert (vgl. auch Schäfer,
Erich 1969; Große-Oetringhaus,
Wigand F. 1974):
-
1. Trägerorientierung: Werkbankfertigung und
Produktionsmittelorientierte Fertigung,
-
2. Fertigungsobjektorientierung: Baustellenfertigung,
-
3. Funktionsorientierung: Werkstattfertigung,
-
4. Fertigungsablauforientierung: Fließfertigung,
-
5. Mischformen aus Funktions- und
Fertigungsablauforientierung: Werkstattfließfertigung und Fließinselfertigung,
Fertigungssegmentierung,
-
6. Mischform aus Funktions-, Träger- und
Fertigungsablauforientierung: Gruppenarbeit.
Zu 1. Aufbauend auf
den historisch frühen Ein-Mann-Handwerksbetrieben hat sich die
Organisationsform der Werkbankfertigung herausgebildet. Dabei werden Werkzeuge,
Betriebsmittel und Werkstoffe auf abgegrenzten Arbeitsplätzen rund um den
Arbeitenden gruppiert. Zentrales Merkmal ist die Arbeitskraftzentralisierung,
die sich auf Einzel- oder Gruppenarbeitsplätze beziehen kann. Dieser Produktionstyp
wird für Sondervorrichtungen, sperrige Güter und künstlerische Gegenstände
eingesetzt. Die produktionsmittelorientierte Fertigung ergibt sich aus der
produktionsorganisatorischen Orientierung um zentrale immobile
Produktionsmittel (z.B. Hochöfen für die Stahlerzeugung, Schachtofenanlagen in
der Zement- und Kalkindustrie).
Zu 2. Bei der
Baustellenfertigung werden die Produktionsfaktoren zu dem ortsgebundenen
Fertigungsobjekt hin orientiert. Zu unterscheiden ist zwischen der
innerbetrieblichen Baustellenfertigung (z.B. im Flugzeugbau) und der
außerbetrieblichen Baustellenfertigung (z.B. beim Anlagenbau), die sich
aufgrund der spezifischen Produkteigenschaften ergeben.
Zu 3. Bei dem
Organisationstyp der Werkstattfertigung sind gleiche oder gleichartige
Maschinen räumlich zu Gruppen zusammengefasst. Je nach Aufstellung der
Maschinen im Fabriklayout können Produkte in beliebiger Reihenfolge hin- und
herwandern. Durch die flexible Logistik und Maschinenbelegung können spezielle
Einzelkundenwünsche nach Lieferzeiten, Produktarten und Leistungsmengen
besonders gut realisiert werden. Im Durchschnitt ergeben sich jedoch für die
Produkte zumeist überschneidende Materialflüsse und hohe Transportkosten. Durch
Überschneidung von Transport- und Maschinenkapazitäten entsteht das Dilemma der
Ablaufplanung, das bei diesem Organisationstyp immer im Einzelfall zu lösen ist
und somit auch zu hohen Lieferzeiten führen kann. Der Organisationstyp der
Werkstattfertigung ist die arbeitsteilige Weiterentwicklung der Werkbankfertigung,
der für ein sehr breites Produktspektrum einsetzbar ist.
Zu 4. Das
Fließprinzip gilt als das kostengünstigste materialorientierte
ablauforganisatorische Prinzip des Fertigungsprozesses (zur Analyse des
Fließprinzips vgl. Wildemann,
Horst 1998). In der Fließfertigung werden die aufeinander folgenden
Stufen der Produktbearbeitung in einer technologisch-wirtschaftlich bestimmten
Reihenfolge räumlich und zeitlich hintereinander geschaltet, unabhängig davon,
ob es sich um maschinelle oder manuelle Bearbeitungsstufen handelt. Die
Anordnung ist durch minimale Gesamttransportwege und -kosten sowie durch minimale
Durchlaufzeiten mit kleinster Zwischenlagerbildung bei abgestimmten Kapazitäten
gekennzeichnet. Die Entflechtung der Produktionsbeziehungen, die Teilung der
Kapazitätsquerschnitte der entflochtenen Einheiten in kleine Einheiten sowie
die Synchronisation des Outputs erzielt optimale Kosten- und Leistungswerte
durch eine Auslastungsoptimierung der Anlagen sowie durch Prozessdisziplin zur
Vermeidung von Liegezeiten von Material und Information.
Die Durchlaufzeit wird als zentrale Steuerungsgröße in Fließfertigungen
durch Addition von Bearbeitungszeiten, Transport- und Liegezeiten etabliert.
Der Flussgrad gibt das Verhältnis der kürzest möglichen Durchlaufzeit zur
realisierten Durchlaufzeit an. Bei Umstellung von Leistungsprogramm durch
Variation von Produktarten und -mengen sind starke Veränderungen des
Produktionsablaufes vorzunehmen (vgl. die Anlaufproblematik neuer Fahrzeuge in
Automobilwerken). Die Flussorientierung der Produktion muss mit der
Flussorientierung der logistischen Ketten in Einklang gebracht und mit der
Integration neuer Technologien abgestimmt werden. Hierzu sind Investitionen in
Computerintegration, Lager- und Transportsysteme, integrierte Pufferlager,
dezentrale Qualitätssicherung und adaptive Schnittstellen erforderlich.
Zu 5. Durch
Anwendung des Fließprinzips auf der Fabrikebene und Ausplanung von einzelnen
Fertigungsschritten mit spezifischen Anforderungen auf Basis der Grundtypen
Werkbankfertigung, produktionsmittelorientierte Fertigung, Baustellenfertigung
und Werkstattfertigung können Mischformen dargestellt werden. Während bei der
Werkstattfließfertigung tätigkeitsähnliche Funktionen zu Werkstätten
zusammengefasst werden und diese entsprechend der zeitlichen Reihenfolge der
Bearbeitungsprozesse hintereinander angeordnet sind, werden bei der
Fließinselfertigung die Organisationsformen der Fließfertigung und der
Werkstattfertigung nicht integriert, sondern parallel nebeneinander betrieben.
Diese Organisationsform findet vor allem bei unterschiedlichen Volumengerüsten
der Produktionsmengen Einsatz. So werden Produkte oder Produktionsschritte in
großen Mengen in der Fließfertigung gefertigt, während Produkte oder
Produktionsschritte geringer Menge in Werkstattfertigung produziert werden.
Das Prinzip der Trennung von Produktionen auf Basis der
mengen- und werkstückspezifischen Anforderungen der Produkte liegt auch dem
Konzept der Fertigungssegmentierung zugrunde (zur Konzeption vgl. Skinner,
Wickham 1985; Schonberger,
Richard J. 1986 und Wildemann,
Horst 1988). Fertigungssegmente sind produktorientierte Einheiten,
die durch eine spezifische Wettbewerbsstrategie, die Integration mehrerer
Stufen der logistischen Kette, die Übertragung indirekter Funktionen sowie
einen hohen Grad an Ergebnisverantwortung gekennzeichnet sind (Wildemann,
Horst 2004d). Das Konzept zielt darauf ab, die Kosten- und
Produktivitätsvorteile der Fließfertigung mit der hohen Flexibilität der
Werkstattfertigung zu vereinen. Dabei wird eine weitgehende Entflechtung der
Kapazitäten und eine räumliche Konzentration mit variablem Layout angestrebt.
Zu 6. Während
traditionelle Produktivitätsziele der Produktion durch eine Ablauforganisation
mit hoher Arbeitsteilung und Spezialisierung in planende, ausführende und
kontrollierende Tätigkeiten mit separaten Teilprozessen erfüllt werden konnten,
sind moderne Produktionsorganisationen an den Prinzipien der „ Lean Production “
ausgerichtet, in deren Mittelpunkt die doppelte organisatorische Lernfähigkeit
steht. Durch eine hohe Mitarbeiterorientierung und eine Prozessfokussierung
werden in modernen Fabriken durch Gruppenarbeit ständig Verbesserungspotenziale
entlang der Dimensionen Kundenorientierung und interne Effizienz identifiziert
und umgesetzt und durch Flussorientierung schnelle Reaktionszeiten geschaffen.
Gruppenarbeit gilt als effizienzoptimierendes,
mitarbeiterorientiertes, aufbau- und ablauforganisatorisches Prinzip der
Produktion. Verbesserungsideen können durch Reduzierung der
Ressourcenausstattung hinsichtlich Bestände, Fläche, Handling und Behälter
generiert werden, da Schwachstellen und Blindleistung im Prozess aufgezeigt
werden und mithilfe eines mitarbeiterorientierten kontinuierlichen
Verbesserungsprozesses beseitigt werden. Eine Beschleunigung und Erweiterung
des Konzeptes wird durch das praxiserprobte Workshop-Konzept GENESIS (Wildemann,
Horst 1997a) ermöglicht. Dabei werden Lösungsansätze, Methoden und
standardisierte Vorgehensweisen innerhalb von vier Tagen angewandt, um
nachhaltig Durchlaufzeiten und Bestände zu reduzieren und Qualität und
Freiflächen in der Produktion zu erhöhen. Die Teilnehmer von GENESIS-Gruppen
setzen sich aus Mitarbeitern aller Hierarchiestufen zusammen, die ihre
Erfahrungen über betriebliche Zusammenhänge einbringen. Durch das
Zusammenwirken aller Beteiligten in kleinen Gruppen und in einer kommunikativen
Lern- und Arbeitsatmosphäre entstehen kurzfristig realisierbare
Verbesserungsvorschläge.
Die Aufbauorganisation ergibt sich durch die Gruppierung von
zu erfüllenden Teilprozessen zu dem Aufgabeninhalt einer Stellenbeschreibung.
Dabei ist der Teilungsgrad der zu erfüllenden Aufgaben sowie die Kombination
der resultierenden Teilaufgaben zu Stellen entlang der Leitmodelle
Objektorientierung oder Verrichtungsorientierung in Verbindung mit den
Prinzipien der Zentralisierung und Dezentralsierung zu klären. Das Prinzip der
Objektzentralisation besagt, dass unterschiedliche Operationen an gleichartigen
Objekten erfolgen. Nach dem Prinzip der Verrichtungsorientierung werden
gleichartige Tätigkeiten (Verrichtungen, Funktionen, Arbeitsoperationen) an
unterschiedlichen Objekten zu organisatorischen Einheiten zusammengefasst. Dem
Prinzip der Verrichtungszentralisation – in Verbindung mit gleichzeitiger
Dezentralsierung der Objekte – entspricht im Produktionsbereich der
Organisationstyp der Werkstattfertigung. Das Prinzip der Objektzentralisation –
in Verbindung mit gleichzeitiger Dezentralisation der Verrichtungen – kommt in
dem Organisationstyp der Fließfertigung (Kern, Werner
1979 und Kreikebaum,
Hartmut 1975) zum Ausdruck.
Das Fließprinzip, welches auch als Erzeugnisprinzip
bezeichnet wird, weist gegenüber dem Verrichtungsprinzip Kostenvorteile auf.
Dieser Kostenvorteil lässt sich auf Spezialisierungs- und Koordinationsvorteile
zurückführen: Die am Produkt orientierte Produktionsorganisation ermöglicht
eine höhere Spezialisierung und bringt einen niedrigeren Koordinationsaufwand
mit sich. Man versucht deshalb, auch innerhalb einer Produktionsorganisation
durch Fertigungssegmentierung die Vorteile einer produktorientierten Produktion
so weit wie möglich zu realisieren.
Die wertschöpfungskettenübergreifende Erweiterung der
Produktionsorganisation bezieht sich auf die Festlegung der optimalen
Unternehmensgrenzen (unter Berücksichtigung der Transaktionskostentheorie) im
Rahmen des gesamten Wertschöpfungsprozesses. Während bei der historischen
Manufaktur aus den Rohmaterialien in einer fast 100%igen Fertigungstiefe das
komplette Endprodukt hergestellt wurde, ist aktuell bei vielen Produktgruppen
eine zunehmende Aufteilung der Wertschöpfungsprozesse und eine Verlagerung von
Entwicklungs-, Steuerungs- und Produktionsaufgaben auf vorgelagerte
Wertschöpfungsstufen erkennbar. Dabei verknüpfen Unternehmen die Vorteile einer
erzeugnisorientierten Fokussierungsstrategie in einzelnen
Produktionsorganisationen mit den Vorteilen einer koordinierten Zusammenarbeit
zwischen mehreren selbstständigen und formal unabhängigen Unternehmen und
schließen sich mit anderen – nach denselben Prinzipien organisierten –
Unternehmen zu temporären oder dauerhaften Einheiten, zu Netzwerken zusammen (Wildemann,
Horst 1996). In der Automobilherstellung wird diese Entwicklung
derzeit unter den Begriffen „ Modular Sourcing “ und „ Tier-1-Supplier “ umgesetzt.
Vernetzte Wertschöpfungspartner übernehmen innerhalb von Projektteams des
Unternehmens eigene Planungsaufaben, betreiben Logistikzentren oder
Fertigungsstandorte in räumlicher Nähe der Produktionen des Unternehmens und
tragen Teile des Risikos (Wildemann,
Horst 2004a).
Die Gewährleistung des Fließprinzips in zunehmend geteilten
Wertschöpfungsketten wird durch die neuen Methoden der Supply Chain
Collaboration möglich. Ziel ist die Schaffung von Transparenz, die Information
des Abnehmers über freie Kapazitäten und Bestände sowie der permanente Abgleich
zwischen den vorhandenen und benötigten Kapazitäten beim Lieferanten für eine
rechtzeitige Erkennung von Kapazitätsengpässen in der Produktion und
Beschaffung (Wildemann,
Horst 2004b). Bei kurzfristigen Schwankungen eröffnet die
Collaboration durch das frühzeitige Erkennen von Über- oder Unterdeckungen die
Möglichkeit zur Umschichtung von Kapazitäten. Im Rahmen einer vertrauensvollen
Zusammenarbeit mit mehreren Partnern können zusätzliche zeitlich begrenzte
Kapazitäten durch Nutzung von Kapazitätsunterdeckungen anderer Abnehmer
wechselseitig bereitgestellt werden.
III. Defizite
bestehender Organisationsalternativen
Fallstudien haben gezeigt, dass das spezialisierte
verrichtungsorientierte Organisationsmodell der Produktion zu einem
Organisationsversagen führt, das sich in mangelnder Effizienz, langen
Durchlauf- und Lieferzeiten, hohen Gemeinkosten, mangelnder Qualität und wenig
menschengerechter Arbeitsplatzgestaltung widerspiegelt. Zur zentralen
Koordination werden Planung-, Steuerungs-, Informations- und Kontrollsysteme
eingesetzt. Dadurch wird jedoch Eigenkomplexität erzeugt; das Verhalten der
Organisationsmitglieder wird von den eigentlichen Zielen und Aufgaben der
Wertschöpfung abgelenkt; es besteht eine Tendenz zur Bürokratisierung (Bleicher,
Knut 1990). Damit steigen die Komplexitätskosten, und die
Organisation wird bei speziellen Anforderungen unflexibel. Da gleichzeitig die
Anforderungen an die Flexibilität und Reaktionsfähigkeit mit zunehmender
Umweltturbulenz steigen, wird die Notwendigkeit zu einer grundlegenden
Neukonzeption offensichtlich. Dabei gewinnt die Implementierung von Marktdruck
eine herausragende Bedeutung. Marktdruck wird hierbei als Instrument zur
Verhaltensbeeinflussung aufgefasst. Durch die Ausrichtung von Fertigungssegmenten
auf definierte Märkte und Ziele und die Bildung von
Produkt-Markt-Produktion-Kombinationen wird die Internalisierung von Marktdruck
ermöglicht.
IV. Aktuelle
Entwicklungen
Es lassen sich für die zukünftige Produktionsorganisation
vier wesentliche Entwicklungslinien ableiten. Danach basieren Fabrikstrukturen
der Zukunft auf den Prinzipien der Modularität, dem Aufbau von
Netzwerkstrukturen, Team- und Gruppenarbeit sowie auf schnellen Informations-,
Kommunikations- und Entscheidungsprozessen durch eine ziel- und
kundennutzenorientierte Datenintegration. Diese Prinzipien liegen auch den
verschiedenen Qualitätspreisen zugrunde, mit denen zukunftsfähige Produktionen
von verschiedenen Organisationen bewertet werden.
Mit Hilfe neuer Kapazitäten sowie Investitionen in Anlagen
und Gebäude ist eine Produktionserweiterung organisatorisch darstellbar (Wildemann, Horst
1997b). Angesichts zyklischer Marktschwankungen sind aktuell neue
Lösungsansätze für die Frage der Anpassung der Produktionsorganisation an
veränderte Produktionsprogramme und Produktionsstückzahlen unter dem Stichwort
„ Production on Demand “ entwickelt worden. Eine derartige organisatorische
Anpassung der Produktion wird durch den Einsatz eines Methoden-Mix aus
Instrumenten der Arbeitszeitflexibilisierung, der Bildung von modularen
Fertigungssegmenten sowie dem Einsatz von modularen Produktionsanlagen möglich.
Wichtig ist dabei die antizipative Erstellung von Volumenszenarien, die durch
spezifische Anpassungsstrategien unterlegt werden.
Im Zuge der kontinuierlichen Anstrengungen zur Erhöhung der
Wettbewerbsfähigkeit von Produktionen entstehen zunehmend spezialisierte
Dienstleister, die Teilaufgaben der Produktion übernehmen. Während die frühe
Phase dieser Entwicklung durch die Übernahmen von z.B.
Instandhaltungstätigkeiten und logistischen Leistungen durch spezialisierte
Unternehmen gekennzeichnet war, gehen die Entwicklungen bis zur Einrichtung von
Betreibermodellen für Produktionseinrichtungen. Dabei wird die Finanzierung und
der Betrieb der anlagentechnischen Infrastruktur aus dem Unternehmen gelöst und
an ein Konsortium vergeben. Die Effekte dieser Konstruktion sind die
Reduzierung des Anlagevermögens auf Seiten des Unternehmens sowie die Abwälzung
des Produktionsrisikos und auch des Marktrisikos. Dazu werden die Fixkosten der
Herstellung durch das Konsortium variabilisiert, da der Auftraggeber entweder
die Anlagenverfügbarkeit (Pay on Availability) oder den einzelnen Anlagenoutput
(Pay on Production) bezahlt (vgl. Wildemann,
Horst 2004c).
Literatur:
Bleicher, Knut : Zukunftsperspektiven
der Organisation, Bern 1990
Große-Oetringhaus, Wigand F. :
Fertigungstypologie unter dem Gesichtspunkt der Fertigungsablaufplanung, Berlin
1974
Kern, Werner : Produktionswirtschaft,
in: HW Prod, hrsg. v. Kern, Werner, Stuttgart 1979, Sp. 1647 – 1660
Kieser, Alfred/Kurbel, Karl :
Fertigungsorganisation, in: HWProd, hrsg. v. Kern, Werner, Stuttgart 1979, Sp.
586 – 595
Kreikebaum, Hartmut : Organisation des
Produktionsbereichs, in: HWB, hrsg. v. Grochla, Erwin, 4. A., Stuttgart 1975,
Sp. 3089 – 3096
Schäfer, Erich : Der Industriebetrieb.
Betriebswirtschaftslehre der Industrie auf typologischer Grundlage. Bd. 1, Köln
und Opladen 1969
Schonberger, Richard J. : World class
manufacturing: the lesson of simplicity applied, New York 1986
Skinner, Wickham : Manufacturing: the
formidable competitive weapon, 6. A., New York 1985
Wildemann, Horst : Advanced Purchasing
– Leitfaden zur Einbindung der Beschaffungsmärkte in den
Produktentstehungsprozess, 4. A., München 2004a
Wildemann, Horst : Supply Chain
Management – Effizienzsteigerung in der unternehmensübergreifenden
Wertschöpfungskette, München 2004b
Wildemann, Horst : Betreibermodelle –
eine Outsourcingstrategie?, München 2004c
Wildemann, Horst :
Produktionssysteme – Leitfaden zur methodengestützten Reorganisation der
Produktion, 2. A., München 2004d
Wildemann, Horst :
Produktionscontrolling – Systemorientiertes Controlling schlanker
Produktionsstrukturen, 4. A., München 2001
Wildemann, Horst : Fabrikplanung –
Die modulare Fabrik – Kundennahe Produktion durch Fertigungssegmentierung, 5.
A., München 1998
Wildemann, Horst :
Produktivitätsmanagement – Handbuch zur Einführung eines
Produktivitätssteigerungsprogramms mit GENESIS, 3. A., München 1997a
Wildemann, Horst :
Fertigungsstrategien – Reorganisationskonzepte für eine schlanke Produktion und
Zulieferung, 3. A., München 1997b
Wildemann, Horst :
Entwicklungsstrategien für Zulieferunternehmen, 3. A., München 1996
Wildemann, Horst : Wettbewerbs- und mitarbeiterorientiertes
Zeitmanagement in Produktion und Logistik, in: Organisationsstrategie und
Produktion, hrsg. v. Zahn, Erich, München 1990, S. 59 – 112
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